100 Jahre Gründung der USPD: Wissenschaftliches Kolloquium zur Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung

Ort
Gotha
Veranstaltungsort
"Tivoli" (Am Tivoli 3, 99867 Gotha)
Veranstalter
Weimarer Republik e.V.; Forschungsstelle Weimarer Republik an der FSU Jena; Friedrich-Ebert-Stiftung, Archiv der sozialen Demokratie; Rosa-Luxemburg-Stiftung, Landesbüro Thüringen
Datum
06.04.2017
Von
Andreas Braune

Am 6. April 1917 gründete sich in Gotha die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, da Teile der SPD und ihrer Reichstagsfraktion nicht mehr an der seit Kriegsbeginn 1914 unterstützten ‚Burgfriedenspolitik‘ festhalten wollten. Während Anhänger der USPD nach ihrem Verständnis eines sozialistischen Internationalismus ein sofortiges und nötigenfalls revolutionäres Kriegsende befürworteten, hielt die Mehrheitssozialdemokratie an dem Ziel einer Parlamentarisierung des Reiches und eines Verständigungsfriedens mit den Alliierten fest. Damit führte der Streit über die Haltung zum Ersten Weltkrieg zur Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung – mit erheblichen Auswirkungen auf die Revolution von 1918/19 und auf die nachfolgende Weimarer Republik. Denn schnell wurde klar, dass nicht nur die Ansichten zur Art und Weise der Beendigung des Krieges unterschiedlich waren, sondern dass auch im politischen Umbruch ab November 1918 unterschiedliche Revolutions- und Ordnungsmodelle verfolgt wurden. Verschärft wurden die Meinungsverschiedenheiten durch das Modell der bolschewistischen Revolution, die 1917 in Russland erfolgt war und für manche Akteure als Vorbild galt. Unterdessen legte sich jedoch die Mehrheitssozialdemokratie auf den ‚geordneten‘ und parlamentarischen Weg der Republikgründung und gegen das Rätemodell fest. War die USPD 1918/19 noch eine echte Massenpartei und ein politisches Schwergewicht in vielen industriell geprägten Regionen, verlor sie mit der Gründung der KPD und der weiteren Polarisierung des Parteienspektrums jedoch nach ihrem großen Wahlerfolg 1920 zusehends an Bedeutung. Trotzdem bedeutete die Spaltung von 1917 in vielerlei Hinsicht eine wichtige Weichenstellung für die epochalen Ereignisse der folgenden Jahre.

Genauso tiefgreifend wie die damaligen Meinungsverschiedenheiten waren auch die Wunden, die diese Spaltung hinterlassen hat, und die in abgemilderter Form im historischen Gedächtnis der gesellschaftlichen Linken bis heute nachwirken. Der Weimarer Republik e.V. und die Forschungsstelle Weimarer Republik an der FSU Jena nehmen daher zusammen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung die 100. Wiederkehr der Gründung der USPD zum Anlass, um im Rahmen eines wissenschaftlichen Kolloquiums die Geschichte dieser Friktionen und historischen Interpretationen gemeinsam aufzugreifen und neu zu diskutieren.

Organisation und Leitung:

Andreas Braune
(Forschungsstelle Weimarer Republik)

Stefan Müller
(Friedrich-Ebert-Stiftung)

Mario Hesselbarth
(Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Freie Teilnahme am Kolloquium nach Anmeldung bis zum 3. April 2017 unter:
andreas.braune@uni-jena.de

Programm

Vormittag: Die Entstehung der USPD im Spannungsfeld von Krieg und Frieden

9:00 Uhr-9:30 Uhr Begrüßung und Einführung

9:30-11:00 Uhr: Burgfrieden oder Burgkrieg? Die deutsche Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg

Wolfgang Kruse (Hagen):
Zwischen Opposition und Integration. Die Spaltung der deutschen Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg

Max Bloch (Köln):
Die Burgfriedenspolitik der SPD: Wegmarke der parlamentarischen Demokratie?

Stefan Bollinger (Berlin):
Staatstragend, revolutionär oder ein dritter Weg? Deutsche Linke im Ersten Weltkrieg zwischen Anpassung und konsequenter Kriegsgegnerschaft

11:15-12:45 Uhr: Wege zum Frieden: parlamentarischer Verständigungsfrieden oder revolutionärer Massenstreik?

Thilo Scholle (Berlin):
Das Gebot der Stunde. Die USPD und die Friedensfrage

Marcel Bois (Hamburg):
„Krieg dem Kriege“. Spartakusgruppe und Friedensbewegung 1916-1918

Walter Mühlhausen (Heidelberg):
Die Erosion des Burgfriedens: Die Spaltung der Sozialdemokratie und der Versuch eines parlamentarischen Verständigungsfriedens

12:45-13:45 Uhr: Mittagspause

Nachmittag: Revolution oder Reform? Die USPD zwischen Parlamentarismus und Bolschewismus

13:45-14:45 Uhr: Wege in die Revolution, Wege in der Revolution: Rätemodell vs. Parlamentarische Demokratie

Mike Schmeitzner (Dresden):
Diktatur als Demokratie? Karl Kautsky und die Perspektiven der Macht

Bernd Braun (Heidelberg):
„Der Geburtstag der deutschen Demokratie“ – Die Regierung Max von Baden als Ausgangs- oder Endpunkt sozialdemokratischer Systemziele?

14:45-15:45 Uhr: Metropole und Provinz: Revolution und USPD in Berlin und Gotha

Axel Weipert (Berlin):
Eine zweite Revolution durch die Räte? Die USPD-Linke 1919/20

Stefan Gerber (Jena):
Das „rote“ Gotha in Revolution und Kapp-Putsch: Ereignis und Geschichtspolitik

Moderation: Steffen Raßloff (Erfurt)

15:45-16:15 Uhr: Kaffeepause

16:15-17:00 Uhr: Die USPD zwischen KPD und SPD & Abschlussdiskussion

Reiner Tosstorff (Mainz):
Das Ende der USPD als Massenpartei: zwischen der sich etablierenden parlamentarischen Demokratie und der bolschewistischen Revolution

19:00 Uhr: öffentliche Abendveranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und des Weimarer Republik e.V.

„Vor hundert Jahren: Die Spaltung der deutschen
Arbeiterbewegung und die Gründung der USPD in Gotha“
Vortrag von Hartfrid Krause

Anschließend: Diskussion mit Steffen Kachel (Erfurt)
und Walter Mühlhausen (Heidelberg)

Moderation: Peter Reif-Spirek

Freie Teilnahme am Kolloquium nach Anmeldung bis zum 3. April 2017 unter:
andreas.braune@uni-jena.de

Kontakt

Andreas Braune

Forschungsstelle Weimarer Republik
Carl-Zeiss-Straße 3, 07743 Jena
+49 3641 945427
+49 3641 945432
andreas.braune@uni-jena.de

Zitation
100 Jahre Gründung der USPD: Wissenschaftliches Kolloquium zur Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung, 06.04.2017 Gotha, in: H-Soz-Kult, 01.03.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-33414>.