Zurück in die Zukunft? Die „alte“ Kölner Universität im Kontext der europäischen Universitätsgeschichte

Ort
Köln
Veranstaltungsort
Universität zu Köln, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln - Neuer Senatssaal
Veranstalter
Universität zu Köln Prof. Dr. Andreas Speer & Andreas Berger M.A. Thomas-Institut der Universität zu Köln Universitätsstr. 22 D-50923 KÖLN
Datum
23.10.2013 - 26.10.2013
Bewerbungsschluss
01.10.2013
Von
Andreas Berger

Zur Tagung „Zurück in die Zukunft? Die „alte“ Kölner Universität im Kontext der europäischen Universitätsgeschichte“: mit Kolloquium: „Universitas scholarium. Sozial- und Kulturgeschichte des europäischen Studenten vom Mittelalter bis zur Gegenwart“

Die Geschichte der Universität zu Köln steht quer zum allgemeinen Standardnarrativ von der humboldtschen Reformidee deutscher Universitäten. Denn als Wilhelm von Humboldt 1809 als Geheimer Staatsrat und Direktor für Kultus und Unterricht seine Reformagenda in Preußen in Gang setzte, war die alte Kölner Universität durch Napoleon im Jahre 1798 bereits geschlossen worden, und es war die Preußische Zentralregierung, die eine Wiedereröffnung der Kölner Universität wiederholt ablehnte. Diese Wiedereröffnung gelang erst unter den veränderten Bedingungen nach dem ersten Weltkrieg der Kölner Stadtregierung unter dem damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer im Jahre 1919.

Diese Kölner Bürgerinitiative zugunsten der Universität konnte auf eine gute Tradition zurückblicken. Denn auch die Gründung der „alten“ Kölner Universität im Jahre 1388 ging von den Bürgern und vom Rat der Stadt Köln aus – einer der damals größten europäischen Städte. Die Universität zu Köln ist also weder eine bischöfliche noch eine fürstliche Gründung, sondern eine Bürgeruniversität. Als Vorbild diente die korporative „universitas magistrorum et scholarium“, wie sie sich in Paris und anderen Städten seit Ende des 12. Jahrhunderts herausgebildet hatte. Die damit verbundene Wissenschaftsidee hat u.a. Albertus Magnus mit nach Köln gebracht, als er im Jahre 1248 zusammen mit seinem damaligen Schüler Thomas von Aquin von Paris nach Köln kam, um dort das Generalstudium der Dominikaner aufzubauen, das als ein Vorläufer der Universität zu Köln angesehen wird. Mit der Gründung im Jahre 1388 tritt die Universität zu Köln sogleich auf die europäische Bühne. Anders als viele der europäischen Universitäten war die Kölner Universität von Anfang an eine Volluniversität mit vier Fakultäten, die das gesamte Wissenschaftsspektrum der damaligen Zeit abdeckten.
Ziel der Tagung ist die Einordnung der „alten“ Kölner Universität in die maßgeblichen Entwicklungen der europäischen Universitätsgeschichte bis zur Schließung im Jahre 1798. Hierbei gilt es die Kölner Besonderheiten in den Blick zu nehmen: etwa die besondere Bedeutung der Bursen, die Verortung der Universität in den Kontroversen der jeweiligen Zeit, die Stellung Kölns im europäischen Universitätsnetz und die wissenschaftsgeschichtliche Einordnung. Schließlich soll auch ein Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen des europäischen Universitätssystems und der Universitätsgeschichte unternommen werden. Eine Publikation der Beiträge der Tagung ist geplant.

Tagung und Abendvorträge sind öffentlich. Vortragssprachen sind Deutsch und Englisch.

Zum Kolloquium „Universitas scholarium. Sozial- und Kulturgeschichte des europäischen Studenten vom Mittelalter bis zur Gegenwart“:

Die mittelalterliche Institution der „universitas magistrorum et scholarium“ als (Selbst)Organisation der Lehrenden und Lernenden ist die Keimzelle der modernen europäischen Hochschulen. Spuren des mittelalterlichen Selbstverständnisses der „universitas“ finden sich auch nach Reformation, Aufklärung, humboldtscher Reform und Bolognaprozess in der heutigen Hochschulpolitik und im Alltagsleben der Professoren, Dozenten und Studenten.

Im Rahmen des Kolloquiums soll die Studentengeschichte als Teil der Universitätsgeschichte untersucht werden. 15 internationale Nachwuchswissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen der Geschichtswissenschaft präsentieren und diskutieren ihre aktuellen Forschungsvorhaben zur Geschichte des europäischen Studenten. Die Vorträge behandeln einen Zeitrahmen vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Der thematische Fokus liegt auf der Untersuchung von Grundproblemen der studentischen Lebensform – Organisation, Sozialisation, Politisierung, Ökonomisierung – in ihren epochenspezifischen Erscheinungen sowie auf der Frage transnationaler und transkultureller Studienerfahrungen.
Besonders in dieser breiten zeitlichen und thematischen Perspektive stellt das Nachwuchskolloquium einen einzigartigen Beitrag zur Universitäts- und Studentengeschichte dar und versteht sich ausdrücklich als Plattform zur Vernetzung junger Wissenschaftler in ganz Europa und zur Bündelung und Anregung gerade auch interdisziplinärer Untersuchungen. Eine Publikation der Ergebnisse des Kolloquiums in digitaler Form ist geplant.

Vorträge und Diskussionsrunden des Kolloquiums sind öffentlich. Einführung und Moderation erfolgen durch Prof. Dr. Marian Füssel (Göttingen). Die Vortragssprachen sind Deutsch und Englisch.

Organisatorische Hinweise:

Die wissenschaftliche Tagung und das Kolloquium finden im Neuen Senatssaal der Universität zu Köln statt, der sich im Hauptgebäude (Albertus-Magnus-Platz) befindet. Bitte beachten Sie die Hinweisschilder.

Die Vorträge sind öffentlich.

Das Tagungsbüro befindet sich im Dozentenzimmer. Es ist am 23. Oktober ab 8.30 Uhr und an den übrigen Tagen jeweils eine halbe Stunde vor Tagungsbeginn geöffnet.

Während der Tagung betreut Herr Dipl.-Bibl. Wolfram Klatt eine Buchausstellung (wolfram.klatt@uni-koeln.de). Verlage werden um rechtzeitige Anmeldung gebeten (Absprache erforderlich). Für die Teilnehmer besteht ferner die Möglichkeit, nach Rücksprache eigene Publikationen auszulegen.

Zu den Empfängen laden wir in das Dozentenzimmer neben dem Alten Senatssaal.

Die Kölner Universität ist vom Neumarkt aus mit der Straßenbahnlinie 9 (Richtung „Sülz“) zu erreichen (Haltestelle: „Universität“).

Das Museum Schnütgen befindet sich in der Cäcilienstraße 29 in der Nähe des Neumarkts, von der Universität aus zu erreichen mit der Straßenbahnlinie 9 (Richtung „Königsforst“) zu erreichen (Haltestelle: „Neumarkt“).

Anmeldung:

Die Tagung ist öffentlich. Es wird keine Tagungsgebühr erhoben. Gleichwohl wird um eine verbindliche Anmeldung bis zum 1. Oktober 2013 gebeten, ebenso für die Teilnahme am Kolloquium.

Online-Anmeldung unter: 625-jahre@uni-koeln.de

Anmeldung per Fax: 0221/470-5011

Programm

23.-26. Oktober 2013

Kolloquium: 23.-24. Oktober 2013
Tagung: 24.-26. Oktober 2013

MI: 23. Oktober

Wissenschaftliches Kolloquium „Universitas scholarium – Sozial- und Kulturgeschichte des europäischen Studenten vom Mittelalter bis zur Gegenwart“

9.00: Eröffnung und Einführung: Studentenkultur in der Frühen Neuzeit. Praktiken – Bilder – Konflikte (Marian Füssel, Göttingen)

9.30 – 13.30: Themenblock 1: 12. – 16. Jahrhundert

Pariser Scholaren um 1200 als gewaltsame Akteure. Überlegungen zur Frühgeschichte der Universität aus konfliktsoziologischer Perspektive (Marcel Bubert, Göttingen)

From gown to town: professional training for city magistrates in thirteenth-century Italy (David Napolitano, Cambridge)

Kopieren, zuhören, notieren. Praktiken studentischen Lernens im spätmittelalterlichen Reich (Maximilian Schuh, Heidelberg)

Mitglieder der universitas? Fürstliche Studenten an spätmittelalterlichen Universitäten (Benjamin Müsegades, Greifswald)

Wiener Studenten und Wiener Bürger im Spätmittelalter. Die Geschichte einer schwierigen Beziehung (Andrea Bottanová, Wien)

14.30 – 18.30: Themenblock 2: 16. – 18. Jahrhundert

Konkurrenten im Hörsaal? Medizinstudenten und nicht-akademische Heiler an der medizinischen Fakultät im Spätmittelalter und zu Beginn der Frühen Neuzeit (Jana Madlen Schütte, Göttingen)

Studienfinanzierung während der Reformation auf Grund studentischer Briefe aus dem Stadtarchiv in Kaschau (Iulia Capros, Osnabrück)

Der studentische Tod. Eine statistische Betrachtung studentischer Sterbefälle an der Universität Jena 1548-1700 (Matthias Hensel, Jena)

Tobias Kohen (1652-1729) – der erste jüdische Student in Deutschland (Carsten Schliwski, Köln)

"Pereat, wer nicht folgt!" Studentische Auszüge als symbolischer Protest an Universitäten des 18. Jahrhunderts (Stefan Hölscher, Göttingen)

Anschließend: In taberna quando sumus…

DO: 24. Oktober

Wissenschaftliches Kolloquium „Universitas scholarium“

9.30 – 13.30: Themenblock 3: 18. – 20. Jahrhundert

Richtende Professoren und undisziplinierte Studenten. Zum Problem des Sozialisationsmonopols der akademischen Gerichtsbarkeit in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (Christin Veltjens-Rösch, Frankfurt)

Konkurrenz um Klientel? Der Einfluss der Gründung der Maxischen Akademie in Bonn auf die Studenten der alten Kölner Universität und die Bildungslandschaft im Nordwesten des Reiches (1773-1789) (Maximilian Baur, Tübingen)

Studentenunruhen im Habsburgerreich - Deutschösterreichische Studenten im akademischen Kulturkampf 1859-1914 (Alexander Graf, Graz)

Der Student als transnationaler Akteur der deutsch-polnischen Geschichte im 19. und frühen 20. Jahrhundert (Sabrina Lausen, Paderborn)

„Von Verstehen und Kennenlernen kann nicht die Rede sein“? Russländische Studenten an deutschen Hochschulen um die Jahrhundertwende vor dem Hintergrund der „akademischen Ausländerfrage“ (Arpine Maniero, München)

*

Tagung: „Zurück in die Zukunft? Die „alte“ Kölner Universität im Kontext der europäischen Universitätsgeschichte“

14.30: Eröffnung und Einführung (Rektor der Universität zu Köln, Dekan der Philosophischen Fakultät)

15.00 – 18.30: Themenblock 1: Die Wurzeln: Gründungen und Konzepte (Moderation: Karl Ubl, Köln)

Wahr oder nützlich? Die Binnendifferenzierung der Wissenschaften im 12. und 13. Jahrhundert (Frank Rexroth, Göttingen)

From Studia to University. Cologne in the Fourteenth Century (William Courtenay, Wisconsin)

Nimis magnum et preciosum iocale? Der Kölner Rat und seine Universität im 15. Jahrhundert (Manfred Groten, Bonn)

19.30: Abendvortrag: Kölner Wissenschaft 1388 und Jahrhunderte davor (Rudolf Schieffer, Bonn) (Moderation: Andreas Speer, Köln)

20.30: Empfang

FR: 25. Oktober

9.00 – 12.00: Themenblock 2: Universitas: Formen und Organisation (Moderation: Marita Blattmann, Köln)

Forschung und Lehre, Ämter und Karrieren: Die mittelalterlich-vormoderne Universität als soziale und kulturelle Institution (Rainer Christoph Schwinges, Bern)

Die Kölner Bursen: Ihre Stellung und Spezifika im Kontext der europäischen Universitätsgeschichte (Götz-Rüdiger Tewes, Köln)

Hierarchie und Ordnung: Prozessionen im Universitätsleben als Medium der visuellen Kommunikation (Andrea von Hülsen-Esch, Düsseldorf)

13.30 – 18.00: Themenblock 3: Die Wissenschaften und Fakultäten (Moderation: Susanne Wittekind, Köln)

From the Artes to the Humanities (Jacques Verger, Paris)

Die Rechte - eine Karrierewissenschaft? (Helmut G. Walther, Jena)

Zur Logik der Forschung um 1500 - Zur Entstehung der experimentellen Naturwissenschaften im Kontext der Medizin (Olaf Breidbach, Jena)

Kölner Theologen und ihre Theologie im Mittelalter (Peter Walter, Freiburg)

19.00: Museum Schnütgen (mit Konzert): Führung durch Direktor Dr. Moritz Woelk, anschließend „Bei d`r Tant“

SA: 26. Oktober

10.00 – 13.00: Themenblock 4: Universität und Kontroversen im Rückblick (Moderation: Sabine von Heusinger, Köln)

Von der Scholastik zum Humanismus (Maarten Hoenen, Freiburg)

Im Spannungsfeld von Katholischer Reform und Gegenformation - zu den Besonderheiten Kölns innerhalb des katholischen Universitätswesens im Heiligen Römischen Reich (Matthias Asche, Tübingen)

Studentinnen im Mittelalter? - Diskontinuitäten europäischer Universitäten (Hedwig Röckelein, Göttingen)

14.30 – 18.00: Themenblock 5: Universität und Kontroversen – ein Ausblick (Moderation: Ralph Jessen, Köln)

Universitäre Autonomie im Spannungsfeld von akademischer Freiheit und Wissenschaftsfreiheit (Rüdiger vom Bruch, Berlin)

Bologna - ein normaler Schritt der Studienreform oder ein unerwarteter Systemwechsel? (Ulrich Teichler, Kassel)

Natio academica. Internationalität als Herausforderung der Wissenschaft zwischen Mittelalter und Moderne (Martin Kintzinger, Münster)

19.00: Abendvortrag: The Future of the Universities in Europe: Facing up to the twin Perils of Promising and Prophesying in Hard Times (Guy Neave, Twente/Porto) (Moderation: Andreas Speer, Köln)

20.00: Abschlussempfang

Kontakt

Andreas Berger

Thomas-Institut der Universität zu Köln, Universitätsstraße 22, 50923 Köln
++49-(0)221/470-2309
++49/(0)221/470-5011

625-jahre@uni-koeln.de

Zitation
Zurück in die Zukunft? Die „alte“ Kölner Universität im Kontext der europäischen Universitätsgeschichte, 23.10.2013 – 26.10.2013 Köln, in: H-Soz-Kult, 28.07.2013, <www.hsozkult.de/event/id/termine-22466>.