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Titel
Constitutiones et Acta publica imperatorum et regum. Dokumente zur Geschichte des Deutschen Reiches und seiner Verfassung 1357-1378. Elektronische Vorabedition. 2. Folge: Urkunden aus den Archiven der Länder Mittel- und Norddeutschlands sowie Dänemarks.


Hrsg. v.
Müller-Mertens, Eckhard; Lawo, Mathias
Erschienen
Umfang
1 CD-ROM
Preis
€ 20,00
ISBN
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Oliver Auge, Historisches Institut, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Schon seit längerem arbeitet man an der BBAW im Auftrag der MGH im Rahmen der Reihe „Constitutiones“ an der Edition der einschlägigen Quellen zur Geschichte Kaiser Karls IV. von 1356 bis zu seinem Tod im Jahr 1378. Das zur Ausführung kommende Editionsmodell steht dem Willen der Herausgeber zufolge dabei unter der Formel eines Urkundenbuchs und Regestenwerks, „welches vornehmlich im Zuge der Privilegienerteilung ausgesprochen rechtssetzende und tatsächlich gesetzgebende Akte sowie ungedruckte Urkunden in Volltexten erfaßt“ (Einleitung von E. Müller-Mertens). Die Auswahl der Quellen erfolgt zudem unter der Prämisse konzeptioneller Neutralität und möglichst vollständiger Repräsentanz. Die vorhandene Materialfülle legte den Beteiligten dabei von Anfang an die Notwendigkeit zur Einschränkung und Kürzung nahe. Diesem Gebot entschloss man sich vor allem mit dem „Prinzip des komplementären Gebrauchs“ zu begegnen. Das Prinzip besagt, dass die Edition nur in Verbindung mit einer Reihe paralleler Editionsunternehmen zu benutzen ist, etwa der Regesta Imperii oder der Deutschen Reichstagsakten oder auch moderner landes- und stadtgeschichtlicher Urkundenbücher und Regestenwerke. Urkunden sollen nur im Volltext geboten werden, wenn hierzu kein brauch- und heranziehbarer Druck aus dem 19. oder 20. Jahrhundert vorliegt. Um nun einen „systemimmanenten Geburtsfehler vieler Editionsvorhaben“ auszuschließen, sprich: dem Missstand abzuhelfen, dass bei gründlich vorgenommenen Editionen, die ihr Material in chronologisch dargebotener Abfolge bieten, meist „ein langer und schwer erträglicher Zeitabstand zwischen der Aufnahme der Arbeiten am Projekt und dem endlichen Publikationsbeginn“ liegt und dass die Grundlagenforschungen und Zwischenergebnisse des Projekts bis zu dieser Publikation der interessierten und darauf angewiesenen Wissenschaft vorenthalten bleiben (ein Umstand, der „alles andere als befriedigend“ ist), entschloss man sich in Berlin des Weiteren dazu, „eine regional ausgerichtete, sukzessiv-kumulative elektronische Vorabpublikation des Urkundenbestandes auf CD-ROM oder im Internet“ vorzunehmen (alle Zitate aus dem Vorwort zur elektronischen Vorabedition von E. Müller-Mertens und Mathias Lawo, auch im folgenden). Hier stellte sich wiederum das diffizile Problem, dass von einem künftigen Benutzerkreis auszugehen ist, der sich in erster Linie aus Historikern und Philologen zusammensetzt und nicht aus Informatikspezialisten. Es galt also das Gebot einer möglichst einfachen Benutzbarkeit. „Unter dem Aspekt einer editorisch-fachwissenschaftlichen Priorität im Editionsgeschehen waren die Ansprüche an Software und programmspezifische Arbeit am Computer für die Aufmerksamkeit (aber auch) der Bearbeiter verträglich zu gestalten.“

Bereits im Jahr 2000 legte die BBAW aus Anlass ihres 300-jährigen Bestehens mit MGH eConst 1 eine Testversion vor, die in chronologischer Reihung 69 einschlägige, von Ulrike Hohensee ausgewählte Urkunden zur Zeit Karls IV. aus den Archiven der Bundesländer Berlin und Brandenburg enthielt. Im November 2005 erschien nun MGH eConst2, wodurch dem Nutzer im Vergleich zur ersten Version mit insgesamt 478 Stücken ein versiebenfachtes Urkundenmaterial geboten wird. Zu den betreffenden Urkunden aus Berlin und Brandenburg treten jetzt relevante Quellen aus den Archiven Sachsens, Niedersachsens, Hamburgs, Bremens, Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und Dänemarks, allesamt bearbeitet von Michael Lindner, sowie von Olaf B. Rader edierte Urkunden aus den Archiven Sachsen-Anhalts und von Harriet M. Harnisch bzw. Mathias Lawo ausgewählte Urkunden aus Thüringen.

Der Aufbau des elektronischen Editionswerks gestaltet sich derart, dass sich an die von Eckhard Müller-Mertens verfasste und die lange Geschichte und besondere Problematik des Unternehmens eingehend schildernde Einleitung samt Gestaltungsrichtlinie das von demselben und Mathias Lawo geschriebene Vorwort zur elektronischen Vorabedition sowie drittens die von Mathias Lawo und der EDV-Gruppe der BBAW erstellte Einführung in das EDV-Konzept und seine Realisierung anschließen. Hier werden ausführlich die Grundforderungen der Arbeitsstelle, die Wege zur elektronischen Publikation, die praktischen Erfordernisse für die Erstellung elektronischer Constitutiones sowie deren Realisierung dargelegt. Den vierten und letzten Teil der Einführung bildet ein nochmaliges kurzes Vorwort zur Edition von MGH eConst 2 von Mathias Lawo. Darauf werden die Hilfsmittel, aufgeschlüsselt in ein Sigelverzeichnis, in eine Aufstellung der Quellenpublikationen, die gemäß dem Prinzip des komplementären Gebrauchs heranzuziehen sind, sowie ein Literaturverzeichnis genannt. Schließlich folgt mit der Edition der Urkunden und Regesten der eigentliche Hauptteil des Werks.

Der CD-ROM ist, wie allgemein üblich, ein kleines Booklet (leider gleich mit einem Tippfehler auf dem Deckblatt: Leerzeichen zwischen „PUBLIC“ und „A“) beigefügt, das dem Nutzer erstens die Computersystemvoraussetzungen und die Installation allgemeinverständlich erklärt. Die Installation erfolgt entsprechend einfach, folgt man den gegebenen Anweisungen. Zweitens werden die Arbeitsmöglichkeiten mit der elektronischen Edition erläutert. Es geht dabei vor allem um die verschiedenen Suchoptionen, mit deren Hilfe man zu den gewünschten Informationen und Quellen gelangen kann. Drittens und letztens wird die Zitierweise vorgeschlagen. Man soll sich den Herausgebern zufolge auf den eindeutigen Urkundennamen beschränken, der als Kennung anstelle einer Nummer über jeder Urkunde erscheint. „Er ist zugleich der Name der RTF-Stammdatei und bleibt bei künftigen Lieferungen der eConst unverändert bestehen. Dieser Name besteht aus einer chronologisch ordnenden Zahlenkombination von sechs Ziffern – je zwei für Ausstellungsjahr …, Ausstellungsmonat … und Ausstellungstag … – gefolgt von einem Kennbuchstaben, um mehrfache Beurkundungen an einem Tag auseinanderhalten zu können.“

Nach einigen praktischen Tests ergibt sich für den Rezensenten folgender Eindruck: Die Benutzeroberfläche ist außerordentlich übersichtlich und verständlich eingerichtet und muss den Vergleich mit entsprechenden Datenbanken nicht scheuen. Wie schon von anderen derartigen Opera bekannt, hat auch hier der Farbeinsatz seinen gewichtigen Anteil an der Übersichtlichkeit und Verständlichkeit: Die einzelnen Urkunden sind durch einen grünen Balken voneinander getrennt. In Grün sind die Kurzregesten gehalten, während blau die Archivnennungen und violett die bisherigen Drucke bzw. Regesten angeführt werden. Violett ist jeweils auch das Ausstellungsdatum der betreffenden Urkunde, ihr Text ist schwarz, der Urkundenschluss mit Datum und Actum jeweils wieder violett. Die Edition der Urkundentexte selbst entspricht inhaltlich wie formal dem gewohnt hohen Standard von MGH-Publikationen. Beherzigt man die für die Sucharbeit von den Editoren zur Hand gegebenen Ratschläge, ist auch bei dieser Datenbank die Arbeit mit dem Urkundenmaterial kein Problem, wiewohl immer das auch von anderen, ähnlich aufgebauten elektronischen Datenbanken bekannte Unbehagen bleibt, ob man denn wirklich mit seinem Variantenreichtum an Suchwörtern all das, was einen interessiert, auch wirklich ausfindig gemacht hat. Das im Rahmen der BBAW garantierte, enge Zusammenspiel von Historikern und Informatikspezialisten jedenfalls, das die Gestaltung und Ausführung des Produkts zu erkennen gibt, hat sich unter Berücksichtigung der Benutzerzielgruppe und ihrer Erkenntnisinteressen gewiss ausgezahlt.

Die ausgesprochene Absicht des gesamten Editionsvorhabens der BBAW bleibt die Buchpublikation. Diese wird noch eine geraume Zeit auf sich warten, dann aber sehr schnell besorgen lassen, wenn erst einmal alle relevanten Urkundenbestände in der gründlichen Art und Weise erfasst sind, wie es nun für die Archive Mittel- und Norddeutschlands sowie Dänemarks der Fall ist. Die elektronische Vorabedition dieses weiten geografischen Ausschnitts erschließt der Wissenschaft nicht bloß eine große Fülle bisher verstreut publizierter oder bislang unediert vorliegender Urkunden der Jahre 1356 bis 1378, sondern damit auch Quellen eines Raumes, der in der Politik Karls IV. und des Reiches zeitweilig eine ganz zentrale Rolle spielte, die so gar nicht zu unserem hergebrachten Bild des königsfernen Reichsnordens passen will. Die Wissenschaft wird durch diese willkommene Handreichung sicherlich befördert werden. Weil der Rezensent sich selbst im Rahmen seiner Habilitation mit ebendiesem Raum befasst und so in einem hohen Maß auf die neue Edition angewiesen ist, weiß nicht zuletzt er die Vorabedition besonders zu schätzen. Er wird aber gewiss nicht der einzige sein und bleiben. In diesem Sinn kann man die BBAW nur ermuntern, mit dem Begonnenen in dieser ansprechenden und begrüßenswerten Art und Weise fortzufahren und schleunigst eConst 3 vorzulegen!

Zitation
Oliver Auge: Rezension zu: Müller-Mertens, Eckhard; Lawo, Mathias (Hrsg.): Constitutiones et Acta publica imperatorum et regum. Dokumente zur Geschichte des Deutschen Reiches und seiner Verfassung 1357-1378. Elektronische Vorabedition. 2. Folge: Urkunden aus den Archiven der Länder Mittel- und Norddeutschlands sowie Dänemarks. Berlin 2005 , in: H-Soz-Kult, 02.10.2006, <www.hsozkult.de/digitalreview/id/rezcdrom-8579>.
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Veröffentlicht am
02.10.2006
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