Forum: C. Mathieu / I. Vogel: FID für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung

Von
Christian Mathieu / Ivo Vogel, Staatsbibliothek zu Berlin

Im Zuge der Pilotausschreibung einer auf drei Jahre angelegten Übergangsphase hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Dezember 2013 den Antrag der Staatsbibliothek zu Berlin auf Einrichtung eines Fachinformationsdiensts für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung bewilligt. Leitbild der geplanten Transformation des seit 1975 an der Staatsbibliothek zu Berlin angesiedelten Sondersammelgebiets Recht sind die unlängst von Seiten des Wissenschaftsrats skizzierten „Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland“, die vor allem die Aufwertung der juristischen Grundlagenfächer, die Förderung der Interdisziplinarität rechtwissenschaftlicher Forschung sowie deren stärkere Internationalisierung beinhalten.[1] Unter Berücksichtigung der vom höchstrangigen wissenschaftspolitischen Beratungsgremium Deutschlands formulierten Handlungsempfehlungen sowie in enger Abstimmung mit der von ihm adressierten Wissenschaftscommunity an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland hat sich der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung konzeptionell fokussiert und dabei drei strategische Profilierungsbereiche identifiziert: Informationsversorgung, Forschungsunterstützung und Retrodigitalisierung. Diese Handlungsfelder werden in der initialen Projektphase (1/2014 bis 12/2016) mit einem Bündel von modularen Serviceangeboten adressiert, die sämtlich über die Virtuelle Fachbibliothek Recht[2] zu erreichen sind.

Erwerbungsprofil

Eine zentrale Empfehlung des Wissenschaftsrats zu den „Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland“ zielt auf die Aufwertung der Grundlagenfächer – unter Einschluss der Rechts- und juristischen Zeitgeschichte –, seien diese doch in den vergangenen Jahren immer mehr durch die dogmatischen Fächern isoliert und marginalisiert worden. Auch wenn das Sondersammelgebiet Recht gerade aufgrund seiner Reservoirpflicht seit jeher ein stark auf die Grundlagenfächer ausgerichtetes Erwerbungsprofil pflegte, wird dieses nichtsdestotrotz in Zukunft deutlich bedarfsgerechter auszugestalten sein. Zudem macht die Absage des Wissenschaftsrats an die akademische Vermittlung von rein spezialistischem Anwendungswissen eine Strukturanpassung des Bestandsaufbaus erforderlich, um so die stattdessen eingeforderte Stärkung der Interdisziplinarität juristischer Forschung als Resultat einer mutigeren Öffnung des Fachs gegenüber Theorieimpulsen von Seiten der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften mit einem entsprechenden bibliothekarischen Dienstleistungsangebot unterstützen zu können. Vor diesem Hintergrund fokussiert der Fachinformationsdienst seine Erwerbungsaktivitäten auf hochspezialisierte rechtswissenschaftliche Publikationen zu internationalen und interdisziplinären Forschungsthemen unter Bevorzugung von Veröffentlichungen in deutscher bzw. englischer Sprache. Prioritär berücksichtigt werden Neuerscheinungen: 1. aus dem Kanon der juristischen Grundlagenfächer, 2. zu einzelnen Rechtsgebieten mit internationaler Dimension (Europa- und Völkerrecht, International Law), 3. zu nationalen Rechtsfragen mit Bezügen zu internationalem und Europarecht sowie 4. zu interdisziplinären Grenzbereichen der Rechtswissenschaft.

ViFa-Recht International Discovery Service[3]

Die Virtuelle Fachbibliothek Recht ist die zentrale Serviceplattform des Fachinformationsdiensts für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung. Sie bietet unter anderem materialspezifische Rechercheinstrumente sowie mit dem ViFa-Recht International Discovery Service die erste disziplinäre Suchmaschine für rechtswissenschaftliche Forschungsliteratur (mit eingeschränktem Gastzugang für Personen ohne Leseausweis der Staatsbibliothek zu Berlin). Diese Suchmaschine ermöglicht die Recherche in den gedruckten Literaturbeständen der Staatsbibliothek zu Berlin sowie den digitalen Inhalten einer Vielzahl von Datenbanken, elektronischen Zeitschriften und Volltext-Repositorien.

<intR>²DoD[4]

Als Serviceangebot zur kostenfreien On-Demand-Digitalisierung von gemeinfreien Texten aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin unterstützt <intR>²DoD die Anbahnung und Durchführung rechtshistorischer Forschungsprojekte. Finanziert werden die anfallenden Digitalisierungskosten aus einem Fonds, dessen Mittel vom wissenschaftlichen Personal universitärer wie außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Deutschland abgerufen werden können. In Übereinstimmung mit der Open-Access-Politik der Deutschen Forschungsgemeinschaft werden alle im Rahmen von <intR>²DoD erzeugten Digitalisate unter einer Open-Content-Lizenz über das Portal Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin[5] frei öffentlich zugänglich gemacht. Mit dieser Maßnahme hofft der Fachinformationsdienst, ein innovatives Fördermodell zur punktuellen Schließung von forschungsrelevanten Blindstellen zwischen den Aktionsfeldern der nationalen bzw. europäischen Massendigitalisierungsvorhaben anbieten zu können.

<intR>²Dok[6]

Als erstes rechtswissenschaftliches Fachrepositorium im deutschsprachigen Raum schafft <intR>²Dok dem wissenschaftlichen Personal universitärer wie außeruniversitärer Forschungseinrichtungen eine Plattform zur Open-Access-Publikation qualitätsgesicherter Originalbeiträge oder zuvor bereits an anderer Stelle erschienener Zweitveröffentlichungen. <intR>²Dok veröffentlicht vorzugsweise Beiträge zu Themen der internationalen und interdisziplinären Rechtsforschung – also auch zur Rechtsgeschichte, zur Geschichte der Rechtswissenschaft sowie zur juristischen Zeitgeschichte. <intR>²Dok versteht sich als Beitrag des Fachinformationsdiensts für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung zur Beförderung des Open-Access-Publikationsmodells, das erwiesenermaßen positiven Einfluss auf die internationale Sichtbarkeit, Rezeption und Zitierhäufigkeit gerade auch von juristischen und rechtshistorischen Veröffentlichungen hat und unter anderem auch von der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen empfohlen wird. <intR>²Dok möchte die Forschenden dabei unterstützen, der zunehmenden Verpflichtung zu entsprechen, aus öffentlichen Mitteln finanzierte Forschungsergebnisse spätestens nach Ablauf einer Karenzzeit im Open-Access frei zugänglich zu machen, und gibt ihnen die Möglichkeit, ihr Zweitveröffentlichungsrecht gemäß § 38 UrhG wahrzunehmen.

Ausblick

Unter dem Vorbehalt eines günstigen Fördervotums wird der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung im Zuge der bereits beantragten zweiten Projektphase (1/2017 bis 12/2019) sein Serviceportfolio weiter ausbauen. Neben der Errichtung eines überregionalen Lizenzraums für den direkten Zugriff auf elektronische Zeitschriften und Datenbanken ist dabei vor allem die Intensivierung seiner Aktivitäten auf den Feldern des nachfragegetriebenen Bestandsaufbaus sowie der forschungsorientierten Digitalisierung rechtshistorischer Quellenliteratur geplant. Dessen unbeschadet soll der Erwerb gedruckter rechtswissenschaftlicher Forschungsliteratur auf Basis des oben beschriebenen Erwerbungsprofils auch während der beantragten zweiten Förderphase fortgesetzt werden. Denn die gedruckte, in einem reputierten Verlag erschienene Monographie gilt in der rechtswissenschaftlichen Fachkultur nach wie vor als „Goldstandard“.

Anmerkungen:
[1] Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland. Situation, Analysen, Empfehlungen, 09.11.2012, http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2558-12.pdf (alle Urls zuletzt geprüft 29.09.2016).
[2]http://vifa-recht.de/
[3]http://vifa-recht.de/international-discovery-service/
[4]http://vifa-recht.de/intr2dod/
[5]http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/
[6]http://intr2dok.vifa-recht.de/

Zitation
Forum: C. Mathieu / I. Vogel: FID für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung, in: H-Soz-Kult, 29.09.2016, <www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-3895>.