Die visuelle Ordnung der Stadt. Das Bild der Stadt bei Kevin Lynch

Von
Kirsten Wagner, Kulturwissenschaftliches Seminar, Humboldt-Universität zu Berlin

Die weltweite Verstädterung, von der Henri Lefèbvre bereits in den 1970er Jahren gesprochen hat, stellt nicht nur auf Planungsebene ein bis heute ungelöstes Problem dar. Urban sprawl, Ghettoisierung wie Musealisierung der Innenstädte, zunehmende Privatisierung des öffentlichen Raumes, das sind nur einige der Schlagworte, unter denen seit den 1980er Jahren die Krise der Stadt diskutiert wird. Leitbild dieser Diskussion ist mehr oder weniger deutlich das der historischen europäischen Stadt mit ihren klaren Begrenzungen zum Umland und ihrem Ideal von Öffentlichkeit. Entsprechend ist immer wieder von einem Verlust der Form, aber auch einem Verlust der Bedeutung von Stadt die Rede.

Kevin Lynchs Theorie der Stadtplanung, wie er sie exemplarisch in "The Image of the City"[1] entwirft, hat ein ebenso traditionelles Bild von Stadt zur Grundlage. Zugleich stellt sie den Versuch dar, die Stadt nicht nur über eine Menge von Gestaltelementen erfassen, sondern sie auch nach diesen ordnen zu können. Was einerseits die besondere Attraktivität von Lynchs Ansatz erklärt, eine universelle Methode der Stadtplanung gefunden zu haben, beschreibt andererseits eine radikale Verkürzung von Stadt, die eben nicht in einer nach Möglichkeit kontrastreichen Ordnung besonders prägnanter Formen aufgeht. Das wurde bereits bei den ersten Folgestudien zu Lynch deutlich, in denen sich der Aspekt der sozialen und kulturellen Bedeutung der Form als das eigentliche Problem der Stadt- und Raumwahrnehmung und damit auch der Planung von Stadt zeigte. Heute mit Lynch zu arbeiten setzt demnach nicht nur eine Auseinandersetzung mit den strukturalen und gestalttheoretischen Voraussetzungen seiner Stadtplanungstheorie voraus, sondern wäre um die in "The Image of the City" weitgehend ausgeblendeten Zusammenhänge von Form und Bedeutung sowie von Bild und Raum zu erweitern. Dazu soll hier ein kleiner Beitrag geleistet werden.


Abb. 1: Florence from the South (Quelle: Lynch, Kevin, The Image of the City, Cambridge/Mass. 1960, S. 93)

Während eines einjährigen Reisestipendiums, das der Erforschung europäischer Städte diente, betrachtete der amerikanische Stadtplaner Kevin Lynch im Herbst 1952 Florenz von der linken Arno-Seite aus. Der Dom mit seiner die umliegenden Bauten weit überragenden Kuppel und der Campanile beherrschten das Stadtbild. Als Gebäudeensemble, das auch von anderen Orten der Stadt sichtbar blieb, sollte es für Lynch zum Inbegriff einer Landmarke werden. In seinen Reisetagebüchern notierte er: "Near S. Donato at noon: first the factory whistles, then the gun and bells of central Florence. Even in this industrial area, the dome and tower are visible [to the n.], marking the city center. [...]."[2] Eine genauere Charakterisierung von Landmarken folgte kurze Zeit später in der kleinen programmatischen Schrift "Notes on City Satisfactions".[3] Hier benannte Lynch zugleich eine Reihe von Faktoren, die sich, indem sie zur Befriedigung grundlegender Bedürfnisse beitragen, positiv auf die Wahrnehmung der Stadt auswirken. Dazu zählt u.a. die räumliche Orientierung, die durch gerichtete Wege und Plätze, durch Karten, aber eben auch durch bestimmte Objekte wie die Landmarken unterstützt werden kann.

Wie in der Forschung zu Recht festgestellt, hat Lynch während seines Europaaufenthaltes Begriffe und methodische Ansätze zur Untersuchung der Stadt entwickelt, insbesondere der Stadt als einer körperlichen Form, die nicht nur direkt zur Studie über das Bild der Stadt führen, sondern seine gesamte spätere Forschung bestimmen.[4] Dennoch nimmt "The Image of the City" einen singulären Rang sowohl in den Schriften Lynchs als auch in den nachfolgenden Forschungen zum Bild der Stadt ein. Ausgehend von "The Image of the City" und Edward Tolmans Labyrinthexperimenten zu den "fieldmaps of the environment", oder kurz den kognitiven Karten[5], ist das (mentale) Bild der Stadt bzw. das (mentale) Umweltbild in mehreren Disziplinen überhaupt erst zu einem eigenen Forschungsgegenstand avanciert: in Architektur und Städtebau ebenso wie in Psychologie, Anthropologie und Soziologie.[6]

Dabei sind weder die empirischen Untersuchungsmethoden noch die Prämissen der Untersuchung unhinterfragt geblieben, so dass, auch wenn "The Image of the City" nach wie vor als Grundlagentext der Urbanistik gilt, das Urteil über den wissenschaftlichen wie terminologischen Nutzen dieser Studie inzwischen äußerst kontrovers ist.[7] Konsens besteht vor allem darüber, dass Lynch einen neuen Ansatz der Stadtplanung vertritt, welcher sich gleichzeitig von den urbanen Reformbewegungen wie der City Beautiful-Bewegung und dem funktionalen Städtebau der Moderne mit seiner willkürlichen Aufteilung der Stadt in die Bereiche Wohnen, Arbeiten, Verkehr und Freizeit unterscheidet. An Lewis Mumfords Forderung nach einer partizipativen Umweltgestaltung anschließend[8], bezieht Lynch die Stadtbewohner und ihre Wahrnehmung erstmals systematisch in die Prozesse von Survey und Planung ein. Damit erschließt er die Stadt zugleich als Wahrnehmungsraum.

In den jüngeren Anthologien zur Architektur- und Städtebau- bzw. Stadtplanungstheorie repräsentiert Lynch entsprechend die Neo-Empiricists[9], zu denen auch Gordon Cullen, Robert Venturi und Charles Moore gehören; oder er wird – mit vorwiegend geisteswissenschaftlichen Ansätzen – einem "anthropologischen Blick auf die Stadt" zugeordnet.[10] Das rückt ihn in die Nähe von Roland Barthes, Michel de Certeau oder Paul Virilio. Schließlich ist Lynch wie Heidegger, Venturi, Eco und Augé zu jenen Ansätzen gezählt worden, die sich mit dem "Ort der Architektur" auseinander setzen.[11] Die vielschichtige Rezeption insbesondere von "The Image of the City", die im Zusammenhang mit den (Bild)Räumen der Virtuellen Realität derzeit eine weitere Konjunktur erfährt, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass diese Studie weit über eine Theorie zur Stadtplanung hinausgeht. Sie bietet ebenso eine Theorie über die Form- bzw. Gestaltwahrnehmung von Stadt, eine über das räumliche Richtungsverhalten und eine zur Raumkognition.

Was Lynchs Studie zum Bild der Stadt ist – und was sie nicht ist
Grundsätzlich nimmt das Image bei Lynch die Bedeutung eines inneren Bildes im Sinne einer mentalen Repräsentation der Außenwelt an (mental image, mental picture).[12] Es ist aber auch kollektives Vorstellungsbild (public image, group image) sowie in gewisser Hinsicht Wahrnehmungsbild. Damit zeigt Lynchs Image-Begriff eine Bedeutungsvielfalt, wie sie schon dem antiken Bildbegriff (gr. eikon, lat. imago) zukommt und auch das englische Image kennzeichnet. Erlebt der Image-Begriff in den 1950er und 1960er Jahren insgesamt eine Wiederbelebung, dann bezeichnet er in der Kognitionspsychologie jener Zeit – ähnlich wie der Begriff des Schemas – mentale Repräsentationen[13], während er in der Ökonomie, u.a. im Anschluss an Freuds Imago-Begriff[14], eher ein kollektives Vorstellungs- und Leitbild meint, das die Ansichten, Gefühle und Wertungen einer sozialen Gruppe gegenüber einem Gegenstand, einer Person oder anderen Gruppe enthält.[15]

Um der Orientierung im Raum zweckdienlich zu sein, seiner primären Funktion, hat das Image verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen. So muss es eine von allen anderen Formen unterschiedene, wieder erkennbare Form (identity) aufweisen und eine räumliche Struktur, aus der die Lage sowohl der wahrgenommenen Objekte als auch des Betrachters hervorgeht (structure). Über Identität und Struktur hinaus muss das Image für den Betrachter aber auch eine praktische oder emotionale Bedeutung (meaning) haben. Obwohl Lynch damit anerkennt, dass das Image ohne Bedeutung gar nicht zu denken ist, schließt er diesen Aspekt dennoch explizit aus seiner Untersuchung aus: "This analysis limits itself to the effects of physical, perceptible objects. There are other influences on imageability, such as the social meaning of an area, its function, its history, or even its name. These will be glossed over, since the objective here is to uncover the role of form itself."[16] Es geht ihm ausschließlich um die Form des gebauten und des topografischen Raumes, vor allem um diejenige Form, die im Betrachter ein markantes Image evoziert. Auf sie soll über das mentale Bild zurückgeschlossen werden, das die Bewohner dreier amerikanischer Städte – Boston, Jersey City, Los Angeles – von ihrer Umgebung haben.[17]

Zur empirischen Untersuchung der visuellen Ordnung der Stadt stellte Lynch einer relativ homogenen Gruppe von Bewohnern[18] zwei Aufgaben, erstens aus ihrer Erinnerung heraus die Karte eines bestimmten Bezirkes der Stadt zu zeichnen und zweitens einen Weg durch die Stadt zu beschreiben (imaginary trip). Darüber hinaus betraute er seine Mitarbeiter mit der Aufzeichnung der Stadt, wobei sich ihre Notation bereits auf die fünf Elemente Weg (path), Rand (edge), Bezirk (district), Knotenpunkt (node) und Landmarke (landmark) (vgl. Abb. 3) beschränkte.


Abb. 2: The Boston Peninsula from the North (Lynch, Kevin, The Image of the City, Cambridge/Mass. 1960, S. 17)


Abb. 3: The Visual Form of Boston as Seen in the Field (Quelle: Lynch, Kevin, The Image of the City, Cambridge/Mass. 1960, S. 147)


Abb. 4: Problems of the Boston Image (Quelle: Lynch, Kevin, The Image of the City, Cambridge/Mass. 1960, S. 24)

Die Ergebnisse der Untersuchung sind wie folgt dokumentiert: Über Ortsbeschreibungen, denen die Interviews der Bewohner zugrunde liegen, werden zunächst die analysierten Städte vorgestellt. Am unmittelbaren Anfang fast jeder Ortsbeschreibung stehen Luftaufnahmen. Sie vermitteln einen Überblick über die jeweilige Stadt und entsprechen damit nicht nur Lynchs Bedürfnis, die räumliche Komplexität und soziale Diversität der Stadt über ein Bild – hier über ein Bild aus der Vogelperspektive – zu erfassen.[19] Auch die im Survey erhobenen Karten von Boston, Jersey City und Los Angeles stellen solche Bilder dar. Sie setzen sich aus den o.g. fünf Elementen zusammen und ergeben ein die Städte charakterisierendes Diagramm. Für Boston ist zudem eine Karte erstellt, die jene Orte zeigt, die sich der Wahrnehmung durch die Bewohner entweder entziehen oder aber zu mehrdeutigen Wahrnehmungen führen, also offensichtlich keine markante Form aufweisen. (Vgl. Abb. 4) Diese Karte gilt als Grundlage für die zukünftige Stadtplanung ("preparation of a design plan"[20]).

Die Untersuchung der Städte bestätigte die Erwartungen: Boston, genauer, dem historischen Stadtteil Beaconhill, wird aufgrund seines einheitlichen Baubestandes aus dem 19. Jahrhundert, seiner homogenen sozialen Struktur und der hügeligen Topografie eine für die amerikanische Stadt vergleichsweise hohe Lesbarkeit zugesprochen.[21] Das Image von Jersey City erweist sich als ebenso undifferenziert wie die Stadt selbst. Bei Los Angeles, Beispiel für eine hochgradig motorisierte Stadt, sind es vor allem die räumliche Ausdehnung und das rechtwinklige Straßenraster, die das Erstellen eines funktionalen Image erschweren.


Abb. 5: The City Image and its Elements: Path, Node, Edge, Landmark, District (Quelle: Lynch, Kevin, The Image of the City, Cambridge/Mass. 1960, S. 47f.)

Diesem Befund schließt sich eine Definition der Elemente Weg, Rand, Bezirk, Knoten und Landmarke an, die, da sie jedem Image zugrunde liegen, universell erscheinen. Haben Weg, Knoten und Landmarke als Straße, Platz und Monument schon die ältere Stadtbaukunst und -theorie bestimmt, dann verweist das Konzept der "Landmarke" ferner auf die Geografie. Lynch weicht jedoch insofern von den Traditionen ab, als er mit seinen fünf Elementen weniger eine Morphologie der Stadt und ihrer Räume verfolgt[22], selbst wenn er über die verschiedenen möglichen Formen von Wegen und Plätzen spricht. Vielmehr macht er von ihnen als einem Klassifikations- und Zeichensystem Gebrauch, um zu einer objektiven Notation der Stadt zu gelangen und darüber zu einem Bild der Stadt, das deren Ordnung offen legt.[23] Zusammen mit mechanischen Aufzeichnungsverfahren, wie Luftaufnahmen oder photogrid[24], soll die aus den fünf Elementen erstellte image map eine totale Raumrepräsentation ermöglichen.[25]

Ein dritter Schwerpunkt der Studie, der eigentlich erst im Appendix (A) ausgebreitet wird, liegt auf der Orientierung im Raum. Sie beschreibt die wesentliche Funktion des mentalen Umweltbildes. Wie Lynch in Bezug auf eine umfangreiche psychologische und anthropologische Literatur ausführt[26], liegt ihr kein angeborener Orientierungssinn ("mystic 'instinct' of way-finding"[27]) zugrunde, sondern verschiedene Referenzsysteme, die der gerichteten Bewegung im Raum zweckdienlich sind: angefangen vom egozentrischen Körperschema bis hin zu besonderen topografischen oder klimatischen Konstellationen, aus denen sich Stand- und Zielort ablesen lassen.

Die Funktion des Image geht dort über das reine Richtungsverhalten hinaus, wo es zugleich dem sozialen Gedächtnis und der Gruppenidentität dient: "Way-finding is the original function of the environmental image [...]. But the image is valuable not only in this immediate sense in which it acts as a map for the direction of movement; in a broader sense it can serve as a general frame of reference within which the individual can act, or to which he can attach his knowledge. In this way it is like a body of belief, or a set of social customs: it is an organizer of facts and possibilities. [...]"[28] Lynch beschreibt hier die Verinnerlichung eines Landschafts- oder gebauten Raumes, in dem sich nicht nur die Praktiken und Vorstellungen einer sozialen Gruppe verkörpern, sondern von dem diese auch geprägt werden. Damit scheint er zunächst Maurice Halbwachs zu folgen, dessen "La mémoire collective" Lynch studiert hatte.[29] So enthält das Image als räumlich bedingtes und den materiellen Raum bedingendes Selbst- und Weltbild einer Gruppe bei Halbwachs noch die symbolischen und sozialen Ordnungen ebendieser Gruppe. Es umfasst also das, was Lynch aus seiner Untersuchung dann jedoch ausschließt, nämlich den Aspekt der Bedeutung. Dass der urbane Raum nicht nur aus Bewegung und Wahrnehmung hervorgeht, sondern gleichzeitig ein kulturelles wie gesellschaftliches Produkt ist, bleibt für die Stadt(planung), folgt man Lynch, weitgehend unberücksichtigt.

Bild ohne Raum – Raum im Bild
Neben dem Problem von Bedeutung und Raum wirft Lynchs Image die Frage nach dem Verhältnis von Bild und Raum auf. Raumwahrnehmung und -kognition werden in seiner Studie vor allem visuell und von einer bildhaften Repräsentation her konzipiert. Dem entspricht auf methodischer Ebene das Verfahren, die Stadt über eine Menge von visuellen Zeichen zu erfassen. Die so aufgezeichneten Räume der Stadt reduzieren sich auf ein Diagramm, aus dem die Materialität, der Gebrauch, selbst die Form der Räume getilgt ist.

Der entsprechende Ansatz, die Stadt als eine Struktur relationaler Elemente zu erfassen, verweist auf die strukturale Linguistik und Anthropologie. Thomas Sieverts hat darüber hinaus eine Verbindung zur Zeichentheorie von Charles Morris hergestellt, insofern das Image mit seinen drei Komponenten Identität, Struktur und praktische Bedeutung den Zeichendimensionen Semantik, Syntax und Pragmatik zu entsprechen scheint.[30] Es gibt jedoch noch einen anderen Anschluss, der über den an der Studie beteiligten György Kepes noch unmittelbarer gegeben ist: die Gestalttheorie. Aus ihrer Perspektive können Weg, Rand, Bezirk, Knotenpunkt und Landmarke als Gestaltelemente betrachtet werden.

Im Gegensatz zu den "The Image of the City" kennzeichnenden strukturalen und gestalttheoretischen Ansätzen zeigt sich Lynch in den Reisetagebüchern und in "Notes on City Satisfactions" noch als ein "Raumwanderer", der die Stadt in ihrer Dynamik über alle Sinne zu erschließen sucht. Nicht nur das Sehen bestimmt die Wahrnehmung der Stadt, Gerüche, Geräusche und taktile Sensationen erweisen sich für sie als ebenso grundlegend.[31] Gebaute Räume mit ihren individuellen Lichtverhältnissen und Atmosphären, Fassaden und Gehwege in ihrer Materialität, die Auslagen in den Schaufenstern, Bewegung und Habitus der Passanten, Verkehrsdichte, all das gehört hier – und in den späteren Schriften wieder deutlicher – zu den charakteristischen Elementen einer Stadt.

Die visuelle Formwahrnehmung beginnt tatsächlich zu dominieren, als Lynch, im Rahmen des von der Rockefeller Foundation geförderten Forschungsprojektes zur wahrnehmbaren Form der Stadt[32], mit György Kepes Boston analysiert.[33] Kepes, der sich in den 1920er Jahren der ungarischen Avantgarde angeschlossen hatte[34] und seit 1930 mit László Moholy-Nagy zusammenarbeitete, erst in dessen Londoner Studio, später dann an dem von Moholy-Nagy geleiteten New Bauhaus bzw. der School of Design in Chicago[35], war 1945 an die Architekturfakultät des MIT berufen worden. Dort unterrichtete er Kurse zur Visuellen Gestaltung und initiierte 1967 die Einrichtung des Center for Advanced Visual Studies.

Neben Rudolf Arnheim dürfte Kepes derjenige gewesen sein, der die amerikanische Kunstpraxis und -theorie mit gestalttheoretischen Ansätzen vertraut gemacht hat, insbesondere mit der Berliner Schule, deren Mitglieder Max Wertheimer, Wolfgang Köhler, Kurt Koffka und Kurt Lewin in den 1930er Jahren ebenfalls in die USA emigrierten.[36] Kepes bezieht sich schon in seinem Buch "Language of Vision" von 1944 auf die Gestalttheorie, von der er – sicher auch beeinflusst durch Kandinskys "Punkt und Linie zu Fläche"[37] – eine eigene Theorie des Bildes und seiner Ordnung ableitet. Nach dieser Theorie zeigt sich die visuelle Wahrnehmung als ein automatischer schöpferischer Prozess, bei dem die auf die Netzhaut treffenden Lichtreize zu "unified, organic wholes"[38] integriert werden.

Das Anwenden der entsprechenden Gestaltgesetze führt bei Kepes nicht nur zu einem neuen Sehen, sondern auch zu einer neuen, und zwar "dynamischen Ikonografie", welche zugleich auf die veränderten Wahrnehmungsanforderungen durch eine beschleunigte und technisch reproduzierte Welt reagiert.[39] In "The New Landscape in Art and Science", das Ausstellungsprojekt und Buch von Kepes[40], das in "The Image of the City" angeführt wird, ist es neben den jüngeren Bildmedien Fotografie und Film vor allem die Industrialisierung, die mit ihren Auswirkungen auf Landschaft und Stadt eine gestalthafte Wahrnehmung herausfordert

In dreierlei Hinsicht schließt Lynch an Kepes an: Erstens greift er den Image-Begriff auf, den Kepes in "The New Landscape in Art and Science" bereits im Sinne einer mentalen Repräsentation der Außenwelt verwendet, die zukünftiges Handeln orientiert. Zweitens versteht Lynch die physische Form der Stadt in Anlehnung an die Gestalttheorie als eine Gestalt, die sich dort als prägnant bzw. gut erweist[41], wo sie eine größtmögliche Ordnung, Geschlossenheit, Eindeutigkeit, Klarheit aufweist. In diesem Zusammenhang erscheinen Weg, Rand, Bezirk, Knotenpunkt und Landmarke auch als Gestaltelemente, aus denen sich das Bild der Stadt als ein jedes einzelne Element übersteigendes Ganzes konstituiert. Dies wird in "The Image of the City" besonders im Kapitel zur "City Form" deutlich.


Abb. 6: Form Qualities: Figure-background Clarity, Clarity of Joint, Form Simplicity, Directional Differentiation, Continuity, Visual Scope, Dominance (Quelle: Lynch, Kevin, The Image of the City, Cambridge/Mass. 1960, S. 105f.)

Drittens besitzt die moderne Großstadt im Gegensatz zur historischen Stadt für Lynch – wie schon für Kepes und auch für Lewis Mumford, dessen Schriften zur Stadt bei Lynch nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben[42] – keine Gestalt mehr. Hier wie dort wird ein urban sprawl konstatiert, eine willkürliche Ausbreitung der Stadt in die umgebende Landschaft, mit der die Grenzen und damit die Geschlossenheit der Stadt aufgehoben werden: "Although the metropolis is no longer a rare phenomenon, yet nowhere in the world is there a metropolitan area with any strong visual character, any evident structure. The famous cities all suffer from the same faceless sprawl at the periphery."[43] Zum Gegenbild und Ideal einer prägnanten Stadtgestalt wird die mittelalterliche und frühneuzeitliche europäische Stadt, werden Florenz und Venedig, die Lynch Anfang der 1950er Jahre aufgesucht hatte und die offensichtlich sein eigenes imaginäres Image von Stadt geprägt haben.

Form ohne Bedeutung – Ausdrucks- und Bedeutungsgehalt der Form
Bereits kurz nach dem Erscheinen von "The Image of the City" werden nach Lynchs Methode verschiedene Städte auf ihre Images hin untersucht[44] und geplant[45]. Diese Arbeiten führen nicht nur zu einer Erweiterung dessen, was an Formqualitäten die Wahrnehmung der Stadt prägt.[46] Sie zeigen auch, welche Bedeutung den sozialen und symbolischen Ordnungen einer Gesellschaft für das Image der Stadt zukommt. Wahrnehmung und mentale Repräsentation von Stadt erscheinen jetzt zunehmend von anderen Faktoren als denen der physischen Form abhängig. Welche Begriffsnuancierung damit stattgefunden hat, verdeutlichen zwei Veröffentlichungen aus den 1980er Jahren. Die eine ist das von Lloyd Rodwin, enger Mitarbeiter von Lynch am Department of Urban Studies and Planning am MIT, und Robert Hollister herausgegebene Buch "Cities of the Mind. Images and Themes of the City in the Social Sciences". Dort wird das Image der Stadt zu einem "thematic urban image"[47] und nähert sich damit einem kollektiven Vorstellungs- und Leitbild an, das die Ansichten, Gefühle und Wertungen verschiedener sozialer Gruppen (und Wissenschaftsdisziplinen) gegenüber der Stadt enthält. In diesem Zusammenhang auch erfahren die zahlreichen Metaphern von Stadt als eine besondere Gruppe von wahrnehmungs- und handlungsleitenden Bildern, welche zugleich der Aneignung von Stadt dienen[48], eine kritische Reflexion.[49] Die unsichtbaren cities of the mind, die imaginären Städte, erweisen sich dabei als ebenso real wie die konkreten Städte selbst.

Die zweite Veröffentlichung "The City and the Sign. An Introduction to Urban Semiotics" kommt von sozio-semiotischer Seite und kritisiert Lynch fundamental. Zwar wird seiner Studie zugestanden, die Stadt methodisch erstmals aus der Perspektive der Nutzer betrachtet zu haben, was zu einem Paradigmenwechsel in der Stadtplanung führt, doch greife sie dort zu kurz, wo sie zur Bedeutung von Stadt lediglich über die Wahrnehmung ihrer Form bzw. über die Analyse von "mental maps" zu gelangen suche.[50] Denn die Straßen, Gebäude und Räume der Stadt sollen vor allem aufgrund des praktischen, sozialen und emotionalen Gehaltes wahrgenommen werden, den sie für die verschiedenen Nutzer haben. Dieser Gehalt ist seinerseits nicht zu trennen von der Weltanschauung sozialer Gruppen. Das Image der Stadt wird darüber zu einem Gegenstand der Ideologie und ihrer Kritik: "[...] the relation of people to the city goes beyond perceptual recognition and introduces the role of ideology. In short, the inhabitant of the city does not adapt to an environment [by a perceptual knowledge of form, Anm. K.W.], rather, residents play a role in the production and use of the urban milieu through urban practices."[51]

Tatsächlich ist in Lynchs Studie "Bedeutung" erst einmal das, was sich nicht wie die Form objektivieren und systematisieren lässt.[52] Gleichwohl gibt es auch bei ihm einen Zusammenhang von Form und Bedeutung, insofern sich in der Form Bedeutung kristallisiert und diese verstärkt. Bezeichnenderweise zeigt das Image immer dann eine hohe Lesbarkeit, wenn die repräsentierten Umweltobjekte auf irgendeine Weise konnotiert sind. Mit Kepes scheint Lynch der physischen Form darüber hinaus einen eigenen Ausdrucks- und Bedeutungsgehalt zuzusprechen, an den sich eine Reihe von Assoziationen und konventionellen Bedeutungen knüpfen kann. Dementsprechend erfüllt bereits die Form eine symbolische Funktion. Sequenzen offener und geschlossener Räume, niedriger und hoher Gebäude, glatter und texturierter Oberflächen, aber auch dem Wechsel von pulsierenden Einkaufszonen und kontrollierten öffentlichen Räumen eignet aufgrund des gestalthaften Kontrastes ein besonderer Ausdrucks- und Bedeutungsgehalt ("expressive qualities", "express meaning in and through their connections"[53]), der die Symbolik von Architektur und Stadt ausmacht.

Ähnliche Überlegungen finden sich später in Arnheims Architekturtheorie, in der jener von einem spontanen Akt der Symbolisierung[54] ("spontaneous symbolism") und Metaphernbildung spricht, der sich mit der Wahrnehmung der Ausdrucksqualitäten einer Form[55] einstellt. Was dabei von der Architektur wie von den anderen Künsten symbolisiert wird, sind die existentiellen Erfahrungen des Menschen.[56] Auch für Susanne Langer, deren Definition von Architektur und Stadt als "created place", als "ethnic domain made visible, tangible, sensible"[57] Lynch zitiert[58], ist der gebaute Raum Ausdruck menschlicher wie kultureller Existenz. In seiner materiellen Form verkörpern sich und werden unmittelbar anschaulich die je eigenen Handlungs-, Zeit- und Raumorganisationen sozialer Gruppen.

In "The Image of the City" bleibt eine solche symboltheoretische Auffassung von Architektur und Stadt jedoch implizit. Es überwiegt hier, was auch die weitere Rezeption von Lynchs Ansätzen bestimmt hat: zum einen die Formalisierung der Stadt anhand eines universellen Systems von Elementen, mit der schon von Lynch erkannten Konsequenz, dass die Stadtbewohner wieder aus den Planungsprozessen ausgeschlossen worden sind[59]; zum anderen ein kognitivistischer Ansatz, bei dem die konkrete räumliche Umgebung gegenüber ihrer mentalen Repräsentation ebenfalls sekundär erscheint. Beides freilich entspricht der Idee einer Planbarkeit von Stadt, die sich trotz oder gerade wegen der Krise moderner Urbanität ungebrochener Aktualität erfreut.

Dr. Kirsten Wagner ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 447 "Kulturen des Performativen" am Kulturwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Mitglied im Netzwerk "Räume der Stadt. Perspektiven einer kunstgeschichtlichen Raumforschung". Arbeitsschwerpunkte: Raummodelle des Wissens am Beispiel von Bibliothek, Karte und Stadt, Bild der Stadt, Raum- und Medientheorie. E-Mail: kirsten.wagner@rz.hu-berlin.de

Literaturempfehlungen:
Banerjee, Tridib; Southworth, Michael (Hgg.), City Sense and City Design. Writings and Projects of Kevin Lynch, Cambridge/Mass. 1990.
Downs, Roger M.; Stea, David, Image and Environment. Cognitive Mapping and Spatial Behavior, Chicago 1973.
Gottdiener, Mark; Lagopoulos, Alexandros Ph. (Hgg.), The City and the Sign. An Introduction to Urban Semiotics, New York 1986.
Kepes, György, Language of Vision, Chicago 1944.
Kepes, György, The New Landscape in Art and Science, Chicago 1956.
Langer, Susanne K., Feeling and Form. A Theory of Art Developed from Philosophy on a New Key, London 1963.
Lynch, Kevin, The Image of the City, Cambridge/Mass. 1960.
Lynch, Kevin, What Time is this Place, Cambridge/Mass. 1972.
Lynch, Kevin, A Theory of Good City Form, Cambridge/Mass. 1981.
Mumford, Lewis, The Culture of Cities, New York 1938.
Rodwin, Lloyd; Hollister, Robert M. (Hgg.), Cities of the Mind. Images and Themes of the City in the Social Sciences, New York 1984.
Wohl, R. Richard; Strauss, Anselm L., Symbolic Representation and the Urban Milieu, in: American Journal of Sociology 63 (1958), 5, S. 523-532.

Anmerkungen:
[1] Lynch, Kevin, The Image of the City, Cambridge/Mass. 1960.
[2] Lynch, Kevin, The Travel Journals, in: Banerjee, Tridib; Southworth, Michael (Hgg.), City Sense and City Design: Writings and Projects of Kevin Lynch, Cambridge/Mass. 1990, S. 104-134, hier S. 105.
[3] Lynch, Kevin, Notes on City Satisfactions, in: Banerjee; Southworth, City Sense (wie Anm. 2), S. 135-153.
[4] Banerjee, Tridib; Southworth, Michael, Kevin Lynch: His Life and Works, in: Banerjee; Southworth, City Sense (wie Anm 2), S. 1-29.
[5] Tolman, Edward C., Cognitive Maps in Rats and Men (1948), in: Collected Papers in Psychology, Los Angeles 1950, S. 241-264. Das Konzept einer "imagery map" taucht im Zusammenhang mit Untersuchungen zum Orientierungs- und Richtungsverhalten indes schon auf bei Trowbridge, C.C.: On Fundamental Methods of Orientation and "Imaginary Maps", in: Science 38 (1913), 990, S. 888-897.
[6] Vgl. hierzu im Überblick Sieverts, Thomas, Stadtvorstellungen, in: Stadtbauwelt 39 (1966), 9; Evans, Gary W., Environmental Cognition, in: Psychological Bulletin 88 (1980), 2, S. 259-287; Downs, Roger M.; Stea, David (Hgg.), Image and Environment. Cognitive Mapping and Spatial Behavior, Chicago 1973; Rodwin, Lloyd; Hollister, Robert M. (Hgg.), Cities of the Mind. Images and Themes of the City in the Social Sciences, New York 1984.
[7] Die vielleicht radikalste Kritik ist dabei von sozio-semiotischer Seite gekommen. Vgl. hierzu Gottdiener, Mark; Lagopoulos, Alexandros Ph. (Hgg.), The City and the Sign. An Introduction to Urban Semiotics, New York 1986.
[8] Mumford, Lewis, The Culture of Cities, New York 1938, S. 348ff.
[9] Broadbent, Geoffrey, Emerging Concepts in Urban Space Design, London 1990, S. 225ff.
[10] Lampugnani, Vittorio Magnago; Frey, Katia; Perotti, Eliana (Hgg.), Anthologie zum Städtebau, Bd. 3: Vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur zeitgenössischen Stadt, Berlin 2005, S. 479ff.
[11] Moravánszky, Akós (Hg.), Architekturtheorie im 20. Jahrhundert. Eine kritische Anthologie, Wien 2003, S. 481.
[12] Also das, was im Griechischen auch phantasma oder eidolon genannt worden ist.
[13] Miller, George A.; Galanter, Eugene; Pribram, Karl Harry, Plans and the Structure of Behavior, New York 1960.
[14] Boulding, Kenneth E., The Image. Knowledge of Life in Society, Ann Arbor/Mich. 1956.
[15] Zu den Begriffen "Bild" und "Image" vgl. im Überblick die entsprechenden Einträge im Historischen Wörterbuch der Philosophie, hrsg. v. Joachim Ritter, Basel 1971ff. Zum Bildbegriff vgl. des Weiteren Scholz, Oliver Robert, Bild, in: Barck, Karlheinz; Fontius, Martin; Schlenstedt, Dieter; Steinwachs, Burkhart; Wolfzettel, Friedrich (Hgg.), Ästhetische Grundbegriffe: historisches Wörterbuch in sieben Bänden, Bd. 1, Stuttgart 2000, S. 618ff.
[16] Lynch, The Image of the City (wie Anm. 1), S. 46.
[17] Zur Auswahl der Städte vgl. Ebd. S. 14f.
[18] Dass sich alle Befragten aus der Mittelklasse rekrutierten, hat zu der späteren Kritik einer sozialen Einseitigkeit des Image geführt. Lynch hat dieses Problem durchaus früh erkannt und bereits in "The Image of the City" zu einer Erweiterung des Kreises an Testpersonen angeregt, vgl. Ebd. S. 152f.
[19] Wohl und Strauss haben die Luftaufnahme und ähnliche Überblick bietende Darstellungstechniken sowie die metaphorische Konzeptualisierung von Stadt als Formen des symbolischen Managements ("symbolic management") beschrieben, mit denen die räumliche Komplexität und soziale Diversität der Stadt auf eine greifbare Größe reduziert und vereinfacht wird: "Not only does the city-dweller develop a sentiment of place gradually, but it is extremely difficult for him to visualize the physical organization of his city, and, even more, to make sense of its cross-currents of activity. Apparently an invariable characteristic of city life is that certain stylized and symbolic means must be resorted to in order to 'see' the city. The most common recourse in getting a spatial image of the city is to look at an aerial photograph in which the whole city – or a considerable portion of it – is seen from a great height. Such a view seems to encompass the city, psychologically as well as physically. [...] These methods (aerial photographs, 'bird's-eye' drawings, models, etc.) of portraying the city space are expressive declarations of its literal incomprehensibility. The city, as a whole, is inaccessible to the imagination unless it can be reduced and simplified." Wohl, R. Richard; Strauss, Anselm L., Symbolic Representation and the Urban Milieu, in: American Journal of Sociology 63 (1958), 5, S. 523-532, hier S. 523f.
[20] Lynch, The Image of the City (wie Anm. 1), S. 25.
[21] Welchen exemplarischen Status Boston bzw. der historische Teil von Boston (Back Bay Area, Beaconhill) für die amerikanische Architektur und Stadtplanung hat, verdeutlicht auch Mumford, wenn er in Bezug auf die Back Bay Area von einem historischen Monument und einem kulturellen Symbol der Vereinigten Staaten spricht. Vgl. Mumford, Lewis, Back Bay Boston: The City as A Work of Art, Boston 1969, S. 19.
[22] Wie etwa noch Sitte, Camillo, Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen, Nachdruck der 4. Aufl. (1909), Basel 2002.
[23] Dazu Banerjee und Southworth: "In his attempt to systematically describe and document the visual form of cities, Lynch began with a clean slate. There were no previous methods, no languages or lexicons, no notation systems on which such work could be based. Lynch was curious about several things: How to represent large-scale visual environments? What are the important visual qualities? What can be measured objectively? Clearly the techniques of architectural drawing – plans, sections, elevations, perspectives – were not sufficient. Conventional land-use maps were also totally inadequate. In the days of Camillo Sitte, Daniel Burnham, and Frederick Law Olmsted, civic and landscape design had been based largely on architectural representations. Objective documentation of the visual quality of the natural or built landscapes was not required in that tradition. So this was indeed a new frontier to be explored in the field of environmental design arts." Banerjee, Tridib; Southworth, Michael, Analysis of Visual Form. Introduction, in: Banerjee; Southworth, City Sense (wie Anm. 2), S. 260.
[24] Beim "photogrid" wird über eine Karte der Stadt ein orthogonales Raster gelegt, dessen Schnittpunkte auf der Karte eingetragen werden und den Ort vorgeben, an dem von der Stadt Fotografien gemacht werden.
[25] Lynch, Kevin, A Process of Community Visual Survey, in: Banerjee; Southworth, City Sense (wie Anm. 2), S. 263-286, hier S. 266.
[26] Die ungefähr zwei Drittel des gesamten Literaturverzeichnisses einnimmt.
[27] Lynch, The Image of the City (wie Anm. 1), S. 3.
[28] Ebd. S. 125f.
[29] Halbwachs schreibt: "Lorsqu'un groupe est inséré dans une partie de l'espace, il la transforme à son image, mais en même temps il se plie et s'adapte à des choses matérielles qui lui résistent. Il s'enferme dans le cadre qu'il a construit. L'image du milieu extérieur et des rapports stables qu'il entretient avec lui passe au premier plan de l'idée qu'il se fait de lui même." Halbwachs, Maurice, La mémoire collective, Paris 1950, S. 132.
[30] Der Survey von Florenz umfasst so an Kategorien: "Space, orientation, middle distance picture, eye level detail, floor, human activity, traffic, noise and smells." Lynch, Kevin, The Travel Journals (wie Anm. 2), S. 118f.
[31] Sieverts, Thomas, Wiedergelesen. Kevin Lynch und Christopher Alexander. Das Aufbrechen und Wiedererfinden der Konvention – Auf der Spur des Geheimnisses lebendiger Räume und Städte, in: DISP 129 (1997), S. 52-59. Vgl. hierzu ferner Morris, Charles W., Foundations of the Theory of Signs, Chicago 1938.
[32] Das mehrjährige Forschungsprojekt zur "Perceptual Form of the City" war am Center for Urban and Regional Studies des MIT angesiedelt.
[33] Kepes wertete die Ergebnisse der gemeinsamen Studie u.a. aus in: Notes on Expression and Communication in the Cityscape, in: Arts and Architecture 78 (1961), S. 16-17, 28.
[34] Und zwar der von dem Schriftsteller und Maler Lajos Kassak gegründeten Gruppe Munka. Vgl. hierzu Kepes, György, The MIT Years: 1945-1977, Ausstellungskatalog, Hayden Gallery, MIT, Cambridge/Mass. 1978.
[35] Vgl. hierzu Hahn, Peter (Hg.), 50 Jahre New Bauhaus. Bauhausnachfolge in Chicago, Berlin 1987.
[36] Kurt Koffka wechselte indes schon 1927 an das Smith College, Northampton/Mass., Max Wertheimer und Kurt Lewin emigrierten 1933 und gingen an die New School for Social Research New York bzw. an die Cornell University Ithaca, Wolfgang Köhler folgte 1935 an das Swarthmore College Pennsylvania.
[37] Kandinsky, Wassily, Punkt und Linie zu Fläche. Beitrag zur Analyse der malerischen Elemente, München 1926.
[38] Kepes, György, Language of Vision, Chicago 1944, S. 15.
[39] Ebd. S. 14.
[40] Die Ausstellung The New Landscape in Art and Science fand 1951 in der Hayden Gallery des MIT statt, das gleichnamige Buch erschien 1956. Vgl. Kepes, György, The New Landscape in Art and Science, Chicago 1956.
[41] Das Konzept der "guten Gestalt" oder Prägnanz wurde wesentlich von Max Wertheimer formuliert. Er bezeichnete damit die Tendenz, dass die Wahrnehmungsreize bereits im Prozess der Wahrnehmung, also nicht durch einen nachträglichen synthetischen Akt der Assoziation und Interpretation, automatisch zu einer Gestalt gefügt werden, die einen hohen Ordnungsgrad, Abgehobenheit vom Hintergrund sowie Stabilität gegenüber Veränderungen aufweist.
[42] Vgl. hierzu insbesondere Mumford, The Culture (wie Anm. 8).
[43] Lynch, The Image of the City (wie Anm. 1), S. 94.
[44] Gulick, John, Images of an Arab City, in: Journal of the American Institute of Planners 28 (1962), S. 179-198; de Jonge, Derk, Images of Urban Areas: Their Structure and Psychological Foundations, in: Journal of the American Institute of Planners 28 (1962), S. 266-267; Wohlwill, J.F., The Physical Environment: A Problem for a Psychology of Stimulation, in: Journal of Social Issues 22 (1966), S. 29-39; Appleyard, Donald, Styles and Methods of Structuring a City, in: Environment and Behavior (1970), 2, S. 100-116; Harrison, James D.; Howard, William A., The Role of Meaning in the Urban Environment, in: Environment and Behavior 4 (1972), S. 389-411.
[45] Appleyard, Donald, Planning a Pluralist City: Conflicting Realities in Ciudad Guayana, Cambridge/Mass. 1976.
[46] Wie etwa Regelmäßigkeit, aber auch Inkongruität.
[47] Rodwin, Lloyd; Hollister, Robert M., Images, Themes, and Urbanography, in: Rodwin; Hollister, Cities of the Mind (wie Anm. 6), S. 3-18, hier S. 7.
[48] Vgl. hierzu noch einmal Wohl; Strauss, Symbolic Representation (wie Anm. 19).
[49] Vgl. hierzu auch den Beitrag von Langer, Peter, Sociology – Four Images of Organized Diversity: Bazaar, Jungle, Organism, and Machine, in: Rodwin; Hollister, Cities of the Mind (wie Anm. 6), S. 97-117.
[50] Gottdiener, Mark; Lagopoulos, Alexandros Ph., Introduction, in: Gottdiener; Lagopoulos, The City and the Sign (wie Anm. 7), S. 1-22, hier S. 7.
[51] Ebd.
[52] "If it is our purpose to build cities for the enjoyment of vast numbers of people of widely diverse background – and cities which will also be adaptable to future purposes – we may even be wise to concentrate on the physical clarity of the image and to allow meaning to develop without our direct guidance. The image of the Manhattan skyline may stand for vitality, power, decadence, mystery, congestion, greatness, or what you will, but in each case that sharp picture crystallizes and reinforces the meaning. So various are the individual meanings of a city, even while its form may be easily communicable, that it appears possible to separate meaning from form, at least in the early stages of analysis." Lynch, Kevin, The Image of the City (wie Anm. 1), S. 9.
[53] Kepes, Notes on Expression (wie Anm. 33), S. 17.
[54] Arnheim, Rudolf, The Dynamics of Architectural Form, Berkeley/Los Angeles 1977, S. 210.
[55] Zu diesen Ausdrucksqualitäten gehören bei Arnheim bspw. Geradheit und Biegsamkeit, Expansion und Kontraktion, Offenheit und Geschlossenheit. Ebd. S. 253.
[56] Arnheim weist unter Bezug auf Theodor Lipps und Heinrich Wölfflins Dissertation Prolegomena zu einer Psychologie der Architektur (1886) zu Recht darauf hin, dass schon die Einfühlungsästhetik diesen spezifischen Ausdrucks- und Bedeutungsgehalt der (architektonischen) Form zu ihrem Gegenstand gemacht hat. Im Gegensatz zur Einfühlungstheorie geht Arnheim jedoch nicht mehr davon aus, dass dieser Gehalt lediglich auf die Projektion von Leibempfindungen auf eine an sich neutrale Form zurückgeht, sondern dass er im Sinne der Gestalttheorie in den Formqualitäten der wahrgenommenen Gegenstände selbst angelegt ist bzw. in der Wahrnehmung dieser Formqualitäten entsteht.
[57] Langer, Susanne K., Feeling and Form, A Theory of Art Developed from Philosophy in a New Key, London 1963, S. 95.
[58] "We are rapidly building a new functional unit, the metropolitan region, but we have yet to grasp that this unit, too, should have its corresponding image. Suzanne Langer sets the problem in her capsule definition of architecture: 'It is the total environment made visible'." Lynch, The Image of the City (wie Anm. 1), S. 13.
[59] Lynch, Kevin, Reconsidering The Image of the City, in: Rodwin; Hollister, Cities of the Mind (wie Anm. 6), S. 151-161.

Zitation
Die visuelle Ordnung der Stadt. Das Bild der Stadt bei Kevin Lynch, in: H-Soz-Kult, 14.09.2006, <www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-774>.
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14.09.2006
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