Transformationen eines Historikers - Hans Rothfels’ Weg aus dem Dunstkreis der Volksgeschichte zur leuchtenden Symbolfigur der Nachkriegshistoriografie

Die Vielzahl von Stimmen, die sich zu Rothfels' Zeit in der Weimarer- und in der Bundesrepublik äußern, steht im auffälligen Kontrast zu dem stummen Vakuum bezüglich Rothfels' Zeit in den USA. Eine Etappe, die wie ein eisernes Scharnier Rothfels' Lebensphasen in Deutschland verbindet und ohne deren Betrachtung die Veränderungen in seiner wissenschaftlichen Arbeit und seiner politischen Einstellung nicht erklärbar sind. Peter Th. Walther macht deshalb in dem H-Soz-u-Kult-Forum "Hans Rothfels und die Zeitgeschichte" zu Recht darauf aufmerksam, dass in der Diskussion bislang vollkommen fehlt, was Rothfels in den USA lernte, erfuhr und praktizierte. John L. Harvey fordert dementsprechend in seinem Beitrag, diese Forschungslücke unter Bezugnahme auf die historische Zunft in den Vereinigten Staaten endlich zu schließen. Beide Historiker versuchen die Archive in den USA für diese Aufgabe fruchtbar zu machen. Der vorliegende Artikel zeigt, dass schon die nähere Betrachtung seines Nachlasses im Bundesarchiv Koblenz, der Briefwechsel mit seinem langjährigen Freund Siegfried A. Kaehler und Rothfels' Veröffentlichungen in der Emigrationszeit zu neuen Erkenntnissen über diese Phase führen.

So wird ein Historiker skizziert, der in gewisser Hinsicht im "richtigen Augenblick" in die USA kam. Während der intellektuellen Krise Anfang der 1930er-Jahre waren die USA - tief erschüttert in ihrem Zivilisationsoptimismus - offener für Sichtweisen konservativer deutscher Historiker wie Rothfels. Rothfels sei "the biggest gain the nazis had made for us", kommentierte Eugene Anderson dann auch die Ankunft des Bismarck- und Mitteleuropa- Experten. So erlaubte das verstärkte Interesse an deutscher und europäischer Geschichte sowie die traditionelle Theorievielfalt in den Vereinigten Staaten Rothfels recht schnell eine prominente Position im US-amerikanischen Wissenschaftsbetrieb einzunehmen.

Trotzdem hatte Rothfels große Schwierigkeiten, sich dem "American way of life" anzupassen. Rothfels Emigration war eine Emigration mit dem "Blick nach Deutschland". Wie aus einem Brief an Siegfried Kaehler hervorgeht, hat Rothfels wohl schon kurz nach Kriegsende auf einen frühen Ruf aus dem Heimatland gehofft. Enttäuscht über sein Ausbleiben richtete sich Rothfels erst danach richtig in den USA ein. Eingebunden in einen Kreis konservativer Emigranten in Chicago begab sich Rothfels auf die langwierige Suche nach Traditionslinien über weltpolitische Brüche und persönliche Veränderungen hinweg.



Von
Christiane Blume

Einleitung
Hans Rothfels: Eine „charismatische Lehrerpersönlichkeit“, ein „Chamäleon“, das sich ausgezeichnet seiner jeweiligen Umwelt anpassen konnte, ein Vertreter des Neokonservatismus, ein „konservativer Vernunftrepublikaner“? So sehr sich diese Einschätzungen auch widersprechen, sie machen eines deutlich: Rothfels ist ein außergewöhnliches Anschauungsobjekt für Wandel und Brüche im Leben eines Historikers entlang historischer Zeitlinien und dementsprechend hoch umstritten. Sein Lebensweg lässt sich knapp zusammenfassen: Der Politik- und Ideenhistoriker zählte zu den etablierten Historikern am rechten Rand des politischen Meinungsspektrums und näherte sich gegen Ende der Weimarer Republik mit seinen Vorstellungen über Mitteleuropa der Volksgeschichte. Er konvertierte zum Protestantismus, identifizierte sich voll mit seiner deutschen Abstammung und musste trotzdem als Opfer des Nationalsozialismus vierzehn Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erst nach England und dann in die USA emigrieren. Dort baute er an der University of Chicago erfolgreich einen Schülerkreis auf. Seine „dritte“ Karriere gelang ihm schließlich als Remigrant in der Bundesrepublik, wo er zur Konsolidierung traditioneller Geschichtsauffassungen beitrug.

Es wundert deshalb nicht, dass Rothfels im Zuge der Frage nach der Verstrickung der Historiker mit dem Nationalsozialismus als „geistiger Vater“ von Werner Conze und – man muss es unter Vorbehalt formulieren - Theodor Schieder in den Fokus der Diskussion geriet.[1] Besonders der wissenschaftliche Schlagabtausch zwischen Ingo Haar und Heinrich August Winkler über Rothfels’ Verhältnis zum NS-Regime erregte Aufmerksamkeit.[2] Dass die Debatte um die Person Rothfels und seine jeweilige wissenschaftliche und politische Einordnung in den verschiedenen Etappen seines Lebensweges auch in Zukunft für Zündstoff sorgen wird, zeigen der Workshop des „Centre Marc Bloch“ und das Kolloquium zum fünfzigjährigen Jubiläum der „Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte“ im Juli 2003.[3]

Die Vielzahl von Stimmen, die sich zu Rothfels’ Zeit in der Weimarer- und in der Bundesrepublik äußern, steht im auffälligen Kontrast zu dem stummen Vakuum bezüglich Rothfels’ Zeit in den USA.[4] John L. Harvey macht deshalb zu Recht darauf aufmerksam, dass diese Forschungslücke geschlossen werden muss.[5] Zumal diese Zeit wie ein eisernes Scharnier Rothfels’ Lebens- und Wissenschaftsetappen in Deutschland verbindet und ohne die Betrachtung seiner Emigrationszeit die Veränderungen in seiner wissenschaftlichen Arbeit und seiner politischen Einstellung nicht erklärbar sind. Neben Peter Walther versucht Harvey über die Erschließung von Archiven in den USA neue Aspekte von Rothfels’ Zeit in den Vereinigten Staaten für die wissenschaftliche Diskussion fruchtbar zu machen.

Ich zeige im Folgenden, dass schon die nähere Betrachtung seines Nachlasses im Bundesarchiv Koblenz sowie der Briefwechsel mit seinem langjährigen Freund Siegfried A. Kaehler zu neuen Erkenntnissen über diese Phase führt. Darüber hinaus werden Rothfels’ Veröffentlichungen in der Emigrationszeit herangezogen, um zeigen zu können, inwiefern der USA-Aufenthalt modifizierend auf Rothfels’ akademisch-disziplinäres Selbstverständnis, seine Methoden und seine Themen gewirkt hat.

Helge Pross betont, dass eine „erfolgreiche“ Emigration von zwei Faktoren abhängt: zum einen vom Charakter und der Fähigkeit des Einzelnen sich anzupassen und zum anderen von der objektiven Aufnahmefähigkeit und -willigkeit des Zufluchtslandes.[6]

Für den Erfolg musste der Einzelne das „Gefühl des Vertrieben-Seins“, die „Heimat-Sehnsucht“ sowie die „Sorge um die Familie“ verarbeiten. Darüber hinaus war er dem Zwang ausgesetzt, „sich an eine andere Kultur anzupassen, Freunde zu finden, beziehungsweise sich einfach wohl zu fühlen“.[7] Auch das eigene Lebensalter war eine entscheidende Komponente, die die Anpassung an die Situation erschwerte oder begünstigte. Da die deutschen Emigrationshistoriker ihre Sozialisation in einer „Klassengesellschaft“ erlebt hatten, erforderte die Konfrontation mit einer anderen politischen Kultur eine Umstellung. Dazu kamen vielfach Existenzängste und fast immer die Notwendigkeit, Englisch zu lernen oder wenigstens die Sprachkenntnisse zu verbessern. Dies war für alle Intellektuellen die größte Hürde, da „[...] Lehren und Schreiben [...] ein sich Hineinleben in den andersartigen Geist einer fremden Sprache, den man erfasst haben muß, um volle Kommunikation herzustellen“, verlangt.[8] Die Historiker mussten den Verlust ihrer persönlichen Bibliothek kompensieren und waren mit dem Problem konfrontiert, keinen Zugang mehr zu den deutschen Archiven zu haben. Außerdem waren sie gezwungen, sich einem neuen Publikum und einer anderen Wissenschaftskultur zuzuwenden.

Für die Integration der Wissenschaftler war es besonders bedeutend, ob es innerhalb der amerikanischen Historikerzunft ein Interesse für deutsche Themen und Überschneidungen in der amerikanischen und deutschen Forschungskultur gab. Auch vorherige Kontakte zu amerikanischen Wissenschaftlern konnten die Integrationschancen entscheidend verbessern. Deshalb werde ich im Folgenden nicht nur die einzelnen Arbeiten von Rothfels untersuchen, sondern auch einen Exkurs über die Bedingungen für die emigrierten Neuzeit-Historiker aus Deutschland in den USA integrieren. Diese Aspekte bilden den Hintergrund für die Möglichkeit des Scheiterns oder des Erfolgs in der Emigration. Ihre Darstellung trägt dazu bei, die Veränderungen und Brüche in der wissenschaftlichen Arbeit von Rothfels und sein modifiziertes Selbstverständnis als Wissenschaftler besser zu verstehen.

Zunächst sollen Rothfels‘ wissenschaftliche Arbeit und sein Wissenschaftsverständnis in der Weimarer Republik bis zu seiner Emigration vorgestellt werden. Im Anschluss wird aufgezeigt, wie ihn die schleichende Ausgrenzung aus dem akademischen Betrieb schließlich zu dem Emigrationsentschluss getrieben hat. Daraufhin werden seine Versuche beschrieben, zunächst in England Fuß zu fassen. Schließlich werde ich darauf eingehen, auf welche wissenschaftlichen Aufnahmebedingungen Rothfels in den USA gestoßen ist, um zu erklären, inwiefern diese auf seine Integration und die Modifikation seiner wissenschaftlichen Arbeit gewirkt haben.

1. Hans Rothfels in Deutschland
1.1. Allgemeine Einordnung
Hans Rothfels entstammte einer liberalen jüdischen Familie aus Kassel.[9] Freireligiös erzogen, konvertierte Rothfels schon mit 19 Jahren 1910 zur evangelisch-lutherischen Kirche. Es ist anzunehmen, dass sich Rothfels hundertprozentig mit seiner deutschen Nationalität identifizierte. Hans Mommsen ist dementsprechend der Meinung, dass der Konversion ein „bewusstes Wahlpreußentum, freilich mit gesamtdeutscher Färbung“ als Motivation zugrunde lag.[10] Dies ging anscheinend so weit, dass es Rothfels sogar nach der nationalsozialistischen Machtergreifung und den beginnenden, spürbaren Diskriminierungen vermied, „seine Söhne über ihre jüdische Abstammung aufzuklären“.[11] Offenbar spielte seine jüdische Herkunft nicht nur keine Rolle mehr, sondern er verleugnete sie geradezu. Das Verhältnis – vielmehr das Nicht-Verhältnis - zu seiner jüdischen Identität ist vermutlich einer der Gründe, warum Rothfels den Rassen-Antisemitismus des Nationalsozialismus unterschätzte und so lange glaubte, zu einem Modus-Vivendi mit dem nationalsozialistischen Regime kommen zu können.

Die Teilnahme am Ersten Weltkrieg, das „Frontkämpfererlebnis“, war für Rothfels eine historiografische und politische Initiationserfahrung. Die erste Etappe seines Lebens als Historiker ist dementsprechend von dem Wunsch gekennzeichnet, die Erfahrungen und Ideale der „Frontkämpfergeneration“ in seine wissenschaftliche Arbeit zu integrieren. Er fasste seine Arbeit bewusst als historisch-politische Erziehungsarbeit auf.[12] Diese Sichtweise verstärkte sich deutlich seit 1926, seit er den Lehrstuhl in Königsberg besetzte. Dort bekannte er sich zu einer „kämpfenden Wissenschaft“. „Erkenntnis und Bekenntnis“ waren für ihn nunmehr die beiden Seiten der Berufsforderung.[13]

Seine wissenschaftliche Arbeit vor seiner Anstellung in Königsberg ist gekennzeichnet von einer politik- sowie ideengeschichtlichen Richtung. Einerseits plädierte er für den Primat staatlicher Macht- und Außenpolitik. Die „machtvollen Interessen“ der Staaten und Nationen gelten ihm als „gestaltende Kräfte, als bewegende Einheiten des geschichtlichen Lebens“.[14] Andererseits war die Suche nach dem Prinzipiellen, nach der ursprünglichen Staatsidee von Bismarck eine Leitidee von Rothfels.[15] Seine Historiografie ist bestimmt von dem Ruf nach der Wiedererlangung eines im Staat geeinigten und „nach außen autonom dargestellten Volkstums“ und damit einer machtpolitischen Rehabilitierung Deutschlands.[16] Dies geht mit seiner schroffen Ablehnung sowohl des Versailler Kriegsschuldparagrafen als auch der Bestimmungen der Pariser Vorortverträge einher.[17]

Durch seine Anstellung als ordentlicher Professor an der Grenzland-Universität Königsberg begann Rothfels mit zunehmendem Interesse, seine ursprünglichen Themen mit solchen zu kombinieren, in denen er die Bedeutung Ostpreußens für die gesamtpreußische und gesamtdeutsche Geschichte darstellte.[18] Zudem weitete er sein Themenspektrum auf die Geschichte der ehemals russischen Ostseeprovinzen und der Deutsch-Balten aus.[19] In Königsberg entwickelte Rothfels dementsprechend seine Vorstellungen von der Neuordnung Mitteleuropas. Seine wissenschaftliche Tätigkeit fand ihren Höhepunkt in seinem Vortrag auf dem 18. Historikertag 1932 in Göttingen. Die Positionen, die er dort vertrat, erfuhren in den folgenden Jahren noch eine Radikalisierung, wie sich in einem Sammelband-Aufsatz, der unter der Leitung von Albert Brackmann mit revisionistischer Zielsetzung eigens für den Internationalen Historikerkongress in Warschau 1933 in Polen veröffentlicht wurde, zeigte.[20]

Seine Neuordnungsvision sah folgendermaßen aus: Danach stellte er sich ein Nebeneinander von Völkern im gleichen Staat und zugleich die Überwölbung der Staatsgrenzen durch den Volkszusammenhang vor. Der Staat sei zur Befriedung und zur geschichtlichen Leitung gefordert. Er schrieb dem Staat also eine autoritäre Führungsrolle zu.[21] Hiermit verband er die Gedanken eines „ständischen Neubaus auf föderalistische und autonomistische Prinzipien, auf Stufung und Eigenrecht, auf körperschaftliche Mitverantwortung am gegebenen Staate wie am gegebenen Volkstum“.[22] Dabei war sein Konzept zutiefst antidemokratisch und antikapitalistisch.[23] In dem Sammelband von Brackmann wollte er die „organische Neuordnung nach der Reife der Volkskräfte und dem Grad kultureller Leistung“ vollzogen sehen. Die Arbeit für eine solche „Befriedung und Eindeichung“ werde vor allem auf den Schultern desjenigen Volkes liegen, das am umfassendsten seit Jahrhunderten in den Lebensprozess des Ostens verflochten sei.[24] Es liegt auf der Hand, dass hiermit nur das deutsche Volk gemeint sein konnte.

Seine Nähe zur Volksgeschichte ist evident, obwohl er betont, dass er sich zugleich gegen einen „neuen Mythos“ wendet, „der allein in der Volkstumsbewegung die geschichtsbildenden Kräfte sehen will“.[25] Diese Distanz steht mit seiner fortwährenden Betonung der staatlichen Autonomie in engem Zusammenhang und seinem offensichtlichen Versuch, eine Synthese von Staats- und Volksgeschichte herzustellen.[26]

Bei solchen Aussagen ist es noch um so interessanter herauszuarbeiten, wie jemand wie Rothfels damit umgeht, wenn er gezwungen ist, sein Betätigungsfeld zu verlassen und ein neues Publikum zu finden sowie seine Themen an die neue Umgebung anzupassen. Wie später noch gezeigt wird, hatte Rothfels allerdings neben seiner relativen Bekanntheit den Vorteil, dass er als Privatdozent in Berlin bereits Kontakte zu amerikanischen und englischen Kollegen knüpfen konnte.[27] So erteilte er Doktoranden der University of Chicago Ratschläge für ihre Dissertationsthemen. Diese Verbindung dehnte er mit seiner Tätigkeit als Berater für den internationalen Studentenaustausch und bei der Cecil Rhodes Foundation aus.[28]

Es ist erstaunlich, wie lange Rothfels noch versucht hat, unter der nationalsozialistischen Herrschaft einen Platz zu finden. Im Vorwort zu „Bismarck und der Osten“ bietet sich Rothfels mit seiner Historiografie für die deutsche Gegenwart als „Bundesgenosse“ „im Kampf um das Werdende“ an.[29] Er war offenbar mindestens bis 1935 bereit, sich mit dem „Dritten Reich“ zu identifizieren. 1935 unterstützt er noch die Wiedereingliederung des Saarlandes mit der Begründung, dass hier Volkstumsrechte begründet seien, die „aus der Weltanschauung des neuen Deutschlands durch seinen Führer programmatisch verkündet worden sind.“[30] Von daher entbehrt Wolfgang J. Mommsens Einschätzung, dass „Rothfels was a strong opponent of National Socialism from the start“, jeder Grundlage.[31] Auch in „Ostraum, Preußentum und Reichsgedanke“ bemerkt er, er vertraue weiterhin auf den Sinn des Generationenzusammenhangs, denn auch das sei „Nova Germania“. Trotz der Distanz, die man hier herauslesen kann, zeigt die Veröffentlichung eines Bandes, dessen inhaltliche Nähe zu faschistischen Geschichtsinterpretationen nicht von der Hand zu weisen ist, weiterhin seine starke Identifikation mit Deutschland. In seinem letzten in Deutschland erschienen Buch von 1937 zeigt sich jedoch schon die demütigende Erfahrung der rassischen Diskriminierung an, wenn er Theodor von Schöns Begriff der Nationalität basierend auf „der ungemischten Abstammungseinheit“ einen „primitiven Tatbestand“ schimpft.[32]

1.2. Schleichende Marginalisierung
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ist Rothfels’ Karriere von einer schleichenden beruflichen Marginalisierung gekennzeichnet. Zunächst war er nach §3, Abs. 2 des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ von einer Kündigung ausgeschlossen, da er am Ersten Weltkrieg als Offizier teilgenommen hatte. Weil Rothfels an der Königsberger Universität eine prominente Stellung einnahm, führten sein Sonderstatus als „Nichtarier“ und seine Verbindung zu neokonservativen Kreisen allerdings schnell zu Komplikationen.[33] Am 20. April 1933 legte er seine akademischen Ämter nieder.[34] Schon ein Jahr später erhielt Rothfels vom Kultusministerium die Mitteilung, dass er „auf Grund von §5 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 in gleicher Eigenschaft an eine andere Universität“ versetzt werde.[35] An welche, das blieb im Unklaren.[36] Im Februar 1936 verweigerte Rothfels die weitere Mitarbeit an der Historischen Zeitschrift, nachdem er seit März 1935 faktisch bereits ausgeschlossen worden war.[37]

Im April 1935 wurde Rothfels offiziell emeritiert: Da ihm ein Forschungs- und Lehrauftrag an der Universität von Berlin in Aussicht gestellt wurde, bereitete er mit seiner Familie den Umzug vor.[38] Er war übrigens der einzige Ordinarius unter den Neuzeit-Historikern, der entlassen wurde. Hier zeigt sich deutlich, dass die Geschichtswissenschaft keine „Exilwissenschaft“ war.

Die vorübergehende berufliche Perspektive wurde allerdings durch die „Nürnberger Rassegesetze“ von September 1935 versperrt. Anfang Mai 1936 wurde Rothfels erklärt, man habe ihm den Forschungsauftrag rückwirkend zum Dezember 1935 entzogen. Seit 1937 durfte Rothfels nicht mehr publizieren.[39] Darüber hinaus wurde es nach dem Novemberpogrom Juden verboten, öffentliche Archive und Bibliotheken zu benutzen.[40] Allerdings durfte er offenbar ausnahmsweise unter der Ägide von Albert Brackmann im Preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin Quellenstudien betreiben.[41] Zeitgleich mit dem Umzug der Rothfelsschen Familie nach Berlin im April 1936 schwand sichtlich jeder berufliche Hoffnungsschimmer.

Auch ein anderer Weg, der fortschreitenden Ausgrenzung zu entgehen, war in einer Sackgasse geendet. Rothfels hatte im Dezember 1935 den Status des „Ehrenariers“ beantragt - trotz Unterstützung des Ostpreußischen Landeshauptmanns und Ribbentrops ohne Erfolg. Im September 1936 erhielt er die Ablehnung.[42] Seit Januar 1939 musste er den zusätzlichen Vornamen „Israel“ tragen.[43] Damit stand Rothfels’ akademische Karriere und berufliche Zukunft in Deutschland vor dem Aus.

Trotz dieser für ihn „schwersten Belastungsprobe“ war seine Loyalität zu Deutschland 1934 noch relativ ungebrochen. So wünschte er seinen Studenten zum Abschied, dass sie „von der grossen Zeitbewegung aufs stärkste ergriffen sind und sie als Totalität nehmen.“ Außerdem bekräftigte er, dass er „trotz starker Zurückschneidung des Arbeitsfeldes und trotz empfindlicher Ausschliessung“ bereit sei, weiterhin das seinige zu einer sinnvollen Neuordnung des Ostens beizutragen. In einem Brief vom 26. November 1935 an Heinrich Ritter von Srbik, der Rothfels’ Sammelband von 1935 in der Deutschen Literaturzeitung positiv besprochen hatte, wird klar, wie sehr Rothfels die rassischen Diskriminierungen getroffen haben, da Srbiks „Feststellung gemeindeutscher Verbundenheit als einer lebensmäßig erhärteten Tatsache“ ihm innerlich sehr viel bedeutet habe. In diesem Sinne grüßte Rothfels Srbik in „alter Gesinnung“.[44]

Nur angesichts dieser desolaten Perspektive konnte er sich zögerlich dazu bereit finden, sich nach einer möglichen Anstellung im Ausland umzusehen. Für Rothfels sprachen zunächst einige Gründe gegen die Emigration. Als deutscher Patriot und Gegner demokratischer und liberaler Auffassungen meinte er in Deutschland immer noch mehr Gemeinsamkeiten zu finden als im Ausland. Diese Furcht vor der wissenschaftlichen wie politisch-historischen Wurzellosigkeit im Ausland und das Alter spielten zunächst offenbar eine Rolle:
"Ich kann sie (die Emigration, Anm. d. V.) aus realen Gründen und der Kinder wegen nicht ganz verwerfen, aber ich sehe sie ganz realiter als nahezu unausführbar an und glaube, daß sie mit schlimmerer innerer Auszehrung – jedenfalls für mich und meine Frau – endet als die jetzige Form der Trockenlegung. Man muß schon auf seine Weise verbraucht werden, und es gibt mit 44, von denen die letzten 20 die Prägekraft eines Jahrhunderts besessen haben dürften, keinen Neuanfang mehr."[45]

Auch für seine Kinder hatte er sich wohl erhofft, den Zeitpunkt der Auswanderung hinauszögern zu können. Sein Ältester bestand 1937 das Abitur, 1940 würden auch die beiden anderen Kinder die Schule verlassen können.[46]

1.3. Der Blick ins Ausland
Rothfels begann nun, seine Verbindungen ins Ausland zu intensivieren, zunächst mit dem Ziel, lediglich einen vorübergehenden Auslandsaufenthalt zu erreichen. Dabei halfen ihm sein Freund Kaehler und Historikerkollegen wie Ritter von Srbik oder Thomas P. Conwell-Evans, ein Brite, der als Lektor in Königsberg lehrte und als deutsch-freundlich galt.[47] So unternahm Rothfels Ende 1936 zwei Reisen nach England, die dem Knüpfen von Kontakten dienen sollten, wobei ihm Conwell-Evans zur Seite stand. Dabei sprach er unter anderem bei Walter Adams vom Academic Assistance Council/Society for the Protection of Science and Learning mit der Bitte nach gelegentlichen Vorträgen oder einem zeitweiligen Aufenthalt in einem College vor.[48] Darüber hinaus informierte er sich darüber, ob und wie seine Kinder ein Studium beginnen und Schulen in Großbritannien besuchen könnten.[49]

Dabei machten sich sprachliche Probleme bemerkbar.[50] Auch unterschiedliche politische Einstellungen traten ungünstig hervor: „(...) fand überhaupt die Oxf.[orter] Atmosphäre nicht sehr günstig für mich, polit.[isch] links und sehr hinter dem Berg, nicht ohne pharisäische Züge.“ Dies bestätigte sich mit einer Absage von Adams bezüglich einer möglichen Anstellung in Oxford.[51]

Perspektiven boten ihm die Anregung, für das englische Publikum ein Buch über die preußischen Junker zu schreiben und eine Einladung des Vorsitzenden des Historischen Instituts von Cambridge.[52] Im Mai 1937 konnte Rothfels in London und Cambridge Vorträge über „Bismarcks Sozialpolitik“ halten.[53]

Daraus entstand ein zweiteiliger Artikel für eine sozialwissenschaftliche Zeitung, in dem Rothfels die gegenseitigen Einflüsse und Unterschiede der englischen und deutschen Sozialpolitik darstellte. Er zollte darin dem staatsfernen, sich selbst-regulierenden und von Gewerkschaften getragenen Sozialsystem unter Wahrung aristokratischer Elemente in Großbritannien Respekt. Auch Bismarck habe seine Bewunderung für dieses System und das englische Volk ausgedrückt.[54] Dies ist sicher auch als opportunistisches Zugeständnis Rothfels’ an Großbritannien, das Land, das ihm zeitweise Obdach gewähren sollte, zu verstehen. Gleichzeitig betonte er jedoch, das englische Selbstbestimmungsrecht und das Parlamentssystem seien nicht übertragbar auf Deutschland, wo es Gruppen und Parteien gebe, die dem Staat in fundamentaler Opposition entgegenstünden.[55] Deshalb habe Bismarck versucht, eine Ordnung des Staatssozialismus zu implementieren, die zwischen den bürgerlichen Demokratien des Westens und dem feudalen Absolutismus des Ostens gestanden habe.[56] Rothfels hielt seine Vorstellungen von einer bündischen und korporatistischen Gesellschaftsform aufrecht, doch war der vergleichenden Perspektive der Ansatz inhärent, seine extrem anti-demokratische Position vermittelnd darzustellen und Anknüpfungspunkte in der englischen Gesellschaft zu finden. Dies kann als erster Versuch gewertet werden, ein neues Publikum zu erreichen.

Allerdings scheiterte sein Versuch, als Gastprofessor in Cambridge eingestellt zu werden, am Einspruch von Universitätsgremien. Und zwar mit der Begründung, er sei kein „refugee“.[57] Damit stand Rothfels zunächst wieder am Anfang seiner Bemühungen. Mögliche Erklärungen für Rothfels’ Probleme, eine Position zu erhalten, gab Kaehler in einem Brief an Srbik wieder:
Die Schwierigkeit liegt wohl darin, dass man in England eher geneigt ist, Leuten die Hand zu reichen, welche aus den ideologischen Gründen demokratischer Weltanschauung ausgewandert sind, während man jemanden, der nicht von sich aus, sondern durch schicksalhafte Verkümmerung seiner Lebensmöglichkeiten zur Emigration sich entschließt, weniger Verständnis entgegenbringt.[58]

Darüber hinaus habe Rothfels in seinem wissenschaftlichen Gepäck zu wenig „ideologische Exportartikel für den westeuropäischen Verbrauch“.[59] Offenbar hatte der oben beschriebene Ansatz, ein neues Publikum zu erschließen, nicht gefruchtet. Erschwerend für die Anstrengungen, eine Anstellung im Ausland zu erreichen, kamen persönliche, gesundheitliche Probleme von Rothfels hinzu, da er sich einen Bruch seines Amputationsstumpfes zugezogen hatte, der ihn wochenlang ans Bett fesselte.[60]

Im Oktober 1938 schrieb Fritz Demuth von der Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland an das Emergency Committee: „Dr. Gertrud Bing of the Warburg Institute, London, has approached me on behalf of Professor Hans Rothfels […] Apparently the latest developments in Germany have decided him to emigrate.”[61] Rothfels’ Plan, nach Zürich zu reisen, um den direkten Kontakt mit der Notgemeinschaft zu suchen, scheiterte, da er am 20. Oktober als „Nichtarier“ seinen Pass abliefern musste. Außerdem fürchtete Rothfels eine ungewisse Wartefrist: „Ich höre eben von einem Heidelberger Kollegen, der Quotennummer 13000 ! erhal[t]en hat für nächstes Jahr, d.[as]h.[heißt] ¾ Jahr Wartezeit. Was wird inzwischen sein?“[62] Langsam spitzte sich die Lage für Rothfels bedrohlich zu. Bei dem Novemberpogrom wurde Rothfels in Berlin verhaftet, kam aber „durch Mut und Entschlossenheit des wachhabenden Polizisten nach wenigen Stunden wieder frei“.[63]

Mit Beginn des Jahres 1939 konnte Rothfels endlich seine Kinder ins sichere England schicken. Außerdem erhielt er im Januar ein Angebot vom AAC/SPSL für ein zweijähriges fellowship am All Souls College in Oxford, das später vom St. John`s College in Oxford übernommen wurde. Eine Stellung in Großbritannien war also gesichert, so dass Rothfels Ausreisevorbereitungen traf. Diese gingen jedoch nur schleppend voran. Rothfels beantragte beim Kultusministerium die Verlegung seines Wohnsitzes ins Ausland.[64] Knapp vier Wochen später erhielt er über den Kurator der Albertus-Universität in Königsberg den erwünschten Bescheid mit weiteren Instruktionen.[65] Seine Dienstbezüge als Emeritus würden auf ein „Sonderkonto Versorgungsbezüge“ bei einer Devisenbank eingezahlt, hieß es darin. Doch da Rothfels 14 Tage vor Beginn des Weltkriegs emigrierte, ist unwahrscheinlich, dass er überhaupt eine Überweisung seiner Dienstbezüge erhielt, denn mit Kriegsbeginn wurde der Transfer von Devisen gestoppt.

Im gleichen Jahr hatte Conwell-Evans die Historiker und die Universitätsverwaltung an der Brown University in Providence, Rhode Island in den USA auf Rothfels aufmerksam gemacht. Der Präsident, Henry M. Wriston, zeigte zwar Interesse, sah sich jedoch aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen.[66]

In Oxford konnte Rothfels zunächst wieder wissenschaftlich arbeiten und ungestört die Bibliotheken benutzen. Seine Vorlesung über Bismarck, die er für den Sommer 1940 angekündigt hatte, konnte er jedoch nicht wahr nehmen, da er und seine beiden Söhne im Zuge der allgemeinen Kriegshysterie als „enemy aliens“ auf der Isle of Man interniert wurden:
"Wir machten sofort eine camp Universitä[t] auf, [...], und ich bin seit den besten Koe[nigsberger] Jahren vielleicht niemals nötiger und erfolgreicher gewesen, paedagogisch, social und seelsorgerisch, als unter den hunderten entwurzelten Menschen."[67]

Nachdem Rothfels 1939 gar nichts veröffentlichte, erschien im Jahr 1940 ein kurzer Artikel über Russen und Deutsche im Baltikum. Darin kritisierte er die „Umsiedlung“ von etwa 80.000 Deutschbalten im Zuge des Molotow-Ribbentrop-Pakts in die annektierten polnischen Westprovinzen als „real historical tragedy“ für Europa. Denn, so meinte er, diese „Umsiedlung“ bringe die ökonomische und kulturelle Unabhängigkeit von Estland und Lettland sowie deren wichtige Rolle als Grenzstaaten und Außenposten gegen den asiatischen Despotismus mehr in Gefahr, als russische Flottenstützpunkte und Flughäfen es könnten.[68] Um diese These zu unterstreichen, schlug Rothfels einen Bogen von der Besiedlung des Raumes durch die Baltendeutschen im 12. Jahrhundert bis in die Zwanzigerjahre des 20. Jahrhunderts. Nach Rothfels war dieser Raum ein „battle-ground of fundamental ideas in politics“.[69] Dabei wiederholte Rothfels sein Idealbild einer Gesellschaftsstruktur.[70] Außerdem bemühte er sich, die Rolle der Baltendeutschen in den westlichen Kulturkreis einzuordnen. So stellte er sie als Verfechter von Institutionen dar, die alten englischen ähnelten oder als Außenposten von Westeuropa und der christlichen Welt. In diesem Sinne hätten die Deutschen Ritter im 16. Jahrhundert die westliche Zivilisation an ihrer nördlichen Flanke verteidigt.[71] Auch dies war möglicherweise als „ideologischer Exportartikel“ gedacht, um seine Anstellungschancen zu verbessern.

Inzwischen bemühte sich das Emergency Committee um eine Anstellung für Rothfels in den USA. Die Brown University war zwar weiterhin interessiert, doch noch im Juni stellte Betty Drury vom EC fest: „Really terrible – looks completely hopeless“.[72] Doch kurz darauf hatte man sich dort doch entschlossen, eine Stelle für Rothfels zu schaffen. Offenbar hatte eine bereits emigrierte Königsberger Doktorandin von Rothfels, Edith Lenel, Langer gedrängt, für Rothfels’ Unterkommen an der Brown University zu sorgen.[73] Der Chairman des Department of History beschrieb diese Entscheidung später: „Although we had no vacancy in our Departement into which Dr. Rothfels would naturally fit, we created a temporary position for him for two years.”[74] Wriston hielt das Angebot auch noch aufrecht, als ihm das EC mitteilte, dass es sich nicht an der Finanzierung von Rothfels’ Gastprofessur beteiligen könne.

Rothfels’ Frau akzeptierte das Angebot von der Brown University für ihren internierten Mann sofort. Sie kümmerte sich um seine Entlassung aus dem Lager und die amerikanischen Einreisepapiere für ein Non-quota-visum.[75] Im November 1940 kam das Ehepaar Rothfels mit dem Schiff in New York an. Es war der Anfang einer jahrelangen Trennung von den Kindern, da Klaus aus dem Lager nach Kanada deportiert wurde, Hans-Jürgen noch eineinhalb Jahre auf der Isle of Man interniert war und später - wie seine Schwester Ursula - in Großbritannien blieb.[76]

William L. Langer[77] betonte in einem Telegramm, dass an der erfolgreichen Schaffung einer Stelle und der Möglichkeit zur Immigration Sinclair W. Armstrong, James B. Hedges und Henry Wriston einen hohen Anteil hatten.[78] Doch auch die beiden Historiker, die Rothfels bereits von Aufenthalten in Deutschland zwischen 1930-1935 kannten, Anderson und Walter Dorn, hatten seine Emigration unterstützt.[79] Insgesamt bestätigt sich hier die Bedeutung von Kontakten zu Fachkollegen – gerade wenn es sich um so einflussreiche und renommierte Wissenschaftler wie Langer, aber auch Dorn und Anderson handelte.

2. Exkurs: Geschichtswissenschaft in den USA
Im Allgemeinen hatten die USA als Einwanderungsland viele Vorteile: Das Hochschulsystem war wesentlich aufnahmefähiger als in Ländern wie Großbritannien oder Frankreich. Einige Universitäten waren bereit, Gelder für die einströmenden Immigranten bereit zu stellen oder extra Stellen zu schaffen. Verschiedene Hilfsorganisationen bemühten sich, Arbeit für die Flüchtlinge zu finden. Daneben unterstützten einige amerikanische Fachkollegen die Suche der Emigrationshistoriker nach einem Arbeitsplatz.

Von besonderer Bedeutung für die erfolgreiche Fortsetzung der Arbeit sind aber die Anknüpfungsmöglichkeiten innerhalb der Zunft. Lewis Coser weist darauf hin, dass
“The refugees seem to have been most influential in areas of study where they filled a perceived need not previously met, or in fields in which they encountered an already established tradition to which they felt affinity so that they could build on already established scholary traditions. Matters became difficult in areas where there was little fit between the newcomer’s skills and native American intellectual traditions and requirements.”[80]

Dementsprechend ist es von besonderem Interesse, in welchen thematischen und methodischen Rahmen Rothfels seine Arbeiten integrieren konnte und musste. Da er nur eine begrenzte Auswahl von auf Deutschland bezogenen Themen anbieten konnte und seine methodische Herangehensweise in der deutschen historiografischen Tradition wurzelte, konzentriere ich mich auf die Bereiche in der amerikanischen Geschichtsschreibung, die Anknüpfungspunkte boten. Aber auch diejenigen Bereiche, die Rothfels’ Opposition hervorriefen, sollen Erwähnung finden.

2.1. Die Professionalisierung der amerikanischen Geschichtswissenschaft
Die professionelle amerikanische Geschichtswissenschaft entwickelte sich etwa 20 bis 30 Jahre später als in Deutschland. Ihr Anfang lag in einer Zeit einer gewaltigen Wirtschaftsexpansion einer demokratischen Gesellschaft. Die Faszination an den Leistungen und Erfolgen des Kapitalismus versah die amerikanische Intelligenz mit den Glaubensinhalten des klassischen Wirtschaftsliberalismus, Pragmatismus und Optimismus.[81] Vor diesem sozio-politischen Hintergrund bildete sich eine im Vergleich zu Deutschland andersartige Geschichtsschreibung, da sich dort die Professionalisierung der Geschichtswissenschaft in einer vordemokratischen und vorindustriellen Gesellschaft vollzogen hatte.

Rankes kritische Methode der Quellenarbeit sowie die Sicherung und Prüfung von Fakten galten auch hier als Norm von Wissenschaftlichkeit und Objektivität.[82] Sein auf dem Idealismus fußendes philosophisches Denken wurde hingegen geradezu ignoriert.[83] Das führte dazu, dass in Deutschland und in den USA ein unterschiedliches – geradezu gegensätzliches – Ranke-Bild vorherrschte. Für deutsche Historiker, die Rankes idealistische Wurzeln erkannten, repräsentierte er die Antithese eines nicht-philosophischen Empirismus. Mit seinem intuitiven Zugriff auf die Geschichte galt er als Vorbild, das positivistische und rationalistische Ansätze negierte. In den USA hingegen verstand man ihn als Pionier einer positivistischen Annäherung an die Geschichte.[84]

Dass Ranke in den USA nur teilweise verstanden wurde, ist darüber hinaus mit dem unterschiedlichen Wissenschaftsbegriff in den beiden Ländern verknüpft. In den USA war dieser viel mehr mit den Naturwissenschaften verbunden, nach denen jede Forschung mit systematischen Methoden vorangetrieben werden muss.[85] Hier liegt die Ursache dafür, dass die amerikanischen Historiker an das Ideal der sozialwissenschaftlichen Objektivität glaubten und damit an die Möglichkeit des Historikers, alle religiösen, politischen, philosophischen, sozialen, wirtschaftlichen, moralischen und ethischen Prägungen abzustreifen.[86]

2.2. Die „New History“
Anfang des 20. Jahrhunderts kommt auch in den USA ein Diskurs über die Grundlagen der Geschichtsforschung und –schreibung in Gang.[87] Nach Meinung Eckart Kehrs konnten die Amerikaner den Gegensatz zwischen der Rankeschen Geschichtsschreibung und der amerikanischen Wirklichkeit nicht mehr ignorieren und sie begannen, parallel zu der Entwicklung der Ideengeschichte in Deutschland, die „bedeutende Rolle der Wirtschaft in der Geschichte und Politischen Wissenschaft anzuerkennen“.[88] Im Zuge des „Progressive Movement“ sollte die Gesellschaft stärker in die Geschichtswissenschaft einbezogen werden. Gleichzeitig sollte verstärkt mit sozialwissenschaftlichen Methoden gearbeitet werden.[89] Obwohl dieser Ansatz Anfang der Dreißigerjahre diskreditiert war, da seine politischen und methodologischen Implikationen mehr Verwirrung als Erkenntnisfortschritt gestiftet hatten, war er die Grundlage für alle späteren Entwicklungen der amerikanischen Geschichtswissenschaft.[90]

2.3. „Intellectual History“ und deutsche Geschichte in den USA
Auch die geistesgeschichtlich orientierte „intellectual history“ war äußerst eng mit diesem Ansatz verbunden. Diese Richtung hat sich methodisch auch von der deutschen Kultur-, Geistes- und Ideengeschichte inspirieren lassen. Trotzdem unterscheidet sie sich in Teilen von diesen Ansätzen und die beiden Richtungen schließen sich sogar in gewisser Weise aus: Die deutsche geistes- und ideengeschichtliche Richtung versuchte, die Rankesche Tradition zu vertiefen und Geschichte über führende intellektuelle und kulturelle Motive zu durchdringen, die zumeist von den „großen Männern der Geschichte“ repräsentiert wurden, während der Ansatz der „intellectual history“ mit der Sozialgeschichte verknüpft war und insbesondere die sozialen Voraussetzungen und Implikationen von Ideen für gesellschaftliches und politisches Handeln untersuchte.[91]

Trotz der Implementierung verschiedener historiografischer Ansätze in die geschichtswissenschaftliche Forschungslandschaft gab es in den USA kein außergewöhnliches Maß an theoretischer Grundlagenbildung, wie es die Sozialwissenschaften zu dieser Zeit schon kannten.[92] Dies soll Erwähnung finden, da eine starre Identifikation der amerikanischen Historiker mit geschichtswissenschaftlichen Ansätzen die Eingliederung der Emigrationshistoriker in den amerikanischen fachwissenschaftlichen Diskurs erschwert hätte.

Die „intellectual history“ war immer in besonderem Maße mit der Beschäftigung mit der deutschen Geschichte verbunden. Charleton Hayes, der unter Robinson studierte, leitete den bedeutendsten und produktivsten Kreis von Gelehrten, die sich mit europäischer Geschichte unter sozialgeschichtlichen Aspekten beschäftigten. Später haben andere Emigrationshistoriker als Rothfels, wie zum Beispiel Hajo Holborn und Felix Gilbert, hier einen bedeutenden Beitrag geleistet, der noch bis in die Gegenwart zu spüren ist.[93]

In den USA herrschte offensichtlich schon viel früher als in Deutschland eine gewisse Methodenvielfalt und eine Toleranz, neben der traditionellen Geschichtsschreibung noch innovative Ansätze zu akzeptieren.[94] Diese Pluralität in der Erschließung neuer Dimensionen historischer Erkenntnis darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die geschichtswissenschaftliche Perspektive auch in den USA nationalstaatlich verengt war. Der innovative Zugriff der „New History“ blieb thematisch auf die USA beschränkt.[95]

Trotzdem beschäftigten sich seit der Gründung der amerikanischen Geschichtswissenschaft eine Handvoll Historiker mit europäischer Geschichte. Die Wissenschaftler, die sich für moderne europäische Geschichte interessiert haben, hatten ihre Ausbildung in den meisten Fällen an den drei großen östlichen Universitäten erhalten. Diejenigen, die wissenschaftliche Forschung in den europäischen Archiven betrieben haben, sind meist entweder nach England oder Frankreich gegangen, so dass sich die amerikanische Europa-Forschung der Zwanziger- und Dreißigerjahre auf britische und französische Geschichte konzentrierte.[96]

Der Erste Weltkrieg löste ein verstärktes Interesse an europäischer Geschichte aus, das teilweise von einem ausgesprochenen Deutschland-Hass angefeuert wurde.[97] In der Zwischenkriegszeit entstand eine lebhafte Forschungstätigkeit über die revisionistische beziehungsweise antirevisionistische Interpretation der amerikanischen Kriegsintervention. Die Beiträge von Sidney Bradshaw Fay, Bernadotte Schmitt und William Langer fanden auch in Deutschland Beachtung.[98] Diese Arbeiten waren diplomatiegeschichtlich orientiert und unterwarfen sich dem Postulat vom Primat der Außenpolitik.[99] Daneben gab es einige, die sich anderen Problemen Europas zuwandten.[100] Ihre Arbeiten über die Geschichte des europäischen Nationalismus, über europäische Geschichte im Allgemeinen und über deutsche Geschichte waren Pionierleistungen. Ford und Anderson begründeten mit ihren Arbeiten eine Tradition der amerikanischen Geschichtsschreibung über die preußische Reformzeit und über preußische Geschichte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dies war der „vertraute Bereich“ in der amerikanischen Geschichtswissenschaft, an den die Emigrationshistoriker im Allgemeinen, aber auch Rothfels, später anknüpfen konnten.[101]

Das Interesse an europäischer Geschichte machte sich auch wissenschaftsorganisatorisch bemerkbar, wovon einige Emigranten profitieren konnten: Mit der Gründung des „Journal of Modern History“ Ende der Zwanzigerjahre erhielt die verstärkte Beachtung der europäischen Geschichte eine Plattform. Die „Review of Politics“[102] (1939) und das „Journal of Central European Affairs“[103] (1941) erfüllten eine ähnliche Funktion. Von 1950 bis 1951 erschien die Fachzeitschrift „Measure“. Sie wurde von dem Emigranten Otto von Simson geleitet und von einem Kreis von Emigranten um das „Committee on Social Thought“ der University of Chicago, an der Rothfels lehrte, herausgegeben.[104] Außerdem ist die „Social Research“ zu nennen. Sie ist die Vierteljahresschrift der Graduate Faculty der New School for Social Research und 1934 von Alvin Johnson als Publikationsorgan für die von ihm nach New York gerufene Gruppe emigrierter Wissenschaftler geschaffen worden.[105]

2.4. Ankunft „im richtigen Augenblick“
Als die deutschen Emigrationshistoriker in den Dreißigerjahren in den USA eintrafen, fanden sie eine Basis einer Tradition der Europa-, aber auch Deutschland-Forschung vor. Stern spricht sogar von einer starken, reichen und reifen Forschung.[106] Dies klingt jedoch ein wenig übertrieben, wenn man bedenkt, dass es 1926 erst etwa 250 Europa-Forscher gab und noch in den ersten Jahren nach 1945 an den renommierten Universitäten der Ostküste wie Harvard, Columbia, Princeton oder Pennsylvania Historiker von Rang und Namen, die deutsche Geschichte lehrten, fehlten.[107]

Trotzdem stand die amerikanische Deutschland-Forschung mit dem Zweiten Weltkrieg kurz vor dem „take-off“ und so kann mit Wolf davon gesprochen werden, dass die Ankunft der Historiker „im richtigen Augenblick“ erfolgte.[108] Der „take-off“ hatte folgende Ursachen: Der Zweite Weltkrieg stellte den amerikanischen Forschern eine reiche Sammlung von dokumentarischen Quellen zur Verfügung. Darüber hinaus erhöhten der Krieg und der folgende Kalte Krieg das Interesse an Deutschland und Europa, denn Europa war zu dieser Zeit das Zentrum heißer politischer und ideologischer Konflikte.[109] Zusätzlich wurde die so genannte G.I. Bill erlassen, nach der Kriegsveteranen per Staatsstipendium die Möglichkeit erhielten zu studieren oder einen höheren akademischen Grad zu erwerben. Sie hatten die Auswirkungen von Geschichte im Militär oder in den Nachrichtendiensten unmittelbar miterlebt. Dies entspricht Holborns Beobachtungen:
"[...] je näher der Krieg kam, desto voller wurden die Vorlesungen, sowohl über deutsche Geschichte als auch über deutsche Philosophie. Das Interesse an deutschen Dingen hat sich nach dem Krieg unbedingt erhalten."[110]

Die Stärke des Dollars und das Fulbright fellowship ermöglichte nach 1949 Hunderten von jungen Amerikanern, in Europa zu studieren und zu forschen. Diese Faktoren führten sicherlich zu einem erhöhten Interesse an der Geschichtswissenschaft. Zwischen 1940 und 1950 hat sich deshalb die Zahl der Doktoranden an amerikanischen Universitäten mehr als verdoppelt.[111]

Neben dem „take-off“, der die Aufnahmefähigkeit von Emigrationshistorikern in die amerikanische Zunft begünstigte, hat Rothfels beobachtet, dass die Emigrationshistoriker insofern „im richtigen Augenblick“ kamen, als sie ihre „kollektiven Erfahrungen im alten Europa“ in den USA anbieten konnten. Rothfels meint, dass die USA das nachholten,
"[...] was Europa im achtzehnten Jahrhundert vorauserlebt hatte: das Eingegliedertwerden in ein Staatensystem, in dem es keine Isolierung mehr gibt, mit all den Wirkungen, die dieser Prozess mit sich bringt, wie Stärkung der Zentralgewalt, der Bürokratie und der Bedeutung der auswärtigen Politik für die inneren Verhältnisse – alles Dinge, die der vom Kontinent, aus Deutschland kommende Historiker als festen Erfahrungshintergrund mitbrachte und die hier fruchtbar gemacht werden konnten."[112]

Zugleich boten sich den Emigrationshistorikern die Chancen einer verhältnismäßig offenen, auf der Theorie-Ebene nicht so beschränkten Disziplin.

2.5. Die intellektuelle Krise
Neben xenophoben und antisemitischen Traditionen in den USA, die eine erfolgreiche Emigration entscheidend behindern konnten, haben zwei Ereignisse auf gewisse Weise eine günstige Ausgangssituation für die deutschen, emigrierten Neuzeit-Historiker hervorgerufen: die Weltwirtschaftskrise und der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Sie haben zu einer intellektuellen Krise geführt, die eine Neubewertung der geistigen Grundlagen nötig machte. Die Weltwirtschaftskrise hatte nämlich eine erhebliche Desillusionierung provoziert. Dem Glauben an die „Machbarkeit der Welt“ schien offenbar der Boden entzogen worden zu sein. Die amerikanische Intelligenz war mit wirtschaftlichen Niederlagen konfrontiert, die mit Rationalität und Pragmatismus nicht erklärt und gelöst werden konnten. Dies beeinflusste den Glauben an die „Fortschrittlichkeit“ der amerikanischen Demokratie mit ihrer optimistischen Tradition der Expansion.[113] Hajo Holborn meint rückblickend:
"Die starke Wirkung der deutschen Immigration ist nach meinem Gefühl im wesentlichen dadurch verursacht, daß Amerika sich in einer Krise befand. Wäre die deutsche Immigration zehn Jahre früher erfolgt, so wäre ihr intellektueller Ertrag wahrscheinlich sehr gering gewesen, dann hätten sich Neuankommende an das Leben eines prosperierenden und luxuriösen Landes gewöhnen müssen, ebenso an die verhältnismäßig geringe Stellung, die intellektuelle Dinge zu der Zeit einnahmen."[114]

Die Wirtschaftskrise nach 1931 habe jedoch das amerikanische Selbstbewusstsein erschüttert und besonders in der jungen Generation eine große Bereitschaft dafür ausgelöst, neue Ideen zu empfangen und andere Dinge als die gewohnten amerikanischen zur Kenntnis zu nehmen. Infolgedessen seien die Emigranten gerade in einem psychologisch und geistesgeschichtlich ungewöhnlich günstigen Moment in die USA gekommen.[115]

Rothfels hat ähnliche Beobachtungen gemacht:
"Wir kamen in ein Amerika, das die Krise der frühen dreißiger Jahre hinter sich hatte, das tief erschüttert war in seinem Zivilisationsoptimismus, in dem die Theologie (etwa Niebuhrs) eine Rolle zu spielen begann, in dem sie Geschichtsauffassungen, wie sie Burckhardt vertreten hatte, nicht mehr auf unfruchtbaren Boden fielen. Wir hatten Zugang zu einer aufgelockerten und sich selber kritisch gebenden Geistigkeit, wie sie vielleicht in früheren Zeiten nicht möglich gewesen wäre."[116]

Diese allgemeine intellektuelle Krise tangierte auch die amerikanische Geschichtswissenschaft. Sie war gezwungen, eine Neubewertung ihrer Methoden und theoretischen Annahmen vorzunehmen. Dies mündete laut Wolf in einer neuen Betrachtungsweise der amerikanischen Geschichte, von der Erkenntnis um die amerikanische Rolle in der Welt und einem starken Interesse an europäischer und deutscher Geschichte.[117]

In dieser unsicheren Phase der geistigen Umorientierung suchte Rothfels Zugang zur geschichtswissenschaftlichen Zunft. Dass es ihm gelang, die aufgelockerte Atmosphäre für eine erfolgreiche Fortsetzung seiner wissenschaftlichen Arbeit zu nutzen, deuten seine Aussagen bereits an.

Darüber hinaus glaubte man in Amerika unter dem Eindruck des Zusammenbruchs der Demokratien in Mittel- und Osteuropa an die Möglichkeit des Untergangs des alten Europa und der abendländischen Kultur. Man fühlte sich verpflichtet, dieses Erbe anzutreten. Dazu meint Arnold Bergstraesser:
"Während des Krieges gab es Momente, in denen man in Amerika ernstlich in Betracht zog, die europäische Kultur gehe ihrem Ende entgegen und Amerika müsse das Erbe übernehmen. 'Ich habe bei einem amerikanischen Kollegen den Plan zu einem Buch gesehen, das die Frage behandelte, was an der europäischen Kultur als erhaltenswert anzusehen wäre.'"[118]

Man kann annehmen, dass die Bereitschaft, die Repräsentanten des alten Europa anzustellen und ihnen eine neue Wirkungsmöglichkeit zu geben, dadurch gestiegen ist. Auch dies begünstigte die zweite Karriere von Hans Rothfels.

3. Hans Rothfels in den USA
3.1. Die Ankunft
Auf einer persönlichen Ebene hatte Rothfels von Beginn an Kontakt zu einigen der renommiertesten Fachkollegen auf dem Gebiet der europäischen und deutschen Geschichte, wie Briefe von Langer, Armstrong und Anderson zeigen.[119]

Trotzdem hatte Rothfels Probleme, sich in den USA einzugewöhnen und sich an die dortigen Gebräuche anzupassen. Noch 1948 erklärt Rothfels dazu: “Meine Frau hat nur wenige weisse Straehnen und noch einen unamerikanischen Mutz und keinerlei make-up, wie wir denn ueberhaupt etwas aus dem Rahmen fallen.“[120] Eine Doktorandin urteilte über seine Situation in Providence 1942: „I feel that he has a little (-quite understandable-) difficulty in adjusting himself to American ways […].“[121] Dies wurde sicherlich noch durch die dreijährige Erkrankung seiner Frau erschwert.[122] Rothfels meint rückblickend über die emotional hoch belastende Situation: „Dass auf der anderen Seite der Weg schwierig war, wird Dir nicht überraschend sein und ist eher an understatement. Mit das Schlimmste war und ist die Zerstreuung der Familie.“[123] Auch das Alter schien hier eine Rolle gespielt zu haben:
"Natürlich einige der Altersgenossen oder Ältere, die früher kamen und mit ganzen Familien oder in anderen Fächern, haben sich leichter eingegliedert [...]. Die Jüngeren sowieso, Nuancen kommen auch in Betracht und mit Veit [Valentin, Anm. d. V.] habe ich nie konkurriert."[124]

Rothfels spielte hier ebenso auf die Probleme an, die entstanden, weil er erst so spät emigriert war.

Fachlich schien die Situation für Rothfels günstig zu sein. Anderson nannte den Zugewinn für die amerikanische Wissenschaft durch Rothfels „one of the biggest gains the Nazis have made for us“.[125] Armstrong beglückwünschte Rothfels zu seinem Artikel über „Russians and Germans in the Baltic“, der 1940 erschienen war: „We greatly enjoyed your article, as did some friends in Providence“. Gleichzeitig regte er Rothfels an, eine größere Studie über Bismarck zu erarbeiten: „(...) I had been bemoaning the absence of a satisfactory treatment, and I am confident that yours would fill a long-felt need“.[126] Nach Harvey stießen Rothfels’ Ideengeschichte von Clausewitz, seine Vergötterung von Bismarcks Regierungskunst, seine Betrachtung des deutschen Liberalismus und sein Anti-Versailles-Revisionismus im Allgemeinen auf große Zustimmung bei den Spezialisten der deutschen Geschichte in den USA.[127]

Allerdings geriet Rothfels mit seiner Gastprofessur „in eine sehr anstrengende und durch hohe Lehrbelastung bestimmte Stellung“.[128] Rothfels meinte rückblickend:
"Auch habe ich aus finanziellen Gründen praktisch ununterbrochen gelehrt mit starker Ausschöpfung, bes.[onders] alle Sommer durch und das Klima ist eine böse Zugabe dazu. Aber es ist gegangen [...] und ich habe auch sonst sicher gelernt und angereichert, bes.[onders] durch die encyklopädische Ausrichtung auf ’Zivilisationsgeschichte’. Jedenfalls bin ich Jahr für Jahr verlängert worden, und habe in sechs Kursen 15, 16, 17, 18tes Jahrhundert gelehrt, ausserdem Europa seit 1914 und International Relations."[129]

Rothfels war anscheinend wie viele der Emigrationshistoriker in seinen anfänglichen Emigrationsjahren damit konfrontiert, dass in kleineren Colleges die Lehre einen hohen Rang einnahm und ungewohnt weite Strecken der europäischen Geschichte abgerissen werden mussten. Dies war eine weitere Ursache für seine spärlichen Veröffentlichungen.

Obwohl die Stellung an der Brown University unter Rothfels’ Niveau als ehemaliger ordentlicher Professor lag, konnte er der Lehrzeit in Providence etwas Positives abgewinnen: „[...] I am fully aware of the fact that this interlude helped me greatly to win that experience in the American way of teaching which I did not have six years ago.“[130] Das Lernen einer neuen Sprache war zwar für ihn mühsam, aber „das Unterrichten und Schreiben in einer neuen Sprache, weil nicht ohne Reiz, zwingt zu grösserer Einfachheit“.[131] In den vorangegangenen und folgenden Briefauszügen wird dementsprechend deutlich, wie sehr sich Rothfels nach etwa fünf Jahren im englischsprachigen Raum in die neue Sprache hineingelebt hat. Seine Satzkonstruktionen sind an die englische Sprache angelehnt. Darüber hinaus verwendet er englische Vokabeln. Dies kann als Zeichen seiner langsamen Eingewöhnung gedeutet werden.

Ferner schätzte er in den USA „die vollkommene Freiheit des Denkens und Aussprechens mitten im Krieg, die man erst recht zu schätzen weiß, wenn man sie einmal verloren hat [...]“.[132]

1946 wurde Rothfels amerikanischer Staatsbürger. Im gleichen Jahr erhielt er für das Sommersemester 1946 einen Ruf als Gastprofessor für europäische Geschichte am renommierten Departement of History an der Universität Chicago. Dabei hatte ihm wiederum Langer geholfen.[133] Rothfels übernahm nach dem erfolgreich verlaufenen Sommersemester die Professur von Bernadotte E. Schmitt. Dieser hatte in seinen wissenschaftlichen Arbeiten eine sehr distanzierte Position zu Deutschland eingenommen und die deutsche Schuld am Krieg 1914 im völkerrechtlichen Sinne vertreten.[134] Nach Auskunft von Rothfels wünschte man jetzt, die Studenten sollten die Probleme, speziell die deutsche Frage, einmal anders beleuchtet sehen.[135] In Chicago fand er eine Situation vor, die für seine wissenschaftliche Arbeit sehr viel günstiger war:
"Wir fanden die Atmosphaere sehr viel offener, menschlich und wissenschaftlich, Wiederaufnahme geistiger Verbindungen mit Deutschland ist ein bewusster Programmpunkt, das erste Bild, das ich auf dem Korridor des History Departement sah, war das von - Hermann Oncken[136]; das deutsche Element ist stark und geachtet an der Universitaet, [...]. Die Groesse des Platzes und das hoehere Niveau haben einen sehr stimulierenden effect nach den vielen Jahren mehr oder weniger schulmaessigen Unterrichts."[137]

Offenbar hatte Rothfels in Chicago einen Platz gefunden, der emotionale Anknüpfungspunkte an Deutschland bot und zugleich wissenschaftlich dem Niveau seines ehemaligen Status in Deutschland entsprach.

Nach dem Krieg hoffte Rothfels zunächst auf einen Ruf nach Deutschland, wie ein Brief an Kaehler belegt.[138] Dies widerspricht der allgemeinen Auffassung, dass sich Rothfels nur zögerlich entschloss, nach Deutschland zurückzukehren. Denn erst als der frühe Ruf ausblieb, versuchte er sich dauerhaft in den USA einzurichten. Das Übergangsstadium endete erst mit einer Anstellung an „einer der ersten Universitaeten (qualitaetsmaessig) des Landes“.[139] Dieser Vorgang belegt, dass Rothfels seine Emigration zunächst mit dem Blick nach Deutschland verbrachte. Die hart erkämpfte Stelle an der University of Chicago gab er dann tatsächlich nur zögerlich auf, wie die Ablehnung der Rufe nach Erlangen und Heidelberg zeigten. Die neue Position erfüllte ihn mit Hoffnung:
"Das endet nicht nur persoenlich eine Periode grosser Unsicherheit [sondern, Anm. d. V.] gibt auch sachliche Moeglichkeiten wie ich sie bisher nicht hatte und wahrscheinlich in diesem Lande nirgends besser finden koennte, da Doktoranden reichlich [...] sein werden und da man von mir Ideengeschichte, Ausw.[ärtige] Politik, mitteuropaeische Geschichte, bes.[onders] auch Nationalitaetenprobleme erwartet [...] im uebrigen aber [...] nehme ich es als verhaengt, dass ich in dieser Weise und an diesem Orte dem nachleben werde, solange es geht, was mir vor 25 Jahren vorschwebte."[140]

Die Themen, die Rothfels in Chicago lehrte, deckten sich weitreichend mit denen, die er bis zum Ende seiner Lehrtätigkeit in Deutschland verfolgt hatte. Offenbar griff er jedoch nicht auf seine Vorhaben vom Anfang der Weimarer Republik zurück, denn schon 1948 erklärte er: „Ich bin reiner Europäer, speziell Mitteleuropäer, weiter wie Renaissance gehe ich nicht zurück“.[141] Überdies konnte er sein Gesichtsfeld verbreitern:
"Ich denke [...] an Vergleichsmöglichkeiten, die für den an der vielnationalen Problematik Mitteleuropas besonders Interessierten sich mit der lockeren, föderativen Organisationsform des Commonwealth ergaben, oder mit der Doppelnationalität Kanadas, oder mit der Nationsbildung der USA aus vielfältigstem Bestand."[142]

Im Jahr 1949 unternahm Rothfels eine lang geplante, ausgedehnte Reise nach Deutschland im Rahmen des „reeducation program“. Dort hielt er mit der Autorität eines Emigranten Vorträge und machte sich ein Bild von der dortigen Studentenschaft. Vor allem mit seinem Vortrag über „Bismarck und das 19. Jahrhundert“ auf der ersten Nachkriegstagung des deutschen Historikerverbandes in München stellte er eine direkte Verbindung zu seinen Arbeiten in Königsberg her.[143]

Hiermit ist die biografische Grundlage für die Frage geschaffen, wie sich das Leben und Arbeiten in den USA auf seine politische Haltung, sein wissenschaftliches Selbstverständnis und die wissenschaftliche Arbeit ausgewirkt hat.

3.2. Rothfels’ Stellung in den USA
Es ist umstritten, ob Rothfels in den USA ein Außenseiter war. Vagts deutet einen Konflikt Rothfels’ über politische Meinungsverschiedenheiten mit den akademischen Behörden der Brown University an.[144] Radkau erklärt, dass Rothfels als Spätankömmling starken Anfeindungen ausgesetzt war.[145] Hallgarten setzt hinzu:
"Besonders in England [...] aber auch in Amerika [...] hatte er Widerwärtiges durchzumachen, was letzten Endes in seiner barocken und im Grunde antiwestlichen Denkweise lag. Solange die Welt gegen Hitler Krieg führte, nahm sie eben so manches krumm, das später als der Kalte Krieg begann, eher als verdienstlich angesehen wurde."[146]

Dies stimmt mit der Aussage Arnold Bergstraessers überein, dass im Kreise der Emigranten an der Universität von Chicago das Abschleifen der politischen und ideologischen Verschiedenheiten manchmal schwierig gewesen sei. „Es ist mir aufgefallen, dass schon das Auswanderungsdatum für die gegenseitige Beurteilung zunächst eine gewisse Rolle gespielt hat.“[147] Erst allmählich entwickelte sich aus den Gemeinsamkeiten der Emigrationserfahrung ein Gruppenbewußtsein. Klemens von Klemperer meint wiederum, dass sich Rothfels mit dieser Gruppe von den Einflüssen der neuen Lebensumwelt abgekapselt habe.[148] Den Eindruck einer „eingeschworenen Gemeinschaft“ erhält man auch von folgender Aussage:
"Auch die primitive Tatsache, dass eine so erhebliche Anzahl deutschgeborener und unzweifelhaft qualifizierter Gelehrter hier Stellen inne hat, ist natürlich wie überall in der Welt unfreundlicher Deutung fähig."[149]

Andererseits setzte Rothfels die politischen Probleme an der Brown University im Rückblick nicht sehr hoch an: „Auch die Themen [die Themen der Vorlesungen, siehe oben, Anm. d. V.] deuten ja an, dass ich eine Vorurteilsfreiheit und Bereitschaft gefunden habe, die der Arbeit Sinn gibt.“[150] Auch Harvey erklärt, dass man von Rothfels und seiner Frau keinesfalls als „loners“ und „outsiders“ sprechen konnte, da beide auch an privaten Fakultätsfeiern an der University of Chicago teilgenommen hätten und Rothfels ein sehr aktives Mitglied des Instituts gewesen sei. Nach seinem Ruf nach Tübingen sei er bis zum Tod seiner ersten Frau jedes Jahr nach Chicago zurückgekehrt, um dort Freunde und ehemalige Fakultätskollegen zu treffen. Außerdem veranschlagt er Rothfels’ heftige Bemühungen, trotz seiner späteren Lehrtätigkeit in Tübingen die amerikanische Staatsbürgerschaft behalten zu können, als Zeichen seiner Amerikanisierung.[151] Möglich ist aber auch, dass Rothfels sicherstellen wollte, seine Kinder später ohne Schwierigkeiten in den USA besuchen zu können.[152]

Es ist anzunehmen, dass dies zwei Seiten einer Medaille sind: Einerseits sah sich Rothfels Angriffen ausgesetzt, die nicht nur auf seine politische Position, sondern auch auf xenophobe Ressentiments zurückzuführen waren. Möglicherweise sind diese durch die Selbstabgrenzung der Emigranten-Gruppe verstärkt worden. Es ist unklar, in welcher Phase und von wem Rothfels kritisiert wurde, so dass dies hier nicht näher bestimmt werden kann. Möglicherweise geben hier die Quellen in den USA mehr Auskunft. Andererseits erhielt er gerade wegen seiner deutlich rechten Position eine Anstellung an einer angesehenen Universität. Dabei unterstützten ihn amerikanische Historiker, die seine radikale Einstellung in der Weimarer Republik und am Anfang der nationalsozialistischen Herrschaft kannten und offenbar auch schätzten.[153] Dass Rothfels gerade an der Universität von Chicago unter dem konservativen Präsidenten Hutchins eine Anstellung erhielt, ist in diesem Zusammenhang sicherlich kein Zufall. Rothfels’ anti-kapitalistische und konservative Haltung stieß im Zuge der Wirtschaftskrise und der „intellektuellen Krise“ auf positive Resonanz.

3.3. Rothfels’ politische Position
Hieran schließt sich die Frage, ob Rothfels seine politische Einstellung in den USA modifiziert hat. Da es hierüber keine persönlichen Aussagen gibt, soll knapp dargestellt werden, wie Rothfels wahrgenommen wurde. Daran anschließend soll die Untersuchung seiner wissenschaftlichen Arbeit in den USA Auskunft darüber geben, wie Rothfels politisch einzuordnen war. Alfred Vagts berichtet, dass Rothfels auch „in Amerika der patriotischste aller jüdischen Historiker geblieben war“.[154] Georg Iggers, der 1948 zwei Seminare bei Rothfels in Chicago besuchte, fragte sich, warum ein Mensch mit nach wie vor so deutlichen national-konservativen Einstellungen überhaupt Deutschland hatte verlassen müssen, bis er erfuhr, dass er einem jüdischen Elternhaus entstammte.[155] Einen weiteren Hinweis auf seine politische Einstellung enthält ein Brief von Srbik aus dem Jahr 1949. Ihm hatte Rothfels offenbar ein Schreiben mit dem Aufsatz „1848- One hundred years after“ gesandt, der die Widmung „in alter Gesinnung“ trug.[156] Dies deutet auf eine Kontinuität seiner politischen Position und weiterhin enge emotionale Verbindung mit Deutschland hin. Es kann also nicht davon ausgegangen werden, dass sich Rothfels wie andere Emigranten stark mit der Roosevelt-Administration identifizierte.

3.4. Rothfels’ Wissenschaftsverständnis
In Chicago lehrte ein großer Kreis konservativ eingestellter Emigranten, von denen sich ein relativ großer Teil – unter ihnen auch Rothfels - für die Verständigung zwischen Deutschland und den USA engagierte beziehungsweise die amerikanische Deutschland- und Europapolitik kritisierte. Diese Gruppe war mit der Zeit für ihre „etwas kritische Haltung in verschiedenen Fragen bekannt“.[157] Noch während des Krieges wurden hier unter der Ägide von Arnold Bergstraesser deutschsprachige Vorträge gehalten, um deutsche Traditionen in den USA zu vermitteln. Für das deutsche Jahrbuch „Beiträge zur geistigen Überlieferung“ fungierte Rothfels seit 1947 als Mitherausgeber. Darüber hinaus erschienen seit 1944 die „Mitteilungen der Literarischen Gesellschaft“, in denen Rothfels regelmäßig über Neuerscheinungen zur deutschen Geschichte berichtete.[158]

Für Rothfels gehörte es nach eigener Aussage zu den als besonders wichtig empfundenen Aufgaben, in der Öffentlichkeit und in den Vorlesungen eine klare Trennungslinie zwischen Deutschland und dem Nazi-Regime zu ziehen.[159] Dieses aktive Engagement, das über die originär historische Arbeit hinaus ging, zeigte sich auch in einem Aufruf vom Januar 1946, der sich gegen den Morgenthau-Plan richtete und von Rothfels neben etwa 80 anderen Unterzeichnern deutscher oder österreichischer Herkunft unterschrieben ist.[160] Die Gruppe in Chicago eroberte sich nach Auskunft von Rothfels eine Position, von der aus sie später gegen manche Fehler in der Reeducation-Politik Stellung beziehen konnte.[161] Diese Kritik lag auf einer Linie mit der Auffassung des Direktors der University of Chicago, Hutchins, der das deutsche Bildungssystem als vorbildlich ansah. Im Zuge einer „study group for German problems“ wurde 1947 ein Bericht erstellt, der sich gegen die mechanische Übertragung des Highschool-Systems auf das deutsche Schulsystem wandte.[162] Laut Rothfels war diese Denkschrift nicht ohne Einfluss geblieben.[163] Diese Aussage kann an dieser Stelle nicht überprüft werden; Kaehler schrieb er jedoch, die „study group“ sei wegen ihrer Kritik „ziemlich angekratzt“ worden.[164]

Rothfels hatte damit eine aktive Mittlerposition zwischen den USA und Deutschland eingenommen. Dies zeigte sich auch in Bezug auf seine Wissenschaftsproduktion. Das Verhältnis von Deutschland und den USA in Hinsicht auf seine wissenschaftliche Arbeit erklärt Rothfels als „fruchtbare Verbindung einer inneren Nähe zu den deutschen Dingen mit der größten äußeren Distanz“.[165] Der erste Aufsatz nach Kriegsende über Russland und Mitteleuropa zeigt, wie sehr Rothfels das Vordringen Russlands in den europäischen Raum verunsicherte:
"Rather may it be questioned whether the historian can offer any comment at all in matters of revolutionary dimensions. After what has happend in the last thirty years he may be sufficently warned against indulging in prophecies derived from the past. But while he certainly be wary of hasty conclusions, he must perhaps be just as wary of the all too comfortable flight into historical nihilism."[166]

Angesichts eines drohenden geschichtlichen Nihilismus versuchte er also doch, die immensen weltpolitischen Veränderungen in seine Geschichtsschreibung zu integrieren. Die ersten Aufsätze, die Rothfels in den USA veröffentlichte, wiesen dementsprechend konkrete tagespolitische Anmerkungen auf: In einem Aufsatz von 1944 erklärte Rothfels, der Molotow-Ribbentrop-Pakt habe die Geschichte der Baltendeutschen zerstört und die Region zu einer „de-Westernisation“ geführt.[167] Rothfels warnte, dass die Zukunft der Provinzen mit der anstehenden Befreiung durch die Rote Armee in der Oktroyierung eines antikapitalistischen Systems liegen werde, und nationale Grenzen keine Rolle mehr spielen würden. Dies sei ein „program of salvation“, das in Zukunft in deutlicher Frontstellung dem Westen gegenüber stehen werde.[168]

In dem bereits erwähnten Aufsatz aus dem Jahr 1945 versuchte Rothfels, über die Geschichte Mitteleuropas seit den Befreiungskriegen bis zum Wilhelminischen Kaiserreich Verbindungen zur Nachkriegsgegenwart herzustellen. Dabei wollte er Anhaltspunkte dafür finden, ob die Sowjetunion tatsächlich von ihrem revolutionären Internationalismus zum Isolationismus, um die Revolution „safe at home“ zu machen, übergegangen sei.[169] Und tatsächlich gebe es einige hoffnungsvolle Zeichen dafür, dass die Sowjetunion zur Kooperation mit dem Westen bereit sei.[170] Allerdings sei ebenso Skepsis geboten. Rothfels erklärte deshalb eindringlich, dass der Westen dem erstarkten Russland mit seinem ideologischen Programm eine kulturelle Front entgegen setzen müsse.[171]

In einem Aufsatz von 1946 kritisierte er scharf die neue polnische Westgrenze an der Oder-Neiße-Linie und griff die Aufteilung Ostpreußens zwischen Polen und der Sowjetunion an. Sie beruhe auf keinem historischen und ethnografischen Recht der Polen.[172] Die Tolerierung der „Annexion“ der Gebiete durch die Sowjetunion, die einer allzu unsicheren Sicherheit dienen sollte, seien einer neorealistischen Sicht geschuldet, die ohne Rücksicht auf historische Strukturen Grenzen auf dem Reißbrett festlegte.[173] Darüber hinaus machte Rothfels auf die vernachlässigten moralischen Standards im Potsdamer Frieden aufmerksam, wie sie in der Atlantik-Charta angedacht waren.[174] Die Vertreibung der Deutschen gegen und nach Kriegsende verglich Rothfels mit der Vertreibungs- und Völkermordpolitik der Nationalsozialisten.[175] Auch gegen den Morgenthau-Plan wandte er sich und warnte, eine ökonomische Wüste sei keine Basis für die Errichtung einer Demokratie.[176] Alles in allem sei der Friedensschluss von Potsdam ein „Hitlerian Peace“.[177]

Diese Aufsätze weisen auf ein Wissenschaftsverständnis hin, das als Versuch der Politikberatung gedeutet werden kann. Rothfels versuchte mit harscher Kritik an der aktuellen Politik, Einfluss auf die amerikanische Europa- und Deutschlandpolitik zu nehmen oder sie zumindest einem weiteren amerikanischen Publikum näher zu bringen. Während Rothfels vor seiner Emigration lediglich Linien aufzeigen wollte[178], die freilich teilweise in der Suggestion von Aktionen mündeten, ging er nun einen Schritt weiter. In seinen folgenden Arbeiten nahm er davon jedoch wieder Abstand.

Sein Buch über die deutsche Opposition gegen Hitler hatte das Ziel eines „geistigen Brückenschlags“: „Dieses Buch [...] will dazu beitragen, Vorurteile aufzulösen, eine undogmatische Erörterung in Gang zu bringen und der historischen Gerechtigkeit Raum zu verschaffen.“[179] Dementsprechend war es sowohl an ein deutsches als auch ein amerikanisches Publikum gerichtet, wie auch die Veröffentlichungen in englischer und deutscher Sprache belegen. Dabei wollte Rothfels nicht als „Parteigänger“ sprechen, sondern beanspruchte für sich als Emigrant eine neutrale Position.[180]

Rothfels griff verschiedene Punkte der amerikanischen Diskussion über die Ursachen und Bedingungen nationalsozialistischer Herrschaft auf und bezog Position. Erstens wollte er der Kollektivschuldthese entgegen treten, nach der
"[...] die Deutschen als politische Nation von allen anderen Völkern verschieden seien [und sich – Anm. d. V.] infolge eingeborener Verruchtheit oder einer anerzogenen Gewohnheit blinden Gehorsams, oder unter Einwirkung einer spezifisch verderblichen Philosophie, der tyrannischen Herrschaft von Verbrechern freiwillig angeschlossen oder feige unterworfen [hätten, Anm. d. V.]."[181]

Zweitens wolle er der „Gleichgültigkeit und Parteilichkeit“ in den USA entgegen treten, die dazu führe, dass die deutschen Opfer des Nationalsozialismus vergessen und „planmäßig verschwiegen“ würden.[182] Dies sei im Einklang mit dem Morgenthau-Plan und dem ihm zugrunde liegenden „Vansittartismus“[183] geschehen, gegen welche er sich ausdrücklich wandte.[184] Die deutsche Veröffentlichung solle dazu dienen,
"[...] dem deutschen Leserkreis nicht nur über wichtige Vorgänge deutscher Geschichte Rechenschaft zu geben, soweit sie unter relativ günstigen Verhältnissen der Quellenbeschaffung vom Ausland her erschlossen werden können, sondern auch – und zwar in unveränderter Form – über die Darstellung dieser Vorgänge, wie sie dem Ausland vorgelegt ist."[185]

In dieser Arbeit bezog Rothfels folglich eine Vermittler-Position zwischen Deutschland und den USA.

Ein Vortrag 1949 in München, der an die westdeutschen Historiker gerichtet war, diente einem anderen Ziel. Hier fühlte er sich verpflichtet, eine Brücke zu einer besseren Vergangenheit zu schlagen.[186] Außerdem wollte er einen Beitrag zu der „im Gange befindlichen Erörterung über eine Neuorientierung der deutschen Geschichtswissenschaft“ leisten. Damit versuchte Rothfels aktiv aus seinem Aufnahmeland Einfluss auf sein altes Heimatland zu nehmen. Dies tat er bewusst aus der Position des Emigranten, der „unverpflichtet gegenüber irgendeiner äußeren Autorität, einer westlichen oder einer östlichen, wie gegenüber [...] dem genius loci“ sei.[187]

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Rothfels weiterhin als Sinndeuter historischer und politischer Ereignisse fungierte; dieses Selbstverständnis als Wissenschaftler hatte er nicht nur in der Weimarer Zeit, sondern auch in den USA internalisiert. Allerdings würde er dies wohl kaum mehr mit dem „unmodisch“ gewordenen Begriff „kämpfende Wissenschaft“ bezeichnet haben. Schließlich hatte er durch seinen Emigrantenstatus kein nationalpädagogisches Amt mehr inne – dies verhinderte seine weiterhin starke emotionale Bindung nach Deutschland. Folglich setzte sich Rothfels zwischen alle zur Verfügung stehenden Stühle.[188] Denn mit dem Wechsel in die amerikanische Hemisphäre hatte sich auch die Zielrichtung seiner Arbeiten geändert. Im Krieg richtete er seine scharfe Kritik an der amerikanischen Deutschland- und Europapolitik an ein amerikanisches Publikum, während er mit dem Aufleben alter Beziehungen nach Deutschland sein Publikum wiederum auch in seiner alten Heimat suchte und als Vermittler zwischen Deutschland und den USA auftrat. Als Transmitter seiner Positionen dienten ihm dabei die Aktivitäten der Chicagoer Gruppe sowie seine publizistische Tätigkeit.

3.5. Rothfels’ wissenschaftliche Arbeit in den USA
3.5.1. Mitteleuropa und Nationalsozialismus von der anderen Seite des Atlantiks betrachtet
In den USA veröffentlichte Rothfels in den ersten beiden Jahren gar nichts und bis 1947 lediglich jedes Jahr einen Aufsatz. Diese Veröffentlichungen erschienen überwiegend in Zeitschriften wie „Social Research“ oder „Review of Politics“, die Emigrantennetzwerken zuzurechnen waren oder in relativ neuen Zeitschriften wie „Journal of Central European Affairs“, die sich auf dem Markt vermutlich erst etablieren mussten. Nur ein Aufsatz über die Revolution von 1848 erschien in der für europäische Geschichte angesehenen Zeitschrift „Journal of Modern History“. Seit 1949 erschien Rothfels’ Name wieder verstärkt in deutschen Publikationen. Es ist deutlich zu erkennen, dass sich Rothfels vorwiegend mit seinen alten Themen aus der Königsberger Zeit auseinander gesetzt hat. Lediglich die Arbeit über die deutsche Opposition zu Hitler stellt eine Ausweitung seines Themenspektrums dar.[189]

Im Folgenden soll untersucht werden, wie Rothfels seine Positionen aus den Königsberger Jahren modifizierte. Dafür bietet es sich an, einerseits die Position Mitteleuropas in seinen Publikationen näher zu betrachten und andererseits zu untersuchen, wie Rothfels den Nationalsozialismus in sein Geschichtsbild integrierte.

Zunächst soll beobachtet werden, wie Rothfels Mitteleuropa, das ein Herzstück seiner Geschichtsschreibung bildete, angesichts der politischen Veränderungen im Zuge des Krieges zwischen dem Osten und Westen einordnete. Ein Aufsatz von 1944 im „Journal of Central European Affairs“ über die Geschichte der baltischen Provinzen und ihrer zukünftigen Entwicklung wies hohe Ähnlichkeit zu dem Artikel aus dem Jahr 1940 auf. Das baltische Problem sei dabei immer der Kampf um die Dominanz zwischen Russland und Deutschland gewesen.[190] Die Rolle als „battleground of fundamental ideas in politics“ spielten die baltischen Provinzen nach Rothfels auch in den letzten Stufen des Krieges.[191]

Dem Nationalsozialismus schrieb Rothfels keine Rolle im großen Spiel der Mächte zu, außer der Verantwortung dafür, dass er der organischen und konservativen Lösung, die in den Minderheitengesetzen von 1925 für die Region angedeutet worden waren, den Todesstoß versetzt hatte. Die ideologischen Implikationen der Nazis mit der Aufhebung aller christlichen Werte und ihrem kruden Naturalismus lehnte Rothfels als „disastrous“, „absurd“ und „against nature“ ab.[192] Während er Russland in Königsberg noch über die „bolschewistische Gefahr“ und den Westen über die Kombination von Liberalismus und Nationalismus definiert hatte, ging Rothfels in dem Aufsatz über Russland und Mitteleuropa von 1945 dazu über, den Inhalt der Frontenbildung zwischen West und Ost stärker auf seinen ideologischen, innenpolitischen und wirtschaftlichen Aspekt hin festzulegen. Danach sei Mitteleuropa etwas „vaguely in-between“ gewesen. Vom Westen her sei es von Bürokratie, Militarismus und Merkantilismus durchdrungen worden, während es vom Osten von Atomisierung, Irreligiosität sowie von der unheiligen Allianz Liberalismus, Kapitalismus und Nationalismus bewahrt worden sei. So sei eine einzigartige Mischung entstanden.[193] 1949 wurde er noch deutlicher: Osten und Westen seien soziale und ideelle Einheiten, die internationale, also horizontal durchgängige Fronten bilden, die um grundsätzliche Werte beziehungsweise die Entscheidung zwischen Demokratie und Kommunismus ringen würden.[194] Da das alte Mitteleuropa jetzt eingeebnet sei, stünden sich Ost und West im Zentrum Europas - ohne „cordon sanitaire“ in die eine wie die andere Richtung - gegenüber.[195] Das erstarkte Russland biete mit seiner Ideologie ein „program of salvation“ an. Dem Westen schrieb er die Aufgabe zu, ein wirksames Gegenprogramm aufzustellen.[196] Ein Zeichen dafür, dass er sich im Gegensatz zur Weimarer Zeit jetzt der westlichen Hemisphäre zuordnete. Schließlich sei die Lösung des Konflikts dem deutschen machtpolitischen Eingriff entzogen.[197] Seiner Meinung nach hat diese kulturelle Front die Form der genuinen Kräfte, wie sie aus Mitteleuropa bekannt seien.[198] 1948 schien für ihn die Schweiz, als von kommunaler, korporativer und kantonaler Tradition durchdrungener konservativer und föderalistischer Demokratie, „the only way of salvation“ zu sein. Sie hätte sich gegenüber der Gefahr von Totalitarismus und Nihilismus als resistent erwiesen.[199] Es ist anzunehmen, dass Rothfels, da Mitteleuropa als historische Einheit nicht mehr existierte, die Ideen, die er dort verortet hatte, übertragen wollte.

Zweitens soll untersucht werden, wie Rothfels den Nationalsozialismus historisch einordnete: In einer größeren historischen Perspektive versuchte er, den Erklärungsansätzen entgegen zu treten, nach denen der „moralische Erdrutsch“ auf eine Kontinuität von Luther über Bismarck zu Hitler zurückzuführen sei.[200] Aus Rothfels’ Sicht war die Revolution von 1848 eine wahre Wasserscheide. Das Bewusstsein einer abendländischen Einheit sei zurück gedrängt worden. Dabei habe sich gezeigt, dass die Leidenschaften der befreiten Völker mit ihrem Drang zum Nationalstaat den Frieden gefährdeten; nicht die Konservativen, sondern die Demokraten hätten den Krieg gewollt. Die Atomisierung der europäischen Gesellschaft sei voran geschritten und habe in der steigenden Macht von Regierungen und Staatsapparaturen ihr natürliches Korrelat erhalten; die Vertikalen hätten über die Horizontalen gesiegt. Staaten und Völker wurden so genannte souveräne Einheiten und das nationale Empfinden hätte als Religionsersatz gedient. Materielle Wohlfahrt und kollektive Macht hätten die Würde des Einzelnen und die Idee des Allgemeinverbindlichen überspült. Folglich könne man das 19. Jahrhundert als das am wenigsten universalgeschichtliche der Universalgeschichte bezeichnen.[201] Der Nationalsozialismus sei in diesem Schema eine „verspätete Übergipfelung“ und „Überschlagung des Biologismus und Säkularismus“ des 19. Jahrhunderts mit dem Willen zur staatlichen und nationalen Uniformierung.[202] Das Bismarcksche Kaiserreich sei eine Gründung gegen die Ideen der Zeit gewesen. Es stehe gleichzeitig dem Dritten Reich diametral gegenüber.[203] Bismarck habe den Liberalismus zurück geschlagen und eine Verfassung geschaffen, die sich gegen die Parteienherrschaft richtete, indem er den militärischen Bereich und die monarchische Führung der parlamentarischen Kontrolle entzog. Die Vorwürfe, die gegen Bismarck erhoben wurden, hätten zwar ihre Berechtigung: So hätten sich die Deutschen aufgrund von Bismarcks autoritärer Weise der Reichsgründung an Unterwürfigkeit gewöhnen, und das Bürgertum habe seinen politischen Einfluss aufgeben müssen.[204] Doch die politischen Entscheidungen, die am meisten kritisiert würden, seien auf liberalen Druck hin entstanden. Hinter diesen vordergründigen Entscheidungen Bismarcks hätten jedoch seine anti-nationalstaatlichen, anti-zentralistischen, nach innen und außen föderalistischen, Kapitalismus und Sozialismus vereinenden, genossenschaftlichen Ideen im Ringen um eine europäische Ordnung und gegen die drohende Atomisierung der Gesellschaft gestanden.[205] Mit diesen übergreifenden Positionen habe Bismarck im rankeanischen Sinne den durch die Ereignisse rauschenden Mantel Gottes ergreifen können.[206]

In der tiefen Skepsis gegenüber demokratischer, kollektiver Machtausübung, dem wirtschaftlichen Wachstum als Heilsgaranten und dem liberalen Nationalstaatskonzept als Ordnungsprinzip finden sich weitgehende Übereinstimmungen mit dem Geschichtsbild aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren wieder. Andererseits lassen sich auch andere Nuancen herauslesen; zum Beispiel, dass auch Bismarck nur auf dem „Strom der Zeit“ habe fahren und steuern können. Wie schon in seinem Vortrag von 1932 bezog sich Rothfels auf Meineckes „Weltbürgertum und Nationalstaat“, erklärte nun aber, dass sich die Tendenzen der Zeit im Bismarckschen Reich wiedergespiegelt hätten - vom „Ethos der Macht“ war nach der nationalsozialistischen Erfahrung nicht mehr die Rede.[207] Vielmehr kritisierte Rothfels die Zurückdrängung des Rechtstaatsgedankens und humanitärer Bedenken im Bismarckschen Kaiserreich.[208] Rechtstaatlichkeit und die universale Bedeutung von Humanität betonte Rothfels ebenso in seinem Buch über die Widerstandsbewegung.

Auch der Kampf gegen eine drohende „Atomisierung“ der Gesellschaft kam nicht nur in Rothfels’ Bismarck-Bild, sondern auch in seinem kulturkritischen Erklärungsmodell, das sich eng an Burckhardt anlehnte, zum Tragen. Danach würde die moderne Massenzivilisation aus sich selbst heraus ein Reservoir dunkler Kräfte erzeugen, deren Freisetzung nackte Barbarei bedeute.[209] Außerdem machte Rothfels ein Absinken der schöpferischen und religiösen Kräfte durch eine weltweite Kultur- und Moralkrise geltend. Mit dem Nationalsozialismus sei der Bodensatz jeder modernen Gesellschaft an die Macht gekommen. Für ihn wie für Ritter war der deutsche Faschismus ein europäisches Phänomen. In Deutschland seien diese sehr allgemeinen, politisch-sozialen Umstände mit den besonderen Bedingungen des öffentlichen Lebens „schicksalhaft“ zusammen gefallen. Hier nannte er die Folgen des Ersten Weltkriegs, den Versailler Friedensvertrag, die Inflation und die weltweite Depression. Besonders die Deklassierten, die Arbeitslosen und das verarmte Kleinbürgertum hätten zum Aufstieg des Nationalsozialismus beigetragen.[210]

Ihnen stellte er die Mitglieder der Opposition gegenüber, die über Klassen- und Parteizugehörigkeit hinweg die „Front des Menschlichen gegen das Untermenschliche“ gebildet hätten.[211] Die Opposition interpretierte Rothfels als positive Kontinuität und Identifikationsbasis. Die Opposition habe anti-totalitäre Grundsätze verfolgt, die stark vom Religiösen her bestimmt waren. Diese patriotischen Gruppen hätten dem Gebot des Gewissens und der europäischen Verantwortlichkeit gedient.[212] Zwar sei die Opposition von Kräften unterschiedlicher ideologischer Ausrichtung getragen worden, doch ihre scharfe Schneide sei militärisch gewesen.[213] Hier habe sich gezeigt, dass die Überlieferung eines „echten preußischen Militarismus“ Schranken gegen nationalistische und demagogische Ausschreitungen bilden würde. Ihr Körper und Geist wären hingegen vom Politischen und Ethischen her bestimmt gewesen; die stärkste Kraft, die sie trieb, seien moralische und religiöse Impulse gewesen.[214] Dementsprechend konzentrierte sich Rothfels hauptsächlich auf die Männer vom 20. Juli 1944 um Claus Schenk von Stauffenberg und auf den Kreisauer Kreis um Helmuth J. von Moltke. In Reaktion auf die nihilistische Welle und die drohende Entseelung eines mechanisierten und säkularisierten Gesellschaftsapparates sei ein religiöser, kultureller und politischer Konservatismus als Gegenbewegung entstanden. Dies sei bereits in den Zwanzigerjahren durch neokonservative Gruppen und in Teilen der Jugendbewegung zum Ausdruck gekommen. Unter dem Druck des totalitären Regimes hätten diese sich mit sozialistischen Elementen zu einer fortschrittlichen Front verbündet. Dementsprechend hätten sie auch nicht die Weimarer Republik restaurieren wollen, sondern hätten eine konservative und dezentralisierte Demokratie unter Beimischung von sozialistischen Elementen angestrebt.[215] Diese Ansätze würden sich auch heute [1949, Anm. d. V.] noch vorteilhaft von einer Wiederbelebung einer Parteibürokratie unterscheiden. Ihre internationalen Visionen sahen ein wirtschaftlich vereinheitlichtes, kulturell und politisch vielgestaltiges Mitteleuropa vor, das als Bündnis von Föderationen organisiert und in einem europäischen und einem Weltbund organisiert werden sollte.[216] Sie hätten Werte konserviert, mit denen das 19. Jahrhundert auf einer universalen Ebene geistig überwunden werden könnte.[217] Wie viele der Volkshistoriker akzeptierte auch Rothfels einigermaßen die Verhältnisse nach 1945 als gegeben und versuchte einiges von seiner alten Sichtweise in die neue Welt hinüber zu retten.[218]

In der internationalen Perspektive der Opposition fand Rothfels in Bezug auf Europa Metternichs und Bismarcks universal gedachtes System des Konservatismus wieder, das er als vorbildlich ansah. Es zeigt, dass Rothfels weiterhin der Meinung war, eine Stabilisierung des Kontinents sei nicht vorstellbar ohne ein Mitteleuropa als Pufferzone zwischen Ost und West in Form einer organischen und föderativen Struktur, die eine Mischung zwischen den östlichen und westlichen Gesellschaftssystemen bildete und die existierenden politischen, sozialen und nationalen Bedingungen bewahre[219]: „Es drängt sich die Erkenntnis auf, daß Deutsche und Westslawen gemeinsam überleben oder gemeinsam untergehen werden“.[220] Die Völkergemeinschaft der abendländischen Welt müsse aber vor allem über militärische und wirtschaftliche Abwehr hinaus auf dem Boden gemeinsamer Überzeugungen und mit den Kräften gemeinsamen Glaubens gegründet werden.[221]

3.5.2. Deutliche Modifikationen
Die innenpolitischen Ideen der Kreisauer reflektierten Rothfels’ politische Position. Er sieht in ihnen Träger der neokonservativen Gedanken unter veränderten politischen Bedingungen. Die nationalen und internationalen Visionen im Rahmen eines sanktionierten Rechtssystems illustrierten die Abkehr von einer bloßen „Ethik der Macht“ und einem autoritären Herrschaftsmodell.[222] Dabei anerkannte er das demokratische Prinzip unter gleichzeitiger Ablehnung eines massendemokratischen Konzepts. Von seinen Ideen eines ständischen Gesellschaftsaufbaus distanzierte sich Rothfels stillschweigend. Die Werte, die dieses Konzept durchdringen sollten, fand er in den „Fundamentalsätzen christlichen Glaubens und Lebens“.[223]

Insgesamt lässt sich hier eine starke Betonung der christlichen Religion feststellen, die der Protestant Rothfels vor seiner Emigration noch nicht so stark akzentuiert hatte. Dies ist seiner Suche nach übergreifenden, in die Zukunft gerichteten Werten gegen den drohenden Nihilismus geschuldet. Das führt zu der Frage, welche Position Rothfels zu seiner jüdischen Herkunft nach der Emigration bezog. Hier ist interessant, dass Rothfels in seinen als symbolisch betrachteten Vortrag von 1949 das hebräische Wort „Schibboleth“ eingeflochten hatte - vielleicht um seinen Status als Emigrant zu unterstreichen.[224] Darüber hinaus nannte er nun die Juden als Gruppe im Gegensatz zu seiner Königsberger Zeit zumindest: Er erwähnte, dass die meisten Juden bezüglich des Minderheitenschutzes durch den Völkerbund nur die Hoffnung verfolgten, von Diskriminierungen und Hindernissen auf ihrem Weg zur Assimilation befreit zu werden.[225] Diese Hinweise lassen jedoch noch nicht auf eine stärkere Identifizierung mit dem Judentum schließen.

3.5.3. Veränderungen in Methode und Theorie
Nun soll geklärt werden, welche methodisch-theoretischen Veränderungen Rothfels in der Emigration vorgenommen hat. Hier betrachtete Rothfels das Jahr 1848 wiederum als Wasserscheide. Auf der einen Seite sieht er den vormärzlichen Idealismus, wie Ranke ihn im Vertrauen auf die Kontinuität und Universalität der Zivilisation verkörperte. Auf der anderen Seite erblickt er die realistische, positivistische Philosophie und Historiografie, wie sie ja auch in den USA betrieben worden ist. Von letzteren distanziert er sich ausdrücklich.[226] Diese Auffassungen seien wie die verhängnisvollen nationalstaatlichen Entwicklungen durch den technischen und ökonomischen Fortschritt verstärkt worden. Dies ginge einher mit einer tiefen Skepsis gegenüber der Entstehung von Industrie- und Massengesellschaften, die nach 1945 nicht mehr ignoriert werden konnte. Diese Vorbehalte finden sich auch bei anderen Intellektuellen wie Freyer, Brunner, Schieder und Conze.[227]

Ihnen setzte er die Kulturkritik Burckhardts entgegen und griff damit die Burckhardt-Renaissance angesichts der „intellektuellen Krise“ in den USA auf. Dabei identifizierte er sich mit der Ansicht Burckhardts, dass Massenherrschaft in Despotismus münden müsse.[228] Seine Auffassung, dass die Befreiung davon aus dem deutschen Geist und in Opposition zu Macht, Wohlstand und Wirtschaft kommen müsse, übertrug Rothfels auf den deutschen Widerstand.[229] Die Betonung des Geistes und der Idee finden sich in allen Arbeiten Rothfels’.[230] Dies hängt mit seinem Ansatz zusammen, nach dem Prinzipiellen und Bleibenden im Handeln der Menschen zu suchen, ohne Rücksicht darauf, ob die Handlungen Erfolg zeitigten. Dabei dienten ihm Niebuhr und Ranke als geistige Väter. Er versuchte offenbar wie Ranke, das Feste und Stoffliche weitgehend vergeistigt zu betrachten und das Anschauliche mit der Idee zu vermählen.[231] Es kann deshalb gesagt werden, dass Rothfels seinen ideengeschichtlichen Ansatz aus der Weimarer Zeit beibehielt. Dabei kam Rothfels zu einer universalgeschichtlichen Sicht.[232] Insbesondere im Aufsatz über die Revolution von 1848 kam dies exemplarisch zum Ausdruck. Die Suche nach dem universell Bleibenden hatte nach Rothfels’ Emigration einen stark religiösen Bezug. So sagte er am Ende mit Ranke: „Das Leben der einzelnen, der Geschlechter, der Völker, zuweilen die Hand Gottes über ihnen“.[233]

Den Primat der Außenpolitik hielt Rothfels nicht mehr in der Form aufrecht wie zur Weimarer Zeit. So sei zwar Bismarcks Gesellschaftspolitik von den Grundmotiven seiner Diplomatie nicht zu trennen.[234] Die wechselseitige Beeinflussung von Innen- und Außenpolitik müsse jedoch im Sinne eines Epochenwandels neu bewertet werden. Die Innenpolitik sei mit einer neuen Dringlichkeit in die Außenpolitik einbezogen. Das Ringen um grundsätzliche Werte und Gesellschaftsformen habe zur Folge, dass es nach Innen vor allem um die Abwehr von Spaltung und Unterminierung ginge – denn der Westen habe seinen inneren Osten und umgekehrt. Erfolgreiches außenpolitisches Handeln bedeute im Kalten Krieg dementsprechend, dass innere Staats- und Gesellschaftsprobleme produktiv gelöst werden müssten. Der werbende Gehalt einer produktiven innenpolitischen Lösung diente in diesem Sinne einer diplomatischen oder letztlich kriegerischen Aktion.[235] Dass Rothfels mit dieser Ansicht in der Ära McCarthys Erfolg hatte, wundert nicht.

4. Fazit
Rothfels war in der Weimarer Zeit ein konservativer Historiker, der in der Nähe der Ideologie von der konservativen Revolution stand. Sein Mitteleuropa-Konzept stellte er in den Dienst einer „kämpfenden Wissenschaft“. Auch dem nationalsozialistischen Regime bot er sich zunächst als „Bundesgenosse“ an, bis er spät begriff, dass es zu keiner Übereinkunft kommen werde. Die ersten, leid- und arbeitsvollen Jahre der Emigration haben verhindert, dass Rothfels seine Wissenschaftsproduktion ungestört fortsetzen konnte. Rothfels’ wissenschaftliches Leben ist damit als radikaler Transformationsprozess zu betrachten. Er trat aus dem Dunstkreis der Volkgeschichte heraus und avancierte nach einem Vierteljahrhundert durch seinen Remigrantenstatus zu einer Symbolfigur für einen Neunanfang der bundesrepublikanischen Historiografie.

Es wurde deutlich, dass Rothfels von der amerikanischen Historiografietradition nicht tangiert worden ist und sich von ihr sogar bewusst abgrenzte.[236] Der tief in idealistisch-rankeanischen Überlieferungen verwurzelte Rothfels konnte sich wohl kaum sozialwissenschaftlichen Ansätzen öffnen. Und auch die ideengeschichtliche Richtung in den USA war zu sehr mit diesen Zugriffen verknüpft, als dass Rothfels hier Anregungen hätte empfangen können. Offensichtlich kann man nicht davon sprechen, dass Rothfels ein Chamäleon ist, das sich der jeweiligen Farbe seiner Umgebung anpasst. Die Modifikationen, die Rothfels vornahm, waren der veränderten weltpolitischen Lage und persönlicher Erfahrung geschuldet. Der Vorwurf des Opportunismus ist hier also nicht angebracht. Trotzdem kam seine Wandlung einem geistigen Drahtseilakt gleich, denn trotz der Suche nach Traditionslinien revidierte Rothfels sein Geschichtsbild teilweise erheblich. So modifizierte er seine Vorstellung von der historischen Konstellation Europas: Das Mitteleuropa nach seiner Definition existierte vorerst nicht mehr, während er die ideologische Frontenbildung zwischen Ost und West nun dezidierter wahrnahm. Rothfels ordnete sich in die westliche Hemisphäre ein, deren Werte er zuvor abgelehnt hatte. Von seinem ständischen Konzept, der Idee vom Primat der Außenpolitik und seinen machtpolitischen Vorstellungen distanzierte er sich deutlich. Die ausdrückliche Betonung von Humanität und Religiosität war neu in seinen Schriften. Die genuinen Kräfte, die er aus der Geschichte Mitteleuropas ableitete, sollten allerdings weiterhin einen gestaltgebenden Akzent in der politischen Ordnung auf nationaler und internationaler Ebene geben. Die Eindrücke in den USA hatten sein Blickfeld erweitert und ihn zu einer universalgeschichtlichen Betrachtungsweise geführt.

Der politische und historiografische Diskurs in den USA hat Rothfels insofern befruchtet, als er sich gezwungen fühlte, eine Gegenposition einzunehmen. Seine starke Bindung an Deutschland hat einen wissenschaftlichen Neuanfang in den USA verhindert. In der Suche nach Kontinuitätslinien und einer Identifikationsbasis über die tiefgreifenden Veränderungen der persönlichen und weltpolitischen Entwicklung hinweg musste der in preußischen Überlieferungen verankerte Rothfels in gewisser Weise unweigerlich an die Königsberger Zeit anknüpfen. Vermutlich hat seine isolierte Position, eingebettet im Kreise der Chicagoer Emigranten, diese Tendenz noch verstärkt. Dementsprechend kann eine Hinwendung zu neo-konservativ-demokratischen Auffassungen konstatiert werden sowie eine Adaption seines Geschichtsbildes an die neue Weltordnung. Eine scharfe Wende, wenn man seine Schriften vor seiner Emigration betrachtet.

Es muss jedoch betont werden, dass Rothfels trotz - oder offenbar gerade wegen - seiner Ablehnung von historiografischen Traditionen in den USA Erfolg hatte. Extrem konservative, massendemokratischen Konzepten gegenüber skeptische Meinungen hatten offensichtlich in der Zeit der intellektuellen Krise Rückenwind. Autoritäre Gesellschaftsideen kursierten in der Zeit McCarthys auch in der amerikanischen Geschichtswissenschaft: Sie bereiteten den Boden, auf dem der Historiker Rothfels seine zweite Karriere aufbauen konnte.

Rothfels war von den Emigrationshistorikern aus den USA der einzige, der dauerhaft in die Bundesrepublik zurückkehrte. Bei seinem Besuch 1949 in Deutschland überzeugte er sich davon, „[...] dass eine 10-jährige Lücke kein Problem in meinem Verhältnis zur gegenwärtigen deutschen Studentengeneration ist.“[237] In einem Brief an den Dean der University of Chicago begründete er seinen Entschluss, wieder nach Deutschland zu gehen damit, dass „there is a greater need for people of my training and experience in present-day Germany.“[238] Dementsprechend fühlte er sich „durchdrungen“ von der „erzieherischen Aufgabe in Deutschland“ und nahm 1951 den Ruf nach Tübingen an.[239] Im Nachkriegsdeutschland war er vor allem auf wissenschaftspolitischer Ebene einflussreich. Als Mitherausgeber der „Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte“ trieb er die Erforschung der NS-Zeit voran. Dass er dabei neue sozialgeschichtliche Ansätze unterstützte und die Internationalisierung der Zeitgeschichtsforschung forderte, ist sicherlich auch als Resultat seiner Emigrationserfahrung in den USA zu sehen.[240] Rothfels erteilte den Historikern, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft weiter gearbeitet hatten, keine generelle Absolution.[241] Doch die versöhnliche Haltung des Remigranten trug sicherlich dazu bei, dass es zu einer kritischen Diskussion über die Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus erst in den späten Neunzigerjahren auf dem Frankfurter Historikertag gekommen ist.

Christiane Blume ist Freie Journalistin in Hamburg. Der vorliegende Text ist eine gekürzte und überarbeitete Fassung ihrer Magisterarbeit: Wissenschaftswandel durch Zwangsauswanderung? Der Einfluss der Emigrationserfahrung in den USA auf die Neuzeit-Historiker Hans Rothfels und George W. F. Hallgarten - Kontinuitäten und Brüche in der Wissenschaftsproduktion, vorgelegt am Historischen Seminar der Universität Hamburg, betreut von Prof. Dr. Klaus Saul und PD Dr. Rainer Hering.

Anmerkungen:
[1] In der Folge des Historikertages 1998 in Frankfurt brach in der geschichtswissenschaftlichen Zunft eine emotional geführte Debatte um diese Frage aus. In den letzten Jahren sind dazu zahlreiche Arbeiten erschienen: Aly, Götz, Rückwärtsgewandte Propheten. Willige Historiker – Bemerkungen in eigener Sache, in: Ders., Macht – Geist – Wahn. Kontinuitäten deutschen Denkens, Berlin 1997, S. 153-183; Oberkrome, Willi, Volksgeschichte. Methodische Innovationen und völkische Ideologisierung in der deutschen Geschichtswissenschaft 1918-1945, Göttingen 1993; Burleigh, Michael, Germany Turns Eastwards. A Study of Ostforschung in the Third Reich, Cambridge 1988; Schönwälder, Karen, Historiker und Politik. Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus, Frankfurt am Main 1992; Schöttler, Peter (Hg.), Geschichtsschreibung als Legitimationswissenschaft 1918-1945, Frankfurt am Main 1997; Fahlbusch, Michael, Wissenschaft im Dienst der nationalsozialistischen Politik? Die „Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften“ von 1931-1945, Baden-Baden 1999; Haar, Ingo, Historiker im Nationalsozialismus. Deutsche Geschichtswissenschaft und der ‚Volkstumskampf’ im Osten, Göttingen 2000. Dies ist nur ein Auszug von Arbeiten über dieses Thema.
[2] Winkler, Heinrich August, Hans Rothfels – Ein Lobredner Hitlers? Quellenkritische Bemerkungen zu Ingo Haars Buch „Historiker im Nationalsozialismus“, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 49 (2001), S. 643-652; Haar, Ingo, Quellenkritik oder Kritik der Quellen? Replik auf Heinrich August Winkler, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 50 (2002), S. 497-505; Winkler, Heinrich August, Geschichtswissenschaft oder Geschichtsklitterung? Ingo Haar und Hans Rothfels: Eine Erwiderung, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 49 (2001), S. 635-652.
[3] Berg, Matthias, Der Historiker Hans Rothfels (1891-1976) – „ein Wanderer zwischen zwei Welten“?, Tagungsbericht des Workshops am 15.07.2003, initiiert vom Centre Marc Bloch, Deutsch-Französisches Forschungszentrum für Sozialwissenschaften, in: H-Soz-u-Kult, 12.8.2003, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=274 (5.9.2003); Kirchhoff, Jochen, Hans Rothfels und die deutsche Zeitgeschichte, Tagungsbericht des Kolloquiums zum fünfzigjährigen Bestehen der „Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte am 16.07.-17.07.2003, initiiert vom Institut für Zeitgeschichte, in: H-Soz-u-Kult, 13.8.2003, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=278 (5.9.2003). Alle Beiträge des H-Soz-u-Kult Themenschwerpunkts in: Borgmann, Karsten (Hg.), Hans Rothfels und die Zeitgeschichte, Berlin 2004, , http://edoc.hu-berlin.de/e_histfor/1 .
[4] Kritische Einordnungen von Rothfels: Haar (wie Anm. 1); Schönwalder (wie Anm. 1); Roth, Karl Heinz, Hans Rothfels: Geschichtspolitische Doktrinen im Wandel der Zeiten. Weimar – NS-Diktatur – Bundesrepublik, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 49 (2001), S. 1061-1073, hier S. 1067; Syrbe, Horst, Revanchismus unter dem Banner der Europaideologie. Hans Rothfels und die „abendländische Neuordnung Osteuropas“, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 11 (1963), S. 679-703; Pate, Clarence W., The Historical Writing of Hans Rothfels from 1919 to 1945, Ann Arbor 1973; Kehr, Eckart, Neuere deutsche Geschichtsschreibung, in: Ders., Der Primat der Innenpolitik. Gesammelte Aufsätze zur preußisch-deutschen Sozialgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, 2. Aufl., Berlin 1970, S. 254-268, hier S. 266. Ursprünglich hielt Kehr diesen Vortrag 1933 in einem Seminar von Bernadotte Schmitt in Chicago. Er wurde hier von Hans-Ulrich Wehler übersetzt und veröffentlicht; Hallgarten, George W. F., Deutsche Selbstschau nach 50 Jahren: Fritz Fischer, seine Gegner und Vorläufer, in: Ders., Das Schicksal des Imperialismus im 20. Jahrhundert. Drei Abhandlungen über Kriegsursachen in Vergangenheit und Gegenwart, Frankfurt am Main 1969, S. 57-135, hier S. 96. Wohlwollende Betrachtungen von Rothfels’ Lebens- und Wissenschaftsweg: Klemperer, Klemens von, Hans Rothfels (1891-1976), in: Lehmann, Hartmut; van Horn Melton, James (Hgg.), Paths of Continuity. Central European Historiography from the 1930s to the 1950s, Cambridge u.a. 1994, S. 119-154; Neugebauer, Wolfgang, Hans Rothfels (1891-1976) in seiner Zeit, in: Rauschning, Dietrich; Nerée, Donata von (Hgg.), Die Albertus-Universität zu Königsberg und ihre Professoren. Aus Anlaß der Gründung der Albertus-Universität vor 450 Jahren, Berlin 1995, S. 245-256; Ders., Hans Rothfels als politischer Historiker der Zwischenkriegszeit, in: Drewek, Peter; Horn, Klaus-Peter; Kersting, Christa; Tenorth, Heinz-Elmar (Hgg.), Ambivalenzen der Pädagogik. Zur Bildungsgeschichte der Aufklärung und des 20. Jahrhunderts. Harald Scholtz zum 65. Geburtstag, Weinheim 1995, S. 169-183; Ders., Hans Rothfels’ Weg zur vergleichenden Geschichte Ostmitteleuropas, besonders im Übergang von früher Neuzeit zur Moderne, in: Berliner Jahrbuch für osteuropäische Geschichte 1 (1996), S. 333-378; Mommsen, Hans, Hans Rothfels, in: Wehler, Hans-Ulrich (Hg.), Deutsche Historiker, Bd. 9, Göttingen 1982, S. 127-147; Ders., Geschichtsschreibung und Humanität. Zum Gedenken an Hans Rothfels, in: Aspekte deutscher Außenpolitik im 20. Jahrhundert. Aufsätze. Hans Rothfels zum Gedächtnis, Stuttgart 1977; Conze, Werner, Hans Rothfels, in: Historische Zeitschrift 237 (1983), S. 311-360; Schulze, Winfried, Hans Rothfels und die deutsche Geschichtswissenschaft nach 1945, in: Jansen, Christian (Hg.), Von der Aufgabe der Freiheit. Politische Verantwortung und bürgerliche Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Hans Mommsen zum 5. November 1995, Berlin 1995, S. 83-98.
[5] Harvey, John L., Were Chicago and Providence really so far from Königsberg and Tübingen? The Rothfelsstreit in an American Key, in: H-Soz-u-Kult, 4.3.2003, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=300&type=diskussionenonen (10.3.2003), S. 1; auch Karl Heinz Roth geht auf diese Phase ein: Roth, Karl Heinz, „Richtung halten“: Hans Rothfels und die neo-konservative Geschichtsschreibung diesseits und jenseits des Atlantik, in: Sozial.Geschichte. Zeitschrift für historische Analysen des 20. und 21. Jahrhunderts 18 (2003), S. 41-71.
[6] Pross, Helge, Die deutsche akademische Emigration nach den Vereinigten Staaten 1933-41, Berlin 1955, S. 27. Unter „erfolgreich“ versteht Pross, wenn es den Emigranten gelingt, ihre bisherigen Funktionen auszuüben und ihre Arbeit als Forscher und Erzieher fortzusetzen.
[7] Holborn, Louise W., Deutsche Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten in den Jahren nach 1933, in: Jahrbuch für Amerikastudien 10 (1965), S. 15-26, hier S. 16.
[8] Holborn (wie Anm. 7), S. 18.
[9] Weitere Informationen zu seinem Familienhintergrund: Conze (wie Anm. 4), S. 311f.
[10] Mommsen, Geschichtsschreibung und Humanität (wie Anm. 4), S. 130.
[11] Ders., Interview vom 3. Februar 1999, in: Hohls, Rüdiger; Jarausch, Konrad H. (Hgg.), Versäumte Fragen. Deutsche Historiker im Schatten des Nationalsozialismus, Stuttgart 2000, S. 163-190, hier S. 172.
[12] Rothfels, Vorwort, in: Ders., Ostraum, Preußentum und Reichgedanke. Historische Abhandlungen, Vorträge und Reden, Leipzig 1935, S. V –X, S. VI. In seinen Aufsätzen und Arbeiten bezog er deshalb immer wieder zu tagespolitischen Themen Stellung.
[13] Rothfels, Ostraum (wie Anm. 12), S. V-X, S. VIf.
[14] Ders., Marxismus und auswärtige Politik, in: Wentzcke, Paul (Hg.), Deutscher Staat und deutsche Parteien. Beiträge zur deutschen Partei- und Ideengeschichte. Friedrich Meinecke zum 60. Geburtstag dargebracht (Neudruck der Ausgabe München 1922), Aalen 1973, S. 309-341, hier S. 317.
[15] Ders. (Hg.), Otto von Bismarck. Deutscher Staat. Ausgewählte Dokumente, München 1925, S. XII.
[16] Ders., Deutschlands Krise, in: Bozi, Alfred; Niemann, Alfred (Hgg.), Die Einheit der Nationalen Politik, Stuttgart 1925, S. 1-15, hier S. 15. Die Aufsatzsammlung, aus der der Essay stammt, führt Mohler als Vertreter der jungkonservativen Sammelbände an: Mohler, Armin, Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch, 3. Aufl., Darmstadt 1989, S. 277.
[17] Rothfels, Krise (wie Anm. 16), S. 10.
[18] Walther, Peter Th., Von Meinecke zu Beard? Die nach 1933 in die USA emigrierten deutschen Neuhistoriker, Ann Arbor 1989, S. 48.
[19] Zur Begründung: Rothfels, Ostraum (wie Anm. 12), S. IX.
[20] Schönwalder (wie Anm. 1), S. 37.
[21] Siehe auch: Rothfels, Hans, Bismarck und der Osten, Leipzig 1934, S. 57, S. 59, S. 61.
[22] Ders., Bismarck und der Osten (wie Anm. 21), S. 57, S. 59, S. 71. Siehe auch: Ders., Das Werden des Mitteleuropa-Gedankens, in: Ders., Ostraum (wie Anm. 12), S. 228-248, S. 245. Dem Aufsatz liegt ein Vortrag vom 15. Januar 1933 vor deutsch-baltischen Studenten in Riga zugrunde; Sers., Ostraum (wie Anm. 12), S. 256.
[23] Ders., Bismarck und der Osten (wie Anm. 21), S. 60f., S. 65 und S. 71.
[24] Ders., Das Problem des Nationalismus im Osten, in: Brackmann, Albert (Hg.), Deutschland und Polen. Beiträge zu ihrer geschichtlichen Beziehung, München 1933, S. 259-270, hier S. 269f. Auch in „Bismarck und der Osten“ spricht Rothfels davon, dass die polnischen Ansprüche mit dem geschichtlichen Aufbau des Ostens vom Standpunkt Preußens und im Interesse einer europäischen Ordnung nicht vereinbar sind; Ders., Bismarck und der Osten (wie Anm. 21), S. 45.
[25] Ders., Bismarck und die Nationalitätenfragen des Ostens, in: Historische Zeitschrift 147 (1932), S. 89-105, S. 92.
[26] Siehe auch: Kaehler an Rothfels vom 25. April 1932, in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 144 b.
[27] Machtan, Lothar, Hans Rothfels und die Anfänge der historischen Sozialpolitik-Forschung in Deutschland, in: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der Arbeiterbewegung 28 (1992), S. 161-210, hier S. 163.
[28] Harvey (wie Anm. 5), S. 1.
[29] Rothfels, Bismarck und der Osten (wie Anm. 21), S. IV.
[30] Ders., Selbstbestimmungsrecht und Saarabstimmung, in: Berliner Monatshefte 13 (1935), S. 32-48, S. 48.
[31] Mommsen, Wolfgang J., German Historiography during the Weimar Republic and the Émigré Historians, in: Lehmann; van Horn Melton (Hgg.), Paths of Continuity, S. 52.
[32] Rothfels, Hans, Theodor von Schön, Friedrich Wilhelm IV und die Revolution von 1848, Halle a. d. Saale 1937, S. 166.
[33] Eine Rede, die er zum 118. Geburtstag Bismarcks am 1. April 1933 – der Tag des landesweiten Juden-Boykotts – halten wollte, wurde „wegen Gefährdung der öffentlichen Ruhe u. Sicherheit! 30 III 33!“ abgesagt. Handschriftlicher Vermerk auf dem Manuskript, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 30, Ordner 10. Dazu auch: Winkler, Geschichtswissenschaft (wie Anm. 2), S. 639. Zu der Verdrängung aus seinem Königsberger Ordinariat und aus dem akademischen Betrieb sowie zum Weg in die Emigration ausführlich: Conze (wie Anm. 4), S. 330-337; Walther (wie Anm. 18), S. 313-326 und S. 340-350; Neugebauer, Weg (wie Anm. 4), S. 340-343, Haar, Historiker (wie Anm. 1), S. 138, S. 199-203, S. 240; Roth, Richtung (wie Anm. 5), S. 54-63. Siehe auch BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 b.
[34] Siehe BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 b.
[35] Der Reichs- und Preußische Erziehungsminister, Bernhard Rust, an Rothfels, 11. Juli 1934, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 a.
[36] Offenbar waren im Ministerium Denunziationen eingegangen, die Rothfels’ Vorliebe für altpreußische und hochkonservative Politik betonten. Darüber hinaus wurde seine politische Gefährlichkeit aufgrund seiner Nähe zu den Studenten unterstrichen, da man in der Person Rothfels oppositionelle Einstellungen witterte; Haar, Historiker (wie Anm. 1), S. 201f.
[37] Rothfels an Karl Alexander von Müller, Hauptherausgeber der Historischen Zeitschrift, vom 23. Februar 1936, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20b.
[38] Walther (wie Anm. 18), S. 323.
[39] Das letzte Buch von Rothfels ist in der Reihe der Königsberger Gelehrten Gesellschaft erschienen. Da von Rothfels im Jahr 1936 gar nichts erschienen ist, ist anzunehmen, dass er dieses Buch nur noch über gute Beziehungen nach Königsberg veröffentlichen konnte.
[40] Mommsen, Geschichtsschreibung und Humanität (wie Anm. 4), S. 20.
[41] Siehe Albert Brackmann an Rothfels vom 29. März 1935, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 b. Zit. nach: Haar, Historiker (wie Anm. 1), S. 201.
[42] Walther (wie Anm. 18), S. 325.
[43] Ebda., S. 343.
[44] Siegried August Kaehler an Heinrich Ritter von Srbik vom 12. Dezember 1935, in: Kämmerer, Jürgen (Hg.), Heinrich Ritter von Srbik. Die wissenschaftliche Korrespondenz des Historikers 1912-1945, Boppard am Rhein 1987, S. 429, Fn. 2.
[45] Hans Rothfels an Siegfried A. Kaehler vom 8. April 1935, zit. nach Conze (wie Anm. 4), S. 337.
[46] Walther (wie Anm. 18), S. 341; Conze (wie Anm. 4), S. 339; Rothfels an Kaehler vom 21. Oktober 1935, in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 144 b. 1918 hatte Rothfels Hildegard Elisabeth Consbruch geheiratet. Die beiden hatten vier Kinder. Eines war in Königsberg bei einem Unfall gestorben; Conze (wie Anm. 4), S. 317.
[47] Walther (wie Anm. 18), 317.
[48] „Aufzeichnungen über meine Englandreise. 24. Nov.-12. Dez. 1936“, in: BAK NL 1213 Rothfels, Bd. 127, S. 7.
[49] Ebda., S. 13f.
[50] Ebda., S. 3, S. 7, S. 10.
[51] „Reise nach England. 3. Mai-27.Mai 1937“, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 127, S. 1.
[52] „Aufzeichnungen über meine Englandreise. 24. Nov.-12. Dez. 1936“, in: BAK NL 1213 Rothfels, Bd. 127, S. 5 und S. 12.
[53] „Reise nach England. 3. Mai-27.Mai 1937“, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 127.
[54] Rothfels, Hans, Bismarck’s Social Policy and the Problem of State Socialism in Germany. I + II, in: The Sociological Review 25 (1938), S. 81-94, S. 288-302, I, S. 81-85.
[55] Rothfels, Bismarck’s Social Policy (wie Anm. 54), S. 86.
[56] Rothfels, Bismarck’s Social Policy (wie Anm. 54) II, S. 302.
[57] Walther (wie Anm. 18), S. 342. Siehe auch Siegfried A. Kaehler an Srbik vom 18. August 1938, in: Kämmerer (Hg.), Srbik (wie Anm. 44), S. 497.
[58] Ebda.
[59] Ebda.
[60] Ebda. Siehe auch Rothfels an Kaehler vom 7. September 1938, in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[61] Fritz Demuth an Betty Drury, 7. Oktober 1938, in: NYPL, EC, Rothfels, Hans. Zit. nach Walther (wie Anm. 18), S. 342.
[62] Rothfels an Kaehler vom 7. September 1938, in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 1, 144 c, S. 5.
[63] Conze (wie Anm. 4), S. 341.
[64] Rothfels an den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust (Durchschlag), 18. April 1939, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 35.
[65] Friedrich Hoffmann, Kurator der Albertus-Universität, an Hans Israel Rothfels, 10. Mai 1939, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 b.
[66] Walther (wie Anm. 18), S. 344.
[67] Rothfels an Kaehler vom 7. April 1946, in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[68] Rothfels, Hans, Russians and Germans in the Baltic, in: Contemporary Review 157 (1940), S. 320-332, S. 320.
[69] Ebda.
[70] Ebda., S. 322- 325.
[71] Ebda., S. 321 und S. 323.
[72] Betty Drury, memo Hans Rothfels, 24. Juni 1940, in: NYPL, EC Rothfels, Hans. Zit. nach Walther (wie Anm. 18), S. 348.
[73] Walther, Peter Th., Die deutschen Historiker in der Emigration und ihr Einfluss in der Nachkriegszeit, in: Durchhardt, Heinz; May, Gerhard (Hgg.), Geschichtswissenschaft um 1950. Kolloquium des Instituts für Europäische Geschichte aus Anlass seines fünfzigjährigen Bestehens vom 3.-5. Mai 2000, Mainz 2002, S. 37-47, hier S. 40.
[74] James B. Hedges an Emergency Committee, 1. November 1943, in: NYPL, EC, Rothfels, Hans. Zit. nach Walther (wie Anm. 18), S. 348.
[75] Siehe auch R.G.D. Richardson, Dean der Graduate School der Brown University, an George P. Gooch vom 2. August 1940, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 a. Gooch kannte Rothfels ebenfalls von Historikerkongressen und hatte versucht, ihm zu helfen.
[76] Rothfels an Kaehler vom 7. April 1946, in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[77] Langer war in Deutschland besonders durch seine diplomatiegeschichtliche Arbeit über die amerikanische Kriegsintervention im Ersten Weltkrieg bekannt geworden.
[78] William Langer, Sinclair W. Armstrong, Walter Dorn und Eugene Anderson zählten in dieser Zeit zu den renommiertesten Historikern der USA für europäische Geschichte; William L. Langer an Hans Rothfels, 12. Juli 1940, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 c.
[79] Die beiden Historiker hatten auch Eckart Kehrs Reise in die USA ermöglicht; Harvey (wie Anm. 5), S. 2.
[80] Coser, Lewis A., Refugee Scholars in America. Their Impact and their Experiences, New Haven 1984, S. 9.
[81] Stern, Fritz, German History in America. 1884-1984, in: Central European History 19 (1986), S. 131-163, hier S. 135; Wolf, Heinz, Deutsch-jüdische Emigrationshistoriker in den USA und der Nationalsozialismus, Bern 1988, S. 252.
[82] Wolf (wie Anm. 81), S. 244f.
[83] Iggers, Georg G., The Image of Ranke in American and German Historical Thought, in: History and Theory 2 (1962), S. 17-40, hier S. 18.
[84] Iggers (wie Anm. 83), S. 18.
[85] Ebda., S. 20.
[86] Wolf (wie Anm. 81), S. 246.
[87] Das Desinteresse an Rankes idealistischen Grundlagen hatte zur Folge, dass die Diskussion um die deutsche „Krise des Historismus“ in den USA keine Rolle spielte. Charles Beard, neben Frederick Jackson Turner einer der bedeutendsten amerikanischen Historiker vor dem Zweiten Weltkrieg, war der einzige, der sich vor dem Eintreffen der Emigrationshistoriker mit der deutschen Historismus-Debatte beschäftigte. Freilich wurde er dazu von seinem Schwiegersohn Alfred Vagts angeregt. Vagts hatte schon in den Zwanzigerjahren phasenweise in Amerika gelebt und heiratete 1927 Beards Tochter; Beard, Charles, Currents of Thought in Historiography, in: American Historical Review 42 (1937), S. 460-483.
[88] Kehr (wie Anm. 4), S. 264; Schulin, Ernst, German and American Historiography in the Nineteenth an Twentieth Centuries, in: Lehmann; Sheehan (Hgg.), Past, S. 8-31, hier S. 9.
[89] Iggers, Georg G., Deutsche Geschichtswissenschaft. Eine Kritik der traditionellen Geschichtsauffassung von Herder bis zur Gegenwart. Durchges. und erw. Ausgabe, Wien 1997, S. 29.
[90] Walther, Peter Th., Emigrierte deutsche Historiker in den USA, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 7 (1984), S. 41-52, hier S. 48.
[91] McClelland, Charles E., German Intellectual History, in: Central Europaen History 19 (1986), S. 164-173, hier S. 165; Moran, Seán Farrel, Intellectual History/History of Ideas, in: Boyd, Kelly (Hg.), Encyclopedia of Historians and Historical Writing, Bd. 1 A-L, Chicago 1999, S. 588-592, hier S. 589. Lovejoy war Herausgeber des „Journal of the History of Ideas“.
[92] Wolf (wie Anm. 81), S. 227.
[93] McClelland (wie Anm. 91), S. 166; Krieger, Leonard, European History in America, in: Higham, John; Krieger, Leonard; Gilbert, Felix (Hgg.), History, Princeton 1965, S. 233-314, hier S. 273.
[94] Stern (wie Anm. 81), S. 143.
[95] Wolf (wie Anm. 81), S. 251.
[96] Snell, John L., Dissertationen zur deutschen Zeitgeschichte an amerikanischen Universitäten, 1933-1953, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1 (1953), S. 289-296, hier: S. 289; Hand in Hand mit der Beschäftigung mit der deutschen Geschichte ging die zunehmende Zahl an persönlichen Kontakten. Seit 1905 intensivierte sich die Praxis der Austauschprofessuren. Oncken und Eduard Meyer lehrten in den USA und umgekehrt hielten amerikanische Historiker wie George Bancroft Vorlesungen an deutschen Universitäten. Nach einem Abkühlen der Beziehungen im Ersten Weltkrieg wurde 1924 ein schleppend anlaufender offizieller Studentenaustausch zwischen beiden Ländern eingeführt. Berlin, Harvard, Columbia und Chicago waren an dem Austausch beteiligt. Zwischen 1820 und 1920 studierten etwa 9000 amerikanische Studenten in Deutschland; Wolf (wie Anm. 81), S. 258, Stern (wie Anm. 81), S. 135; Schulin (wie Anm. 87), S. 9 und S. 15.
[97] Stern (wie Anm. 81), S. 132; Krieger (wie Anm. 93), S. 269.
[98] Insbesondere Fays Ergebnisse fügten sich gut in die apologetische deutsche Sichtweise ein, so dass seine Arbeit sogar übersetzt wurde. Schmitt machte Kaiser Wilhelm II. für den Ersten Weltkrieg verantwortlich, kritisierte den deutschen Militarismus und hatte denn Ruf, anti-deutsch eingestellt zu sein. Dementsprechend war er in Deutschland nicht so gern gesehen; Stern (wie Anm. 81), S. 143f; Schleier, Hans, Die bürgerliche deutsche Geschichtsschreibung der Weimarer Republik, Köln 1975, S. 209f.
[99] Krieger (wie Anm. 93), S. 272.
[100] Darunter waren Charleton Hayes, Eugene Newton Anderson, William E. Lingelbach und Guy Stanton Ford.
[101] Krieger (wie Anm. 93), S. 277; Wolf (wie Anm. 81), S. 257f.
[102] Die „Review“ wurde unter der Leitung des Emigranten Waldemar Gurian von der katholischen Universität Notre Dame herausgegeben. Sie hat sich dem geistesgeschichtlichen Hintergrund des politischen Geschehens gewidmet und systematisch europäische Gelehrte zur Mitarbeit eingeladen; Stourzh, Gerald, Die deutschsprachige Emigration in den Vereinigten Staaten: Geschichtswissenschaft und Politische Wissenschaft, in: Jahrbuch für Amerikastudien 10 (1965), S. 59-77, S. 75.
[103] Das “Journal” wurde von 1941-1964 an der University of Colorado herausgegeben und war ein Fachorgan für Historiker Mittel- und Osteuropas, in dem neben deutschen und österreichischen Historikern vor allem Vertreter der kleineren Nationen Südosteuropas Aufsätze veröffentlichen konnten; Stourzh (wie Anm. 102), S. 75.
[104] Stern (wie Anm. 81), S. 150; Wolf (wie Anm. 81), S. 259.
[105] Stourzh (wie Anm. 102), S. 75.
[106] Stern (wie Anm. 81), S. 155.
[107] Pinkney, David H., American Historians on the European Past, in: American Historical Review 86 (1981), S. 1-20, S. 2; Wolf (wie Anm. 81), S. 260.
[108] Ebda., S. 222.
[109] Pinkney (wie Anm. 107), S. 2f.
[110] Holborn (wie Anm. 7), S. 192.
[111] Snell (wie Anm. 96), S. 289; Pinkney (wie Anm. 107), S. 3.
[112] Rothfels, Hans, Interviewzusammenfassung, in: Radio Bremen (Hg.), Auszug des Geistes. Bericht über eine Sendereihe, Bremen 1962, S. 130-133., hier S. 133.
[113] Wolf (wie Anm. 81), S. 224.
[114] Holborn, Hajo, Interview, in: Radio Bremen (Hg.), Auszug (wie Anm. 112), S. 188-197, hier S. 191.
[115] Ebda.
[116] Rothfels, Interviewzusammenfassung (wie Anm. 112), S. 133.
[117] Wolf (wie Anm. 81), S. 224. Zu der erhöhten Beschäftigung mit Jakob Burckhardt in der amerikanischen Geschichtswissenschaft: Gossman, Lionel, Jakob Burckhardt: Cold War Liberal?, in: The Journal of Modern History 74 (2002), S. 538-572.
[118] Bergstraesser, Arnold, Interviewzusammenfassung, in: Radio Bremen (Hg.), Auszug (wie Anm. 112), S. 128-130, hier S. 129.
[119] Langer an Rothfels vom 22. November 1940, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 c; Sinclair W. Armstrong an Hildegard Rothfels vom 18. September 1940, in: ebda.; Armstrong an Rothfels vom 16. November 1940, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 a; Eugene Anderson an Rothfels vom 27. November 1940, in: ebda. Anderson kannte Rothfels und seine Frau noch von einem Aufenthalt in Deutschland.
[120] Rothfels an Kaehler im Jahr 1948 (kein näheres Datum angegeben), in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[121] Lysbeth Muncy, Instructor am Mt. Holyoke College, South Hadley, Mass., an Seeley, Emergency Committee vom 17. Februar 1942, in: NYPL, EC Rothfels, Hans. Zit. nach Walther (wie Anm. 18), 2002, S. 40.
[122] Rothfels an Kaehler vom 7. April 1946, in: NSUB Göttingen, NL Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[123] Rothfels an Kaehler vom 7. April 1946, in: NSUB Göttingen, NL Kaehler, Bd. 1, 144 c. Hierzu berichtet er auch in dem Brief an Theodor Schieder ausführlich: Rothfels an Schieder vom 11. August 1946, in: BAK, NL 1188 Rothfels, Bd. 1246.
[124] Rothfels an Kaehler vom 7. April 1946, in: NSUB Göttingen, NL Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[125] Eugene Anderson an Rothfels vom 27. November 1940, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 a.
[126] Armstrong an Rothfels vom 20. Juni 1940, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 a.
[127] Harvey (wie Anm. 5), S. 1.
[128] Neugebauer, Rothfels (wie Anm. 4), S. 250.
[129] Rothfels an Kaehler vom 7. April 1946, in: NSUB Göttingen, NL Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[130] Rothfels an Wriston vom 27. Mai 1946, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 c.
[131] Rothfels an Kaehler vom 7. April 1946, in: NSUB Göttingen, NL Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[132] Rothfels, Hans, Autobiographische Notizen, in: Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Jahresheft 1958/59, Heidelberg 1960, S. 27-30, hier S. 30.
[133] Langer an Rothfels vom 5. Februar 1946, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 c.
[134] Heinemann, Ulrich, Die verdrängte Niederlage. Politische Öffentlichkeit und Kriegsschuldfrage in der Weimarer Republik, Göttingen 1983, S. 113.
[135] Rothfels, Interviewzusammenfassung (wie Anm. 112), S. 131.
[136] Oncken war Gastprofessor an der Universität von Chicago gewesen. Rothfels an Kaehler vom 12. Oktober 1946, in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[137] Rothfels an Friedrich Meinecke vom 12. Oktober 1946, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 167. Siehe auch: Rothfels, Interviewzusammenfassung (wie Anm. 112), S. 131.
[138] Rothfels an Kaehler vom 12. Oktober 1946, in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[139] Rothfels an Kaehler vom 12. Oktober 1946, in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[140] Rothfels an Friedrich Meinecke vom 12. Oktober 1946, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 167.
[141] Rothfels an Kaehler vom 8. Mai 1948, in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[142] Rothfels, Notizen (wie Anm. 132), S. 29f.
[143] Zu der symbolischen Wirkung des Vortrages auf die deutsche Historikerschaft: Schulze (wie Anm. 4), S. 83f.
[144] Vagts an Joachim Radkau vom 12. Dezember 1967, in: Private Korrespondenz von Joachim Radkau.
[145] Radkau, Joachim, Die deutsche Emigration in den USA. Ihr Einfluß auf die amerikanische Europapolitik 1933-1945, Düsseldorf 1971, S. 54.
[146] Hallgarten (wie Anm. 4), S. 57-135, S. 97.
[147] Bergstraesser, Interviewzusammenfassung (wie Anm. 112), S. 130.
[148] Von Klemperer (wie Anm. 4), S. 128f.
[149] Rothfels an Kaehler vom 8. Mai 1948, in: NSUB Göttingen, NL Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[150] Rothfels an Kaehler vom 7. April 1946, in: NSUB Göttingen, NL Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[151] Harvey (wie Anm. 5), S. 2. Zur Frage der Staatsbürgerschaft: Rupp, Ministerialrat des Kultministeriums, an Arnold Bergstraesser vom 10. Januar 1951, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 e; Rothfels an Secretary of State Washington D. C. vom 5. Februar 1951, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 e.
[152] Siehe Rothfels an Minister Sauer, Kultusministerium Württemberg-Hohenzollern, vom 12. November 1950, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20 e.
[153] Spätestens seit Paul Sweets Aufsatz war Rothfels’ Position als neokonservativer Vertreter der Mitteleuropa-Ideologie bekannt: Sweet, Paul, Recent German Literature on Mitteleuropa, in: Journal of Central European Affairs 3 (1943), S. 1-24, hier S. 10-12.
[154] Vagts, Memoiren. Nach – nach? – den Kriegen, in: HIS, Grei 32.01, Alfred Vagts Papers, S. 14. Die unveröffentlichten Memoiren von Alfred Vagts befinden sich im Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS): HIS, Grei 32.01, Alfred Vagts Papers, Memoiren. Da diese Autobiografie pro Kapitel durchnummeriert ist, werden der Titel des jeweiligen Kapitels sowie die Seitenzahl angegeben.
[155] Iggers, Wilma; Iggers, Georg, Zwei Seiten der Geschichte. Lebensbericht aus unruhigen Zeiten, Göttingen 2002, S. 91f.
[156] Srbik an Rothfels vom 10. Februar 1949, in: Kämmerer (Hg.), Srbik (wie Anm. 44), S. 365.
[157] Rothfels an Kaehler vom 8. Mai 1948, in: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[158] Roth, Richtung (wie Anm. 5), S. 65.
[159] Rothfels, Interviewzusammenfassung (wie Anm. 112), S. 131f.
[160] The Committee, “An Appeal” im Januar 1946, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 157.
[161] Rothfels, Interviewzusammenfassung (wie Anm. 112), S. 131f.
[162] Siehe: Study Group of German Problems, “Secondary Education in Germany. A Memorandum on the Report of the United States Education Mission to Germany.” Chicago im Oktober 1947, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 157.
[163] Rothfels, Interviewzusammenfassung (wie Anm. 112), S. 132.
[164] Rothfels an Kaehler vom 8. Mai 1948. In: NSUB Göttingen, Nachlass Kaehler, Bd. 1, 144 c.
[165] Rothfels, Notizen (wie Anm. 132), S. 30.
[166] Ders., Russia and Central Europe, in: Social Research 12 (1945), S. 304-327, hier S. 304.
[167] Ders., The Baltic Provinces: Some historic Aspects and Perpectives, in: Journal of Central European Affairs 4 (1944), S. 117-146, hier S. 142f.
[168] Ebda., S. 146.
[169] Ders., Russia (wie Anm. 165), S. 306.
[170] Ebda., S. 322.
[171] Ebda., S. 327.
[172] Ders., Frontiers and Mass Migrations in Eastern Central Europe, in: The Review of Politics 8 (1946), S. 37-67, hier S. 41f.
[173] Ebda., S. 58f.
[174] Ebda., S. 59f. Die Atlantik-Charta vom August 1941 wurde von Churchill und Roosevelt formuliert und legte unter anderem den Verzicht auf Gebietsgewinn, territoriale Veränderungen nur im Einverständnis mit Betroffenen und Selbstbestimmungsrecht für alle Völker fest. Dies sollte allerdings nicht für die feindlichen Mächte festgelegt werden.
[175] Rothfels, Frontiers (wie Anm. 172), S. 60-62 und S. 67.
[176] Ebda., S. 62f.
[177] Ebda., S. 67.
[178] Rothfels hatte sich in seinem Aufsatz in dem Brackmann-Sammelband über einen konkreten Aufruf zu irredentistischen Aktivitäten mit dem Hinweis hinweggerettet, dass mit der Aufweisung von Linien die Kompetenz des Historikers ende; Rothfels, Werden (wie Anm. 22), S. 248.
[179] Ders., Die deutsche Opposition gegen Hitler. Eine Würdigung, Krefeld 1949, S. 7 und S. 9f.; Ders., The German Opposition to Hitler. An appraisal, Hinsdale 1948. Die deutsche und englische Version des Buches sind nach Auskunft Rothfels’ sehr ähnlich, wenn auch in der deutschen Ausgabe Ergänzungen und Aktualisierungen der Literatur vorgenommen wurden. Da von Rothfels eine weitgehende Annäherung intendiert war, ist es für die folgende Untersuchung legitim, die deutsche Ausgabe zu verwenden; Ders., Opposition, 1949, S. 7-10.
[180] Ebda., S. 10.
[181] Ebda., S. 21.
[182] Ebda., S. 23-25.
[183] Zum Vansittartismus: Radkau, Joachim, Die Exil-Ideologie vom „anderen Deutschland“ und die Vansittartisten. Eine Untersuchung über die Einstellung der deutschen Emigranten nach 1933 zu Deutschland, in: Aus Politik und Geschichte 2 (1970), S. 31-46.
[184] Rothfels, Opposition (wie Anm. 179), 1949, S. 26.
[185] Ebda., S. 9.
[186] Ders., Bismarck und das 19. Jahrhundert, in: Gall, Lothar (Hg.), Das Bismarck-Problem in der Geschichtsschreibung nach 1945, Köln 1971, S. 84-96, hier S. 84.
[187] Ebda., S. 85.
[188] Ebda., S. 85.
[189] Jasper, Gotthard, Verzeichnis der Veröffentlichungen von Hans Rothfels. (1951-1962), in: Besson, Waldemar; Gaertringen, Friedrich Frhr. Hiller von (Hgg.), Geschichte und Gegenwartsbewußtsein. Historische Betrachtungen und Untersuchungen. Festschrift für Hans Rothfels zum 70. Geburtstag, Göttingen 1963, S. 521-526, hier S. 414f.
[190] Rothfels, Provinces (wie Anm. 167), S. 129.
[191] Ebda., S. 117.
[192] Ebda., S. 140.
[193] Ders., Russia (wie Anm. 166), S. 308f.
[194] Ders., Bismarck und das 19. Jahrhundert (wie Anm. 186), S. 88.
[195] Ders., Russia (wie Anm. 166), S. 311. Unter Einebnung versteht Rothfels die Konsequenzen der Ostraumpolitik Hitlers, die Vertreibung zahlloser Deutscher aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße und aus der Tschechoslowakei, der ein umfassender Rücksiedlungsprozess der Volksdeutschen vorausging. Auch die Klassenunterschiede seien durch die Verschleppung oder Tötung der Intelligenz und der kapitalistischen Klasse getilgt worden; Ders., Frontiers (wie Anm. 172), S. 60f., S. 64, S. 66f.
[196] Ders., Russia (wie Anm. 166), S. 327.
[197] Ders., Bismarck und das 19. Jahrhundert (wie Anm. 186), S. 96.
[198] Ders., Russia (wie Anm. 166), S. 327.
[199] Ders., 1848 – One Hundred Years after, in: The Journal of Modern History 20 (1948), S. 291-319, hier S. 293.
[200] Ders., Opposition (wie Anm. 179), S. 34.
[201] Ders., Bismarck und das 19. Jahrhundert (wie Anm. 186), S. 86f.
[202] Ebda., S. 88.
[203] Ebda., S. 95.
[204] Ebda., S. 89f.
[205] Ebda., S. 93-95.
[206] Ebda., S. 91.
[207] Ebda., S. 87.
[208] Ebda., S. 89.
[209] Ders., Opposition (wie Anm. 179), S. 26.
[210] Ebda., S. 31f.
[211] Ebda., S. 32.
[212] Ebda., S. 10.
[213] Ebda., S. 191 und S. 194.
[214] Ebda., S. 191 und S. 193.
[215] Ebda., S. 195.
[216] Ebda., S. 196.
[217] Ebda., S. 197-199.
[218] Siehe auch: Etzemüller, Thomas, Sozialgeschichte als politische Geschichte. Werner Conze und die Neuorientierung der westdeutschen Geschichtswissenschaft nach 1945, München 2001, S. 65.
[219] Rothfels, 1848 (wie Anm. 199), S. 319.
[220] Ders., Bismarck und das 19. Jahrhundert (wie Anm. 186), S. 96.
[221] Ders., Sprache, Nationalität und Völkergemeinschaft, in: Jahrbuch der Albertus-Universität zu Königsberg, Preußen, Bd. 1, Berlin 1951, S. 108-122, hier S. 122.
[222] Zur verstärkten Bezugnahme auf den Rechtsstaatsgedanken siehe auch: Ders., Ranke und die geschichtliche Welt, in: Deutsche Beiträge zur geistigen Überlieferung, Bd. 2, 1953, S. 97-120, hier S. 116.
[223] Ders., Opposition (wie Anm. 179), S. 197.
[224] Ders., Bismarck und das 19. Jahrhundert (wie Anm. 186), S. 90.
[225] Ders., Provinces (wie Anm. 167), S. 138; Ders., Frontiers (wie Anm. 172), S. 65.
[226] Ders., 1848 (wie Anm. 199), S. 296.
[227] van Horn Melton, James, Introduction. Continuities in German Historical Scholarship, 1933-1960, in: Lehmann; van Horn Melton (Hgg.), Paths (wie Anm. 4), S. 1-18, S. 16f.; Etzemüller, Sozialgeschichte (wie Anm. 218), S. 63f.
[228] Rothfels, 1848 (wie Anm. 199), S. 297.
[229] Ebda., S. 298.
[230] Siehe zum Beispiel: Ders., Russia (wie Anm. 166), S. 308f.; Ders., Provinces (wie Anm. 167), S. 117; Ders., Frontiers (wie Anm. 172), S. 59; Ders., Bismarck und das 19. Jahrhundert (wie Anm. 186), S. 96.
[231] Ders., Ranke (wie Anm. 222), S. 100.
[232] Ebda., S. 102.
[233] Ebda., S. 116.
[234] Ders., Bismarck und das 19. Jahrhundert (wie Anm. 186), S. 96.
[235] Ders., Vom Primat der Außenpolitik, in: Außenpolitik, Bd. 1, 1950, S. 274-283, S. 282f.
[236] Ders., Ranke (wie Anm. 222), S. 101-105.
[237] Rothfels an Paul Kluckhohn, Herausgeber der „Deutschen Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte“, vom 11. November 1949, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20e.
[238] Rothfels an Robert Tyler vom 21. Januar 1951, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20e.
[239] Rothfels an Sauer, Kultusminister des Landes Württemberg-Hohenzollern, vom 5. August 1950, in: BAK, NL 1213 Rothfels, Bd. 20e.
[240] Walther (wie Anm. 73), S. 46f.; Rothfels, Hans, Zeitgeschichte als Aufgabe, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1 (1953), S. 1-8, hier: S. 7f.
[241] Dies zeigte unter anderem sein Protest gegen die Entsendung von Gustav A. Rein zum Internationalen Historikerkongress 1960 in Warschau; Schulze, Winfried, Deutsche Geschichtswissenschaft nach 1945, München 1993, S. 137.

Zitation
Christiane Blume: Transformationen eines Historikers - Hans Rothfels’ Weg aus dem Dunstkreis der Volksgeschichte zur leuchtenden Symbolfigur der Nachkriegshistoriografie, in: H-Soz-Kult, 28.09.2004, <www.hsozkult.de/article/id/artikel-525>.
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28.09.2004
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