Amerika in Augsburg: Aneignungen und globale Verflechtungen in einer Stadt

Ort
Augsburg
Datum
15.03.2012 - 17.03.2012
Veranstalter
Philipp Gassert, Lehrstuhl für die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums; Günther Kronenbitter, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte; Wolfgang E. J. Weber, Institut für europäische Kulturgeschichte, Universität Augsburg
Von
Philipp Baur, Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums, Universität Augsburg

Als 1998 die letzten US-amerikanischen Truppen aus Augsburg verabschiedet wurden, ging ein über fünf Jahrzehnte dauerndes Kapitel deutsch-amerikanischer Nachkriegsgeschichte zu Ende, das Augsburg kulturell, wirtschaftlich und architektonisch nachhaltig geprägt hat. Diese wechselseitigen Kontakte und Beeinflussungen zwischen Augsburg und Amerika waren nun Gegenstand einer Tagung, die die gesamte Neuzeit in den Blick nahm. Die Tagung wurde begleitet durch die Eröffnung der Foto-Ausstellung „Amerikanisches Leben in Augsburg“ in der Neuen Stadtbücherei, einen Abendvortrag von Prof. WOLFGANG FRÜHWALD (Augsburg) über seine ersten Kontakte mit den amerikanischen Soldaten im Frühjahr 1945 und eine Podiumsdiskussion zur Frage der Erinnerung an „Amerika in Augsburg“ und das ehemalige KZ-Außenlager Pfersee.

WOLFGANG E. J. WEBER (Augsburg) wies in seinen einführenden Überlegungen darauf hin, dass Amerika und Augsburg zwei sehr ungleichen Partnern seien, deren Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse sich historisch umgekehrt haben: Während die Reichsstadt Augsburg ab 1800 ihre wirtschaftliche, politische und kirchliche Bedeutung verlor, stiegen die USA im 20. Jahrhundert zur Weltmacht auf. Die Verflechtungen seien dennoch mannigfaltig: Neben den wirtschaftlichen Aspekten stelle die Tagung deshalb Kultur in den Mittelpunkt, um die komplexen Wahrnehmungen und Aneignungen zu untersuchen. Daran anschließend erläuterte PHILIPP GASSERT (Augsburg), wie Amerika als Chiffre und Repräsentant für die liberale Moderne zu einem Maßstab wurden, der Europa gleichsam als nachahmenswertes wie abschreckendes Vorbild diente. Dies illustrierte Gassert an Hand der Karikatur „Amerika entdeckt Augsburg“ aus dem Jahr 1956, in der Amerikanisierungsbefürchtungen zum Ausdruck kommen.

Die erste Sektion (Leitung: Günther Kronenbitter, Augsburg) untersuchte die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge und die wirtschaftlichen Verflechtungen Augsburgs mit Amerika. MARK HÄBERLEIN (Bamberg) stellte die Interessen Augsburger Handelshäuser in der Neuen Welt zwischen 1500 und 1800 vor. Nach der Öffnung des Amerika-Handels für Nicht-Kastilier im Jahr 1526 erwarb die Kaufmannsfamilie der Welser von der spanischen Krone die Lizenz zum Sklavenhandel und zur Kolonisation Venezuelas. Allerdings hatte die direkte Involvierung nur explorativen Charakter. Als wesentlich lukrativer und langfristig bedeutender erwies sich die Entscheidung der Fugger, eine Handelsniederlassung im spanischen Sevilla, dem damaligen Tor zur Neuen Welt, zu eröffnen, um am Transatlantikhandel teilzuhaben.

Im 19. Jahrhundert wurde amerikanische Baumwolle zum wichtigen Rohstoff für die Augsburger Textilindustrie. KARL BORROMÄUS MURR (Augsburg) zeigte anhand steigender Bedarfs- und Produktionszahlen die Entwicklung der Augsburger Textilproduktion in einer zunehmend von globalen Faktoren beeinflussten Wirtschaft. So führte der amerikanische Bürgerkrieg zu einem massiven Rückgang der Baumwolllieferungen, was die Kette des Transatlantikhandels – vom Pflanzer und Banker über Verschiffer, Importeur und Spinner – anfällig für finanzielle Spekulationen machte. Die Bremer Baumwollbörse gewann hier Ende des 19. Jahrhunderts als Schiedsgericht an Bedeutung und vermittelte zwischen den Interessen der beteiligten Akteure.

Die zweite Sektion (Leitung: Barbara Wolf, Augsburg) betrachtete den wirtschaftlichen, architektonischen und städtebaulichen „Impact“ der USA im Augsburg der Nachkriegszeit. TOBIAS BRENNER (Augsburg) rekonstruierte die Auswirkungen der Stationierung US-amerikanischer Truppen in den ehemaligen Reichswehrkasernen im Westen der Stadt und die Reaktionen der Augsburger Bevölkerung. Gerade die massiven baulichen Veränderungen im Stadtbild durch eigene Wohngebiete für bis zu 2.000 amerikanische Familien wurden zunächst mit Argwohn beobachtet. Der unmittelbare Mehrwert, etwa durch 1.200 Arbeitsplätze für Zivilangestellte oder die indirekten Subventionen aus Bundesmitteln, wurde erst später erkannt. Einen zweiten „Impact“ konstatierte Brenner für die späten 1990er-Jahre, als mit dem Abzug der US-Armee große Flächen zur Konversion in den Besitz der Stadt übergingen.

Weitere Erbstücke von Amerika in Augsburg untersuchte STEFAN PAULUS (Augsburg). Am Beispiel dreier ziviler Bauten – dem Verwaltungsgebäude der US-Firma Nationale Registrierkassen (1952/1967), dem Parkhaus Grottenau (1957) sowie dem im Kontext der Olympischen Spiele in München errichteten Hotelturm (1972) – zeigte Paulus den ambivalenten Umgang mit den als amerikanisch-modern wahrgenommenen Architekturformen. Einerseits orientierte sich die Architektur der drei Gebäude an Vorbildern aus den USA, was teils als nachahmenswert, teils als Kontrast zur Renaissance-Architektur der Stadt empfunden wurde. Gleichzeitig zitieren die Gebäude den Bauhausstil der Zwischenkriegszeit, der über die USA re-importiert wurde, aber nun als neu, eben amerikanisch empfunden wurde und der Stadt drei neue Wahrzeichen verschaffte.

Der erste Konferenztag wurde durch die Eröffnung der Foto-Ausstellung „Amerikanisches Leben in Augsburg“ beendet. Diese wurde von Tobias Brenner, Tobias Ranker und Babette Gräper (Augsburg) zusammen mit Studierenden des Faches Geschichte der Universität Augsburg recherchiert und konzipiert. Anliegen der Ausstellung ist es, ein halbes Jahrhundert deutsch-amerikanischer Geschichte in Augsburg Revue passieren zu lassen. Anhand einer Reihe von Rollenbildern zeichnet die Ausstellung diese wechselvolle, oft konfliktreiche Geschichte nach und verbindet globalen Entwicklungen mit einer lokalen Perspektive.[1]

Der zweite Konferenztag begann mit einem Fokus auf frühneuzeitliche Amerikabildern (Leitung: Hanno Ehrlicher, Augsburg). CHRISTINE R. JOHNSON (St. Louis) analysierte Augsburger Druckerzeugnisse des 16. Jahrhunderts im Hinblick auf die Darstellung des neu entdeckten Kontinents. Johnson wies nach, dass Nachrichten aus Amerika in Kreisen humanistischer Gelehrter und Händler mit großem Interesse verfolgt wurden. Sie avancierten zur Projektionsfläche für Hoffnungen, aber auch Ängste und Ordnungsvorstellungen der Augsburger Elite. Dabei wurde durchaus differenziert und kritisch mit der Darstellung der eingeborenen Bevölkerung umgegangen, auch wenn diese als führungs- und missionierungsbedürftig porträtiert wurde.

Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelte sich in der Augsburger Publizistik Ansätze einer Amerikakunde, lange bevor diese sich in der Göttinger Aufklärung institutionalisierte. Sie speiste sich insbesondere aus den Transatlantik-Netzwerken des Jesuiten-Ordens und der Georgia-Kontakte des pietistischen Theologen Samuel Urlspergers, wie RAINALD BECKER (München) ausführte. Dabei übertrug sich die Konfessionskonkurrenz auch auf die Deutungen der Neuen Welt: Jesuitisch-katholische Autoren zeichneten sich durch eine heilsgeschichtliche, dabei dezidiert empiristische Perspektive aus. Die Pietisten verbanden mit der atlantischen Welt ebenfalls heilsgeschichtliche, aber chiliastisch entgrenzte Erlösungshoffnungen.

Die vierte Sektion (Leitung: Silvia Serena Tschopp, Augsburg) beschäftigte sich mit Amerikanisierungsdiskursen im 20. Jahrhundert. EGBERT KLAUTKE (London) zeigte, wie in den 1920er-Jahren das Modewort „Amerikanisierung“ zum zentralen Begriff der sozial- und kulturpolitischen Auseinandersetzung mit der Moderne wurde. An Beispielen aus der Augsburger Tagespresse rekonstruierte Klautke einige der ambivalenten und viel diskutierten Problemfelder: die zunehmende Überfremdungsangst, die sich gegen eine volkstümliche Begeisterung für amerikanische Technik und Unterhaltungskultur wandte, sowie die unter dem Gegensatzpaar Fordismus und Taylorismus subsumierte Diskussion über die Neuerungen industrieller Massenproduktion und Konsumkultur.

PETER BOMMAS (Augsburg) zeigte in seinem Beitrag über die „amerikanisierte“ Jugend, wie Pop-Kultur sich in der Nachkriegszeit auf den Weg in die Mitte der Gesellschaft machte und nicht mehr als ein Phänomen von Amerikanisierung, sondern Globalisierung zu verstehen ist. Er spannte den Bogen von Opferdiskursen der frühen Nachkriegszeit, als die amerikanische Populärkultur von Teilen der (erwachsenen) Bevölkerung als Bedrohung empfunden wurde, bis hin zu neueren Ansätzen, die Pop-Kultur als kreativen Aneignungs- und Umwandlungsprozess verstehen. Bommas hob hervor, dass die popkulturelle „Amerikanisierung von unten“ (Kaspar Maase) zu einer jugendkulturellen Vergangenheitsbewältigung und damit maßgeblich zur Demokratisierung beigetragen habe. Mit Blick auf die Augsburger Szene machte Bommas für die 1980er-Jahre eine „Ent-Amerikanisierung“ durch die entstehende Club-Kultur aus.

Die fünfte Sektion (Leitung: Lothar Schilling, Augsburg) wandte sich den Migrationsbewegungen zwischen Schwaben und Nordamerika zu. RUDOLF FREUDENBERGER (Augsburg) stellte die Geschichte der Salzburger Emigranten in Georgia vor. Diese wanderten in den 1730er-Jahren mit Hilfe Augsburger Protestanten und des Theologen Samuel Urlsperger in den Süden der USA aus und gründeten dort die Kolonie Ebenezer. Mit Johann Adam Treutlen wurde einer dieser Emigranten 1777 zum ersten Gouverneur von Georgia gewählt. Freudenberger erklärte, dass in der amerikanischen Geschichtsschreibung häufig fälschlicherweise Halle, nicht Augsburg als Ausgangspunkt der Exilanten aufgeführt wird, was durch eine Gedenktafel in der Augsburger St. Anna Kirche richtig gestellt worden ist.

MARITA KRAUSS (Augsburg) untersuchte die Migration aus Bayerisch-Schwaben nach Nordamerika im 19. Jahrhundert. Migration sei, so argumentierte Krauss, nicht als Spezial-, sondern Normalfall der Geschichte zu betrachten. Am Beispiel von Einzelschicksalen illustrierte sie die individuellen Komponenten von Migration, die im 19. Jahrhundert nicht immer nur auf Armut zurückzuführen war: Im Fall von Bayerisch-Schwaben kamen die Emigranten weniger aus industriellen Zentren und waren sogar relativ wohlhabend. Krauss betonte, dass die Migration über den Atlantik als lebenslanger, generationenübergreifender Prozess zu verstehen sei, bei dem die Kontakte zwischen neuer und alter Heimat bestehen blieben und zu transnationalen Raumkonstruktionen führten.

Thema der sechsten Sektion (Leitung: Stefan Grüner, Augsburg) war die US-Militärpräsenz in Augsburg. EDITH RAIM (München) plädierte für eine kulturwissenschaftliche Perspektive auf die Besatzungszeit und eine eingehendere Untersuchung der interkulturellen Begegnung zwischen Amerikanern und Deutschen. Am Beispiel der Informationsbroschüren, mit denen amerikanische Soldaten auf ihren Besatzungsdienst vorbereitet wurden, skizzierte Raim die Argumentationsschemata, die ein Auftreten als strengen Besatzer und Vorbild anmahnten. Auf deutscher Seite rief das Amtsblatt der Stadt Augsburg die Bevölkerung zu einem korrekten Auftreten auf. Der Fraternisierung konnte jedoch letztlich kein Einhalt geboten werden. Die Diskussion um das Internierungslager im Stadtteil Haunstetten illustrierte das immanente Dilemma zwischen alliierter Kontrolle und demokratischem Neuanfang.

REINHILD KREIS (Augsburg) regte an, die Ambivalenzen der deutsch-amerikanischen Kulturbegegnung jenseits tradierter „Vom Feind zum Freund“-Narrative zu untersuchen. Am Beispiel des Deutsch-Amerikanischen-Beratungsausschusses zeigte sie, dass die Beziehungen im Augsburger Alltag wesentlich facettenreicher und konfliktreicher waren als gemeinhin überliefert. Bei aller Freundschaftsrhetorik seien durchaus auch problematische Themen diskutiert worden, etwa die Diskriminierung schwarzer GIs auf dem deutschen Wohnungsmarkt oder die Beziehungen deutscher Frauen zu amerikanischen Soldaten. Diese Grauzone zwischen Akzeptanz und Ablehnung, so argumentiert Kreis, müsse gerade durch lokalgeschichtliche Zugriffe noch näher untersucht werden.

Der zweite Konferenztag ging mit einem öffentlichen Vortrag des emeritierten Münchner Germanisten und ehemaligen Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie der Alexander von Humboldt-Stiftung Wolfgang Frühwald (Augsburg) zu Ende. Frühwald, geboren 1935 in Augsburg, berichtete von seinen ersten Begegnungen mit den amerikanischen Truppen in Augsburg 1945. Er sei damals einer – mit den Worten von Klaus Mann – „relativ humanen Armee“ begegnet, die gerade Kindern gegenüber nachsichtig und hilfsbereit aufgetreten sei. Dies habe ihn ein Maß an Vertrauen und Menschlichkeit erfahren lassen, wie es Kinder in der NS-Diktatur nicht kennengelernt hatten und das seiner Meinung nach zur Grundlage für die junge Demokratie wurde.

Der dritte Konferenztag beschäftigte sich mit der Frage nach der angemessenen Erinnerung an Augsburgs Geschichte als Garnisonsstadt. Die ehemaligen amerikanischen Kasernenareale waren vor 1945 von der Wehrmacht genutzt worden. In einem dieser Gebäude, der so genannten „Halle 116“, war 1944/45 ein Außenlager des KZs Dachau untergebracht. Die abschließende Sektion (Leitung: Ansgar Reiss, Ingolstadt) näherte sich dieser komplexen Geschichte mit drei Vorträgen über vergleichbare Kontexte an, bevor auf einem Podium verschiedene Stimmen aus Wissenschaft, Museumspraxis und Zeitzeugen zu Wort kamen. MARIA HÖHN (Poughkeepsie) diskutierte US-Militärstandorte in Deutschland als deutsch-amerikanische Kontaktzonen. An diesen lassen sich zentrale Aspekte und Konfliktlinien der Nachkriegsgeschichte wie die Demokratisierung und Westernisierung der Bundesrepublik oder der Umgang mit multikulturellen Gesellschaften zeigen. Da im Lauf der Jahrzehnte geschätzte 20 Millionen amerikanische Soldaten in Deutschland stationiert waren, wäre ein – bis dato fehlender – deutsch-amerikanischer Erinnerungsort auch für Besucher aus den USA ein interessantes Ziel.

GUNDULA BAVENDAMM (Berlin) stellte ausgehend von der Neukonzeptionierung des Alliierten Museums in Berlin eine Reihe von Thesen zur Erinnerung an die US-Militärpräsenz in Deutschland zur Diskussion. Sie argumentiert, dass die Stationierung ausländischer Soldaten im Deutschland der Nachkriegszeit ein Flächenphänomen war, an das kaum erinnert wird. Ein differenzierter Narrativ jenseits der Transformation vom Feind zum Freund existiere noch nicht. Mit nunmehr zwei Jahrzehnten Abstand zum Kalten Krieg bestehe hier die Chance, neue Wege der musealen Darstellung zu begehen und die Erinnerung an die Militärpräsenz in Deutschland dezentral zu vernetzen.

PHILIPP GASSERT (Augsburg) präsentierte Überlegungen zu einem Friedensort Halle 116. Erstmals in seiner 2.000-jährigen Geschichte sei Augsburg nun ohne Militär. Mit der Halle 116 bestehe ein einzigartiger Ort, an dem sich die Geschichte von Tätern und Opfern, von Aufrüstung und Gewaltherrschaft, aber auch von Befreiung und Demokratisierung verdichte. Augsburgs Selbstverständnis als Friedensstadt, das sich auf den Augsburger Religionsfrieden von 1555 beruft, gewinne durch das spannungsreiche Verhältnis von Frieden und Demokratie und die Reibungspunkte von Militär und Gesellschaft im 20. Jahrhundert weitere Facetten. Ein zeithistorisches Museum mache den Standort auch als bundesdeutschen und transatlantischen Erinnerungsort attraktiv.

In der abschließenden Podiumsdiskussion (Moderation: Günther Kronenbitter und Philipp Gassert) wurden weitere Perspektiven erörtert. Der 1945 in Dachau von den US-Truppen befreite MAX MANNHEIMER plädierte für eine Nutzung als Lernort für zukünftige Generationen, um Ausgrenzung auch als Gegenwartsproblem zu thematisieren. Der Augsburger Friedenspreisträger HELMUT HARTMANN verwies auf die Chance, dass ein Erinnerungsort in Zentrumsnähe möglich und damit für Schulen gut erreichbar sei. GABRIELE HAMMERMANN, die Leiterin der Gedenkstätte Dachau, erkannte in dem praktisch unverändert erhaltenen Gebäude einen einmaligen Originalplatz, am dem sich das System der KZ-Außenlager in Schwaben illustrieren lasse. WOLFGANG STÄBLER von der Landesstelle für nicht-staatliche Museen in Bayern hob die Schwierigkeit der Darstellung als Chance hervor, die verschiedenen Erinnerungsstränge zusammenzuführen. GUNDULA BAVENDAMM wies auf die Scharnierfunktion der einzelnen Themen und Epochen hin und unterschied zwischen dem Narrativ eines möglichen Museums, dessen zentraler Aspekt die Garnisonsstadt sein könnte, und der Vermittlungsstrategie, die der Friedenspädagogik verpflichtet sein müsse.

Konferenz und Rahmenprogramm machten deutlich, dass das Thema Amerika in Augsburg nach einer Phase mit wenig Aufmerksamkeit auf die Agenda von Politik und Stadtöffentlichkeit zurückgekehrt ist. Mit einem Museum bzw. Erinnerungsort zu Militär und Frieden im 20. Jahrhundert könnte die Stadt sich an die Spitze einer Bewegung setzen und über die Region hinaus erinnerungspolitische Bedeutung gewinnen. Das Thema wird auch an der Universität Augsburg ein Schwerpunkt in Forschung und Lehre bleiben.[2]

Konferenzübersicht:

Begrüßung

Einführung in die Thematik: Wolfgang E. J. Weber / Philipp Gassert

Sektion I: Weltwirtschaftliche Zusammenhänge
Moderation: Günther Kronenbitter (Augsburg)

Mark Häberlein (Bamberg): Augsburger Handelshäuser und die Neue Welt (1500-1800)

Karl Murr (Augsburg): Baumwolle aus den USA. Die Rohstoffbeschaffung der Augsburger Textilindustrie im 19. Jahrhundert

Sektion II: Wirtschaft und Amerikanisierung
Moderation: Barbara Wolf (Augsburg)

Stefan Paulus (Augsburg): Architektur und Amerikanisierung

Tobias Brenner (Augsburg): Der städtebauliche und wirtschaftliche „Impact“ der
US-Militärpräsenz

Eröffnung der Fotoausstellung „Amerikanisches Leben in Augsburg“

Sektion III: Frühneuzeitliche Amerikabilder
Moderation: Hanno Ehrlicher (Augsburg)

Christine R. Johnson (St. Louis): Images of America in Sixteenth-Century Augsburg

Rainald Becker (München): Augsburger Amerikabilder im 18. Jahrhundert

Sektion IV: Amerikanisierungsdiskurse im 20. Jahrhundert
Moderation: Silvia Serena Tschopp (Augsburg)

Egbert Klautke (London): Amerikanismusdebatten und Amerikanisierungsängste in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Peter Bommas (Augsburg): „Amerikanisierte“ Jugend- und Populärkultur seit 1945

Sektion V: Migrationsbewegungen
Moderation: Lothar Schilling (Augsburg)

Rudolf Freudenberger (Augsburg): Samuel Urlsberger und die Salzburger Emigranten in Georgia

Marita Krauss (Augsburg): Migration aus Bayerisch-Schwaben nach Nordamerika im 19. Jahrhundert

Sektion VI: Die US-Militärpräsenz in Augsburg
Moderation: Stefan Grüner (Augsburg)

Edith Raim (München): Kriegsende in Bayerisch-Schwaben und Augsburg in der Besatzungszeit

Reinhild Kreis (Augsburg): Zwischen Akzeptanz und Ablehnung: Die Augsburger Bevölkerung und die US-Militärpräsenz

Keynote Lecture (Augustana Saal, Annahof)

Wolfgang Frühwald (München): Der erste Amerikaner. Begegnungen in Augsburg 1945

Sektion VII: Spurensuche: Das amerikanische Erbe in Augsburg im vergleichenden Kontext
Moderation: Ansgar Reiß (Ingolstadt)

Maria Hoehn (Poughkeepsie): Amerikanische Erinnerungsorte in Rheinland-Pfalz

Gundula Bavendamm (Berlin): Zwischen Basisbewegung und Bundeskulturpolitik: die Westmächte im Museum

Philipp Gassert (Augsburg): Was tun mit den Augsburger Erinnerungen an Amerika? Überlegungen zu einem Friedensort Halle 116

Podiumsdiskussion zur Frage der Erinnerung an „Amerika in Augsburg“ im Kontext eines Nutzungskonzeptes für die Halle 116
Vertreter aus Politik, Kultur und Wissenschaft aus Augsburg debattieren über die Zukunft der Halle 116.

Besichtigung der Halle 116 und anderer Orte, die an die Garnisonsstadt Augsburg erinnern (in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt)

Anmerkungen:
[1] Details zur Ausstellung unter: <http://www.uni-augsburg.de/amerika-in-augsburg> (13.04.2012).
[2] Siehe das im Aufbau befindliche Online-Archiv „Garnisonsstadt Augsburg“: <http://garnisonsstadt.phil.uni-augsburg.de/index.php?id=12> (13.04.2012).

Zitation
Tagungsbericht: Amerika in Augsburg: Aneignungen und globale Verflechtungen in einer Stadt, 15.03.2012 – 17.03.2012 Augsburg, in: H-Soz-Kult, 23.04.2012, <http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-4204>.