Als der Holocaust noch keinen Namen hatte … Zur frühen Aufarbeitung des NS-Massenmordes an Jüdinnen und Juden / Before the Holocaust had its Name … Early Confrontations of the Nazi Mass Murder of the Jews

Ort
Wien
Datum
29.11.2012 - 01.12.2012
Veranstalter
Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) Idee und Konzept: Regina Fritz und Béla Rásky
Von
Ina Markova, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien

„In the beginning there was no Holocaust[1],“ konstatierte Raul Hilberg 1988, womit er nicht den fehlenden Begriff, sondern ein generelles Unverständnis in Gesellschaft und Wissenschaft meinte. Unter der Ägide von Regina Fritz und Béla Rásky setzten sich Forscher/innen anlässlich einer Konferenz des Wiener Wiesenthal Instituts mit dieser, nicht nur von Hilberg vertretenen, These auseinander. Frühe künstlerische, journalistische und, nicht zuletzt, geschichtswissenschaftliche Versuche, die Vernichtung des europäischen Jüd/innentums zu beschreiben und zu dokumentieren, wurden unter dem Titel „Als der Holocaust noch keinen Namen hatte … Zur frühen Auseinandersetzung des NS-Massenmordes an Jüdinnen und Juden“[2] diskutiert. Sowohl die konkreten Modi der Thematisierung als auch die jeweiligen geschichtspolitischen Akteur/innen, meist gefangen zwischen persönlicher Betroffenheit und innen- und außenpolitischen Nachkriegszwängen, standen im Vordergrund.[3]

ALINE SIERPs (Maastricht) Analyse deutscher Politikerreden eröffnete Panel I, „Erinnern und Handeln: Akteure der Erinnerung“. SIMON PEREGO (Paris) stellte Gedenkfeiern französischer Jüd/innen vor. Gedenken war in Frankreich dabei aber nicht nur jüdische Privatsache: Wichtig war Peregos Befund, dass diese Veranstaltungen auch oft von Nicht-Jüd/innen besucht wurden, die ihrerseits sowohl von politischen Überlegungen als auch echter menschlicher Betroffenheit getrieben waren. Zurück nach Deutschland führte HANSJÖRG BUSS’ (Saarbrücken) Vortrag über den kirchlichen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Shoah. Am Beispiel der evangelischen Landeskirche Lübecks beschrieb Buss das mehr als ambivalente Verhalten der Kirchen: Während einerseits durchaus „kirchliche Selbstreinigung“ betrieben und auch die Shoah thematisiert wurde, geschah dies in Termini der Dämonisierung und Entkontextualisierung. Tradierte Bewältigungsmuster verunmöglichten, so Buss, lange eine kritisch-rationale „Vergangenheitsbewältigung“.

„Räsonieren und Kategorisieren: Erste Versuche des Dokumentierens und Verstehens“, Panel II, gab Einblick in frühe Dokumentensammlungen zur Shoah. ELISABETH GALLAS (Wien) und LAURA JOKUSCH (Haifa/Jerusalem) stellten jüdische Institutionen in New York respektive Polen vor, die schon früh Beweise für die NS-Verbrechen suchten. MIRJAM WENZEL (Berlin) befasste sich hingegen mit Nachkriegsschriften Karl Jaspers. Vor allem dessen Diskussion der Schuldfrage und, die in Folge konstatierte, moralische Bedeutung der Katastrophe für ein neues deutsches Selbstbewusstsein, beschrieb Wenzel als Symptom des Nichtverstehens der tatsächlich jüdischen Katastrophe. Abschließend gab LARS FISCHER (Cambridge) Einblick in frühe Reflexionen zur Shoah aus sozialdemokratischer Perspektive anhand der sehr unterschiedlichen Erlebnisberichte Benedikt Kautskys und Gustav Mayers.

Panel III thematisierte die Produktionsbedingungen und Inhalte früher literarischer und journalistischer Beschreibungen des Holocaust. ANIKA BINSCH (Gießen) skizzierte den Produktions- und Publikationsprozess früher Holocaust-Literatur unter amerikanischer Besetzung im Westen Deutschlands. Die Texte der Autor/innen, oftmals Gegner/innen oder Opfer des NS-Regimes, hätten dabei eine politisch-dokumentarische Funktion auch gegenüber den Alliierten erfüllt. Auch MÁTÉ ZOMBORY (Budapest) unterstrich die Bedeutung der Verlage für den ungarischen Wiederaufbau. Anhand des Beispiels der achtteiligen Buchreihe „Magyar Golgota“ zeigt er, dass die Ziele der Autor/innen andere waren als die der deutschen Pendants: Die Kriegsjahre wurden als nationale Tragödie dargestellt, Ungarn selbst als „gekreuzigtes Land“ (so der Name eines Buchs der Reihe). Den ersten Tag abschließend beschrieben FLORIAN BAYER und HANS-ULRICH WAGNER (beide Hamburg) die Rolle des Rundfunks bzw. des Journalismus’ generell für die Formung von Geschichte und Erinnerung.[4]

Tag zwei begann mit Panel IV, „Das Verbrechen visualisieren: Die Macht der Repräsentation“. KATHRIN HOFFMANN-CURTIUS (Berlin) gab Einblicke in das Wechselverhältnis verschiedener Repräsentationsmittel: Speziell Fotografien hätten oft aufgrund der vermeintlichen oder echten indexikalischen Qualität als Authentifizierung von Werken der bildenden Kunst, die Hoffmann-Curtius untersuchte, gedient. Weniger um Authentizität denn um die Bereitstellung identitätsstiftender Bilder im Erinnerungsmedium Film[5] ging es INGRID LEWIS (Dublin): In ihrem Vortrag skizzierte sie die Figur der weiblichen, jüdischen Überlebenden als Symbol für den Sieg der Schwachen gegen das „ultimativ Böse“. Eine skandinavische Perspektive brachte TANJA SCHULT (Uppsala) ein: Schult zeichnete ein ambivalentes Bilder der schwedischen Erinnerung: Während einerseits der Rettung jüdischer Flüchtlinge gedacht wurde, wurde deren jüdische Identität oftmals nicht erwähnt. Schult warnte aber davor, das heutige Holocaust-Verständnis zum Maßstab für frühere Auseinandersetzungen zu machen. Neben einer allgemeinen Diskussion über das Verhältnis von „Repräsentation und Realität“, wurde dieser anachronistische Zugang auch am Ende des Panels nochmals zum Thema. Zuvor beschrieb HARALD SCHMID (Kiel) drei frühe Ausstellungen über NS-Verbrechen in Österreich und Deutschland, nachdem er das Medium Ausstellung als „Element von Geschichtskultur und Aufklärungsinstrument“, als Indikator für das in einer Gesellschaft „Zeigbare“[6], skizziert hatte. Obwohl, so Schmid, keinesfalls von einer „visuellen Amnesie“ hinsichtlich des Holocaust gesprochen werden könne, stand anfangs dennoch die Vielzahl der Verbrechen im Vordergrund.

Panel V begann mit einem Vortrag MARKUS ROTHs (Gießen), der widerstreitende Erinnerungsnarrative in Ost und West anhand der literarischen Repräsentation des Warschauer Gettos thematisierte. Während das Getto, vor allem der Getto-Aufstand in Deutschland kaum Thema für Publikationen war, stellte „Warschau“ in Polen kurz nach Kriegsende einen zentralen Erinnerungsort dar, welcher breite politische Anknüpfungsmöglichkeiten bot und sich in ein allgemeines, antifaschistisches Narrativ einschreiben ließ. Wie schon Lewis zuvor, analysierten ANETTE DIETRICH (Bremen) und KONSTANZE HANITZSCH (Greifswald) filmische (und literarische) Repräsentationen der Shoah, wobei sie auf „vergeschlechtlichte Verschiebungen“ fokussierten. Geschlechtliche Codierungen[7] seien zentral für Erinnerung und deren Formung durch Verfilmung gewesen. Frauenfiguren hatten dabei einerseits die mediale Leerstelle des Holocaust auszufüllen als auch generell als Sinnbild für Universal-Menschliches, als „Putz- und Entseuchungsmittel“[8] zu dienen. Abschließend besprach HANS-JOACHIM HAHN (Zürich/Graz) Werke von Alfred Döblin oder Marie Louise Kaschnitz im Wechselverhältnis von Tabuisierung und Aufarbeitung des Holocaust. Die abschließende Diskussion problematisierte vor allem den Terminus der „Fiktionalisierung“, der das Panel in Vorträgen und Debatte durchzog.

In der „Afternoon Lecture“ von HASIA DINER (New York) reflektierte die Historikerin und Judaistin die Auseinandersetzung der US-amerikanischen Jüd/innen mit dem Holocaust. Unter dem Titel „No Generation of Silence“ zeigte Diner den prominenten Platz auf, den die Thematisierung der Katastrophe, früh aber auch schon expressis verbis: des „Holocaust“, für die jüdische Gemeinde in den USA einnahm. Trotz der Heterogenität der Gedenkmodi könne von Schweigen, so Diner, nicht die Rede sein. In der Diskussion wurde nochmals der „myth of silence“ thematisiert: Diner bezeichnete diesen als diskursive Figur, die in den 1960er-Jahren im intergenerationellen Konflikt jüdischer Jugendlicher mit ihren Eltern geprägt, in den 1980er-Jahren zum oftmals wenig reflektierten historiographischen Paradigma wurde.[9]

Panel VI, „Erzählen und Beschreiben: Der Holocaust zwischen Betroffenheit und Wissenschaft“ eröffnete den letzten Tag. Die Diskussion von persönlichen Berichten und/oder wissenschaftlichen Abhandlungen überlebender jüdischer Historiker und/oder Literaten erlaubte abschließend auch eine generelle Diskussion des scheinbaren Spannungsverhältnisses von Subjektivität und Objektivität. ULRIKE VORDERMARK (Bochum) beschrieb den Prager H. G. Adler als „dichtenden Wissenschafter“: Sein Werk über Theresienstadt stand schon bei Erscheinen aufgrund „zu hoher Subjektivität“ in der Kritik. Auch Szymon Datner, der von KATRIN STOLL (Warschau) gewürdigte jüdisch-polnische Überlebende und ausgebildete Historiker, ließ seine eigene Erinnerung in seine Studie zu NS-Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung in Białystok einfließen. NATALIA ALEKSIUN (New York) beschrieb Philip Friedmans Beitrag zur Entstehung der Holocaust Studies avant la lettre: Anders als Adler und Datner hatte Friedmann von jeglicher persönlicher Färbung seiner historiographischen Werke Abstand genommen. Abschließend stellte OLGA BARANOVA (Florenz) frühe Versuche der Dokumentation der Shoah in der Sowjetunion vor. Baranova zeigte auf, dass schon kurz nach dem Krieg Kommissionen auch NS-Verbrechen an Jüd/innen untersuchten. Ilja Ehrenburgs und Vasily Grossmanns „Schwarzbuch“ über den Genozid an den sowjetischen Jüd/innen wurde aber kurz nach Fertigstellung eingestampft. Trotz des ausgeprägten Antisemitismus in der Bevölkerung sah Baranova die Gründe dafür eher in der politischen Notwendigkeit, die Kriegserfahrung als verbindenden Kitt der Gesellschaft darzustellen sowie im generellen, so gut wie alle Zivilist/innen treffenden, Charakter der Kriegsführung der Wehrmacht in der Sowjetunion.

Im ersten Vortrag des abschließenden Panels VII, „Thematisierung, Tabuisierung, erste Universalisierung: Wandel und Ausblick“ beschrieb PETER HALLAMA (Paris/München) die Dokumentation des Holocaust in der Tschechoslowakei und deutete frühe Muster der Universalisierung als Ausdruck für Instrumentalisierung und Marginalisierung; die Grundlagen für diese Marginalisierung, so hob Hallama hervor, seien schon vor Beginn des kommunistischen Regimes gelegt worden. Nachdem Hallama die Entstehung der Gedenkstätte in Theresienstadt beschrieben hatte, gab IMKE HANSEN (Hamburg) Einblick in die Zeit, „als Auschwitz noch nicht Holocaust bedeutete“. Sie zeigte auf, dass die Symbolbildung schon im Lager selbst begann und von den polnischen politischen Häftlingen vorangetrieben wurde. Die Sinnstiftungsprozesse ab den 1960er-Jahren, als Auschwitz langsam „Holocaust zu bedeuten begann“, knüpften, so Hansen, nicht an jene der 1940er-Jahre an. Den ungarischen Fall beleuchtete REGINA FRITZ (Wien), wobei sie die internationalen Einflüsse auf die nationale Geschichtspolitik betonte. Taktische Überlegungen angesichts der bevorstehenden Pariser Friedenskonferenz prägten die Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit; die Notwendigkeit zur moralischen Selbstprüfung fiel nach deren Abschluss endgültig weg. An Überlegungen Hasia Diners anschließend hielt S. JONATHAN WIESER (Carbondale) den letzten Vortrag der Konferenz, der die ambivalenten Holocaust-Erinnerung in der afro-amerikanischen Presse zum Inhalt hatte: Einerseits empfanden die diskriminierten schwarzen US-Amerikaner/innen echtes Mitleid und große Beunruhigung angesichts des Schicksals der Jüd/innen Europas, andererseits war auch die Angst groß, dass dieses das „eigene Leiden“ überschatten könnte. Trotzdem könnten die Afro-Amerikaner/innen aufgrund der tiefgehenden Beschäftigung mit dem Holocaust als dessen „crucial architects“ gefasst werden.

Kurz vor Ende der intensiven Konferenz fasste MICHAL FRANKL (Prag) die Ergebnisse der Schwesternveranstaltung in Budapest, welche sich im Vorfeld mit dem Thema der frühen Dokumentationsbemühungen beschäftigt hatte, zusammen. Die Tagung klang für das Format ungewöhnlich selbstkritisch aus: SUSANNE HEIM (Berlin) fasste die Erkenntnisse der drei Tage zusammen und skizzierte darüber hinaus einen Katalog mit zentralen Fragen an die Untersuchungsgegenstände (und an die Vortragenden); Formen, Funktionen, Symbole und Medien der Erinnerung seien stets zu berücksichtigen, ebenso auch die Wechselwirkung zwischen Erinnerung und Nachkriegsgesellschaft, forderte Heim hinsichtlich jeglicher Analyse von Geschichtspolitik und Erinnerungskulturen. ÉVA KOVÁCS (Wien) hingegen kritisierte das ihrer Meinung nach bei einigen Beiträgen absente „theoretical framing“, die Fokussierung auf Empirie sowie die fehlende Periodisierung. Auch in punkto „research techniques“ sah sie noch Verbesserungsbedarf, wobei sie hierunter das Spannungsverhältnis von zu großer Verallgemeinerung einerseits und zu detailgenauen Fallbeispielen andererseits fasste. Ebenso seien Begriffe wie Performanz, Identität, Trauma und Intergenerationalität nicht forschungsanleitend gewesen.

Andere Redner/innen zeigten aber die Stärken der Konferenz auf: Durch die geographische Breite wurde aufgezeigt, dass Transnationalisierung und Universalisierung schon früh weit verbreitete Phänomene sowohl in Ost als auch in West gewesen seien. Dennoch, so wurde bemängelt, wäre es angebracht gewesen, auch Metabegriffe – wie eben den im Titel verankerten „Holocaust“ – zu diskutieren. Generell wurde Kritik am Titel geübt, wobei Harald Schmid allerdings dessen Mehrwert im Wechselspiel zwischen „Diffusität und produktiver Unklarheit“ deutete.

Durchaus hätte die Tagung eine Reflexion über Nutzen und Funktionen des titelgebenden Begriffs vertragen[10]; auch die Frage nach dem Wechselverhältnis von jüdischer Erinnerung und nicht-jüdischen Marginalisierungsbestrebungen hätte mehr Raum benötigt. Dennoch hat die Tagung die teilweise scharfe Selbstkritik definitiv nicht verdient: Eindrucksvoll wurden drei Tage lang frühe Versuche der Auseinandersetzung mit der Vernichtung der europäischen Jüd/innen aufgezeigt, oftmals im Sinne Carlo Ginzburgs veritable „Spurensuche“ betrieben. Wenn im geplanten Tagungsband die Forderungen Heims und Kovács berücksichtigt werden, wird die Publikation mit Sicherheit eine große Bereicherung der Historiographie darstellen.

Konferenzübersicht:

Begrüßung: Bélá Rásky (Wien)

Panel I: Erinnern und handeln: Akteure der Erinnerung / Remembering and Acting: Agents of Remembrance
Chair: Béla Rásky

Aline Sierp (Maastricht): Silencing the Past or Passing the Silence? German Politicians between Realpolitik and National Constraints

Simon Perego (Paris): Commemorating the Destruction of European Jewry during the First Postwar Decade in France: Jewish Initiatives and non-Jewish Actors

Hansjörg Buss (Saarbrücken): Der kirchliche Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Shoah und der "Schuldfrage" am Beispiel der evangelischen Landeskirche der Hansestadt Lübeck (1945–1950)

Panel II: Räsonieren und kategorisieren: Erste Versuche des Dokumentierens und Verstehens / Reasoning and Categorising: First Efforts of Documentation and Comprehension
Chair: Éva Kovács

Elisabeth Gallas (Wien): Zeitdiagnosen aus New York. Jüdische Reflexionen zum Holocaust 1940–1950

Laura Jokusch (Haifa/Jerusalem): Chronicling Catastrophe: The Jewish Historical Commission and Documentation Centres and the Beginnings of Jewish Holocaust Research in Early Postwar Europe

Mirjam Wenzel (Berlin): Von der Schuldfrage zur „Deutschen Selbstbesinnung”. Eine Fallstudie aus dem Nachlass von Karl Jaspers

Lars Fischer (Cambridge): A Tale of Two Books. Socialists Grappling with the Shoah in the Postwar Period

Panel III: Verhandeln und berichten: Erste mediale Auseinandersetzungen / Negotiating and Reporting: Early Media Treatment
Chair: Fritz Hausjell (Wien)

Anika Binsch (Gießen): Der Produktions- bzw. Publikationsprozess früher Holocaust- und Lagerliteratur unter amerikanischer Besatzung 1945 bis 1949

Máté Zombory (Budapest): „Hungarian Golgotha”. Dealing with the Past in a Hungarian Publishing House’s Strategy in 1945

Florian Bayer / Hans-Ulrich Wagner (beide Hamburg): How Media Portrayed the Holocaust for the First Time. The Radio Coverage on the First Bergen-Belsen Trial

Panel IV: Das Verbrechen visualisieren: Die Macht der Repräsentationen / Visualising the Crime: The Power of Representation
Chair: Siegfried Mattl (Wien)

Kathrin Hoffmann-Curtius (Berlin): Bilder des Judenmords. Kommentare der bildenden Kunst in Deutschland von 1945 bis zum Auschwitzprozess

Ingrid Lewis (Dublin): Early Representations in Holocaust Films: The Imperative of a Jewish Female Survivor

Tanja Schult (Uppsala): Schwedische Holocaust-Erfahrung: Denkmäler in Erinnerung an Opfer und Gerettete

Harald Schmid (Kiel): Beglaubigungsversuche. Frühe Ausstellungen zu den nationalsozialistischen Verbrechen

Panel V: Besprechen und aufarbeiten: Literarische und mediale Reflexionen / Discussing and Processing: Reflections in Literature and Media
Chair: Robert Knight (Loughborough)

Markus Roth (Gießen): Widerstreitende Erinnerungsnarrative in Ost und West. Das Warschauer Getto in der polnischen und deutschen Holocaust-Literatur 1940–1950

Anette Dietrich (Bremen)/Konstanze Hanitzsch (Greifswald): Frühe mediale Aufarbeitungsversuche: Zwischen kritischer Aufarbeitung und vergeschlechtlichter Verschiebung

Hans-Joachim Hahn (Zürich/Graz): „Die Gräber der in Auschwitz vergasten Freunde sind in mir“. Frühe literarische Reflexionen des Holocaust in deutscher Sprache

Afternoon Lecture
Hasia Diner (New York): No Generation of Silence: Postwar American Jews and the Memory of the Holocaust

Panel VI: Erzählen und beschreiben: Der Holocaust zwischen Betroffenheit und Wissenschaft / Narrating and Describing: The Holocaust between Dismay and Scholarship
Chair: Regina Fritz (Wien)

Ulrike Vordermark (Bochum): Augenzeuge, Wissenschaftler, Literat: Erinnerung, Erforschung und Erzählung des Holocausts im Werk H.G. Adlers

Katrin Stoll (Warschau): Communal Testimony: Szymon Datner’s Practical Holocaust Historiography on the Jews of Białystok

Natalia Aleksiun (New York): Philip Friedman and the Emergence of Holocaust Scholarship

Olga Baranova (Florenz): Early Soviet Historiography of the Holocaust in the Soviet Union

Panel VII: Thematisierung, Tabuisierung, erste Universalisierung: Wandel und Ausblick / Broaching the Issue, Creating a Taboo, Initial Universalisation: Change and Outlook
Chair: Heidemarie Uhl (Wien)

Peter Hallama (Paris/München): Den Holocaust dokumentieren und erinnern. Die Tschechoslowakei der ersten Nachkriegsjahre

Imke Hansen (Hamburg): Als Auschwitz noch nicht Holocaust bedeutete. Die jüdische Gemeinschaft in Polen, die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und die Entstehung eines Symbols

Regina Fritz (Wien): Die Pariser Friedensverhandlungen und die Konfrontation mit der Ermordung der ungarischen Juden

S. Jonathan Wiesen (Carbondale): On Dachau and Jim Crow: Holocaust Memory in the Postwar African-American Press.

Abschlussdiskussion

Michal Frankl (Prag): Zusammenfassung der Ergebnisse der EHRI-Conference, Budapest: „Early Attempts at the Historical Documentation of the Holocaust“

Susanne Heim (Berlin)/Éva Kovács (Wien): Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussion der Simon Wiesenthal Conference 2012

Anmerkungen:
[1] Raul Hilberg, Developments in the Historiography of the Holocaust, in: Asher Kohen / Joav Gelber / Charlotte Wardi (Hrsg.), Comprehending the Holocaust. Historical and Literary Research, New York 1988, S. 21–44, hier S. 21.
[2] Im Folgenden wird aus Platzgründen immer nur der deutsche Name der Panels angeführt.
[3] Die Konferenz war dem Andenken des 2009 verstorbenen Wiener Zeithistorikers Karl Stuhlpfarrer gewidmet.
[4] vgl. hierfür: Barbie Zelizer, Why Memory’s Work on Journalism does not Reflect Journalism’s Work on Memory, in: Memory Studies 1 (2008), S. 79–88.
[5] ein Konzept nach: Astrid Erll / Stephanie Wodianka, Einleitung: Phänomenologie und Methodologie des „Erinnerungsfilms“, in: dies. (Hrsg.), Film und kulturelle Erinnerung. Plurimediale Konstellationen (Media and Cultural Memory / Medien und kulturelle Erinnerung 9), Berlin, New York 2008, S. 1–20.
[6] vgl. für das Konzept der gesellschaftlichen „Sagbarkeitsregeln“: Habbo Knoch, Die Tat als Bild. Fotografien des Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur, Hamburg 2001.
[7] vgl. hierfür auch: Silke Wenk / Insa Eschebach, Soziales Gedächtnis und Geschlechterdifferenz. Eine Einführung. in: dies. / Sigrid Jacobeit / dies. (Hrsg.), Gedächtnis und Geschlecht. Deutungsmuster in Darstellungen des nationalsozialistischen Genozids, Frankfurt/Main 2002, S. 13–40.
[8] Dietrich und Hanitzsch zitieren hier: Christina Thürmer-Rohr, Feminisierung der Gesellschaft – Weiblichkeit als Putz- und Entseuchungsmittel, in: dies., Vagabundinnen. Feministische Essays, Berlin 3. Aufl. 1987, S. 106–121.
[9] Als Vertreter nennt Diner Peter Novick: Peter Novick, The Holocaust and Collective Memory. The American Experience, London 2000.
[10] vgl. z.B. Dan Diner, Über Schulddiskurse und andere Narrative. Epistemologisches zum Holocaust, in: Gertrud Koch (Hrsg.), Bruchlinien. Tendenzen der Holocaustforschung (Beiträge zur Geschichtskultur 20), Köln 1999, S. 61–84.

Zitation
Tagungsbericht: Als der Holocaust noch keinen Namen hatte … Zur frühen Aufarbeitung des NS-Massenmordes an Jüdinnen und Juden / Before the Holocaust had its Name … Early Confrontations of the Nazi Mass Murder of the Jews, 29.11.2012 – 01.12.2012 Wien, in: H-Soz-Kult, 08.03.2013, <http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-4689>.