Studientag: Übersetzung und wissenschaftlicher Wandel

Ort
Frankfurt am Main
Veranstaltungsort
Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, I.G.-Farben-Haus, 1.414
Veranstalter
Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main; Herder-Institut für Historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz Gemeinschaft
Datum
31.05.2013
Bewerbungsschluss
24.05.2013
Von
Surman, Jan

Seit einigen Jahren erfreuen sich Konzepte von „Übersetzung“ eines wachsenden Interesses in der Geschichtswissenschaft. In Bezug auf die Wissenschaften, die ihren Status gerade durch ihre vermeintliche Inter- und Transnationalität begründen, fand die lokale, regionale und nationale Sprachgebundenheit der wissenschaftlichen Kulturen und damit die Frage nach semantischen Verschiebungen des Wissens durch Übersetzungen bisher eher wenig Beachtung. Mit dem Studientag zum Thema „Übersetzung und wissenschaftlicher Wandel“ sollen Wissen(schaft)shistorikerInnen und TranslationswissenschaftlerInnen zusammengebracht werden, welche die Übersetzungspraxis von Wissen zum Gegenstand ihrer Reflexion machen.

Ausgehend von der Frage nach der Rolle von Übersetzern als Mittler und Vermittler von wissenschaftlichem Wissen werden am Studientag Potentiale zur Untersuchung interlingualer Translationsvorgänge für die Erforschung wissenschaftlichen Wandels in den Blick genommen. Dabei geht es nicht nur um den durch Übersetzungen entstehenden Zuwachs an Texten oder zugänglichen Theorien, sondern um die Frage, inwiefern durch Übersetzung Hybridität von Wissen erzeugt wird. Es ist davon auszugehen, dass Wissen als Folge des Übersetzungsprozesses und der damit verbundenen semantischen Verschiebungen so verändert wird, dass es als neues Wissen in einem anderen sprachlichen und kulturellen Kontext bezeichnet werden kann. Schon die Kulturtransferforschung problematisierte den bipolaren Austauschmechanismus zwischen Sender und Empfänger und setzte den Akzent auf den Vorgang der Übersetzung selber, die in diesem Sinne als eine spezifische epistemische Praxis verstanden werden kann. Wenn durch Übersetzungen tatsächlich eine bestimmte Form neuen Wissens und damit neuer Erkenntnis entsteht, stellt sich die Frage, ob der wissenschaftlichen Übersetzung als Praxis und Prozess nicht gar ein epistemologischer Wert zugeschrieben werden sollte.

Am Studientag werden die Potentiale und Grenzen von Translatio/nsforschung für die Wissens- und Wissenschaftsgeschichte ausgelotet. Dabei sollen die Ansätze von Übersetzungssoziologie, Translationswissenschaft, Begriffsgeschichte, Actor-Network-Theory u. a. auf Grundlage von Präsentationen sowie von vorbereitender Lektüre diskutiert und deren Anwendbarkeit kritisch untersucht werden.

Die Teilnahme ist frei und steht Interessierten aller Disziplinen offen.

Es wird um Anmeldung bis zum 24.05.2013 unter bei f.link@em.uni-frankfurt.de und jan.surman@univie.ac.at gebeten.

Programm

9:00-9:15: Begrüßung (Fabian Link, Jan Surman)

9:15-10:15: Key Note: Federico Italiano (München/Innsbruck): Wissen, Raum und Performativität: Überlegungen zur (kulturellen) Übersetzung

10:15-10:30: Kaffeepause

10:30-11:15: Muriel Moser (Frankfurt): Übersetzungen als Vermittler von Wissen und Macht im römischen Reich am Beispiel der Res Gestae des Augustus

11:15-12:00: Dagmar Comtesse (Frankfurt): Politiken der Übersetzung. Jean Le Rond d´Alemberts Eléments de Philosophie

12:00-12:45: Kinga Kuligowska (Marburg): Die Begrüßung eines „Überzähligen“? Zur Rezeption der englischen Übersetzung von Zygmunt Baumans Klasa, ruch, elita

12:45-14:00: Mittagspause

14:00-14:45: Regina Toepfer (Frankfurt): „Gottin des gesangs dich rueff ich an“. Zur Übersetzungspoetik der ersten deutschen Odyssea (1537/38)

14:45-15:30: Christian Lotz (Marburg): Zur Geschichte des Begriffs Nachhaltigkeit. Fallbeispiele aus deutschen, englischen, norwegischen, polnischen und russischen Lehr- und Wörterbüchern des 19. Jahrhunderts

15:30-16:00: Kaffeepause

16:00-16:45: Friedolin Krentel (Giessen/Göttingen): Analog/Digital? Praktiken des Übersetzens am Beispiel musealer Ordnungssysteme

16:45-17:30: Catarina Caetano da Rosa (Darmstadt): Das Konzept der Übersetzung in der Akteur-Netzwerk-Theorie

17:30-18:30: Schlussdiskussion

Kontakt

Jan Surman

Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung
Gisonenweg 5-7
35037 Marburg

jan.surman@univie.ac.at

Zitation
Studientag: Übersetzung und wissenschaftlicher Wandel, 31.05.2013 Frankfurt am Main, in: H-Soz-Kult, 03.05.2013, <www.hsozkult.de/event/id/termine-21817>.