Neue Forschungen zur Kultur- und Sozialgeschichte des Ersten Weltkriegs. Themen, Tendenzen, Perspektiven

Dieser Literaturbericht versteht sich als kursorische Bestandsaufnahme der Forschung zum Ersten Weltkrieg. Anhand ausgewählter Veröffentlichungen in deutscher und englischer Sprache werden Entwicklungen und Tendenzen auf einem Feld dargelegt, das mit dem Jubiläum 2014 durch zahlreiche Ausstellungen und Publikationen belebt werden wird. Themen und Ansätze sind in einzelne Abschnitte gebündelt. Zunächst werden Untersuchungen zu sozialen Gruppen, Medien und Symbolen sowie einige Quelleneditionen vorgestellt. Einen besonderen Schwerpunkt bilden Arbeiten zur Gewaltgeschichte und zu den Ereignissen und Erfahrungen an den Fronten. Vornehmlich die Kampfführung und das Kriegsende haben in diesem Zusammenhang aktuell wieder mehr Aufmerksamkeit erfahren. Die anschließend diskutierten Studien zur Gesellschaft an der „Heimatfront“ betonen, wie sich der Krieg auch abseits der Kampfzone auf sämtliche Lebensbereiche auswirkte. Der Literaturbericht dringt somit vom Besonderen zum Allgemeinen vor, um die Überblicksdarstellungen mit den Tendenzen der Einzelstudien zu konfrontieren. Perspektiven, die zukünftige Forschungen strukturieren könnten, werden entlang von methodischen Ansätzen und den historischen Grundkategorien Zeit und Raum zusammengefasst. Die These lautet, dass sich wegen der enormen methodischen und thematischen Ausdifferenzierung der Weltkriegsforschung die Schwierigkeit erhöht, große Synthesen aus einer Hand anzufertigen. An ihre Stelle treten vermehrt solche Werke, die unter kollektiver Autorschaft ausgewiesener Experten entstehen.

Abstract

This research report aims to give a cursory survey of recent research on the First World War. Drawing on a selected list of publications primarily in English and German, the reports identifies trends in a field of study that has dynamically evolved and is likely to be further stimulated by numerous exhibitions and publications to be expected for the centenary in 2014. A number of key topics and approaches are discussed in subsequent chapters. The first analyses studies on social groups, the media and the use of symbols. Studies in the history of violence and on war experience at the fronts receive particular attention. Operational aspects of warfare and the endgame of the war have recently been studied in greater depth and detail and will be discussed accordingly. The second chapter is devoted to studies on civilian life and society at the “homefront”. The war affected all areas of life, no matter how remote from the frontline. Thus, the survey attempts to proceed from the more particular to the more general and aims at contrasting broad comprehensive overviews with meticulously detailed studies of specific aspects. Finally, some perspectives for the study of the First World War are outlined, both in methodological terms and with regard to the fundamental categories of historical research, time and space. Due to the tremendous methodological and thematic differentiation, it will be argued, it is reasonable to believe that writing broad overviews will become ever more difficult for single authors. Single-author comprehensive studies have, as recent publications demonstrate, already been superseded by collaborative works written by groups of experts, and this trend is likely to continue.

Von
Christoph Nübel, Historisches Seminar, Universität Kiel

Beginnend mit dem Jahr 2014 sind zahlreiche Neuerscheinungen zum Ersten Weltkrieg zu erwarten. So scheint es an der Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen – quo vadis Weltkriegsforschung? Kreisten die Fragen bis in die 1960er-Jahre um die Politikgeschichte, wurde diese zunehmend von sozialgeschichtlichen Schwerpunkten abgelöst. Seit etwa 15 Jahren dominieren Studien, die sich der Erfahrungsgeschichte verpflichtet sehen oder den Repräsentationen des Krieges nachspüren. Mittlerweile ist dabei ein disparates und ausdifferenziertes Forschungsfeld entstanden, in dem sozial- und kulturgeschichtliche Aspekte zusammengeführt werden. Die Vielfalt von Methoden, Ansätzen und Themenschwerpunkten zeigt, dass die Militärgeschichte sich der Mitte der Geschichtswissenschaft angenähert hat – was zugleich die Befürchtung auslöste, die Militärgeschichte könne ihre Konturen und Kernthemen verlieren.[1] Der vorherrschende Trend zur thematischen und methodischen Ausfächerung ist jedoch als Gewinn zu betrachten, obwohl er es erschwert, über die Veröffentlichungsvielfalt im Bilde zu bleiben. Deshalb können aktuelle Forschungstendenzen – entlang einer Auswahl jüngerer Publikationen hauptsächlich aus Deutschland und Großbritannien – nur in einem kursorischen, auswählenden Überblick skizziert werden.

Das gegenwärtige fachliche Interesse am Ersten Weltkrieg wird durch das öffentliche flankiert. Wie Alan Kramer darlegt, war das Thema in Großbritannien bereits etabliert, musste aber in Deutschland erst aus dem Schatten der Jahre 1933-1945 heraustreten.[2] Dass dieses Interesse längst ein Forschungsthema ist, zeigt der von Barbara Korte, Sylvia Paletschek und Wolfgang Hochbruck herausgegebene Band „Der Erste Weltkrieg in der populären Erinnerungskultur“.[3] Entlang von Literatur, Filmen, Reenactment, Reisen oder Museumskonzeptionen zeichnet er die Konjunkturen der internationalen Memorialkulturen nach. Ihre Bandbreite konnte auch in diesem Sammelband nicht erschöpfend behandelt werden, was die Vielfalt widerspiegelt, die dieser Krieg im Populär-Alltäglichen und in der Erinnerung angenommen hat.

Ich beginne meine Ausführungen mit einer Anmerkung von Clausewitz, mit der er die Komplexität des Krieges umreißt, die sich indes auch auf das „Forschungsproblem Erster Weltkrieg“ beziehen lässt. „Allein wir haben überhaupt nicht mit der Gesamtheit des Krieges beginnen können“, schreibt er in seinen Überlegungen zur Verteidigung, „sondern wir haben uns erst der einzelnen Gegenstände, als abgesonderter Teile, deutlicher bewußt werden müssen. Ohne dieses Fortschreiten von dem Einfachen zum Zusammengesetzten würde uns eine Menge unbestimmter Vorstellungen überwältigt, und besonders würden die im Kriege so vielfältigen Wechselwirkungen unsere Vorstellungen beständig verwirrt haben.“[4] Dieser Literaturbericht, der sich ebenso wie „Vom Kriege“ als Ordnungsversuch versteht, verfährt ähnlich und dringt induktiv vom Besonderen ins Allgemeine vor. Entgegen der üblichen Vorgehensweise werde ich zunächst einzelne Fragestellungen zu Forschungsfeldern verbinden, dann einige Überblicksdarstellungen diskutieren und mit Perspektiven und Desideraten der Forschung enden.

1. Soziale Gruppen, Medien und Symbole
Die Rolle der Medien im Krieg, ob in der Heimat oder an der Front, wurde von der Forschung bereits früh berücksichtigt. Gleichwohl sind auch auf diesem Feld noch wichtige Lücken zu schließen, wie die im Folgenden vorgestellten Publikationen zeigen.[5] Christine Brocks nimmt in „Die bunte Welt des Krieges“ die Motive der Bildpostkarten in den Blick. Indem sie die Vielzahl der Sujets ordnet, erschließt sie dieses bislang zu wenig beachtete Quellenkorpus für weitere Forschungen. John F. Williams unternimmt in „Modernity, the Media and the Military“ den Versuch, die Berichterstattung über die Kämpfe zu untersuchen. Die Entstehung der offiziellen Heeresberichte und ihre Aufbereitung in den Massenmedien ist ein Desiderat. Indes ist das Werk methodisch blass und verzichtet weitgehend auf eine adäquate Kontextualisierung der verwendeten Quellen.

Die Forschung nimmt zunehmend auch einzelne Bevölkerungsgruppen, deren Selbst- und Fremdbilder oder Rezeption des Krieges in den Blick. Hier können Medien wie Belletristik oder Zeitschriften als Spiegel der Kriegserfahrungen dienen, wie Sonja Müller in ihrer vergleichenden Untersuchung zu deutschen und britischen Kindern im Ersten Weltkrieg ausführt.[6] Jane Potters Studie über „Boys in Khaki, Girls in Print” widmet sich jenen britischen Frauen, die den Krieg in propagandistischen Texten, Romanen oder Memoiren thematisierten.[7] Sie zeigt, dass keineswegs nur Männer für die 1914 ansteigende Welle von Kriegsliteratur verantwortlich waren. Auch zahlreiche Frauen propagierten die nationalen Kriegsanstrengungen und versuchten ihre Kriegserlebnisse auf der Insel und im Hinterland der Fronten schreibend zu verarbeiten. Die untersuchten Texte bestärkten die verbreiteten Geschlechterrollen und hinterfragten die Kriegsanstrengungen nicht. So kamen sie den Publikumserwartungen entgegen. Ein besonderes Verdienst Potters ist es, diese Veröffentlichungen in Topoi der Vorkriegszeit einzuordnen. Sie kann zeigen, dass die Deutungsmuster für 1914-1918 bereits zuvor ausgeformt worden waren.

Die Beträge des von Marc Zirlewagen herausgegebenen Sammelbandes „Wir siegen oder fallen“ beleuchten ausgewählte Aspekte des Lebens organisierter Studenten im Ersten Weltkrieg.[8] Der soziale Druck sich während der Mobilmachung freiwillig zu melden war innerhalb der Verbindungen hoch. Der massenhafte Auszug der jungen Männer ins Feld bedeutete eine enorme Belastung der institutionellen Strukturen der studentischen Organisationen. Dennoch blieb der Zusammenhalt im Wesentlichen gewahrt, denn die Korporationen sandten Liebesgaben und Verbandszeitungen ins Feld, wofür sich die studentischen Soldaten mit regelmäßigen Schreiben revanchierten. Einige der Beiträge stehen etwas unvermittelt neben dem Gros der Studien zum Ersten Weltkrieg, deren Theorien und Ergebnisse nur eingeschränkt rezipiert werden (umgekehrt lässt sich das auch konstatieren). So werden die Ergebnisse von Sonja Levsens Untersuchung über Tübinger und Cambridger Studenten 1900-1929 nur von einem Beitrag aufgenommen. Hier müsste dringend ein Austausch von Ideen und Standpunkten stattfinden, um eine Fragmentierung der Forschung zu vermeiden.

Eine ähnliche Forschungslücke hat Ralph Winkle ausgemacht. Die als „Dank des Vaterlandes“ verliehenen Orden und Ehrenzeichen haben zwar in der Phaleristik ihre historische Subdisziplin gefunden.[9] Jedoch werden sie dort „losgelöst von ihren Trägern“ betrachtet. Winkle konstatiert, dass die Phaleristik somit den Anschluss an die Forschung weitgehend verloren habe (S. 18). Er liefert nun eine fundierte Analyse der materiellen und symbolischen Bedeutung des Eisernen Kreuzes und spürt den Wandlungen der militärischen Ehre in Diskurs und Praxis nach. Die Akzeptanz der Auszeichnungen sicherte zunächst Normen, Leitbilder und Hierarchien sowie den Status der Träger und unterstützte damit die Kampfkraft des Heeres. Diese Aura verfiel jedoch durch Popularisierung, massenhafte Verleihungen dieser Ehrungen und die Auswirkungen des andauernden Ermüdungskrieges – die diskursiven Zuschreibungen erwiesen sich demnach als veränderbar. In der Weimarer Republik kam es dann unter vielen Veteranengruppen zu einer „Wiederaufwertung der Insignien“ (S. 243). Ihr öffentliches Tagen verdeutlichte den Anspruch auf finanzielle und symbolische Anerkennung für den Kriegseinsatz. Winkle argumentiert hier mit der zunehmend angefochtenen These, die Republik habe darauf verzichtet, sich geeignete Repräsentationen zu schaffen.[10] Der Autor kann zeigen, wie die Nationalsozialisten es vermochten, mit der sozialen Ehre der Veteranen argumentierend ihre Anhängerschaft zu erweitern.

Dass ein moderner Krieg aufgrund der fortschrittlichen Waffentechnik keineswegs humaner war, wie manche Zeitgenossen vor 1914 meinten, bewiesen jene Soldaten, die das Schlachtfeld als Invaliden verließen. Mit „Beschädigte Helden“ hat Sabine Kienitz eine Geschichte der Kriegsversehrten vorgelegt.[11] Ihr Ansatz beschränkt sich nicht auf diskursive Zuschreibungen, sondern berücksichtigt die Medialität und Materialität der historischen Körper. Sie zeichnet damit die Wechselwirkungen von Körperbildern und Physis nach. Die Studie schöpft aus einer breiten Quellenbasis. Es wurden Archivalien, Zeitschriften, Broschüren, Bilder und andere Publikationen erschlossen. Auf diese Weise kann die Autorin das breite Panorama der Zuschreibungen von Kriegsapologeten und -gegnern, Medizinern und Politikern ausbreiten. Ein Vorzug der Untersuchung ist, dass sie auch die Selbstbilder der Versehrten berücksichtigt. Diese treten somit nicht nur als Objekt, sondern als Subjekt öffentlicher Deutungen in den Blick. Kienitz schildert die Jahre 1914-1923 als eine Zeit, in der Körperbilder und -praktiken stetigem Wandel unterworfen waren. Galt die Verwundung zu Anfang des Krieges noch als heldenhaftes Opfer, führte die Vielzahl an Versehrten schon während des Krieges dazu, dass sie marginalisiert wurden. Angesichts der schweren Verwundungen mussten etablierte Helden- und Opferbilder variantenreich an die Realität angepasst werden. In einigen Deutungen waren nur noch diejenigen Helden, die sich trotz aller Beeinträchtigungen durchsetzten und einer Erwerbstätigkeit nachgingen. Hier zeigt sich ein Muster, auf das Peter Sloterdijk zuletzt hingewiesen hat: „Die Behinderung wird […] als eine Schule des Willens gedeutet“.[12] Zahlreiche Experten aus Medizin und Technik machten sich daran, die Körper der Invaliden durch Prothesen zu rekonstruieren. Kienitz weist zurecht darauf hin, dass dieser Prozess auch dazu diente, deren erschütterte Identität, Männlichkeit oder Gesundheit wieder herzustellen. So ließ sich trotz der militärischen Niederlage ein Sieg deutscher Ingenieurskunst feiern. Die Spannung zwischen materieller Kontinuität und diskursiver Variabilität machte sich vor allem nach dem Krieg bemerkbar, als die Versehrten „zu Außenseitern geworden waren“ (S. 292). Bei der Frage nach dem Verhältnis von Öffentlichkeit und sozialem Status von Invalidität und Devianz wäre eine ergänzende Analyse mit dem von Erving Goffman entwickelten Instrumentarium wünschenswert gewesen.[13] Dessen ungeachtet legt Kienitz eine fundierte Kulturgeschichte der Kriegsinvaliden vor, die sich als eine bedrückende Darstellung des sozialen (Be-)Deutungsverlusts der „Menschenruinen“ (Joseph Roth) lesen lässt.

Lois S. Bibbings nimmt sich in „Telling Tales About Men“ dem Sonderfall der britischen Kriegsdienstverweigerer an.[14] Hier war es – anders als bei den übrigen europäischen Mächten – die hohe Zahl von etwa 16-23.000 Männern, die auf diese Weise dem Dienst an der Front auszuweichen suchten. Bibbings skizziert Kontext, Motive und legislativ verankerte Möglichkeiten der Verweigerung. Wurden Verweigerungsformen bislang hauptsächlich aus sozial- und rechtsgeschichtlicher Perspektive betrachtet, spürt die Autorin den Bildern von „Conscientious Objectors“ mit einem wissenssoziologischen Instrumentarium nach. Zuschreibungen wie Feigheit, Degeneration, nationale Gefahr, aber auch Ehrwürdigkeit und Patriotismus bilden den Untersuchungsschwerpunkt. Weitere Untersuchungen könnten die Selbstbilder dieser Gruppen beleuchten. Im internationalen Vergleich schließt sich die Frage an, wie die Unterschiede in Wehrverfassung und politischer Kultur die Verweigerungsformen auch in Friedenszeiten bestimmten und das Phänomen auf dem Kontinent nach 1914 marginalisierten.

2. Selbstzeugnisse
Die überlieferten Tagebuchnotizen, Briefe, Postkarten, Skizzen und Fotografien sind ein Grundnahrungsmittel der historischen Weltkriegsforschung. Dieses Quellenkorpus hat weiterführende Erkenntnisse gebracht und ob seiner Tücken sowie zeitweiligen Dominanz zu methodischen Reflexionen herausgefordert. Da Selbstzeugnisse häufig in unmittelbarer zeitlicher Nähe zum Geschehen angefertigt wurden, sind sie nicht durch spätere Ereignisse und Erkenntnis überformt und unterliegen zumeist auch nicht dem Primat der Öffentlichkeit. Somit darf sich die Forschung glücklich schätzen, dass mittlerweile eine im Wachsen begriffene Zahl sorgfältig edierter Quellen vorliegt.

Die zweifellos bedeutendste Neuerscheinung ist das „Kriegstagebuch 1914-1918“ von Ernst Jünger, herausgegeben von seinem Biographen Helmuth Kiesel.[15] Die neben Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ immer wieder zitierten und literarisch erheblich überformten „Stahlgewitter“ dürften damit als Quelle für die unmittelbaren Kriegserfahrungen ausgedient haben. Bedauerlicherweise ohne Register, sonst aber ansprechend kommentiert und dokumentiert, liegt damit der Text vor, der die Grundlage zahlreicher Jüngerscher Werke der 1920er-Jahre war. Jünger scheint sich rasch entschlossen zu haben, ihn als Grundlage für spätere Arbeiten anzufertigen, wodurch sich sein Detailreichtum erklären lässt. Jünger beschreibt den Pfeifton einer Kugel, die Farbe des Kaffees, die facies hippocratica oder Trinkgelage. Von der Zerstörung der Landschaft bis hin zum Tagesablauf im Schützengraben erhält der Leser Kunde von Fährnis und Ruhe, Wiederholungen, Abwechslungen und Kontrasten im Krieg. Jünger war ein unsteter Mann bürgerlicher Herkunft, ein Krieger par excellence. Daher zeugen seine Aufzeichnungen weniger von Kriegskritik, sondern eher von Kriegslust. „Man muß das Leben so toll und verschroben, so lustig und gefahrvoll, so exzentrisch und abwechslungsreich wie möglich einrichten, dann hat man Genuß davon. Dahinter immer das angenehm kitzelnde Gefühl, daß man Morgen in einem Riesengefecht ‚durchgedreht’ wird“ (S. 274, 01.07.1917). Jünger entkam dem Tod nur mit viel Glück, seine sieben Verwundungen ließen ihn mehrmals inmitten verlustreicher Schlachten aus seinem Regiment ausscheiden. Der allgegenwärtige Tod war es, der Jünger zu sachlichen Beschreibungen der Umwelt anhielt, ihn das (Über-)Leben feiern und das Sterben zum zentralen Topos seiner Aufzeichnungen werden ließ – „Du heut, ich morgen“ (S. 90, 25.02.1916). Weiterhin zeigt sich Jüngers Bemühen, ein vorbildlicher Offizier zu sein. Er verlieh sich den Habitus des Helden, des idealen Führers und forderte seinen Untergebenen einiges ab, zeigte sich jedoch zugleich als fürsorgliches Vorbild.

Anders ist der Tonfall in Gerhard Engels Edition „Rote in Feldgrau“.[16] Sie versammelt Briefe junger, politisch engagierter Männer, die in sozialistischen Jugendverbänden organisiert waren und Militärdienst und Krieg als Zwang empfanden. Hier gibt es sozial- und kriegskritische Passagen zuhauf. Engel begreift die Briefe als Korrektiv der Forschung, die hauptsächlich auf die unpolitischen Dimensionen der Quellen verweise. Damit wird deutlich, dass die ausgewählten und gekürzten Briefe der (in biographischen Skizzen vorgestellten) Autoren keine Repräsentativität beanspruchen. Vielmehr spiegeln sie die in sozialistischen Organisationen geschulte Weltsicht wider, welche die Wahrnehmung des Krieges prägte.

Die beiden Veröffentlichungen dokumentieren – ebenso wie die in dem von Peter Walther herausgegeben Band „Endzeit Europa“ kollagierten Stimmen Intellektueller[17] – Sonderfälle, die gleichwohl in wissenschaftlichen Analysen berücksichtigt werden müssen. Ihre vom Gros der Briefe und Tagebücher abweichenden Aussagen zeigen, dass die Verwendung von Selbstzeugnissen methodischer Absicherung bedarf. Sie müssen in einem erweiterten Bezugsrahmen analysiert und um andere Quellen ergänzt werden. Herkunft und Zuschnitt des Quellenkorpus sind für die erzielten historiographischen Befunde entscheidend. Vor allem bei der Verwendung des Tagebuchs Jüngers ist angesichts seiner rhetorischen und inhaltlichen Schlagkraft Zurückhaltung geboten. Der immense Reichtum des Textes darf nicht zu einer Dominanz und „Jüngerifizierung“ künftiger Publikationen führen. Er muss vielmehr dosiert eingesetzt und an anderen Selbstzeugnissen gemessen werden.

Die edierten Tagebücher Karl Rosners, herausgegeben von Andreas Sauer, und Harry Graf Kesslers, herausgegeben von Günter Riederer und Ulrich Ott, geben Auskunft über die Kriegseinsätze der Autoren auf den östlichen und westlichen Kriegsschauplätzen, unter anderem bei Verdun.[18] Zwar waren beide promovierte Juristen, doch ihre soldatischen Laufbahnen verliefen höchst unterschiedlich. Rosner, geboren 1885, diente 1915/16 als Maschinengewehrschütze, während der 17 Jahre ältere Kessler bis 1916 auch als Offizier und Ordonnanz beim XXIV. Reserve-Korps im Osten eingesetzt war und über die militärische Führung berichten konnte. Die fundierte Einleitung und die beigefügten Karten helfen, die Stationen Kesslers einzuordnen. Der Text erweist sich als eine Fundgrube für weitere Studien. Er enthält kontrastreiche Beschreibungen von Land und Leuten, Kampfverlauf und militärischer Führung. Wie bei Jünger speist sich der Reichtum der Schilderungen aus dem Vorhaben, die Tagebücher als Erinnerungsstütze und für schriftliche Ausarbeitungen verwenden zu wollen. Als Autor tritt der mit dem soziokulturellen Hintergrund der Epoche verwobene Kessler hervor. Der Stil eines Abenteuerromans wechselt sich mit politischen Analysen, Reisebeschreibungen, Kriegsapologetik sowie liberalen oder antisemitischen Bemerkungen ab. Anders verhält es sich bei Rosner, der in der deutschen „Staatsform“ eine Ursache für das Töten erblickt (S. 137, 28. Juni 1916).

Zumeist ist nur die Feldpost der Soldaten überliefert, die sicher aufbewahrt und immer wieder gelesen wurde. In seltenen Fällen sind jedoch auch die Briefe aus der Heimat erhalten geblieben. Martha Hanna erzählt mit „Your Death Would Be Mine“ die Geschichte eines Paares aus der französischen Provinz, das durch den Krieg getrennt wurde.[19] Die Autorin legt keine Quellenedition vor, sondern ergänzt die zahlreichen erhaltenen Briefe von Marie und Paul Pireaud durch weitere Archivalien und bindet sie so in ihren persönlichen Kontext sowie die Geschehnisse des Ersten Weltkrieges – Paul diente zunächst beim Train und seit 1915 bei der schweren Artillerie – ein. Auf diese Weise treten alltägliche Problemlagen der Landbevölkerung im Krieg hervor. Die Quellen spiegeln eine bemerkenswerte schriftliche Eloquenz und große partnerschaftliche Eintracht wider. Letzteres lässt sich über die „Kriegsbriefe von Anna und Lorenz Treplin“, herausgegeben von Heilwig Gudehus-Schomerus, Marie-Luise Recker und Marcus Riverein, nicht ausnahmslos sagen.[20] Die wohlhabenden Treplins entstammten nicht der dörflichen Mittelschicht wie die Pireauds, sondern wurden in der Oberschicht von Stadt (Anna) und Land (Lorenz) sozialisiert. Der Briefwechsel ist beinahe vollständig erhalten, da Lorenz, der Bedeutsamkeit der Ereignisse gewiss, eine „Sammlung“ anzulegen beabsichtigte, die „doch sehr interessant werden“ könne (S. 189, 20. Dezember 1914). Etwa ein Drittel der Briefe wurde in der kommentierten und mit Hilfsmitteln wie Register, Stammbaum und Itinerar versehenen Edition berücksichtigt. Lorenz' Briefe erzählen von seinem Dienst als Militärarzt und dem zuweilen eintönigen Offiziersleben im Frontgebiet. Anna führte ein großbürgerliches Leben mit Bediensteten und musste sich in Abwesenheit des Partners allein um den Haushalt und die Kindererziehung kümmern, was sie als belastend empfand. So sehr sich die Gesprächsthemen des französischen und deutschen Paares ähneln – sie fokussieren auf vertraute Themen des täglichen Lebens – zeigen sich bei den Treplins Konflikte, die sich angesichts der Kriegsauswirkungen verschärften.

Die vorgestellten Publikationen zeigen das Bemühen von Soldaten und Daheimgebliebenen, Distanzen zu überbrücken und Einblicke in den Kriegsalltag von Front und Heimat zu gewähren. Sie verhehlten nicht, dass das Leben im Krieg von Gefahren und Mangel geprägt war. Die Schreiben enthalten zuweilen bemerkenswert offene Schilderungen von Krankheit und Lebensmittelmangel, Kämpfen und Tod. Die (Selbst-)Zensur griff also nicht so weit wie zuweilen angenommen. Gesagtes und Ungesagtes waren vom persönlichen Dafürhalten der Autoren, ihrer Rolle in der zivilen oder militärischen Gesellschaft, ihrem Aufenthaltsort und dem Quellentyp (privates Tagebuch oder Postsendung) abhängig. Briefe waren verbindende „Gesprächsmedien“ (Klaus Latzel), die den Autoren psychische Entlastung versprachen und auf geteilte Erfahrungslagen verweisen. Die edierten Selbstzeugnisse können für weitere Forschungsvorhaben fruchtbar gemacht werden. Sie bergen Hinweise auf Geschlechterrollen, Familienstrukturen und deren Wandel. Letztlich zeigen die Texte, dass die Gründe für Kriegsunterstützung und -verweigerung oder „Durchhalten“ vielschichtig waren und sich kaum auf Zwang oder Zustimmung reduzieren lassen.

3. Die Erfahrung von Gewalt, Besatzung und Kriegsgefangenschaft
Die Frage nach den Formen von Gewalt ist ein etabliertes Leitmotiv der Forschung, wobei sich nach wie vor kein unumstrittener Gewaltbegriff hat durchsetzen können. Alan Kramer widmet sich in „Dynamic of Destruction“ dem soziokulturellen Bezugsrahmen von Gewalt und zeigt Zyklen, Verbreitung und Folgen der Gewalt in der europäischen Kriegsführung auf.[21] Der Autor hält auf der Grundlage einer umfassenden Kenntnis der Forschung dem Leser ein bedrückendes Panorama vor Augen, das in Braudelscher Manier nach den „long term causes“ der Kriegsgewalt fragt (S. 328). In diesem Zuge werden Italiens afrikanische Kriege sowie die Balkankriege als Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges berücksichtigt. Die Analyse bezieht auch die Kriegsschauplätze im Alpenraum sowie auf dem Balkan mit ein. Kramer eröffnet somit eine internationale Perspektive, in deren Rahmen die militärischen Handlungen der europäischen Kriegsteilnehmer untersucht werden.

Damit dringt Kramers Großessay zu einem wesentlichen Punkt jener Forschungen vor, die nach Kontinuitäten und Diskontinuitäten der europäischen Gewaltgeschichte fragen. Hier scheint der Erste Weltkrieg zuweilen bloß der Vorläufer des Zweiten zu sein. Kramer hingegen betrachtet das Geschehen auf eine Weise, welche die prinzipielle Offenheit historischer Situationen berücksichtigt und ihnen so mit der gebotenen Sensibilität begegnet. Das, was Foucault einforderte und Musil den „Möglichkeitssinn“ nannte, bringt der Autor auf den Punkt: „Historical developments were contingent, not inevitable“ (S. 329). Der Autor spricht in diesem Zuge von einer „dynamic of destruction“, die nicht zwangsläufig in Gang gesetzt wurde, sondern vielmehr durch einen „conceptual link“ (S. 2) an die Geistesverfassung der kriegführenden Gesellschaften gebunden gewesen ist. In diesem Zuge hat sich, so Kramer, die in Kriegszeiten ausgeübte Gewalt nicht allein gegen Kombattanten, sondern zunehmend gegen ganze Gesellschaften, deren Identitäten, Bauten und Errungenschaften gerichtet. In den Kämpfen ging es stets ums Ganze, „the war was seen by the belligerents as a war to defend their culture; for some, it was a war to export culture” (S. 2). Diese Auffassung habe in Verbindung mit den zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten das Töten von Kombattanten und Zivilisten sowie die umfassenden Zerstörungen ermöglicht und angetrieben. Seine Thesen führt Kramer entlang der Entwürfe und Deutungen von Intellektuellen und Künstlern und der Gewalt- und Zerstörungspraxis an den Fronten sowie in den besetzten Gebieten aus. Eine umfassende Analyse der Nachkriegszeit rundet die Darstellung ab. Die faschistischen Regime machten sich Teile der Erinnerungskultur des Krieges zu Eigen, um damit ihre politischen Ziele zu verfolgen.[22] Indem Kramer die Kriegsgewalt in den Kontext der von den Zeitgenossen als unausweichlich empfundenen militärischen Zerstörungspraktiken einbettet, schaut er nicht nur auf die während des Krieges gewobenen Sinnstiftungen und ideologischen Rechtfertigungen des Tötens, sondern legt die zuweilen dahinter verborgen liegenden Rationalismen offen. Allein bliebe zu fragen, weshalb Kramer die von Annette Becker und anderen französischen Historikern vorgetragen, umstrittenen Thesen um die „cultures de guerre“ nicht diskutiert, obwohl auch er von „war cultures“ (S. 3) spricht.[23]

In Kramers Studie werden Regionen behandelt, die allzu lange von der Forschung unberücksichtigt geblieben waren. Jonathan Gumz‘ „The Resurrection and Collapse of Empire in Habsburg Serbia“ befasst sich mit dem Balkan als Kriegsschauplatz.[24] Der Titel sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier weniger um die Wiederaufrichtung verlorener habsburgischer Herrschaftsstrukturen, sondern vielmehr um die Besatzungspolitik der kaiserlichen und königlichen (k.u.k.) Armee in einem vormals unabhängigen Staat geht. Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage nach Charakter und Praxis der Besatzungsherrschaft in Serbien. Dabei kommt Gumz, berücksichtigt man die mit umfangreichem Bildmaterial vorgebrachten Thesen aus Anton Holzers „Das Lächeln der Henker“, zu überraschenden Ergebnissen.[25] Holzer vertritt die These, dass die militärische Gewalt gegen die Zivilbevölkerung „keinen ‚Ausrutscher’“, sondern vielmehr die „Kehrseite des offiziellen Krieges“ darstellte. Ließe sich der Argumentation auch im Sinne der Thesen Kramers so weit folgen, scheint es fraglich, dass es einen regelrechten „Krieg gegen die Zivilbevölkerung“ gab, dessen „systematische“ Gewaltpraktiken ein „zentraler Teil der militärischen Strategie“ waren (S. 12f.). Über die Mechanismen und die Bandbreite des militärischen Handelns auf diesen Kriegsschauplätzen ist noch zu wenig bekannt, um so zu urteilen. Folglich bleiben auch Holzers Angaben zu Fallzahlen, Opfergruppen und Motiven im Ungefähren. Eine Kontextualisierung der Kriegsgewalt – sowohl für den jeweiligen Kriegsschauplatz selbst, als auch im synchronen und diachronen Vergleich – wäre hier unbedingt anzustreben. Gleichwohl breitet der Band ein umfassendes, weiterführendes Material aus, das im Fach und in der interessierten Öffentlichkeit seine Wirkung nicht verfehlen wird. Die eindrücklichen Bilder hätten dies jedoch auch ohne die zuspitzende Rhetorik, die sich auch im Titel widerspiegelt, vermocht.

Gumz nun entwirft ein anderes Bild des Balkankrieges. Er ist der Auffassung, die k.u.k. Armee habe an einem Bild von Krieg und Staat festgehalten, das in seiner Antiquiertheit noch der Metternichschen Ordnung entsprochen habe. Aus der Distanz zum Nationalismus speiste sich die Vorstellung eines gerechten Besatzungsregimes, das mit gemäßigten Mitteln operierte. Diese Ausgangsthesen bedürfen zu ihrer Erhärtung weiterer Untersuchungen – haben doch Studien zur deutschen Militärgeschichte gezeigt, dass militärisches Denken auch an die Zivilgesellschaft gekoppelt ist und die bewaffnete Macht gegen soziale Entwicklungen keineswegs immun war.[26] In Gumz' Thesen findet der soziokulturelle Kontext allerdings kaum Platz. Ziel des Heeres sei es gewesen, nicht nur in Serbien, sondern im ganzen Habsburgerreich einen übernationalen „bureaucratic absolutism“ zu restituieren (S.1). Ungeachtet ihrer streitbaren Ausgangsthese kommt die Analyse zu weiterführenden Ergebnissen. Die Kämpfe von 1914/15 waren auch von Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung begleitet, da die Scheidelinie von Kombattanten und Nichtkombattanten verblasste. 1916 richtete das Habsburgerreich schließlich das Militärgouvernement Serbien ein. Nun war „Gerechtigkeit“ zentraler Markstein der Besatzungspolitik, der beständig mit der Sicherheit der eigenen Truppen abgewogen werden musste. An den Beispielen Justiz und Ernährung zeigt Gumz schließlich, dass die Besatzungsherrschaft in deeskalierende, geordnete Formen überging.

Fragen der militärischen Besatzung widmet sich auch Lisa Mayerhofer in „Making Friends and Foes“.[27] Die Besatzungstruppen in Rumänien arbeiteten eng mit den Eliten des Landes zusammen und konnten so rasch eine effektive Verwaltung aufbauen, indem sie in bestehende Strukturen einrückten. Die sich im Vergleich zu anderen Gebieten zeigenden Unterschiede in der Besatzungspraxis könnten ideologisch begründet sein, sich aber auch aus ganz pragmatischen Motiven wie etwa Personalknappheit und Ressourcenmangel speisen. Dabei ist signifikant, wie das Rumänienbild und die Besatzungspolitik zuweilen auseinander traten. Zeitgenössische Publikationen betonten, wie Militär und Verwaltung das vernachlässigte Land erst gewaltsam erschließen und urbar machen mussten. Vor Ort wurde dagegen eher zurückhaltend vorgegangen, um die landwirtschaftliche Produktion in Gang zu halten. Auch bei der Gewinnung von Arbeitskräften wurde nicht nur auf Drangsal, sondern ebenso auch auf Anreize gesetzt. Möglicherweise, so schließt Mayerhofer, hatte man aus den negativen Folgen der harschen Besatzungspolitik in anderen Ländern gelernt. Dennoch ging die Besatzungspolitik auch hier mit Internierungen und Zwangsmaßnahmen einher.

Wie sah es dagegen im Westen aus? Gerade Belgien scheint ein „Labor für den totalen Krieg“ gewesen zu sein, wie Bruno Benvindo und Benoît Majerus betonen.[28] Ebenso erweist es sich als historiographisches Labor, um die Grenze zwischen Heimat und Kampfgebiet aufzulösen und den wechselseitigen Einflüssen Rechnung zu tragen, wie die Autoren nachdrücklich einfordern. Auch Jens Thiels umfangreiche und quellengesättigte Studie „Menschenbassin Belgien“ verfolgt dieses Programm und untersucht die Beziehungen zwischen dem Reich und dem Besatzungsgebiet.[29] Der Autor konzentriert sich auf die Gewinnung von Arbeitskräften aus den besetzten Teilen Belgiens. Hier zeigt sich, dass der Erste Weltkrieg ein globaler ökonomischer Konflikt zwischen Industrienationen war. Auch die Ententemächte warben Arbeiter beispielsweise aus China an, die im Hinterland der britischen Frontlinie zuweilen gefährliche und strapaziöse Arbeiten verrichten mussten. Im Falle Belgiens kam freilich das Element der deutschen Besatzungsherrschaft hinzu. Thiel spürt der mit den Rekrutierungsmaßnahmen einhergehenden kontroversen Diskussion im Reich nach und bezieht auch die internationalen Reaktionen auf das deutsche Vorgehen mit ein. Zugleich untersucht er die Arbeitsbedingungen der belgischen Staatsangehörigen in der deutschen Kriegswirtschaft. Ein Paradigmenwechsel der Besatzungsherrschaft beendete im Spätjahr 1916 die zunächst bestehende Anwerbungspraxis. Zwangsarbeit trat an ihre Stelle. Die ergriffenen Maßnahmen scheiterten jedoch nicht zuletzt wegen der überwiegend schlechten Lebensbedingungen der Arbeiter, wobei der Eindruck der internationalen Proteste ebenfalls eine Rolle spielte. Bis Kriegsende verfolgte man anschließend eine Anwerbungsstrategie. Diese im Ersten Weltkrieg ergriffenen Maßnahmen ordnet Thiel auch in die Ereignisse nach 1939 ein, wobei er hinsichtlich der Arbeitskräftepolitik „deutliche strukturelle Gemeinsamkeiten“ ausmacht und eine „indirekte Vorbildwirkung“ erkennt (S. 321).

Das System der Kriegsgefangenenlager ist mittlerweile durch eine Reihe jüngerer Studien beleuchtet worden, wobei wir über allgemeine Wirkungen und Nachwirkungen des Phänomens der Kriegsgefangenschaft etwa im Zusammenhang mit Gewaltpraktiken noch zu wenig wissen.[30] In diesem Zusammenhang gerät zunehmend auch die Internierung von Zivilisten in den Blick der Forschung. Der moderne, ideologisch aufgeladene Krieg der Nationalstaaten machte es notwendig, „feindliche“ Bürger im Kriegsfall zu sistieren. Auch hier zeigt sich, dass die Trennlinie zwischen Kombattanten und Zivilisten im Ersten Weltkrieg verblasste. Matthew Stibbe hat in diesem Zusammenhang den „British civilian internees in Germany“ im Internierungslager Ruhleben bei Berlin eine detailreiche Studie gewidmet, bei der das internationale Moment eine entscheidende Rolle spielt.[31] Die Situation der Zivilinternierten wurde im Reich selbst und in ihren Herkunftsländern besonders beobachtet. Deshalb waren die Lebensbedingungen in Ruhleben besser als in anderen Lagern. Stibbe arbeitet die Lagerkultur Ruhlebens eindrücklich heraus und zeichnet Vergesellschaftung und Identitätsbildung auf einer Mikroebene nach. Er zeigt, dass Entscheidungen zur Internierungspraxis auch unter Verweis auf Maßnahmen der Gegenseite legitimiert wurden. Als Vergeltungsmaßnahme ließ sich auch der Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen rechtfertigen. Inwieweit sich die Erfahrungswelten und Lebensbedingungen der Internierten und Gefangenen durch diesen Topos veränderten, bleibt zu klären.

Die vorgestellten Arbeiten zu den unterschiedlichen Formen der Kriegsgewalt werfen grundsätzlich die Frage nach Motiven für die Brutalität, die Unterdrückung und das Töten im Krieg auf. Welches Gewicht ist dabei dem soziokulturellen Kontext zuzuschreiben? Möglicherweise wirkten auch die materiellen Zwänge im industrialisierten Krieg dahingehend, das staatlich-militärische Gewalthandeln auszudehnen. Dabei wäre auch an die Lage der Mittelmächte zu denken, deren Ressourcen durch ihre geopolitische Situation grundsätzlich angespannt waren. Es ließe sich fragen, ob sie sich während des Ersten Weltkrieges bei der Beschaffung von Arbeitskräften oder der Produktion landwirtschaftlicher Güter zu einer Politik mit ausgeprägten Brutalisierungstendenzen gezwungen sahen und ob sich solche Handlungsstrukturen auch bei anderen Mächten nachweisen lassen.

4. Kriegsführung, Kriegserfahrung und Kriegsende 1918
Die sich weiter ausdifferenzierende Forschung konzentriert sich auch auf vordergründig abseitige Themenfelder, aus denen sich jedoch wichtige Erkenntnisse gewinnen lassen. Peter Taubers Studie „Vom Schützengraben auf den grünen Rasen“ widmet sich der Entfaltung des Sports im Reich und an der Front.[32] Auf Kosten des „deutschen“ Turnens verbreitete sich der Sport während des Krieges an den Fronten und im Hinterland. Dazu trugen sein Spielcharakter und nicht zuletzt die Anschlussfähigkeit an die militärische Ausbildung entscheidend bei. Soldaten organisierten den Sportbetrieb zunächst selbst und verschafften sich damit Ablenkung vom Kriegsgeschehen. Erst seit 1916/17 unterstützte die bewaffnete Macht diese Entwicklung mit Nachdruck. Sie hatte den militärischen und erzieherischen Wert des Sports erkannt, wodurch er an Bedeutung gewann. Weiterführende Studien, die auch Quellen wie Dienstvorschriften, Militärakten und Selbstzeugnisse berücksichtigen müssten, könnten den Sport im Sinnhorizont von militärischen Institutionen oder Frontsoldaten verorten. Dabei wären auch körpergeschichtliche Ansätze zu berücksichtigen.

Der von Rainer Pöppinghege herausgegebene Sammelband „Tiere im Krieg“ beleuchtet die wichtige Rolle der Nutztiere im Ersten Weltkrieg.[33] Die Beiträge zeigen, dass sich Tiere in diesem Krieg des Ungleichzeitigen in einer Zwischenstellung befanden. Einerseits waren sie (tatsächlich) Träger technischer Innovationen wie Fotoapparate oder Waffen, andererseits klassisches Kriegsmittel, das die Kluft zwischen Neuheit und Unzulänglichkeit von Technologien überbrücken musste. So konnten die Armeen trotz moderner Kommunikationswege wie Telefon und Funk auf Brieftauben nicht verzichten. Auf Pferden wiederum beruhte die Mobilität der europäischen Armeen, was sich in den folgenden Jahrzehnten nicht grundlegend änderte. Deshalb galt der Aufrechterhaltung ihrer Leistungsfähigkeit im strapaziösen Dienstbetrieb höchste Aufmerksamkeit. Der gelungene Band zeigt, dass in der Militärgeschichte hinsichtlich der Tiere viele Fragen unbeantwortet geblieben sind. In einem weiteren Schritt wären auch die als Quälgeister und gefährliche Schmarotzer wahrgenommenen Tiere wie Ratten oder Läuse zu berücksichtigen, die als Überträger von Krankheiten bekämpft wurden.

Nicolas Wolz lotet in „Das lange Warten“ die Erfahrungslagen deutscher und britischer Marineoffiziere aus.[34] Sie waren von der Erwartung eines Seekrieges geprägt, der schließlich doch kaum stattfand. Der Autor legt die Bedeutung von Marine und Offizierkorps in der Vorkriegszeit kenntnisreich dar und kontrastiert dies mit der gleichsam verzögerten Kriegssituation seit 1914, die zu neuen Deutungen herausforderte. Da es nur selten zu Gefechten kam, gerieten beide Marinen unter Rechtfertigungsdruck. Die Erfahrungen der Offiziere waren durch eine Verschränkung der Erfahrungsräume „Heimat“ und „Front“ mit einem signifikanten Übergewicht auf ersteren geprägt. Klar strukturiert zeichnet Wolz Kriegsalltag und -deutungen nach. So entsteht eine marinegeschichtliche Arbeit auf aktuellem Stand, die zeigt, dass sich auf diesem kaum bestellten Feld weiterführende Erkenntnise gewinnen lassen.

Ein natürlicher Schwerpunkt militärgeschichtlicher Studien ist das Frontgebiet. Das Töten und Kämpfen, die Taktiken, militärische Planungen sowie die Schlacht als Kulminationspunkt des Krieges fanden in der neueren Forschung lange nur wenig Beachtung. Publikationen, die sich der neuen Militärgeschichtsschreibung verpflichtet fühlten, wichen solchen Fragen häufig aus und thematisierten militärisches Handeln im erweiterten Kontext. Mittlerweile ist der Kampfeinsatz der Militärangehörigen Thema einiger Untersuchungen geworden. Wencke Meteling nimmt in „Ehre, Einheit, Ordnung“ neben dem Krieg 1870/71 auch den Ersten Weltkrieg am Beispiel von Regimentern aus dem Deutschen Reich und Frankreich in den Blick.[35] Zu den Vorzügen dieser Studie zählt, dass sie sowohl die Kämpfe an der Westfront als auch Formen der militärischen Organisation und Tradition einbezieht. Meteling berücksichtigt insbesondere das Offizierskorps, integriert aber auch die Perspektive der Frontsoldaten. Ihre wichtigste Quelle sind Regimentsgeschichten, die nach den Kämpfen entstanden und eine dritte temporale Ebene in die Untersuchung einziehen: Es geht nicht allein um die Kriege 1870/71 und 1914-1918, sondern auch um die späteren Deutungen. Die Untersuchung zeigt den Wert dieser Quellengattung, die vor allem hinsichtlich der Verluste, Truppenstärke, Ausrüstung sowie Einsatzrhythmen reichhaltige Angaben enthält. Doch ist bei der Semantik und den Themen der Darstellungen Vorsicht geboten, denn sie bergen Interpretationen der Nachkriegszeiten, die von den Kriegsereignissen selbst analytisch zu trennen sind. Die deutschen und französischen Regimentsgeschichten ähnelten sich in manchem, beispielsweise in den Narrativen zum Kriegsausbruch. Gleichwohl bilden Sieg und Niederlage die zentrale „Scheidelinie“ zwischen den Texten (S. 212). Beide Heere waren nach den verheerenden Kämpfen von 1914 von einem empfindlichen Offiziersmangel geprägt, der eine Beschleunigung der Ausbildung erforderlich machte. Zugleich veränderte der moderne Materialkrieg das Bild des Offiziers: Nicht distinguiertes Heroentum, sondern professionelle Führer waren gefordert. Auch in taktischer Hinsicht zwang der Krieg zum gründlichen Umlernen. Der Offensivfetischismus des französischen Heeres wich auf Grund der Verluste bald einem vorsichtigeren Vorgehen. Die Kriegsgegner kopierten auch die erfolgreichen Taktiken des „Feindes“. Es gab – zumindest auf taktischer Ebene – bei den Heeren des Ersten Weltkrieges einen ausgeprägten Entwicklungsprozess, wie auch Holger Afflerbach und Gary Sheffield betonen.[36]

Dieses Lernen des deutschen Militärs ist auch Thema von Ralf Raths’ Untersuchung „Vom Massensturm zur Stoßtrupptaktik“.[37] Er zeichnet es an Hand von Dienstvorschriften nach und zeigt, dass die Kampfformen des Ersten Weltkrieges bereits in den Reglements der Friedenszeit geschult worden waren. In taktischer Hinsicht überwogen Kontinuitäten gegenüber Neuerungen, die Taktiken wurden den Anforderungen allerdings laufend angepasst. Die Studie kann aufgrund ihres Zuschnitts – es handelt sich um eine publizierte Magisterarbeit – die Umsetzung der normativen Vorgaben an der Front nicht überprüfen. Anders bei Christian Stachelbeck, der mit seiner Dissertation über „Militärische Effektivität im Ersten Weltkrieg“ eine Biographie der 11. Bayerischen Infanteriedivision vorgelegt hat.[38] Auch er greift auf Vorschriften zurück, ergänzt sie aber durch Selbstzeugnisse und zahlreiche Truppenakten. Auf dieser Grundlage zeichnet er die Umbrüche nach, der Personal, Truppenführung und Taktiken unterworfen waren. Stachelbeck ermittelt die „Leistungsfähigkeit“ der Division, indem er nach taktischen Entwicklungen, dem „Faktor Mensch“ sowie nach „Material“ und „Führung“ fragt (S. 8f.). Damit zielt der Autor auf die klassischen Kernbereiche der Militärgeschichte. Im ersten Teil widmet er sich den Anforderungen und taktischen Neuerungen auf dem Gefechtsfeld am Beispiel ausgewählter Kämpfe an Ost- und Westfront. Die 11. Division ist „Spiegelbild eines dynamisches Anpassungs- und Lernprozesses“ im deutschen Heer (S. 92), der von ständigen Spannungen zwischen hergebrachten Kampfformen und Neuerungen geprägt war. Eine solche Konstellation führte zu Kompromissen und zur Koexistenz unterschiedlicher taktischer Systeme. Der zweite Teil der Arbeit fragt nach der Kampfmotivation der Soldaten. Die Divisionsführung versuchte vor allem, durch eine Vermischung erfahrener und unerfahrener Soldaten die Kohäsion der Einheiten aufrecht zu erhalten. Dadurch blieb, so der Autor, der „Wille zu Kampf und Durchhalten“ bis 1918 bestehen (S. 345), obwohl die pausenlosen Kämpfe und die schwierige Ersatzlage die Division aushöhlten. Leider ist zu konstatieren, dass seine Darstellung nicht der angekündigten „innovativen und integrativen Operationsgeschichte“ (S. 10) entspricht. Sie verbleibt im konventionellen Rahmen, bevorzugt die Perspektive der führenden Offiziere und lässt kulturgeschichtliche Ansätze weitgehend unberücksichtigt. Gleichwohl liegen ihre Stärken im Detail- und Materialreichtum sowie in der konzisen Analyse der Führungs- und Personalstruktur der 11. Division. Damit liegt ein wichtiger Beitrag zur Sozialgeschichte der Frontverbände und der Entwicklung von Taktik und Führungsgrundsätzen vor.

Nach Kohäsion und Kampfmotivation fragt auch Michael Roper. Er hat mit „The Secret Battle“ einen Erklärungsversuch vorgelegt, der ausgehend von der psychoanalytischen Methode auf emotionale Bindungen der britischen Frontsoldaten an die Familien, vornehmlich die Mütter, in der Heimat rekurriert.[39] Diese sozialen Beziehungen waren, so Roper, von herausragender Bedeutung, um die psychischen Belastungen des Krieges zu ertragen. Ebenso bezieht er den Kriegstod und seine Folgen für die Hinterbliebenen in seine Betrachtung mit ein. Das Phänomen der Kameradschaft nimmt der Autor sowohl unter der Prämisse sozialer Bindungen als auch der gegenseitigen Fürsorge der Soldaten im Kriegsalltag in den Blick. Dabei betont Roper zu Recht die große Bedeutung heimatlich-ziviler Praktiken für die Soldaten, welche durch vertrautes Handeln Fluchten aus dem Kriegsgeschehen ermöglichten.

Ähnliche Fragen bilden den Kern von Alexander Watsons Studie „Enduring the Great War“.[40] Das grundsätzliche Verdienst dieser Untersuchung liegt darin, dass sie die vielfältigen Ansätze zum „Aushalten“ der britischen und deutschen Soldaten an der Westfront bündelt und weiterführt. Dabei ist Watsons souveräner Umgang mit dem schriftlichen Quellenmaterial hervorzuheben (demgegenüber sind die aus dem Bildmaterial gezogen Schlüsse zu weitreichend und damit zu relativieren). Im ersten Teil des Buches diskutiert er die Motivation der Soldaten während der Kriegsjahre. Watson misst, wie Meteling, der Identifikation mit der Einheit besondere Bedeutung zu. Dieses Zugehörigkeitsgefühl kann als bislang unterschätzter Aspekt soldatischen Lebens im Krieg betrachtet werden. Als wichtigstes Motiv des Durchhaltens arbeitet Watson den Schutz des eigenen Heimatlandes heraus – eine Sichtweise, welche die Propaganda aufnahm und noch verstärkte.[41] „Positive illusions“ und „unrealistic optimism“ waren ebenso wie Träumereien und Humor psychische Mechanismen, die halfen, den Grabenkrieg auf beiden Seiten zu ertragen. Nach Watsons Urteil hatte der viel zitierte „Offiziershass“ lediglich einen geringen Einfluss auf die sozialen Beziehungen an der Front. Dieser wichtige Befund, den Meteling teilt und für den deutschen und französischen Fall belegt, erwächst aus einer differenzierten Betrachtung des Offzierskorps. Es wird nicht als monolithischer Block aufgefasst, sondern vielmehr gemäß Rang, Aufgabengebiet und Einsatzort oder Ausbildung und natürlich Sozialisation unterschieden. In der britischen Armee scheinen die Beziehungen zwischen Offizieren und Mannschaften besser gewesen zu sein als in den deutschen Verbänden. Besonderes Augenmerk legt Watson auf die materielle Überlegenheit der britischen Truppen, die ihnen mit Ausnahme kurzer Phasen enormer Anstrengungen und Opfer eine grundsätzliche Siegesgewissheit vermittelte. Anders war die Lage der Deutschen, deren Ermüdungsprozess ihre Kampfmotivation kontinuierlich erodieren ließ.

Im Hinblick auf die deutsche Niederlage im Westen entwickelt Watson einen neuen Erklärungsansatz: Die Frontoffiziere hätten ihre Verbände im Zuge einer „ordered surrender“ in die Gefangenschaft geführt. Seine Argumentation kann er mit eindrücklichen Beispielen und Gefangenenzahlen belegen. Mit diesem Befund dürfte eine neue Runde in der Debatte um das deutsche Heer im Spätjahr 1918 eröffnet sein. In der deutschen Historiografie ist nach wie vor die Position Wilhelm Deists bestimmend, der in einer markanten Formulierung von einem „verdeckten Militärstreik“ gesprochen hatte.[42] Im Kern geht es um die Frage, welche Auswirkungen die fatale Lage 1918 auf die deutschen Verbände an der Westfront und damit konkret auf die Soldaten hatte. Lösten sich die Verbände in diesem Zuge durch Verweigerungshandlungen und Desertion auf? Welche Rolle spielten politische Forderungen oder Propaganda? Weitgehende Einigkeit besteht darin, dass Plünderungen von Depots oder andere Verweigerungshandlungen zumeist nicht aus politischen Motiven, sondern aus situativen Momenten, zur „Lebenssicherung“ und Versorgung unternommen wurden.[43] Der Wunsch nach einem raschen Ende des Krieges schränkte die Wirksamkeit politischer Agitation möglicherweise ein.[44] Zugleich äußerten sich die Frontsoldaten vermehrt seit 1916 missbilligend über den Krieg und die politische Situation in der Heimat. Deshalb ist davon auszugehen, dass sich die Soldaten über die Kriegsdauer auch politische Forderungen zu Eigen gemacht hatten. Große Uneinigkeit besteht hinsichtlich der von Deist angenommenen Zahlen von 750.000 bis zu einer Million Soldaten, die sich in den letzten Wochen „dem Risiko der Front verweigerten“.[45] Watson hält diese Zahlen für zu hoch gegriffen und korrigiert sie zu Gunsten seiner These einer geordneten Gefangennahme nach unten, eine Sichtweise, die andere Autoren unterstützen.[46] Die seit August 1918 enorm angestiegenen Kapitulationen an der Front konnten – so Watson – nur durch die Frontoffiziere selbst organisiert worden sein. Dies scheint schlüssig, hatten sich doch in mehreren Fällen Gruppen deutscher Soldaten von wenigen Gegnern in die Gefangenschaft führen lassen. Watsons Analyse ist plausibel und anregend, greift jedoch als universales Argument für das Kriegsende zu kurz, da sie jene soldatischen Geisteshaltungen, die für eine rasche Beendigung des Krieges oder ein Weiterkämpfen optieren ließen, vernachlässigt.

Die Prämisse von Scott Stephensons Untersuchung „The Final Battle“ ist, dass die Frontsoldaten eine besondere, von den anderen Militärangehörigen geschiedene und abweichende Gruppierung innerhalb des deutschen Heeres darstellten.[47] Grundsätzlich ist diese Einschätzung zustimmungsfähig, vernachlässigt jedoch die Wechselwirkungen und Austauschprozesse zwischen den in unterschiedlichen Gebieten dislozierten Teilen der bewaffneten Macht. Stephenson liefert zahlreiche Hinweise auf den Ablauf des Rückzuges 1918 und die Reaktion der heimkehrenden Verbände auf die politischen Verhältnisse im Reich. Er zeigt, dass viele der gegen Aufständische im Reich eingesetzten Truppen zunächst nicht in der Lage waren, ihre Waffen einzusetzen. Während die deutsche militärische Führung bemüht war, einen geordneten Rückzug zu organisieren, zeigte sich der Eigensinn zahlreicher Frontverbände. Diese unterwarfen sich auf dem Rückmarsch zunächst den Befehlshabern (was den Eindruck der Verlässlichkeit hervorrief und Hoffnungen weckte, sie gegen „spartakistische Bestrebungen“ einsetzen zu können), um dann in der Nähe der Heimatorte umgehend eine Selbstdemobilisierung vorzunehmen (was diese Hoffnungen wieder begrub). Stephenson neigt vor allem im ersten Teil seiner Studie, welche die letzten Wochen des Krieges umfasst, dazu, die Wirksamkeit seiner Grundbegriffe „Isolation“ und „Alienation“ zu überschätzen. Das Bild von geradezu hermetisch abgeschnitten fechtenden Fronttruppen ist nicht überzeugend. So reproduziert er nicht zuletzt wegen seiner Quellenauswahl auch die Narrative der unmittelbaren Nachkriegszeit, so dass dieser Abschnitt auch auf Grund kategorischer Befunde fehlerhaft ist. Gleichwohl zeigt Stephenson vornehmlich im letzten Teil seiner Studie erhellende Wechselwirkungen zwischen dem Verhalten der Fronttruppen und den Beschlüssen der politischen und militärischen Entscheidungsträger angesichts der revolutionären Ereignisse im November und Dezember 1918 auf.
Die Komplexität der Situation des Spätjahres 1918 lässt monokausale Erklärungen, die einseitig auf das Handeln einer Gruppe, auf Erschöpfung, Lebenssicherung, Friedenssehnsucht oder Revolutionierung/Politisierung abheben, nicht zu. Die Klärung des Sachverhalts wird zudem durch die Quellenlage erschwert, die von Aktenverlusten auf dem Rückzug sowie der politisch aufgeheizten Atmosphäre des Spätjahres 1918 bestimmt wird. Wiederum zeigt sich, dass der Wissensstand über die Ereignisse 1918 in vielerlei Hinsicht als unbefriedigend zu bezeichnen ist. Auch aufgrund einer unsicheren Quellenbasis werden völlig unterschiedliche Schlüsse gezogen. Es steht mithin zu vermuten, dass eine gewisse Uneinigkeit bestehen bleiben wird, was auf weitere Studien und anregende Argumente hoffen lässt.

5. Heimat und Zivilgesellschaft im Ersten Weltkrieg
Roger Chickering hat mit „Freiburg im Ersten Weltkrieg“ ein ambitioniertes Forschungsprojekt zum Abschluss gebracht.[48] Auf den ersten Blick fügt es sich in eine Reihe von Studien, die Berlin, London, Paris und Wien, aber auch kleinere Städte im Ersten Weltkrieg untersucht haben. Mit einem totalgeschichtlichen Ansatz schlägt Chickering jedoch einen neuen Weg ein: Er will die „Auswirkungen“ des Krieges „auf jede Phase des Lebens“ nachzeichnen (S. 10). Alles ist bedeutsam, so die These. Der Krieg imprägnierte den Alltag jedes Freiburgers und wirkte sich bis auf die Umwelt aus. Diese Prämisse zieht – verständliche – räumliche und zeitliche Einschränkungen nach sich und verlangt nach einer geeigneten Darstellungsweise. Chickering diskutiert diese Problemlagen und entscheidet sich dafür, den Krieg selbst als Akteur und zentrale Idee zuzulassen, von dem aus er seinen Gegenstand betrachten will. So verstanden kann es nur auf den ersten Blick verwundern, wenn der Krieg auch die Goldammern betraf. Wegen der Nahrungsmittelknappheit holzte man Hecken und Büsche ab, um Anbauflächen zu gewinnen, wodurch diese Vogelart verdrängt wurde. Der Mensch ist Teil des Ökosystems. Sobald sich hier eine Variable verändert, wirkt sich dies auf das gesamte System aus. Bei Chickering ist diese entscheidende Variable der Krieg. So entwickelt sich im Werk ein Zusammenspiel von äußerer und innerer Form: In die historiographische Erzählung, die vom Primat des Krieges ausgeht, sind die historischen Ereignisse eingebettet, die wiederum von eigenen, zeitgenössischen Narrativen – „Opfer“ und „Durchhalten“ – geprägt waren.

Der Autor vermag die Folgen des Krieges in bislang unerreichter Breite und mit einer erschöpfenden Quellenkenntnis nachzuzeichnen. Zumindest mental war Freiburg Frontstadt, was die Luftangriffe blutig unterstrichen. Ökonomische Umwälzungen warfen die Lohnverhältnisse um und förderten eine Reglementierung und Bürokratisierung, die sich auch auf Güter des täglichen Bedarfs ausbreitete, als der Mangel spürbar wurde. Die entscheidende Verschlechterung der Ökonomien des Alltags verlegt Chickering im Einklang mit der Forschung auf den Winter 1916/17. Der Krieg drang auch in das Private vor und veränderte beispielsweise sinnliche Wahrnehmungen. Ernährungs- und Kleidungsgewohnheiten wandelten sich. Verwundete und Versehrte prägten das Stadtbild, Krankheiten und Sterberaten nahmen zu. Der Tod wurde in Begräbnissen und Todesanzeigen öffentlich und politisch. Erzählungen von der Gemeinschaft aller Deutschen waren das zentrale Narrativ der Kriegsgesellschaft, das durch die Propaganda vom „Augusterlebnis“ ständig sanktioniert wurde.[49] Sie zerbrach jedoch an den unterschiedlichen Erfahrungen, welche die Angehörigen der städtischen Milieus im Kriegsalltag sammelten. Manche ihrer Mitbürger waren von den Kriegslasten offensichtlich weniger betroffen. Der nationale Konsens hielt diese sozialen Spannungen über die Kriegsdauer nicht aus und erodierte, was auch durch die Mobilisierung nationaler Symboliken nicht aufgehalten werden konnte. Auch innerhalb der sozialen Schichten, Milieus oder Geschlechterverhältnisse kam es zu erheblichen Verschiebungen, womit die Konflikte vielschichtiger wurden. Die dadurch hervorgerufene „Zersplitterung kollektiver Loyalitäten“ (S. 493) und die folgende Verschärfung politischer Auseinandersetzungen traten auf lokaler Ebene in brennglasartiger Vergrößerung hervor und markierten eine Phase, in der die Fähigkeit zum „Durchhalten“ an ihr Ende gekommen war. Zu den Vorzügen des Buches gehört es, dass Geographie und Raum, anders als beispielsweise in Hans-Ulrich Wehlers Gesellschaftsgeschichte, angemessen und weiterführend berücksichtigt werden. Nicht nur hier zeigt sich, dass die Verknüpfung von „Textualität und Materialität“ (S. 16) erkenntnisfördernd sein kann. Zahlreiche Bilder, Statistiken und Karten untermauern und veranschaulichen die Darstellung, mit der Chickering ein großes Werk vorgelegt hat, das in eleganter Weise auch auf erzählerische Mittel setzt.

Adrian Gregory zielt mit „The Last Great War“ darauf, eine mit weiterführenden Interpretationen angereicherte Gesamtdarstellung der britischen Gesellschaft im Kriegsverlauf zu liefern und bezieht dazu auch die Nachkriegszeit mit ein.[50] Er weist die mittlerweile relativierte These der verbreiteten Kriegsbegeisterung im Jahr 1914 zurück und analysiert die Berichterstattung über die deutschen Kriegsgräuel. Die Propaganda habe keineswegs die Massen verführt, vielmehr hätten „real events“ bis 1915 das Bild eines dämonischen Deutschlands unterstützt (S. 40). Die antideutschen Kampagnen der Daily Mail aus der Vorkriegszeit hätten zudem viele Briten ein brutales Vorgehen des Reiches erwarten lassen. Im Zusammenhang mit den Kriegslasten war eine „economy of sacrifice“ entstanden, die eine ausgeglichene Opferbilanz aller Schichten postulierte (S. 113). Die Gesellschaftsstruktur spiegelte jedoch nicht die Heeresstruktur wider, so dass die Angestellten einen hohen Blutzoll entrichteten, während Landwirten der Ruf der Drückebergerei anhaftete. Die Löhne der Arbeiterschaft wurden in der ersten Kriegshälfte niedrig gehalten, so dass sie mit der Preissteigerung kaum mithalten konnten. Proteste waren die Folge, welche die Regierung durch Zugeständnisse drosseln konnte. Gleichwohl radikalisierten sich Teile der Mittelschicht, welche erheblich unter Druck geraten war und fortan germanophoben und antisemitischen Argumenten und Aktionen Raum gab. Diese Sozialgeschichte des Kriegsopfers kombiniert Gregory mit einer kulturgeschichtlichen Analyse der öffentlichen Opfersemantik, die den Kriegseinsatz aller Bevölkerungsteile sanktionierte. Der christliche Opferdiskurs konnte öffentlich Geltung beanspruchen – was an die 2007 erregt geführte Debatte um das „Wahrheitspotential“ erinnert, das Jürgen Habermas religiösen Positionen im Diskurs zugestehen wollte. Letztlich half der Sieg, die Opfer zu legitimieren und trug zur Befriedung der Konflikte bei. Indem die Opfersemantik bei Erinnerungsfeiern beibehalten wurde, sollten soziale Gegensätze verborgen und eine „‚fictive community’ in loss“ konstruiert werden (S. 257). Gregory zeichnet ein differenziertes Bild des Krieges: Gerade die Arbeiter hätten die Belastungen der Kriegsjahre durch ihre Gewöhnung an karge Lebensverhältnisse ertragen können. Diese diskussionswürdige These lässt nach weiteren Forschungen fragen, welche die Situation einzelner Milieus vor 1914, während des Krieges und in der Nachkriegszeit beleuchten. Weite Teile der Darstellung widmen sich dem Heer aus einer zivilgesellschaftlichen Perspektive und thematisieren die soziale Mobilisierung für den Krieg. Dieser Ansatz bedeutet, dass eine Geschichte der Öffentlichkeit entsteht, der die von Chickering herausgearbeiteten individuellen oder häuslich-privaten Erfahrungswelten verschlossen bleiben.

Die in beiden Werken hervortretende Bedeutung von Kriegsnachrichten zeigt, dass das Wissen um Kommunikationsprozesse zum Verständnis von Gesellschaft und Öffentlichkeit im Krieg beiträgt. Florian Altenhöner spürt dem in „Kommunikation und Kontrolle“ entlang der deutschen und britischen Öffentlichkeit nach, wobei er sich auf die Jahre 1914 und 1918 konzentriert.[51] Der Autor vergleicht die staatlichen Zensur- und Beaufsichtigungspraktiken, wobei er zu dem Ergebnis kommt, dass die Presse auf der Insel mehr Freiheiten hatte. Anschließend widmet er sich der Rolle von Gerüchten, denen er zwischen den Akteuren Staat, Rezipienten und Medien nachgeht. Gerüchte konnten den Ereignissen Sinn verleihen und füllten das Nachrichtendefizit. Die Glaubhaftigkeit der Presse schwand letztlich. Das verband sich – im Reich mehr als auf der Insel – mit einem Vertrauensverlust in den Staat und der Bedrohung der Legitimität von Regierenden und Regierungssystem. Auch hier zeigen sich gesellschaftliche Integration, Liberalismus, Legitimation sowie Sieg und Niederlage als entscheidende Dimensionen, die Erfolg oder Misserfolg der ergriffenen Maßnahmen beeinflussten und auch auf die Nachkriegszeit wirkten.

6. Das Einzelne und das Ganze: Überblicksdarstellungen, Perspektiven und Desiderate
Die Exkursionen in die einzelnen Forschungsfelder erlauben es, nun nach Clausewitzschem Muster vom „Einfachen zum Zusammengesetzten“ vorzudringen und eine Zusammenschau zu entwerfen. Dass der noch bis vor wenigen Jahren anhaltende Strom von Überblicksdarstellungen weitgehend versiegt ist, mag an der Zurückhaltung liegen, die sich Autoren und Verlage angesichts des Aufmerksamkeitsversprechens der kommenden Erinnerungsjahre auferlegt haben. Gleichwohl sind einige Publikationen erschienen, die sich eine Bündelung von Ergebnissen und Themen vorgenommen haben. Sönke Neitzel legt mit „Weltkrieg und Revolution“ eine gelungene und äußerst knappe Einführung auf dem Stand der Forschung vor.[52] Äußere Vorgaben machten eine Konzentration auf die politische Geschichte des Krieges nötig, in der die Revolution – der Tendenz zur Auflösung der Zäsurcharakters des Jahres 1918 folgend – ebenfalls berücksichtigt wird. Dahinter treten sozial- und kulturgeschichtliche Themen zurück. Wolfdieter Bihl bietet mit „Der Erste Weltkrieg“ ein Nachschlagewerk an, das in „komprimierter Weise“ die wesentlichen „Faktoren“ des Krieges aufbereiten möchte.[53] Der Autor konzentriert sich indes auf die Fronten und hier auf die Kriegsschauplätze Italien, Balkan und Russland. Der erhobene Anspruch, auch mentalitäts- und kulturgeschichtliche Entwicklungen zu berücksichtigen, wird nicht eingelöst. Die jüngere und ausdifferenzierte Forschung wird weitgehend ignoriert, was zu fehlerhaften und undifferenzierten Schlüssen etwa hinsichtlich des mittlerweile sehr gut erforschten Kriegsbildes vor 1914 führt. So ist die Publikation mehr Auflistung als Analyse und bleibt hinter dem aktuellen Stand zurück, bietet gleichwohl aber eine Daten- und Faktensammlung für Einsteiger. Der Sammelband „A Part of History“ beschränkt sich schließlich darauf, einige „Aspekte“ des Krieges hervorzuheben.[54] Die zumeist von ausgewiesenen Fachvertretern knapp vorgestellten Themen erstrecken sich vom militärischen Lernen über die Propaganda bis hin zur Kriegsliteratur. Mögliche Leitmotive werden durch Vielfalt und Widersprüche eher verdeckt als hervorgehoben. Eine konzeptionelle Einleitung und systematische Bündelungen fehlen. Der Band zeigt damit die Bandbreite von Ideen auf, die in der britischen Historiographie kursieren und bestätigt die These von der disparaten Forschungslandschaft.

Aus der Not dieses ernüchternden Bildes macht der von Jay Winter herausgegebene Band „The Legacy of the Great War“ eine Tugend.[55] Namhafte internationale Fachvertreter wurden eingeladen, thematische Schwerpunkte wie Kriegsausbruch, Kriegsführung, Fragen des Friedensschlusses oder des Durchhaltens miteinander zu diskutieren. In diesen abgedruckten Gesprächen, die vom Herausgeber einleitend in die Forschungsgeschichte eingebettet werden, treten die verschiedenen Positionen und Perspektiven auf eine willkommene andere Weise hervor. Den Trend, internationale Fachleute zu Wort kommen zu lassen, bestätigt die von Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz in Verbindung mit Markus Pöhlmann herausgegebene „Enzyklopädie Erster Weltkrieg“, die mittlerweile in einer erweiterten Auflage erschienen ist.[56] Sie erteilt den Experten das Wort, so die Herausgeber, um trotz der „Verschiedenheit und Ausdifferenzierung der Forschungsansätze“ die „Kommunikation“ der Weltkriegsforscher untereinander aufrecht zu erhalten (S. 9). In der Tat gelingt es in dem dreiteilig strukturierten Werk – die Darstellungen zu „Staaten“, „Gesellschaft“, „Kriegsverlauf“ und „Geschichtsschreibung“ wechseln mit dem Lexikonteil und einer Chronik ab – das vielstimmige Orchester der unterschiedlichen Themen und Ansätze zum Klingen zu bringen. Der Leser bekommt von den mehr als 140 Autoren gelehrte Essays und konzise Anmerkungen zu einer großen Bandbreite an Lemmata dargereicht, wobei die international vergleichende Perspektive in den Einzelbeiträgen unterschiedlich stark berücksichtigt wird. Hier zeigen sich die Schwierigkeiten der übernationalen Perspektive, die einzufordern wohlfeil und sinnvoll ist, jedoch praktisch enorme Herausforderungen mit sich bringt. In einem Anhang werden gegenüber der ersten Auflage noch einmal wichtige Stichworte nachgeliefert, die Lücken füllen und die Ergebnisse neuerer Studien aufbereiten. Vor allem seit dieser Erweiterung vermag die Auswahl der Lemmata mehr zu überzeugen. Staaten, Geographie, Persönlichkeiten und Operationen finden ebenso Berücksichtigung wie politische Ereignisse, Propaganda oder kulturgeschichtliche Probleme. Der mit Illustrationen und Karten versehene Band steigert die Aufmerksamkeit für internationale Problemlagen, Interdependenzen und Vergleiche, ohne indes diesen Ansatz selbst durchgehend einlösen zu können. Sein Vorzug liegt darin, dass er bei Unklarheiten und Fragen rasche Aufklärung verspricht, was ihn zweifellos zum Standardwerk macht. Die logische Konsequenz dieser Öffnung und Erweiterung der Forschung ist das von Oliver Janz geleitete Projekt einer „International Encyclopedia of the First World War“.[57] Es strebt an, vergleichende Beiträge internationaler Fachleute aus verschiedenen Disziplinen und Perspektiven zu sammeln. Diese Enzyklopädie soll räumlich deutlich breiter aufgestellt sein als ihr mitteleuropäischer Vorgänger. Eine Online-Veröffentlichung wird angestrebt, um Aktualisierungen und Ergänzungen vornehmen zu können und damit dem erwarteten Ideenreichtum und den Dynamiken zukünftiger Forschungen Rechnung zu tragen.

Diese knappe Zusammenschau zeigt Ansprüche, Spannungslagen und Hindernisse auf, die künftige Überblicksdarstellungen und Synthesen berücksichtigen müssten. Mit einiger Berechtigung lässt sich die Frage aufwerfen, inwiefern sich das disparate Forschungsfeld noch von einem Forscher überblicken und darlegen lässt. Hew Strachan, der bereits 2001 den ersten Band einer Trilogie zum Ersten Weltkrieg vorgelegt hat, erneuerte jedenfalls sein Syntheseversprechen.[58] Indes ist eine Geschichte des Krieges auf dem Stand der Forschung nur mit Auslassungen zu erkaufen und verlangt einen hohen Zeitaufwand. Man darf gespannt sein, wie die zu erwartenden großen Würfe auf diese mannigfaltigen Herausforderungen reagieren, welche Themen und Methoden sie übergehen oder in den Vordergrund rücken. Nachdem die Arbeitsfelder abgesteckt worden sind, sollen abschließend mögliche Perspektiven zukünftiger Forschungen zum Ersten Weltkrieg skizziert werden.

1. Ansätze: In den vorgestellten Untersuchungen zeigen sich Tendenzen, die Kluft zwischen der Kultur- und Sozialgeschichte, also Diskurs und Praxis, Repräsentationen und Materialität, Ereignissen und Strukturen zu überwinden. Konzentrieren sich diese Bestrebungen bislang auf das Heimatgebiet, wird zunehmend auch die Front auf diese Weise neu vermessen werden. Die weiterhin dominierende Erfahrungsgeschichte eignet sich dazu, beide Ansätze zu integrieren. Sie zeigt sich für unterschiedliche Schwerpunkte offen, etwa die Gewaltgeschichte, Gender- oder Friedensforschung. Die Historiographie ist überwiegend von einem Opferparadigma geprägt, das den Zeitgenossen eine passive Rolle zuweist. Ein Perspektivwechsel könnte Soldaten oder Zivilisten als Subjekte hervortreten lassen, die sich in der Kriegssituation verorten und versuchen, die Herausforderungen im Rahmen vielgestaltiger Möglichkeitsräume handelnd zu bewältigen. Die Gewaltgeschichte fände sich somit näher an die Soldaten herangerückt und könnte nach Tötungshandeln, dem Selbstverständnis der Täter und dem Umgang mit Gewalterfahrungen fragen. In der Mentalitäten- oder Körpergeschichte könnte sich so der Fokus von Leiden, Verstümmelungen oder Kriegsneurosen hin auf Immunisierungstechniken verschieben. Militärisches Training, Hygiene oder Krankheitsprophylaxe ließen sich so als vorbereitende Praktiken begreifen, zukünftige Zwangslagen oder Gefahren meistern zu können.

2. Zeit: Viele der angezeigten Studien beschränken sich nicht allein auf die Kriegsjahre 1914-1918/19, sondern betonen Entwicklungslinien und Kontinuitäten im „Zeitalter der Weltkriege“, so die Bezeichnung des Militärgeschichtlichen Forschungsamts. Es wird nicht allein ereignisgeschichtlich vermessen, sondern unter Berücksichtigung von Strukturen und Mentalitäten untersucht. Insbesondere werden die öffentlich verhandelten Deutungen oder die sozialen Verwerfungen der Kriegsjahre in ihren Auswirkungen auf die Friedensjahre präziser zu eruieren sein. Die Erinnerungskultur setzte beispielsweise nicht erst in den trüben Novembertagen 1918 ein, sondern fand bereits zuvor Ausdruck in Denkmalssetzungen in der Heimat und im Kampfgebiet. Das Formenarsenal von Monumenten und Trauerreden präformierte die Sinnstiftungen nach Kriegsende. Auch die erfahrenen Zeitstrukturen selbst veränderten sich. Die Umbrüche des Ersten Weltkrieges haben dem modernen Erfahrungswandel möglicherweise noch beschleunigt, was eine Transformation der Zukunftserwartungen einläutete.

3. Raum: Es steht zu erwarten, dass neben der Westfront die anderen Kriegsschauplätze vermehrt berücksichtigt werden. Für die Alpen, den Balkan oder die Ostfront liegen mittlerweile neuere Studien vor, doch auch der See- oder Luftkrieg sowie die globalgeschichtlichen Dimensionen des Ersten Weltkrieges (etwa hinsichtlich der Waren- oder Informationsströme) wären zukünftig zu bedenken. Die Auflösung der vorgeblichen Dichotomie von Front und Heimat lässt nach geteilten Erfahrungslagen fragen, die beispielsweise durch Kommunikation (Briefe, Lesestoffe, Reisen) gestiftet wurden. Physisch-geographische und mentale Räume wirkten sich auf die Erfahrungen der historischen Akteure aus. In den Räumen Front, Etappe, Hinterland oder Heimat unterschieden sich die Lebensbedingungen erheblich; dementsprechend wurden ihnen männliche oder weibliche Attribute sowie Emotionen zugeschrieben. Militärs und Nichtmilitärs der Kriegsgesellschaften waren in einem sozialen, funktional und hierarchisch ausdifferenzierten Raum organisiert, der Wahrnehmen, Deuten und Handeln determinierte. Daher sind die erkennbaren Ansätze einer milieu-, gruppen- und funktionsspezifischen Erfahrungsgeschichte weiterzuverfolgen. Das Verhältnis von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften kann unter Berücksichtigung der hier skizzierten Perspektiven ebenso neu vermessen werden wie das zwischen den Waffengattungen, regulären Formationen, Reserve- und Elitetruppen oder Landwehrsoldaten.

Anmerkungen:
[1] Vgl. dazu Jörg Echternkamp u.a. (Hrsg.), Perspektiven der Militärgeschichte. Raum, Gewalt und Repräsentation in historischer Forschung und Bildung, München 2010.
[2] Alan Kramer, The First World War and German Memory, in: Heather Jones u.a. (Hrsg.), Untold War. New Perspectives in First World War Studies, Leiden, Boston 2008, S. 385-415.
[3] Barbara Korte u.a. (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg in der populären Erinnerungskultur, Essen 2008.
[4] Carl von Clausewitz, Vom Kriege. Hinterlassenes Werk des Generals Carl von Clausewitz. Fünfte durchgesehene Auflage, Berlin 1905, S. 499.
[5] Christine Brocks, Die bunte Welt des Krieges. Bildpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg 1914-1918, Essen 2008; John F. Williams, Modernity, the Media and the Military. The Creation of National Mythologies on the Western Front 1914-1918, Abingdon 2009.
[6] Sonja Müller, Toys, Games and Juvenile Literature in Germany and Britain During the First World War. A Comparison, in: Jones u.a. (Hrsg.), Untold War, S. 233-257.
[7] Jane Potter, Boys in Khaki, Girls in Print. Women’s Literary Responses to the Great War 1914-1918, Oxford 2008.
[8] Marc Zirlewagen (Hrsg.), „Wir siegen oder fallen“. Deutsche Studenten im Ersten Weltkrieg, Köln 2008.
[9] Ralph Winkle, Der Dank des Vaterlandes. Eine Symbolgeschichte des Eisernen Kreuzes 1914 bis 1936, Essen 2007.
[10] Dagegen Thomas Mergel, Propaganda in der Kultur des Schauens. Visuelle Politik in der Weimarer Republik, in: Wolfgang Hardtwig (Hrsg.), Ordnungen in der Krise. Zur politischen Kulturgeschichte Deutschlands 1900-1933, München 2007, S. 531-559.
[11] Sabine Kienitz, Beschädigte Helden. Kriegsinvalidität und Körperbilder 1914-1923, Paderborn 2008.
[12] Peter Sloterdijk, Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik, Frankfurt am Main 2009, S. 74.
[13] Erving Goffman, Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität, Frankfurt am Main 1974.
[14] Lois S. Bibbings, Telling Tales About Men. Conceptions of Conscientious Objectors to Military Service During the First World War, Manchester, New York 2009.
[15] Ernst Jünger, Kriegstagebuch 1914-1918, Herausgegeben von Helmuth Kiesel, Stuttgart 2010.
[16] Gerhard Engel (Hrsg.), Rote in Feldgrau. Kriegs- und Feldpostbriefe junger linkssozialdemokratischer Soldaten des Ersten Weltkrieges, Berlin 2008.
[17] Peter Walther (Hrsg.), Endzeit Europa. Ein kollektives Tagebuch deutschsprachiger Schriftsteller, Künstler und Gelehrter im Ersten Weltkrieg, Göttingen 2008.
[18] Andreas Sauer (Hrsg.), Heilig soll der Grundsatz „Krieg dem Krieg“ sein! Die Erinnerungen Karl Rosners an seine Kriegserlebnisse im Jahr 1916, Erfurt 2008; Harry Graf Kessler, Das Tagebuch. Fünfter Band 1914-1916. Herausgegeben von Günter Riederer und Ulrich Ott, Stuttgart 2008.
[19] Martha Hanna, „Your Death Would Be Mine“. Paul and Marie Pireaud in the Great War, Cambridge/MA, London 2008.
[20] Heilwig Gudehus-Schomerus u.a. (Hrsg.), „Einmal muß doch das wirkliche Leben wieder kommen!“ Die Kriegsbriefe von Anna und Lorenz Treplin 1914-1918, Paderborn u.a. 2010.
[21] Alan Kramer, Dynamic of Destruction. Culture and Mass Killing in the First World War, Oxford 2007. Als Übersicht Sönke Neitzel / Daniel Hohrath (Hrsg.), Kriegsgreuel. Die Entgrenzung der Gewalt in kriegerischen Konflikten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, Paderborn u.a. 2008.
[22] Vgl. Gerd Krumeich (Hrsg.), Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg, Essen 2010.
[23] Dieses beispielsweise von Gerhard Hirschfeld / Gerd Krumeich: Wozu eine „Kulturgeschichte“ des Ersten Weltkriegs?, in: Arnd Bauerkämper / Elise Julien (Hrsg.), Durchhalten! Krieg und Gesellschaft im Vergleich 1914-1918, Göttingen 2010, S. 31-53 bekräftigte Konzept in einer fundierten Kritik bei Nicolas Offenstadt, Der Erste Weltkrieg im Spiegel der Gegenwart. Fragestellungen, Debatten, Forschungsansätze, in: ebd., S. 54-77. Weitere Hinweise bei John Horne / Len Smith, The Soldiers’ War. Coercion or Consent?, in: Jay Winter (Hrsg.), The Legacy of the Great War. Ninety Years On, Columbia/MO, London 2009, S. 91-122.
[24] Jonathan E. Gumz, The Resurrection and Collapse of Empire in Habsburg Serbia, 1914-1918, Cambridge 2009. Vgl. Jürgen Angelow, Der Erste Weltkrieg auf dem Balkan. Neue Fragestellungen und Erklärungen, in: Bauerkämper / Julien (Hrsg.), Durchhalten!, S. 178-194.
[25] Anton Holzer, Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918, Darmstadt 2008.
[26] Zu verweisen ist hier nur auf Wilhelm Deist, Militär, Staat und Gesellschaft. Studien zur preußisch-deutschen Militärgeschichte, München 1991.
[27] Lisa Mayerhofer, Making Friends and Foes: Occupiers and Occupied in First World War Romania, 1916-1918, in: Jones u.a. (Hrsg.), Untold War, S. 119-149. Zu diesem Thema liegt mittlerweile die Dissertation der Autorin vor: Zwischen Freund und Feind – Deutsche Besatzung in Rumänien 1916-1918, München 2010.
[28] Bruno Benvindo / Benoît Majerus, Belgien zwischen 1914 und 1918: ein Labor für den totalen Krieg, in: Bauerkämper / Julien (Hrsg.), Durchhalten!, S. 127-148.
[29] Jens Thiel, „Menschenbassin Belgien“. Anwerbung, Deportation und Zwangsarbeit im Ersten Weltkrieg, Essen 2007.
[30] Uta Hinz, Gefangen im Großen Krieg. Kriegsgefangenschaft in Deutschland 1914-1921, Essen 2006; Heather Jones, The Final Logic of Sacrifice? Violence in German Prisoner of War Labor Companies in 1918, in: The Historian 68 (2006), S. 770-791.
[31] Matthew Stibbe, British Civilian Internees in Germany. The Ruhleben Camp, 1914-18, Manchester, New York 2008. Dazu sind online weitere Quellen verfügbar. Die Bibliothek der Harvard Law School hat die Maurice-Ettinghausen-Collection digitalisiert. Sie ist abrufbar unter <http://etseq.law.harvard.edu/index.php/site/852_rare_new_digital_collection> (17.03.2011).
[32] Peter Tauber, Vom Schützengraben auf den grünen Rasen. Der Erste Weltkrieg und die Entwicklung des Sports in Deutschland, Berlin, Münster 2008.
[33] Rainer Pöppinghege (Hrsg.), Tiere im Krieg. Von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn u.a. 2009.
[34] Nicolas Wolz, Das lange Warten. Kriegserfahrungen deutscher und britischer Seeoffiziere 1914 bis 1918, Paderborn u.a. 2008.
[35] Wencke Meteling, Ehre, Einheit, Ordnung. Preußische und französische Städte und ihre Regimenter im Krieg, 1870/71 und 1914-19, Baden-Baden 2010. Vgl. dies., German and French Regiments on the Western Front, 1914-1918, in: Jones u.a. (Hrsg.), Untold War, S. 23-61.
[36] Holger Afflerbach / Gary Sheffield, Waging Total War. Learning Curve or Bleeding Curve?, in: Winter (Hrsg.), The Legacy, S. 61-90.
[37] Ralf Raths, Vom Massensturm zur Stoßtrupptaktik. Die deutsche Landkriegstaktik im Spiegel von Dienstvorschriften und Publizistik 1906 bis 1918, Freiburg u.a. 2009.
[38] Christian Stachelbeck, Militärische Effektivität im Ersten Weltkrieg. Die 11. Bayerische Infanteriedivision 1915 bis 1918, Paderborn u.a. 2010.
[39] Michael Roper, The Secret Battle. Emotional Survival in the Great War, Manchester 2009.
[40] Alexander Watson, Enduring the Great War. Combat, Morale and Collapse in the German and British Armies, 1914-1918, 2. Aufl. Cambridge u.a. 2009.
[41] Vgl. Anne Lipp, Meinungslenkung im Krieg. Kriegserfahrungen deutscher Soldaten und ihre Deutung 1914-1918, Göttingen 2003.
[42] Wilhelm Deist, Verdeckter Militärstreik im Kriegsjahr 1918?, in: Wolfram Wette (Hrsg.), Der Krieg des kleinen Mannes. Eine Militärgeschichte von unten, München 1992, S. 146-167. Dieser These folgen beispielsweise Anne Lipp oder Benjamin Ziemann.
[43] Deist, Verdeckter Militärstreik, S. 160. So auch Watson, Enduring the Great War, 204f.; Benjamin Ziemann, Enttäuschte Erwartung und kollektive Erschöpfung. Die deutschen Soldaten an der Westfront 1918 auf dem Weg zur Revolution in: Jörg Duppler / Gerhard P. Groß (Hrsg.), Kriegsende 1918. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung, München 1999, S. 165-182.
[44] Scott Stephenson, The Final Battle. Soldiers of the Western Front and the German Revolution of 1918, Cambridge u.a. 2009, S. 29f.
[45] Deist, Verdeckter Militärstreik, S. 160.
[46] Stachelbeck, Militärische Effektivität, S. 344f.; Stephenson: The Final Battle, S. 65.
[47] Stephenson, The Final Battle.
[48] Roger Chickering. Freiburg im Ersten Weltkrieg. Totaler Krieg und städtischer Alltag 1914-1918. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Rudolf Renz und Karl Nicolai, Paderborn u.a. 2009.
[49] Zu diesen und den folgenden Aspekten Steffen Bruendel, Volksgemeinschaft oder Volksstaat. Die „Ideen von 1914“ und die Neuordnung Deutschlands im Ersten Weltkrieg, Berlin 2003; Christoph Nübel, Die Mobilisierung der Kriegsgesellschaft. Propaganda und Alltag im Ersten Weltkrieg in Münster, Münster u.a. 2008.
[50] Adrian Gregory, The Last Great War. British Society and the First World War, Cambridge u.a. 2008.
[51] Florian Altenhöner, Kommunikation und Kontrolle. Gerüchte und städtische Öffentlichkeiten in Berlin und London 1914/1918, München 2008.
[52] Sönke Neitzel, Weltkrieg und Revolution 1914-1918/19, Berlin 2008.
[53] Wolfdieter Bihl, Der Erste Weltkrieg 1914-1918. Chronik, Daten, Fakten, Wien u.a. 2010, S. 8.
[54] A Part of History. Aspects of the British Experience of the First World War. London, New York 2008.
[55] Winter (Hrsg.), The Legacy.
[56] Gerhard Hirschfeld u.a. (Hrsg.), Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Aktualisierte und erweiterte Studienausgabe. Paderborn u.a. 2009.
[57] Vgl. die Seite des Friedrich-Meinecke-Instituts der Freien Universität Berlin, <http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/fmi/arbeitsbereiche/ab_janz/projekte/Projekt_1914-1918-Online/index.html> (17.03.2011).
[58] Hew Strachan, Towards A Comparative History of World War I. Some Reflections, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift 67 (2008) 2, S. 339-344, hier S. 344; Mitteilung Strachans an den Autor v. 18. März 2011.

Bibliografie

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1 Monographien

Florian Altenhöner, Kommunikation und Kontrolle. Gerüchte und städtische Öffentlichkeiten in Berlin und London 1914/1918 (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London 62), München 2008. ISBN: 9783486581836

Lois S Bibbings, Telling Tales About Men. Conceptions of Conscientious Objectors to Military Service During the First World War, Manchester 2009. ISBN: 9780719069222

Wolfdieter Bihl, Der Erste Weltkrieg. 1914-1918 ; Chronik - Daten - Fakten, Wien 2010. ISBN: 9783205783794

Christine Brocks, Die bunte Welt des Krieges. Bildpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg 1914-1918 (Frieden und Krieg 10), Essen 2008. ISBN: 9783898619943

Steffen Bruendel, Volksgemeinschaft oder Volksstaat. Die "Ideen von 1914" und die Neuordnung Deutschlands im Ersten Weltkrieg, Berlin 2003. ISBN: 9783050037458

Roger Chickering, Freiburg im Ersten Weltkrieg. Totaler Krieg und städtischer Alltag 1914-1918, Paderborn 2009. ISBN: 9783506765420

Carl von Clausewitz, Vom Kriege. Hinterlassenes Werk des Generals Carl von Clausewitz, Berlin 1905.

Wilhelm Deist, Militär, Staat und Gesellschaft. Studien zur preußisch-deutschen Militärgeschichte (Beiträge zur Militärgeschichte 34), München 1991. ISBN: 9783486559192

Erving Goffman, Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 140), Frankfurt am Main 1975. ISBN: 9783518277405

Adrian Gregory, The Last Great War. British Society and the First World War, Cambridge 2010. ISBN: 9780521450379

Jonathan E. Gumz, The Resurrection and Collapse of Empire in Habsburg Serbia, 1914-1918 (Cambridge military histories), Cambridge 2009. ISBN: 9780521896276

Martha Hanna, Your death would be mine. Paul and Marie Pireaud in the Great War, Cambridge, Mass. 2008. ISBN: 9780674030510

Uta Hinz, Gefangen im Großen Krieg. Kriegsgefangenschaft in Deutschland 1914-1921 (Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte N.F., 19), Essen 2006. ISBN: 9783898613526

Anton Holzer, Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918, Darmstadt 2008. ISBN: 9783896783752

Sabine Kienitz, Beschädigte Helden. Kriegsinvalidität und Körperbilder 1914-1923 (Krieg in der Geschichte 41), Paderborn 2008. ISBN: 9783506765376

Alan Kramer, Dynamic of Destruction. Culture and Mass Killing in the First World War (The making of the modern world), Oxford 2007. ISBN: 9780192803429

Anne Lipp, Meinungslenkung im Krieg. Kriegserfahrungen deutscher Soldaten und ihre Deutung 1914-1918 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 159), Göttingen 2003. ISBN: 9783525351402

Lisa Mayerhofer, Zwischen Freund und Feind - deutsche Besatzung in Rumänien 1916-1918, München 2010. ISBN: 9783899757156

Wencke Meteling, Ehre, Einheit, Ordnung. Preußische und französische Städte und ihre Regimenter im Krieg, 1870/71 und 1914-19 (Historische Grundlagen der Moderne 1), Baden-Baden 2010. ISBN: 9783832959418

Sönke Neitzel, Weltkrieg und Revolution. 1914-1918/19 (Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert 3), Berlin 2008. ISBN: 9783898094030

Christoph Nübel, Die Mobilisierung der Kriegsgesellschaft. Propaganda und Alltag im Ersten Weltkrieg in Münster (Münsteraner Schriften zur Volkskunde, Europäischen Ethnologie 14), Münster 2008. ISBN: 9783830920304

Jane Potter, Boys in Khaki, Girls in Print. Women's Literary Responses to the Great War 1914-1918 (Oxford English monographs), Oxford 2008. ISBN: 9780199543212

Ralf Raths, Vom Massensturm zur Stoßtrupptaktik. Die deutsche Landkriegtaktik im Spiegel von Dienstvorschriften und Publizistik 1906 bis 1918 (Einzelschriften zur Militärgeschichte 44), Freiburg i.Br. 2009. ISBN: 9783793095590

Michael Roper, The Secret Battle. Emotional Survival in the Great War (Cultural history of modern war), Manchester 2009. ISBN: 9780719079184

Peter Sloterdijk, Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik, Frankfurt am Main 2009. ISBN: 9783518419953

Christian Stachelbeck, Militärische Effektivität im Ersten Weltkrieg. Die 11. Bayerische Infanteriedivision 1915 bis 1918 (Zeitalter der Weltkriege 6), Paderborn 2010. ISBN: 9783506769800

Scott Stephenson, The Final Battle. Soldiers of the Western Front and the German Revolution of 1918 (Studies in the social and cultural history of modern warfare 30), Cambridge 2009. ISBN: 9780521519465

Matthew Stibbe, British Civilian Internees in Germany. The Ruhleben Camp, 1914-1918, Manchester 2008. ISBN: 9780719070853

Peter Tauber, Vom Schützengraben auf den grünen Rasen. Der Erste Weltkrieg und die Entwicklung des Sports in Deutschland (Studien zur Geschichte des Sports 3), Berlin 2008. ISBN: 9783825806750

Jens Thiel, "Menschenbassin Belgien". Anwerbung, Deportation und Zwangsarbeit im Ersten Weltkrieg (Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte N.F., 20), Essen 2007. ISBN: 9783898615631

Alexander Watson, Enduring the Great War. Combat, Morale and Collapse in the German and British Armies, 1914-1918 (Cambridge military histories). Repr., Cambridge 2009. ISBN: 9780521881012

John Frank Williams, Modernity, the Media and the Military. The Creation of National Mythologies on the Western Front 1914-1918 (Cass military studies), London 2009. ISBN: 9780415375054

Ralph Winkle, Der Dank des Vaterlandes. Eine Symbolgeschichte des Eisernen Kreuzes 1914 bis 1936, Essen 2007. ISBN: 9783898616102

Nicolas Wolz, Das lange Warten. Kriegserfahrungen deutscher und britischer Seeoffiziere 1914 bis 1918 (Zeitalter der Weltkriege 3), Paderborn 2008. ISBN: 9783506764713

2 Sammelwerke und Quelleneditionen

Arnd Bauerkämper / Elise Julien (Hrsg.), Durchhalten! Krieg und Gesellschaft im Vergleich 1914-1918 . [Beiträge zu diesem Band basieren auf einer Konferenz, die am 12. Juni 2007 im Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europas stattfand und gemeinsam mit dem Centre Marc Bloch (Berlin) veranstaltet wurde], Göttingen 2010. ISBN: 9783525363898

Jörg Echternkamp u.a. (Hrsg.), Perspektiven der Militärgeschichte. Raum, Gewalt und Repräsentation in historischer Forschung und Bildung (Beiträge zur Militärgeschichte 67), München 2010. ISBN: 9783486588163

Gerhard Engel (Hrsg.), Rote in Feldgrau. Kriegs- und Feldpostbriefe junger linkssozialdemokratischer Soldaten des Ersten Weltkrieges (Reihe Feldpostbriefe 2), Berlin 2008. ISBN: 9783896267849

Heilwig Gudehus-Schomerus u.a. (Hrsg.), "Einmal muß doch das wirkliche Leben wieder kommen!". Die Kriegsbriefe von Anna und Lorenz Treplin 1914-1918, Paderborn 2010. ISBN: 9783506769244

Gerhard Hirschfeld u.a. (Hrsg.), Enzyklopädie Erster Weltkrieg (UTB Geschichte 8396). Aktualisierte und erw. Studienausg., Paderborn 2009 erschienen 2008. ISBN: 9783506765789

John Horne (Hrsg.), A Companion to World War I (Blackwell companions to world history), Malden, Mass. 2010. ISBN: 9781405123860

Heather Jones u.a. (Hrsg.), Untold war. New perspectives in First World War studies ; [papers from the third conference of the International Society for First World War Studies, held Sept. 23-25, 2005 at Trinity College, Dublin] (History of warfare 49), Leiden 2008. ISBN: 9789004166592.

Ernst Jünger / Helmuth Kiesel (Hrsg.), Kriegstagebuch 1914-1918, Stuttgart 2010. ISBN: 9783608938432

Harry Graf Kessler: Das Tagebuch: 1880-1937. Fünfter Band 1914-1916, hrsg. von Günter Riederer und Ulrich Ott (Veröffentlichungen der Deutschen Schillergesellschaft 50,5), Stuttgart 2008. ISBN: 9783768198158

Barbara Korte u.a. (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg in der populären Erinnerungskultur (Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte N.F., 22), Essen 2008. ISBN: 9783898617277

Gerd Krumeich, Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg (Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte N.F., 24), Essen 2010. ISBN: 9783837501957

Sönke Neitzel / Daniel Hohrath (Hrsg.), Kriegsgreuel. Die Entgrenzung der Gewalt in kriegerischen Konflikten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert (Krieg in der Geschichte 40), Paderborn 2008. ISBN: 9783506763754

Rainer Pöppinghege (Hrsg.), Tiere im Krieg. Von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn 2009. ISBN: 9783506767493

Andrea Sauer / Karl Rosner (Hrsg.), Heilig soll der Grundsatz "Krieg dem Krieg" sein! Die Erinnerungen Karl Rosners an seine Kriegserlebnisse im Jahr 1916, Erfurt 2008. ISBN: 9783866804180

Gary Sheffield / Michael Howard (Hrsg.), A part of history. Aspects of the British experience of the First World War, London 2008. ISBN: 9780826498137

Peter Walther / Walter Kempowski (Hrsg.), Endzeit Europa. Ein kollektives Tagebuch deutschsprachiger Schriftsteller, Künstler und Gelehrter im Ersten Weltkrieg ; [als Begleitband zur Ausstellung des Brandenburgischen Literaturbüros "Endzeit Europa" ("Le Crépuscule de l'Europe"), die ab November 2008 in zwei Sprachversionen parallel in Frankreich und Deutschland präsentiert wird), Göttingen 2008. ISBN: 9783835303478

Jay Murray Winter (Hrsg.), The Legacy of the Great War. Ninety Years On, Columbia 2009. ISBN: 9780826218728

Marc Zirlewagen, "Wir siegen oder fallen". Deutsche Studenten im Ersten Weltkrieg (Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen 17), Köln 2008. ISBN: 9783894981891

3 Beiträge in Sammelwerken und Zeitschriften

Holger Afflerbach / Gary Sheffield, Waging Total War. Learning Curve or Bleeding Curve?, in: Jay Murray Winter (Hrsg.), The legacy of the Great War. Ninety years on, Columbia 2009, S. 61–90. ISBN: 9780826218728

Jürgen Angelow, Der Erste Weltkrieg auf dem Balkan. Neue Fragestellungen und Erklärungen, in: Arnd Bauerkämper / Elise Julien (Hrsg.), Durchhalten! Krieg und Gesellschaft im Vergleich 1914-1918 . [Beiträge zu diesem Band basieren auf einer Konferenz, die am 12. Juni 2007 im Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europas stattfand und gemeinsam mit dem Centre Marc Bloch (Berlin) veranstaltet wurde], Göttingen 2010, S. 178–194. ISBN: 9783525363898

Bruno Benvindo / Benoît Majerus, Belgien zwischen 1914 und 1918: Ein Labor für den totalen Krieg, in: Arnd Bauerkämper / Elise Julien (Hrsg.), Durchhalten! Krieg und Gesellschaft im Vergleich 1914-1918 . [Beiträge zu diesem Band basieren auf einer Konferenz, die am 12. Juni 2007 im Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europas stattfand und gemeinsam mit dem Centre Marc Bloch (Berlin) veranstaltet wurde], Göttingen 2010, S. 127–148. ISBN: 9783525363898

Wilhelm Deist, Verdeckter Militärstreik im Kriegsjahr 1918?, in: Wolfram Wette (Hrsg.), Der Krieg des kleinen Mannes. Eine Militärgeschichte von unten, München 1992, S. 146–167. ISBN: 9783492114202

Gerhard Hirschfeld / Gerd Krumeich, Wozu eine „Kulturgeschichte“ des Ersten Weltkriegs?,, in: Arnd Bauerkämper / Elise Julien (Hrsg.), Durchhalten! Krieg und Gesellschaft im Vergleich 1914-1918 . [Beiträge zu diesem Band basieren auf einer Konferenz, die am 12. Juni 2007 im Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europas stattfand und gemeinsam mit dem Centre Marc Bloch (Berlin) veranstaltet wurde], Göttingen 2010, S. 31–53. ISBN: 9783525363898

John Horne / Len Smith, The Soldiers’ War. Coercion or Consent?, in: Jay Murray Winter (Hrsg.), The legacy of the Great War. Ninety years on, Columbia 2009, S. 91–122. ISBN: 9780826218728

Heather Jones, The Final Logic of Sacrifice? Violence in German Prisoner of War Labor Companies in 1918, in: The Historian 68 (2006), S. 770–791.

Alan Kramer, The First World War and German Memory, in: Heather Jones u.a. (Hrsg.), Untold war. New perspectives in First World War studies ; [papers from the third conference of the International Society for First World War Studies, held Sept. 23-25, 2005 at Trinity College, Dublin], Leiden 2008, S. 385–415. ISBN: 9789004166592

Lisa Mayerhofer, Making Friends and Foes: Occupiers and Occupied in First World War Romania. 1916-1918, in: Heather Jones u.a. (Hrsg.), Untold war. New perspectives in First World War studies ; [papers from the third conference of the International Society for First World War Studies, held Sept. 23-25, 2005 at Trinity College, Dublin], Leiden 2008, S. 119–149. ISBN: 9789004166592

Thomas Mergel, Propaganda für die Kultur des Schauens. Visuelle Politik in der Weimarer Republik., in: Wolfgang Hardtwig (Hrsg.), Ordnungen in der Krise. Zur politischen Kulturgeschichte Deutschlands 1900-1933, München 2007, S. 531–559. ISBN: 9783486581775

Wenke Meteling, German and French Regiments on the Western Front. 1914-1918, in: Heather Jones u.a. (Hrsg.), Untold war. New perspectives in First World War studies ; [papers from the third conference of the International Society for First World War Studies, held Sept. 23-25, 2005 at Trinity College, Dublin], Leiden 2008, S. 23–61. ISBN: 9789004166592

Hew Strachan, Towards A Comparative History of World War I. Some Reflections, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift 67,2 (2008), S. 339–344.

Sonja Müller, Toys, Games and Juvenile Literature in Germany and Britain During the First World War. A Comparison, in: Heather Jones u.a. (Hrsg.), Untold war. New perspectives in First World War studies ; [papers from the third conference of the International Society for First World War Studies, held Sept. 23-25, 2005 at Trinity College, Dublin], Leiden 2008, S. 233–257. ISBN: 9789004166592

Nicolas Offenstadt, Der Erste Weltkrieg im Spiegel der Gegenwart. Fragestellungen, Debatten, Forschungsansätze, in: Arnd Bauerkämper / Elise Julien (Hrsg.), Durchhalten! Krieg und Gesellschaft im Vergleich 1914-1918 . [Beiträge zu diesem Band basieren auf einer Konferenz, die am 12. Juni 2007 im Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europas stattfand und gemeinsam mit dem Centre Marc Bloch (Berlin) veranstaltet wurde], Göttingen 2010, S. 54–77. ISBN: 9783525363898

Hew Strachan, Towards A Comparative History of World War I. Some Reflections, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift 67,2 (2008), S. 339-344.

Benjamin Ziemann, Enttäuschte Erwartung und kollektive Erschöpfung. Die deutschen Soldaten an der Westfront 1918 auf dem Weg zur Revolution, in: Arnd Bauerkämper / Elise Julien (Hrsg.), Durchhalten! Krieg und Gesellschaft im Vergleich 1914-1918 . [Beiträge zu diesem Band basieren auf einer Konferenz, die am 12. Juni 2007 im Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europas stattfand und gemeinsam mit dem Centre Marc Bloch (Berlin) veranstaltet wurde], Göttingen 2010, S. 165–182. ISBN: 9783525363898

4 Internetdokument

Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, <http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/fmi/arbeitsbereiche/ab_janz/projekte/Projekt_1914-1918-Online/index.html>

Maurice Ettinghausen, Collection of Ruhleben civilian internment camp papers 1914-1937. Unter Mitarbeit von Janet Hayashi, Michael Austin und Ed Moloy. In: Harvard Law School Library. Harvard University, <http://etseq.law.harvard.edu/index.php/site/852_rare_new_digital_collection>.

Zitation
Christoph Nübel: Neue Forschungen zur Kultur- und Sozialgeschichte des Ersten Weltkriegs. Themen, Tendenzen, Perspektiven, in: H-Soz-Kult, 08.07.2011, <www.hsozkult.de/literaturereview/id/forschungsberichte-1114>.
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08.07.2011
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