„Herrschen muss man wollen oder dürfen." Möglichkeiten und Grenzen von Herrschaft – Die Abdankung von Monarchen vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Ort
Heidelberg
Veranstaltungsort
Internationales Wissenschaftsforum Heidelberg, Hauptstraße 242
Veranstalter
Susan Richter M.A., Universität Heidelberg, Historisches Seminar und Dirk Dirbach M.A. Institut für geschichtliche Rechtswissenschaft, Heidelberg/ Hessischer Städtetag, Wiesbaden Mit freundlicher finanzieller Unterstützung der Fritz-Thyssen-Stiftung
Datum
15.11.2007 - 16.11.2007
Bewerbungsschluss
12.11.2007
Von
Susan Richter M.A.

In der Frühen Neuzeit war der Tod eines europäischen Souveräns oder eines Reichsfürsten der durch die unergründliche Weisheit Gottes festgelegte Moment, der die auf Lebenszeit ausgerichtete Herrschaft beendete. Ein konfliktloser Übergang von einer Herrschergeneration auf die nächste und damit die Fortsetzung der Felicitas Principum diente dem Erhalt von Macht und dynastischen Strukturen. Die Kontinuität wurde gestört, wenn ein Herrscher seine Macht zu Lebzeiten freiwillig oder erzwungener maßen niederlegte. Neben der durch die Abdankung heraufbeschworenen Gefahr einer dynastischen Krise verstieß der Rückzug – zumindest in Erbmonarchien – gegen die göttliche Ordnung. Er übertrug einen Bereich göttlicher Wirkungsmacht in die menschliche Sphäre und bedurfte einer Erklärung und Rechtfertigung. Gleichwohl bietet die europäische Geschichte zahlreiche Beispiele eines freiwilligen oder erzwungenen Rückzugs von der Macht.
Im Gegensatz zur breiten Forschung zu Herrschaftseinsetzungen und Regierungs-antritten hat die vorzeitige Beendigung von Herrschaft bisher nur in wenigen, überwiegend älteren Einzelstudien Berücksichtigung gefunden. Die Untersuchung des Phänomens Abdankung soll diese Forschungslücke in der politischen Geschichte und der Rechtsgeschichte schließen. Das erfordert die Betrachtung der Abdankung aus einer interdisziplinären Perspektive, die über die genannten Fächer hinaus auch kulturhistorische Aspekte berücksichtigt.

Programm

Tagungsprogramm:

1. Tag:

9.00 Uhr: Prof. Dr. em. Hans Hattenhauer (Kiel/Speyer), Eröffnung

1. Abschnitt: Abdankung als Rechtsakt

9.15 Uhr: Prof. Dr. Christian Hattenhauer (Heidelberg), Einführung / Moderation

9.30 Uhr: Dr. Thomas Wetzstein (Freiburg), Renuntiatio-resignatio. Zum Amtsverzicht in der Kirche des hohen und späten Mittelalters

10.15 Uhr : PD Dr. Christiane Birr (München), Die Abdankung im Kontext der rechtlichen Ordnungsvorstellungen des Naturrechts

11.00 Uhr: Kaffeepause

11.30 Uhr: Prof. Dr. Carola Schulze (Potsdam), Die Abdankung im Kontext der rechtlichen Ordnungsvorstellungen des Konstitutionalismus

12.15 Uhr: Dr. István Szabó (Miskolc/Ungarn), Die Abdankung König Karls IV. von Ungarn 1918

13.00 Uhr: Mittagspause

14.30 Uhr: Dr. Winfried Klein (Heidelberg), Der Monarch wird Privatier – Die Rechtsfolgen der Abdankung für den Monarchen und sein Haus nach 1918

2. Abschnitt: Abdankung als Akt der Politischen Kommunikation

15.15 Uhr: Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger (Münster), Einführung / Moderation

15.30 Uhr: Susan Richter M.A. (Heidelberg), Das Abdankungszeremoniell: Abdikationsreden als Medien der Selbstreflexion und politischen Kommunikation

16.15 Uhr: Kaffeepause

16.45 Uhr: Dr. Jochen Fühner (Frankfurt/M.), Thronverzicht aus politischer Klugheit? Die Reaktion der zeitgenössischen Öffentlichkeit zwischen Bewunderung und Vorwurf: Die Abdankung Viktor Amadeus II. als König von Sizilien 1720

17.30 Uhr: PD Dr. Martin Schieder (Berlin), „Macht euren Dreck alleene!“Die Abdankung des Monarchen – eine Leerstelle in der Herrscherikonographie

20.00 Uhr c.t.: Prof. Dr. em. Gottfried Niedhardt (Mannheim)
Öffentlicher Abendvortrag: Krise und Skandal aus Liebe – Die Abdankung Edwards VIII. von England im Senatssaal der Alten Universität

21.30 Uhr: Empfang im Senatssaal der Alten Universität

2. Tag

3. Abschnitt: Folgen der Abdankung für den Herrscher, die Dynastie und die Monarchie

9.00 Uhr: Prof. Dr. Wolfgang J. Weber (Augsburg), Einführung / Moderation

9.15 Uhr: Dr. Ingo Knecht (Marburg), Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 als erzwungene Abdankung

10.00 Uhr: Prof. Dr. em. Volker Sellin (Heidelberg), Mehrfacher Vertragsbruch – Die Folgen der Abdankung Napoleons 1814

10.45 Uhr: Kaffeepause

11.15 Uhr : Eva Werner M.A. (Innsbruck), Der Thronverzicht des gütigen (geisteskranken) Kaisers Ferdinand I. 1848 von Österreich und die Folgen für die habsburgische Dynastie und die Monarchie

12.00 Uhr : Dr. Bernd Braun (Heidelberg), Das Ende der Regionalmonarchien in Italien – Abdankungen im Zuge des Risorgimento

12.45 Uhr: Mittagspause

14.00 Uhr : Michael Horn M.A. (Heidelberg), Die Nachricht vom Thronverzicht: Die Abdankung der deutschen Monarchen in der Novemberrevolution

14.45 Uhr : Prof. Dr. Wilhelm Brauneder (Wien), Die Erklärung Kaiser Karls von Österreich vom 11.11.1918: Abdankung oder mehr?

15.30 Uhr: Kaffeepause

16.00 Uhr: Prof. Dr. Thomas Maissen (Heidelberg), Abschlussdiskussion

16.30 Uhr: Ende der Tagung

Kontakt

Susan Richter M.A.
Grabengasse 3-5
69117 Heidelberg
Tel.: 06221/542442
susan.richter@zegk.uni-heidelberg.de

Zitation
„Herrschen muss man wollen oder dürfen." Möglichkeiten und Grenzen von Herrschaft – Die Abdankung von Monarchen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 15.11.2007 – 16.11.2007 Heidelberg, in: H-Soz-Kult, 24.10.2007, <www.hsozkult.de/event/id/termine-8133>.
Redaktion
Veröffentlicht am
24.10.2007
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