Klosterräume und Wissenswelten geistlicher Frauen im europäischen Mittelalter - Religious Women’s Spaces of Knowledge in the European Middle Ages

Ort
Hochstetten-Dhaun
Datum
20.07.2011 - 23.07.2011
Veranstalter
Arbeitskreis geistliche Frauen im europäischen Mittelalter (Agfem)
Von
Daniel Stracke, Institut für vergleichende Städtegeschichte, Universität Münster

Ausgerichtet vom Arbeitskreis geistliche Frauen im europäischen Mittelalter (Agfem) unter finanzieller Beteiligung des Instituts für Kirchengeschichte der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und des Historisch-Kulturwissenschaftlichen Forschungszentrums (HKFZ) Trier nahm die Tagung zum einen sowohl abstrakte als auch konkrete Räume des Frauenklosters in den Blick und widmete sich zum anderen dem Begriff des Wissens. Dabei wurde Wissen nicht nur als Gelehrten- und Spezialwissen verstanden, sondern umfasste etwa auch das Wissen um Traditionen und Bräuche, rechtliches, wirtschaftliches oder liturgisches Wissen. Ausgehend hiervon fragte die Tagung, welches Wissen sich in den konkreten Räumen des Klosters manifestierte und in welchen Räumen solches Wissen produziert, erhalten, transformiert oder weitergegeben wurde.

Zwei eröffnende Keynote Lectures beleuchteten zunächst die Handschriftenproduktion in mittelalterlichen Frauenkonventen. SARA POOR (Princeton) ging es um die literarische Tätigkeit der Pröbstin Anna Eybin des Augustinerinnenklosters in Pillenreuth bei Nürnberg (1461-1476). Sie konnte zeigen, dass Anna Eybin nicht nur als Schreiberin und Übersetzerin des Textes fungierte, sondern ihn weitgehend revidierte und verbesserte. Ihre Eingriffe gingen so weit, dass sie ganze Textteile umarrangierte, erläuternde Ergänzungen vornahm und auch Beschreibungen dramatisch zuspitzte. Poor wies für die ‚Schreiberin‘ damit eine überaus kreative und gelehrte literarische Tätigkeit nach und lud mit ihrem Vortrag ein, die Rolle weiblicher Religioser in der Textüberlieferung grundsätzlich zu überdenken.

ANNE WINSTON-ALLEN (Carbondale) wandte sich der Ausgestaltung mittelalterlicher Handschriften zu und zeigte Ergebnisse aus ihren umfangreichen Arbeiten an einem Index von Handschriften aus den Werkstätten von Frauenklöstern. Im Vortrag wurden zunächst Quellenhinweise zusammengezogen, die belegen, dass in vielen Frauenklöstern die Buchproduktion als eine wichtige Einnahmequelle der Konvente betrieben wurde. Die dann gezeigten Illuminationen umfassten eine große Bandbreite von Motiven, religiöse Darstellungen ebenso wie solche mit Aktivitäten des täglichen Lebens. Dabei wurde deutlich, dass die Illuminatorinnen einen eigenen Stil schufen, der bei Flora und Fauna eher realistische als stilisierte Darstellungen beinhaltet, sich in flächigen Dekorationen von der Paramentenstickerei beeinflusst zeigt und vor allem auch in religiösen Motiven eine alternative Ikonografie entwickelt.

In der ersten Sektion zum Thema „Politik und Gesellschaft“ untersuchte zunächst SABINE KLAPP (Trier) für das Straßburger Stift St. Stephan, in welcher Form familiäre Interessen in ein typisches weltliches Damenstift hineinwirkten, wobei sie in der Untersuchung die Mikroebene des Konvents eindrucksvoll mit der Makroebene der Region zu verbinden verstand. Als Beispiel wählte sie eine umstrittene Äbtissinnenwahl in den 1430er Jahren und analysierte die dabei auftretenden Parteiungen. So konnte Sabine Klapp zeigen, wie soziale Netzwerke in das Stift hineinwirkten und auch die Entscheidung für oder gegen eine Klosterreform beeinflussten. Die oft kolportierte Freiheit von Kanonissen gegenüber klausurierten Nonnen zog sie damit eindrucksvoll in Zweifel.

Die Geschwisterbeziehungen hochadliger geistlicher Frauen in der Stauferzeit untersuchte JONATHAN R. LYON (Chicago). Der Blick auf die Geschwisterbeziehungen ist insofern ungewöhnlich, als die Forschung bislang auf die Eltern-Tochter-Verhältnisse fokussiert war, welche die Lebenswege meist vorzeichneten. Johnathan Lyon konnte zeigen, dass die Geschwisterbeziehungen im Gegensatz zur Eltern-Kind-Beziehung weniger stark hierarchisch strukturiert waren, sodass der kindliche Gehorsam eher Aushandlungsprozessen zwischen den Geschwistern wich und sich derart für geistliche Frauen neue Handlungsspielräume ergeben konnten. In Bezug auf die Klosterreform etwa wurden Streitpunkte zwischen Geschwistern oftmals erst durch die Appellation an die päpstliche Kurie zu einer Lösung gebracht.

Der Vortrag von ANNEKE MULDER-BAKKER (Groningen) zeigte fromme Frauen, die in einer häuslichen Laiengemeinschaft in Offenburg und Straßburg lebten. Das Leben der adligen Witwe Gertrud von Ortenberg (c. 1275-1335) und ihrer verwandten Gefährtin Heilke von Staufenberg (gestorben nach 1335) als ‚arme Schwestern‘ war, wie aus dem Text Vom heiligen Leben der Seligen Frowen genant die Rückeldegen (um 1340) hervorgeht, bestimmt von persönlicher Askese und dem spirituellen Diskurs mit frommen Mitbürgern und Minderbrüdern. Der Text berichtet, dass die politischen Umwälzungen Gertrud zu dem Schluss führten, dass sie und ihre Familie als Angehörige der ehemaligen Führungsschicht Unrecht getan hätten, weshalb sie die Friedensvermittlung in diesem Konflikt zu ihrer Aufgabe machte. Anneke Mulder-Bakker zeigte Gertrud und Heilke als Frauen, die sich aus Gottesgehorsam und Verantwortungsgefühl aktiv für eine Verbesserung der politischen Kultur ihrer Zeit einsetzten.

In der Sektion „Ökonomie und Herrschaft“ analysierte JULIA BRUCH (Mannheim) die Ökonomie des Klosters Pielenhofen und gab vor allem anhand der Aufzeichnungen, die bei der Visitation durch Mönche des Mutterklosters im „Kaisheimer Rechungsbuch“ (13.-14. Jahrhundert) festgehalten worden waren, Einblicke in die inneren Strukturen der Klosterwirtschaft der Frauenzisterze. CHRISTIAN STADELMAIER (Gießen) unternahm, gestützt vor allem auf Urkunden und Verwaltungsschriftgut, einen Vergleich der Klöster Günterstal (Freiburg im Breisgau) und Nordshausen (Kassel). Ihm ging es vor allem darum, die spezifischen Strukturen und Entwicklungen der Eigenwirtschaft zisterziensischer Nonnenklöster zu zeigen. Dabei konnte er die zentrale Bedeutung des am Klosterort befindlichen Ökonomiehofs unterstreichen, der zunehmend von Lohnarbeitern getragen wurde. PAUL TRIO (Leuven) ergänzte das Bild um Befunde zur materiellen und finanziellen Subsistenz dreier großer Devotenhäuser in den flandrischen Kleinstädten Oudenaarde, Deinze und Courtrai. Er ging der Herkunft und Bewirtschaftung der Klosterländereien nach und zeigte darüber hinaus, dass hier die Textilindustrie eine besondere Rolle spielte, was nicht zuletzt im städtischen Wirtschaftsraum zu Spannungen mit der Bürgerschaft führen konnte.

LETHA BÖHRINGER (Köln) hatte sich zur Aufgabe gesetzt, in Verbindung mit quellenkundlichen Überlegungen Desiderate der klösterlichen Wirtschaftsgeschichte zu erörtern. Sie entwickelte folgende Fragen: Wie verwalteten die Nonnen ihren Klosterbesitz, welche Abhängigkeiten nahmen Einfluss auf ihr Handeln? Welche Rolle spielten männliche Verwalter und Vögte? Wie reagierten sie auf Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen? Als forschungsgeschichtliches Problem benannte Böhringer die Voreingenommenheit bei der Quellenauswahl der Editionsprojekte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die entsprechende Studien ohne intensive Archivarbeit unmöglich macht. Zugleich hob sie hervor, dass es notwendig sei, sich in der Beurteilung von wirtschaftlichem Handeln von den Kategorien des 19. Jahrhunderts zu lösen, der auch jüngere Klostermonographien oftmals noch folgen. Es sei vielmehr nötig, aktuelle wirtschaftswissenschaftliche Theorie heranzuziehen, explizit wurde die Beschäftigung mit den Ideen Douglass C. Norths angeregt.

Der Kommentar von ANNETTE KEHNEL (Mannheim) fokussierte die anschließende Diskussionsrunde mit pointierten Fragen zur Einschätzung wirtschaftlicher (Fehl-)Leistungen von Frauenklöstern. Sie machte auf Denkmuster aufmerksam, welche die mittelalterliche monastische Wirtschaft einseitig als ein progressives und innovatives Element deuten.

In der Sektion „Bildung und Theologie“ verband FIONA GRIFFITHS (New York) die Tätigkeit von Frauen als Herstellerinnen und Stifterinnen von Textilien mit der von männlichen Priestern in den Klöstern geleisteten Curia monialium. Sie interpretierte Gaben von Altarschmuck und liturgischen Gewändern als eine aktive Form weiblicher Teilnahme an der männlich dominierten Liturgie. Frauen wurden somit liturgische Akteure, die darüber hinaus Wert darauf legten, in textilen Bildern und Inschriften in der Nähe des Sakraments repräsentiert zu sein.

Im folgenden Vortrag stellte GISELA MUSCHIOL (Bonn) die Frage nach dem Wie und Warum der Ausbreitung neuer liturgischer Formen und Bildungsimpulse. Dies untersuchte sie anhand von Beispielen aus dem Bereich der dominikanischen Observanz (Schönsteinbach, Colmar u.a.) am Beginn des 15. Jahrhunderts und einiger unter dem Einfluss der Reformkongregationen von Windesheim und Bursfelde stehender Gemeinschaften (Ebstorf, Medingen u.a.). Methodisch kartierte sie die Reisewege einzelner Nonnen bzw. Reformdelegationen und konnte dichte Kommunikationsnetze nachweisen.

Die anschließend von ALISON BEACH (Köln) geleitete Diskussion konzentrierte sich auf die Vielschichtigkeit liturgischer Bildprogramme, die Koordinierung der Wanderungsbewegungen und die Verwendung von Kleidung in anderen Kontexten (re-purposing of garnments).

ERIKA LINDGREN (Waverly) versuchte, anhand der wenigen für die Frühzeit existierenden Quellen zu einem Verständnis von Bildung und Ausbildung in dominikanischen Frauenklöstern zu gelangen. Neben normativen Quellen – Regeln und Konstitutionen – zog sie vor allem die in Konventbüchern überlieferten biographischen Notizen sowie Exempel und Anekdoten heran und kam zu dem Ergebnis, dass das Lesen und Schreiben in Deutsch und Latein durchaus verbreitet gewesen sei. Anhand von textlichen Verweisen auf die Bibel, die Werke des hl. Augustinus sowie des hl. Benedikt und Bernhards von Clairveaux gab sie einen Eindruck davon, was in frühen Dominikanerinnenklöstern außer liturgischen Kenntnissen noch vermittelt wurde.

Nach der Wahrnehmung der berühmten Ebstorfer Weltkarte in demselben Kloster durch die dortigen Nonnen fragte KATHARINA MERSCH (Erfurt). Dass es sehr wohl in deren Bildungshorizont lag, weite Teile des bildlichen und textlichen Karteninhalts zu verstehen, zeigte sie mit einem neuen methodischen Ansatz. Dabei stand nicht der geringe aus Ebstorf überlieferte Handschriftenbestand im Mittelpunkt, sondern die vielfältige Ausstattung des Klosterraumes. Katharina Mersch legt den Schluss nahe, dass die Frauen bereits im 14. Jahrhundert Unterricht in Latein erhalten haben und mit den zum Verständnis der Karte nötigen typologischen Interpretationsmustern vertraut waren.

In ihrem Kommentar zu dieser Sektion machte EVA SCHLOTHEUBER (Düsseldorf) auf das methodische Problem der Selbst- und Fremdwahrnehmung aufmerksam, da die Nonnen trotz ihrer Bildung nicht als „gelehrt“ galten.

In der Sektion „Ordnung und Lebensweise“ zeigte CRISTINA ANDENNA (Dresden), wie Königin Sancha von Neapel als Interpretin franziskanischer Leitideen auf die Lebensweise von Klarissen im 14. Jahrhundert wirkte: Sie griff in vielfältiger Weise in die innere Organisation des Klosters und die Ausgestaltung der Lebensform der neapolitanischen Nonnen ein, regelte die Ämterwahl und verbot Privatbesitz. Als sie schließlich selbst dem Konvent beitrat, erlangte sie eine päpstliche Sondergenehmigung zum Verlassen der Klausur. Die Fallstudie problematisiert die aus einer verfassungsgeschichtlichen Forschungstradition erwachsene Annahme allgemeiner uniformitas im Klarissenorden, zeigt sie doch, wie sich die Lebensform in einem Kloster in Wechselwirkung mit Stifterpersönlichkeiten individuell ausprägen konnte.

Das wenig bekannte Weiheritual, das in den fünf belgischen Kartäuserinnenklöstern (Mélan, Salettes, Prémol, Gosny und Bruges) ausgeübt wurde, stellte TOM GAENS (Zelem) vor. Die bereits bei den Kirchenvätern beschriebene Jungfrauenweihe war zeitweilig in einer Reihe von monastischen Gemeinschaften im Gebrauch gewesen, wurde aber bereits seit dem 12. Jahrhundert nur noch bei den Kartäusernonnen praktiziert. Das mittelalterliche Weiheritual erfolgte nicht nur mit den üblichen Attributen weiblichen Religiosentums wie Schleier, Ring und Krone. Vielmehr kamen in der kartäusischen Variante auch solche Objekte zum Einsatz, die sonst nur mit den höheren, Männern vorbehaltenen Priesterweihen assoziiert sind: Manipel, Stola und Kreuz.

Anhand ihrer Auswertung päpstlicher Supplikenregister und lokaler Quellenbestände stellte MILENA SVEC GOETSCHI (Zürich) umfangreiche Befunde zur Flucht von Nonnen aus Klöstern vor. Anhand zweier Fallstudien aus einem Klarissen- und einem Dominikanerinnenkloster wurde gezeigt, dass geflohene geistliche Frauen über ihre sozialen Netzwerke durchaus auf Wissen, Geld und kuriale Prokuratoren zurückgreifen konnten, um sich in ihrer schwierigen Rechtslage zu behaupten.

In der von Kunsthistoriker/innen ausgerichteten Sektion „Kunst und Architektur“ zeigte ALEXANDRA GAJEWSKI (Nimes), dass zisterziensische Frauenklöster trotz der oftmals geringeren Größe in ihrer baulichen Gestalt komplexe architektonische Gebilde waren. Chronologisch voranschreitend stellte sie das Beispiel der Priorei Sainte-Trinité in Marcigny als cluniazensisches Doppelkloster und die Klöster in Jully und Tart vor, die als erste dem Zisterzienserorden angeschlossene Frauenkonvente gelten. Anhand ihrer Darstellung des Klosters in Maubuisson wurde deutlich, wie in diesem Frauenkloster ein neues liturgisches Arrangement gefunden wurde, dass den Bedürfnissen der Nonnen und in besonderem Maße der Memorialfunktion gerecht wurde. Dabei wurde eindrucksvoll gezeigt, wie in Arrangement und Gestaltung der Grabmale der dynastische Bruch zwischen Karpetingern und Valois überbrückt wurde.

THOMAS COOMANS (Leuven) verglich die Memorialpraktiken in Zisterzienserinnenklöster der südlichen Niederlande und wies hierbei achtundsechzig Begräbnisse in elf Frauenklöstern nach. In Roermond konnte er etwa eine Bedeutungssteigerung der Grablege durch vier Altäre im für die Nonnen reservierten Obergeschoss zeigen. Das räumliche Arrangement der Bestattungen in den Klosterkirchen zeigte eine große Vielfalt, die der Referent anhand weiterer Beispiele darstellte. Eng im Zusammenhang mit der Lokalisierung der Grabstätten in den Frauenklöstern steht ihre reiche Ausstattung mit Reliquien, die eine Sphäre besonderer Heiligkeit erzeugten.

STEFANIE SEEBERG (Köln) untersuchte eine im Zusammenhang mit der Vita der 1234 kanonisierten heiligen Elisabeth von Thüringen stehende Leinenstickerei aus dem Kloster Altenburg/Lahn sowie den zugehörigen Entstehungskontext. Anhand baulicher Befunde, Reliquien und historischer Quellen konnte sie nachweisen, dass Altenburg durch Magistra Gertrud (+ 1297), einer Tochter Elisabeths, als ein Pilgerzentrum für den Elisabethkult konzipiert worden war. Diese Bemühungen mündeten auch in die Herstellung jener Stickerei, die Schwestern und Pilgern das Wissen um das Leben der Heiligen im Bild und gezielt auch politisch-dynastisches Wissen vermitteln sollte.

SUSAN MARTI (Bern) untersuchte die reiche bauliche Gestaltung und liturgische Ausstattung des 1308 von Agnes von Ungarn für ihren Vater, den ermordeten Habsburgerkönig Albrecht I., gegründeten Kl. Königsfelden bei Brugg. Besondere Aufmerksamkeit erhielt ein aus Habsburger Schenkung stammendes, prunkvolles Antependium für den Hochaltar, das in seiner Qualität textilen Spitzenprodukten wie Krönungsornaten vergleichbar ist. Susan Marti konnte zeigen, wie das darauf dargestellte Bildprogramm mit demjenigen der Glasfenster in der Klosterkirche und verschiedener anderer liturgischer Objekte korrespondierte und wie ähnliche Szenen in verschiedenen Medien transportiert und Teil performativer liturgischer Praxis wurden.

Im Mittelpunkt der Tagung stand, ganz im Sinne des Agfem-Arbeitskreises, der internationale und interdisziplinäre Austausch von Fachwissenschaftlern/innen. Der als Tagungsthema vorangestellte, mehrdeutige Begriff der Wissensräume erwies sich als überaus fruchtbar, indem er einerseits die Beitragenden zu einer großen Vielfalt unterschiedlicher methodischer Zugänge inspirierte und dabei andererseits die anschließenden Diskussionen fokussierte. Vor allem zeigte sich, dass er geeignet ist, neue Erkenntnisse in der Erforschung weiblicher Religiosengemeinschaften zu erbringen, einem Gegenstand, dessen Wahrnehmung gerade in dem so abgesteckten Feld neuer Impulse bedarf. Diese Tagung hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.[1]

Konferenzprogramm:

Begrüßung und Eröffnung

Alison Beach, Letha Böhringer, Sigrid Hirbodian und Gisela Muschiol
Leitung: Alison Beach

Poor, Sara (Princeton): Women Making Sense With Books: Anna Eybin and the Sister Catherine Treatise

Winston-Allen, Anne (Carbondale): Enclosure and Exchange: Envisioning Manuscript Illumination in Medieval Women's Cloister Scriptoria

Politik und Gesellschaft
Leitung: Sigrid Hirbodian

Klapp, Sabine (Trier): Politik, Familie und Raum in elsässischen Frauenstiften im 15. Jahrhundert

Lyon, Jonathan (Chicago): Religious Women and their Siblings during the Staufen Period

Mulder-Bakker, Anneke (Groningen): Domestic Ascetic Households, Communities of Discourse, and the social Career of an Urban Widow: the Case of Lady Gertrude of Ortenberg

Ökonomie und Herrschaft
Leitung: Sabine von Heusinger und Maria Magdalena Rückert

Bruch, Julia (Mannheim): Wirtschaftliche Organisation im zisterziensischen Frauenkloster.

Stadelmaier, Christian (Gießen): Wirtschaften am Klosterort. Der klösterliche Ökonomiehof als Zentrum der Eigenwirtschaft zisterziensischer Nonnenklöster im späteren Mittelalter

Trio, Paul (Leuven): Late Medieval Houses of the Modern Devotion in Flanders: How to Survive

Böhringer, Letha (Bonn): Die Ökonomie klausurierter und nicht-klausurierter Frauengemeinschaften: Quellenproblematik und Forschungslücken

Kommentar: Annette Kehnel (Mannheim)

Diskussion aller vier Vorträge in Form eines Roundtables

Bildung und Theologie
Leitung: Ulla Bucarey

Griffiths, Fiona (New York): “Like the Sister of Aaron”: Medieval Religious Women and Liturgical Textiles

Muschiol, Gisela (Bonn): Wandernde Nonnen? Liturgietransfer und Bildungsreform im Spätmittelalter

Kommentar: Alison Beach (Köln)

Mersch, Katharina Ulrike (Erfurt): „Die Ebstorfer Weltkarte vor dem Bildungshorizont der Ebstorfer Nonnen“

Lindgren, Erika (Waverly): Sensual Encounters: Monastic Women and Spirituality in Medieval Germany

Kommentar: Eva Schlotheuber (Düsseldorf)

Ordnung und Lebensweise
Leitung: Hildo van Engen und Jasmin Hoven

Andenna, Cristina (Dresden): Sancha von Neapel: Eine Akteurin und Interpretin des weiblichen franziskanischen Lebens im 14. Jahrhundert

Gaens, Tom (Zelem): Viriliter Age. Gendered Identity and Construction of the Self in the Late Medieval Reform of the Carthusian Virginity Consecration Rite

Svec Goetschi, Milena (Zürich): Stabilitas vs. instabilitas. Begrenzter Lebensraum Kloster und die Flucht in die säkulare Welt

Kunst und Architektur
Leitung: Stefanie Seeberg und Susan Marti

Gajewski, Alexandra (Nimes): Liturgy and Commemoration in French Cistercian convents in the 12th and 13th centuries

Coomans, Thomas (Leuven): Places of Memory between Earth and Heaven: Cistercian Abbey Churches and Dynastic Burial in the Low Countries

Seeberg, Stefanie (Köln): Mitgeteiltes Wissen - Räume, Bilder und Reliquien als Träger von Erinnerung im Prämonstratenserinnenkloster Altenberg/Lahn im 13. Jahrhundert

Marti, Susan (Bern): Geteilte Räume – geteiltes Wissen? Kunsthistorische Überlegungen zur Ausstattung der Klosterkirche Königsfelden

Abschlussdiskussion
Leitung: Hedwig Röckelein

Anmerkung:
[1] Eine Langversion des Tagungsberichtes steht auch unter <http://www.agfem.org> (28.09.2011) zur Verfügung.

Zitation
Tagungsbericht: Klosterräume und Wissenswelten geistlicher Frauen im europäischen Mittelalter - Religious Women’s Spaces of Knowledge in the European Middle Ages, 20.07.2011 – 23.07.2011 Hochstetten-Dhaun, in: H-Soz-Kult, 29.09.2011, <http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-3815>.
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Veröffentlicht am
29.09.2011
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