Männlichkeiten zwischen Kulturen

Ort
Stuttgart-Hohenheim
Veranstaltungsort
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Tagungszentrum Hohenheim,
Veranstalter
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Fachbereich Geschichte, Assistenz: Kerstin Hopfensitz M.A.
Datum
01.06.2017 - 03.06.2017
Bewerbungsschluss
01.03.2017
Von
Prof. Dr. Martin Dinges

Arbeitskreis für interdisziplinäre Männer- und Geschlechterforschung -
Kultur-, Geschichts- und Sozialwissenschaften
AIM GENDER
und Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Fachbereich Geschichte

CALL FOR PAPERS
Elfte Tagung in Stuttgart-Hohenheim
http://www.akademie-rs.de/start.html

1. – 3. Juni 2017 (Donnerstagabend bis Samstagnachmittag)
Männlichkeiten zwischen Kulturen

Deadlines
1. März 2017 Einreichen der Abstracts an aim-gender@gmx.net
20. März (spätestens): Mitteilung über Annahme oder Ablehnung des Vorschlages
21. Mai (spätestens): Einreichen des fertigen Vortrags zur Veröffentlichung im Web, wenn gewünscht

Ziel des Arbeitskreises AIM GENDER ist die fächerübergreifende gegenseitige Wahrnehmung und Kooperation von Forschern und Forscherinnen aus Geschichts-, Litera-tur-, Kultur- und Politikwissenschaften sowie der Soziologie, die zum Thema Männlichkeiten und deren Auswirkungen auf Kultur und Gesellschaft in Vergangenheit und Gegenwart arbeiten. Vertreter anderer Fachrichtungen sind willkommen.
Informationen über den Arbeitskreis und die ersten zehn Tagungen sowie die dort diskutierten Papiere stehen unter http://www.fk12.tu-dortmund.de/cms/ISO/de/Lehr-und-Forschungsbereiche/soziologie_der_geschlechterverhaeltnisse/AIM_Gender/index.html.

Die Kölner Silvester-Nacht (2015/2016) hat erneut deutlich gemacht, wie zentral kulturelle Konzepte von Männlichkeit bei der Bewertung der Verhaltensweisen von Männern sind: Problematisches männliches Verhalten wurde hier schnell als kulturell fremd zugeschrieben. Der als fremd wahrgenommenen Männlichkeit wurde das Etikett des Archaischen, Vormodernen angeheftet; demgegenüber kann die eigene Männlichkeit als eine aufgeklärte, progressiv, moderne präsentiert werden. Andere Beobachter verwiesen hingegen auf ähnliche Praktiken in der eigenen Gesellschaft, auf die Bedeutung der Altersgruppe oder der Schicht. Männlichkeit wird jedenfalls zwischen Kulturen und mit dem Verweis auf kulturelle Differenzen diskursiv hergestellt. Ausgehend von diesem aktuellen Anlass soll bei der Tagung die Konstruktion von Männlichkeit zwischen verschiedenen Kulturen in historischer, soziologischer, ethnologischer und literaturwissenschaftlicher Perspektive analysiert werden.

Der öffentliche Diskurs mit seinen Vereinfachungen und schnellen Verallgemeinerungen legt nahe, die kulturellen Fremdzuschreibungen und ihre Wirkungsweise auf mehreren Ebenen zu analysieren. Das gilt zunächst für die Selbstzuschreibungen. Dabei sollten die Elemente der jeweiligen Männlichkeitskonstruktion differenziert herausgearbeitet werden. Selbstdeutungen stehen häufig in Konflikt mit den Fremdzuschreibungen. Diese Unterschiede führen zu Spannungen, die sowohl individuell wie (welt-)gesellschaftlich bearbeitet und ausgehalten werden müssen. Sie können z.B. je nach kulturellem Kontext oder auch Lebensalter der Personen zu Depression oder Formen von Hypermaskulinität führen. Auch in den öffentlich kommunizierten (Selbst-)Repräsentationen ganzer Gesellschaften oder ihres Führungspersonals lassen sich solche Effekte beobachten.

Historisch bieten insbesondere koloniale Konstellationen eine Fülle von Situationen und Strukturen, für die das oft sehr ungleiche Aushandeln solcher Zuschreibungsprozesse gut dokumentiert ist. In früheren Epochen waren Männlichkeitskonzepte auch zwischen den Ständen bzw. „innergesellschaftlich“ zwischen den Vertretern der sogenannten Hochkultur und der „Volkskultur“ strittig. Die Analyse solcher historisch früherer Praktiken „kulturell“ gefasster Zuschreibungen könnte dem Verständnis der aktuellen Tendenzen etwas mehr Tiefenschärfe geben.

Bevölkerungsmigrationen und die damit einher gehenden Kulturkontakte und –konfrontationen sind so alt wie die Menschheit. Der griechische Begriff der Barbaren ist eine der frühen und noch bis heute gebräuchlichen Fremdzuschreibungen an die Anderen als „Bärtige“. Er verweist auf die Bedeutung des Körpers bzw. von Körperteilen und –praktiken als Mittel der (Fremd-)konstruktion – nicht nur von Männlichkeiten. Dieses Verfahren spielte auch wieder im Antisemitismus eine große Rolle. Oft wirken solche ethnisierenden Abwertungen zunächst wenig geschlechtsspezifisch. Ein geschärfter anthropologischer Blick könnte dazu beitragen, die geschlechterspezifisch auf Männer hin zugeschnittene Formen des Othering schärfer herauszuarbeiten.

Damit kommen – wie bei der Differenz zwischen Fremd- und Selbstbild – performative Aspekte von Männlichkeit ins Spiel: Ob „rough masculinity“, Tätowierungen oder die langen Haare der Beatles-Generation, immer wieder sollten solche Verhaltensstile dominante, aber abgelehnte Modelle von Männlichkeit herausfordern. Diese oft ziemlich frei gewählten, selbstbewussten Formen kulturelles Anderssein auszudrücken ist oft eng mit der Jugendkultur verbunden, was die Bedeutung von Lebensphasen für die Männlichkeitskonstruktion und –performanz unterstreicht.

Kulturalisierende oder kulturalistische Männlichkeitsbilder überdecken unterschiedlich erfolgreich, dass Männlichkeitskonstruktionen mehrfach relational sind. So wird gesellschaftliche Unbewusstheit hergestellt. Für eine Dekonstruktion dieser Zuschreibungen ist deshalb die Analyse dessen, was jeweils verdeckt werden soll, sehr aufschlussreich: Die Klassenlage der Ab- oder Aufgewerteten, ihr Lebensalter, ihr allgemeinerer kultureller oder Bildungshintergrund.

Für alle hier skizzierten Frage- und Problemstellungen bildet die Literatur, vor allem auch ihre interkulturellen Perspektiven und Formen, einen reichen Fundus der genauen Analyse sowie der Einschätzung kulturell erzeugter Narrationen und Bilder von Männlichkeit; insbesondere im Hinblick auf ihre Resistenz, Restaurierung oder auch Wandelbarkeit.

Willkommen sind Zugänge zum Thema sowohl aus der Perspektive empirischer Forschungen als auch aus dem Bereich hermeneutisch-kulturwissenschaftlicher Forschung. Vorschläge für Tagungsbeiträge aus möglichst unterschiedlichen Disziplinen sind angesichts des hohen Vernetzungspotenzials des Themas ausdrücklich erwünscht. Es können bei der Tagung sowohl Dissertations-, Habilitations- und Forschungsvorhaben als auch bereits weit fortgeschrittene oder abgeschlossene Studien vorgestellt werden.

Tagungssprache ist Deutsch. Papiere und Vorträge können aber auch in englischer Sprache vorgelegt bzw. gehalten werden.
Eine Finanzierung kann nicht übernommen werden.
Wir laden ein, Abstracts (höchstens eine Seite, max. 1800 Zeichen) für ein Papier bis zum 1. März 2017 an die E-Mail-Adresse martin.dinges@igm-bosch.de zu schicken. Das Abstract muss Name, Fachrichtung, Position und E-Mail-Adresse des oder der Vorschlagenden und einen Vortragstitel enthalten. Die Problemstellung und die benutzten Materialien sollten klar herausgearbeitet werden. Aus diesen Abstracts wird das Programm zusammengestellt. Spätestens am 20. März werden Sie informiert, ob Ihr Vorschlag für das Programm angenommen worden ist.
Allen an der Teilnahme Interessierten empfehlen wir, sich direkt bei der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart anzumelden. Diese Anmeldung ist unabhängig von der Präsentation oder Annahme eines Diskussionspapiers. Die Anmeldung erbitten wir schriftlich (per Mail oder online-Anmeldung). Bitte geben Sie Ihre vollständigen Kontaktdaten an.
Anmeldung:
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Fachbereich Geschichte
Assistenz: Kerstin Hopfensitz M.A.
Im Schellenkönig 61, 70184 Stuttgart
Tel: +49 711 1640 752; Fax: +49 711 1640 852
E-Mail: geschichte@akademie-rs.de
oder online unter: https://www.akademie-rs.de/vanm_21170

Die Einladenden
Prof. Dr. Martin Dinges (Historiker) Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart
Dr. Petra Kurz, Fachbereich Geschichte der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Prof. Dr. Michael Meuser (Soziologe) TU Dortmund
Prof. Dr. Susanne Schröter (Ethnologin) Goethe-Universität Frankfurt
Prof. Dr. Toni Tholen (Literaturwissenschaftler) Stiftung Universität Hildesheim

Rückfragen zum Programm bitte an martin.dinges@igm-bosch.de.

Tagungskosten:
- inkl. Verpflegung und Übernachtung im EZ 130,00 €
- inkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ 118,00 €
- ohne Übernachtung und Frühstück 60,00 €
Ermäßigt
- inkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ 60,00 €
- ohne Übernachtung und Frühstück 12,00 €
Eine Ermäßigung erhalten Schüler, Studierende (auch Promotionsstudierende) und Erwerbslose.

Kontakt

Prof. Dr. Martin Dinges (Historiker) Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart
Straußweg 17, 70184 Stuttgart
martin.dinges@igm-bosch.de

Zitation
Männlichkeiten zwischen Kulturen, 01.06.2017 – 03.06.2017 Stuttgart-Hohenheim, in: H-Soz-Kult, 04.01.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-32863>.
Redaktion
Veröffentlicht am
04.01.2017
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Land Veranstaltung