Polyvalenz der Tyrannis. Figurationen eines Herrschaftskonzepts in Mittelalter und Früher Neuzeit

Ort
Gießen
Veranstaltungsort
Schloss Rauischholzhausen
Veranstalter
Dr. Julia Gold, wiss. Mitarbeiterin im DFG-Projekt ‚Inszenierungen von Heiligkeit im Kontext der konfessionellen Auseinandersetzungen‘, JLU Gießen; Dr. Christoph Schanze, wiss. Mitarbeiter der Professur für Deutsche Literaturgeschichte der JLU Gießen (Schwerpunkt Mittelalter/Frühe Neuzeit); Prof. Dr. Stefan Tebruck, Professor für mittelalterliche Geschichte an der JLU Gießen
Datum
24.09.2018 - 26.09.2018
Bewerbungsschluss
30.09.2017
Von
Julia Gold

Überlegungen, was unter gerechter Herrschaft zu verstehen sei und wie Herrschaft, Macht und ihre Ausübung legitimiert werden können, sind nicht zuletzt angesichts der jüngsten politischen Ereignisse virulent. Innerhalb des Forschungsfeldes ›Macht – Herrschaft – Gewalt‹ stellt die Figur des Tyrannen in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht ein Grenz- und Ausnahmephänomen dar. Bereits seit der Antike sind mit der Zuschreibung ›Tyrann‹ sowohl politisch-rechtliche als auch moralische Wertungen verknüpft. Damit stehen Beschreibungsmuster für den idealen wie für den tyrannischen Herrscher zur Verfügung, welche die Auseinandersetzung mit dem Konzept der Tyrannis nicht selten zum Kampf zwischen Gut und Böse stilisieren. Über theologische Diskurse wird dieses Wissen dem Mittelalter zugänglich, wo es in spezifischer Weise fortentwickelt wird. Dass die Tyrannis selbst bereits polyvalent ist, dass mithin der Herrscher und sein System je neu zu analysieren sind, wurde bislang kaum in den Blick genommen. Eben diese auf verschiedenen Semantisierungen des Konzepts beruhende Polyvalenz der Tyrannis zwischen antiken Mustern und mittelalterlich-frühneuzeitlicher Aktualisierung wollen wir ins Zentrum der Tagung stellen.
Entscheidend für die Annäherung an den Begriff ›Tyrann‹ und das damit zusammenhängende Herrschaftskonzept sind v.a. Zuschreibungen durch andere. Zu fragen ist, wer wen wann wie und warum als Tyrann kennzeichnet. Bezogen sind diese Zuschreibungen stets auf die Gemeinschaft, zugleich aber auch auf das ›Individuelle‹ der als ›Tyrann‹ bezeichneten Person oder Figur, wobei der Begriff in der Regel instrumentalisiert wird: als Waffe, die eigenen Zwecken dient.
Eben diese Multifunktionalität und Polyvalenz der Tyrannis, die in einem reziproken Verhältnis zu je spezifischen Ordnungssystemen steht, wollen wir in interdisziplinärer Perspektive analysieren. Die Frage, wie und warum im Mittelalter vom Tyrannen (und seinem Ende) erzählt wird, wurde bislang aus mediävistisch-literaturwissenschaftlicher Sicht nicht gestellt. Mit dem spezifischen Zuschnitt auf die Bedeutung der Polyvalenz für das Tyrannis-Konzept ist das Thema aber auch für die Geschichtswissenschaft und die Kunstgeschichte reizvoll. Ebenso ist es für weitere mediävistische Disziplinen anschlussfähig. Im Rahmen der Tagung sollen die unterschiedlichen historischen Codierungen von ›Tyrannis‹ herausgearbeitet werden. Wir gehen davon aus, dass diese gerade im interdisziplinären Zugriff pointiert aufgezeigt werden können.

Vortragsvorschläge in Form eines kurzen Abstracts (ca. 1/2 Seite) senden Sie bitte bis 30. September 2017 an: julia.gold@germanistik.uni-giessen.de.

Zitation
Polyvalenz der Tyrannis. Figurationen eines Herrschaftskonzepts in Mittelalter und Früher Neuzeit, 24.09.2018 – 26.09.2018 Gießen, in: H-Soz-Kult, 10.07.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-34616>.