Kulturwissenschaften und Kulturpolitik. Zwischen Forschung, Pflege von Kunst- und Kulturgütern, Wissensvermittlung und Legitimationswissenschaft

Ort
Bremen
Veranstaltungsort
Focke-Museum, Bremen
Veranstalter
Focke-Museum, Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte; Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen
Datum
04.04.2013 - 06.04.2013
Bewerbungsschluss
08.03.2013
Von
Mahsarski, Dirk

Die wissenschaftshistorischen Forschungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Kultur- und Geisteswissenschaften zu keiner Zeit vollständig losgelöst und unabhängig von den sie umgebenden gesellschaftspolitischen Strömungen existiert haben. Gerade am Beispiel der Archäologie lässt sich zeigen, wie Wissenschaft auf vielfältige Weise zur Konstruktion sozialer und politischer Sinnzusammenhänge herangezogen wurde und wird.

So war die Prähistorische Archäologie für den Nationalsozialismus eine Legitimationswissenschaft mit kaum zu überschätzender Breitenwirkung. Dabei waren es die Archäologen selbst, die mit ihren kultur- und bildungspolitischen Initiativen wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist die Ausstellung „Die Franken, Wegbereiter Europas“, die 1996/97 in Mannheim gezeigt wurde und direkt an die Einigung Europas im Rahmen der Europäischen Union anknüpft. Ein weiteres Beispiel ist die Bezugnahme auf die älteste als deutsch angenommene Vergangenheit im Kontext der Ausstellungen und Publikationen zu 2000 Jahren Varus-Schlacht durch Politik und Wissenschaft.

Eng verknüpft mit der Frage nach der Interaktion von Wissenschaft und Kulturpolitik ist die Frage der finanziellen Förderung der Wissenschaft durch die Politik. Die Finanzierung der Forschung, ihrer wissenschaftlichen Auswertung und musealen Präsentation variiert ganz erheblich, von einzelnen Spenden von Geld oder Ausrüstung bis hin zu groß aufgelegten staatlichen Förderprogrammen zur Erforschung ganzer Regionen und Themenkomplexe im In- und Ausland. Auch die zu Grunde liegenden Strukturen differieren erheblich, angefangen bei lokalen Vereinen über die großen wissenschaftlichen Gesellschaften bis hin zum bei Landesbehörden und Ministerien angesiedelten Instituten. Insbesondere wenn die Wissenschaft direkt im Kontext von Außen- und Innenpolitik verortet wird oder von privaten Mäzenen gefördert wird, muss nach der Motivation der Beteiligten gefragt werden.

Welche Projekte und Fragestellungen der Kulturwissenschaften liegen und lagen ihnen jeweils ganz besonders am Herzen? Wie hat sich das auf die von ihnen geförderten Projekte und Forscher ausgewirkt? Welche Schwerpunkte der Forschung wurden durch die beteiligten Wissenschaftler selbst bestimmt? Und welche waren politisch gewollt und durch die Vergabe von Forschungsmitteln gelenkt?

Leider ist der Austausch zwischen Fachwissenschafts-, Wissenschafts- und Zeitgeschichte in diesem Bereich bisher eher schleppend. Die Tagung möchte einen Beitrag leisten, um die Vernetzung dieser Bereiche historischer Forschung zu verbessern.

Die zentralen Fragen der Tagung sollen sein, wie, wann und warum Kulturwissenschaften und Kulturpolitik sich gegenseitig beeinflussen. Und welchen Einfluss das auf die geförderte Forschung und ihre öffentliche Wahrnehmung hat. Besonders gefragt sind Beiträge

- die sich mit der Person und Motivation individueller Mäzene aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik beschäftigen,
- die sich mit der Person und Motivation individueller Vertreter der Kultur- und Wissenschaftspolitik beschäftigen
- die die Einrichtung und Entwicklung von kulturpolitischen Programmen verfolgen, in denen Kulturwissenschaften eine wichtige Rolle spielen und/oder gefördert wurde
- den Abhängigkeiten von und Wechselwirkungen zwischen gefördertem Wissenschaftlern und Geldgebern nachgehen und untersuchen, welchen Einfluss dieses Verhältnis auf die untersuchten Fragestellungen und Forschungsergebnisse hat,
- untersuchen, welche Rolle Wissenschaftler als Organisatoren und Manager von Forschungsförderung und Kulturpolitik in politischen Organisationen, wissenschaftlichen Akademien und staatlichen Institutionen spielen.

Die Tagung soll nach Möglichkeit das ausgehende 19. und 20. Jahrhundert umfassen. Dementsprechend sind gerade Referate, die sich mit jüngeren Themen, wie der Forschungsförderung in der DDR oder der Wechselwirkung zwischen Europapolitik und Kulturwissenschaften besonders erwünscht.

Programm

Die Tagung „Kulturwissenschaften und Kulturpolitik. Zwischen Forschung, Pflege von Kunst- und Kulturgütern, Wissensvermittlung und Legitimationswissenschaft“ ist Teil des im Rahmenprogramms der Sonderausstellung Graben für Germanien - Archäologie unterm Hakenkreuz“, die vom 10.03. bis zum 7. September 2013 in Bremen gezeigt wird.

Referats- und Themenvorschläge sind herzlich willkommen. Die Abstracts sollten auf Deutsch oder Englisch verfasst sein, maximal 4000 Zeichen umfassen und zusammen mit einem kurzen CV und Literaturverzeichnis bis spätestens zum 08. März 2013 an folgende Adresse gesandt werden:
mahsarski@focke-museum.de

Die Benachrichtigung der Referenten erfolgt spätestens zum 15. März 2013. Die Vorträge selbst sollen nicht länger als 15 bis 20 Minuten dauern, damit ausreichend Zeit für die anschließenden Diskussionen bleibt.

Eine Veröffentlichung der Beiträge ist geplant.
Die Tagung wird von der VolkswagenStiftung unterstützt.

Kontakt

Dirk Mahsarski

Focke-Museum, Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Schwachhauser Heerstraße 240, D-28213 Bremen
0421-69960038

mahsarski@focke-museum.de

Zitation
Kulturwissenschaften und Kulturpolitik. Zwischen Forschung, Pflege von Kunst- und Kulturgütern, Wissensvermittlung und Legitimationswissenschaft, 04.04.2013 – 06.04.2013 Bremen, in: H-Soz-Kult, 13.02.2013, <www.hsozkult.de/event/id/termine-21129>.