Fußball – vom profanen Freizeitvergnügen zur religiösen Sinnstiftung im 21. Jahrhundert

Ort
Irsee
Veranstaltungsort
Schwabenakademie Irsee, Klosterring 4, 87660 Irsee
Veranstalter
Schwabenakademie Irsee
Datum
21.03.2014 - 23.03.2014
Bewerbungsschluss
01.06.2013
Von
Markwart Herzog

7. Sporthistorische Konferenz

Im Jahr 1932, als das Fußballspiel längst zum Massenphänomen aufgestiegen war, formulierte Hans Seiffert die Vision vom Sport als einer „Weltreligion des 20. Jahrhunderts“. Insbesondere das Fußballspiel als Sport und Körperertüchtigung, als Veranstaltungsformat und soziale Organisationsform fesselt in den meisten Ländern der Welt die Massen und erfreut sich einer überaus großen Popularität. Fußballclubs konstituieren soziale Identitäten, sie integrieren Individuen durch alle Lebensstadien hindurch und erfüllen substanzielle Leistungen, die auch von Kirchen und Religionsgemeinschaften erbracht werden. Die Frage, ob und inwieweit Fußball im 20. Jahrhundert den Kurs eingeschlagen hat, sich zu einer Religion zu entwickeln und deshalb mit Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften zu konkurrieren, wird in der Forschung kontrovers diskutiert.

Tatsächlich sprechen zahlreiche Beobachtungen über das Verhalten der Anhänger im Stadion, die Erinnerungs- und Bestattungskultur der Vereine und Fanclubs und die Lebensgestaltung der Vereinsanhänger für die Vermutung, dass Seifferts eigentlich ironisch formulierte Vision über den Sport als Weltreligion im Folgejahrhundert zu einer gesellschaftlichen Realität werden könnte. Die Erosion der Bindekräfte der traditionellen Milieus und der sozialen Basis der Kirchen ist ganz offenkundig so weit vorangeschritten, dass alternative Institutionen mit ihren kulturschöpferischen Potentialen, ihrer Fähigkeit, Orientierung und Sinn zu stiften und Zeremonien und Rituale zu generieren, an ihre Stelle treten könnten.

Ob sich der Fußballsport in postmodernen Gesellschaften tatsächlich auf den Weg gemacht hat, zu einer (Welt-)Religion zu werden, hängt sowohl davon ab, in welchem Ausmaß er von den Religionsgemeinschaften erbrachte Leistungen zu übernehmen in der Lage ist, als auch von der Beantwortung der Frage nach dem Religionsbegriff. Die 7. Sporthistorische Konferenz Irsee will sich dieser Thematik stellen.

Vorgesehen sind noch nicht publizierte Beiträge von maximal 30 Minuten mit anschließender Diskussion von 15 Minuten. Thematisch wird der Fokus weit gestellt: sowohl empirische Feldstudien als auch kultur- und sozialwissenschaftliche Analysen oder theoretische und konzeptionelle Beiträge können berücksichtigt werden.

Arbeitstitel, maximal einseitige Projektskizze und Kurzbiografie sind einzureichen bei der Schwabenakademie Irsee bis 1. Juni 2013. Das Tagungsprogramm wird Mitte Juli 2013 aus den vorgeschlagenen Beitragsthemen erstellt und publiziert. Die Konferenz findet statt von Freitag bis Sonntag, 21. bis 23. März 2014. Eine Publikation der Tagungsergebnisse in der Reihe „Irseer Dialoge: Kultur und Wissenschaft interdisziplinär“ (W. Kohlhammer Verlag) ist vorgesehen.

Kontakt

Markwart Herzog

Schwabenakademie Irsee
Klosterring 4, 87660 Irsee
08341 906 661
08341 906 669

buero@schwabenakademie.de

Zitation
Fußball – vom profanen Freizeitvergnügen zur religiösen Sinnstiftung im 21. Jahrhundert, 21.03.2014 – 23.03.2014 Irsee, in: H-Soz-Kult, 11.04.2013, <www.hsozkult.de/event/id/termine-21589>.
Redaktion
Veröffentlicht am
11.04.2013