Schwaben und Franken. Regionalgeschichte im Vergleich

Ort
Memmingen
Veranstaltungsort
Rathaus Memmingen, Marktplatz 1, 87700 Memmingen, Sitzungssaal im Erdgeschoss
Veranstalter
Memminger Forum für Schwäbische Regionalgeschichte e.V.
Datum
17.11.2017 - 19.11.2017
Bewerbungsschluss
10.11.2017
Von
Dietmar Schiersner

Was haben die Schwaben und die Franken gemeinsam - außer daß sie beide auf mehrere Bundesländer - Baden-Württemberg und Bayern - verteilt sind, daß sie zum Beispiel Bayern sind, und es gleichzeitig nicht sind? Die Zuordnung Frankens und Schwabens und seiner Bewohner zu den politischen Landschaften der Gegenwart ist heute vor dem Hintergrund der Infragestellung ethnischer Identitäten und kultureller Eigenheiten nicht einfacher geworden. Gleichzeitig aber wird tatsächlich oder vermeintlich regional Typisches kultiviert und vermarktet.
Die Tagung des „Memminger Forums für schwäbische Regionalgeschichte“ möchte deswegen die historische Entstehung dieser Länder und ihrer politischen, gesellschaftlichen, kulturellen Eigenheiten, vor allem auch die sie verbindenden Aspekte in den Blick nehmen. Denn Franken und Schwaben entwickelten offenbar viele Gemeinsamkeiten, denkt man etwa an die außergewöhnlich zahlreichen Reichsstädte, die Vielzahl kleiner reichsritterschaftlicher Herrschaften oder die Berührungspunkte bei der Aufnahme oder aber Abwehr der Reformation. Letzteres z.B. brachte für einzelne Regionen eine bis heute augenfällige gemeinsame barocke Katholizität hervor, während viele evangelischen Gemeinden Schwabens jahrhundertelang immer wieder mit lutherischen Pfarrern aus Franken „versorgt“ wurden - um nur wenige, bis in die Gegenwart spürbare Verbindungen anzudeuten. Gemeinsam ist Franken und Schwaben nicht zuletzt die Integration in das Neue Bayern nach 1806. Jetzt erhielten beide historischen Landschaften und ihre zahlreichen vormals reichsunmittelbaren bzw. reichsständischen Herrschaften ein neues, gemeinsames Zentrum mit einer gemeinsamen Herrscherdynastie. Unter den neuen politischen Rahmenbedingungen erfolgte die Industrialisierung der Regionen und kam es - auch in Anknüpfung an ältere Strukturen - zu ökonomischen Entwicklungen, die ebenfalls bis heute prägend wirken.
In 15 Referaten und einem Abendvortrag zum spätmittelalterlichen Meistersang, der neben Augsburg und Nürnberg auch dem Tagungsort Memmingen gewidmet ist, werden viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Geschichte der benachbarten Regionen Schwaben und Franken aufgearbeitet. Die Tagung wird geleitet von den Landeshistorikern Prof. Dr. Georg Seiderer (Erlangen) und Prof. Dr. Dietmar Schiersner (Weingarten).

Programm

Freitag, 17. November 2017

14.00 Dietmar Schiersner, Weingarten / Georg Seiderer, Erlangen
Begrüßung
Einführung: Schwaben und Franken. Regionalgeschichte im Vergleich

Sektion I: Verwandte Strukturen?

14.30 Helmut Flachenecker, Würzburg
Entstehung und Ausformung von Regionen. Klöster und Stifte als Zentren mittelalterlicher Kulturlandschaften

15.15 Peter Fleischmann, Nürnberg
Reichsstädte im Fränkischen und Schwäbischen Reichskreis (östliches Viertel)

16.00 Kaffeepause

16.30 Fabian Schulze, Augsburg
Der Fränkische und der Schwäbische Reichskreis in der Frühen Neuzeit. Zwei supraterritoriale Organisationen

17.15 Andreas Flurschütz da Cruz, Bamberg
Reichsritterschaft(en). Der immediate niedere Adel Frankens und Schwabens

20.00 Klaus Wolf, Augsburg / Johannes Hoyer, Memmingen
Öffentlicher Abendvortrag: Die Meistersinger von Memmingen. Literaturgeschichtliche Bilanz mit Klangbeispielen

Samstag, 18. November 2017

Sektion II: Gemeinsame Geschichte(n)?

9.00 Stefan Xenakis, Sinntal
Die Söldnerlandschaften Schwaben und Franken zwischen Landshuter Erbfolgekrieg und Bauernkrieg

9.45 Veronika Heilmannseder, Würzburg
Die kirchliche Verwaltung als Konfessionalisierungs-Träger. Die Bistümer Augsburg und Würzburg

10.30 Kaffeepause

11.00 Cornelia Berger-Dittscheid, Maxhütte-Haidhof
Jüdische Gemeinden und Synagogen in Schwaben und Franken im 17. und 18. Jahrhundert

11.45 Andreas Link, Augsburg
„Herzgucker und Herzguckerinnen“. Zu den Erweckungsbewegungen im Allgäu und in Franken. Bedingungen, Protagonisten, Einflüsse

12.30 Mittagspause

14.30 Esteban Mauerer, München
Säkularisation, Mediatisierung und die Folgen. Übergang und Integration Frankens und Schwabens in den neuen bayerischen Staat

15.15 Katrin Holly, Augsburg
Zweimal Industrialisierung. Oberfranken und Schwaben im Vergleich

16.00 Kaffeepause

Sektion III: Komplexe Identitäten?

16.30 Dieter J. Weiß, München
Zwischen Historiographie und moderner Landesgeschichte. Historische Vereine als regionale Identitätsträger

Sonntag, 19. November 2017

9.00 Gerhard Lubich, Bochum
Typen der Regiogenese: Schwaben, Franken und ‚das Land am Kocher‘

9.45 Kurt Andermann, Freiburg i.Br.
Hohenlohe - zwischen Franken und Schwaben?

10.30 Kaffeepause

11.00 Eva Bendl, Oberschönenfeld
Geschichtsbegeisterung und Heimatliebe. Zur Entwicklung der historischen Museen in Schwaben und Franken

11.45 Schlußdiskussion, Ende der Tagung

Kontakt

Dr. Hans-Wolfgang Bayer

Kulturamt Memmingen, Ulmer Straße 19, 87700 Memmingen

0049 (0) 8331 850131

kulturamt@memmingen.de

Zitation
Schwaben und Franken. Regionalgeschichte im Vergleich, 17.11.2017 – 19.11.2017 Memmingen, in: H-Soz-Kult, 12.09.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-34972>.