Werkstattgespräch mit Gerd Kroske

Ort
Potsdam
Veranstaltungsort
Filmmuseum Potsdam, 21:00 Uhr
Veranstalter
moving history – Festival des historischen Films Potsdam
Datum
22.09.2017 - 22.09.2017
Von
Vanessa Jasmin Lemke

Gerd Kroske über seinen aktuellen Kinodokumentarfilm: PSYCHO RAF? – EINE GESCHICHTE DES SPK (AT)

Der Regisseur Gerd Kroske gibt Einblick in den Entstehungsprozess und die Arbeit an seinem neusten Dokumentarfilm PSYCHO RAF? – EINE GESCHICHTE DES SPK (AT) und bringt bereits fertiges Filmmaterial mit. 1970 begründete der Arzt Wolfgang Huber in Heidelberg gemeinsam mit Patienten das antipsychiatrische »Sozialistische Patientenkollektiv« (SPK). Umstrittene Therapiemethoden, politische Forderungen und der massive Zulauf von Patienten, die der üblichen »Verwahr–Psychiatrie« tief misstrauten, führten zum Konflikt mit der Universität Heidelberg, der sich bald zuspitzte und in die Radikalisierung des SPK mündete. Eine nicht geringe Anzahl von dem SPK zugerechneten Personen schloss sich der RAF an, darunter Klaus Jünschke, Gerhard Müller, Margrit Schiller, Lutz Taufer, Bernhard Rössner, Hanna Krabbe, Siegfried Hausner, Elisabeth von Dyck, Ralf Baptist Friedrich und Sieglinde Hofmann. Das Experiment endet schließlich mit Verhaftungen, Gefängnis und der Aberkennung von Hubers Approbation.

Die SPK–Prozesse wirken heute wie eine Vorwegnahme der Stammheim-Prozesse – mit Mitteln zum Ausschluss der Rechtsanwälte, Totalverweigerung der Angeklagten und empfindlichen Strafen für das Ehepaar Huber. Dabei stand die Härte der Strafverfolgung in kaum einem Verhältnis zu den eigentlichen Taten. Der Ruf, die RAF unterstützt zu haben und letztendlich in deren Terror aufgegangen zu sein, haftet dem SPK seither an. Er überlagert, worum es damals eigentlich ging: um die Rechte von Psychiatriepatienten und um Selbstermächtigung, um Fragen also, die noch immer Aktualität besitzen.

PSYCHO RAF? – EINE GESCHICHTE DES SPK (AT) wird sich der unerzählten Geschichte des Deutschen Vorherbstes und seinen Folgen bis ins Heute widmen. Eine Geschichte vom Irresein und Irrewerden, ihrer öffentlichen Wahrnehmung und (nicht) zwangsläufigen Gewalt.

Moderation: Knut Elstermann

Regie: Gerd Kroske
Dramaturgie: Antje Stamer
Produktion: Koproduktion von realistfilm mit dem rbb
Redaktion: Rolf Bergmann
Autor: Gerd Kroske
Kamera: Anne Misselwitz, Susanne Schule
Unterstützt durch: Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, Deutscher FilmFörderFonds, Medienboard Berlin-Brandenburg, Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein, Kulturelle Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern

Kontakt

Anmeldung beim Filmmuseum Potsdam unter ticket@filmmuseum-potsdam.de, 0331 27181-12 oder vor Ort

Zitation
Werkstattgespräch mit Gerd Kroske, 22.09.2017 – 22.09.2017 Potsdam, in: H-Soz-Kult, 12.09.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-34993>.
Redaktion
Veröffentlicht am
12.09.2017
Klassifikation
Epoche
Weitere Informationen
Sprache Beitrag
Land Veranstaltung