Machiavellismus in Deutschland

Ort
Tutzing
Veranstaltungsort
Evangelische Akademie Tutzing, Auditorium
Veranstalter
Historisches Seminar, LMU München, Dr. Annette Meyer und Dr. Cornel Zwierlein
Datum
25.09.2007 - 28.09.2007
Bewerbungsschluss
20.09.2007
Von
Cornel Zwierlein

Die Auseinandersetzung mit Niccolò Machiavellis Schriften in Deutschland verband sich - wie in anderen europäischen Ländern - seit ihrer Publikation oft weniger mit Fragen des Inhalts als mit polemischen Instrumentalisierungen ihres Autors und seines Namens. So taucht "Machiavellismus" als früher -ismus-Begriff schon Ende des 16. Jahrhunderts als Kampfbegriff auf. Anliegen der Tagung ist es aber, jenseits der Rekonstruktion der Facetten dieser lang andauernden Polemik auch Traditionslinien aufzuweisen, in denen auf Machiavelli im Hinblick auf Theorien und Techniken von Empirie und Empirismus, von Kontingenz und Herrschaftsbegründung offen oder verdeckt rekurriert wurde, dies oft und gerade in Zeiten der Krisenwahrnehmung. Gerade in der Moderne wird Machiavelli/Machiavellismus zu einer Chiffre, die für eine Vielzahl konkurrierender Politik- und Gesellschaftsmuster steht oder auf sie verweist. Die Tagung widmet sich vor allem dem Machiavellismus im deutschsprachigen Raum von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart, da sie im Zusammenhang einer Reihe von Konferenzen in Europa steht, die bis 2013, dem Jahr der Erstniederschrift von "De principatibus", in verschiedenen Städten und mit unterschiedlichem thematischen und regionalen Fokus abgehalten werden (vgl. http://www.unito.it/machiavelli_english.htm). Sie will auf diese Weise die teilweise ins Stocken geratene Forschung zu Machiavelli/Machiavellismus in Deutschland wieder anstoßen bzw. die existierende derzeitige Forschung bündeln und hier zu einem interdisziplinären und internationalen Dialog zwischen Literaturwissenschaften, Philosophie, Geschichte und den Sozial- und Politikwissenschaften anregen.

Programm

Machiavellismus in Deutschland – Chiffre von Kontingenz, Herrschaft und Empirismus in der Neuzeit

Dienstag, 25. September 2007
15:30 Einleitung: Dr. Annette Meyer, Dr. Cornel Zwierlein

Teil I: Italienisch-deutscher Kulturtransfer

16:00 Prof. Dr. Barbara Marx (Dresden): Die Grand Tour in Italien und die Rezeption italienischer politischer Theorie
16:45 Cornel Zwierlein: Machiavellismus und Italienisch-Deutscher Kulturtransfer im 16./17. Jh.
18:00 Dr. Thomas Rahn (Berlin): Höfische Kultur und Machiavellismus

Abendvortrag
Einführung: Prof. Dr. Henning Ottmann (München)
19:00 Prof. Dr. Dirk Hoeges (Hannover): Karriere eines Kunstwerks: Machiavellis ‘Principe’

Mittwoch, 26. September

Teil II: Konfessionskulturen und Machiavellismus

9:00 Matthias Weiss, M.A. (Potsdam): Machiavellismus in der lutherischen politica christiana
9:45 Dr. Claudia Brosseder (Stanford): Machiavellismus, Neue und Alte Welt
11:00 Prof. Dr. Corrado Malandrino / Dr. Francesco Ingravalle (Turin / Alessandria): Calvinismus und Machiavellismus (Calvinismo e machiavellismo)
11:45 Prof. Dr. A. Enzo Baldini (Turin): Deutscher Machiavellismus und die Index-Kongregation (Il machiavellismo tedesco e la congregazione dell’Indice)

Teil III: Frühneuzeitliche Wissenskulturen und Machiavellismus

14:30 Dr. Lucia Bianchin (Trient): ‛conversiones rerumpublicarum’: Zum Geschichtsbild der barocken Staatslehre
15:15 Theresa Schwager, M.A. (Potsdam): Machiavelli und die Militärtheorie im Späthumanismus
16:30 Prof. Dr. Thomas Maissen (Heidelberg): Frühneuzeitlicher Republikanismus und Machiavellismus
17:15 Dr. Merio Scattola (Padua): Machiavelli in der Historia litteraria um 1700

Donnerstag, 27. September

Teil IV: Frühmoderne und Machiavellismus

9:00 Prof. Dr. Claudia Opitz (Basel) Machiavellismus und querelles des femmes
9:45 Prof. Dr. Martin Mulsow (New Brunswick): Staatsräson und Altes Testament: Machiavellismus-Deutungen zwischen 1670 und 1730
11:00 Dr. Annette Meyer (München): Machiavellismus um 1800
11:45 Dr. Federico Trocini (Turin): Machiavellismus und Konservativismus 1848-1871

Teil V: Machiavelli/Machiavellismus 20. Jh. I

14:30 Prof. Dr. Bernhard Taureck: Utopismus und Ideologie. Machiavelli bei Nietzsche und im Faschismus
15:15 Dr. Marcus Coelen (München): Machiavellismus in der Weimarer Republik
16:30 Prof. Dr. Winfried Schulze (München): Machiavellismus und Späthistorismus
17:15 Dr. Ralf Walkenhaus (München): Exil als biografisches Symbol der Machiavelli Rezeption in den 1930er Jahren: René König und Hans Freyer

Freitag, 28. September

9:00 Prof. Dr. Edgar Grande (München): Machiavelli in der Zweiten Moderne
9:45 Prof. Dr. Michel Senellart (Lyon): Machiavel dans la perspective de la gouvernementalité
11:00 Dr. Thierry Ménissier (Grenoble): Théories d’Empire et Machiavel

Es moderieren u.a. Prof. Dr. Diego Quaglioni (Trient), Prof. Dr. Wolfgang E.J. Weber (Augsburg), Prof. Dr. Martin Baumeister (München)

Kontakt

Dr. Annette Meyer, Dr. Cornel Zwierlein

Historisches Seminar, Abt. Frühe Neuzeit
LMU München, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München
089-2180-5560
089-2180-5663
sekretariatfnz@lrz.uni-muenchen.de

Zitation
Machiavellismus in Deutschland, 25.09.2007 – 28.09.2007 Tutzing, in: H-Soz-Kult, 13.07.2007, <www.hsozkult.de/event/id/termine-7616>.
Redaktion
Veröffentlicht am
13.07.2007