Zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Gedenkstätten und die Herausforderungen des Rechtspopulismus. 11. Landesgedenkstättentagung in Schleswig-Holstein

Ort
Bad Malente
Veranstaltungsort
Gustav-Heinemann-Bildungsstätte, Schweizer Straße 58 23714 Bad Malente
Veranstalter
Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten; Evangelische Akademie der Nordkirche; Gustav-Heinemann-Bildungsstätte; Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein; Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein
Datum
15.09.2017 - 17.09.2017
Von
Schmid, Harald

Rechtspopulistische Haltungen und Aussagen prägen den heutigen gesellschaftlichen Diskurs. „Postfaktische“ Meinungsäußerungen und persönliche Angriffe dominieren Kommentare im Internet, Demonstrationen gegen Zuwanderung und „Mainstream-Medien“ sind nicht nur in Dresden zu sehen. Die gesellschaftliche Polarisierung in Europa wird immer dramatischer. Rechtspopulistische Akteure verweigern differenzierte Problemanalysen und propagieren scheinbar einfache Lösungen, grenzen aus und vergiften das politische Klima.

Diese Spannungen und Herausforderungen betreffen auch die Gedenkstätten und Erinnerungsorte. Wir wollen auf der Landesgedenkstättentagung 2017 über Ursachen und Gründe für das Erstarken des Rechtspopulismus diskutieren und fragen, welche Folgen für unsere Gesellschaft daraus entstehen. Vor allem wollen wir aber auch darüber ins Gespräch kommen, wie Gedenkstätten, Erinnerungsorte und (politisch-historische) Bildungsarbeit auf diese Tendenzen reagieren können.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Mirjam Gläser
Uta Körby
Dr. Kilian Lembke
Dr. Stephan Linck
Dr. Jens Rönnau
Dr. Harald Schmid
Thomas Tschirner

Programm

Freitag, 15. September

17:00 Uhr Ankommen
18:00 Uhr Abendessen

19:00-21:00 Uhr Eröffnung, Abendvortrag und Diskussion
Begrüßung: Dr. Kilian Lembke, Gustav-Heinemann-Bildungsstätte
Einführung: Uta Körby, Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein
Vortrag: Zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Gedenkstätten und die Herausforderungen des Rechtspopulismus
Dr. Michael Kohlstruck, Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin
Moderation: Dr. Harald Schmid, Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten

Samstag, 16. September

08:00 Frühstück
09:30 – 12:00 Erstarkender Rechtspopulismus: Ursachen und Reaktionsmöglichkeiten – Impulsvorträge und Diskussion
Impulsvorträge:
Referent/in der Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus Schleswig-Holstein (RBT SH)
Dr. Jürgen Brüggemann, Landesvorsitzender VVN-BdA Schleswig-Holstein

10:30 – 11:00 Kaffeepause

11:00 - 12:00 Podiumsdiskussion: Bekämpfen, Ausgrenzen, Ernstnehmen oder Ignorieren – Wie umgehen mit rechtspopulistischen Akteuren?
Referent/in der Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus Schleswig-Holstein (RBT SH)
Dr. Jürgen Brüggemann
Astrid Willer, Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V, Projekt diffairenz im IQ Netzwerk SH
Joachim Nolte, Beauftragter Kirche und Rechtsextremismus des Ev.-Luth. Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg
Moderation: Dr. Stephan Linck, Evangelische Akademie der Nordkirche/Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten

12:00 – 13:00 Mittagessen

14:30 – 18:00 Workshops: Welche gesellschaftspolitischen Aufgaben stellen sich den Gedenkstätten und der Erinnerungskultur durch den Rechtspopulismus?
Einführung: Heino Schomaker, Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

Workshop 1: Rechtspopulismus: Konfliktfelder und Handlungsoptionen für die Gedenkstättenarbeit
Leitung: Referent/in der Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus Schleswig-Holstein (RBT SH)
Rechtspopulismus in Deutschland ist in den letzten Jahren in verschiedenen Themenfeldern verstärkt sichtbar geworden, unter anderem in der Agitation gegen geflüchtete Menschen. Zugleich wird er zunehmend als Phänomen thematisiert, mit dem es als kritische Zivilgesellschaft einen Umgang zu finden gilt. In dem Workshop werden Berührungspunkte, die in der Gedenkstättenarbeit mit rechtspopulistischen Argumentationen und Agitationen auftreten können, identifiziert. Anhand dieser Konfliktfelder werden im Anschluss Handlungsoptionen entwickelt und diskutiert. Hierbei können sowohl argumentative als auch strategische Ansätze eine Rolle spielen.

Workshop 2: Gedenkstättenarbeit in einer pluralistischen und migrantischen/postmigrantischen Gesellschaft
Leitung: Dr. Susann Lewerenz, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg
Durch die zunehmende Pluralität der Gesellschaft und die geschärfte Wahrnehmung der – historischen wie aktuellen – Dynamiken der Globalisierung werden neue Wissens- und Deutungselemente und damit verbundene Fragen an Geschichte des Nationalsozialismus herangetragen. Ausgehend von dem Beispiel des laufenden Projekts „Rassismen in Kolo-nialismus und Nationalsozialismus. Formen – Funktionen – Folgen“ wird in diesem Workshop darüber diskutiert, welche Rolle global- und verflechtungsgeschichtliche Perspektiven für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der postmigrantischen Gegenwart spielen können.

Workshop 3: Spannungsfeld Gedenkstätten – Abwehr, Konsens, neue Herausforderungen
Leitung: Dr. Detlef Garbe, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg
Im Umgang mit den Stätten des NS-Terrors spiegelt sich das jeweilige gesellschaftliche Bewusstsein. In den 1950er-Jahren wollte die Mehrheit der Bevölkerung nicht erinnert werden an die NS-Zeit und ihre frühere große Zustimmung zum Hitlerregime – Schuldabwehr war bestimmend. Erst Anfang der 1980er-Jahre konnte im Zuge des Generationenwechsels die Erinnerung an die NS-Verbrechen nach und nach durchgesetzt werden. Die in einem mühsamen Prozess gesellschaftlicher Verständigung erstrittene und gefestigte bundesdeutsche Erinnerungskultur wird heute von dem erstarkenden Rechtspopulismus infrage gestellt. Der Workshop fragt nach den Gründen dieser Entwicklung.

Workshop 4: Die Rolle von Gedenkstätten in postfaktischen Zeiten
Leitung: Dr. Thomas Lutz, Stiftung Topographie des Terrors, Berlin
Der US-amerikanische Wahlkampf, die Abstimmung um den „Brexit“ und diverse Äußerungen von Rechtspopulisten zeigen: Vermeintlich sicher geglaubte Fakten haben Konkurrenz bekommen – auch durch sogenannte „alternative Fakten“. Jedoch nicht nur Rechtspopulisten ignorieren zunehmend Tatsachen und akzeptieren offensichtliche Lügen im sozio-politischen Diskurs. Für die Gedenkstättenarbeit stehen gerade in postfaktischen Zeiten folgende Fragen im Raum: Inwiefern müssen sich Gedenkstätten auf neue Interpretations- und Umdeutungsdebatten um (historische) Fakten einstellen? Wie können Gedenkstätten diesen Umdeutungen begegnen? Welche Rückschlüsse lassen sich für die Gedenkstättenarbeit vor Ort ziehen? Als Untersuchungsgrundlage dienen die Debatten um ausgewählte mitteleuropäische Orte des Erinnerns und Gedenkens.

Abendessen: 18:30 – 19:30

19:30 Abendveranstaltung: „Die Blumen von gestern“, Chris Kraus, D 2016 – Filmvorführung und Diskussion
Einführung und Moderation: Dr. Eckhard Pabst, Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien, Christan-Albrechts-Universität zu Kiel/Kommunales Kino in der Pumpe, Kiel

Sonntag, 17. September

08:00 Frühstück
09:30 - 10:30: Von der NPD zur AfD: Rechtsextremismus und -populismus im Schleswig-Holsteinischen Landtag von 1967 bis 2017 – Vortrag und Diskussion
Vortrag: Dr. Harald Schmid, Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten
Moderation: Dr. Christian Walda, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf/Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten

10:30 – 11:00 Kaffeepause

11:00 -11:30 Rechtspopulismus und Gedenkstätten in Schleswig-Holstein – Vorstellung und Diskussion der Workshop-Ergebnisse
Moderation: Heino Schomaker, Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

11:30 – 12:30 Perspektiven der Gedenkstättenpolitik und -arbeit in Schleswig-Holstein – Vortrag und Diskussion
Karin Prien, Ministerin für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein (angefragt)
Moderation: Uta Körby

12:30 – 13.30 Mittagessen

13:30 – 14:00 Evaluation der Tagung

Veranstaltungsort und Anmeldung
Gustav-Heinemann-Bildungsstätte
Schweizer Str. 58, 23714 Bad Malente
Tel. 04523/88097-0, Fax 04523/88097-28
info@heinemann-bildungsstaette.de

Tagungsgebühr
Die Seminargebühr beträgt 99 Euro und schließt die Tagungskosten, Unterkunft und Verpflegung mit ein.
Ermäßigt 49 Euro für ehrenamtliche Mitarbeiter/innen von Gedenkstätten.
Ermäßigt 29 Euro für Schüler/innen und Studierende.
Einzelzimmerzuschlag 10 Euro/Nacht.

Unterstützt durch den Landesbeauftragten für politische Bildung Schleswig-Holstein

Kontakt

Harald Schmid

Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten

harald.schmid@gedenkstaetten-sh.de

Zitation
Zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Gedenkstätten und die Herausforderungen des Rechtspopulismus. 11. Landesgedenkstättentagung in Schleswig-Holstein, 15.09.2017 – 17.09.2017 Bad Malente, in: H-Soz-Kult, 27.07.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-34729>.