Erhard Weigel (1625-1699) und seine Schüler

Ort
Göttingen
Veranstaltungsort
Historisches Gebäude der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Papendiek 14
Veranstalter
Erhard-Weigel-Gesellschaft e.V.; Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
Datum
05.12.2014 - 06.12.2014
Bewerbungsschluss
30.06.2014
Von
Klaus-Dieter Herbst

Immer wieder wird in der Literatur von den vielen Studenten geschrieben, die bei Erhard Weigel Vorlesungen gehört haben. Darunter sind sehr bedeutende wie Gottfried Wilhelm Leibniz, aber auch zahlreiche, die heute relativ unbekannt sind, in ihrer Zeit jedoch eine angesehene Stellung bekleideten, zum Beispiel als Pfarrer, Superintendent, Mathematiker, Astronom, Lehrer an einem Gymnasium, Professor an einer Universität usw. Im Mai 2012 wurde das bislang umfangreichste Verzeichnis aller Personen, die im akademischen Umfeld als Schüler von Weigel bezeichnet werden können, vorgestellt. Erstmals wurde dafür auch die Jenaer Matrikel bei der Datenrecherche mit einbezogen. Die Onlinepublikation wurde seitdem kontinuierlich um neue Namen erweitert und enthält jetzt 133 Weigel-Schüler.

Dieses Verzeichnis bietet die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Person zu lenken, die vielleicht bereits in einem anderen Bereich der Forschung bekannt ist. Eine Verknüpfung mit dem Weigelschen Umfeld könnte dann neue Zusammenhänge im Wissenstransfer offenbaren. Von Interesse ist beispielsweise, daß einige Weigel-Schüler (1672: Johann Wülfer; 1675: Johann Conrad Feuerlein, Johann Daniel Haak; 1681: Johann Achatius Cöler; 1683: Cöler, Georg Albrecht Hamberger; 1684: Cöler, Johannes Michael Lang) entweder unmittelbar vor oder nach dem Studium in Jena Teilnehmer an dem von Johann Christoph Sturm an der Universität Altdorf eingeführten Collegium Experimentale waren. Die Leistung Sturms, „die experimentelle Naturlehre für den universitären Kontext verfügbar“ gemacht zu haben, ist unbestritten. Von den Besuchern der Experimentalkollegien ausgehend lassen sich Wirkungsströme rekonstruieren, zum Beispiel von Sturm über Georg Albrecht Hamberger (1683) bis hin zu Christian Wolff, der wiederum ein Student von Hamberger gewesen war und später an der Universität Halle selbst Vorlesungen zur experimentellen Naturlehre anbot. Die Richtung dieses Wissenstransfers von der Universität Altdorf hin zur Universität Jena, an der Weigel seit 1653 wirkte, ist offenkundig. Können aber Anregungen zur Durchführung eines Experimentalkollegiums über Studenten, die vorher Vorlesungen von Weigel gehört haben und dann an die Altdorfer Universität wechselten (z. B. Johann Daniel Haak), indirekt auch von Weigel gekommen sein? Schließlich war Weigel einerseits mit dem Anfertigen von Instrumenten für den universitären Lehrbetrieb bestens vertraut und legte andererseits auf die Beobachtung beim Wissenserwerb großen Wert. Aber auch Schüler von Weigel, die sich nicht explizit zu mathematisch-physikalischen Themen geäußert haben, wie z. B. Gottfried Klinger, wären hier zu berücksichtigen. An ihnen könnte untersucht werden, wie der Einfluß von Weigel in anderen Gebieten des Wissens wirksam geworden ist.

Bereits jetzt ließen sich weitere Beispiele für einen Wissenstransfer mit Weigel als zentralem Impulsgeber anführen, auch solche mit Studenten aus Ungarn (Paul Pater), Schweden (Bonde Humerus) und Dänemark (Peder Deichmann, Erik Mule). Auf dem siebenten Weigel-Kolloquium am 5. und 6. Dezember 2014 soll dafür und für bislang unbekannte personelle und ideengeschichtliche Zusammenhänge Raum zum Vortragen gegeben werden. Gefragt werden kann in den Vorträgen nach den biographischen und wissenschaftlichen Spuren derjenigen Personen des 17. und 18. Jahrhunderts, die bei dem Universitätsprofessor Erhard Weigel in Jena studiert haben, aber auch derjenigen, die Weigels mathematische, physikalische, astronomische, kalendariographische, pädagogische, technische, philosophische, wissenschaftsorganisatorische oder frühaufklärerische Ideen lediglich aus dessen Büchern und Dissertationen kannten, dann aufgriffen und weiterentwickelten. Von herausragendem erkenntnistheoretischem Interesse ist dabei die Frage nach dem Multiplikationseffekt der Schüler im weitesten Sinne. Damit soll aus wissenschaftshistorischer Perspektive den allgemein interessierenden intellektuellen Wirkungsströmen in das 18. Jahrhundert hinein und darüber hinaus am Beispiel des Gelehrten Weigel nachgegangen werden.

Erwünscht sind auch über das Rahmenthema hinausgehende Vorträge, in denen z. B. das Weigelsche ‚Netzwerk‘ unter Einbeziehung aller mit Weigel persönlich bekannten Personen und sämtlicher Briefpartner analysiert werden.

Angebote für Referate werden mit einer halbseitigen Zusammenfassung erbeten an den Vorsitzenden der Erhard-Weigel-Gesellschaft.

Kontakt

Dr. Klaus-Dieter Herbst
Vorsitzender der Erhard-Weigel-Gesellschaft
Brändströmstr. 17
07749 Jena
Telefon: 03641-384157
Email: klaus-dieter-herbst@t-online.de

Zitation
Erhard Weigel (1625-1699) und seine Schüler, 05.12.2014 – 06.12.2014 Göttingen, in: H-Soz-Kult, 06.01.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-23804>.
Redaktion
Veröffentlicht am
06.01.2014
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