Gelehrte Wissenschaft. Das Vorlesungsprogramm der Universität Jena um 1800

Ort
Jena
Veranstalter
Dr. Thomas Bach, Jonas Maatsch M. A., Dr. Ulrich Rasche (SFB 482: Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800)
Datum
31.03.2004 - 02.04.2004
Von
Ulrich Rasche, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Die Universitätsgeschichtsforschung ist in Bewegung geraten, seitdem neuere Arbeiten das Modell von der "Humboldtschen Universität" als Mythos und Erfindung des frühen 20. Jahrhundert entlarvt haben, das die Dynamik der universitätsgeschichtlichen Wandlungsprozesse um 1800 eher verdeckt als aufgeklärt hat [1]. Nachdem nun schon ansatzweise der "idealistische Schutt" abgetragen worden ist, der den Blick auf die "Realgestalt" der Universitäten versperrt hat, zeigt sich freilich in geradezu erschreckender Deutlichkeit, wie wenig eigentlich über die Funktionsweise der Universitäten bekannt ist. Künftige universitätsgeschichtliche Forschung steht somit in der Pflicht, die Modernisierungswege der deutschen Universitäten jeweils für sich und damit losgelöst von der ex post erfolgten ideologischen Überformung Berliner und Preußischer Universitätshistorie zu untersuchen. Bei aller Vielfalt der Methoden und Themenfelder scheint weitestgehend Einigkeit darüber zu herrschen, daß eine Neuorientierung solcher Art im Ergebnis zunächst offen bleiben, vorschnelle Paradigmenbildung vermieden und elementare Erkenntnis wieder mehr aus den zeitgenössischen Quellen geschöpft werden sollte. Diesem Ansatz hat auch die im Rahmen des Jenaer Sonderforschungsbereichs 482 ‚Ereignis Weimar und Jena. Kultur um 1800' von Thomas Bach, Jonas Maatsch und Ulrich Rasche organisierte Tagung Rechenschaft getragen. Sie hat sich vorgenommen, auf der Basis des Vorlesungsprogramms einmal ganz konkret dem Wandel von Lehrinhalten und Methoden an der Jenaer Universität um 1800 nachzuspüren. Jeder der vierzehn Referenten erhielt vorab eine unter Federführung von Horst Neuper (Ernst-Haeckel-Haus, Jena) in zwei Bänden erstellte Liste der mehr als 33000 Veranstaltungen (1749-1854), die auf den in zeitgenössischen Zeitschriften in deutscher Sprache mitgeteilten Vorlesungsankündigungen beruht [2]. Freilich hat eine Quellenerschließung solcher Art ihre Tücken, denn die in den Zeitschriften von Beginn an (1749) zugrunde gelegte Systematik der Wissenschaften hat es in den offiziellen lateinischen Vorlesungsprogrammen der Universität lange Zeit gar nicht gegeben. Von der traditionellen Rangordnung der vier Fakultäten abgesehen, war nicht Wissenschaft, sondern Anciennität der Professoren das ausschlaggebende Kriterium für die Reihung der Vorlesungen, die sonst außer in Zeitschriften noch in Form von Anschlagzettel angekündigt wurden, die sich aber bloß gelegentlich einmal erhalten haben. Erst mit dem Erscheinen offizieller deutscher Vorlesungsverzeichnisse zum SS 1866 hat sich auch hier eine sachliche Gliederung durchgesetzt. Die lateinischen Kataloge erschienen freilich parallel dazu in hergebrachter Form noch bis 1893. Selbst in ihren Vorlesungsverzeichnissen, wo es doch eigentlich um die Wissenschaften gehen müßte, präsentierte, ja man kann sagen definierte sich die alte Universität nicht über irgendwelche Wissenschaftssysteme, sondern über ihre zünftische Sozialordnung. Diese Beobachtung nahm Ulrich Rasche (Zur Geschichte der Vorlesungsprogramme) zum Anlaß, gleich zu Beginn der Tagung daran zu erinnern, daß Wissenschaft niemals und erst recht nicht um 1800, losgelöst von ihren sozialen, materiellen und institutionellen Bezügen betrachtet werden darf. Wissenschaftsgeschichte darf nicht mit Universitätsgeschichte gleich gesetzt werden. Wer aus dem damit angedeuteten Ganzen das Segment Wissenschaft herausschneidet und zunächst für sich betrachtet, sollte sich bewußt machen, daß er damit eine Art keimfreie Laborsituation schafft, die es so nie gegeben hat. Es gab keine Forschung und Lehre in "Einsamkeit und Freiheit", wie es kurz nach 1800 Humboldt als Ideal postuliert hatte. Das letzte Urteil - auch über die Wissenschaften selbst - muß also immer aus einer integrierenden Perspektive heraus gesprochen werden. Schon Reinhard Brandt, der sich in seinem öffentlichen Abendvortrag (Der Streit der Fakultäten) mit dem Ordnungsprinzip der Universitätsfakultäten befaßte, sprach sich in diesem Zusammenhang gegen eine Idealisierung dieser Universitätsstrukturen aus, weil hinter diesen Strukturen weniger ein Wissen des Wissens als vielmehr eine Reihe kontingenter Ereignisse stehe. Der Versuch, die Universität als Wissensstruktur zu begründen, sei eine Eigenheit der Philosophie des deutschen Idealismus und damit jüngeren Datums.

Den Reigen der fachspezifischen Vorträge eröffnete der Jenaer Latinist Meinolf Vielberg (Beredsamkeit), der sich nach einer historischen Einführung auf das Lehrprogramm der Professoren Christian Gottfried Schütz und Heinrich Karl Abraham Eichstädt konzentrierte. Sie waren im Untersuchungszeitraum für die Alten Sprachen zuständig. Schütz entfernte sich in seiner Jenaer Zeit (1779-1803) allmählich von seinem eigentlichen Berufungsgebiet (Eloquenz) und öffnete die Universität mit wegweisenden Vorlesungsprogrammen, Einführungsveranstaltungen für Hörer aller Fakultäten und mit seiner Studienanweisung von 1785 für die Ideen der Aufklärung und insbesondere für die Kantische Philosophie. Diese Entwicklung wurde unter seinem Nachfolger Eichstädt, jedenfalls was die Alten Sprachen betrifft, durch Wiederaufnahme der Arbeit der Jenaer Societas latina nach 1800 zurückgenommen und teilweise in ihr Gegenteil verkehrt. Der Prozeß einer zeitweiligen Öffnung für die Ideen der Aufklärung hat seine Entsprechung in der Entwicklung der theologischen Fakultät. Diesen Faden nahm der Jenaer Kirchenhistoriker Volker Leppin (Theologie) auf, indem er die Umformung des Unterrichtsprogramms der theologischen Fakultät aufgrund des Eindringens der Aufklärung nachzeichnete. Dabei erwies sich die historisch-kritische Methode wie auch die rationale Philosophie zunächst als Import aus der philosophischen Fakultät, den sich die theologische Fakultät zusehends zu eigen machte. Nach einer auch durch äußeren Druck bewirkten Phase der Redogmatisierung Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich schließlich ab etwa 1815 die Liberale Theologie durch und mit ihr der Fächerkanon, wie er bis heute die theologische Fakultät prägt. Der Jenaer Rechtshistoriker Gerhard Lingelbach (Jurisprudenz) erläuterte sodann, wie die juristische Argumentationstheorie und die Theorie der wissenschaftlichen Rechtsfindung in der Neuzeit zu einem grundlegend veränderten Denken über das Recht und seine Anwendung führten. Aus der Naturrechtslehre wuchs der Gedanke, aus der Vernunft ein Rechtssystem zu schöpfen. Diese Überlegungen erzeugten einen nachhaltigen wissenschaftlichen Streit und erforderten zugleich eine neue Methode der Darstellung, die synthetische Methode. Diese trat im Naturrecht neben die herkömmliche - die analytische - Methode. Als neue - rationalistische - Methode der wissenschaftlichen Darstellung, war diese mit System- und Prinzipienbildung verknüpft. Diese Veränderungen schlugen sich in den Vorlesungen nieder, indem Veranstaltungen zur "Enzyklopädie und Methodologie der gesamten Rechtswissenschaft", über die "Institutionen des gesamten positiven Rechts" und "Hermeneutik des Rechts" zunächst allmählich das Vorlesungsprogramm der Juristen bestimmten. Einen radikalen Bruch um 1800 hat es freilich nicht gegeben.

Katja Regensburger (Medizin) sprach über Kontinuitäten des Lehrprogramms sowie über spezifisch zeitgenössische Lehrinhalte und deren Gewichtung im gesamten Fächerkontext an der medizinischen Fakultät in Jena zwischen 1770 und 1820. Sie zeigte methodologische Tendenzen in der Gestaltung des Studiums auf und skizzierte am Beispiel der Geburtshilfe deren enge Bindung an gesamtkulturelle, gesundheits- und standespolitische Diskurse. Die Analyse der den Vorlesungen zugrunde gelegten Lehrbücher läßt auf ein hochgradig eigenständiges Lehrprofil der medizinischen Fakultät schließen. Dieser Befund korrespondiert mit der wachsenden Bedeutung der Nichtordinarien für Lehrstrukturen und -inhalte, was im übrigen die bereits auf einer früheren Jenaer Tagung von Gerhard Müller entwickelte These von der extraordinären Struktur der Jenaer Universität um 1800 [3] noch einmal nachhaltig unterstreicht. Der Vortrag von Jonas Maatsch (Wissenskunde) beschäftigte sich mit enzyklopädischen Einführungsvorlesungen für Studierende aller Fakultäten. Dabei wurde deutlich, wie die kursorischen, ohne Systematizitätsanspruch auftretenden Wissenskompendien des 18. Jahrhunderts in der Zeit nach Kant zunehmend systematischer aufgebauten Werken wichen, die nun den Vorlesungen zugrundegelegt wurden. Aber auch die systematische Ordnung im Sinne eines starren Rasters blieb nicht auf Dauer das zentrale Paradigma. Im Gefolge Schellings wurde es vielmehr von der Vorstellung einer organischen Entfaltung des Wissens abgelöst. Der Referent wies zudem auf das dialektische Verhältnis von Abgrenzung in den sich zunehmend differenzierenden Fachenzyklopädien einerseits und Einheitsbestreben in den auf diese Entwicklung reagierenden Gesamtsystemen andererseits hin. Ralf Beuthan und Brady Bowman (Philosophie) verfolgten in ihrem gemeinsamen Vortrag die Wandlungen in einem Kerngebiet der Philosophie, nämlich in der Logik und Metaphysik. Traten beide Fächer in der Zeit vor der Kantischen und idealistischen Epoche der Jenenser Universität in nur loser Verknüpfung auf, verdichten sie sich zur Einheit in den Jahren von ca. 1790 bis 1806. Danach trat - wie die Vorlesungsankündigungen deutlich erkennen lassen - wieder eine Phase zunehmender Differenzierung ein. Jan Frerks (Chemie) konstatierte ab etwa 1820 einen starken Anstieg der Anzahl der Vorlesungen. Dieser wurde gleichermaßen von Ordinarien und Extraordinarien getragen, die ab dieser Zeit fast ausschließlich der philosophischen Fakultät angehörten. Zu der gleichbleibenden Zahl von Veranstaltungen über allgemeine Chemie kamen spezielle Themenfelder hinzu. Erst die Berücksichtigung von detaillierteren Vorlesungsankündigungen, Lehrbüchern und Mitschriften legte offen, daß inhaltliche Entwicklungen auch in den Vorlesungen zur allgemeinen Chemie ihren Niederschlag fanden. Thomas Bach (Naturgeschichte) präsentierte zunächst einen Überblick über die seit den 1760er Jahren an der Universität Jena angebotenen Veranstaltungen. Während die Naturgeschichte zur Zeit von Oken Hochkonjunktur hatte, ließ das Angebot seit den 1830er Jahren zunehmend nach. Eine Analyse der in Jena zugrunde gelegten Lehrbücher von Titius und Blumenbach und der selbst geschriebenen Lehrbücher von Batsch, Oken und Voigt zeigte schließlich, daß sich die naturgeschichtliche Klassifikation zunehmend physiologischen Einteilungskriterien öffnete und ihren deskriptiven Charakter aufgab. Parallel hierzu läßt sich beobachten, daß der Gegensatz von Beschreiben und Erklären schwächer wurde, mit dem lange Zeit die Naturgeschichte von der Naturlehre abgegrenzt wurde.

Dietrich Briesemeister (Sprachmeister) untersuchte das Lehrangebot in den modernen Fremdsprachen (Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch), das zumeist ausländischen Sprachmeistern oblag. Sie stellten vielfach auch die dafür benötigten Lehrmaterialien (Grammatiken, Wörterbücher, Briefsteller, Anthologien) zusammen, die u. a. in Jena verlegt wurden. Der Status der Lektoren innerhalb der philosophischen Fakultät blieb finanziell immer prekär. Die Beschäftigung mit den "abendländischen" Sprachen stand in Jena wie an anderen deutschen Universitäten jener Zeit im Schatten der Klassischen Philologie und der Orientalistik. Die Romanische und Englische Philologie konstituierten sich als eigenständige Wissenschaftsdisziplinen erst allmählich nach 1830. Dem Jenaer Kunsthistoriker Reinhard Wegener (Zeichenmeister) ging es in seinem Vortrag darum, den um 1800 aufbrechenden Konflikt zwischen ästhetischem Anspruch des Zeichenunterrichts einerseits und dem großen Bedarf an präzisen naturwissenschaftlichern Illustrationen andererseits darzustellen. Der in Jena seit 1765 regelmäßig angebotene Zeichenunterricht sollte vorrangig den Studierenden der Mathematik, Mechanik und Baukunst die Grundlagen des Zeichnens vermitteln. Das Angebot umfaßte Übungen zur Theorie und Praxis des Zeichnens sowie Veranstaltungen zur Geschichte der Kunst. Mit dem Tod des akademischen Zeichenlehrers Johann Gottlob Schenk im Jahre 1785 verlor auch der Zeichenunterricht an Bedeutung. Unter seinem Nachfolger Christian Gotthilf Emanuel Oehme wurde das Zeichnen nur noch als Zusatzangebot für alle Studierenden mit einer Veranstaltung in das Vorlesungsverzeichnis aufgenommen. Dieser Rangverlust stand im Widerspruch zur wachsenden Bedeutung des Bildes als Medium zur Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Im Jahr 1808 wurde deshalb durch die Intervention Herzogs Carl August und Goethes der Maler Jacob Wilhelm Christian Roux als externen Zeichenlehrer für die Unterweisung der Studierenden in den naturwissenschaftlichen Disziplinen eingesetzt. Katrin Pöhnert (Handwerker, Fecht-, Reit-, und Tanzmeister) untersuchte die Rolle der Fecht-, Reit- und Tanzmeister sowie der Hofmechaniker an der Universität Jena. Während die Fecht-, Reit- und Tanzmeister den Adel oder adelsnahe bürgerliche Schichten an die Universität ziehen sollten, war es die Aufgabe der Hofmechaniker, Geräte anzufertigen und die Nachfrage nach praktischer Ausbildung in den technischen Disziplinen zu befriedigen. Zu diesem Zweck wurde überdies 1802 ein physikalisch-mechanisches Institut gegründet, mit dem durch Fertigung und Verkauf von Instrumenten wissenschaftliche und wirtschaftliche Interessen verbunden wurden.

Gerhard Müller (Staatswissenschaft) beschäftigte sich mit der Herausbildung der Staatswissenschaften als Wissenschaftsdisziplin an der Jenaer Universität. Ausgehend von der 1849 erfolgten Gründung des "Staatswissenschaftlichen Instituts" und der Etablierung eines staatswissenschaftlichen Lehrstuhls unter dem bedeutenden Nationalökonomen und Statistiker Bruno Hildebrand 1860 erörterte er zunächst rückblickend die Entwicklung der kameralistischen Staatswissenschaft und Politik seit Joachim Georg Darjes um 1750 und verfolgte dann das allmähliche Herauswachsen des Fachs aus seinem Status als Teildisziplin der Kameralistik (Polizeiwissenschaft) und historische Hilfswissenschaft (Statistik) in den Jahrzehnten des Vormärz. Klaus Ries (Geschichte) wies anhand der Jenaer Vorlesungsverzeichnisse und einer exemplarisch durchgeführten Inhaltsanalyse einiger Vorlesungen nach, daß die beiden Denkkategorien "Universalismus" und "Nationalismus" sich gegenseitig bedingten und um 1800 eine Neuakzentuierung erfuhren. Dabei wurde der aufgeklärt gewendete Universalismus von der nach 1800 verstärkt erkennbaren Nationalgeschichte dergestalt instrumentalisiert, daß Jena in den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zum Zentrum eines "universalistischen Nationalismus" wurde, der die Formel Emanuel Geibels aus dem Jahre 1861 "am Deutschen Wesen soll die Welt genesen" bereits vorwegnahm. Als Katalysator dieses spezifischen Nationalisierungsprozesses wirkte die wissenschaftstheoretische und -methodische "Sozialisation" der Universität Jena durch die Aufklärungshistorie der Universität Göttingen, die das gesamte 18.Jahrhundert über für Jena das dominante Leitbild war, bis sich die Salana um 1800 von Göttingen emanzipierte und ihren eigenen, national-universalistischen Weg ging.

In einer regen Schlußdebatte sind einige bereits bei einzelnen Vorträgen aufscheinende Fragen im Plenum diskutiert, Desiderate benannt und Perspektiven erörtert worden. Wie ist das Verhältnis von ‚gelehrter', also im gewissen Sinne praktizierter zu theoretischer Wissenschaft gewesen? Konstruiert man nicht allzu voreilig strukturell bedingte Veränderungen, wenn sich Wandlungsprozesse in einer relativ kurzen Zeitspanne im Grunde bloß am Wirken von zwei oder drei Professoren festmachen lassen? Kann deren Lehrprofil wie auch das der gesamten Universität überhaupt im Binnenvergleich herausgearbeitet werden oder muß dafür nicht vielmehr der Blick auf die deutsche Universitätslandschaft insgesamt geweitet werden? Gewinnen - mit anderen Worten - die Jenaer Befunde nicht erst in solchen Spiegelungen trennscharfe Konturen? Vor allem diese letzte Frage deutete die Grenzen gegenwärtiger Forschungen an, denn solange die Vorlesungsverzeichnisse der deutschen Universitäten nicht editorisch erschlossen sind, wird man einem solchen Anspruch kaum genügen können. Die Tagung konnte deshalb zwar kein abschließendes Urteil über das Lehrprofil der Jenaer Universität im Wandel vom 18. zum 19. Jahrhundert fällen, aber sie zeigte in einer Art ersten Bestandsaufnahme auf, daß sich über einen disziplinenübergreifenden wissenschaftlichen Austausch und durch ergebnisoffenes und quellennahes, auf Vorlesungsprogrammen basierendes Forschen wesentliche Erkenntnisfortschritte in der Universitäts- und Bildungsgeschichte erzielen lassen. In einer kleineren Runde wurde abschließend der Plan einer Faksimile-Edition der Jenaer Vorlesungsprogramme nach dem Königsberger Vorbild [4] beraten. Es bedarf hier aber noch weiterer Gespräche. Die wissenschaftliche Öffentlichkeit wird sich ihre Meinung über die in Jena angestellten Untersuchungen bilden können, wenn im Jahr 2005 erst einmal die um den Abdruck Jenaer Studienanweisungen ergänzten Tagungsbeiträge publiziert werden.

Anmerkungen

[1] Sylvia Paletschek, Verbreitete sich ein ‚Humboldt'sches Modell' an den deutschen Universitäten im 19. Jahrhundert?, in: Rainer Christoph Schwinges (Hg.), Humboldt International. Der Export des deutschen Universitätsmodells im 19. und 20. Jahrhundert (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte 3), Basel 2001, S. 105-130; Markus Huttner, Der Mythos Humboldt auf dem Prüfstand. Neue Studien zu Wirklichkeit und Wirkkraft des (preußisch-)deutschen Universitätsmodells im 19. und 20. Jahrhundert, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 7 (2004), S. 280-285.
[2] Horst Neuper, Das Vorlesungsangebot an der Universität Jena von 1749 bis 1854, Manuskriptdruck, 2 Bde., Weimar 2003.
[3] Gerhard Müller, Perioden Goethescher Universitätspolitik; Ders., Die extraordinäre Universität - Jenas Modernisierungsweg, in: Ders., Klaus Ries, Paul Ziche (Hgg.), Die Universität Jena. Tradition und Innovation um 1800 (Pallas Athene 2), Stuttgart 2001, S. 135- 153, 191-195.
[4] Michael Oberhausen, Riccardo Pozzo, Vorlesungsverzeichnisse der Universität Königsberg (1720-1804), 2 Bde. (Forschungen und Materialien zur Universitätsgeschichte, Abt. 1: Quellen zu Universitätsgeschichte 1), Stuttgart - Bad Cannstatt 1999.

Zitation
Tagungsbericht: Gelehrte Wissenschaft. Das Vorlesungsprogramm der Universität Jena um 1800, 31.03.2004 – 02.04.2004 Jena, in: H-Soz-Kult, 24.09.2004, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-569>.
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Veröffentlicht am
24.09.2004
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