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Titel
Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet


Hrsg. v.
Kunze, Konrad
Erschienen
Umfang
1 CD-ROM
Preis
€ 15,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Kresimir Matijevic, Fachbereich III - Alte Geschichte, Universität Trier

Namen sind bekanntlich nicht nur „Schall und Rauch“ (Goethe, Faust I, Marthens Garten), sondern ein wichtiger Forschungsbereich der deutschen Sprachwissenschaft. Personennamen können Hinweise auf die Herkunft der Träger geben, ebenso auf den Beruf oder bestimmte Charaktereigenschaften von Vorfahren. Folglich ist es nicht erstaunlich, dass auch Laien gelegentlich Namenforschung betreiben, meistens in eigener Sache und auf der Suche nach ihren Wurzeln.

Der vom Freiburger Sprachwissenschaftler Konrad Kunze verfasste dtv-Atlas „Namenkunde“ versucht einerseits als Einführung in die historischen, geographischen, soziologischen und philologischen Aspekte des deutschen Namenschatzes zu dienen, andererseits aber auch dem Bedürfnis des sich informierenden Laien nachzukommen; letzteres durch Integration mehrerer Tausend Einzelfälle in die systematische Darstellung.[1]

Inhaltlich muss auf das allseits bekannte und bereits in fünfter, bearbeiteter Auflage (2004) erschienene Werk, mit dem die hier angezeigte Software-Fassung übereinstimmt, nicht mehr ausführlicher eingegangen werden. Behandelt werden zum einen Rufnamen, wobei Kunze mit den für die Antike überlieferten, germanischen Belegen beginnt, zum anderen die Familiennamen. Letztere werden weiter differenziert in Familiennamen, welche aus Rufnamen, aus Berufsbezeichnungen, aus der Herkunft oder von der Wohnstätte abgeleitet wurden. Den jüdischen und fremdsprachlichen Familiennamen ist ebenfalls ein Kapitel gewidmet. Den Schluss der Darstellung nehmen Abschnitte zum Personennamengebrauch im Alltag, zur Auswertung von Namenmaterial in der Wissenschaft und zum Telefonnummernverzeichnis als namenkundliche Quelle ein. An die Darstellung angeschlossen sind ein ausführliches Literaturverzeichnis und umfangreiche Register.

Der besondere Reiz der „dtv-Atlanten“[2], bei denen es sich nicht im eigentlichen Sinne um Atlanten handelt, liegt in der graphischen Unterstützung des Textes durch Karten, Tabellen, Diagramme etc. Für den Band bzw. die Software „Namenkunde“ wurden diese vom Freiburger Kartographen Hans-Joachim Paul erstellt. Während in der Buchform die Abbildungen durchgängig die linke Seite einnehmen, öffnen sie sich in der Software bequem per Mausklick, wobei die entsprechenden Links jeweils an passender Stelle in den Text eingefügt worden sind. Hierbei zeigt sich ein klarer Vorteil der digitalen Version: Die im Buch häufig zu klein abgedruckten Schaubilder sind hier nach Wunsch vergrößerbar. Bedauerlicherweise können sie, im Gegensatz zum Buchtext selbst, nicht ausgedruckt oder in ein anderes Dokument kopiert werden, obgleich dem Nutzer der Software im „Klappentext“ der Verpackung des Datenträgers ein „Drucken und Exportieren sämtlicher Abbildungen“ versprochen wird. Hier hätte man es, statt die Nutzung für die Lehre zu verhindern, besser bei einem Hinweis auf die Rechteinhaber bewenden lassen sollen.

Ansonsten hat man alle für eine Software-Version vorstellbaren Vorteile umgesetzt, wobei besonders auf die Volltextsuche und die bequemen Hyperlinks in sämtlichen Registern hinzuweisen ist. Die ursprünglichen Seitenzahlen der gedruckten Version sind auf jeder Bildschirmseite genau angegeben, Seitenwechsel im fortlaufenden Text mittels senkrechter roter Striche markiert. Auch die Installation der Software ist denkbar einfach. Nach einer Registrierung ist sogar das komplette Aufspielen der Dateien möglich, welches ein Aufrufen des Atlasses auch ohne den Datenträger erlaubt.

Insgesamt handelt es sich um eine durchweg gelungene digitale Umsetzung dieser Einführung in die deutsche Namenkunde. Für alle zukünftigen dtv-Atlanten sollte die „Digitale Bibliothek“ allerdings darauf achten, dass der Nutzer auch auf die Abbildungen zugreifen kann.

Anmerkungen:
[1] Der Klappentext verspricht die Berücksichtigung von ca. 9000 Namen. Im Vorwort von Kunze ist von 5000-6000 Namen die Rede.
[2] Neben dem dtv-Atlas „Namenkunde“ finden sich auch die dtv-Atlanten „Deutsche Literatur“ und „Deutsche Sprache“ im umfangreichen Programm der „Digitalen Bibliothek“. Die meisten Titel der „Digitalen Bibliothek“, auch die erwähnten dtv-Atlanten, sind nach Auskunft der Homepage <http://www.digitale-bibliothek.de/scripts/ts.dll?s=21&id=C04C636B&mp=/pi/1/&sc=Verlagsprogramm#Digitale%20Bibliothek20Bibliothek> (24.07.2009) bereits vergriffen. Einige sind auf der Seite der Verlagsgesellschaft Zenodot <http://www.zenodot.net> (24.07.2009) inzwischen als Download erhältlich.

Zitation
Kresimir Matijevic: Rezension zu: Kunze, Konrad (Hrsg.): Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. Berlin 2005 , in: H-Soz-Kult, 10.08.2009, <www.hsozkult.de/digitalreview/id/rezcdrom-6774>.
Redaktion
Veröffentlicht am
10.08.2009
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