Universitäten in und nach der NS-Diktatur - Wien 03/2001

Ort
Wien
Veranstaltungsort
Universität Wien - Aula des Universitäts-Campus, Hof 1
Veranstalter
Institut für Geschichte der Universität Wien /AG Wissenschaftsgeschichte und dem bm:bwk in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
Datum
22.03.2001 - 24.03.2001
Von
Ash, Mitchell

HOCHSCHULEN UND WISSENSCHAFTEN IM NATIONALSOZIALISMUS UND DANACH - "KONSTRUIERTE KONTINUITÄTEN"?

Veranstaltet vom Institut für Geschichte der Universität Wien /AG Wissenschaftsgeschichte und dem bm:bwk in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Ort: Universität Wien - Aula des Universitäts-Campus, Hof 1
Termin: 22.3. - 24.03. 2001

Für das Konzept verantwortlich: Univ.-Prof. Dr. Mitchell Ash (Institut für Geschichte, Universität Wien) und Dr. Juliane Mikoletzky (Universitätsarchiv der Technischen Universität Wien).

Die Geschichte der Wissenschaften und Hochschulen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft und danach, ist ein international dicht besetztes Gebiet der Forschung geworden. Die österreichische Forschung zu diesem Thema hat allerdings nur zögernd und erst relativ spät begonnen. In der Öffentlichkeit sind Fälle wie der des Anatomen Eduard Pernkopf, der des im so genannten 'Euthanasie'-Programm verwickelten Arztes Heinrich Groß und der des Verhaltensforschers Konrad Lorenz bekannt. Das Bewußtsein eines breiteren Forschungsbedarfs, das über diese spektakuläre Einzelfälle hinausgeht, ist gegeben und einschlägige Projekte auf vielen Gebieten haben begonnen. Die Kooperation und Koordination von Forschungsvorhaben sowie die Bekanntschaft dieser Bestrebungen in der Öffentlichkeit sind aber noch wenig entwickelt.

In der Veranstaltung am 22. März 2001 werden zwei Grundsatzreferate von Univ.-Prof. Dr. Margit Szöllosi-Janze (Salzburg) und Univ.-Prof. Dr. Mitchell Ash (Wien) - beide international ausgewiesene Experten auf diesem Gebiet - die bereits erzielten Ergebnisse der Forschung zum Thema in der Öffentlichkeit bekannt machen. Dabei geht es nicht nur um die Karrieren einzelner Wissenschaftler, sondern auch um die Wandlungen von Hochschulen und wissenschaftlichen Institutionen im Nationalsozialismus, sowie ganz besonders um die 'konstruierte Kontinuitäten' im Hochschul- und Wissenschaftsbereich und die Weitertradierung wissenschaftlicher Inhalte nach 1945.

Eine darauf folgende, prominent besetzte Podiumsdiskussion wird der öffentliche Umgang mit der Rolle der Wissenschaften in der NS-Zeit in der Gegenwart thematisieren. Angaben zum Programm und zu den ReferentInnen der Veranstaltung liegen bei.

Die Veranstaltung ist Auftakt eines internationalen und interdisziplinären Workshops mit dem Ziel, möglichst viele der österreichischen Forscherinnen und Forscher, die auf diesem Gebiet arbeiten, miteinander in einen wissenschaftlichen Austausch zu bringen. Langfristig soll auf diese Weise versucht werden, einen nachhaltigen Diskussionsprozeß zur neueren Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte in Österreich in Gang zu bringen. Eine Dokumentation der Veranstaltung und ihrer Ergebnisse ist geplant.

Programm

Programm

Donnerstag, 22. März 2001

Öffentliche Veranstaltung

16.00 Uhr Eröffnung: Grußworte
Univ.-Prof. Dr. Georg Winckler, Rektor der Universität Wien
Univ.-Prof. Dr. Karl Vocelka, Vorstand des Instituts für Geschichte
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Jagschitz, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte
OR Dr. Gerhard Pfeisinger, bm:bwk

16.15 Uhr Hochschulen und Wissenschaften im Nationalsozialismus - Mißbrauch oder Partnerschaft?
Univ.-Prof. Dr. Margit Szöllösi-Janze, Universität Salzburg

17.00 Uhr Umbrüche 1933/1938 und 1945 im Vergleich. Konstruierte Kontinuitäten
Univ.-Prof. Dr. Mitchell Ash, Universität Wien

18.00 Uhr Podiumsdiskussion
"Nur Geschichte"? Kontinuität und Bruch in der Hochschul- und Wissenschaftspolitik am Beispiel der NS-Zeit und des wissenschaftlichen Umgangs mit ihr.

Univ.-Prof. Dr. Friedrich Stadler, Universität Wien
Univ.-Prof. Dr. Wendelin Schmidt-Dengler, Universität Wien (angefragt)
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer, Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands, Wien
Dr. Margit Berner, Anthropologische Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien
Moderation: Dr. Peter Huemer(ORF)

20.00 Uhr Empfang für die Teilnehmer

Freitag, 23. März 2001

9.30 Uhr Workshop I

Institutions- und Organisationsgeschichte
Impulsreferat: Dr. Juliane Mikoletzky, Wien

11.00 Uhr Kaffeepause

11.30 Uhr Workshop II

Sozialgeschichte der Lehrenden, der Studierenden und sonstiger Mitarbeiter der Hochschulen.
Impulsreferat: Univ.-Doz. Dr. Christian Fleck, Karl Franzens-Universität Graz

13.00 Uhr Mittags-Buffet

15.00 Uhr Workshop III/1

Die Wissenschaften im Vergleich: Naturwissenschaften und Medizin
Impulsreferat: PD Dr. Ute Deichmann, Köln

16.30 Uhr Kaffeepause

17.00 Uhr Workshop III/2

Die Wissenschaften im Vergleich: Sozial- und Geisteswissenschaften
Impulsreferat: Prof. Dr. Clemens Knobloch, Universität-Gesamthochschule Siegen

Samstag, 24. März 2001

9.30 Uhr: Workshop IV/1

Die praktische Umsetzung wissenschaftlicher Forschung in den politischen Projekten
des Nationalsozialismus: Kolonisierungspolitik, Ost- und Südostforschung
Impulsreferat: Dr. Susanne Heim, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin

11.00 Uhr Kaffeepause

11.30 Uhr Workshop IV/2

Die praktische Umsetzung wissenschaftlicher Forschung in den politischen Projekten
des Nationalsozialismus: Rassenhygiene, 'Euthanasie'.
Impulsreferat: Univ.-Prof. Dr. Michael Hubenstorf, University of Toronto

13.00 Uhr Ende des Workshops

Referentinnen und Referenten der öffentlichen Veranstaltung

Univ.-Prof. Dr. Margit Szöllösi-Janze, Institut für Geschichte, Universität Salzburg
Autorin eines preisgekrönten Buches, Fritz Haber. Eine Biographie (1998)
Herausgeberin eines neuen Bandes über Wissenschaft im Dritten Reich (im Druck)

Univ.-Prof. Dr. Mitchell Ash, Institut für Geschichte, Universität Wien
Autor zahlreicher Arbeiten zur neueren Wissenschaftsgeschichte, insbesondere über Wissenschaft im Nationalsozialismus, zur 'Wissenschaftsemigration' nach 1933/1938, sowie über 'konstruierte Kontinuitäten' nach 1945
Herausgeber von Forced Migration and Scientific Change: Emigre German-Speaking Scientists and Scholars after 1933 (1996) und Mythos Humboldt. Vergangenheit und Zukunft der deutschen Universitäten (1999)

Univ.-Prof. Dr. Friedrich Stadler, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Autor von Studien zur Geschichte des 'Wiener Kreis' (1996)
Herausgeber von Vertriebene Vernunft. Vertreibung und Emigration österreichischer Wissenschaft, 2 Bde. (1987, 1988)

Univ.-Prof. Dr. Wendelin Schmidt-Dengler, Institut für Germanistik Universität Wien
Autor zahlreicher Arbeiten zur deutschen und österreichischen Gegenwartsliteratur, sowie zur Geschichte der Germanistik an der Universität Wien

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer, Direktor des Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands, Wien
Autor mehrerer Arbeiten u.a. zur Geschichte der 'Rassenhygiene' und 'Euthanasie' in
Wien

Em. Univ.-Prof. Dr. Erika Weinzierl, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Doyenne der Zeitgeschichtsforschung in Österreich
Autorin u.v.a. von Arbeiten über Wissenschaft im Nationalsozialismus sowie über den Umgang mit der NS-Zeit nach 1945

Univ.-Prof. Dr. Maria Teschler-Nicola, Naturhistorisches Museum Wien (angefragt)
Direktorin der Anthropologischen Abteilung des Naturhistorisches Museums
Autorin (mit Dr. Margit Berner) von Arbeiten über die Arbeit der Abteilung im Nationalsozialismus

Impulsreferentinnen und -referenten des Workshops (Klausurtagung)

Dr. Juliane Mikoletzky, Universitätsarchiv der Technischen Universität Wien
Institutions- und Organisationsgeschichte

Univ.-Prof. Dr. Christian Fleck, Karl Franzens-Universität Graz
Sozialgeschichte der Lehrenden und Studierenden

PD Dr. Ute Deichmann, Köln (z.Z. Beer Sheva, Israel)
Die Wissenschaften im Vergleich: Naturwissenschaften und Medizin

Univ.-Prof. Dr. Clemens Knobloch, Universität-Gesamthochschule Siegen
Thema: 'Semantischer Umbau' der Sozial- und Geisteswissenschaften nach 1933 und 1945

Dr. Susanne Heim, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin
Die praktische Umsetzung wissenschaftlicher Forschung in den politischen Projekten des Nationalsozialismus: Kolonisierungspolitik, Ost- und Südostforschung

Univ.-Prof. Dr. Michael Hubenstorf, University of Toronto
Menschenökonomie, Rassenhygiene, 'Euthanasie'.

Kontakt

Prof. Dr. Mitchell Ash
Institut für Geschichte
Universität Wien
Dr. Karl-Lueger-Ring 1
A-1010 Wien
Tel.: +43 1 4277 40837
Fax: + 43 1 4277 9408
Email: <Mitchell.Ash@univie.ac.at>

Zitation
Universitäten in und nach der NS-Diktatur - Wien 03/2001, 22.03.2001 – 24.03.2001 Wien, in: H-Soz-Kult, 23.03.2002, <www.hsozkult.de/event/id/termine-978>.
Redaktion
Veröffentlicht am
23.03.2002
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