Transnationale Schweiz: Netzwerke paramilitärischer Gewalt im 20. Jahrhundert. Nachwuchsworkshop Militärgeschichte

Ort
Zürich
Veranstaltungsort
ETH Zürich/Universität Zürich
Veranstalter
Dr. Adrian Hänni (FernUni Schweiz), Daniel Rickenbacher (ETH Zürich), Thomas Schmutz (Universität Zürich), Dr. des. Fritz Kälin (Universität Zürich)
Datum
10.11.2017
Bewerbungsschluss
01.07.2017
Von
Adrian Hänni, Daniel Rickenbacher

Paper Proposals: Senden Sie einen Arbeitstitel, einen Abstract von 200-400 Wörtern und einen kurzen CV an adrian@adrianh.ch.

Deadline: 1. Juli 2017

Politische Gewalt und Bedrohungen für die staatliche Sicherheit sind häufig nicht mehr durch den klassischen Dualismus „militärische Invasion von aussen“ oder „Rebellion/Revolution im Inneren“ charakterisiert, sondern gehen vielmehr oft von transnationalen paramilitärischen Netzwerken aus. Das gilt nicht nur in Bezug auf die medial sehr präsente Gefahr durch dschihadistischen Terrorismus. Auch an sich traditionelle Mächte wie Russland üben Gewalt ausserhalb des eigenen Territoriums nicht nur durch reguläre Streitkräfte, sondern zunehmend durch transnationale, paramilitärische Strukturen aus, wie sich beim Waffengang in der Ostukraine deutlich gezeigt hat. Auch wenn sich hier ein Trend im 21. Jahrhundert zu akzentuieren scheint, spielten transnationale paramilitärischen Netzwerke bereits im 20. Jahrhundert eine bedeutende Rolle als Akteure politischer Gewalt. Die formal neutrale Schweiz nahm für diese Netzwerke immer wieder eine zentrale Rolle ein als Ort für Organisation, Nachschub, Propaganda, Diplomatie und gelegentlich auch als Gewaltschauplatz.

Im Hinblick auf ein besseres Verständnis aktueller Formen politischer Gewalt und (para-)militärischer Bedrohungslagen bietet sich deshalb eine historische Analyse an. Der Workshop soll sowohl anhand konkreter Fallstudien als auch durch eine abschliessende Syntheseleistung vertieft die Strukturen und Wirkungsweisen transnationaler paramilitärischer Netzwerke untersuchen, die im 20. Jahrhundert in der Schweiz wirksam waren. Dazu suchen wir Forschungsprojekte, die sich in irgendeiner Form mit dem Workshop-Thema auseinandersetzen. Insbesondere sind wir an Beiträgen zu folgenden Themenfeldern interessiert:

1) Emigranten und Exildissidenten, die in der Schweiz Knotenpunkte von paramilitärischen Netzwerken gebildet haben.
(Beispiele sind russische Anarchisten beziehungsweise Sozialrevolutionäre und Jungtürken zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit dem FLN verbundene Algerier und dann Palästinenser in der Zeit des Kalten Kriegs, oder Albaner im Umkreis der UCK in den 1990er Jahren.)

2) Schweizer Akteure – Organisationen, Institutionen, Einzelpersonen – die in transnationale paramilitärische Netzwerke integriert waren.
(Beispiele sind Unterstützungsnetzwerke für die terroristische OAS während des Algerienkriegs, für militante Palästinenser ab den späten 1960er Jahren oder für linksrevolutionäre „Stadtguerillas“ in Deutschland und Italien in den 1970er/1980er Jahren.)

3) Transnationale paramilitärische Netzwerke, die in der Schweiz Gewalt gegen Exildissidenten bzw. politische Gegner ausübten.
(Beispiele sind die Anschläge der Main Rouge gegen Unterstützer des algerischen Unabhängigkeitskampfes oder später die Attentate auf rumänische Dissidenten, verübt von einer militanten Organisation im Solde des rumänischen Geheimdienstes, der auch Schweizer angehörten.)

Neben der Besprechung empirischer Erkenntnisse bietet die Tagung den zusammenkommenden Nachwuchswissenschaftlern ausserdem Gelegenheit, verschiedene qualitative und quantitative Ansätze zur Erforschung transnationaler paramilitärischer Beziehungsnetze, wie etwa die in der Historiographie bislang noch wenig ein-gesetzte Soziale Netzwerkanalyse, zu diskutieren und sich über spezifische Probleme bei der Recherche und Analyse von Quellenmaterial zu transnationalen politischen Akteursnetzen auszutauschen.

Der Workshop wird finanziell unterstützt vom Arbeitskreis Militärgeschichte (AKM). Es steht ein Budget für Reisekostenzuschüsse zur Verfügung; insbesondere Doktoranden können die Reisekosten erstattet werden. Mittagessen und Verpflegung während des Workshops sind für die Teilnehmer kostenlos.

Für weitergehende Fragen wenden Sie sich bitte an die Organisatoren:
Adrian Hänni (adrianh@adrianh.ch) und Daniel Rickenbacher (daniel.rickenbacher@milak.ethz.ch).

Kontakt

Adrian Hänni

FernUni Schweiz
Ueberlandstrasse 12, CH-3900 Brig

adrian@adrianh.ch

Zitation
Transnationale Schweiz: Netzwerke paramilitärischer Gewalt im 20. Jahrhundert. Nachwuchsworkshop Militärgeschichte, 10.11.2017 Zürich, in: H-Soz-Kult, 21.04.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-33915>.
Redaktion
Veröffentlicht am
21.04.2017
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