.hist 2006: Geschichte im Netz - Praxis, Chancen, Visionen

Ort
Berlin
Veranstaltungsort
Humboldt-Universität zu Berlin und Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
Veranstalter
Kooperationsverbund Clio-online
Datum
22.02.2006 - 24.02.2006
Bewerbungsschluss
04.09.2005
Von
Hohls, Rüdiger

Call for Papers / Call for Sessions

.hist 2006: Geschichte im Netz - Praxis, Chancen, Visionen

Eine Tagung des Kooperationsverbundes Clio-online an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Berlin, 22. bis 24. Februar 2006

Sehr geehrte Damen und Herren,

Clio-online möchte mit diesem Call for Papers / Call for Sessions zur Beteiligung an der vom 22. bis 24. Februar 2006 geplanten Tagung ".hist 2006" aufrufen, die sich unter dem Leitthema "Geschichte im Netz - Praxis, Chancen, Visionen" der wachsenden Bedeutung der neuen Medien für die Geschichts- und Geisteswissenschaften widmen wird. Im Zentrum soll dabei die Doppeldeutigkeit des "Netzes" stehen: das Netz als technische Infrastruktur, das neue Formen des Arbeitens, Forschens, Lehrens, Kommunizierens und Publizierens ermöglicht, und das Netz als sozialer und wissenschaftlicher Raum, der durch Adaptionen, Erfahrungen, Anwendungen und Optionen der Technik eine fortwährende Umgestaltung erfährt.

Mit der Tagung ".hist 2006" möchte Clio-online eine Plattform bereitstellen, um den auf der Tagung ".hist 2003" begonnenen Dialog zwischen Experten/innen, Anwender/innen und Projektmitarbeiter/innen aus der Geschichtswissenschaft, aus Bibliotheken, Archiven und Museen wieder aufzunehmen und weiterzuführen. Die Konferenz wird ein Forum zum Bilanzieren, Reflektieren und Fortbilden darstellen, indem neue Entwicklungen präsentiert, Ideen und Visionen ausgetauscht werden. Berichte aus der Praxis werden realistische Bezugspunkte bilden.

Begriffe wie WorldWideWeb, Kommunikation, Information oder Wissensgesellschaft haben Eingang in unseren alltäglichen Sprachgebrauch gefunden. Anknüpfungspunkte bestehen nicht nur zur technischen Seite historischer Netzangebote, sondern auf der Tagung sollen auch Beziehungsaspekte, Fragen der Wahrnehmung, Kognition und Konstruktion von Wirklichkeiten und Geschichtsbildern neben solchen, wie sich das Verhältnis von Erinnern und Vergessen, von Geschichte und Gegenwart durch die neuen Speicher- und Verarbeitungsqualitäten des Internets verändert, thematisiert werden.

Praxis: Einerseits haben das Internet und die neuen digitalen Kommunikationsmedien die wissenschaftliche Fachinformationslandschaft mittlerweile nachhaltig verändert und dabei auch die Geistes- und Kulturwissenschaften massiv erfasst. Andererseits repräsentieren das Buch und die gedruckte Zeitschrift bis dato in den Geschichtswissenschaften das Hauptmedium der wissenschaftlichen Kommunikation, zumal traditionelle Rezeptionsformen und die verbreitete Skepsis gegenüber der Qualität und 'flüchtigen' Form des elektronischen Publizierens einem beschleunigten Medienbruch entgegenstehen.

Chancen: Die Mehrzahl der auf die Geisteswissenschaften spezialisierten Fachverlage hierzulande verhält sich gegenüber dem Internet abwartend, weil es ihnen an Kapital, Zeit und Know-How für das neue Medium Internet mangelt, aber auch, weil es zwar viele Nachfrager und Nutzer unter den Historikerinnen und Historikern, aber keine zahlungswillige Klientel gibt. Potentiale haben sich stärker in den Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen entwickelt: Die Materialbezogenheit historischer Forschung, also der Rückgriff auf vorhandene gedruckte Publikationen, handschriftliche wie gedruckte Quellen sowie Materialien in anderen medialen Formen, sorgt dafür, dass der mediale Wandel in den Geisteswissenschaften zuvörderst von den historische Ressourcen bewahrenden, erschließenden und bereitstellenden Bibliotheken und Archiven getragen wird. Die Fachwissenschaft entdeckt die mediale Beschaffenheit ihres Gegenstandes erst wieder neu, weshalb die Chancen der netzbasierten Publikations- und Vermittlungsmöglichkeiten in Lehre und Forschung auf der Tagung praxisnah reflektiert werden sollen.

Visionen: Das Charakteristische der gegenwärtigen technologischen Revolution scheint nicht die zentrale Bedeutung von Wissen und Information zu sein, sondern die Anwendung dieses Wissens und dieser Information zur Erzeugung neuen Wissens und zur Entwicklung von Geräten bzw. Systemen zur Informationserschließung und verarbeitung sowie zur Kommunikation, wobei es zu einer kumulativen Rückkopplung zwischen der Innovation und ihrem Einsatz kommt. In der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion verschwimmen nicht selten die Visionen der Planer mit den wahrscheinlicheren Szenarien und realen Gegebenheiten. So scheinen die riesigen Digitalisierungsprojekte im Ausland, nicht zuletzt Google Print in den Vereinigten Staaten und Gallica in Frankreich, die leistungsfähigen Metasuchmaschinen der Bibliotheksverbünde und die wachsenden historischen Quellen- und Fachdatenbanken eine "Informationswelt ohne Grenzen" zu ermöglichen.

Zielgruppen:

Die Tagung .hist 2006 wendet sich bevorzugt an drei Zielgruppen:

- An Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler, primär, aber nicht nur aus den Geschichtswissenschaften, die im Rahmen ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit netzbasierte Medien und Techniken einsetzen und somit über praktische Erfahrungen verfügen.

- An Archivarinnen und Archivare, Bibliothekarinnen und Bibliothekare, sowie Museumsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die sich mit digitalen Methoden der Archivierung, Erschließung und Bereitstellung von historischen Quellen und Artefakten, Publikationen und Fachinformationen beschäftigen.

- An Informatikerinnen und Informatiker, die im Bereich der Informationsverarbeitung in den Geisteswissenschaften tätig sind.

Beteiligungsformen:

Vorschläge werden für folgende Präsentationsformen und Veranstaltungsblöcke erbeten:
- Einzelreferate und Werkstattberichte
- Thematische Sektionen und Workshops
- Roundtable-Diskussionen
- Posterpräsentationen und Projektstände

Einzelreferate können in deutscher oder englischer Sprache gehalten werden und sollten eine Dauer von 20 Minuten nicht überschreiten. Erwünscht sind wissenschaftliche Beiträge, kritische Positionsreferate sowie Darstellungen und Berichte aus der Praxis.

Referats- und Postersessionsvorschläge können bis zum 4. September 2005 eingereicht werden; dafür werden folgende Angaben benötigt:
- Titel des Beitrages / Projektes, Name des Referenten / der Referentin, institutionelle Anbindung, vollständige Anschrift und Kontaktdaten, Abstract (ca. 1.000 Zeichen).

Thematische Sektionen, Workshops und Roundtable-Diskussionen sollten bis spätestens 15. August 2005 mit der Tagungsleitung abgesprochen werden. Bitte schicken Sie uns dazu eine Ideenskizze (ca. 2.000 Zeichen) sowie eine Themenaufstellung samt der vorgesehenen Beteiligten.

Themenbereiche:

Nachfolgend eine Stichwortliste möglicher Aspekte und Themenbereiche:

Publizieren - Repräsentation - Archivierung

- Archivieren: Langzeitarchivierung im Zeitalter von Datenbanken und Internet; Archivierung elektronischer Publikationen; Erinnern und Vergessen im WWW.
- Publizieren: E-publishing; Dokumentenserver; Metadatenstandards - OAI; Qualität vs. Aktualität; Open Access in den Geschichtswissenschaften.
- (Re)Präsentieren und multimediale Hypertexte: Verwendung multimedialer Quellen (Bild, Ton, Film usw.) durch Historiker. Welche Bedeutungen haben die Möglichkeiten der Hypertextualität und Multimedialität in der Geschichte? Wie ändern sich narrative Strukturen in der historischen Darstellung und was wird aus der Meistererzählung?

Kooperationen - Netzwerke - Portale

- Wissen kumulieren: Portale, Kataloge, Datensammlungen - historische Nachweise und Quellen im Übermaß: Wie damit umgehen? Interaktivität und Informationsdichte als Nutzungshindernis?
- Formen kollaborativen Arbeitens in den Geisteswissenschaften: Welche Optionen biete das Internet für vernetztes, dezentrales, kollaboratives Arbeiten, welche Chancen öffnen neue Technologien für die historische Lehre und Forschung?
- Zusammenfassen und Bündeln: Ein Portal für alles oder viele Portale für verschiedenes?
- Standardisieren: Standardisierung als Voraussetzung für Austausch; Nachnutzungskonzepte und langfristiger Zugriff auf digitale Datenbestände.

Digitalisieren - Suchen - Finden - Lesen

- Erschließen, Klassifizieren und Auffinden: Ist die intellektuelle Verschlagwortung und Klassifizierung von im Volltext durchsuchbarer Bestände noch zeitgemäß? Rationalität und Effizienz historischer Informationserschließung?
- Kommunizieren / Vermitteln: Wikis, Mailinglisten, RSS-feeds, Blogs, - ermöglichen den einfachen und schnellen Austausch örtlich getrennter Informationen zwischen Personengruppen mit gemeinsamen Interessen. Welche Perspektiven eröffnet die Integration dieser Technologien in Lehre und Forschung?
- Virtuelle Bibliotheken und Digitalisierung: Elektronische Volltextkorpora und ihr Einsatz in den Geschichtswissenschaften; Stand und Perspektiven der (Retro-) Digitalisierung; bibliothekarische Mehrwertdienste und OPAC-Anreicherung.
- Recherchieren: Bibliographien auf neuen Wegen; Smart Agents für den Nutzer.
- My Digital Library: Zuschnitt historischer Fachangebote durch Personalisierung und fachliche Spezialangebote.
- Suchmaschinen: Lokale vs. verteilte Systeme; Metasuche vs. Gesamtindex.

Wahrnehmung - Kognition - Forschungsalltag

- Metaphern und Bildersprache: Das Internet als Raum von Entdeckungen und der Eroberer: Explorer - Navigation - Vascoda oder Vasco da Gama; Ikonografie des Internetzeitalters.
- Forschen: Anforderungen an das Arbeiten ohne Medienbruch, gezielte Suchmöglichkeiten im Augenblick.
- Handhabung und Benutzbarkeit: Usability von Web- und Fachinformationsangeboten; Reichweiten und Nutzerinteressen; Erfolgskriterien.
- Mediale Eigenlogiken: Internet als Ort der Geschichtsproduzenten; Interessen der Macher(innen); Gedächtniskultur und die Ökonomie der Aufmerksamkeit; medial bedingte Wandlungen der Themen und Darstellungen.

Lehren - Vermitteln - E-Learning

- Lehren: Neue Medien in der Lehre; Relevanz für neue Studiengänge; curriculare Entwicklungen und Vorgaben.
- Vermitteln: Vermittlung von Informationskompetenz; ersetzt oder ergänzt E-Learning die Präsenzlehre, welche Rolle nehmen online-Tutorials ein?
- Schule und Weiterbildung: Historische Netzpublikationen zwischen Propädeutik, Wieterbildung und Information für die historisch interessierte Öffentlichkeit.

Ethik - Recht - Ökonomie

- Ethik und Datenschutz: Dürfen wir alles, was wir uns vorstellen können und was machbar ist? Wie gestaltet man eine Erinnerungsethik für die Zeitgeschichte? Verantwortung und Qualität von Netzpublikationen.
- Recht und Ökonomie: Autorenrechte und Integrität der Informationen; Interessenlagen und das Verhältnis Wissenschaftler - Verlag - Hochschule; Citation Index; Zeitökonomie.
- Fördern und Verstetigen: Entwicklungsoptionen der historischen Fachinformation; Strukturen, Initiativen und Förderwege.

Termine:

- 15. August 2005: Abstimmungstermin für Vorschläge von thematischen Sektionen, Workshops und Roundtable-Diskussionen
- 4. September 2005: Abgabetermin für Referats- und Postersessionsvorschläge
- Oktober 2005: Bekanntgabe des Programms
- November 2005: Registrierungsbeginn für Teilnehmer/innen
- 22. bis 24. Februar 2006: Tagung .hist 2006

Weitere Informationen zum Projekt Clio-online finden Sie unter http://www.clio-online.de.

Kontakt

Veranstalter:

Clio-online
Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät
Institut für Geschichtswissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Email: clio.tagung@geschichte.hu-berlin.de
Tel.: ++49 (+30) 2093 2541
Fax: ++49 (+30) 2093 2544

Zitation
.hist 2006: Geschichte im Netz - Praxis, Chancen, Visionen, 22.02.2006 – 24.02.2006 Berlin, in: H-Soz-Kult, 29.06.2005, <www.hsozkult.de/event/id/termine-4190>.
Redaktion
Veröffentlicht am
29.06.2005
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