Linke Zwischengruppen – vor, mit und jenseits der Neuen Linken in beiden deutschen Staaten

Ort
Hamburg
Veranstaltungsort
Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH), Beim Schlump 83, 20144 Hamburg
Veranstalter
Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH), Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)
Datum
12.10.2017 - 13.10.2017
Bewerbungsschluss
04.10.2017
Von
Maike Raap

Die politische Geschichte der Arbeiterbewegung war im 20. Jahrhundert auch von ihren Spaltungen geprägt. In der Weimarer Republik entstanden aus Abspaltungen von SPD und KPD die sogenannten „Zwischengruppen“, kleinere Gruppierungen wie die KPO, SAP oder der Leninbund. Was blieb 1945 nach den Jahren der Verfolgung und des Exils von diesen häufig intellektuell kraftvollen, aber politisch meist einflusslosen Gruppen? Wie wirkten die ehemaligen Akteure nach 1945, welche Netzwerke oder Organisationen wurden wiederbelebt? Warum erhielten gerade die Zwischengruppen in der Neuen Linken seit den 1960er Jahren erneut Aufmerksamkeit? Waren sie einen Art ‚Neue Linke‘ avant la lettre, oder galten sie den Nachgeborenen vor allem als nicht durch Macht und Regierungsbeteiligung korrumpiert und daher intellektuell attraktiv? In den Beiträgen der Konferenz wird nach intellektuellen, aber auch politischen Einflüssen und biografischen Zugängen gefragt. So können Ort und Einfluss der ehemaligen Angehörigen der Zwischengruppen und ihrer politischen Konzeptionen in der Bundesrepublik und der DDR sowie Ausstrahlungen nach Osteuropa erkundet werden.
Im Archiv der FZH befinden sich die Bestände der KPO, die meist von der Gruppe Arbeiterpolitik gesammelt wurden.

Programm

Donnerstag, 12. Oktober 2017
13.30-14.15 Uhr Begrüßung und Einführung
Begrüßung: Kirsten Heinsohn (Hamburg)
Einführung: Knud Andresen (Hamburg)

14.15-15.30 Uhr Sektion 1: Kontinuitäten und Rezeptionen
Marcel Bois (Hamburg): Vergessen, verdrängt und wiederentdeckt. Zur Rezeption des Linkskommunismus der Zwischenkriegszeit in der Bundesrepublik
Willy Buschak (Bochum): Kontinuitäten und Brüche im europäischen Linkssozialismus nach 1945
Moderation: Axel Schildt (Hamburg)

16.00-17.30 Uhr Sektion 2: Der Blick in den globalen Süden
Natalija Dimić (Belgrad): Forging an Ideological Alliance: Yugoslavia and German Left Socialists in the Late 1940s and Early 1950s
Michael Frey (Dortmund): Ideologische Brücken zwischen den dreißiger und sechziger Jahren? Trotzkistische Intellektuelle, die entstehende Neue Linke und der (geteilte) Weg in die Dritte Welt
Moderation: Knud Andresen (Hamburg)

18.00-19.30 Uhr Öffentliche Abendveranstaltung
Jens Becker (Düsseldorf): Heinrich Brandler – Anmerkungen zum 50. Todestag
Mario Keßler (Potsdam/ New York): Theodor Bergmann - Kommunistischer Kritiker des Sowjet-Kommunismus (1916-2017)
Die öffentliche Abendveranstaltung ist zwei Akteuren der Zwischengruppen gewidmet, die auch nach 1945 politisch wirkten. Heinrich Brandler (1881-1967) war einer der führenden Köpfe der KPO in der Weimarer Republik, der nach seiner Rückkehr aus dem Exil die Gruppe Arbeiterpolitik in der Bundesrepublik prägte. Theodor Bergmann (1916-2017) trat noch als Jugendlicher der KPO bei und nach der Rückkehr aus dem Exil der Gruppe Arbeiterpolitik. Nach seiner Emeritierung als Professor für Agrarwissenschaften prägte er die Geschichtsschreibung über KPO und die linken Zwischengruppen nachhaltig.
Moderation: Ralf Hoffrogge (Bochum)

Freitag, 13. Oktober 2017
9.15 -10.45 Uhr Sektion 3: Osteuropäische Auseinandersetzungen
Martina Metzger (Planegg): Die Kontakte der DDR-Dissidenten Robert Havemann und Wolf Biermann zu westeuropäischen linken Zwischengruppen und gleichgesinnten Exilkommunisten in den 1970er bis 1980er Jahren
Dirk Mathias Dalberg (Bratislava): Die tschechische „Bewegung der revolutionären Jugend“ und ihre ideologischen Verbindungen zu deutschen linken Zwischengruppen
Moderation: Uwe Sonnenberg (Berlin)

11:00 – 12.30 Uhr Sektion 4: Biografische Dimensionen in etablierten Organisationen
Jens Becker (Düsseldorf): "Die Arbeiterbewegung (...) hat sich die große Aufgabe gestellt, unsere Gesellschaftsordnung zu verbessern und umzugestalten." Otto Brenners Politik- und Gewerkschaftsansatz in der frühen Bundesrepublik
Philipp Kufferath (Bonn/Köln): Netzwerke, Lernprozesse und Traditionsstiftung. Peter von Oertzen und die Erfahrungswelten der Weimarer Zwischengruppen nach 1945
Moderation: Yvonne Robel (Hamburg)

13.30-15.00 Uhr Sektion 5: Biografische Dimensionen außerhalb etablierter Organisationen
Michael Buckmiller (Hannover): Wolfgang Abendroth - Von der "Freien Sozialistischen Jugend" zur linkssozialistischen Erneuerung in der Bundesrepublik
Hartmut Rübner (Berlin): Antiautoritäre Jugend, Freidenkerwiderstand und Heimatlose Linke. Der Grenzgänger Fritz Parlow (1905-1983)
Moderation: Mario Keßler (Potsdam/ New York)

15.00-15.30 Abschlussdiskussion

Anmeldungen zur Tagung werden bis zum 4.10.2017 erbeten per E-Mail an Joana Betke (FZH): betke@zeitgeschichte-hamburg.de
Für die öffentliche Abendveranstaltung am 12.10.2017 ist keine Anmeldung notwendig.

Kontakt

Knud Andresen

Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH)
Beim Schlump 83, 20144 Hamburg
040/ 4313970
040/43139740
andresen@zeitgeschichte-hamburg.de

Zitation
Linke Zwischengruppen – vor, mit und jenseits der Neuen Linken in beiden deutschen Staaten, 12.10.2017 – 13.10.2017 Hamburg, in: H-Soz-Kult, 06.09.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-34933>.
Redaktion
Veröffentlicht am
06.09.2017
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