Wissen im Umlauf. Medien und Figuren der Zirkulation

Ort
Weimar
Veranstaltungsort
Graduiertenkolleg "Mediale Historiographien", Berkaer Str. 1, 99425 Weimar
Veranstalter
Kooperationsworkshop des Graduiertenkollegs "Mediale Historiographien", Weimar und des NSF Bildkritik eikones, Basel
Datum
16.05.2013 - 17.05.2013
Von
Mareike Vennen, Graduiertenkolleg Mediale Historiographien, Weimar

Zirkulation meint stets eine doppelte Bewegung: Bezeichnet der Begriff zum einen das, was zirkuliert, so zirkuliert er zugleich selbst – ist doch in den letzten Jahrzehnten kaum eine andere heuristische Figur so sehr in Anspruch genommen worden und zum „nomadic concept“ avanciert wie der Zirkulationsbegriff.

Betrachtet man etwa im Umlauf befindliche Dinge oder zirkulierendes Wissen, so ist beides nicht zu trennen von den Techniken und Medien, die diesen Umlauf befördern. Zudem ist das, was zirkuliert zugleich an Diskurse gebunden, die die Figur der Zirkulation reflektieren und wiederum selbst von ihr geprägt werden.

Denn wenn es der Begriff erlaubt, medizinische (etwa die Geschichte des Blutkreislaufs), ökonomische (Geld- und Warenumlauf), soziale (Menschenströme) und epistemische Diskurse (Zirkulation von Fakten) miteinander zu verschränken, so zeugt die Möglichkeit dieser Verschränkung selbst von einer Dynamisierung, die Konzepte, Techniken und Praktiken in Umlauf setzt. Doch wie genau konstituieren sich Kreisläufe? Wie wirken sich die Zirkulation und ihre Medien auf die materiellen Anordnungen und die Verfertigung, Sicherung und Vermittlung von Wissen aus? Inwiefern bildet die Zirkulation von Dingen, Daten oder Menschen eigene ästhetische Formen aus und wie gelangen sie selbst zur Darstellung?

Der Workshop fokussiert insbesondere drei Aspekte:
Zum einen soll nach der Produktivität eines „Wissens im Umlauf“ gefragt werden, das sich nicht in eine einseitig lineare Fortschrittgeschichte um eine Produktion des immer Neuen einschreibt, sondern vielmehr Vorhandenes Wissen dynamisiert, neu verteilt und in Austausch bringt und damit auf neue Weise wirksam wird. Wie lassen sich in diesem Sinne die Zirkulationen des Wissens einerseits und des Wissens um Zirkulationen andererseits sowie ihre Ein- und Ausschlüsse beschreiben? Wie bildet sich ein Wissen nicht nur über das Zirkulierte, sondern um die Zirkulation selbst aus, wovon wird dieses Wissen abgegrenzt und was verdeckt oder unterminiert es mithin? Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf den „Medien der Zirkulation“: Auf welchen Kanälen zirkuliert das Wissen, welche Medien der Übertragung und Regulierung ermöglichen, beeinflussen und beobachten Zirkulationen? Auf welche Weise bedingen sie schließlich das Verhältnis von Dynamik und Stagnation und welchen Arten von Steuerung unterliegen sie? Drittens geht es um die „Metaphoriken und Poetologien der Zirkulation“: Welche ästhetischen Modelle ruft die Zirkulation auf und wie wäre sie innerhalb einer Poetologie des Wissens zu verorten? Wie wurde die Zirkulation zur Figur dynamischer Prozesse par excellence und welche Grenzen zwischen Bewegung und Stagnation spannen ihre Räume auf? Daran anschließend wäre zu fragen, inwiefern die Semantiken der Zirkulation selbst wiederum in unterschiedliche Wissensfelder und Diskurse wandern und historische Transformationen erleben.

Auf der Grundlage von präzirkulierten Beiträgen und einem Abendvortrag möchte der Workshop in gemeinsamen Diskussionen die medialen, epistemologischen und poetologischen Dimensionen von Zirkulationen ausloten.

Es wird um vorherige Anmeldung gebeten damit der Reader mit den Beitragstexten im Vorfeld an alle Interssierten versendet werden kann.

E-Mail: mareike.vennen@uni-weimar.de

Programm

Programm

Donnerstag, 16. Mai 2013

16.00-17.00
Thomas Brandstetter (Basel): Radikales Schreiben. Manuskripte als Medien der Zirkulation.
Respondentin: Hannah Borisch

17.00-18.00
Hannah Borisch (Weimar): Zirkulationen im Luftraum. Freiballons und Brieftauben, Paris 1870/71
Respondent: Thomas Brandstetter

18.00-18.30 KAFFEEPAUSE

18.30 Abendvortrag
Niels Werber (Siegen): Schwärmende Semantik. Zur Zirkulation des unwiderstehlichen Bildes der Ameisengesellschaft

Freitag, 17. Mai 2013

9.30-10.30
Antonia von Schöning (Basel): Saint-simonistische Zirkulation und die organische Stadt
Respondentin: Sarah Sander

10.30-11.30
Sarah Sander (Weimar): Schiffsverkehr und Datenfluss. Zur Zirkulation von Menschen, Dingen und Daten zwischen Europa und Amerika um 1900
Respondentin: Antonia von Schöning

11.30-12.00 KAFFEEPAUSE

12.00-13.00
Mareike Vennen (Weimar): Das Aquarium als Objekt und Medium der Zirkulation
Respondent: Kijan Espahangizi

13.00-14.00
Kijan Espahangizi (Zürich): Rathenaus Mobilmachung der Rohstoffe im Ersten Weltlrieg
Respondentin: Mareike Vennen

14.00-15.00 MITTAGSPAUSE

15.00-16.00
Wolfgang Struck (Erfurt): "Ein Hund ging in die Küche..." Eine Poetik der Zirkulation
Respondentin: Julia Heunemann

16.00-17.00
Julia Heunemann (Weimar): Tiefenzirkulationen und geoologisches Schreiben im 19. Jahrhundert
Respondent: Wolfgang Struck

17.00 ENDE

Kontakt

Mareike Vennen

Graduiertenkolleg "Mediale Historiographien"Bauhaus-Universität Weimar, Berkaer Str. 1, 99425 Weimar

mareike.vennen@uni-weimar.de

Zitation
Wissen im Umlauf. Medien und Figuren der Zirkulation, 16.05.2013 – 17.05.2013 Weimar, in: H-Soz-Kult, 01.05.2013, <www.hsozkult.de/event/id/termine-21796>.