Musik. Wissenschaft. Perspektiven

Ort
Göttingen
Veranstaltungsort
Universität Göttingen
Veranstalter
Fachgruppe Nachwuchsperspektiven der Gesellschaft für Musikforschung
Datum
06.09.2012 - 06.09.2012
Von
Gunnar Wiegand

Die aktuelle akademische Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses an deutschen Universitä­ten und Hochschulen unterscheidet sich grundlegend von der Situation vorhergehender Wissen­schaftsgenerationen. Das Symposium geht in drei Schritten diesen Folge-Erscheinungen des fortge­schrittenen Bologna-Prozesses für das Fach Musikwissenschaft auf den Grund, möchte eine Charakterisierung der aktuellen Situation insbesondere in Deutschland vornehmen und dabei Chancen und Risiken erörtern.

(1.) An das Erbe hochspezialisierter methodischer Paradigma, die das Fach seit seinen Anfängen entwickelt und verfeinert hat, scheint sich heute an junge Forscherprofile vermehrt der Anspruch breiter internationaler, inter- und transdisziplinärer Fragestellungen zu reihen. Darüber hinaus erfor­dert die Lehre an den Universitäten und Hochschulen reflektierte methodisch-didaktische Kompe­tenz (E-Learning, Evaluation, etc.). Wie lässt sich die aktuelle Situation der Musikwissenschaft un­ter den Eckpunkten von Spezialdisziplin und allgemeiner Kulturwissenschaft zwischen Forschungs­institut, Universität und Musikhochschule beschreiben?

(2.) Ein Großteil der wissenschaftlichen Stellen im Mittelbau ist befristet oder wird über Drittmittel­gelder finanziert. Der Anteil an drittmittelfinanzierten Stellen und Projekten scheint die Attraktivität von Universitäten und Forschungseinrichtungen bei Hochschulrankings zu steigern. Erfahrung beim Einwerben von Fördergeldern sind bei vielen Berufungsverfahren eine wichtige Voraussetzung. Darüber hinaus scheinen befristete Stellen oder Projektstellen ein effektiver Weg zur zielgerichte­ten, effizienten und leistungsorientierten Bearbeitung von konkreten Forschungsvorhaben zu sein. Diese Einschätzung wird von mehreren – meist gewerkschaftsnahen – Studien kontrastiert, wonach gerade die Befristung von Stellen und die – statistisch gesehen – fehlende dauerhafte Perspektive im wissenschaftlichen Mittelbau Nachwuchskräfte häufig in „unsichere“, bzw. „nicht-normale“ oder „prekäre“ Arbeitsverhältnisse stellt. Wird die zeitliche Begrenzung von Stellen und der erfolgte Ab­bau von Planstellen im Mittelbau dem Anspruch gerecht, langfristig die beste Möglichkeit exzellen­ter wissenschaftlicher Forschung zu sein? Wie verhält sich dieser Anspruch zum biographischen Werdegang des einzelnen Wissenschaftlers?

(3.) Worin unterscheidet sich die heutige berufliche Situation vom Musikwissenschaftler, bzw. -gelehrten der Vergangenheit?
Es referieren Dörte Schmidt (Musikwissenschaft, Universität der Künste Berlin), Christoph Stölzl (Präsident, Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar), Klaus Dörre (Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena) und Ulrich Charpa (Wissenschaftsgeschichte, Leo Baeck Institute London/ Ruhr-Universität Bochum). Im an­schließenden Roundtable sind alle Teilnehmer zur Mitdiskussion eingeladen.

Programm

Prof. Dr. Dörte Schmidt (UdK Berlin): Über die akademischen Orte der Musikwissenschaft [v.a. in Deutschland]

Prof. Dr. Christoph Stölzl (HfM Weimar): Die Bedeutung der Musikwissenschaft für die künftige Hochschullandschaft

Prof. Dr. Klaus Dörre (Uni Jena): Die Musikwissenschaft unter den Anforderungen leistungsorientierter befristeter Stellen

Apl. Prof. Dr. Ulrich Charpa (Uni Bochum): Der Musikgelehrte zwischen Beruf und Berufung

Kontakt

Gunnar Wiegand
Universität zu Köln
Institut für Musikwissenschaft
Albertus-Magnus-Platz
50931 Köln

Zitation
Musik. Wissenschaft. Perspektiven, 06.09.2012 – 06.09.2012 Göttingen, in: H-Soz-Kult, 05.06.2012, <www.hsozkult.de/event/id/termine-19442>.