500 Jahre Primus Truber. Reformator zwischen Slowenien und Württemberg

Ort
Tübingen
Datum
05.06.2008 - 06.06.2008
Veranstalter
Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften, Eberhard-Karls-Universität Tübingen; Kommission für geschichtliche Landeskunde Baden-Württemberg; Kulturamt der Universitätsstadt Tübingen
Von
Oliver Haller, Stefan Kötz, Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften, Universität Tübingen

Am 5. und 6. Juni 2008 veranstalteten auf Schloss Hohentübingen das Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen unter Leitung von Prof. Dr. Sönke Lorenz, die Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg unter Leitung von Prof. Dr. Anton Schindling sowie das Kulturamt der Universitätsstadt Tübingen unter Leitung von Prof. Dr. Wilfried Setzler das Symposium „500 Jahre Primus Truber. Reformator zwischen Slowenien und Württemberg“. Aus Anlass seines 500. Geburtstags sollten Leben und Werk Pri¬mus Trubers (1508–1586) in einer Reihe von interdisziplinären Vorträgen slowenischer und deutscher Wissenschaftler beleuchtet werden. Ziel war es, den aktuellen Forschungsstand in einigen Bereichen der Primus-Truber-Forschung herauszuarbeiten und so den Austausch und die Verständigung selbst über Fächer- und Landesgrenzen hinweg anzuregen sowie die weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit Primus Truber zu befördern. Begleitet wurde das Symposium von einer kleinen Ausstellung der Universitätsbibliothek Tübingen mit dem Titel „Primus Truber. Slawischer Bücherdruck und Reformation“, die vom 19. Mai bis 31. Juli 2008 eine Auswahl an Druckwerken Trubers aus der von ihm zeitweise geleiteten Uracher Druckerei zeigte, ergänzt um persönliche Dokumente aus dem Universitätsarchiv Tübingen und dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Eine Publikation der Vorträge ist für 2009 in den „Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg“ geplant.

Nach der Begrüßung durch die Tagungsleitung sowie den Rektor der Universität Tübingen, Bernd Engler, und den Vizerektor der Universität Ljubljana, Ivan Svetlik, gab einleitend ROLF-DIETER KLUGE (Tübingen/Warschau) eine detaillierte „Übersicht über Leben und Werk Primus Trubers“. Geboren am 9. Juni 1508 bei Ljubljana, wurde Truber nach Schulbesuch in Salzburg und Triest 1530 Pfarrer im heimatlichen Laško und 1535 dann in Ljubljana, wo er bereits wiederholt mit seinen dezidiert reformerischen Predigten gegen Ablasshandel und Wallfahrten sowie für eine innere Reform der katholischen Kirche aneckte. Dadurch immer wieder zur Emigration gezwungen, fand Truber 1548 Aufnahme vorerst in Nürnberg, bevor er in Rothenburg ob der Tauber als Frühprediger endgültig in den Dienst der Reformation trat. Hier begann er auch mit seiner Übersetzungstätigkeit ins Slowenische – besonders der Bibel und der Katechismen, aber auch seelsorgerlicher Texte und Lieder. Ab 1553 Pfarrer in Kempten und zwischen 1562 und 1564 Superintendent in Ljubljana, war Truber von 1566 bis zu seinem Tod am 29. Juni 1586 Pfarrer in Derendingen bei Tübingen, wo er sich jetzt uneingeschränkt seinen Übersetzungen widmen konnte. Als Hauptaspekt seines insgesamt ca. dreißig Titel umfassenden Werks betonte Kluge insbesondere die philologische Höchstleistung Trubers, die schwierige und in zahlreiche Dialekte aufgespaltene slowenische Sprache erstmals nach dem phonetischen Muster des Deutschen mit lateinischen Buchstaben verschriftlicht und damit überhaupt erst die slowenische Schriftsprache geschaffen zu haben.

Das theologische Gedankengut und die kirchlich-konfessionelle Positionierung des Gelehrten Primus Truber standen im Mittelpunkt des nachfolgenden Vortrags von ULRICH KÖPF (Tübingen) über „Primus Truber als Theologe“. Eingangs kennzeichnete Köpf Truber als einen nicht-akademischen und damit institutionell nicht eingebundenen sowie nicht-wissenschaftlichen Theologen, was er gerade an dessen Übersetzungswerk exemplifizierte, das sich im Fall der Bibel nicht etwa auf die hebräisch-griechischen Originaltexte, sondern auf bereits lateinische und deutsche Übersetzungen stützte. Truber brachte zudem keinerlei eigenständiges theologisches Werk hervor, wie überhaupt kein sonderliches Interesse an theologischen Subtilitäten festzustellen ist und er so zur theologischen Diskussion im Reformationszeitalter nichts beigetragen hat. Vielmehr weist Trubers seelsorgerlich orientierte Theologie einen dezidierten Praxisbezug auf, die schlicht die christliche Glaubenslehre an seine einfachen Landsleute vermitteln wollte, was aber eben nur auf Slowenisch geschehen konnte. Sowohl mit der Wittenberger als auch der Schweizer Reformation vertraut, bezog Truber keine festen theologischen Positionen – auch wenn sich eine deutliche Tendenz zum Luthertum erkennen lässt –, so dass Köpf Truber nicht klar auf eine bestimmte reformatorische bzw. kirchlich-konfessionelle Richtung festlegen konnte.

Fünf für die (Nach-)Wirkung und heutige Wahrnehmung Primus Trubers überaus bedeutsamen Jahren widmete sich daraufhin HERMANN EHMER (Stuttgart) in seinem Vortrag „Primus Truber, Hans Ungnad von Sonnegg und die Uracher Druckerei 1560–1564“. In diesen fünf Jahren nämlich erschienen in der Uracher „Windischen, chrabatischen und cirulischen Thruckerey“ insgesamt 37 Druckwerke in 31.000 Exemplaren auf Slowenisch sowie glagolitischem und kyrillischem Serbokroatisch – für die Anfänge des slawischen Buchdrucks ohne Parallele. Hans Ungnad von Sonnegg († 1564), seit 1557/58 als Glaubensflüchtling in württembergischen Diensten, hatte die Anstalt 1560 im Zusammenwirken mit Truber begründet und fungierte fortan als deren Hauptfinancier. 1564 war das produktivste Jahr für die Uracher Druckerei, der Truber seit 1561 von Ljubljana aus als Prinzipal – unterstützt vor Ort durch Stephan Consul und Anton Dalmata – vorstand, doch wurden nach dem Tod Ungnads alle Aktivitäten spätestens 1567 wegen massiven Geldmangels eingestellt. Abschließend stellte Ehmer noch die Frage nach der Zulässigkeit einer Charakterisierung der Uracher Druckerei als – mit dem Begriff des 18. und 19. Jahrhunderts – „Südslawische Bibelanstalt“ und überprüfte dies anhand dreier Merkmalen (Stichworte Spendenfinanzierung, öffentliche Rechnungslegung und Vertrieb). Gerade mit Blick auf den mit letzterem verbundenen missionarischen Aspekt – sollten mit den Büchern doch das Christentum bzw. Luthertum bis zu den Türken gebracht und so letztendlich deren Einfälle ins Reich unterbunden werden – konnte Ehmer also grundlegende Elemente der späteren Bibelanstalten bereits auch in Urach erkennen.

Im nächsten Vortrag behandelte SAŠO JERŠE (Ljubljana) „Grundprobleme des konfessionellen Zeitalters in den Ländern Innerösterreichs“ und beleuchtete unter den Schlagworten „Glaube, Liebe, Herrschaft“ den konfessionspolitischen Hintergrund für das reformatorische Wirken Primus Trubers sowie dessen turbulente Folgezeit. So versuchte Truber 1564 angesichts der mehrheitlich protestantischen Landstände sogar, eine lutherische Landeskirche in Obhut der Landstände unter Umgehung des natürlich katholischen Landesherrn zu begründen. Zwar resultierte dies in der Verbannung und wurde die Forderung der Landstände nach Religionsfreiheit zurückgewiesen, doch schien dieser konfessionspolitische Konflikt in den 1570er-Jahren zunächst beigelegt worden zu sein, bis sich Karl II. (1564–1590) jedoch zur Zurücknahme der gewährten Toleranz gezwungen sah. Unter Ferdinand II. (1590–1637) führte dies schließlich zu einem gänzlichen Verbot des innerösterreichischen Protestantismus, 1598/99 wurden die Protestanten aus den Städten ausgewiesen, und 1627/29 stand auch der Adel vor der Wahl zwischen Konversion und Emigration. Jerše stellte so die Frage nach den Ursachen für diesen so geringen Widerstand der Landstände und arbeitete konfessionspolitische, verfassungskonstruktivistische und sowie realpolitisch-pragmatische Gründe heraus. Dabei kennzeichnete er die „concordia rei publicae et confessionis“ gerade in Bezug auf letzteren – die frühere Autonomie Innerösterreichs war angesichts dessen Verteidigungsposition gegenüber der starken äußeren Bedrohung durch die Türken einer engeren Reichsanbindung gewichen – als Leitgedanken, der eine Einheit des Lands und die Bündelung aller Kräfte trotz der Gegensätze erforderte.

Auf einen frühen Zeitgenossen Primus Trubers richtete danach sein Augenmerk FRANZ BRENDLE (Tübingen) mit seinem Vortrag „Der slowenische Humanist Michael Tiffernus. Lehrer, Freund und Berater des Herzogs Christoph von Württemberg“. 1488/89 in Krain geboren, wurde Tiffernus 1527 zum Lehrer und Erzieher des seit 1519 unter habsburgischer Vormundschaft stehenden Christoph von Württemberg (1550–1568) am kaiserlichen Hof zu Wien bestimmt, mit dem er fortan bis zu seinem Tod 1555 freundschaftlich verbunden blieb. Dies fand einen ersten Höhepunkt 1532 in der von Bayern inszenierten Flucht beider vom Kaiserhof, und auch bei der Lösung des sich anschließenden Konflikts zwischen Christoph und seinem Vater, Herzog Ulrich (1503–1519, 1534–1550), nahm Tiffernus wie auch später eine wichtige Vermittler- und Beraterrolle ein. Ein Ausgleich war indessen nur über die Religionsfrage zu erreichen, in der Christoph – und mit ihm Tiffernus – Ende der 1530er-Jahre auf Anraten des Landgrafen Philipp von Hessen (1518–1567) zum lutherischen Glauben überwechselte. Speziell in Tübingen erwies sich Tiffernus als bereitwilliger Förderer des lutherischen Glaubens und wichtigster Mäzen des noch jungen Evangelischen Stifts, dessen Büchersammlung von 359 Bänden zum Grundstock der dortigen Bibliothek wurde, und wie auch Truber setzte er sich für Studenten aus der Heimat ein.

Den ersten Tagungstag beendete sodann im Großen Sitzungssaal des Tübinger Rathauses der Festvortrag von ALOJZ PETERLE (Ljubljana/Brüssel) zu „Primus Truber als Europäer“ mit anschließendem Empfang der Universitätsstadt Tübingen. In Anwesenheit zahlreicher deutscher und slowenischer Gäste blickte Peterle im Halbjahr der slowenischen EU-Ratspräsidentschaft aus einer spezifisch slowenisch-europäischen Perspektive auf Primus Truber. So sieht er ihn einerseits als wichtigsten Wegbereiter der heutigen deutsch-slowenischen Kooperation und interkulturellen Kommunikation, andererseits aber als Begründer überhaupt erst der slowenischen Identität sowie einer nationalen Existenz Sloweniens in Europa. Truber ist für die Slowenen heute ein Vorvater der allerdings erst 1992 verwirklichten Republik Slowenien als europäischem Staat, ist ihre Integrations- und Identifikationsfigur – die slowenische 1-Euro-Münze ziert sein Konterfeit –, und der Reformationstag in einem wohlgemerkt mehrheitlich katholischen Land ihr Feiertag.

Den zweiten Tag des Symposiums eröffnete ANTON SCHINDLING (Tübingen) mit einem Vortrag über „Die Habsburger, das Reich, die Erblande und die Reformation“, in dem er die politischen Strukturen und Entwicklungen darstellte, die das Heilige Römische Reich Deutscher Nation in der Lebenszeit von Primus Truber prägten. In diesen Jahrzehnten erwies sich die Dynastie der Habsburger als die wohl stärkste Stütze der alten Kirche in Europa. Allerdings erforderte die Einigung im Kampf gegen die Türken eine auf Ausgleich mit den evangelischen Ständen bedachte Reichs- und Religionspolitik. Ferdinand II. von Tirol (1564–1595) und Karl II. von Innerösterreich (1564–1590) förderten in ihren Ländern jedoch die Anfänge von katholischer Reform und Gegenreformation. So ließ sich beim Tod Primus Trubers 1586 erkennen, dass die Zeit der dynamischen Ausbreitung der Reformation auch unter habsburgischer Herrschaft an ein Ende gelangt war.

FRANCE M. DOLINAR (Ljubljana) stellte „Die Gegenreformation in Innerösterreich und das Schicksal der Protestanten“ in den Mittelpunkt seines Vortrags. Erzherzog Ferdinand I. ließ sich während seiner Regierung über die habsburgischen Erbländer (1522–1564) auf Kompromisse mit den Protestanten ein. Dagegen schlug Erzherzog Karl II. (1564–1590) den Kurs einer Rekatholisierung ein, die namentlich von seinem persönlichen Rat, dem Laibacher Bischof Janez Tavčar, vorangetrieben wurde. Erzherzog Ferdinand II., der seit 1595 in Innerösterreich selbständig regierte, knüpfte an diese Politik an und verordnete am 19. September 1598 die Ausweisung aller protestantischen Lehrer und Prädikanten aus den innerösterreichischen Städten.

MARKUS HEIN (Leipzig) erläuterte in seinem Vortrag die historischen Hintergründe der „Ausstrahlung der Reformation auf Südosteuropa“. Da nach der Schlacht bei Mohács am 29. August 1526 das Reich der Stephanskrone, das mittelalterliche Ungarn, in drei Teile geteilt wurde, ergaben sich für die reformatorische Lehre neue Möglichkeiten der Entfaltung, vor allem aufgrund der Unterstützung der relativ eigenständigen Adligen und Magnaten. Durch das Studium ungarischer Studenten an der Wittenberger Universität konnte die Reformation in der Prägung von Philipp Melanchthon auch in den ehemaligen Ländern der Stephanskrone Fuß fassen. Die gleichen Unklarheiten, die in Deutschland zu Streitigkeiten führten, prägten aber auch die ungarische Reformationsbewegung, sodass sie sich bis 1570 fast vollständig in drei Lager trennte.

ARMIN KOHNLE (Leipzig) stellte den „Drucker Johannes Manlius als Förderer der Reformation in Krain und Ungarn“ vor, der mit Primus Truber insoweit in indirekter Verbindung stand, als er unter anderem Schriften des Truber-Schülers Georg Dalmatin herausgab. Neueste Forschungsergebnisse legen den Schluss nahe, dass sich Manlius nicht erst in Laibach als Buchdrucker betätigte, wo er sich 1575 nachweisen lässt, sondern auch mit jenem Johannes Menlin identisch ist, der sich 1548 in Wittenberg, später in Basel und Leipzig immatrikulierte und schon während seiner Studienzeit eine Sammlung der „dicta und exempla“ von Philipp Melanchthon verkaufte. In Laibach vertrieb Manlius neben den Arbeiten Dalmatins auch die Postille des Melanchthon-Schülers Johann Spangenberg von 1544 in slowenischer Übersetzung, ein wichtiges Indiz für die Identität mit dem Wittenberger Johannes Menlin. Nachdem ihn 1581 Erzherzog Karl von Innerösterreich des Landes verwiesen hatte, blieb er bis 1604 oder 1605 als Wanderdrucker in Westungarn tätig.

JOCHEN RAECKE (Tübingen) befasste sich in seinem Vortrag über „Primus Truber als Übersetzer und Autor“ mit der Frage, welcher Kategorie sich Truber vorrangig zurechnen lässt. Aus der Sicht eines heutigen Betrachters betätigte sich Truber bei seinen Ausgaben der Heiligen Schrift als Übersetzer, während bei seinen Schriften über die Seelsorge von seiner persönlichen Autorschaft auszugehen ist. Schwerer fällt die Beantwortung der Frage hinsichtlich der Katechismen und Kirchenordnungen, da sie nicht von Truber selbst, sondern von kirchlichen Autoritäten festgelegt worden waren. Aus der Sicht von Primus Truber und seinen Zeitgenossen dürfte eine solch strikte Trennung der Kategorien allerdings verfehlt gewesen sein. So stand für Truber wohl auch beim Übersetzen der Heiligen Schrift weniger die Orientierung an der Vorlage als vielmehr die Frage im Vordergrund, wie sich das Wort Gottes so angemessen wie möglich auf Slowenisch formulieren ließ.

WILFRIED SETZLER vermittelte in seinem Vortrag über „Tübingen und Derendingen zur Zeit Primus Trubers“ einen lebendigen Eindruck von den wissenschaftlich verbürgten Auskünften über das äußere Bild und die Einwohnerschaft von Tübingen und Derendingen, zwei wichtigen Stationen im Leben von Primus Truber. Tübingen war für ihn von Bedeutung als Druck- und Verlagsort, als Sitz des Evangelischen Stifts und als Universitätsstadt allgemein. In Derendingen war Primus Truber von 1567 bis zu seinem Tod 1586 Pfarrer; nirgendwo lebte und wirkte er so lange wie dort. Große Energie verlangte in den Anfangsjahren die Notwendigkeit, ein eigenes Haus zu bauen und mit der zunächst geringen Bezahlung zurechtzukommen, sodass er mehrere Jahre lang an seinen Studien und an seiner Übersetzungstätigkeit gehindert war.

ZVONE A. ŠTRUBELJ von der Slowenischen Gemeinde Stuttgart stellte in seinem abschließenden Vortrag „Vom Laibacher Diözesanpriester zum evangelischen Pfarrer Derendingens. Primus Truber aus der Sicht des Jahres 2008“ einige Gedanken über die Lebensstationen von Primus Truber zusammen, die den historischen Rückblick eines heutigen Betrachters bestimmen. Bis heute stellen die Slowenen Primus Trubers sichtbare Leistungen in den Vordergrund und sehen in ihm den Ersten, der ein gedrucktes slowenisches Buch herausbrachte, den ersten slowenischen Liedermacher seiner Zeit und den Gründer einer slowenischen Nationalkirche. Dabei wird übersehen, dass für Truber die Verwurzelung in der Bibel und seine Tätigkeit als Priester Vorrang genoss. Lange Zeit verschleierten auch ideologische Vorstellungen, etwa die des „slowenischen Patrioten“, ein angemessenes Bild der Persönlichkeit von Primus Truber.

Die thematisch vielfältigen Beiträge der Teilnehmer ermöglichten es, das Anliegen der Tagung zu erfüllen, die Persönlichkeit, das Werk und die Wirkung von Primus Truber auf der Grundlage der neuesten Forschungsergebnisse und vor dem Hintergrund der historischen Entwicklungen beurteilen zu können. Sein tief empfundener Glaube gab Truber die Kraft, nicht nur als Verkünder der Reformation sowohl in seiner Heimat als auch in Deutschland hervorzutreten, sondern auch durch sein Werk die Entwicklung der slowenischen Schriftsprache und damit einer slowenischen Identität voranzutreiben. Der begrenzte Erfolg der Reformation im heutigen Slowenien lässt diese Leistung umso wichtiger erscheinen. Dennoch wird eine Vereinnahmung von Primus Truber durch eine nationalslowenische oder eine gesamteuropäische Perspektive seiner Persönlichkeit nicht gerecht. Größer als bei früheren Jubiläen ist die Chance, das Jahr des 500. Geburtstages von Primus Truber zum Anlass für weitere, ideologisch unbelastete Forschungen und Reflexionen zu nehmen.

Kurzübersicht:

Donnerstag, 5. Juni 2008

Begrüßung: Bernd Engler, Rektor der Eberhard-Karls-Universität Tübingen; Ivan Svetlik, Vizerektor der Universität Ljubljana

ROLF-DIETER KLUGE, Universität Tübingen/Warschau: Übersicht über Leben und Werk Primus Trubers

ULRICH KÖPF, Universität Tübingen: Primus Truber als Theologe

HERMANN EHMER, Landeskirchliches Archiv Stuttgart: Primus Truber, Hans Ungnad von Sonnegg und die Uracher Druckerei 1560–1564

SAŠO JERŠE, Universität Ljubljana: Glaube, Liebe, Herrschaft. Grundprobleme des konfessionellen Zeitalters in den Ländern Innerösterreichs

FRANZ BREDLE, Universität Tübingen: Der slowenische Humanist Michael Tiffernus – Lehrer, Freund und Berater des Herzogs Christoph von Württemberg

ALOJZ PETERLE, Brüssel: Primus Truber als Europäer

Freitag, 6. Juni 2008

ANTON SCHINDLING, Universität Tübingen: Die Habsburger, das Reich, die Erblande und die Reformation

FRANCE M. DOLINAR, Universität Ljubljana: Die Gegenreformation in Innerösterreich und das Schicksal der Protestanten

MARKUS HEIN, Universität Leipzig: Die Ausstrahlung der Reformation auf Südosteuropa

ARMIN KOHNLE, Universität Leipzig: Der Drucker Johannes Manlius als Förderer der Reformation in Krain und Ungarn

JOCHEN RAECKE, Universität Tübingen: Primus Truber als Übersetzer und Autor

WILFRIED SETZLER, Universität Tübingen: Tübingen und Derendingen zur Zeit Primus Trubers

ZVONE A. ŠTRUBELJ, Slowenische Gemeinde Stuttgart: Vom Laibacher Diözesanpriester zum evangelischen Pfarrer Derendingens. Primus Truber aus der Sicht des Jahres 2008

Kontakt

Oliver Haller
Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Wilhelmstraße 36
D-72074 Tübingen
Tel.: 0 70 71/7 94 73 15
E-Mail: <oliver.haller@student.uni-tuebingen.de>

Zitation
Tagungsbericht: 500 Jahre Primus Truber. Reformator zwischen Slowenien und Württemberg, 05.06.2008 – 06.06.2008 Tübingen, in: H-Soz-Kult, 10.10.2008, <http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-2278>.