Titel
The War of 1812. Conflict for a Continent


Autor(en)
Stagg, J. C. A.
Erschienen
Umfang
216 S.
Preis
€ 20,88
Rezensiert für H-Soz-Kult
Alexander Querengässer, Leipzig

Der Krieg von 1812 bis 1815 zwischen den USA und Großbritannien ist selbst in diesen beiden Ländern mittlerweile zu einer wenig beachteten Fußnote der Geschichte degradiert. In England wird dieser von Rückschlägen geprägte Konflikt überlagert von den Erfolgen Wellingtons gegen die Armeen Napoleons. In den USA tritt er in seiner Bedeutung hinter den Unabhängigkeitskrieg und den Sezessionskrieg zurück. Für Kanada hingegen stellt er immer noch einen wichtigen Schritt im Nationsbildungsprozess dar.

Da sich der Ausbruch dieses im angelsächsischen Sprachraum als „War of 1812“ bekannten Konflikts dieses Jahr zum 200. Mal jährt, überschwemmt derzeit eine Reihe neuer Publikationen den englischsprachigen Buchmarkt. Eine davon ist das Überblickswerk von John Staggs. Staggs hat eine Professur an der University of Virginia, ist Vorsitzender des „War of 1812 Magazine“, Editor der Korrespondenz von Präsident James Madison und daher ein passionierter Kenner der Materie.

Sein Buch beginnt mit einer sehr umfangreichen Einleitung, die den Forschungsstand und das wechselnde Geschichtsbild des Konflikts in Kanada und den USA darstellt. Seinen Fokus legt er hier bereits mehr auf die politische, als die militärische Reflexion. Die folgenden vier Kapitel beschäftigen sich mit dem Weg in den Krieg sowie den Geschehnissen in den einzelnen Kriegsjahren. „War of 1812“ skizziert die wachsenden ökonomischen Differenzen zwischen der jungen Republik und dem alten Mutterland, hervorgerufen durch die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Napoleonischen Kriege. Mit scharfem Blick filtert Staggs populäre Anlässe wie die Zwangsrekrutierung amerikanischer Matrosen durch die Royal Navy und Gründe wie die innerpolitischen Konflikte in den USA und die wirtschaftlichen Gegensätzen mit England heraus. Dabei erklärt er auch, dass das Land zu diesem Zeitpunkt nahe an einem weiteren Konflikt mit Frankreich stand. Französische Versuche die USA in ihren Kriegsbemühungen gegen England zu bestärken, um die napoleonischen Armeen in Spanien zu entlasten, werden eher am Rande skizziert.

Die Kapitel zu den einzelnen Kriegsjahren teilen sich in Schilderungen der militärischen Ereignisse, und die Beschreibung der politischen Diskussionen, vor allem innerhalb der USA. 1812 gelang es den Amerikanern mit Mühe ihre Armee mit Milizverbänden zu verstärken. Eine Invasion Kanadas konnte die schwache britische Armee jedoch zurückschlagen. Erfolge errang dagegen die winzige US Navy, deren gut bewaffnete Fregatten mehrere Duelle mit britischen Schiffen für sich entscheiden konnten. Ein interessantes Randthema, welches Staggs anschneidet, ist der Konflikt zwischen der amerikanischen Nordwestarmee und dem Indianerbündnis unter Tecumseh.

1813 konnten die USA zumindest den Krieg mit den Indianern zu einem erfolgreichen Abschluss bringen. Dagegen gerieten ihre Kanadaoffensiven an den großen Seen ins Stocken und auch der Royal Navy gelang es ihren Gegner langsam in den Griff zu bekommen. 1814 konnten die Briten schließlich eine Offensive starten, die zum Fall Washingtons führte, aber bei der Belagerung Bostons scheiterte. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit dem Friedensschluss der beiden am Krieg mittlerweile desinteressierten Gegner, welcher den Status quo ante bellum im Wesentlichen sicherte. Durch die langen Kommunikationswege über den Atlantik kam es allerdings noch nach Friedenschluss im Januar 1815 zu der verlustreichen, aber für die Amerikaner siegreichen Schlacht bei New Orleans. Im Schlussteil dieses Kapitels resümiert Staggs noch einmal den Konflikt, wobei er zum ersten Mal in seinem Buch dem militärischen Anteil mehr Spielraum gewährt als dem politischen. So kommt es, dass hier organisatorische Probleme der US Army geschildert werden, die vorher zu kurz kamen. Den kanadischen Anteil am Konflikt und dessen Bedeutung für den nördlichen Nachbarn der USA schildert Staggs dagegen ausführlich. Das Buch schließt mit einem umfangreichen Essay über empfehlenswerte Literatur zum Thema.

John Staggs formuliert bereits in der Einleitung des Buches die Aufgabe, eine kurze Überblicksdarstellung zu verfassen. Vom Umfang her ist ihm dies sicherlich gelungen, inhaltlich ist diese Darstellung jedoch etwas unausgewogen. Sie hätte entweder weiter verdichtet werden können, indem der politische Verlauf einfacher und nicht mit allen nie realisierten Überlegungen geschildert worden wäre, oder er hätte, durch eine gleichwertige Schilderung der militärischen Hintergründe (Kriegsverlauf, -planung; Organisation der Streitkräfte) eine ausführlichere Darstellung liefern müssen. Außerdem fällt auf, dass sich Staggs als Kenner der Madison-Politik zwar intensiv mit dem politischen Diskurs in Amerika auseinandersetzt, die historische Bedeutung für Kanada gut herausstreicht, aber die britische Seite etwas vernachlässigt.

Staggs „War of 1812“ ist ein gutes Überblickswerk für jene Studenten des Konflikts, die sich vor allem für seine politischen Hintergründe interessieren. Diejenigen, welche sich auch mit dem militärischen Verlauf beschäftigen wollen, seien eher auf Rainier Chapters „The War of 1812“ oder Donald Hickeys etwas umfangreichere Darstellung “War of 1812. A Forgotten Conflict“, verwiesen.[1]

Anmerkung:
[1] Rainier Chaptier, The War of 1812. The Second Revolution, On Demand Druck 2012; Donald Hickey, War of 1812. A Forgotten Conflict, Chicago 1997.

Zitation
Alexander Querengässer: Rezension zu: Stagg, J. C. A.: The War of 1812. Conflict for a Continent. New York 2012, in: H-Soz-Kult, 03.10.2012, <http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-18901>.
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Veröffentlicht am
03.10.2012
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