1989 in a Global Perspective. International Conference

Ort
Leipzig
Veranstalter
Global and European Studies Institute, University of Leipzig; in cooperation with the Centre for East-Central European History and Culture; the European Network in Universal and Global History (ENIUGH); the Graduate Centre for the Humanities and Social Sciences of the Research Academy Leipzig (RAL)
Datum
14.10.2009 - 16.10.2009
Von
Katja Naumann / Michael Mann, Universität Leipzig

1. Vorbemerkung
Ein Text mit über 4.000 Wörtern sprengt zweifelsohne den Rahmen eines gewöhnlichen Konferenzberichtes. Doch da die Konferenz tatsächlich bemerkenswert war, soll sie mit einer umfassenderen Diskussion des Anliegens und des Erreichten, nicht nur mit einer reinen Berichterstattung gewürdigt werden. Einleitend wird auf den weiteren konzeptionellen Hintergrund verwiesen, vor dem sich die Konferenz zutrug. Daran anschließend werden ausgewählte Vorträge und die wesentlichen Aspekte der Abschlussdiskussionen geschildert. Und schließlich werden in einem Fazit die Einsichten, ebenso wie die anstehenden Aufgaben bilanziert.

Ist das Thema um die historische Bedeutung des Jahres 1989 an sich schon ein heiß debattiertes, auch und gerade nach 20 Jahren, so ist es die Frage nach der globalhistorischen Relevanz allemal. Genau in diesem Spannungsfeld bewegten sich die Referate, die auf der Konferenz gehalten wurden. Sie ließen erkennen, dass man, im Unterschied zu manch anderen Revolutionen der Neuzeit, bei den Ereignissen von 1989 von einer abschließenden und befriedigenden Einordnung und Interpretation noch weit entfernt ist. Doch zunächst zum unmittelbaren Anlass der Konferenz.

Historische Jubiläen sind ohne Frage Kristallisationspunkte gesellschaftlicher Selbstverständigung, denn in der Vergegenwärtigung des Vergangenen kulminieren die Auseinandersetzungen mit der augenblicklichen politischen Ordnung ebenso wie sie die Verhandlungen künftiger Ordnungen dynamisieren. Das Jahr 2009 stand ganz im Zeichen des 20-jährigen Jahrestages der Umwälzungen in der DDR und Ostmitteleuropa. Eine Fülle von Veranstaltungen erinnerte an die Ereignisse dieser Monate und thematisierte ihre Folgen. Kontrovers diskutiert wurde dabei vornehmlich die Frage, ob die Entwicklungen, die in Leipzig ihren Anfang nahmen, als „Wende“ zu memoralisieren wären, mithin als eine zunächst offene Situation einschließlich der Option einer Reform des Sozialismus, oder ob sie treffender mit dem Terminus „friedliche Revolution“ zu beschreiben sind, demnach als erste freiheitliche Revolution in der deutschen Geschichte.

Dass in diesen Debatten über die ost- bzw. gesamtdeutsche Qualität von „1989” der internationale Kontext, und seien es nur die Verbindungen zu den ostmitteleuropäischen Prozessen oftmals randständig blieb, ist das eine, das auffällt. Bemerkenswerter ist indes etwas Weiteres: Zum einen sprach Michael Gorbatschow bereits Ende der 1980er-Jahre von einem zu bauenden „europäischen Haus“, unter dessen Dach offensichtlich bestehende politische Ordnungen transformiert werden sollten, freilich ohne das zu konkretisieren. Im Zuge der Ereignisse von 1989 formulierte George Bush Sen. dann im September 1990 in einer Rede vor dem amerikanischen Kongress eine erheblich weiterreichende Deutung der politischen Umwälzungen des vorausgegangenen Jahres. Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme in der DDR, in Osteuropa und in Russland habe sich das globale Gefüge in solch entscheidender Weise gewandelt, dass nunmehr eine neue Ordnung der Welt zu entwerfen sei. Zum anderen ist bis in die Gegenwart eine Deutung wirkmächtig, die nach wie vor der Weltsicht des Kalten Kriegs verhaftet ist. So hat kürzlich der ehemalige Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Dietrich Genscher, den Protestaufmarsch in Leipzig am 9. Oktober 1989 wie die gesamten Umwälzungen in Ostmittel-Europa ganz im Tenor seines Agierens vor zwei Dekaden gedeutet, nämlich als den Beginn einer europäischen Freiheitsrevolution gegen das sowjetische Herrschaftssystem, mit der die osteuropäischen Gesellschaften Entwicklungen des westlichen Teil des Kontinents nachvollzogen und somit die Grundlage für ein geeintes Europa von Demokratien und liberalen Volkswirtschaften geschaffen hätten.[1]

Diese Differenz in der Sprache und der Interpretation von „1989” bereits bei den Zeitzeugen war bisher weder in den Gedenkfeierlichkeiten angesprochen, noch in historisch-wissenschaftlichen Analysen thematisiert worden. Folglich gelten die Umbrüche, die das Ende des 20. Jahrhundert einläuteten, zwar als global einschneidend, doch bleibt deren globalhistorische Deutung seltsam losgelöst von den gewandelten Vorzeichen der weltpolitischen Situation – die Bedeutung des Nord-Süd-Konfliktes angesichts der Auflösung des Drei-Welten-Modells oder aber die Verschiebung von einer bipolaren oder monozentrischen hin zu einer polyzentrischen Konstellation. Zudem ist eine Reihe von Fragen, die diese unterschiedlichen Sichtweisen in der Zusammenschau provozieren, bislang nicht eingehend behandelt worden: Zeigen die Ereignisse und Entwicklungen um 1989 tatsächlich einen Wandel der Weltordnung an oder werden sie erst in der Erinnerungs- und Geschichtspolitik zu einer weltweiten Umwälzung? Wenn beides zutrifft, wie verhält sich die globale Qualität der Prozesse dieser Monate zu den vorherrschenden historischen Deutungen? Was wird in den gegenwärtig dominierenden Meistererzählungen von ersterem erfasst, was ausgeblendet und mit welchen Konsequenzen?

Diese Fragen gaben den Anlass für eine international hochkarätig besetzte Konferenz unter dem Titel „1989 in a Global Perspective“, die vom 14. bis 16. Oktober an der Leipziger Universität stattfand. Organisatorisch getragen wurde sie vom Global and European Studies Institute (GESI) der Universität Leipzig in Kooperation mit dem Zentrum für Ost-Mitteleuropäische Geschichte und Kultur (GWZO), dem European Network in Universal and Global History (ENIUGH) sowie dem Graduate Centre for the Humanities and Social Sciences der Research Academy Leipzig (RAL). Gefördert war sie von der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Universität Leipzig. Nicht nur der Fokus des erneuten Blicks auf 1989 war viel versprechend, auch das konzeptionelle Anliegen der Konferenz war ambitioniert.

2. Zur globalen Qualität von „1989“ und dem historisch-theoretischen Konzept von „Bruchzonen der Globalisierung“
Den drei Veranstaltern, ULF ENGEL (Leipzig), MATTHIAS MIDDELL (Leipzig) und FRANK HADLER (Leipzig) war daran gelegen, die Transformationen im östlichen Europa dezidiert nicht als auf diese Region bzw. als auf Europa beschränkte Ereignisse zu begreifen und korrespondierend dazu das Ende des Systemkonflikts des Kalten Kriegs nicht lediglich als eine Entscheidung zu Gunsten der einen Seite zu verstehen. Vielmehr schlugen sie vor, die weitweit kulminierenden Konflikte dieses Jahres insgesamt wahrzunehmen, angesichts ihrer Konvergenz nach globalhistorischen Dynamiken zu fragen sowie ausgehend von jenen Aspekten, die nicht von den gängigen Deutungen des ‚globalen 1989’ erfasst sind, neue Interpretationsrahmen zu entwickeln.

Immerhin, und darauf verweist die im Tagungsprogramm nachlesbare thematische Einführung[2], fügen sich die Ereignisse in Kuba, China ebenso wie in Sambia und Kenia nicht in das verbreitete Bild, dass sich in den politischen Umwälzungen von 1989 westliche Ordnungsmodelle (politische Demokratie und wirtschaftlicher Liberalismus) weltweit durchgesetzt hätten. Ohnehin übergeht diese eurozentrische Deutung, die die krisenhaften Umbrüche aus jeweils innenpolitischen Dynamiken erklärt und in dem Zerfall bzw. dem Ende des Sozialismus die Überlegenheit des Kapitalismus bestätigt sieht, die Vielfalt der verhandelten Gegenentwürfe. Und da eine solche Deutung die globale Synchronität der krisenhaften Umbrüche weitgehend außer Acht lässt, simplifiziert sie deren systemische Ursachen und Folgen.

Ein genauerer Blick auf die Prozesse, die sich in Asien, Afrika und Lateinamerika vollzogen haben, zeigt hingegen, dass um 1989 zunächst einmal hergebrachte Strukturen aufgebrochen wurden, ohne dass über deren Alternativen Einigkeit bestand. Internationale Bedingungsgefüge und lokale Konstellationen griffen auf je eigene Weise ineinander. Die Rezeption externer Dynamiken sowie deren standortspezifische Aneignung verlief mitnichten in vorgezogenen Bahnen, als Diffusion des westlichen Ordnungsmodells in andere Weltregionen, sondern die kulturellen Transfers führten zu einer Pluralität von Umgangsweisen. 1989 setzte keineswegs eine weltweite Homogenisierung von gesellschaftlichen Ordnungsmustern ein bzw. schloss sich der globale Süden nunmehr der Entwicklung des Nordens an. Stattdessen wurden, so Engel, Middell und Hadler in ihren Ausgangsthesen, die etablierten Organisationsformen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft herausgefordert und die Strukturen des internationalen Systems aufgebrochen.

Um die Ereignisse von 1989 in ihrer globalen – das heißt in ihrer räumlichen Weite wie ihrer strukturellen Bedeutsamkeit – zu erfassen und damit dem etablierten Eurozentrismus in der Deutung zu entgehen, war die Konferenz entlang von drei parallel laufenden Sektionen strukturiert: Unter der Überschrift „1989 – Events, Places, Comparisons” waren Vorträge gruppiert, die einen Überblick über die Entwicklungen dieses Jahres in verschiedenen Weltregionen gaben und in vergleichenden Analysen Unterschiede und Gemeinsamkeit herausstellen sollten. In der zweiten Sektion „Towards an Entangled History of 1989” wurden raumübergreifende Transferprozesse rekonstruiert und Bausteine für eine Verflechtungsgeschichte von 1989 gesammelt. In einem dritten Strang wurden „Processes of Remembrance and Re-Conceptualization of the World” thematisiert, wobei das Augenmerk auf den spezifischen Interesselagen sowie Partizipations- und Durchsetzungsmöglichkeiten derjenigen Akteure lag, die global ausgerichtete Deutungsmuster zu 1989 formuliert hatten. Freilich hätte deutlicher betont werden können, dass die drei Sektionen nicht nur der Ordnung dienten, sondern auch die drei wesentlichen Positionen der gegenwärtigen Forschung widerspiegeln, wonach nämlich erstens „1989“ nach wie vor im Kontext des Kalten Krieges und dessen Ende verstanden wird, zweitens mittlerweile auch eine starke globale Verwobenheit der Ereignisse von „1989“ zu erkennen ist und drittens ein Neuansatz in ihrer Interpretation angemessen und notwendig erscheint.

Neben diesem allgemeinen Rahmen erfuhr die Konferenz noch einen weiteren Fokus, da die Veranstalter ihren eigenen Forschungsansatz in der Beschäftigung mit Globalisierung vorstellten und dazu einluden, diesen für die Interpretation des globalen Momentes „1989” zu diskutieren. Engel, Middell und Hadler untersuchen die Dynamiken und Mechanismen globaler Integration mit Blick auf Verräumlichungsmuster von politischer Souveränität, aber auch wirtschaftlicher und kultureller Organisation. Globalisierungsprozesse verstehen sie als De- und Reterritorialisierungen, also die Etablierung, Erschütterung und Ablösung der räumlichen Einfassung von Politik und gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie gehen davon aus, dass in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein weltweiter Zusammenhang übergreifender Räume von Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Politik erwuchs, der die nationalstaatliche Territorialisierung beförderte, zugleich aber aufhob. Seitdem gelte es eine Balance zu finden zwischen der Bewahrung von Souveränität und Autonomie – nationalen Politik/Macht- und Identitätsräumen – einerseits und der Einbindung in globale Verflechtungs- und Interaktionsprozesse andererseits. In bestimmten Phasen verfestigt sich diese Dialekt zu stabilen Raumbezügen (Territorialisierung), zu anderen Zeiten verlieren diese Ordnungen ihre Überzeugungskraft. Erweisen sich herkömmliche Territorialisierungsmuster als nicht mehr effizient und werden sie porös, brechen Krisen auf. Verdichten sich diese Krisen, treten sie weltweit auf. Werden sie zu einer strukturellen Herausforderung der etablierten Ordnung, dann setzt ein Wandel der Weltordnung ein. Diese Phasen der Veränderung bezeichnen die Veranstalter as „Bruchzonen der Globalisierung“.[3] Zeitlich sind solche Bruchzonen nicht auf ausgewählte Ereignisse oder einzelne Jahre beschränkt, allerdings kulminieren sie in „global moments“, in Momenten, in denen bereits andauernden Krisen Sinn verliehen wird, indem Vorstellungen über neue territoriale Ordnungen formuliert werden. Bei „1989“ handele es sich, so die These, um einen solchen Moment: An vielen Orten der Welt dynamisierten sich Krisenphänomene und synchronisierten sich die daraus entstehenden Umbruchsprozesse. Waren sie vorher primär in einem nationalen Rahmen verortet worden, wurde nunmehr ihre globale Dimension offensichtlich. Folglich begann man sowohl darüber nachdenken, welche hergebrachte Ordnung des weltweiten Zusammenhanges mit ihren jeweiligen Räumen von Souveränität in der Auflösung begriffen ist, als auch, wie die neue Weltordnung beschaffen sein sollte.

Als durchsetzungsfähig (für einen kurzen Zeitraum) erwies sich dabei jene Interpretation, die von einer Durchsetzung westlicher Demokratie und wirtschaftlichen Liberalismus ausging. Auf lange Sicht hin formierten sich auf je verschiedene Weise und in unterschiedlichen Konstellationen neue politische Akteure, die Mitsprache beanspruchten. Transnationale soziale Gruppen forderten die Grenzsetzungen von nationalstaatlicher Verfasstheit heraus, Protestbewegungen formierten sich gegen die sowjetische Herrschaft, und in der nicht-europäischen Welt intensivierten sich postkoloniale Positionen gegen westliche Hegemonie. 1989 waren, so scheint es, die vorherrschenden Territorialisierungsmuster porös geworden, und standen in weiten Teilen der Welt, wenn nicht gar weltweit zur Disposition.

3. Konferenzbericht
In Anbetracht der thematischen Breite und bunten Mischung von Ansätzen, die viele Konferenzen kennzeichnen, weckte der inhaltliche Fokus dieser Tagung Erwartungen. Unbestritten ist ein Teil der aufgeworfenen Fragen in den Vorträgen aufgegriffen worden und wurden einige der Thesen lebhaft diskutiert. Allerdings wäre den Referenten geholfen gewesen und wäre es den Debatten zu Gute gekommen, wenn das konzeptionelle Anliegen und die leitenden Thesen nicht erst auf der Tagung – in Programmheft sowie durch den Einführungsvortrag – als Grundlage für die gemeinsame Debatte bekannt gegeben worden wären, sondern schon im Vorab. So ist eingangs zwar viel Interessantes entworfen worden, in den Sektionen hat sich aufgrund des vorbereitenden Versäumnisses davon nur ein kleiner Ausschnitt niedergeschlagen. Einige Vorträge verschlossen sich weitgehend der Fragestellung. CHRISTOPH BOYER (Salzburg) etwa argumentierte mit der klassischen Transformationsforschung und in den Termini des Ost-West-Gegensatzes und attestierte den osteuropäischen Staaten mangelnde Modernisierungsfähigkeit. Andere Referate, unter anderem von STEFAN TROEBST (Leipzig) oder MICHAEL ZEUSKE (Köln), rekonstruierten in Länderstudien zwar erhellend die Ereignisgeschichte von 1989, ließen allerdings deren mögliche Bedeutung für einen globalen Moment „1989“ offen.

Insgesamt zu kurz gekommen ist die Verfolgung von Wechselwirkungen zwischen den beschriebenen Krisen und Umbruchprozessen. Zwar zeigte unter anderem CHRIS SAUNDERS (Kapstadt) den Einfluss der Entwicklungen in der ehemaligen DDR auf das sich im März 1990 konstituierende Parlament in Namibia (nachdem das Land nach Jahrzehnte langem Kampf die Unabhängigkeit erlangt hatte) sowie auf die Verhandlungen zwischen F.W. Klerk und dem ANC in Südafrika auf. Doch angesichts der Teilnahme von Wissenschaftler/innen aus fast allen Weltregionen und der Behandlung einer Vielzahl von Ländern hätte die transnationale Qualität von 1989 weitaus stärker empirisch untermauert werden können.

Ambivalent war in der Zusammenschau auch die Diskussion um das Verhältnis der nationalen bzw. regionalen Entwicklung sowie dem internationalen Bedingungsgefüge. Einerseits wurde die Gleichzeitigkeit von lokalen Dynamiken und deren Artikulation in einer transnationalen Sprache deutlich. Das Vokabular von 1989 – Freiheit, Demokratie, Abrüstung sowie interkultureller Dialog – wirkte an vielen Orten inspirierend, weckte die Hoffnung auf Neugestaltung, und das Mitverfolgen von Emanzipationsbewegungen andernorts setzte eine Dynamik in Gang, die eine veränderte Weltordnung forcierte. Andererseits plädierten die meisten Vorträge für einen Vorrang von innenpolitischen Krisenursachen gegenüber der Prägung durch globale Transformationen.

JOHN FRENCH (Durham) etwa betonte in seinem Vortrag über Brasilien den nationalen Kontext für die Wahlen im Herbst 1989 und hob hervor, Südamerika und Ostmitteleuropa verbinde zwar der periphere Statuts in der Hierarchie des Kalten Krieges, doch ließen sich keine Verbindungslinien zwischen den Prozesse in beiden Regionen feststellen, weshalb ein globales 1989 in jedem Fall als eine ex post-Konstruktion zu begreifen sei. In ähnlicher Weise argumentierte HEIDRUN ZINNECKER (Leipzig). Auch Kolumbien würde der These eines globalen Momentes widersprechen, denn primär innergesellschaftliche Spannungen hätten der Forderung nach mehr Demokratie zum Durchbruch verholfen. (Interessanterweise wurde in einigen Beiträgen eine globale Kontextualisierung mit dem Argument zurückgewiesen, dass damit einmal mehr westliche Entwicklungsprozesse, Demokratie und freie Marktwirtschaft, der Geschichte der außereuropäischen Welt auferlegt würden.)

Im Gegensatz dazu zeichnete SCARLETT CORNELISSEN (Stellenbosch) überzeugend nach, dass sich die Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika als transnationale Bewegung konstituierte; gestützt auf ein Grenzen überschreitendes Netzwerk und in der Situierung des postkolonialen Anliegens in einen globalen Zusammenhang. Die innenpolitischen Ursachen waren mithin auf das engste mit der internationalen Sphäre verbunden. Und KLAAS DYKMANN (Leipzig) arbeitete für El Salvador heraus, dass die Wahlen im Frühjahr 1989 ebenso wie die eskalierende Gewalt im Herbst einen Wendepunkt in dem andauernden Bürgernkrieg (1980-1992) darstellten. Immerhin griffen seit diesem Jahr die USA, die UNO, aber auch eine Vielzahl von transnationalen zivilgesellschaftlichen Akteuren in die dortigen Auseinandersetzungen ein und suchten mit Verweis auf die internationale Position – Demokratisierung als Instrument weltweiter Friedenssicherung – zu vermitteln und eine Lösung des Konfliktes zu bewirken.

Angesichts dessen, dass einige Referenten zu dem Schluss gelangten, das Jahr und die Ereignisse von 1989 hätten in Lateinamerika kaum oder keinerlei Einfluss gehabt, würde man vermuten, dass dies für eine Region wie Südasien erst recht zuträfe. Wirft man dann einen Blick auf die bisherige Forschung, so wird man in dem Eindruck bestätigt. Bei genauerem Hinsehen, so zeigte das Referat von MICHAEL MANN (Leipzig), kann Indien in die globale Betrachtung sehr wohl eingefügt werden. Für die Indische Republik veränderte das Jahr 1989zunächst kaum etwas. Allerdings versäumten es die USA, im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion als verbliebene und handlungsfähige Großmacht eine globale Friedensordnung, zumindest aber ein globales Sicherheitskonzept zu entwickeln und konzentrierten sich stattdessen darauf, die NATO in Europa ostwärts zu expandieren. Staaten wie die Indische Union, bislang durch einen Freundschaftsvertrag an die Sowjetunion gebunden, zugleich aber eines der wichtigsten Mitglieder der blockfreien Staaten, vermissten ein solch global ausgerichtetes militär-strategisches Konzept. (Erstaunen mag in diesem Zusammenhang, dass die Bush-Administration die Ereignisse von 1989 zwar als so dramatisch empfand, dass sie von der Notwenigkeit einer neuen Weltordnung sprach – ohne allerdings das damals bereits geopolitisch wichtige Indien in die Strategien einzubeziehen.)

Auf sich alleine gestellt, zumindest in der Selbstwahrnehmung, konzipierten die indischen Regierungen und Militärs in den 1990er-Jahren ihr eigenes Sicherheitskonzept, das die Entwicklung der Atombombe einschloss. Dass es die hindu-nationalistische BJP-Regierung sein sollte, die die Indische Union 1998 per Atombombe als Großmacht des Indischen Ozeans ins 21. Jahrhundert katapultierte, hat einerseits mit deren nationalistischer Politik, andererseits mit der, aus indischer Sicht, geopolitischen „Schieflage“ zu tun. In der Folge mussten die USA von ihrer „non-proliferation”-Politik abweichen und mit der Indischen Union bei der Atompolitik zusammenarbeiten. Mithin eröffnete das fehlende Konzept der US-Administration den Regierungen und Militärstrategen in der Indischen Union eine Handlungsoption, nämlich sich aus eigenen Kräften als „global player” zumindest im Indischen Ozean und in Südasien zu etablieren.

Die Folgen von 1989 waren, wie in dem Beitrag von MARK JUERGENSMEYER (Santa Barbara) plausibel dargelegt wurde, im westasiatischen und nordafrikanischen Raum, zu ergänzen wäre Südasien, die Fundamentalisierung und Instrumentalisierung der Politik durch die Religion, sei es des Islams, sei es des Hinduismus. Eine vergleichbare Verschiebung fand übrigens auch in den USA statt, wo unter George W. Bush eine von christlichen Fundamentalisten dominierte Regierung an die Macht kam. Diese Konvergenz nationalistischer bis hin zu fundamentalistischen Entwicklungen, wie sie weltweit nach 1989 zu beobachten sind, ist, müsse, so Juergenmeyer, in die Deutungen von 1989 integriert werden. Gleiches gilt für Regionalisierungsprozesse in der Indischen Union in Form neuer Bundesstaaten – die Indischen Union ist flächenmäßig so groß wie die gegenwärtige EU – im Gegenüber der Nationalstaatsbildungen im östlichen und südöstlichen Europa. Offensichtlich wurden mit und nach 1989 politische Großräume, gleich welcher staatlicher Organisation, neu verhandelt und gegebenenfalls geordnet.

Vor allem zwei Vorträge lieferten konkrete Beispiele dafür, welche Bedeutung das Jahr 1989 in globaler Hinsicht und jenseits des eurozentrischen Narratives einer Verwestlichung hatte. MICHAEL GEYER (Chicago) referierte über die USA und die Regierungszeit von George Bush Sen. (1989-1993) als einer Periode, die sich einfacher Interpretation entziehe. Denn zunächst einmal sei eine Spannung zu konstatieren: Einerseits stellte 1989 für die USA kein dramatisches Jahr im eigentlichen Sinne dar, man beobachtete und reagierte ohne sich betroffen zu fühlen. Andererseits wurde intensiv über zwei strategische Optionen nachgedacht, mit denen auf die gewandelten Verhältnisse zu reagieren wäre: zum einen die Behauptung globaler Hegemonie in der Sprache und Form eines Imperiums, zum anderen die Durchsetzung geopolitischer Herrschaft im Gewand des Versprechens von Demokratie und Marktwirtschaft für den Rest der Welt. Alsbald wurden jedoch die Grenzen beider Politiken offenbar. Weder würde das 21. Jahrhundert eines der Imperien sein, noch griffen politische sowie wirtschaftliche Entwicklungen ineinander. Mithin wurden Anfang der 1990er-Jahre in den USA Zukunftsversionen verhandelt, die sich schnell als aussichtslos erwiesen, so dass die Selbstbeschreibung der USA in Bezug auf 1989 ihre Plausibilität verlor, ohne dass sich eine alternative Sichtweise heraus kristallisierte. Eine neue Perspektive böte sich indes, so Geyer, in Hinblick auf den erheblichen Einfluss des Landes, vor allem von Präsident Reagan, auf die Beendigung des Kalten Krieges. Betone man dies, würde sich 1989 als zunächst offene Situation zeigen und nicht als Meilenstein in der Amerikanisierung der Welt. Zudem könne man auf einen Wandel orientieren, der vor allem in der Außenpolitik greifbar ist – war diese anfangs auf Krisenmanagement gerichtet, verschob sie sich bald zu einem Hoheitsanspruch jenseits der Muster des Kalten Krieges. Allemal gelte es für den Zusammenhang eines globalen 1989 und den USA zwei Aspekte im Auge zu behalten: Ende der 1980er-Jahre befand sich die US-amerikanische Gesellschaft in einem dramatischen Umbruch, da der Zusammenbruch korporatistischer und fordistischer Organisationen zu einer hoch fragmentierten Gesellschaft führte, die mit Verwerfungen im gesamten Finanzsektor sowie De-Industrialisierungsprozessen rang. Beide Regierungen Bush bemühten sich in erster Linie, diesen Tendenzen Einhalt zu gebieten. Damit korrespondiere eine vergleichbare Verzögerungshaltung in der Geopolitik. Beides verweise auf eine hohe Verunsicherung, deren Ursache in dem Auseinanderbrechen der Nachkriegsordnung seit den 1960er- und 1970er-Jahren liege.

In eine ähnliche Richtung argumentierte ULF ENGEL (Leipzig) in seinem Vortrag über den Wandel der Finanzpolitik im 20. Jahrhundert, beispielhaft erläutert anhand von Afrika. Grundsätzlich sei über das ganze Jahrhundert eine Dialektik von Grenzüberschreitungen und Grenzsetzungen beobachten. Einerseits nahmen unabhängige Akteure und unkontrollierbare Bewegungen im Finanzsektor zu (Stichwort: Casino-Kapitalismus), andererseits versuchten Nationalstaaten und supranationale Institutionen (wie die Weltbank oder der IWF) diese Deterritorialisierungen mit politischer Regulation einzugrenzen, um ihre Souveränität gegenüber den außer Kontrolle geratenden Märkten durchzusetzen. Letztlich bewirkte der Washington Consensus, der als Stabilisator politischer Ordnung gedacht war, entgegen seinem ursprünglichen Anliegen einen politischen Wandel, etwa Demokratisierungsprozesse an der Côte d’Ivoire und das Ende der Apartheid in Südafrika. Diese wiederum stellten, begleitet von der postkolonialen Herausforderung globaler Machtstrukturen, die gesamte globale Finanzordnung, mit der die westliche Welt die restlichen Weltregionen unter ihre politische Kontrolle brachte, in Frage. Insofern, so resümierte Engel, sind die Entwicklungen von 1989 gleichermaßen das Ergebnis einer territorialen Ordnung des globalen Wirtschafts- und Finanzsektors wie sie einen Moment markieren, in dem dessen Strukturen und Organisationsmuster neu verhandelt wurden.

4. Resümee und Ausblick
Aus den Debatten während der beiden Plenumssitzungen der Konferenz sei ein Aspekt herausgegriffen. Offensichtlich irritierte die Teilnehmer der Konferenz, dass die Veranstalter „1989“ zwar als einen einschneidende Umbruch in der Territorialisierung gesellschaftlicher Ordnung und internationaler Beziehungen begriffen, jedoch die Frage, ob dieser als Revolution bezeichnet werden könne, eigentümlich im Hintergrund blieb. Unmittelbar nach den Berichten über die drei Sektionen, deren Referenten es versäumten, nochmals den systematisierenden und sinnstiftenden Zweck der Einteilung hervorzuheben, entspann sich eine Diskussion darum, inwieweit die weltweiten sozialen, wirtschaftlichen und politisch irreversiblen Umwälzungen besagten Jahres als globale Revolution aufzufassen seien. Bemerkenswerterweise bestand noch nicht einmal Einigkeit darüber, ob die Ereignisse in Ostmitteleuropa als eine friedliche Revolution oder als postkommunistische Transformation klassifiziert werden sollten, wenngleich diesen im Vergleich mit anderen Weltregionen noch am ehesten ein revolutionärer Charakter zugesprochen wurde.

Anregend war die Überlegung von Michael Geyer, das Ende der Sowjetunion nicht als eine Implosion, sondern tatsächlich als eine Revolution zu lesen, und zwar deshalb weil es sich um eine Ermächtigung gesellschaftlicher Akteure gegenüber den kommunistischen Herrschaftsstrukturen handele, die sich bald regional entgrenzte und zu einer weltweiten Einforderung von Mitsprache und Freiheitsrechten wurde. Da dieser Prozess keineswegs abgeschlossen ist, sei im Grunde von weiteren Revolutionen auszugehen. Mit diesem Gedanken ergab sich ein Bogen zur Grundfrage der Konferenz: Ist 1989 als „Ende der Geschichte“ in Sinne einer Bestätigung westlicher politischer und wirtschaftlicher Organisationsmustern zu deuten oder, überzeugender, als Beginn einer neuen Verfasstheit der Welt? Offensichtlich steht die Beantwortung dieser Frage in einem engen Zusammenhang mit jenen Visionen, die augenblicklich für die Gegenwart und Zukunft verhandelt werden.

Dreierlei war am Ende der anderthalb Tage herausgestellt:
- Erstens ist es ratsam für das Ausloten der globalen Qualität von 1989, bei den Deutungen der zeitgenössischen Akteure wie den folgenden Erinnerungsprozessen einzusetzen. Andernfalls gerät man allzu leicht in die Gefahr, die heute dominierende Meistererzählung über das Ende des Kalten Krieges als Überwindung des Sozialismus und Bestätigung seines Rivalen lediglich zu reproduzieren und dabei zwei Prozesse zu übergehen, die 1989 kulminierten: die Herausforderung nationalstaatlicher organisierter politischer Souveränität und die Unterordnung des Gros der Welt seitens weniger westeuropäischer und nordamerikanischer Staaten.
- Zweitens sind Gegenläufigkeiten in den globalen Umwälzungen herausgestellt geworden, etwa die Demilitarisierung in Europa im Kontext weltweiter Proliferation von Atomwaffen, an die sich für eine Provinzialisierung Europas (im Sinne einer Rekonstruktion europäischer Geschichte als Reaktion auf globale Zusammenhänge) auch für andere historischen Zeiträume und Ereignisse anknüpfen lässt.
- Drittens wurde einmal mehr offensichtlich, wie mühevoll die Auflösung von Sichtweisen ist, die der eurozentrischen Bipolarität des Kalten Krieges verhaftet bleiben anstatt die Polyzentrik der Welt ernstzuehmen – die sich, wie sich gezeigt hat, 1989 bereits hinreichend etabliert hatte.

Dagegen blieb fast unbeachtet, dass Umwälzungen in einer Situation ungleicher Machtverteilung mitnichten nur Gewinner, sondern auch Verlierer hervorbringt; ergo hatte der Freiheitsgewinn in Ostmitteleuropa einen Verlust an Handlungsoptionen anderswo zur Folge, standen Gewinnen aus der Integration in die Weltwirtschaft ebenso Verluste gegenüber. In diesem Sinne sind die wirtschaftliche Krisen in vielen lateinamerikanischen Ländern in den frühen 1990er-Jahren nicht zwangsläufig als Indikator dafür zu lesen, dass ein globales 1989 in dieser Weltregion nicht stattfand. Denn gerade die globale Verwobenheiten der Ereignisse von 1989 legt nahe, die „an einem Ende der Welt” gemachten Profite in einen Zusammenhang mit den Verlierern „am anderen Ende der Welt” zu stellen.

Wiewohl das inhaltliche Vorhaben der Veranstalter sich nur in Ausschnitten in den Vorträgen und Diskussionen niederschlug – mit gezielteren Vorgaben an die Referenten, vor allem aber mit einer stringenteren Moderation hätte man diesem Problem durchaus begegnen können – ist das Anliegen, eine empirisch fundierten Kritik eurozentrischer globaler Deutungen von 1989 zu formulieren, im Großen und Ganzen gelungen. Das Argument bezüglich eines Wandels der vorherrschenden Territorialisierungsmustern seit dem Ende der 1970er-Jahre fordert die Betonung eines sozio-ökonomischen Strukturwandels als wesentlicher Prozess des letzten Drittels des 20. Jahrhunderts heraus. Zwei Interpretationen scheinen sich momentan gegenüberzustehen; zugespitzt wiedergegeben jene, die auf die Ordnungsmuster der Bipolarität fokussiert, deren Auflösung nachzeichnet und somit von Konsequenzen, Wandel und der Notwendigkeit von Neujustierung für alle Weltregionen ausgeht sowie jene, die das Augenmerk auf eine strukturelle Krise industrialisierter Gesellschaften legt, für Ost- und Westeuropa zeitlich verschobene Lernprozesse annimmt und somit die Ereignisse des Jahres 1989 zwar als einschneidend, nicht jedoch von globaler Bedeutung begreift.

Bleibt zu hoffen, dass der geplante Sammelband diese Debatte dokumentiert, vor allem aber weiterführt, und zwar mit geschärften Argumenten. Als Wetzstein mag dieser Konferenzbericht dienen, der auf das konzeptionelle Anliegen (nochmals) aufmerksam macht, und der die vereinzelten Stärken, aber eben auch die zahlreichen Schwächen herausstreicht. Damit ist keine grundsätzliche Kritik an der Konferenz geübt, sie stellt ohne jeden Zweifel einen bedeutsamen Beitrag zur Aufarbeitung der Ereignisse von 1989 und ihrer Interpretation dar. Doch für das ersthafte Bemühen, sich mit dem Thema in erweiterter Perspektive auseinaderzusetzen und dadurch neue Horizonte zu eröffnen ist mit ihr eher ein weiterer Auftakt gegeben worden[4] denn dass ein Fazit gezogen werden könnte; daher gilt es, das Nachdenken fortzusetzen. Den Referenten wäre bei der Ausarbeitung ihrer Beiträge freilich geholfen, wenn sie ihre Referenzpunkte, sprich Staaten und Regionen, erneut auf die Bedeutung von „1989“ unter der Maßgabe der „Bruchzone“ befragten, um dem sicherlich geplanten Sammelband auch das nötige Gewicht zu verschaffen, mit dem er international auf sich aufmerksam machen könnte. Zu wünschen wäre zudem eine Folgekonferenz, die sich in einigen Jahren erneut mit dem Thema befasst. Bis dahin, so wäre zu hoffen, ist die gegenwärtig dominierende Meistererzählung zu 1989 als dem Ende des Kalten Krieges von einem globalghistorischen Narrativ abgelöst, das die Verwobenheit und globale Dimension der Ereignisse herausstreicht.

Konferenzübersicht:

Keynote lecture (Oskar-Halecki-Lecture of the GWZO):
Hans-Dietrich Genscher, former Minister of Foreign Affairs of the Federal Republic of Germany: „Auf dem Wege zum und im Epochenjahr 1989”
Introduction: Frank Hadler (GWZO)

Words of Welcome by
Rainer Eckert, Director of the Zeitgeschichtliches Forum
Franz Häuser, Rector of the University of Leipzig
Burkhard Jung, Mayor of the City of Leipzig
Bernd Faulenbach, Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur

Introduction:
Ulf Engel (University of Leipzig), Frank Hadler (GWZO, Leipzig), Matthias Middell (University of Leipzig): Global structures and the events of 1989
Ivan Berend (UCLA): Global financial architecture before and after 1989

Parallel Sessions of Sections

Section 1: 1989 – events, places, comparisons
Chairs: Frank Hadler (GWZO, Leipzig) and Amanda Gouws (U Stellenbosch), Colin Lewis (London)

Konrad H. Jarausch (University of North Carolina at Chapel Hill): Germany 1989: A New Type of Revolution?
Alexandr Shubin (Moscow): International Influence on Gorbacovs Reform and on Civil Movement
Oldrich Tuma (Academy of Sciences, Prag): Czechoslovakia in 1989
Chris Saunders (University of Cape Town): 1989 and Southern Africa
Ulf Engel (University of Leipzig): A Structuralist Interpretation of the Making of Sychronicity: Recontextualising 1989 in the Finance Politics of the 20th Century
John French (University of Duke): Without Fear of Being Happy: The 1989 Presidential Election Campaign of the 'Brazilian Lech Walesa' Luis Inácio Lula da Silva
Heidrun Zinecker (University of Leipzig): Where 1989 did not Happen: Colombia in 1989
Klaas Dykmann (University of Leipzig): El Salvador in 1989

Section 2: Towards an entangled history of 1989
Chairs: Ulf Engel (University of Leipzig), Michael Mann (University of Hagen)

Christoph Boyer (University of Salzburg): The socio-economic causes of “1989” in a comparative perspective
Michael Mann (University of Hagen): India in 1989
Stefan Troebst (GWZO, Leipzig): A Turn to the Worse: 1989 in Yugoslavia
Rüdiger Steinmetz (University of Leipzig): Televison as a Universal Therapist and Entertainer. An Analysis of Programmes in the Transition Period between the Opening of The Berlin Wall and the Unification of Germany
Mark Juergensmeyer (University of California, Santa Barbara): Storm Clouds of Global Religious Rebellion in 1989
Scarlett Cornelissen (University of Stellenbosch): Resolving the South African Problem: Transnational Activism, Ideology and Race in the Olympic Movement, 1960-1990
Hartmut Elsenhans (University of Leipzig): Rising New Cultural Identitarian Movements in Africa and Asia in the Emerging Multipolar World

Section 3: 1989 in processes of remembrance and re-conceptualisation of the world
Chairs: Matthias Middell (University of Leipzig), Michael Riekenberg (University of Leipzig), Beata Ociepka (University of Wrcolaw)

Michael Geyer (University of Chicago): The United States in 1989 – A Brief History of the Future - Bernhard H. Bayerlein (University of Mannheim): Communism – A History of Erosion
László Borhi (Budapest): The International Context of the Hungarian Transition, 1989
Michael Zeuske (University of Köln): 1989 in the Carribbean: Social Rebellion in Venezuela and Conflicts over Reforms on Cuba
Pierre Grosser (EHESS Paris): The 1989 Moment: Rethinking the demise of East Communist Europe in a Global Context
Jie-Hyun Lim (University of Seoul): Where Has the Socialism Gone? Korean Lefts Looking at the Post-Communist Eastern Europe
Claudia Kraft (University of Erfurt): Remembering the End of Polish Communism
Mihai Manea (University of Bucharest): 1989 in Romania. A Violent Popular Oust. Different Interpretations

Plenary Section: Reports from the Parallel Sections
Chair: Erin Wilson (University of Melbourne)

Concluding plenary session
Chair: Mark Juergensmeyer (University of California, Santa Barbara)

Introductory comment: Dietmar Rothermund (University of Heidelberg)

Anmerkungen:
[1] Hans-Dietrich Genscher in der Podiumsdiskussion „Revolution ohne Gewalt? Rückblicke auf ein unwahrscheinliches Ereignis“, Universität Leipzig, 9. Oktober 2009 sowie in der Eröffnungsrede der angezeigten Konferenz „Auf dem Wege zum und im Epochenjahr 1989” am 14. Oktober 2009, Universität Leipzig.
[2] Das Programm findet sich unter: <http://www.uni-leipzig.de/gesi/> (19.01.2010).
[3] Vgl. dazu: Ulf Engel / Matthias Middell, Bruchzonen der Globalisierung, globale Krisen und Territorialitätsregimes. Kategorien einer Globalgeschichtsschreibung, in: Comparativ 15,5-6 (2005), S. 5-38.
[4] Durchaus im Sinne der Konferenzdebatte hat Timothy Garton Ash kürzlich einige Perspektiven ausgezeigt, die für eine globale Deutung des Jahre 1989 künftig zu verfolgen wären: 1989!, in: New York Review of Books 56,17 (2009), online unter: <http://www.nybooks.com/articles/23232> (19.01.2010).

Zitation
Tagungsbericht: 1989 in a Global Perspective. International Conference, 14.10.2009 – 16.10.2009 Leipzig, in: H-Soz-Kult, 01.02.2010, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-2976>.
Redaktion
Veröffentlicht am
01.02.2010
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