Rurbane Landschaften - Perspektiven des Ruralen in einer urbanisierten Welt

Ort
Weimar
Veranstalter
Institut für Europäische Urbanistik (IfEU), Fakultät Architektur und Urbanistik, Bauhaus-Universität Weimar, Jun.-Prof. Dr. Sigrun Langner, Maria Frölich-Kulik
Datum
29.06.2017 - 30.06.2017
Bewerbungsschluss
26.01.2017
Von
Marc Weiland

Wir leben in einer urbanisierten Welt. Unsere Perspektive auf die Geschehnisse um uns ist eine urbane – eine Perspektive, die so manche blinde Flecken aufweist. Denn allzu häufig denken wir in einfachen Dualismen und Dichotomien: Hier die moderne, fortschrittliche und weiter fortschreitende Stadt, dort das vormoderne, zurückgebliebene und auch weiterhin zurückbleibende Land.

Das Land erscheint aus diesem Blickwinkel lediglich als eine Residualkategorie, problematisiert als Peripherie oder idealisiert als verschwindender Sehnsuchtsort. Doch selbst in einer urbanisierten Welt ist die Perspektive des Ruralen nicht irrelevant. Sie bietet vielmehr die Möglichkeit, auch ihr vermeintliches Gegenstück – das Urbane – neu zu perspektivieren, zu verstehen und zu gestalten. Ohnehin bleibt das Rurale neben dem Urbanen eine distinkte soziale Formation mit spezifischen Denkmustern und Lebensweisen. So lassen sich aus der Perspektive des Ländlichen heraus zukunftsfähige, nachhaltige und lebenswerte Räume und Landschaften in Stadt und Land denken und gestalten. Dafür ist es jedoch nötig, bisher ungesehene produktive Beziehungen zwischen dem Urbanen und dem Ruralen aufzudecken und die uns umgebenden Landschaften als veränderliche (Re)Kombinationen und Verschränkungen von urbanen und ruralen Praktiken, Elementen, Werten und Sinnkontexten neu zu lesen.

Auf dem Symposium soll es vor allem darum gehen, verschiedene Perspektiven der (Re)positionierung und der (Re)präsentation des Ruralen in einer urbanisierten Welt zu beleuchten und miteinander ins Gespräch zu bringen. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen Darstellungen und Interpretationen sowie praktische Beiträge spezifischer Beziehungsgefüge zwischen dem Urbanen und dem Ruralen in ihren räumlichen Ausprägungen, Konfliktlinien und zukunftsfähigen Gestaltmöglichkeiten.

Dies knüpft an verschiedene disziplinäre und interdisziplinäre Diskussionen an. Sei es das verstärkte Interesse am Land als „frontline of transformation“ (Koolhaas 2014) in den raumplanenden und -entwerfenden Disziplinen, sei es die aktuell zu beobachtende literarisch-künstlerische Wiederkehr des Ländlichen in den öffentlichen und medialen Diskussionen sowie die diesbezüglichen geistes- und sozialwissenschaftlichen Analysen (Nell/Weiland 2014). Digitalisierung und Energiewende, globalisierte Produktions- und urbane Lebensweisen, aber auch die Suche nach dem „guten Leben“ (Rössel 2014) bilden treibende Kräfte der Transformation des Landes. Diese „global countryside“ (Woods 2007) und die damit einhergehenden räumlichen Veränderungen der Landschaften lassen sich nur in Relation zum Urbanen denken.

Wir fragen nach solchen rurbanen Bildern, den damit verbundenen Narrativen und wie diese speziell in literarischen, künstlerischen und raumentwerfenden Praktiken aufgegriffen und verhandelt werden – und welche Impulse sie ggfs. für die (Neu)Gestaltung rurbaner Lebenswelten liefern.

- Welche Relationen zwischen urbanen und ruralen Lebenspraktiken,Raumbildern und Vorstellungswelten gegenwärtiger rurbaner Landschaften werden in den jeweiligen Imaginationen und Entwürfen (re)präsentiert?

- Welche Vorstellungen eines gelingenden Lebens und nachhaltiger Raumentwicklung sind damit verbunden?

- Wo zeichnen sich Konflikte und Verwerfungen ab?

- Wie können die Möglichkeitsräume rurbaner Landschaften lesbar, beschreibbar, erzählbar und somit auch wahrnehmbar und produktiv nutzbar und gestaltbar werden?

Der Call richtet sich an Wissenschaftler/innen und Entwerfende, die in ihrer Forschung und ihrer Arbeit die Rolle des Ruralen in einer urbanisierten Welt reflektieren und nach möglichen Zukunftsperspektiven des Ruralen in einer urbanisierten Welt fragen.

Angesprochen, aber nicht darauf begrenzt, sind die Disziplinen der Landschaftsarchitektur und -planung, Architektur und Städtebau, Denkmalpflege, Stadt- und Raumplanung, Literaturwissenschaften, Geographie, Sozial- und Kulturwissenschaften.

Die ausgewählten Beiträge werden auf dem Symposium „Rurbane Landschaften - Perspektiven des Ruralen in einer urbanisierten Welt“ am 29. und 30.06. 2017 in Weimar präsentiert und diskutiert. Die ausformulierten Beiträge werden im Anschluss an das Symposium in einem Sammelband der Buchreihe „Rurale Topografien“ im Transcript-Verlag veröffentlicht.

Bitte senden Sie Ihre Vortragsvorschläge (2000 Zeichen) sowie Angaben zu Ihrem Forschungsgebiet, Ihrer institutionellen Einbindung und einer kurzen biografischen Notiz mitsamt Kontaktdaten bis zum 26. Januar 2017 per Email an:

maria.froelich-kulik@uni-weimar.de

Mit Beiträgen u.a. von:

Prof. Dr. Miriam Carlow, Architektin
Prof. Dr. Werner Nell, Komparatist
Prof. Dr. Marc Redepenning, Kulturgeograph
Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann, Landschaftsplaner
Prof. em. Dr. Hille von Seggern, Stadt- und Landschaftsplanerin
Prof. em. Dr. Thomas Sieverts, Stadtplaner
Sasa Stanisic, Schriftsteller

Kontakt

Maria Froelich-Kulik

Bauhaus-Universität, Fakultät Architektur und Urbanistik
Belvederer Allee 5, 99423 Weimar

maria.froelich-kulik@uni-weimar.de

Zitation
Rurbane Landschaften - Perspektiven des Ruralen in einer urbanisierten Welt, 29.06.2017 – 30.06.2017 Weimar, in: H-Soz-Kult, 04.12.2016, <www.hsozkult.de/event/id/termine-32718>.