Eichmann nach Jerusalem. Hintergründe, Be-Deutungen und Folgen des Prozesses

Ort
Wien
Datum
22.03.2013 - 24.03.2013
Veranstalter
Linda Erker (Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien); Matthias Kopp (Verein GEDENKDIENST, Wien); Philipp Rohrbach (Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)); Hans Safrian (Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien)
Von
Adina Seeger, Wien

Das Interesse an Adolf Eichmann, angefacht durch das weltweite mediale Echo des 1961 in Israel geführten Prozesses gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer und Leiter des Referats für die Deportation der europäischen Jüdinnen und Juden im Reichssicherheitshauptamt (RSHA), scheint auch über 50 Jahre nach Prozessende ungebrochen. Hannah Arendts Werk „Eichmann in Jerusalem“ (1963) sicherte dem Prozess weit über seine und Eichmanns faktische Bedeutung hinaus Aufmerksamkeit und die anhaltende kontroverse Rezeption der Monografie spiegelt das Interesse an den zum Teil bis heute gültigen Fragen wider, die Arendt aufwarf. Die Historiografie – zum einen fokussiert auf den Prozess selbst, zum anderen auf davon abweichende Fragestellungen zu Eichmann – versuchte entlang Arendts wirkmächtiger Deutung nicht zuletzt auch sich von dieser abzugrenzen.[1]

Bereits bei der Begrüßung unterstrich JOHANNA GEHMACHER, Vorständin des Instituts für Zeitgeschichte (Universität Wien), die Aktualität des Tagungsthemas, indem sie erläuterte, dass die vielfältige Nachgeschichte des Prozesses nicht nur Geschichte, sondern auch Gegenwart sei – ein Spannungsfeld, mit dem sich die zeitgeschichtliche Forschung stets konfrontiert sehe. ADALBERT WAGNER (Verein GEDENKDIENST, Wien) fügte ergänzend hinzu, dass die Tagung auch eine Reaktion auf die unlängst in Wien und Linz gezeigte Wanderausstellung „Der Prozess – Adolf Eichmann vor Gericht“[2] sei, da dieser jeglicher Bezug zu Österreich gefehlt habe und das Thema Täterschaft in der Ausstellung völlig unterrepräsentiert gewesen sei.

Das erste Panel verhandelte zu Beginn der Tagung wesentliche Fragestellungen zu Eichmann und dem Jerusalemer Prozess: seine Rolle und Beteiligung am Holocaust, die Suche nach ihm sowie alle Eckpfeiler des Prozesses. JÜRGEN MATTHÄUS (United States Holocaust Memorial Museum (USHMM), Washington, DC) beleuchtete Eichmanns Rolle als „Architekt des Holocaust“, der symbolisch den Massenmord verkörpere wie Auschwitz geografisch dafür stehe; dennoch würde Eichmann selten als Person in den Blick genommen. Matthäus betonte, dass Eichmann für einen eheblichen Teil der Morde nicht verantwortlich war, aus statistischer Sicht seine Bedeutung also nicht zu überschätzen sei. Was das Jerusalemer Gerichtsverfahren, vor allem im Hinblick auf die Rechtspraxis in der BRD, beträfe, so habe das Verfahren für die deutsche Justiz kaum Vorbildcharakter gehabt. In Bezug auf die historiografische Bewertung Eichmanns referierte Matthäus, dass das zeitgenössische Interesse am Eichmann-Prozess eher gering ausgefallen sei; das aktuelle Interesse an Eichmann interpretierte Matthäus als Folge der sich erschöpften Debatten um Intentionalismus und Funktionalismus und, daraus resultierend, einem stärkeren empirischen Interesse – also etwa der vermehrten Berücksichtigung juristischer Quellen. KATHARINA STENGEL (Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main) würdigte in ihrem Vortrag die Bemühungen vor allem jüdischer Überlebender, Eichmann aufzuspüren. Sie betonte etwa, dass Simon Wiesenthal durch den Fall bekannt wurde, Fritz Bauer hingegen einen größeren Anteil daran gehabt hätte als allgemein bekannt sei. Gleichzeitig hob sie den Anteil Tuvia Friedmanns und Hermann Langbeins am Auffinden Eichmanns hervor und forderte die posthume Würdigung Lothar Hermanns, der Eichmann in Buenos Aires enttarnte. LISA HAUFF (Stiftung Topographie des Terrors, Berlin) steckte zuletzt die wichtigsten Eckpunkte, Hintergründe und Aspekte des Eichmann-Prozesses ab. OLIVER RATHKOLB (Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien) stellte in seinem Kommentar unter anderem eine Nachfrage zum ‚Wiener Modell‘ und dessen bürokratischen Apparat. Dahinter stecke eine „Scheinbürokratisierung“, so Matthäus, denn effizient sei dieses System durchaus gewesen.

Ein Filmabend rundete den ersten Tag der Konferenz ab: Unter dem Titel „Eichmann in Bildern – Taktiken medialer Inszenierungen“ wurde der Film „Eichmanns Ende – Liebe, Verrat, Tod“ (2010, SWR/NDR-Produktion) gezeigt. Klaudija Sabo (Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien) analysierte den Film im Anschluss an die Projektion.

Das erste Panel am Folgetag widmete sich den Verbindungslinien zwischen österreichischer Vergangenheitspolitik, der Ahndung von NS-Verbrechen und dem Eichmann-Prozess. SABINE LOITFELLNER (Abteilung für Restitutionsangelegenheiten, Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG)) bot eine Gesamtschau über die österreichische Nachkriegsjustiz und arbeitete dabei Referenzpunkte zu Eichmann heraus. Sie zeigte dabei, wie schwierig sich die Ahndung von NS-Verbrechen darstellte. Im Besonderen scheint es retrospektiv kaum möglich, die Rolle der politischen Einwirkung darauf einzuschätzen. Loitfellner erinnerte etwa an den sogenannten Kleinen Eichmann-Prozess gegen Hermann Höfle, der aus Personalmangel nicht zu Ende geführt wurde beziehungsweise an Behinderungen der Ermittlungen scheiterte. Die ernüchternde Bilanz Loitfellners illustrierte der folgende Beitrag von KARLA MÜLLER-TUPATH (Bremen), die am Beispiel des Eichmann-Mitarbeiters Anton Burger die Geschichte eines fast unbehelligten NS-Täters aus Österreich nachzeichnete. HANS SAFRIAN (Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien) befasste sich mit den Reaktionen des offiziellen Österreichs auf den Eichmann-Prozess. Dies tat er vor allem entlang der Diskussion staatlicher Interessen rund um die Frage der Ablehnung der Staatszugehörigkeit Eichmanns. BERTRAND PERZ (Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien) machte in seinem Kommentar mehrere Aspekte deutlich, die von der Frage geleitet waren, welchen Einfluss der Eichmann-Prozess auf Österreich hatte. Er resümierte, dass die Frage nach Transformationsprozessen in der betreffenden Zeit für die Forschung ein wesentlicher Anknüpfungspunkt sei. Damit grenzte er das wissenschaftliche Interesse auch, wie er selbst abschließend anmerkte, gegen die politische Perspektive, sich über Haltung und Verhalten von Justiz und Politik zu empören, ab – für die Wissenschaft liege darin kein Erkenntniswert.

Das dritte Panel der Konferenz, das der Rezeption von Arendts Monografie über den Eichmann-Prozess gewidmet war, eröffnete die via Skype zugeschaltete DEBORAH E. LIPSTADT (Emory University, Atlanta, Georgia) mit einem Beitrag zum Stellenwert des Eichmann-Prozesses und Hannah Arendts in den USA. Zum einen fasste Lipstadt die wichtigsten Thesen Arendts zusammen und stellte dabei fest, dass ihr Werk nur selektiv rezipiert worden sei – etwa, dass es wohl das einzige Buch sei, das besser für seinen Untertitel als für seinen Titel bekannt ist. Zum anderen referierte sie auch die ihres Erachtens problematischen Aspekte der Analyse, etwa, dass Arendt an vielen entscheidenden Prozesstagen nicht anwesend gewesen sei. Abschließend plädierte sie dafür, alle Stimmen zu hören, mit denen Arendt sprach, das Buch also im Kontext ihres gesamten Denkens zu sehen. Lipstadt merkte überdies schlüssig an, dass die Kritik an Arendt (und im Besonderen deren Intensität) auch damit in Zusammenhang stehe, dass sie eine Frau war. STEPHAN STEINER (Sigmund Freud Privatuniversität, Wien) richtete in einer „faktografischen Schau“ den Blick auf die europäischen Debatten rund um Arendts Buch. Etwa wies er darauf hin, dass bereits 1964, also noch vor Erscheinen der Studie auf dem deutschen Buchmarkt, ein Band über die Kontroverse auf Deutsch erschien. Steiner regte an, den Nachlass, also die Briefwechsel Arendts, für die Analyse und zum besseren Verständnis ihres Denkens heranzuziehen. SHLOMO ARONSON (Hebrew University, Jerusalem) hatte seine Teilnahme an der Tagung kurzfristig absagen müssen, weswegen sein Beitrag über die Arendt-Debatte in Israel verlesen wurde. Aronson hatte als Radioreporter den Eichmann-Prozess verfolgt und gleichzeitig als Geschichtestudent die akademischen Debatten miterlebt; sein Beitrag setzte sich kritisch mit beiden Aspekten aus israelischer Perspektive auseinander. DORON RABINOVICI (Wien) kommentierte, dass Arendt heute noch für gesellschaftspolitische Debatten zentral sei, der aktuelle Forschungsstand wiederspreche aber vor allem Arendts Einschätzung der Judenräte. Weiters brachte er ein, dass Arendt gegen ein (damals vorherrschendes) israelisches Geschichtsbild angeschrieben hätte, also, verkürzt gesagt, die nahtlose Verbindung zwischen Warschauer Ghettoaufstand und israelischem Unabhängigkeitskampf.

Ein Rundgang durch das Hauptgebäude der Universität Wien (HERBERT POSCH und HANS SAFRIAN (beide Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien)), der sich mit dem Eichmann-Mitarbeiter und Absolventen der Universität Wien, Siegfried Seidl, befasste, stellte eine institutionelle, räumliche und inhaltliche Verbindung zwischen Tagung und Veranstaltungsort her.

Die Keynote-Lecture der Tagung hielt FRANK BAJOHR (Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg). Unter dem Titel „Tätergeschichte oder Gesellschaftsgeschichte?“ referierte Bajohr über das Verhältnis dieser beiden Ansätze, womit der Vortrag das Themenspektrum der Tagung im Ganzen abzudecken vermochte. Bei der Bestimmung des Verhältnisses stehe die implizite Frage, die die neueste Täterforschung beschäftige, im Raum, inwiefern eine Tätergeschichte überhaupt sinnvoll sei, wenn die TäterInnen als ‚normale‘ Mitglieder der Gesellschaft (des ‚Dritten Reichs‘) sich von dieser in keiner Weise unterschieden. Was also kann eine Tätergeschichte leisten? Sie ermögliche es, das Mordgeschehen unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten und damit habe sie den Blick auf den Holocaust an sich und gleichzeitig die Gesamtperspektive auf die NS-Verbrechen entscheidend verändert. Bajohr betonte, dass Prägungen von Täterinnen und Tätern nicht teleologisch auf Taten ‚umgelegt‘ werden können, also keine soziale oder andere Kategorie, etwa biografische oder generationelle Zugänge und auch nicht die Kategorie Geschlecht, ausreichten, um den Holocaust zu erklären. Er schloss mit dem Fazit, dass (die neue) Täterforschung keinen „Königsweg“ zur Erklärung der NS-Verbrechen ermögliche. TäterInnen und Gesellschaft könnten nicht getrennt werden, eine gemeinsame Schnittmenge sei ohne Zweifel vorhanden. Darüber hinaus solle Täterforschung mit strukturellen und institutionellen Forschungsansätzen verbunden werden. JOHANNES BREIT (Verein GEDENKDIENST, Wien) unterstrich in seinem Kommentar die Stoßrichtung des Vortrags und regte etwa an, die Motivation von Täterinnen und Tätern als Forschungsfrage stärker aufzugreifen. DIETER POHL (Institut für Geschichte, Abteilung Zeitgeschichte, Universität Klagenfurt) plädierte für einige Differenzierungen: etwa thematisierte er den Begriff Gesellschaft kritisch, argumentierte dafür, „heuristisch“ unterschiedliche Gruppen von Täterinnen und Tätern abzugrenzen und sprach sich für eine „Tatgeschichte“, also einen umfassenden, gleichzeitig präziseren Blick auf die Verbrechen aus.

Das letzte Panel der Tagung setzte sich mit den Auswirkungen des Eichmann-Prozesses auf Israel und Mitteleuropa auseinander. HANNA YABLONKA (Ben Gurion University, Beer Sheva) illustrierte den Einfluss des Prozesses auf die israelische Gesellschaft. Sie zeigte, wie sich dadurch ein neues Selbstverständnis Israels herausbildete, das wesentlich auf der Shoah basiere und erläuterte, dass die Überlebenden den Diskurs über die Shoah dabei maßgeblich beeinflusst hätten. Der Vortrag von REGINA FRITZ (Editionsprojekt Judenverfolgung 1933-1945, Wien) lenkte den Blick auf den Umgang des ungarischen Politbüros mit dem Eichmann-Prozess. Das Regime nutzte den Eichmann-Prozess zu tagespolitischen Zwecken, vor allem zur Kompromittierung des Westens mit dem Ziel, die moralische Überlegenheit des Kommunismus zu ‚beweisen‘. „Frappierende Ähnlichkeiten“ mit Ungarn seien am Beispiel der DDR zu erkennen, hielt PETER KRAUSE (Universität Konstanz) gleich zu Beginn seiner Ausführungen fest. Er zeigte an konkreten Fällen, auf welchen Motiven die Berichterstattung in der DDR basierte. HEINRICH WEFING (Die Zeit, Hamburg) erörterte mit dem Demjanjuk-Prozess in München den letzten großen NS-Prozess und den Umgang Deutschlands mit diesem. Dass das Verfahren eine neue Rechtsauffassung geprägt habe, also die Verurteilung wegen funktioneller Einbindung in den Massenmord nun möglich sei, bewertete Wefing positiv.

Der Abschlusskommentar von CHRISTIAN GERLACH (Historisches Institut, Universität Bern) bot eine kritische Auseinandersetzung mit dem Tagungsthema und den thematischen Schwerpunkten der Vortragenden. Gerlach merkte an, dass laut Tagungstitel die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte im Vordergrund hätten stehen müssen, Fragen der „Realgeschichte“ aber stärker behandelt wurden. Die Bedeutung von Eichmann werde allgemein überschätzt, zweierlei stünde dahinter: zum einen ein Geschichtsbild, das den Fokus auf Tätergeschichte lege und sich gleichzeitig auf jüdische Opfer unter Marginalisierung anderer Opfergruppen konzentriere und zudem fragliche Geschichtsmythen, wie den ‚Schreibtischtäter‘, propagiere. Zum anderen machte Gerlach Eichmanns falschen Stellenwert an verschiedenen Annahmen fest, etwa die seines Erachtens problematische SS-zentrierte Sichtweise. Gerlach plädierte weiters für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Eichmann-Prozess aus (rechts-)historischer Perspektive, denn dass dieses Verfahren ein „Schauprozess“ gewesen sei, der rechtsstaatlichen Standards nicht genügt habe, müsse künftig in der Bewertung berücksichtigt werden. Was die Arendt-Rezeption betrifft, kam Gerlach zu einem eindeutigen Befund: Arendts Buch sei „unbedeutend“ und er machte die Aufregung über Arendt an zwei Themen fest: einerseits verstießen Arendts Thesen gegen die Regel, dass das Opfer- und das Heldennarrativ zentral seien, andererseits brauche gerade das Opfernarrativ das Böse als absolutes Böses, und das habe Arendt in Frage gestellt. Wie konstitutiv Narrative für die Staatsbildung aber seien, habe sich an der Tagung gezeigt: Gerlach schlussfolgerte, dass in Israel, ähnlich wie in der Sowjetunion, der Eichmann-Prozess ein Mittel zum Zweck gewesen sei, um vom Helden- zum Opfernarrativ überzugehen.

Man hätte der Tagung gewünscht, dass sie sich entschiedener mit der teils problematischen Historisierung Eichmanns auseinandergesetzt hätte, also die wissenschaftlich, politisch, medial und künstlerisch rezipierte und inszenierte Figur Eichmanns nach Jerusalem kritischer betrachtet hätte. Nichtsdestotrotz ist es der gutbesuchten Tagung gelungen, sich 50 Jahre nach dem Jerusalemer Prozess mit dessen facettenreichen Auswirkungen zu befassen und die Wirkmächtigkeit seiner (Nach-)Geschichte in anregender Form zu thematisieren.

Konferenzübersicht:

Begrüßung
Johanna Gehmacher, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Adalbert Wagner, Verein GEDENKDIENST, Wien
Béla Rásky, Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)

Panel 1: Eichmann vor und in Jerusalem

Eichmann und der Holocaust (Jürgen Matthäus, United States Holocaust Memorial Museum, Washington D.C.)
Die NS-Verfolgten und die Suche nach Adolf Eichmann (Katharina Stengel, Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main)
Die Eckpunkte des Eichmann-Prozesses (Lisa Hauff, Stiftung Topographie des Terrors, Berlin)
Kommentar: Oliver Rathkolb, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Moderation: Béla Rásky, Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)

Filmabend: Eichmann in Bildern – Taktiken medialer Inszenierungsformen

„Eichmanns Ende – Liebe, Verrat, Tod“ (Deutschland 2010) mit anschließendem Kommentar und Diskussion: Klaudija Sabo, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien

Panel 2: Vergangenheitspolitik in Österreich und Adolf Eichmann

Nachkriegsjustiz in Österreich (Sabine Loitfellner, Abteilung für Restitutionsangelegenheiten, Israelitische Kultusgemeinde Wien)
Der Fall Burger als Beispiel für fast unbehelligte nationalsozialistische Täter aus Österreich (Karla Müller-Tupath, Bremen)
Die Reaktionen der Republik Österreich auf die Ergreifung und den Eichmann-Prozess (Hans Safrian, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien)
Kommentar: Bertrand Perz, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Moderation: Heidemarie Uhl, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien

Panel 3: Eichmann: The Banality of Evil?

Der Stellenwert des Eichmann-Prozesses und Hannah Arendts in den USA (Deborah E. Lipstadt, Emory University, Atlanta)
Kontroversen zur Arendt-Debatte in Europa (Stephan Steiner, Sigmund Freud Privatuniversität, Wien)
Die Debatte über Hannah Arendt in Israel (Shlomo Aronson, Hebrew University, Jerusalem)
Kommentar: Doron Rabinovici, Wien
Moderation: Christian Gerlach, Historisches Institut, Universität Bern

Begleiteter Rundgang: Siegfried Seidl, NS-Täter und Absolvent der Universität Wien

Herbert Posch, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien; Hans Safrian, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien

Vortrag und Diskussion:

Tätergeschichte oder Gesellschaftsgeschichte?
Frank Bajohr, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
Kommentar: Dieter Pohl, Institut für Geschichte, Abt. Zeitgeschichte, Universität Klagenfurt
Kommentar: Johannes Breit, Verein GEDENKDIENST, Wien
Moderation: Hans Safrian, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien

Panel 4: Israel und Zentral-Europa nach dem Eichmann-Prozess

Die Bedeutung des Eichmann-Prozesses für und in Israel (Hanna Yablonka, Ben-Gurion University of the Negev, Beer-Sheva)
„Es ist unwahrscheinlich, dass wir auch gezwungen sein werden, eine Auslieferung zu fordern“. Der Eichmann-Prozess und das ungarische Politbüro (Regina Fritz, Editionsprojekt Judenverfolgung 1933-1945, Wien)
Die DDR und der Eichmann-Prozess (Peter Krause, Universität Konstanz)
Der Fall Demjanjuk als letzter großer NS-Prozess (Heinrich Wefing, Die Zeit, Hamburg)
Moderation: Éva Kovács, Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)

Abschlusskommentar zur Tagung

Christian Gerlach, Historisches Institut, Universität Bern

Anmerkungen:
[1] Um einige wichtige Publikationen zu nennen: Hans Safrian, Die Eichmann-Männer, Wien 1993; Christian Gerlach, The Eichmann Interrogations in Holocaust Historiography, in: Holocaust and Genocide Studies 15/3 (2001), S. 428-452; David Cesarani, Adolf Eichmann. Bürokrat und Massenmörder, Berlin 2004 [Biografie]; Irmtrud Wojak, Eichmanns Memoiren. Ein kritischer Essay, Frankfurt am Main 2004; Bettina Stangneth, Eichmann vor Jerusalem. Das unbehelligte Leben eines Massenmörders, Zürich 2011.
[2] Die Wanderausstellung „Der Prozess – Adolf Eichmann vor Gericht“ wurde vom 18. Oktober bis 15. Dezember 2011 im Justizpalast in Wien und vom 19. März bis 11. Mai 2012 im Landesgericht Linz gezeigt; die Ausstellung präsentierte die österreichische Justiz in Kooperation mit der Stiftung Topographie des Terrors, der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz.

Zitation
Tagungsbericht: Eichmann nach Jerusalem. Hintergründe, Be-Deutungen und Folgen des Prozesses, 22.03.2013 – 24.03.2013 Wien, in: H-Soz-Kult, 25.09.2013, <http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5051>.