Auf der Suche nach den Tatsachen. Interdisziplinäre Perspektiven auf die Materialität, Vielfalt und Flüchtigkeit wissenschaftlichen und technischen Wissens. INSIST-Nachwuchstagung

Ort
Berlin
Veranstalter
INSIST. Interdisziplinäres Netzwerk für Wissenschafts- und Technikforschung
Datum
22.10.2014 - 23.10.2014
Von
Mathis Nolte, Institute for Interdisciplinary Studies of Science, Universität Bielefeld / Institut für Pilosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte, Technische Universität Berlin

Die Frage nach den Tatsachen gehört, spätestens mit der „Wiederentdeckung“ von Ludwik Flecks wegweisender Studie zu ihrer Entstehung und Entwicklung[1] durch Thomas S. Kuhn im Jahre 1962 und dessen daran anschließenden eigenen Überlegungen zur Struktur wissenschaftlicher Revolutionen[2], zum etablierten Kernbestand des vielseitigen Fragearsenals der Wissenschafts- und Technikforschung. Die daran anknüpfenden Fragen nach der Materialität, der Vielfalt und der Flüchtigkeit wissenschaftlichen und technischen Wissens haben jedoch weder aus philosophischer, noch aus historischer oder sozialwissenschaftlicher Perspektive an Aktualität und Attraktivität verloren. Die INSIST (Interdisziplinäres Netzwerk für Wissenschafts- und Technikforschung)-Nachwuchstagung bot jungen NachwuchswissenschaftlerInnen die Möglichkeit, sich erneut auf die Suche zu begeben und, im Rahmen von zehn interdisziplinär angelegten Sessions, zu hinterfragen, was Tatsachen eigentlich ausmacht und wo und wie sie in der Welt zu finden sind. Da sich INSIST als Initiative von und für den Nachwuchs versteht, wurden des Weiteren auch ein „Barcamp“ zum informellen Peer-to-Peer Austausch über Methoden und Forschungsdesigns und – in Zusammenarbeit mit dem nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik) – ein Praxisworkshop zum akademischen Vernetzen in sozialen Medien angeboten. Zudem waren alle TeilnehmerInnen eingeladen am anschließenden INSIST-Netzwerktreffen teilzunehmen. Der vorliegende Bericht wird sich jedoch auf die Wiedergabe der Vorträge und Diskussionen rund um das Thema „Tatsachen“ beschränken.

Zur Einstimmung der gemeinsamen Suche nach den Tatsachen nutzte zunächst STEFAN BECK (Berlin) seinen einleitenden Keynote-Vortrag, um verschiedene Varianten von möglichen Suchbewegungen aufzuzeigen.[3] Nach einer kurzen Skizzierung grundsätzlicher epistemischer und ontologischer Überlegungen zum Tatsachenbegriff präsentierte er hierzu nicht nur verschiedene Spielarten der Be- und Hinterfragung von Praktiken der Produktion, Mobilisierung und Nutzung von Tatsachen, sondern plädierte auch für eine bewusst kritische Einmischung von Wissenschafts- und TechnikforscherInnen in gesellschaftspolitische Diskussionen. Die hochgradige Durchlässigkeit wissenschaftlicher Praxis für semiotische, materielle und soziale Austauschprozesse, so Beck, sei bekannter Weise keine Einbahnstraße. Er hoffe daher, dass die Wissenschafts- und Technikforschung sich dazu inspirieren lasse, ihren Blick wieder verstärkt auf die Produktion von und den Umgang mit Tatsachen in außerwissenschaftlichen Wissens- und Nichtwissensregimen zu richten. Durch den filmischen Erkundungsgang zur assoziativen Verbindung von Vernunft und Gefühlen an verschiedenen Orten und Plätzen der Universität Wien von MERSOLIS SCHÖNE (Wien) wurde den folgenden Sessions zudem auch ein Angebot zu einer romantisch-ästhetischen Annäherung an Tatsachen voraus geschickt.

Session I widmete sich der „Vielfalt epistemischer Praxen“ in verschiedenen inner- und interdisziplinären Kontexten. So beleuchtete JULIA BÖHME (Berlin) aus einer wissenschaftsethnographischen Perspektive, wie es Verhaltensökonomen (behavioral economics) gelingt, die Probanden ihrer Modellversuchen in rational agierende Akteure zu transformieren und so nicht nur unter Laborbedingungen replizierbare und intern valide Ergebnisse zu produzieren, sondern zugleich auch die Axiome ihrer Modelle real werden zu lassen. MICHAEL FUNK (Dresden) diskutierte in seinem wissenschafts- und technikphilosophisch gestützten Vortrag die Bedeutung und Terminologie von Tatsachen der Humanevolution im transdisziplinären Kontext paläoanthropologischer Forschungen. Und schließlich umriss MIGUEL DE LA RIVA (München) entlang Martin Kuschs „Sociology of Philosophical Knowledge“[4] epistemische und materielle Schreibpraktiken der Philosophie und deren Implikationen für Autorenschaft und philosophische Theoriebildungen.

Zeitgleich dazu wurden in Session II „Zukunft als Tat-Sachen“ die Konstitutionsbedingungen von zukünftigen Tatsachen hinterfragt. Als eine solche gilt, DAVID RENGELING (Bielefeld) zufolge, vielen Medizinern und Virologen der bevorstehende Ausbruch einer Influenzapandemie – ungewiss erscheint allein, wann sich dieser Ausbruch ereignen wird. In seinem Vortrag richtete Rengeling daher den Blick darauf, wie durch den Rückgriff auf heterogene Datenmaterialien vergangener Epidemien versucht wird, mögliche Verläufe und Verbreitungswege vorauszusehen, um sich bestmöglich gegen die Katastrophe zu wappnen. LEO MATTEO BACHINGER (Wien) zeigte am Beispiel von Werbevideos zum „Ambient Assisted Living“, sprich altersgerechter Assistenzsysteme für die Alltagsbewältigung in Zeiten des demographischen Wandels, wie technosoziale Objekte und die mit diesen Objekten verbundenen Zukunftsszenarien zur Konstitution von Wissensordnungen und beitragen. Und TOBIAS LESSMEISTER (Berlin) stellte vor, inwieweit wissenschaftliche Modelle als Standard zur Ermittlung ernsthafter Möglichkeiten herangezogen werden können und welche Vorteile dieses Möglichkeitswissen gegenüber der üblichen Risikokommunikation mit Hilfe von Wahrscheinlichkeiten bieten könnte.

Zum Einstieg in Session III „Biomacht und Biokapital“ fragte JULIA ENGELSCHALT (Bielefeld) danach, wie neue Erkenntnisse zum humanen Mikrobiom durch Kosmetik- und Reinigungsprodukte aufgegriffen und zugleich die vorherrschende Desinfektionsdoktrin revolutioniert werden. Anschließend diskutierten MAJA URBANCZYK und CHRISTIN FLISCHIKOWSKI (beide Tübingen), wie sich gesellschaftliche Optimierungsdiskurse in Praktiken der Selbstvermessung durch Smartphone-Apps und Hi-Tech-Gadgets und der damit einhergehenden Quantifizierung der eigenen körperlichen, mentalen und emotionalen Zustände widerspiegeln.

Während sich Session III auf den Stellenwert von epistemischen Tatsachen für gegenwärtige Körperpraktiken konzentrierte, richtete die parallel stattfindende Session IV „Historische Wissenschaftsforschungen“ den Blick in die Vergangenheit. So beleuchtete DANIEL SCHINDLER (Darmstadt), wie sich Eugen Diesel, Otto Neurath und Theodor Adorno an Otto Sprenglers These vom „Raubtier Mensch“ und der daraus abgeleiteten Rolle der Technik im „immerwährenden Lebenskampf“ abarbeiteten, ohne allerdings die fortwährende Zuschreibung eines Tatsachenstatus gegenüber Sprenglers Überlegungen aus dem Jahre 1931 unterbinden zu können. JONATHAN PÄRLI (Zürich) führte die Suche nach den Tatsachen anschließend in die Gefilde der internationalen Diplomatie. Im Zentrum seines Vortrags stand die Frage nach dem epistemischen Status und der politischen Wirkung so genannter menschenrechtlicher „Fact-Finding Missions“ von UNO, Europarat oder NGOs, im Zeitraum von 1960 bis 1990. Und CHARLOTTE KEMPF (Heidelberg) gab im Rahmen ihres Vortrags einen Einblick, wie die Etablierung des Buchdrucks französische Textkulturen des 19. Jahrhunderts beeinflusste und wie die Herauslösung aus dem ursprünglichen Mainzer Kontext ihrerseits die Techniken des Druckens und die Materialität von Druckerzeugnissen veränderte.

Aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen wurden die anschließenden Sessions V „CERN- Epistemische Strategien und Kontexte“ und VI „Urbane Fakten“ zusammengelegt. Zum Einstieg zeigte ANNE DIPPEL (Jena), wie epistemischen Objekte, im Forschungsalltag von Forschern und Forscherinnen des CERN, zwischen Signifikant und Signifikat oszillieren, und sich, etwa in Gestalt von „DAQ-Ducks“, wissenschaftliche und popkulturelle Semiotik vermischen. HEIKE LÜKEN (Hamburg) führte die Session schließlich in urbane Kontexte und stellte vor, wie epistemologische Strategien aus Kunst und Wissenschaft in der näheren Vergangenheit, beispielsweise in den Arbeiten von Boris Sieverts, füreinander fruchtbar gemacht, in Projekten künstlerischer Stadtforschung umgesetzt und letztlich auch in konkrete städteplanerische Maßnahmen überführt wurden. NONA SCHULTE-RÖMER (Berlin) richtete den Fokus anschließend auf die Einführung von Leuchtdioden in öffentlichen Beleuchtungsanlagen und zeigte am Beispiel zweier europäischer Großstädte, wie Lichtexperten, Bürger und Verwaltungen um das richtige Licht am richtigen Ort ringen.

In Session VII zum Thema „Nicht-empirische Wissenschaftsordnungen“ fragte CHRISTIAN KIESOW (Berlin), inwieweit sich das Tatsachenverständnis der Mathematik von dem der Geistes- und Naturwissen-schaften unterscheidet, bzw. ob und wie selbiges Verständnis unter Rückgriff auf verschiedene sozialwissenschaftliche Ansätze der Wissenschaftsforschung untersucht werden kann. MARTIN BÖHNERT und PAUL RESZKE (beide Kassel) untersuchten daran anschließend disziplinspezifische Verwendungsmuster des Terminus „plausibel“ und verwandter Begriffe, wie „logisch“, „offensichtlich“, „evident“, etc., bei der Kennzeichnung einzelner Sachverhalte als Tatsache.

Alternativ bot die parallel verlaufende Session VIII „Sozialwissenschaftliches Wissen in der Technikentwicklung“ Einblicke in Implementierung sozialwissenschaftlichen Wissens in die Technikentwicklung. So rekonstruierte ANDREAS BISCHOF (Chemnitz) auf Basis teilnehmender Beobachtungen und Experteninterviews, wie Methoden und Theorien aus der Entwicklungs- und Kognitionspsychologie auf dem Feld der Human-Robot-Interaction (HRI) und Sozialrobotik zunehmend Einfluss gewinnen konnten und zu gewichtigen Veröffentlichungskriterien zentraler Publikationsorgane avancierten. LAURA KOCKSCH (Frankfurt am Main) berichtete stellvertretend für ihre Forschungsgruppe anschließend über die Bedingungen und Herausforderungen erfolgreicher Kooperationen zwischen Sozialwissenschaftlern und Informatikern bei der Entwicklung von Online Social Networks (ONS). MIIRA HILL (Berlin) hinterfragte, wie wissenschaftliche Tatsachen im Rahmen populärwissenschaftlicher Science Slams thematisiert und präsentiert werden, bzw. ob und inwieweit diese Veranstaltungen ihren Besuchern dabei eigene Einblicke in die Black Box wissenschaftlicher Wissensproduktion bieten.

Zu Beginn der Session IX „ANT – Kritik und Erweiterung“ stellte ERIK WÖLM (Passau) der „Akteur-Network-Theorie“ (ANT) zunächst Kevin Ashtons Konzept des „Internet der Dinge“ (IoT) gegenüber.[5] Wölm diskutierte hierbei nicht nur Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Ansätze, sondern fragte auch danach, inwieweit Selbige für die Untersuchung von Materialität und der Ordnungsstrukturen von Tatsachen furchtbar gemacht werden können. Auch MARKUS WAHL (Berlin) wählte für seinen Vortrag einen Theorievergleich und fragte nach Analogien zwischen dem psychoanalytischen Objektbegriff und den „Quasi-Objekten“ der ANT. Durch den Rückgriff auf die Psychoanalyse, so seine These, könnten soziologische Studien gewinnbringend für die Dimension des Begehrens in der Produktion sozialer Ordnungen und ihrer „Tatsachen“ sensibilisiert werden. CORDULA ENDTER (Hamburg) erkundete anschließend anhand einer Selbstbeobachtung das Spannungsverhältnis zwischen den Akteuren der natur- und technikwissenschaftlichen Wissensproduktion und Jenen, die diese Produktionsprozesse aus kulturwissenschaftlicher bzw. soziologisch-ethnologischer Perspektive beobachten, beschreiben und dekonstruieren. Im Rahmen des Vortrags wurde insbesondere beleuchtet, ob und in welcher Weise die teilnehmende Beobachtung auf das Setting der Wissensproduktion einwirkt und welche Möglichkeiten einer emanzipativen bzw. poltischen Intervention bzw. Kollaboration sich hieraus ergeben.

In Session X „Tatsachen & Visualität“ zeigten zunächst NINA WITJES und PHILLIP OLBRICH (beide Wien), wie die wachsende Verfügbarkeit von Satellitenbildern die internationale Wissensproduktion über Nordkorea und somit letztlich auch politische Entscheidungsprozesse beeinflussen. Nach diesen Ausführungen zu den Möglichkeiten und Schwierigkeiten satellitengestützter Beobachtungen zur Überbrückung großer Distanzen, richtete der zweite Vortrag der Session den Blick auf den Einsatz computergestützter Modelle und Simulationen bei der Erforschung des Körperinneren. ERIC LETTKEMANN und RENÉ WILKE (beide Berlin) fragten nach den Wegen und Bedingungen der Forschungsorganisation, Kommunikation und Tatsachenproduktion zwischen InformatikerInnen, PsychologInnen, MedizinerInnen, MathematikerInnen, BiologInnen und PhysikerInnen, auf dem interdisziplinären Gebiet der Computational Neuroscience.

Der Versuch die vielfältigen Suchbewegungen der verschiedenen Sessions, Vorträge und Diskussionen zu einem abschließenden Resümee zu führen, gestaltet sich keineswegs einfach. Schließlich besteht eine der Kernannahmen sowohl der älteren wie auch zeitgenössischen Wissenschafts- und Technikforschung darin, dass Tatsachen jeweils ihren Ort und ihre Zeit haben. Die Fragen nach ontologischem und empirischem Gehalt spezifischer Tatsachen, sowie ihrer Rolle und Funktion in disziplinären und gesellschaftlichen Kontexten, führt daher schnell ins Detail und lässt sich auf einem abstrakteren Level bestenfalls nur schwer, bzw. vielleicht sogar gar nicht, beantworten. Damit bleibt die Suche nach den Tatsachen jedoch nicht weniger spannend. Insbesondere dann, wenn man sich vor Augen führt, dass nicht nur das Verständnis dessen, was eine Tatsache ausmacht, sondern auch die diesbezüglichen Suchbewegungen in der Wissenschafts- und Technikforschung ihrem ganz eigenen Wandel unterliegen. Zumindest eine mögliche Antwort auf die Frage nach disziplinübergreifenden Tagungsergebnissen scheint mir daher in der Beobachtung zu liegen, dass die alte Kritik gegenüber einem vermeintlich naiven Tatsachenverständnis in den Natur- und Technikwissenschaften, auch zu einer zunehmenden Reflektion über die Erkenntnisbedingungen der Wissenschafts- und Technikforschung selbst zu führen scheint. Schließlich erheben auch Wissenschafts- und TechnikforscherInnen immer wieder den Anspruch zumindest intersubjektiv gültige Aussagen über ihre jeweiligen Gegenstandsbereiche produzieren zu können. Sowohl explizit wie auch implizit wurden die Vorträge und Diskussion daher immer wieder von der Frage getragen, wie eigentlich damit umzugehen ist, dass auch die Wissenschafts- und Technikforschung keine neutrale Beobachterposition für sich in Anspruch nehmen kann.

Konferenzübersicht:

Eröffnung durch INSIST
Claudia Göbel (Berlin)

Begrüßung durch das WZB
Dagmar Simon (Berlin)

Stefan Beck (Berlin), Keynote: Sachen – Sachen; Tat-Sachen und Tatsachen. Überlegungen zum Stand der Dinge in den STS und zünftigen / künftigen Problemen

Mersolis Schöne (Wien), Filmbeitrag. Wissenschaft und Liebe: Alma Mater Rudolpina Vindobonensis – Gegenbilder universitärer Wissensproduktion

Session 1: „Vielfalt Epistemischer Praxen“

Juliane Böhme (Berlin), Die Praxis ökonomischer Laborexperimente

Michael Funk (Dresden), Tatsachen – Modelle – Szenarien. Wie lässt sich das Wissen der Paläoanthropologie begründen?

Miguel de la Riva (München), Umrisse einer Soziologie der Philosophie nach dem ‚turn to practice‘. Oder: Wie Philosophen Fakten schaffen.

Session II: „Zukunft als Tat-Sachen“

David Rengeling (Bielefeld), Die zukünftige Influenza-Pandemie als Tatsache

Leo Matteo Bachinger (Wien), Images, Imagination & Imagineers – Die Politik eines Zukunfts-Narrativs zum Ambient Assisted Living.

Tobias Leßmeister (Berlin), Modelle als Standard für ernsthafte Möglichkeiten.

Session III: „Biomacht & Biokapital“

Julia Engelschalt (Bielefeld), Die neue Reinlichkeit: Mikrobiomforschung im Zeitalter globaler Desinfektion

Maja Urbanczyk / Christin Flischikowski (Tübingen), Das Vermessene Selbst – Praktiken und Diskurse digitaler Selbstvermessung.

Session IV: „Historische Wissensordnungen“

Daniel Schindler (Darmstadt), Mensch ist nicht Tier und ist Raubtier – Diskursive (Un-)Aufgeklärtheit in der deutschen Spätmoderne (1930er-Jahre).

Jonathan Pärli (Zürich), Menschenrechtliches Fact-finding im Kalten Krieg – Zwischen Feldarbeit und internationalem Parkett

Charlotte Kempf (Heidelberg), Auf der Suche nach dem Kleingedruckten – oder: Wie neues technisches Wissen nach Frankreich kam und die Materialität revolutionierte.

Sessions V: „CERN – Epistemische Strategien & Kontexte“

Anne Dippel (Jena), Shut up, and calculate! – Zur Produktion wissenschaftlicher Tatsachen am CERN. Ethnographische Eindrücke aus der Hochenergiephysik.

Session VI: „Urbane Fakten“

Heike Lüken (Hamburg), Künstlerische Stadtforschung: Die andere Wissensproduktion?

Nona Schulte-Römer (Berlin), Schönes gefährliches Licht: Zur ‚vernachlässigten sensuellen Dimension‘ technischer Tatsachen und öffentlicher Belange.

Session VII: „Nicht-empirische Wissensordnungen“

Christian Kiesow (Berlin), Die Tatsachen der Mathematik – eine Herausforderung für die Wissenschaftsforschung?

Martin Böhnert / Paul Reszke (Kassel), Plausibilität – Linguistisch-philosophische Untersuchungen

Session VIII: „Sozialwissenschaftliches Wissen in der Technikentwicklung“

Andreas Bischof (Chemnitz), Wie die Psychologie die Robotik erobert hat – Eine Rekonstruktion der Forschungsfelder HRI und Sozialrobotik.

Laura Kocksch (Frankfurt am Main), Do I have to do your job? – Überlegungen zur Zusammenarbeit zwischen Sozialwissenschaftlern und Software-Entwicklern.

Miira Hill (Berlin), Science Slam und die Produktion von Tatsachen. Zuwendung zu oder Vergessenheit von Produktionsbedingungen?

Session IX: „ANT – Kritik & Erweiterung“

Erik Wölm (Passau), Die Veränderung der Akteur-Netzwerk-Theorie durch das Internet der Dinge. Ein Gedankenspiel.

Markus Wahl (Berlin), Begehren und Tatsachen: Der psychoanalytische Objektbegriff als Ausgang wissenschafts- und techniksoziologischer Analyse

Cordula Endter (Hamburg), Seh ich was, was Du nicht siehst? – Praktiken der Konstruktion und Dekonstruktion wissenschaftlicher Tat-Sachen in interdisziplinären Forschungssettings

Session X: „Tatsachen und Visualität“

Nina Witjes / Philipp Olbrich (Wien), Entering North Korea via Outer Space: Satellite Imagery Analysts as an Epistemic Community in the Making?

Eric Lettkemann / René Wilke (Berlin), Tatsachenerzeugung und –vermittlung in der Hirnforschung am Beispiel der Computational Neuroscience.

Anmerkungen:
[1] Vgl. Ludwik Fleck, Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache : Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv, Frankfurt am Main 2006.
[2] Vgl. Thomas S Kuhn,. Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, [eng. org. The Structure of Scientific Revolutions], Frankfurt am Main 1976.
[3] Das Skript zum Keynote-Vortrag von Stefan Beck kann unter <https://www.academia.edu/8937162/Sachen_Tat-Sachen_und_Tatsachen.%C3%9Cberlegungen_zum_Stand_der_Dinge_in_den_STS_und_z%C3%BCnftigen_k%C3%BCnftigen_Problemen> (21.1.2015) eingesehen werden.
[4] Vgl. Martin Kusch (Hrsg.), The Sociology of Philiosophical Knowledge, Dordrecht 2000.
[5] Vgl. Kevin Ashton, That 'Internet of Things' Thing, in: RFID Journal, <http://www.rfidjournal.com/articles/view?4986> (23.01.2015)

Zitation
Tagungsbericht: Auf der Suche nach den Tatsachen. Interdisziplinäre Perspektiven auf die Materialität, Vielfalt und Flüchtigkeit wissenschaftlichen und technischen Wissens. INSIST-Nachwuchstagung, 22.10.2014 – 23.10.2014 Berlin, in: H-Soz-Kult, 30.01.2015, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5806>.