Wissenschaft_Macht_Nachwuchs. Zur Situation von Nachwuchswissenschaftler_innen

Ort
Graz
Veranstalter
Karl-Franzens-Universität Graz, Forschungsbereich Geschlechtersoziologie und Gender Studies; und Abteilung Lehr- und Studienservices
Datum
15.11.2014
Bewerbungsschluss
15.11.2014
Von
Gerald Lind (Karl-Franzens-Universität Graz)

Am 22./23. April 2015 wird an der Karl-Franzens-Universität Graz (Österreich) die interdisziplinäre Fachtagung „Wissenschaft_Macht_Nachwuchs. Zur Situation von Nachwuchswissenschaftler_innen“ stattfinden. Ziel der Tagung ist es, Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen zu vereinen, die sich mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs im deutschsprachigen Raum beschäftigen. Das Veranstalter_innenteam Susanne Kink, Stefanie Lerch und Gerald Lind (alle Universität Graz) lädt Wissenschaftler_innen aller Disziplinen, die zu einem der drei thematischen Schwerpunkte (s. Panels 1–3) arbeiten, sehr herzlich zur Teilnahme ein.

Die Konferenzsprache ist Deutsch.

Panel 1 – Risiko Wissenschaftskarriere?

Diskurse über die Prekarisierung des wissenschaftlichen Nachwuchses oder das Risiko wissenschaftlicher Karrieren gewinnen in den letzten Jahren zunehmend an Prominenz. Betroffen von gesellschaftlichen Umwälzungsprozessen verändern sich Karriere- und Arbeitsbedingungen an Universitäten – z.B. Stichwort Unternehmerische Hochschule – und folglich auch die Bedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Willkommen sind daher Beiträge, welche sich mit der Frage des Risikos wissenschaftlicher Karrieren in Hinblick auf den wissenschaftlichen Nachwuchs auseinander setzen und dabei u.a. folgende Punkte beleuchten:
- Welchen Veränderungen unterliegen wissenschaftliche (Nachwuchs-)Karrieren? Darstellung vergangener und aktueller Perspektiven im Vergleich
- Welche Rolle spielen soziale und akademische Homophilie und welche Modelle der Karriereförderung erweisen sich als zukunftsträchtig?
- Wie werden soziale Ungleichheiten im derzeitigen wissenschaftlichen Karrieresystem (re)produziert? Fokus v.a. auf geschlechtertheoretischen bzw. intersektionalen Perspektiven
- Treffen gesellschaftliche Umwälzungsprozesse alle Disziplinen gleichermaßen bzw. welche fachkulturellen Spezifika lassen sich in Bezug auf das Risiko wissenschaftlicher Karrieren ausmachen?

Panel 2 – Macht in Wissenschaftsräumen

Wissenschaftsräume sind von Aneignungsweisen, Praktiken und Repräsentationsformen institutioneller und epistemologischer Macht bestimmt. In Panel 2 sollen deshalb Inklusions- und Exklusionsstrategien untersucht werden, die den vorgeblich objektivierten fachlichen und personellen Entscheidungen zugrunde liegen und die Situation von Nachwuchswissenschaftler_innen massiv beeinflussen.
Willkommen sind deshalb:
- theoretische Überlegungen, die von der Fokalisierung akademischer Macht bei einzelnen Autor_innen abheben (z.B. Bourdieu, Feyerabend, Kuhn, Knorr-Cetina, Latour etc.) und zumeist subkutane Machtstrukturen in Wissenschaftsräumen lesbar machen
- institutionenbezogene Zugänge: disziplinenspezifische Kanonisierungspraktiken, Science Wars, Konfrontationen von Diskursmächten bei der Etablierung wissenschaftlicher Schulen und der Institutionalisierung neuer Fächer wie z.B. Gender Studies, Förderung von Mainstreamforschung bzw. Behinderung innovativer, nicht-kanonisierter Zugänge etc.
- biographische Analysen: Fallbeispiele marginalisierter unorthodoxer ForscherInnen, nicht-akademisierte Intellektuelle und ihr Verhältnis zur universitären Wissenschaft, die Herausbildung von „Wissenschaftsstars“ und ihre Rolle im Wissenschaftssystem etc.,
die auf die Situation von Nachwuchswissenschaftler_innen rückgespiegelt werden können.

Panel 3 – Exzellenz oder Work-Life-Balance? Annäherungen an den Exzellenzdiskurs

Beruf oder Berufung? Arbeit oder Freizeit? Exzellenz oder Work-Life-Balance? Wissenschaft wird dominiert von einem Exzellenzdiskurs, der von Ausschließlichkeit und einer quasi-sakralen Vorstellung vom Wissenschaftsberuf bestimmt wird. In Panel 3 soll dieser Diskurs kritisch hinterfragt und mit dem parallel laufenden und doch gänzlich verschiedenen Diskurs „Work-Life-Balance“ auf der Folie der Frage „Was macht eine_n Wissenschaftler_in (aus)“ verschränkt werden.
Willkommen sind deshalb:
- Untersuchungen dieses Exzellenzdiskurses: Genealogie, (wissenschafts)politischer Ge-/Missbrauch, Affirmation und Opposition; Auswirkungen des Exzellenznarrativs auf die wissenschaftliche Praxis wie auf Vorgaben des Universitätsmanagements/institutionelle Rahmenbedingungen und auf Karrierechancen (Zugang zu Stellen, Ablauf von Berufungsverfahren, Drittmittelförderung etc.)
- Analysen des „Brandings“ einzelner Institutionen, Forschungsbereiche und/oder Forschungspersönlichkeiten im Kontext des Exzellenzdiskurses (Forschungsexzellenz, Ausbildungsexzellenz, exzellente Nachwuchsförderung etc.)
- Beiträge zum Verhältnis von Exzellenz- und Work-Life-Balance-Diskurs: Wie ist das Rollenprofil einer/s Wissenschaftlers/in an der post-humboldtschen Universität? Welche Erwartungshaltungen werden dem wissenschaftlichen Nachwuchs von welchen MachtakteurInnen im wissenschaftlichen Feld vermittelt? Welche Rolle spielen Work-Life-Balance- und Exzellenzdiskurs für wissenschaftliche Nachwuchsförderung und das Verständnis des Wissenschaftsberufs?

Einreichung von Vorträgen
Beitragsangebote sind bis zum 15. November 2014 im Umfang von maximal 1500 Zeichen inklusive Leerzeichen zu richten an: susanne.kink@uni-graz.at. Die Beitragsauswahl erfolgt bis Mitte Dezember 2014.

Pro Beitrag sind 20 Minuten für den Vortrag und 10 Minuten für die Diskussion vorgesehen. Die Beiträge werden in schriftlicher Form in einem Sammelband zur Tagung im Grazer Universitätsverlag veröffentlicht.

Teilnahme
Wer ohne Vortrag an der Tagung teilnehmen möchte, kann sich ab Anfang 2015 online auf der Homepage docservice.uni-graz.at anmelden.

Kontakt für Nachfragen

Panel 1
Susanne Kink, MA
Mail: susanne.kink@uni-graz.at
Institut für Soziologie
Karl-Franzens-Universität Graz, Universitätsstraße 15/G3, A-8010 Graz
Tel.: +43 (0)316 380-7084

Panel 2
Dr. Gerald Lind
Mail: gerald.lind@uni-graz.at
DocService (Lehr- und Studienservices)
Karl-Franzens-Universität Graz, Universitätsplatz 3, A-8010 Graz
Tel.: +43 316 380 1153

Panel 3
Dr. Stefanie Lerch
Mail: stefanie.lerch@uni-graz.at
DocService (Lehr- und Studienservices)
Karl-Franzens-Universität Graz, Universitätsplatz 3, A-8010 Graz
Tel.: +43 316 380 1154

Kontakt

Gerald Lind

Karl-Franzens-Universität Graz

gerald.lind@uni-graz.at

Zitation
Wissenschaft_Macht_Nachwuchs. Zur Situation von Nachwuchswissenschaftler_innen, 15.11.2014 Graz, in: H-Soz-Kult, 07.10.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-26037>.