Historikertag 2016: Indische Geschichte

Von
Sebastian Schwecke, International Institute of Asian Studies (IIAS), Leiden

Besprochene Sektionen:

Minorities – Majorities – Mythologies
How to write a transnational history?
State, Kingdom, and Empire
Geteiltes Indien und geteiltes Deutschland
Towards a Better Life? Migration, Social Mobility, and Indo-European Exchanges

Der Historikertag 2016 in Hamburg zeichnete sich besonders durch die erstmalige Einbeziehung eines nicht-westlichen Partnerlands aus. Dass die Wahl dabei auf Indien als Partnerland fiel, demonstriert die gestiegene Anerkennung des südasiatischen Subkontinents in der deutschen Forschungslandschaft, gerade auch angesichts des gegenwärtigen Ausbaus deutsch-indischer Forschungskooperationen im Bereich der Geschichtswissenschaft. Zum derzeitigen Zeitpunkt lässt sich diese Entwicklung noch vermehrt auf die wachsende Förderung regionalwissenschaftlicher Disziplinen zurückführen, in denen die geschichtswissenschaftliche Auseinandersetzung mit nicht-westlichen Gesellschaften einen bedeutenden Platz einnimmt. Die Auswahl Indiens als Partnerland des Historikertags 2016 verdeutlicht jedoch das erhebliche Potenzial, das der stärkeren Erforschung transnationaler und regionsspezifischer historischer Forschungsfelder zugemessen werden kann, die bisher häufig als Teil „außereuropäischer Geschichte“ vergleichsweise vernachlässigt wurden. Insbesondere ist hier der klare Versuch zur Einbettung indienspezifischer Vorträge in transnationale, globalgeschichtliche oder themenspezifische Panels und damit zur Überwindung der immer noch bestehenden disziplinären Segregation in „allgemeine“ und „regionalspezifische“ Geschichte hervorzuheben.

In weiten Teilen des wissenschaftlichen Diskurses wird die indische Gesellschaft weiterhin besonders mit der Untersuchung religiöser Aspekte in Verbindung gebracht. Insofern mag die Auswahl des Partnerlands Indien im Rahmen eines Historikertags, der sich thematisch auf „Glaubensfragen“ konzentrierte, als Fortführung eines Diskurses angesehen werden, der die indische Gesellschaft als exotische, religiös motivierte „irrationale“ Kehrseite westlicher „Modernität“ darstellt. Gleichzeitig lässt sich anhand der Vielzahl indienbezogener Vorträge, in denen „Glauben“ nicht primär religiös definiert wurde oder die außerhalb des übergeordneten Themenschwerpunkts verortet waren, eine anhaltende Fortentwicklung indienbezogener Geschichtswissenschaft in Deutschland konstatieren.

Die indienbezogene Geschichtswissenschaft und besonders Geschichtsschreibung in Indien selbst befindet sich bereits seit längerer Zeit in einem Zustand hoher Politisierung. Der Konflikt zwischen einer Geschichtsschreibung als Wissenschaft und einer Geschichtsschreibung als Teil der Imagination gemeinschaftlicher Identifikationsprozesse sowohl nationalistischer als auch kommunalistischer Art hat sich in Folge von Politiken der amtierenden rechtsgerichteten Regierung Indiens erheblich zugespitzt und zur Lagerbildung innerhalb der Geschichtswissenschaft in Indien beigetragen. Diese spiegelt sich auch in der Zusammensetzung relevanter wissenschaftlicher Verbände wider.

In seinem öffentlichen Vortrag verortete RAVI AHUJA (Göttingen) diese Tendenz zur konfrontativen Abkehr von Geschichtsschreibung als Wissenschaft und der Hinwendung der Geschichtsschreibung in Indien zur Hilfestellung in ausgrenzenden, intoleranten und gewaltbereiten politischen Projekten in der Entwicklung verschiedener Strömungen des Autoritarismus, die in der Geschichte des Dekolonialisierungsprozesses verborgen seien. Zwischen den verschiedenen Ausformungen autoritärer Ideen unterscheidend, stellte Ahuja dabei die Frage, inwieweit Indien es vollbracht habe, aus dem Schatten seiner autoritären kolonialen Vergangenheit herauszutreten. Dabei wies er eindringlich darauf hin, dass es eine wesentliche Aufgabe der Geschichtswissenschaft sei, dem Ruf „weniger Demokratie zu wagen“ durch die Analyse autoritärer Strukturen entgegenzutreten. Erforderlich hierzu sei allerdings auch ein Perspektivwechsel der neuzeitlichen indienbezogenen Geschichtsschreibung, einhergehend mit einer Betonung der Mitte des 20. Jahrhunderts, in dem diese Periode nicht als Ende, sondern als Beginn eines Demokratisierungsprozesses betrachtet werde.

Ahuja wies dabei darauf hin, dass die Ausprägungen autoritärer Strukturen und ihrer Auswirkungen auf die Geschichtswissenschaft sicherlich indienspezifisch seien. Angesichts teils ähnlicher Entwicklungen in anderen Teilen der Welt stellten sich Fragen des Einflusses autoritärer Strömungen auf die Praxis der Geschichtswissenschaft allerdings auch über den indischen Kontext hinaus. Das Panel „Minorities – Majorities – Mythologies“ beschäftigte sich eindringlich mit dieser Fragestellung der Gefährdung der Geschichtswissenschaft durch die Konstruktion von kritischer Hinterfragung bereinigter „Leitkulturen“. Eingebettet in den globalen Rahmen der Beschäftigung mit der Vermittlung von Geschichtswissen, darunter Vorträgen von DENISE BENTROVATO (Braunschweig) zur Konstruktion „nationalistischer“ Geschichte in Ruanda und von DANIEL LINDMARK (Umea) zur Vermittlung der Geschichte ethnischer Minderheiten in Schweden, analysierte NEELADHRI BHATTACHARYA (Delhi) Konfrontationsmuster seitens politischer Verbände und Bewegungen, die als Hüter gemeinschaftlicher Identifikationsprozesse gegenüber der Geschichtswissenschaft auftraten. Die hieraus entstehenden Konflikte entstünden häufig als Forderungen nach „angemessener“ Repräsentation, bevor dominierende Schichten innerhalb der Gemeinschaft in Erscheinung träten, die Forderungen nach einer bereinigten Geschichtsschreibung stellten, deren Ergebnisse die etablierten Autoritätsstrukturen innerhalb der Gemeinschaft nicht in Frage stellten. Bhattacharya stellte in seiner Analyse kastengemeinschaftliche Bewegungen in den Vordergrund, verdeutlichte dabei allerdings auch die Verschärfung der Konfrontation zwischen Politik und Geschichtswissenschaft in Indien nicht nur in dieser Hinsicht, sondern auch seitens der in ähnlicher Form funktionierenden Versuche der „Hinduisierung“ der indischen Nation.

Kennzeichnend für die Beiträge zur Geschichte Indiens des Historikertags 2016 war neben der aus dem gegenwärtigen politischen Kontext resultierenden vermehrten Wahrnehmung der politischen Einbettung der Geschichtsschreibung der deutliche Versuch zur Überwindung einer disziplinären Teilung in einen regionalwissenschaftlichen „indischen“ und einen „allgemein-historischen“ Bereich. Die außereuropäische Geschichte wurde weithin nicht als Zusatz, sondern als integraler Bestandteil der Geschichtswissenschaft behandelt. Dieser aus dem Bedeutungsgewinn der transnationalen und globalgeschichtlichen Geschichte herzuleitende Ansatz wurde auch in der Beschäftigung mit ausschließlich regionalspezifischen Forschungsinhalten vielmals verdeutlicht. HERMANN KULKE (Kiel) bediente sich in dieser Hinsicht Liebermans Idee der „strange parallels“, um auf Gemeinsamkeiten in historischen Entwicklungen in unterschiedlichen Weltregionen hinzuweisen und diese als Möglichkeit der Verbindung europäischer und außereuropäischer Geschichte zu nutzen.

Das Panel „How to write a transnational history?” beschäftigte sich nicht nur mit der Notwendigkeit der Betrachtung der europäischen und indischen Geschichte als transnational, „entangled“ oder „connected“, sondern vor allem auch als Geschichte, die trotz aller Verbindungen und Unterschiede häufig auch unabhängig oder nur geringfügig voneinander abhängig zu ähnlichen Entwicklungen führte. Damit zeigte das Panel auch Möglichkeiten der Überbrückung der subdisziplinären Grenzen zwischen Geschichte und historischen Südasienwissenschaften auf, die über die Betrachtung von Verbindungen hinausgehen und die Problematik des Fokus auf die Nation im Transnationalen vermieden, auf die ebenfalls Kulke hinwies. RAVINDRAN GOPINATH (Delhi) bedauerte die Tendenz der indischen Geschichtswissenschaft zur Interpretation von „connected history“ als Geschichte kolonialer Verbindungen, die zur Missachtung anderer Formen von Verbindungen, insbesondere in der Geschichte des Kapitals führe. ANDREAS GESTRICH (London) wies auf neuere Versuche zur Reinterpretation transnationaler Geschichte als Sozialgeschichte hin, aber auch darauf, dass europäische Geschichte ohnehin immer verwoben sei und so verstanden wurde. Die eigentliche Aufgabe transnationaler Geschichte sei die Erklärung, nicht nur die Darstellung von Prozessen und Mustern, die sich aus der Vielzahl historischer Ereignisse herauskristallisierten. In dieser Hinsicht argumentierte auch LUTZ RAPHAEL (Trier), dass indische Geschichte auch gerade angesichts der Größe des untersuchten Raumes immer „transnational“ sei, so wie auch jede Geschichte Europas, die einen Raum entsprechender Größe betrachte. Anstelle einer Betrachtung von Grenzen (und ihrer Überquerung) benötige es einer Konzentration auf Problematiken. Der Begriff „Transnationalität“ mache wenig Sinn in der Untersuchung globalhistorischer Verwicklungen, da eine Welt der Nationalstaaten sich erst in den 1960er-Jahren herausbildete.

Diese Betrachtungsweise von „Transnationalität“ als Verflechtungsgeschichte von Regionen unterlag auch verschiedenen Ansätzen der Analyse vormoderner und kolonialer indischer Geschichte. So stellte WOLFGANG GEIGER (Frankfurt am Main) im Panel „Indien und wir“ den Verlauf der Verflechtungsgeschichte zwischen Indien und Europa dar und wies dabei (aus europäischer Perspektive) auf die Bedeutung der Symbolik des „Ostens“ und spezifisch Indiens als Fixpunkt europäischen Selbstverständnisses sowie die interkulturellen Verbindungen zwischen beiden Regionen in der Frühmoderne hin. In der Folge betrachtete GITA DHARAMPAL-FRICK (Heidelberg) diese Verflechtungen in der kolonialen Periode, insbesondere im Rahmen der indischen Unabhängigkeitsbewegung und gandhischen Gedankenguts, während RAFAEL KLÖBER (Heidelberg) die Wandlung der Symbolik Indiens für die westliche Welt in der postkolonialen Periode als Sinnbildung von Esoterik und (religiösem) Fanatismus untersuchte.

Das Panel “State, Kingdom, and Empire“ mit Fokus auf antike und mittelalterliche Geschichte in verschiedenen Weltregionen wurde in seiner Selbstdarstellung als Kollaboration bezeichnet, dessen Zweck die Zusammenführung asiatischer und europäischer Geschichte durch die Betrachtung von Parallelen und Unterschieden historischer Entwicklungen in beiden Kontinenten sei. Die Geschichte der Entstehung imperialer Herrschaftsformen und ihre Abgrenzung gegenüber nicht-imperialen Formen von Staatlichkeit stand im Vordergrund und wurde anhand von Beispielen und Entwicklungsmustern aus dem antiken Rom (PETER BANG, Kopenhagen), des antiken Nordindiens (Hermann Kulke), Orissas (BHAIRABI PRASAD SAHU, Delhi), Südindiens (KESAVAN VELUTHAT, Delhi) und des hellenistischen Ägyptens (SITTA VON REDEN, Freiburg) dargestellt und durch eine verstärkt theoretische Betrachtung von frühmoderner indischer Staatlichkeit durch CHRISTOPH LUNDGREN (Dresden) abgerundet. In diesem Versuch des Zusammenbringens verschiedener regionaler Narrative wurde allerdings auch deutlich, dass die Behandlung „transnationaler“ Geschichte über die Betrachtung von Mustern historischer Entwicklung häufig im Widerspruch zum Versuch der Darstellung historischer Komplexität steht, die in mehreren indienbezogenen Vorträgen des Panels die Identifizierung von Entwicklungsmustern überlagerte.

Während Staatlichkeit eine der Thematiken bildete, in denen Verflechtungsgeschichte sich abseits direkter „transnationaler“ Kontakte untersucht wurde, kehrte das Panel „Globalgeschichte von Religionen“ mit einem ähnlichen Ansatz zur Thematik der Glaubensfragen zurück. Nach einer methodologisch orientierten Einführung von OLAF BLASCHKE (Münster) über die „Glaubensfrage Globalgeschichte“ zog MARGRIT PERNAU (Berlin) Verbindungen zwischen der Religion als Thema kolonialer Geschichtsschreibung und der Geschichte von Emotionen in Indien, bevor VOLKHARD KRECH (Bochum) auf die globalgeschichtliche Betrachtung von Religionsgeschichte einging. In ihrem abschließenden Kommentar wies REBEKKA HABERMAS (Göttingen) darauf hin, dass Verflechtung nicht notwendigerweise zur Homogenisierung, sondern insbesondere auch zur Schärfung religiöser Identitäten führe und die Verflechtungsgeschichte aus diesem Grunde Probleme in der Betrachtung von Religion habe, solange der Begriff des Säkularen in dieser unklar bleibe.

Gegenüber den oben diskutierten Ansätzen kehrten die beiden letzten hier berücksichtigten Panels zur Betrachtung von „transnationaler“ Geschichte als Verflechtungsgeschichte im Sinne eines direkten Kontakts zwischen den Regionen zurück. Das Panel „Geteiltes Indien und geteiltes Deutschland“ wurde in der Selbstdarstellung durch MICHAEL MANN (Berlin) als direkte Folge des Langfristvorhabens „Das moderne Indien in deutschen Archiven“ beschrieben. Mann wies auf die Problematik hin, dass moderne indische Geschichte häufig aus der Perspektive eines einzigen Archivs, dem Archiv der britischen Kolonialherrschaft, geschrieben werde und die Heranziehung von Quellen aus anderen Archiven häufig zu anderen Ergebnissen in der Deutung indischer Geschichte führe. In dieser Hinsicht beschäftigte sich ALEXANDER BENATAR (Berlin) mit einer Verflechtungsgeschichte am Beispiel Herbert Fischers, des ersten Botschafters der DDR in Indien. STEFAN TETZLAFF (Paris) betrachtete die Geschichte westdeutscher Kooperationen mit indischen Unternehmen anhand der Kollaboration zwischen TELCO und Daimler-Benz von 1954 bis 1969, darunter insbesondere auch das Zusammenspiel lokaler und nationaler politischer und geschäftlicher Interessen, die zunächst zur Entwicklung, später aber auch zum Abbruch der Geschäftsbeziehungen führten. ANANDITA BAJPAI (Berlin) untersuchte die kulturpolitischen Beziehungen zwischen der DDR und Indien, während GAUTAM CHAKRABARTI (Berlin) die Konstruktion von Ost-West-Dichotomien anhand des Beispiels des geteilten Deutschlands in bengalischer Literatur analysierte. Abschließend betrachtete RAZAK KHAN (Göttingen) die Entwicklung der Konstruktionen nationaler Identität und der Identitäten religiöser Minderheiten in der indischen Diaspora in Deutschland im Angesicht der deutsch-deutschen Teilung.

Das letzte hier besprochene Panel des Historikertags 2016 („Towards a Better Life? Migration, Social Mobility, and Indo-European Exchanges“) stand ganz im Zeichen der Betrachtung „imperialer Außenseiter“ (von Brescius), ein bisher weitgehend vernachlässigtes Feld kolonialer Verflechtungsgeschichte, das allerdings besonders geeignet zur analytischen Überwindung des Nationalen in der Identifizierung „transnationaler“ Verflechtung ist. MORITZ VON BRESCIUS (Konstanz) zeigte mit seinem Vortrag über die Geschichte der Gebrüder Schlagintweit, deutscher Geographen im Dienst der britischen Ostindienkompanie Mitte des 19. Jahrhunderts, die in diesem Panel aufgenommene Tendenz zur Betrachtung einer weiterführenden Dimension kolonialer Verflechtungsgeschichte an. Die Geschichte der Schlagintweits zeige nicht nur die „transnationale“ Vernetzung kontinentaleuropäischer Wissenschaftler im 19. Jahrhundert und ihre Bereitschaft zur Nutzung der kolonialen Infrastrukturen anderer europäischer Nationen für ihre eigenen Zwecke. Darüber hinaus verdeutliche sie auch die hieraus entstehenden Spannungen gegenüber „nationalen“ Bediensteten der Kolonialmacht, gleichzeitig aber auch die ausgeprägten Strukturen interkulturellen Wissensaustauschs zwischen Asien und Europa, bei denen der Beitrag „indigener“ Wissenschaftler und Helfer häufig weiterhin zu Unrecht als bloße Vermittlung „lokalen Wissens“ missverstanden werde. In der Folge untersuchte CHRISTOF DEJUNG (Konstanz) die Bedeutung international operierender Unternehmen als Kontaktzone zwischen indischen und europäischen Angestellten. Anhand der Schweizer Firma Volkart, einem führenden Unternehmen im Export indischer Baumwolle während der Kolonialzeit, wies Dejung nicht nur auf die Bedeutung nicht-britischer Wirtschaftsakteure in der kolonialen Erschließung indischer Märkte hin, sondern setzte durch die Untersuchung der Zusammenarbeit europäischer und indischer Angestellter sowie der Schweizer Firma mit indischen Zwischenhändlern auch einen Gegenpunkt zum Narrativ rassischer Segregation in der Kolonialzeit.

MARGRET FRENZ (Oxford) und ELIZABETH BUETTNER (Amsterdam) erweiterten das Analysefeld des Panels auf zwei weiteren Gruppen „imperialer Außenseiter.“ Frenz untersuchte die zunehmende Verflechtung kolonialen Fachpersonals über koloniale Grenzziehungen und ethnische Barrieren hinweg anhand der Migrationsgeschichte „indigenen“ medizinischen Personals in den britischen und französischen Kolonialreichen. Demgegenüber stellte Buettner den Aspekt der Rückerinnerung in der Identifikationsbildung nach Anschluss der Migration anhand ihrer Darstellung politischer Bewegungen mit Migrationshintergrund aus Indien und Surinam in Großbritannien und den Niederlanden in den Vordergrund.

Die Einbeziehung Indiens als erstes nicht-westliches Partnerland eines Historikertags war somit nicht nur durch die regionalspezifische Ausweitung der Forschungsgegenstände innovativ. Vielmehr zeigte sich das innovative Potenzial dieses Schritts anhand des für die Geschichtsschreibung in Deutschland unüblich hohen Grades der Politisierung, aber auch der thematisch-methodischen Verortung einer Vielzahl indienbezogener Beiträge in der Verflechtungsgeschichte. Der Historikertag 2016 in Hamburg setzte Reizpunkte. Es ist zu hoffen, dass diese Reizpunkte im weiteren Verlauf förderlich für eine gegenseitige Hinterfragung europäisch- und südasienzentrierter Geschichtswissenschaft sein werden.

Zitation
Historikertag 2016: Indische Geschichte, in: H-Soz-Kult, 14.01.2017, <www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-3982>.