Psychoanalyse der Institution - Institutionen der Psychoanalyse

Ort
Berlin
Veranstaltungsort
BIPP, Pariser Str. 44, 10707 Berlin
Veranstalter
Berliner Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse e.V. (BIPP)
Datum
05.05.2012
Von
Berliner Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse

Einladung des Forums psychoanalytischer Wissenschaften am Berliner Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse (BIPP)

Für die Psychoanalyse stehen das individuelle Seelenleben und die gesellschaftliche Institution in einem spannungsgeladenen Verhältnis. In einer Art Dialektik scheinen die Menschen immer wieder gesellschaftliche Institutionen zu errichten und zu befestigen, während eben diese Institutionen als gesellschaftliche Gebilde die psychische Verfassung der Einzelnen entscheidend mitprägen. Wie jedoch ist dieses Ineinander wechselseitiger Einflussnahmen genau zu verstehen? Entwickelt ein übergeschichtlich unveränderlicher psychischer Apparat aus sich heraus immer wieder neue, den jeweiligen Bedürfnissen und Verhältnissen angepasste Institutionen? Oder bestimmen die je aktuellen gesellschaftlichen und kulturhistorischen Gegebenheiten die mentale Ausformung der Einzelnen?

Offenbar handelt es sich um ein komplexes Bedingungsgefüge, in dem es gleichzeitig auf beiden Seiten zu Aufbau, Umbau und Abbau gesellschaftlich tradierter Institutionen und innerseelischer Strukturen kommt. Diese Dynamik wird in der zeitgenössischen Psychoanalyse unterschiedlich reflektiert: Für die einen erscheinen gesellschaftliche Institutionen als Abwehr intrapsychischer oder interpersoneller Konflikte. Durch Bewusstmachung des Verdrängten sollen institutionelle Verfestigungen aufgehoben werden. Für andere ist die Zunahme Ich-struktureller Störungen ein Hinweis auf gesellschaftliche Institutionalisierungsdefizite. Behandlungstechnisch erforderlich sei daher eine Nachentwicklung der defizitären innerpsychischen Strukturinstanzen durch Verinnerlichung institutionell befestigter Beziehungserfahrungen.

Entsprechend unterschiedlich beziehen sich die verschiedenen psychoanalytischen Schulen auch auf die Institutionalisierung ihrer eigenen therapeutischen Praxis (Ausfallhonorar, Ferienregelung, Stundenfrequenz, Abstinenzverhalten etc.) sowie auf die eigenen Ausbildungsstrukturen und fachgesellschaftlichen Institutionen.
Ausgehend von diesen Grundfragen, die seit längerem in der Psychoanalyse kontrovers diskutiert werden, wollen wir unseren klinischen Horizont um aktuelle kulturwissenschaftliche und soziologische Erkenntnisse erweitern. Ziel und Zweck der Veranstaltung ist also zum einen, das spannungsreiche Mit- und Gegeneinander der gesellschaftlichen Institutionen und des psychischen Apparats zu reflektieren. Zum anderen wollen wir die klinische Psychoanalyse in einen interdisziplinären Dialog mit den Kulturwissenschaften bringen. Innerhalb dieses Rahmens sollen der eigene Ort der Psychoanalyse als Institution beleuchtet, die aktuelle Behandlungspraxis diskutiert und psychoanalytische Theorien der Institution überdacht werden.

Programm

Samstag, 05.05.2012

10.00 – 10.30 Herr Türcke: Zur Genealogie der Institution, Moderation Herr Eschmann

10.30 – 10.40 Herr Heimerl (Koreferat)

10.40 – 11.00 Diskussion

Kaffepause

11.15 – 11.45 Herr Brüggen: Psychoanalyse zwischen radikalisierter Aufklärung und Schrecken der Freiheit? Der Mensch als institutionenbedürftiges „Mängelwesen“ (Gehlen) oder als freiheitsfähiges „animal symbolicum“ (Cassirer), Moderation Frau Maiss

11.45 – 11.55 Herr Gregor (Koreferat)

11.55 – 12.15 Diskussion

Mittagspause

13.45 – 14.15 Frau Berkel: Die „unauflösliche und unaufhebbare Dimension der Institution“ – Anmerkungen zu Übertragungsbeziehungen in (Aus-)Bildungsinstitutionen, Moderation Herr Motz

14.15 – 14.25 Herr Braun (Koreferat)

14.25 – 14.45 Diskussion

Kaffepause

15.00 – 15.30 Herr Ludin: Zum Verhältnis zwischen Institutions- und Ideologiebildung in der Psychoanalyse, Moderation Herr Schneider

15.30 – 15.40 Herr Laubmann (Koreferat)

15.40 – 16.00 Diskussion

Kaffepause

16.15 – 16.45 Herr Erdheim: Die Gesetze der Gabe und die Entwicklung des Subjekts, Moderation Frau Barth-Stopik

16.45 – 16.55 Frau Llorca Díaz (Koreferat)

16.55 – 17.15 Diskussion

ca. 17.30 Ende

Sonntag, 06.05.2012

10.00 – 10.30 Herr Macho: Selbstschöpfung: Zur Theorie der Institution nach Cornelius Castoriadis, Moderation Herr Wiesweg

10.30 – 10.40 Frau Harms (Koreferat)

10.40 – 11.00 Diskussion

Kaffepause

11.15 – 13.00 Podiumsdiskussion: Herr Türcke, Herr Brüggen, Frau Berkel, Herr Ludin, Herr Erdheim, Herr Macho; Moderation Herr Riegels

ca. 13.00 Abschluss der Veranstaltung
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Einen Flyer zum Download mit Abstracts zu den einzelnen Vorträgen finden Sie auf der Homepage des BIPP unter folgendem Link: http://www.bipp-berlin.de/de/downloads.html

Kontakt

Braun

BIPP, Pariser Str. 44
10707 Berlin

braunc@gmx.de

Zitation
Psychoanalyse der Institution - Institutionen der Psychoanalyse, 05.05.2012 Berlin, in: H-Soz-Kult, 30.03.2012, <www.hsozkult.de/event/id/termine-18841>.
Redaktion
Veröffentlicht am
30.03.2012