Kirche. Wissenschaft. Wissenschaftsfreiheit

Ort
Münster
Veranstaltungsort
Westfälische Wilhelms-Universität, Fürstenberghaus, Domplatz 20-22, Hörsaal F 2
Veranstalter
Sektion für Geschichte der Görres-Gesellschaft Gesellschaft zur Herausgabe des Corpus Catholicorum
Datum
24.09.2012 - 25.09.2012
Von
Christoph Kampmann

Die Geschichte des Verhältnisses von Kirche, Universität und Wissenschaft in Mittelalter und Neuzeit ist von scheinbar gegensätzlichen Entwicklungstendenzen geprägt. Auf der einen Seite ist die Entstehung der Universität untrennbar mit der Kirche verbunden – ein Verbindung, die auch in der Neuzeit, über Reformation und Aufklärung hinaus, bestehen blieb, und zwar in Hinblick auf die ausbildende und bildende Funktion der Universitäten wie auf universitäre Finanzen, Organisation und die akademischen Lebensformen. Auf der anderen Seite war die „Idee der Universität auch Ausdruck eines Säkularisierungsprozesses“ (Asche/Gerber), was zu einem für die Geschichte der abendländischen Universität charakteristischen Spannungsverhältnis führte.

Die Konferenz möchte dieses spannungsreiche Wechselverhältnis in den Blick nehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen der Geschichte von Wissenschaft und Wissenschaftsfreiheit, gerade in Hinblick auf das Verhältnis von Wissenschaftsfreiheit und kirchlichem Lehramt. Dies geschieht zum einen in größerem diachronen Überblick, so in den Vorträgen zur Wissenschaftsgeschichte des Mittelalters (Martin Kintzinger), des Konfessionellen Zeitalters (Klaus Unterburger) und im Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik (Stefan Gerber).

Dies geschieht aber auch in konkret exemplarischem Zugriff, am Beispiel der kontroversen Debatten um die Religionsfreiheit und das Staat-Kirche-Verhältnis nach dem Zweiten Weltkrieg in Amerika und Deutschland, die gleichfalls auf die prinzipielle Problematiken von Wissenschaftsfreiheit und lehramtlicher Bindung verweisen (Michael Hochgeschwender). Gerade die jüngsten Entwicklungen der Universität zeigen freilich deutlich, dass die Wissenschaftsfreiheit untrennbar mit der konkreten inneren Struktur, Finanzierung, der Stellung der Universitätsangehörigen etc. verbunden ist. Diese Aspekte werden in den Vorträgen über das jesuitische Universitätsmodell im Konfessionellen Zeitalter (Matthias Asche) sowie über die Rolle von Katholiken und von Antikatholizismus an den Universitäten des wilhelminischen Kaiserreichs (Christopher Dowe) thematisiert.

Alle Interessierten sind zu den Vorträgen und Diskussionen herzlich willkommen. Studierenden, die Interesse an einer Teilnahme haben, kann in begrenztem Umfang Reisekostenunterstützung gewährt werden. Bitte wenden Sie sich an den Autor dieser Ankündigung.

Programm

Montag, den 24. September 2012
9.00 Uhr Prof. Dr. Christoph Kampmann, Marburg:
Einführung

9.15 Uhr Prof. Dr. Martin Kintzinger, Münster:
Libertas und Universitas. Alterität und Aktualität einer Wissenschaftsgeschichte des Mittelalters.

10.15 Uhr Prof. Dr. Matthias Asche, Tübingen:
"paupertas" und "magnificentia", "humilitas" und "avaritia" – Kollegien, Kompetenz und Kostenkontrolle als jesuitische Erfolgsrezepte an Universitäten im Konfessionellen Zeitalter

11.30 Uhr Dr. Christopher Dowe, Stuttgart:
Katholiken und Antikatholizismus an den Universitäten im Kaiserreich 1871/1914

Dienstag, den 25. September 2012
9 Uhr Dr. Stefan Gerber, Jena:
Wissenschaft, kirchliche Autorität und "moderne Denkfreiheit" – Kontroversen in Kaiserreich und Weimarer Republik

10 Uhr Prof. Dr. Michael Hochgeschwender, München:
Zum Schweigen verdammt: Fr. Courtney Murray, SJ (1904-1967) und die Debatten um das Staat-Kirche-Verhältnis in den USA und Deutschland

11 Uhr Priv.-Doz. Dr. Klaus Unterburger, Münster
Lehramt der Päpste und Lehramt der Theologen im konfessionellen Streit des 16. Jahrhunderts

Kontakt

Prof. Dr. Christoph Kampmann (Universität Marburg)
Prof. Dr. Peter Walter (Universität Freiburg)

Zitation
Kirche. Wissenschaft. Wissenschaftsfreiheit, 24.09.2012 – 25.09.2012 Münster, in: H-Soz-Kult, 01.07.2012, <www.hsozkult.de/event/id/termine-19592>.