Driburger Kreis 2013: Scheitern

Ort
Jena
Veranstalter
Driburger Kreis mit Unterstützung der DGGMNT
Datum
25.09.2013 - 27.09.2013
Bewerbungsschluss
31.07.2013
Von
Organisationsteam d. Driburger Kreises

Der Driburger Kreis findet dieses Jahr vom 25. bis 27. September 2013 im Vorfeld der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaften und Technik e.V. (DGGMNT) in Jena statt. Er richtet sich an Studierende, Promovierende und NachwuchswissenschaftlerInnen der Medizin-, Wissenschafts- und Technikgeschichte sowie an Interessentenaus anderen Disziplinen (Kulturwissenschaften, Soziologie, Psychologie, Artistic Research u.a.).Der Driburger Kreis versteht sich als informelles Forum, in dem neben inhaltlichen Fragen auch methodische Probleme und vorläufige Arbeitsergebnisse vorgestellt und in einer konstruktiven Atmosphäre diskutiert werden können. Einzelreferate sollen den Zeitrahmen von maximal 25Minuten nicht überschreiten. Das diesjährige Rahmenthema lautet:

Scheitern als Grunderfahrung des Menschen:
Die Voraussetzung des Scheiterns, nämlich das Denken in Plänen, wurde von PhilosophInnen und AnthropologInnen mitunter zum obersten Kriterium erklärt, welches den Menschen vom Tier unterscheide. So gesehen stellt das Scheitern in seiner Kopplung mit dem Planen der Zukunft eine Grundbedingung des Denkens und so ein bestimmendes Moment der Wissensproduktion dar. Unser Interesse gilt hier den verschiedenen Konzepten vom Scheitern: Wie haben sich diese im Laufe der Zeit gewandelt? Wo und wann traten solche Konzepte in Konkurrenz? – War in der Frühen Neuzeit die Ansicht verbreitet, dass menschlich-irdisches Streben spätestens an den Plänen Gottes scheitere und diese Einsicht Voraussetzung eines gelingenden Lebens sei (Vanitas-Gedanke), so sind in der Moderne augenscheinlich Naturgesetze und quasi-naturgesetzliche überpersönliche(z. B. ökonomische) Vorgänge an die Stelle Gottes getreten. Da Naturgesetze prinzipiell erkennbar sind, lassen sie sich in menschlichen Plänen berücksichtigen; mangelndes Verständnis dieser Zusammenhänge gilt nun als Ursache des Scheiterns.

Wir freuen uns auf eine breite Palette von Vorschlägen zum Thema Scheitern; seien sie theoretischer Natur, einen größeren Zeitraum überspannend oder als Mikrostudie angelegt. Einige Ansatzpunkte, die den Raum der möglichen Beiträge keineswegs erschöpfen, könnten sein:

Konzepte und Praktiken des Scheiterns:
In welchem Verhältnis stehen Vorstellungen vom Scheitern mit epochenspezifischen Konzepten wie dem der Hybris in der Antike, der Sünde im Christentum oder mit Vorstellungen von Ehre und Ehrverlust in der Frühen Neuzeit? Welche Semantiken des Scheiterns bildeten sich im Kontext dieser Konzepte (oder anderer Faktorenheraus) – und wie reagierten andersherum Semantiken des Scheiterns auf verbreitete Praktiken? Welche konkreten Strategien im Umgang mit dem Scheitern oder einem drohenden Scheitern lassen sich bei einzelnen historischen Akteurinnen und Akteuren identifizieren?

Scheitern und Innovation:
Inwiefern birgt das Scheitern eines Projekts innovatives Potenzial? Während Theodor Fontane in seinem Gedicht „Die Brück’ am Tay“ den Einsturz einer Eisenbahnbrücke(durch personifizierte Naturgewalten) als Anlass nimmt, seine Technikskepsis darzustellen („Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand!“), reagierte das britische Parlament mit einer Untersuchungskommission, deren Bericht schließlich den Bau einer bis heute sicheren Querung des Firth of Tay (und auch des Firth of Forth) ermöglichte. Analog dazu könnte die gescheiterte Suche nach dem „Erreger“ der (heutigen) Mangelerkrankung BeriBeri als Voraussetzung der späteren Erkenntnis gelten, dass es sich um eine Mangelerkrankung handelte.

Scheitern und Öffentlichkeit/Medien:
In wieweit ist das Scheitern eines Plans, einer Politik oder eines Menschen von der Wahrnehmung Dritter abhängig (man denke an die widersprüchliche Rezeption der Politik Michail Gorbatschows in verschiedenen medialen Räumen)? Konkrete Fälle des Scheiterns können hier in ihrer Verwobenheit mit kommunikativen Prozessen herausgearbeitet werden.

Scheitern als historiografische Perspektive:
Reinhold Bauer verweist in seiner Studie Gescheiterte Innovationen auf den Erkenntniswert, den die Untersuchung erfolgloser Projekte im Hinblick auf den Prozess der Forschung birgt. Bedingungen und Einflüsse geraten in den Blick, die in einer „Geschichte der Sieger“ nicht darstellbar sind bzw. von vornherein ausgeblendet werden.[Bauer:2006] Dieser Gedanke könnte sowohl in theoretisch-historiografischer Hinsicht reflektiert werden, als auch in Form explikativer Fallstudien.

Vorschläge für max. 25-minütige Beiträge werden erbeten bis zum 31.07. Schickt diese bitte an verena.lehmbrock@uni-jena.de und timo.engels@uni-flensburg.de. Eine Rückmeldung auf die Vorschläge erhaltet Ihr bis in der ersten Augustwoche. Angenommene ReferentInnen können einen Reiskostenzuschuss beantragen, falls keine Heimatinstitution dafür aufkommt. Anträge dazu werden in nächster Zeit auf der Homepage der DGGMNT (www.dggmnt.de) veröffentlicht werden.

Eike Christian Harden
Verena Lehmbrock
Lukas Engelmann
Timo Engels

Literatur:
Bauer, Reinhold: Gescheiterte Innovationen: Fehlschläge und technologischer Wandel. Frankfurt: Campus, 2006 (Campus Forschung 893)

Kontakt

Timo Engels

Abteilung für Physik und ihre Didaktik und Geschichte / Universität Flensburg

timo.engels@uni-flensburg.de

Zitation
Driburger Kreis 2013: Scheitern, 25.09.2013 – 27.09.2013 Jena, in: H-Soz-Kult, 12.06.2013, <www.hsozkult.de/event/id/termine-22083>.