Homo pictor und animal symbolicum

Ort
Essen
Veranstaltungsort
BRÜCKE – Evangelische Studierenden Gemeinde auf dem Campus Essen, Universitätsstraße 19, 45141 Essen
Veranstalter
DFG Netzwerk "Bildphilosophie" Sprecher: Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach Tagungsorganisation: Mark Halawa, Elisabeth Birk
Datum
25.03.2010 - 26.03.2010
Von
Elisabeth Birk

HOMO PICTOR UND ANIMAL SYMBOLICUM
ZU DEN MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN EINER BILDANTHROPOLOGIE

„Und der Mensch – das ist vor allem die Sprache.“ Was Karl R. Popper hier formuliert, kann als ein zentrales Theorem der philosophischen Anthropologie gelten. Ernst Cassirers Rede vom animal symbolicum ist ebenso wie Hans Jonas’ Bestimmung des Menschen als homo pictor ein Versuch, diese Verengung der Perspektive zu überwinden. Mit seinem Aufsatz „Homo pictor und die differentia des Menschen“ stellte Hans Jonas der Tradition ein ausdrücklich bildanthropologisches Konzept entgegen, das die Kernfrage, worin sich der Mensch vom Tier unterscheidet, gerade nicht durch ein Nachdenken über die sprachliche Konstitution des Menschen beantworten möchte, sondern stattdessen den Versuch unternimmt, über eine Reflexion auf den menschlichen Bildgebrauch Rückschlüsse auf die „mehr-als-tierische Natur“ des Menschen zu ziehen.
Obwohl Jonas’ Aufsatz innerhalb der gegenwärtigen bildwissenschaftlichen Debatte neben Hans Beltings Bild-Anthropologie zu den meistzitierten bildanthropologischen Quellen zählt, sind die Konsequenzen, die sich aus ihm für die philosophische Anthropologie und die Philosophie des Bildes ergeben, bislang nicht ausführlich debattiert worden. Das ist um so verwunderlicher, als die Frage nach dem Stellenwert bildanthropologischer Bestimmungen ein wesentliches Element seiner Überlegungen ist: Nicht nur war er sich sicher, im menschlichen Bildgebrauch den klarsten Beweis für die Tätigkeit eines „potentiell sprechende[n], denkende[n], erfindende[n], kurz […] ‚symbolische[n]‘ Wesen[s]“ ausmachen zu können; auch war er davon überzeugt, dass „ein Verstehen des schlichteren Bildvermögens etwas zum Verstehen des weit verwickelteren Problems der Rede beitragen“ könne. Der homo pictor erscheint hier als Bedingung für die Möglichkeit eines animal symbolicum.
Lässt sich diese dezidiert bildanthropologische Sicht unseres "symbolischen Universum[s]" (Cassirer) halten oder müsste das Verhältnis von homo pictor und animal symbolicum nicht gerade umgekehrt bestimmt werden? Von der Antwort auf diese Frage hängen die Möglichkeiten und Grenzen einer Bildanthropologie ab.

Programm

25.März 2006
14:00-14:15 Mark Halawa, M.A. (Chemnitz/Essen): Einführung

14:15-15:45 Prof. Dr. John Michael Krois (Berlin):Can Anthropology Explain Depiction?

16:00-17:30 PD Dr. Jörg Schirra (Magdeburg) und Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach (Chemnitz): Elemente einer philosophischen Bildanthropologie

17:45-19:15 Dr. Zsuzsanna Kondor (Budapest):
Involvement and Dispassion: Towards an Evolutionary Anthropology of Pictorial Representation

26. März 2010
9:00 – 10:15 Dr. Petra Rösch (Köln): Schrift und Bild in China

10:30-11:45 Prof. Dr. Jakob Steinbrenner (München): Bildkompetenz ≠ Sprachkompetenz?

Alle Interessierten sind herzlich willkommen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kontakt

Elisabeth Birk, RWTH Aachen

Zitation
Homo pictor und animal symbolicum, 25.03.2010 – 26.03.2010 Essen, in: H-Soz-Kult, 09.03.2010, <www.hsozkult.de/event/id/termine-13411>.
Redaktion
Veröffentlicht am
09.03.2010
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