Driburger Kreis - Modelle

Ort
Berlin
Veranstaltungsort
Technische Universität Berlin
Veranstalter
Driburger Kreis
Datum
23.09.2015 - 25.09.2015
Bewerbungsschluss
31.07.2015
Von
Eike-Christian Harden / Laurens Schlicht / Verena Lehmbrock

Der Driburger Kreis findet dieses Jahr vom 23.–25. September 2015 im Vorfeld der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaften und Technik e.V. (DGGMNT) in Berlin statt. Er richtet sich an Studierende, Promovierende und Nachwuchswissenschaftler/innen der Medizin-, Wissenschafts- und Technikgeschichte und angrenzenden Disziplinen. Der Driburger Kreis versteht sich als informelles Forum, in dem neben dem Rahmenthema auch Probleme, Schritte und Ergebnisse eigener Arbeiten und Forschungsprojekte vorgestellt und in einer konstruktiven Atmosphäre diskutiert werden können; ausdrücklich erlaubt und erwünscht sind daher auch Vorschläge für thematisch abweichende Vorträge.

Das diesjährige Rahmenthema lautet:

Modelle

In den letzten Jahrzehnten haben Wissenschaftshistoriker_innen Modellen viel Aufmerksamkeit gewidmet, besonders in Form verschiedener Fallbeispiele aber auch durch Überlegungen zum Wandel der Verwendung des Begriffs Modell. Unumstritten scheint bisher nur zu sein, dass Modelle eine wichtige Rolle in der Wissenschaft spielen, ihre verschiedenen Funktionen können aber noch genauer untersucht werden. Grund genug, sich auch auf dem Driburger Kreis der Modelle anzunehmen. Die theoretischen und praktischen Funktionen von Modellen in der Wissenschaft sind vielfältig; gemeinsam scheint Modellen zunächst zu sein, dass sie für etwas Anderes stehen und es repräsentieren. Die Anwender_innen des Modells griffen dabei einige als relevant erachtete Merkmale heraus und sahen von anderen Merkmalen ab, um z. B. gewisse Ziele zu erreichen, z. B. öffentlich ihr Wissen zu demonstrieren, vor den Augen eines staunenden Publikums Evidenz zu erzeugen, ethisch heikle Situationen zu vermeiden oder Forschungskontexte zu erzeugen, in denen erforscht werden konnte, was sonst experimenteller Forschung nicht zugänglich gewesen wäre. Computermodelle sind in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts für viele Anwendungsfelder, u. a. die Klimaforschung, die Wirtschaftswissenschaften oder die Hochenergiephysik, sehr bedeutsam geworden. Dabei repräsentieren elektronische Rechenoperationen Phänomene der physischen Welt oder explizieren Gesetze aus naturwissenschaftlichen Theorien. John von Neumanns Versuch von 1945, eine thermonukleare Reaktion zu simulieren, ist sowohl ein Beispiel dafür, wie Modelle der Forschung zuvor unzugängliche Bereiche zugänglich machten als auch das älteste Beispiel für eine Anwendung von elektronischen Rechnern.

Eines der möglicherweise bekanntesten Beispiele für die Anwendung eines Modells sind die bekannten vielfältig verzweigten Diskussionen über die Modelle des Sonnensystems, im Rahmen derer gerade die Modellhaftigkeit des Modells eine Frage war, also inwiefern und ob das Modell eine Realität repräsentierte oder nicht. Auch in anderen Bereichen bspw. der medizinischen Forschung, den Sprachwissenschaften, den Sozialwissenschaften, der Physik spielten und spielten Modellen in unterschiedlichster Weise eine Rolle. Für den Driburger Kreis sind Beiträge aus allen möglichen Themenfeldern der Medizin-, Wissen- schafts- und Technikgeschichte ebenso willkommen wie aus angrenzenden Feldern, wie etwa den Kulturwissenschaften oder Gender-Studies. Neben Fallstudien zu den genannten und weiteren Funktionen von Modellen begrüßen wir ausdrücklich auch Beiträge, die einen systematischen Zugriff anstreben.

Abstracts (Umfang: 1 Seite) für max. 25-minütige Vorträge nebst Kurzlebenslauf werden erbeten bis
zum 31. Juli 2015. Schickt diese bitte an:
eikeharden@t-online.de, verena.lehmbrock@gmail.com und l.schlicht@em.uni-frankfurt.de.

Wer sowohl am Driburger Kreis als auch an der Tagung der DGGMNT teilnimmt, kann einen Reise-
kostenzuschuss erhalten. Das ausgefüllte Antragsformular (s. Homepage der DGGMNT) ist bis zum
15. August 2015 beim Vorsitzenden der DGGMNT einzureichen:
Prof. Dr. Friedrich Steinle, Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technik-
geschichte. Technische Universität Berlin, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin,
friedrich.steinle@tu-berlin.de

Auswahlbibliografie

Chadarevian, Soraya de; Hopwood, Nick (Hg.): Models : The third Dimension of Science. Stanford:
Stanford University Press, 2004.
Creager, Angela; Lunbeck, Elizabeth; Wise, Norton (Hg.): Science without Laws : Model Systems,
Cases, Exemplary Narratives. Durham; London: Duke University Press, 2007.
Dirks, Ulrich; Knobloch, Eberhard (Hg.): Modelle. Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang, 2008.
Gähde, Ulrich; Hartmann, Stephan; Henning, Jörn (Hg.): Models, Simulations, and the Reduction of
Complexity. Berlin; Boston: Walter de Gruyter, 2013.
Winsberg, Eric B.: Science in the Age of Computer Simulation. Chicago; London: The University of
Chicago Press, 2010.

Kontakt

Laurens Schlicht

Historisches Seminar - Wissenschaftsgeschichte
Norbert-Wollheim-Platz 1 / 60629 Frankfurt

schlicht@em.uni-frankfurt.de

Zitation
Driburger Kreis - Modelle, 23.09.2015 – 25.09.2015 Berlin, in: H-Soz-Kult, 12.06.2015, <www.hsozkult.de/event/id/termine-28189>.
Redaktion
Veröffentlicht am
12.06.2015