„Meine geistige Heimat“. Mit Stefan Zweig über das Europa von gestern, heute und morgen nachdenken

„Meine geistige Heimat“. Mit Stefan Zweig über das Europa von gestern, heute und morgen nachdenken

Veranstalter
François Genton, professeur des universités, Université Grenoble Alpes – ILCEA4. UFR LE, université Grenoble Alpes, 38040 Grenoble CEDEX 9; Red. prof. dr. Matjaž Birk, Oddelek za germanistiko, Filozofska fakulteta; Thomas Nicklas, professeur des universités, Université de Reims Champagne Ardenne-CIRLEP; Herta-Luise Ott, professeur des université, Université de Picardie Jules Verne – CERCLL
Veranstaltungsort
Université Grenoble Alpes
Ort
Grenoble
Land
France
Vom - Bis
03.12.2020 - 04.12.2020
Deadline
01.02.2020
Von
François Genton

Stefan Zweig (1881-1942) wuch in der Hauptstadt der multiethnischen und plurikulturellen Donaumonarchie in einem idealistischen, kosmopolitischen und humanistischen Umfeld auf. Diese Herkunft, in Verbindung mit dem Leben des Autors als Weltenbummler und Kulturvermittler, prägte ein schriftstellerisches Werk, das lange vor deren theoretischer Konzeptualisierung, zum Paradigma interkultureller Literatur geworden ist und bis heute bei einer weltweiten Leserschaft große Popularität genießt. So wurde Zweig in Frankreich 2013 in die „Bibliothèque de la Pléiade“ aufgenommen und damit als internationaler Klassiker kanonisiert. In allen seinen Schriften unterstützte Stefan Zweig Vorstellungen von Frieden und Einheit der Völker Europas zu einer Zeit, als Konflikte zwischen den europäischen Mächten in beispiellose Kriege und Massaker mündeten. Welche Aktualität sprechen Stefan Zweigs Schriften in der heutigen Welt eigentlich an? Und kann uns die von ihm entworfene Vorstellung von Europa heute überhaupt noch berühren und inspirieren?

Die internationale Tagung an der Universität Grenoble Alpes, in Kooperation mit den Universitäten zu Reims, Amiens und Maribor (Slowenien), setzt sich die Erforschung der europäischen Dimension von Stefan Zweigs Schreiben in seiner ganzen Vielfalt fiktionaler und nichtfiktionaler Textsorten zum Ziel. Neben der Erfassung von Kulturtransfers bei Übersetzungsprozessen und der Suche nach dem gemeinsamen europäischen Kultursubstrat mit einem universellen Anspruch über sprachliche, politische und auch soziale Grenzen hinweg, gehört dazu nicht zuletzt die Erfassung der von Zweig postulierten kulturellen Unterschiede innerhalb der jeweiligen Gesellschaften – seien sie ästhetischer, sozialer, religiöser, politischer oder moralischer Natur-, wobei dem europäischen „Idealismus“ des Autors besonderes Augenmerk geschenkt werden soll. Inwiefern rufen diese Werke (nicht?) zum Bruch mit den herrschenden moralischen, religiösen, sozialen und politischen Werten im Europa der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf? Welche Vorstellung von der Geschichte des Kontinents und der hier lebenden Nationen und Gesellschaften vermitteln seine Werke? Inwiefern bestätigen oder widerlegen sie Hierarchien und bestehende Ordnungen? Welche wirtschaftlichen und politischen Modelle ließen sich von ihnen ableiten – oder auch nicht?

Dem europäische Idealismus Stefan Zweigs und der Frage nach dessen in politischer und sozialer Hinsicht eventueller zeitbedingter Begrenztheit soll durchaus ideologiekritische Aufmerksamkeit geschenkt werden. Insbesondere soll ausgehend vom Begriff der „geistigen Heimat“, den der Emigrant in seinem Abschiedsbrief verwendete, die Problematik eines sich „über die Kultur“ entwerfenden Europas aufgerollt werden, das mit dem im Sinne des berühmtem Memorandums von Jean Monnet vom 3. Mai 1950 nur aus einer „unmittelbaren Aktion“ (im konkreten Fall der Gründung der EGKS) hervorgehenden Europa kontrastiert, denn „Worte“ würden nicht reichen, „um den Geist der Menschen zu verändern“.

Schließlich sollen die Beiträge Stefan Zweigs fiktionales und nicht-fiktionales Werk nicht nur zum Europagedanken in geschichtliche Beziehung setzen, sondern auch seine Bedeutung für das gegenwärtige Denken über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des europäischen Kontinents nachzeichnen.

Die Organisatoren gehen davon aus, dass die Teilnehmer die ihnen entstehenden Reise- und Aufenthaltskosten sowie die Anmeldegebühren (€ 30) von ihrer Universität bzw. von ihrem Forschungszentrum zurückerstattet bekommen. Sollte aber eine solche Erstattung partiell oder total nicht möglich sein, sind die Organisatoren bereit, eine andere Lösung zu suchen.

Tagungssprachen: Französisch, Deutsch, Englisch.

Formale Vorgaben und Zeitplan

Die Beiträge können entweder Aufsätze (max. 40.000 Zeichen mit Leerzeichen) oder kurze Forschungsberichte sein (max. 20.000 Zeichen mit Leerzeichen.)
Abgabefrist für Beitragsvorschläge in Form von Abstracts von max. 3000 Zeichen bis zum 1. Februar 2020.
– Auswahl der Beitragsvorschläge bis zum 31. März 2020.
– Abgabefrist für ausgewählte Beiträge bis 31. März 2021

Anschriften:
francois.genton@univ-grenoble-alpes.fr
matjaz.birk@um.si
thomas.nicklas@univ-reims.fr
herta.luise-ott@u-picardie.fr

Programm

Kontakt

François Genton

Bâtiment Stendhal, Université Grenoble Alpes, 38040 Grenoble CEDEX Frankreich

francois.genton@univ-grenoble-alpes.fr

https://ilcea4.univ-grenoble-alpes.fr/membre/francois-genton
Redaktion
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