Kulturelle Vernetzung in Europa. Das Magdeburger Recht und seine Städte

Ort
Magdeburg
Veranstaltungsort
Kulturhistorisches Museum Magdeburg
Veranstalter
Kulturhistorisches Museum Magdeburg in Kooperation mit dem Zentrum für Mittelalterausstellungen und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
Datum
05.10.2017 - 07.10.2017
Bewerbungsschluss
20.09.2017
Von
Dr. Christina Link

Die wichtige Rolle von städtischen Zentren und die Ausweitung urbanen Lebens im hohen und späten Mittelalter sind Phänomene, die die Geschichte ganz Europas kennzeichnen. Mit der »okzidentalen Stadt des Mittelalters«
(M. Weber) wurde der Idealtypus dieser europäischen Stadt beschrieben und geradezu als Charakteristikum und konstitutives Element Europas benannt (L. Benevolo). In Mittel- und Osteuropa ging dieser Prozess der Urbanisierung mit dem Transfer bzw. der Rezeption von Stadtrechten
einher; eines der herausragenden Phänomene von Austausch und kultureller Vernetzung in mittelalterlicher Zeit. Im Zentrum dieses Vorganges standen Stadtrechte und Rechtskomplexe wie das sächsisch-magdeburgische Recht, eine Verbindung von Stadt-, Land- und Lehnrecht, die in besonderer Weise Verbreitung fand und eine der größten »Rechtsfamilien« begründete.
Die Tagung nimmt die Rezeption und Adaption des sächsisch-magdeburgischen Rechts in Ostmitteleuropa zum Ausgangspunkt für eine interdisziplinäre Betrachtung von Stadtkultur in dieser Region. Dabei stehen zunächst die Mechanismen des Rechtstransfers und die Formen des Rechtskontaktes sowie die Methoden der Aneignung rechtlicher Inhalte im Mittelpunkt. Sodann wird der Blick geweitet auf die Herausbildung spezifischer Stadtverfassungen im Bereich des sächsisch-magdeburgischen Rechts und auf die Formierung einer oft multiethnischen Stadtgesellschaft. Stadtkultur und Stadtgestalt runden dann den Blick auf die »Städte des Magdeburger Rechts« ab.
In Kooperation mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und dem Zentrum für Mittelalterausstellungen veranstaltet das Kulturhistorische Museum Magdeburg diese wissenschaftliche Fachtagung in Vorbereitung eines Ausstellungsprojektes im Jahr 2019/20, das sich der »Faszination Stadt« widmen wird.
Anmeldung bis zum 20.09.2017 unter Tel. 0391/5403501 oder per Email: museen@magdeburg.de

Programm

Donnerstag, 5. Oktober 2017
13:00 Begrüßung
13.30 Einführung | Heiner Lück (Halle/Saale): Das sächsisch-magdeburgische Recht als Bindeglied zwischen den Rechtsordnungen Ost- und Mitteleuropas

Sektion I: Rechtsräume und Rechtstransfer
15.00 Stephan Dusil (Leuven): Stadtrechtsfamilien, Rechtsräume und die Verbreitung des Magdeburger Rechts. Überlegungen zu Konzepten und Forschungsproblemen
15.45 Heiner Lück (Halle/Saale): Institutionen der lokalen Ausformung und Verbreitung sächsisch-magdeburgischen Rechts. Funktionen, Strukturen, Wirkungen (Oberhöfe und Schöffenstühle)
16.30 Roman Czaja (Toruń): Der Deutsche Orden und die Städte: Landesausbau als Rahmen des Rechtstransfers
17.15 Wieland Carls (Leipzig): Rechtsanfragen und Rechtssprüche. Zur Praxis des Rechtsverkehrs mit dem Magdeburger Schöppenstuhl

19.30 Öffentlicher Abendvortrag | Bernd Schneidmüller (Heidelberg): Die Geschichte der Stadt als Wurzel des Rechts. Magdeburgs Strahlkraft im spätmittelalterlichen Europa

Freitag, 6. Oktober 2017
Sektion II: Rechtsaneignung und Rechtsbearbeitung
09.00 Maciej Mikuła (Kraków): Magdeburger Weichbildrecht: seine Entwicklung und Bedeutung im Königtum Polen
09.45 Bernd Kannowski (Bayreuth): Zu Verbreitung und Rezeption der Buchschen Glosse in spätmittelalterlichen Städten
10.30 Danuta Janicka (Toruń): Die Preußische Korrektur von 1598 als Unterbrechung der historischen Entwicklung des deutschen Rechts auf polnischem Territorium
11.15 Marija Lazar (Leipzig): Übersetzen, übertragen, deuten. Übersetzungspraktiken als Einflussfaktor für den Transfer des sächsisch-magdeburgischen Rechts in Ostmitteleuropa

Sektion III: Stadtverfassungen
13.00 Matthias Puhle (Magdeburg): Rat und Schöppenstuhl – Das Ringen um die Macht im mittelalterlichen Magdeburg
13.45 Jolanta Karpavičienė (Vilnius): „Nach unserem Magdeburger Recht“: Zur Frage der Stadtbürger-Identität im Großfürstentum Litauen
14.30 Olga Kozubska-Andrusiv (Lviv): Stadtverfassung in Städten der heutigen Ukraine
15.15 Gerhard Dilcher (Frankfurt/Main): Die kommunale Stadtverfassung des Mittelalters als europäisches Modell

16.00 Stadtführung oder Führung durch die Sonderausstellung „Gegen Kaiser und Papst“ (nach Wahl, um Anmeldung wird gebeten)

Samstag, 7. Oktober 2017
Sektion IV: Soziale Gruppen der Stadtgesellschaft
09.00 András Végh (Budapest): Ethnic diversity and common law. The example of medieval Buda
09.45 Jürgen Heyde (Leipzig): Armenier in Lemberg und Krakau
10.30 Zdzisław Noga (Kraków): Soziale Gruppen in Städten Kleinpolens: Deutsche und Juden

Sektion V: Bildung und Schriftkultur
11.30 Martin Kintzinger (Münster): Schrift und Recht. Wissenspolitik städtischer Räte im Spätmittelalter
12.15 Christian Speer (Halle/Saale): Stadtbücher im Magdeburger Rechtskreis
14.00 Markus Späth (Gießen): Die Bildlichkeit von Stadtsiegeln im Mittelalter

Sektion VI: Stadträume
14.45 Jerzy Piekalski (Wrocław): Prag, Breslau und Krakau. Drei Varianten der Frühform der Stadt
15.30 Christofer Herrmann (Gdańsk) und Felix Biermann (Göttingen): Die Stadtgründungen im Ermland im 14. Jh. und die Stadtwüstung Alt-Wartenburg (Barczewko)
16.15 Claus-Peter Hasse (Magdeburg): Magdeburg und seine Rechtssymbole
17.00 Zusammenfassung und Schlussdiskussion
17.30 Ende der Veranstaltung

Kontakt

Dr. Christina Link
Zentrum für Mittelalterausstellungen
Otto-von-Guericke-Str. 68-73
39104 Magdeburg
link@mittelalterausstellungen.de
Tel. 0391/5403581

Anmeldung unter Tel. 0391/5403501 oder per Email: museen@magdeburg.de

Zitation
Kulturelle Vernetzung in Europa. Das Magdeburger Recht und seine Städte, 05.10.2017 – 07.10.2017 Magdeburg, in: H-Soz-Kult, 10.09.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-34962>.