F. Breyer: Das Königreich Aksum

Cover
Titel
Das Königreich Aksum. Geschichte und Archäologie Abessiniens in der Spätantike


Autor(en)
Breyer, Francis
Erschienen
Umfang
160 S.
Preis
€ 29,99
Rezensiert für H-Soz-Kult
Florian Sonntag, Historisches Institut, Universität Stuttgart

Francis Breyer bietet in diesem Band aus der Reihe „Zaberns Bildbände zur Archäologie“ einen kurzen Abriss der Geschichte und Erforschung des aksumitischen Reiches in Abessinien. Das Buch ist in drei Kapitel gegliedert: Nach einer kurzen Einführung (S. 8–19) skizziert Breyer die „Geschichte und Erforschung des Reiches“ (S. 20–49), geht dann auf bedeutende Monumente Aksums ein (S. 49–128) und nennt im dritten Kapitel „die wichtigsten Fundstätten Abessiniens“ (S. 129–148), welche kurz beschrieben und erörtert werden. In einem „Ausblick“ geht Breyer der Frage nach, wie alt die aksumitische Kultur ist (S. 149), durch welche Kulturkreise sie beeinflusst wurde und wie die neuen Forschungsergebnisse bei der Klärung dieser Frage helfen können. Eine Zeittafel (S. 152), ein umfangreicher Fußnotenapparat mit 361 Anmerkungen sowie ein kurzes Literaturverzeichnis beschließen das Werk. Leider fehlt ein Orts- und Personenregister, was aber nicht dem Autor, sondern eher dem Verlag anzulasten ist, da Bücher aus dieser Reihe für gewöhnlich kein Register enthalten.

Besonders gelungen ist die kurze Einführung. Dort beschreibt Breyer die Arbeiten der Deutschen Aksum-Expedition, die 1906 unter Führung von Enno Littmann in Aksum Ausgrabungen durchführte (S. 9). Littmann genießt heute noch eine außerordentliche Popularität im äthiopischen Aksum; so wurde 2006, anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Deutschen Aksum-Expedition eine Straße nach ihm benannt (S. 12). Anschließend beschreibt Breyer die Stadt Aksum, nennt Monumente, Bauten und Grabungsplätze der Stadt und erläutert kurz die urbane Topographie.

Im ersten Kapitel geht Breyer auf die Entdeckung und Erforschung Aksums ein. Hier erörtert er die ersten Reisen europäischer Gesandtschaften, Entdecker oder Geistlicher nach Abessinien, die bereits im 16. Jahrhundert stattfanden. Die Reisenden knüpften überwiegend Handelskontakte; es haben sich aus dieser Zeit aber auch schriftliche Zeugnisse erhalten, die auf die alten Bauten und Monumente eingehen (S. 21), welche der Forschung heute noch wertvolle Hinweise geben. Es sollte allerdings noch bis ins 19. Jahrhundert dauern, bis dieses Gebiet wirklich archäologisch erforscht wurde. Anschließend skizziert Breyer die bedeutendsten Ausgrabungen in Aksum (S. 26f.), um dann die wichtigsten Quellen zu Aksum zu nennen. Neben den orientalischen Quellen und Inschriften (S. 27–32) sind hier die Berichte von klassischen Autoren wie Malalas, Prokop, Theophanes oder Kosmas dem Indienfahrer zu nennen, auf die Breyer bereits in der Einführung eingegangen ist (S. 11). Leider ist der Fußnotenapparat zu diesem Teil fehlerhaft und ungenau. So gibt Breyer verschiedene Stellen aus Prokop und Malalas wieder, zitiert aber nicht die jeweilige Stelle (also beispielsweise Mal. 18,56), sondern lediglich die Seitenzahl der verwendeten Ausgabe (S. 153, Anm. 3). Besonders ärgerlich ist, dass Breyer für Prokop lediglich eine englische Ausgabe von 1914 verwendet, was das Auffinden dieser Stellen enorm erschwert (S. 154, Anm. 67, 107 u. 115). Die erwähnte Stelle bei Theophanes führt er im Fußnotenapparat gar nicht auf (S. 11, dazu S. 153, Anm. 4). Möchte man die Stellen nachlesen, bleibt einem eine längere Suche leider nicht erspart. Sehr anschaulich und informativ ist hingegen das folgende Unterkapitel über Münzen aus Aksum. Breyer gibt hier detaillierte Informationen über Aussehen und Anzahl der gefundenen Münzen sowie über deren Prägequalität und Material (S. 35–39). Am Ende des ersten Kapitels wird kurz auf die Frage eingegangen, wann Abessinien christlich wurde; zudem wird die abessinische Geschichte kurz skizziert (S. 39–48).

Im zweiten Kapitel liefert Breyer eine profunde Beschreibung der Monumente Aksums. Hier kommen die zahlreichen Abbildungen des Buches gut zur Geltung, da die Monumente zum einen auf Fotos und zum anderen auf zahlreichen Zeichnungen der Deutschen Aksum-Expedition zu sehen sind. Somit bekommt man einen sehr guten Eindruck über Aussehen und Funktion der Monumente. Besonders die Zeichnungen sind hierbei sehr wertvoll, da die Monumente hier oft in Rekonstruktionsvorschlägen präsentiert werden, man also nicht nur die Fundamente sieht, wie es auf den meisten Fotos der Fall ist. Der Hauptteil dieses Kapitels ist den Stelen (S. 49–79) gewidmet, die wohl als Grabanlagen dienten (S. 49). Es ist auch denkbar, dass es sich bei manchen der Stelen um Opferstätten handelt. So gibt es bei vielen Stelen eine Art Vertiefung, sogenannte Opfermulden (S. 53, Abb. 27), die wohl in Zusammenhang mit einem Trankopfer stehen. Diese Hypothese wird dadurch unterstützt, dass Inschriften aus vorchristlicher Zeit die Opferung von Tieren und Menschen beschreiben. Die Vertiefungen könnten daher zum Sammeln des Blutes der Opfer gedient haben (S. 52). Breyer charakterisiert diese Stelen als Verbindung zwischen der Welt der Toten und der Lebenden (S. 50f.), geht auf deren Bau ein (S. 54f.) und beschreibt dann die wichtigsten Stelen im Detail. Anschließend werden noch weitere Monumente wie beispielsweise Hypogäengräber (S. 80–97), Villen und Paläste (S. 98–110) oder weitere Heiligtümer (S. 123–127) vorgestellt.

Im letzten Kapitel werden die elf wichtigsten antiken Fundstätten Abessiniens genannt und beschrieben (S. 129–148), welche in den heutigen Staaten Äthiopien und Eritrea liegen (S. 129). Hier erörtert Breyer auch die Verbindungen zwischen der aksumitischen Kultur und Südarabien (S. 134) sowie Ägypten (S. 147). Viele Funde, wie ein Sphinx, der im heutigen Nationalmuseum in Asmära zu sehen ist (S. 147), zeigen diese weitreichenden Beziehungen Aksums. In diesem Kapitel geht Breyer auch auf die voraksumitische Zeit ein. Dies führt Breyer zu der auch im Ausblick noch einmal kurz thematisierten Frage, wie alt die äthiopische Kultur ist (S. 149). Sie ist deshalb von einiger Bedeutung, weil ihre Klärung bei der Lösung der bis noch heute noch offenen Frage hilft, ob die Kultur Abessiniens von den Sabäern aus Südarabien stammt (S. 149).

Insgesamt bietet Breyers Werk einen guten Überblick zur Geschichte des Königreichs Aksum. Dies ist umso mehr zu betonen, da die Arbeit bisher die einzige deutschsprachige Darstellung zu diesem Thema ist. Mit seiner kurzen Bibliographie und seinem umfangreichen Apparat, der trotz Fehlern sehr nützlich ist, bietet dieses Buch einen guten Einstieg zur Geschichte des spätantiken Abessiniens.

Zitation
Florian Sonntag: Rezension zu: Breyer, Francis: Das Königreich Aksum. Geschichte und Archäologie Abessiniens in der Spätantike. Darmstadt 2012, in: H-Soz-Kult, 17.06.2013, <http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-20558>.
Redaktion
Veröffentlicht am
17.06.2013
Redaktionell betreut durch
Klassifikation
Region
Mehr zum Buch
Inhalte und Rezensionen
Verfügbarkeit
Weitere Informationen
Land (Publikation)
Sprache (Publikation)