Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt 30. Jg. (2010), 1

Titel
Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt 30. Jg. (2010), 1.
Weitere Titelangaben
fußball peripher


Hrsg. v.
Wissenschaftliche Vereinigung für Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik e.V.
Heft(e)
1
Erschienen
Münster (Westf.) 2010: Westfälisches Dampfboot
Umfang
160 S.
Preis
Einzelheft 10,50 EUR, Doppelheft 21,00 EUR, Abo 30,10 EUR, Abo für Institutionen 55,20 EUR
Herausgeber d. Zeitschrift
Wissenschaftliche Vereinigung für Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik e.V.
Erscheinungsweise
4 Nummern in 3 Ausgaben
Kontakt
PERIPHERIE Redaktionsbüro c/o Michael Korbmacher Stephanweg 24 48155 Münster Telefon: +49-(0)251/38349643

Die Fußballweltmeisterschaft soll 2010 zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent, in Südafrika ausgetragen werden. Der Westen schaut skeptisch hin, hat Sicherheitsbedenken wegen der hohen Kriminalitätsraten, stellt die organisatorischen Fähigkeiten der Gastgeber in Frage, zweifelt an der rechtzeitigen Fertigstellung der Wettkampfarenen oder fragt auch (etwas kritischer) nach den Belastungen, die der südafrikanischen Bevölkerung der WM wegen zugemutet werden. In Südafrika dürften die Gefühle gespalten sein: Der Freude und dem Stolz, Gastgeber eines der wichtigsten globalen Großereignisse zu sein, steht die Frage nach den gesellschaftlichen Prioritäten gegenüber. Auch 14 Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid sind die sozialen Probleme, die mit diesem System verknüpft waren, nicht geringer geworden. Hinzu kommt die schwere Krise des politischen Systems. aber auch die Folgen dieser Entwicklungen für die wackelige Lösung in Zimbabwe beschäftigen die Öffentlichkeit. Im übrigen Afrika dürfte die Ambivalenz ähnlich groß sein. Schließlich ist Südafrika alles andere als ein unhinterfragter Repräsentant des Kontinents. Die Vergabe der Spiele an Südafrika lässt sich daher keineswegs ungebrochen als Symbol erfolgreichen Aufbegehrens gegen die politische, soziale und ökonomische Marginalisierung des Kontinents feiern.

EDITORIAL

fußball peripher

Im Sommer 2010 wird die Fußballweltmeisterschaft zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen: in Südafrika. Für viele Afrikaner ist das Anlass zu Stolz und Zuversicht. Selbst so kritische afrikanische Sozialwissenschaftler wie Achille Mbembe erhoffen sich davon eine Stärkung afrikanischer Identität und eine grundlegende Korrektur des durch das koloniale Othering produzierten Negativbildes Afrikas in der Welt als das „Herz der Finsternis“, als der „schwarze“, der „dunkle“, der „periphere“ Kontinent par excellence. In Südafrika – und in geringerem Maß auch in Mosambik, Simbabwe und Namibia – knüpfen sich zusätzlich hohe ökonomische Erwartungen an das Ereignis. Die Regierung hatte zunächst gar prognostiziert, mit den von ihr vorgesehenen Ausgaben von 30 Mrd. Rand für das Turnier eine Halbierung der Arbeitslosenzahl und eine mehrprozentige Steigerung des Prokopfeinkommens erreichen zu können. Diese Hoffnung wird sich mit Sicherheit nicht erfüllen. Schon die Weltmeisterschaften 2002 in Japan und Südkorea sowie 2006 in Deutschland brachten den Austragungsländern allenfalls geringfügigen ökonomischen Nutzen. Fundierte Prognosen für Südafrika sehen angesichts enormer Kostensteigerungen noch ungünstiger aus. Ganz anders stellen sich die Gewinnaussichten für den Weltfußballverband, kurz FIFA, und die um sie herum gruppierte, auf Fernseh- und Sponsoren-Verträgen gründende „Sports-Media-Business-Alliance“ dar. Die FIFA rechnet trotz bisher schleppenden Verkaufs der Eintrittskarten für die Spiele mit Einnahmen in Höhe von 3 Mrd. US$, und Medien und Großkonzerne erwarten sich ein Eldorado der Werbung. Entsprechend groß ist der Einfluss, den sie auf die gesamten die WM betreffenden Planungs- und Entscheidungsprozesse in Südafrika nehmen konnten und auch genommen haben – beginnend mit der Standortwahl und der Ausgestaltung der WM-Stadien über Infrastrukturprojekte, wie den Ausbau von Flughäfen und Eisenbahnlinien, bis hin zu den Arbeitsbedingungen auf den Baustellen und in den Sicherheitsunternehmen.

Die sprichwörtlich „schönste Nebensache der Welt“ bietet also Anlass genug, sich mit grundlegenderen Fragen zum Peripheren, Transnationalen und Globalen sowie den vielfältigen gesellschaftlichen Verflechtungen auf dem Rasen und jenseits des Spielfelds zu befassen. Der Fußballsport ist in jeder Hinsicht alles andere als peripher. Nicht nur weil nach einer Umfrage der FIFA von 2006 weltweit etwa 265 Millionen Menschen Fußball spielen und rund 4 % der Weltbevölkerung aktiv in den Fußball involviert sind. Der moderne Fußball verbreitete sich innerhalb kürzester Zeit in allen Teilen der Welt und wird heute weltweit nach annähernd den gleichen Regeln gespielt. Doch ganz treffend lautet der Titel eines 2006 erschienen Bandes „Ein Spiel, viele Welten“ (hgg. von Karin Gaggers und Stefan Eisenhofer), denn in vielfacher Hinsicht lassen sich über das Spiel hinaus die mannigfaltigen Verwerfungen – politisch, ökonomisch, sozial, geschlechtsspezifisch – aufdecken. In fußball peripher werden einige der Bälle aufgenommen; andere Themen wie beispielsweise die weltweit unterschiedliche Bedeutung von Frauenfußball oder die Arbeitsmigration von Fußballerinnen fehlen leider ebenso wie die keineswegs marginale Rolle magischer Praktiken von Brasilien bis Sansibar.

Fußball kann durchaus Symbolwirkung für nationales, vielleicht auch kontinentales Selbstbewusstsein ausüben. Ebenso kann er jedoch als Initialzünder für Manifestationen des Hasses und der Gewalt gegen Marginalisierte jedweder Art dienen. Er ist ein „Zugehörigkeitsgenerator“, der Gemeinschaft und Identität schafft, damit aber zugleich auch ausschließt und diskriminiert. Vergemeinschaftung heißt immer auch Grenzziehung, und sind die Gruppen erst geschieden, liegt es nahe, sie in eine Rangordnung zu bringen – „wir gut, ihr böse“; „we are the champions – no time for losers“. Fußball tut all dies auf den unterschiedlichsten Ebenen. Er schafft reale Zusammengehörigkeit in physischem und psychischem Sinn (in den Vereinen, den Fanclubs, den Stadien), aber auch imaginäre Vergemeinschaftung, etwa zwischen nation- oder gar weltweit verstreuten Fernsehzuschauern. Je nachdem, in welche Erzählungen sie eingebaut wird, kann solche Gemeinschaftlichkeit als Ausgleich für anderwärts erfahrene Ausschließung dienen, und ebenso als Ventil für anderwärts angestaute Aggressivität – von rassistischen Beschimpfungen und Gesängen im Stadion bis hin zu Gewaltausbrüchen auf den Rängen und Schlachten zwischen Hooligans.

Bei internationalen Fußballereignissen wie Weltmeisterschaften sind es vor allem drei große Erzählungen, in die die Wettkämpfe eingebunden werden: die von der Nation, die von der Maskulinität und die vom sozialen Aufstieg. Die große Erzählung von der Nation spielte bei internationalen Meisterschaften schon immer eine gewichtige Rolle – erinnert sei nur an den Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 durch die deutsche Nationalmannschaft, der nach einer gängigen Meinung die „eigentliche Geburtsstunde“ der Bundesrepublik Deutschland markierte, aber auch an die WM 2006, der ungezählte Autoren die Initialzündung für ein neues, „unverkrampftes“ Verhältnis der Deutschen zur Nation zuschreiben. Nationalmannschaften, die oft symbolträchtige Spitznamen wie „die unbezwingbaren Löwen“ (in Kamerun) oder „die schwarzen Sterne“ (in Ghana) tragen, scheinen eine ideale Projektionsfläche zu bilden, um emotionale Bindungen an die Nation zu zelebrieren, im und jenseits des Stadions. Gerade in Zeiten relativ schwach ausgeprägten Nationalbewusstseins scheint man sich besonders gerne des Fußballs als eines Heilmittels zu bedienen. Carlos Sandoval-García zeigt, dass in seiner Heimat Costa Rica das Nationalgefühl um die Jahrtausendwende eine tiefe Krise durchmachte, die jedoch durch eine nahezu totale Identifikation der gesamten Nation mit der Fußballnationalmannschaft, die sich für die WM 2002 qualifizierte und dort überraschend gut abschnitt, kompensiert wurde. Fußball sei, so schreibt er, einer der wenigen Bereiche, in denen nationale Identität ihre eigenen Rituale durchführen kann; man kann ungehemmt nationalen Triumph auskosten, den unterlegenen Gegner schmähen und seiner Enttäuschung über Niederlagen in Wutausbrüchen Luft verschaffen – auch wenn all das sonst eher verpönt ist.

Gleiches gilt, so Sandoval-García, auf dem Gebiet der maskulinen Identität. Hegemoniale Maskulinität sei in Costa Rica wie anderswo in den letzten Jahrzehnten im Gefolge der feministischen Kritik und – so sei hinzugefügt – der sich verändernden gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse in eine tiefe Krise geraten. Der Fußball aber stelle eines der letzten Refugien für die in Frage gestellte(n) männliche Identität(en) dar (auch wenn inzwischen der Anteil der Frauen in der FIFA bei etwa 10 % liegt); hier sei erlaubt, was in anderen kulturellen Bereichen verboten sei: sexistische Sprache, Reduzierung von Frauen auf die Rolle von Sexobjekten, derogative Feminisierung der Gegner und sogar die Erhebung der homosexuellen Penetration zum ultimativen Triumph über den Gegner.

Der Mythos des sozialen Aufstiegs schließlich trägt ganz entscheidend zur Faszination des Fußballs für viele Jugendliche im so genannten globalen Süden bei. Die winzige Chance, von einem europäischen Club rekrutiert zu werden, die noch geringere Möglichkeit, auf der Grundlage dieser „migration à la balle“ Karriere zu machen, oder die näher liegende Perspektive, sie zur Verankerung in Europa zu nutzen, verknüpfen den Fußball mit ganz konkreten Hoffnungen auf Mobilität und Emporkommen. Dieser Anreiz erreicht jeden noch so weit abgelegenen ländlichen Raum und jede Favela; er lässt hin und wieder einen Traum für einen Einzelnen wahr werden. Gerald Hoedl analysiert die Fußballmigration aus Afrika nach Europa als Bestandteil der generell durch Metropole-Peripherie-Beziehungen gekennzeichneten kapitalistischen Weltwirtschaft. Afrika diene in diesem Zusammenhang in erster Linie als Lieferant von billiger, aber hoch qualifizierter Arbeitskraft. Die Ausbildung und Rekrutierung afrikanischer Spieler sei vergleichbar mit der Plantagenwirtschaft, wobei der Rohstoff die talentierten Spieler seien, die es zu veredeln gelte, um schließlich das Endprodukt nach Europa zu verfrachten. Da das Angebot die zahlungskräftige Nachfrage weit übersteige, ende die Karriere afrikanischer Spieler überdurchschnittlich oft in den unteren Segmenten des (europäischen) Fußballer-Arbeitsmarkts. Die Kontrolle über den Spielermarkt liege – wie bei anderen Märkten auch – fest in den Händen der metropolitanen Akteure, die bei weitem die höchsten Profite daraus zögen, gehe es nun um Spitzenverdiener bei Chelsea oder um Zweit-oder Drittligakicker in Deutschland, Belgien oder in den Ländern Osteuropas.

Sportliche Mega-Events wie Fußballweltmeisterschaften sind selbstredend stets auch Orte gigantischer ökonomischer Aktivitäten, sei es beim Stadionbau, bei der Verkehrsanbindung der Sportstätten, bei Trikots, Trikotwerbung und Fanartikeln, Sicherheitskontrollen, Public Viewing oder Bandenwerbung. Wilfried Schwetz, Donna McGuire und Crispen Chinungo vergleichen Daten aus Deutschland 2006 und Südafrika 2010 und analysieren, welche Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und in den Arbeitsbeziehungen sowie in den Durchsetzungschancen gewerkschaftlicher Aktion sich daraus ergeben. Erfolge wie die der südafrikanischen Bauarbeiter in ihren Streiks für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne beim Neu- oder Umbau der Stadien waren angesichts der Machtstellung der „Sports-Media-Business-Alliance“ eher die Ausnahme. Was in Südafrika anders als in Deutschland gelingen könnte, wäre immerhin, die Spiele als „union games“ auszugestalten, bei denen in allen Bereichen nach Tarifvertragsbedingungen gearbeitet würde.

Auf sehr verschiedenen Ebenen bezieht sich Fußball auch immer auf räumliche Ordnungen. Robert Meyer, Janosch Prinz und Conrad Schetter unternehmen den Versuch, einige besonders markante dieser Raumvorstellungen miteinander zu verknüpfen. Sie stellen dar, wie unhaltbar die Vorstellung vom Nationalstaat als Container angesichts der translokalen Verflechtungen der übernationalen Fußballinstitutionen ist und wie gleichzeitig der Fußball einen Resonanzraum für nationale Identifizierungsprozesse abbildet. Die nationale und internationale Verfasstheit von Fußball verweist damit auf wesentliche Herausforderungen einer sozialwissenschaftlich anspruchsvollen Debatte über Globalisierung. Zugleich bleibt der Spielraum selbst ausgesprochen fließend, weil gerade im zeitgenössischen Fußball kaum spezifische Handlungsweisen und Regeln bestimmten Zonen auf dem Feld zugeschrieben werden und die Taktik von der unablässigen Verschiebung und Neuformierung der räumlichen Beziehungen auf dem Feld bestimmt ist. Anders als in einem Großteil der Globalisierungsliteratur ergibt sich daher keineswegs ein Abschied vom Raum, sondern die komplexe Konfiguration unterschiedlicher Raumformen und -ebenen, für die Fußball sich als Metapher, aber auch als Ansatzpunkt erweist.

Wie der Sport nach Brasilien kam, analysiert Christina Peters. Dort spielte er bei seiner Einführung vor gut einem Jahrhundert eine ganz andere gesellschaftliche Rolle als heute: Nicht die identitätsstiftende Funktion für ein Nationalgefühl, sondern die Abgrenzung als Elitesport der Oberschicht stand zunächst im Vordergrund. Peters zeigt für die Entwicklung von 1890 bis 1930, dass Fußball nicht in einem Prozess des Kulturimperialismus aus England nach Brasilien importiert wurde, sondern durch die Praxis individueller Akteure. Mit zunehmender Verbreitung entglitt die moderne Sportart schon bald der Kontrolle durch die elitären Klubs aus São Paulo und Rio de Janeiro. Die Unterstützung von Presse und Medien trugen schließlich zur Popularisierung und gesellschaftlichen Öffnung des Fußballs bei.

In ihrem Diskussionsbeitrag greift Rita Schäfer die derzeit in Südafrika geführte Debatte über die Legalisierung der Prostitution sowie über die strafrechtliche Verfolgung von sexualisierter Gewalt im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft 2010 auf. Unterschiedliche Akteurinnen und Akteure – z.B. Repräsentanten von Kirchen, Traditionalisten, Frauenrechtsaktivistinnen und Interessenvertretungen von Prostituierten – verschärften im Vorfeld des Turniers ihren Streit um rechtliche, sozio-ökonomische, politische und moralische Aspekte der käuflichen Sexualität. In dem Beitrag skizziert Schäfer Entwicklungen von Prostitution und Sexarbeit vor und während der Apartheid. Letztendlich wirft sie die Frage auf, ob die Legalisierung der Prostitution komplexe Probleme reduziert oder zusätzlich verschärft.

Mit der vorliegenden ersten Ausgabe des 30. Jahrgangs wollen wir anlässlich des sommerlichen Großereignisses ein paar Facetten der Sportart in emanzipativer Absicht beleuchten, ohne die Freude am Spiel zu verderben. Es folgen im Sommer eine Doppelausgabe über „Geschlechterpolitiken“ (Nr. 118/119) sowie im Herbst eine Einzelausgabe über „Postkoloniale Perspektiven auf ‘Entwicklung’“ (Nr. 120). Die Calls for Papers für diese Hefte finden sich wie immer auf unserer Homepage. Das erste Heft des

31. Jahrgangs (Nr. 121) soll sich der aktuellen ökonomischen Krise widmen und genauer danach fragen, welche Auswirkungen sie im Globalen Süden (nicht) hat. Zu diesen und anderen Themen sind Beiträge sehr willkommen.

Für unsere weitgehend ehrenamtliche Arbeit sind wir auch weiterhin auf die Beiträge der Mitglieder der Wissenschaftlichen Vereinigung für Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik (WVEE) e.V., die die PERIPHERIE herausgibt, und auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns daher über neue Vereinsmitglieder ebenso wie über einmalige Spenden. Um die Resonanz der so wichtigen Kritik aktueller Tendenzen in der internationalen Politik zu verbessern, sind wir auch für neue Abonnentinnen und Abonnenten sehr dankbar. Alle WVEE-Mitglieder und PERIPHERIE-Leserinnen und -Leser sind daher herzlich eingeladen, unsere Zeitschrift noch bekannter zu machen.

SUMMARIES

Gerald Hoedl: Africa's Position within the Globalised Football Economy. Over the past two decades professional football has become a part of the global entertainment industry characterized, like any other capitalist economic sector, by core-periphery relations. This article examines Africa's position within this globalised football economy, arguing that it primarily serves as a source of cheap, but highly qualified, players primarily, but not exclusively, for European clubs. It is argued that in several respects the production and distribution of African football labour resembles the commodity chains of other African products, as control over the player-market is mainly exercised by European actors who are the biggest beneficiaries. However, there are also significant differences between African countries. Clubs and players from better-off African countries with functioning professional leagues, like Egypt, Tunisia and South Africa, are less exposed to metropolitan allures and pressures and act as regional cores towards economically weaker neighbouring countries. In taking this line of argumentation the article further concludes that in parallel to economic dependence there is also a cultural dependence that connects Africa to the centres of world football.

Carlos Sandoval-García: Football: Forging Nationhood and Masculinities in Costa Rica. This article draws on a concluded research project that examined football as a site for the analysis of the mutual constitution of nationhood and masculinities in daily life in Central America. In particular, the article explores the processes that surrounded national and gender identification during the Costa Rican team's participation in the qualifying tournament for the 2002 World Cup Finals in Japan and South Korea, as well as the matches Costa Rica played in the 2002 World Cup. Conversations among fans, media chronicles, advertisements and emails are analysed in this article. By way of conclusion, it is argued that football's dynamics of triumph/pride and defeat/shame provide interchangeable images for representing both nationhood and masculinities.

Wilfried Schwetz, Donna McGuire & Crispen Chinguno: Why should Trade Unions pay Attention to Mega Sports Events? In this article the authors trace the development of mega sports events as big business and the growing awareness of unions and civil society of the threat such events present to working conditions and social and union rights. The authors argue that the high profile and economic importance of mega sports events, such as the Olympics and the Football World Cup, also provide unions with opportunities to build organisational strength and to influence the ever-more globalised world of work. After a brief outline of the role of unions in the Atlanta and Sydney Olympics, the authors compare unions' attempts to influence the 2006 FIFA World Cup in Germany and the upcoming 2010 World Cup in South Africa. In providing an overview of the political and organisational contexts of union movements in each country, the article identifies areas of union activities with the potential to achieve sustainable gains regarding working conditions and long-term organisational strength. The degree to which unions in both countries managed to take advantage of such opportunities is additionally assessed. The authors find that attempts by German unions to use the World Cup for long-term strategic gains were exceptional, with specifically notable gains being made in the security and sportswear industries. While unions in South Africa have taken a more strategic approach, with significant achievements in the construction and security sectors, they are still a long way from achieving a "unionised" World Cup. The article highlights some exciting new developments in relation to the role of union learning, broad coalition building, global networking and an increasing role for the Global Union Federations.

Christina Peters: Contested Space. The Popularisation of Football in Brazil, 1890-1930. This article argues that the arrival and diffusion of football (called "soccer" in North America) in Brazil between 1890 and 1930 can be interpreted as a process of spatial formation rather than a process of cultural imperialism and the result of the "exportation" of a British cultural product. In considering recent studies on the history of modern sport and its diffusion in different parts of the world, this article finds that the incorporation of football in Brazil depended on the agency of individuals, such as journalists, social reformers and "sportmen", and on social groups, such as immigrant communities in São Paulo and Rio de Janeiro. Even though the first football clubs were exclusive and hermetical spaces of urban elites, the article shows how members of other social groups contested the cultural space of football and, thereby, helped to reconstruct it along more inclusive lines.

Robert Meyer, Janosch Prinz & Conrad Schetter: A Game trapped in a "Container"? – Connections between Football and Space. This article inquires into the relation between spatial concepts and the political organization of football, as well as the spatial logic of the game itself. While at first it would appear that football – as a "national" sport – is organized along the boundaries of national "containers", due to its rigidity, thinking space in terms of nation-state containers is in decline. In light of this, this article asks whether the political organization of football has become de-spatialized. In following this line of questioning, the article argues that the coexistence of container- and fluid-spaces permeates the political organization of football. Nevertheless, simplistic binary thinking is incapable of appropriately dealing with football-related constructions of representation and space. Rather, its overlapping and ambiguous features make football a political phenomenon and a thrilling game.

INHALT

Editorial, S. 4

Gerald Hödl: Afrika in der globalen Fußballökonomie, S. 9

Carlos Sandoval-García: Fußball: Nationale Identität und Formen von Maskulinität in Costa Rica, S. 22

Wilfried Schwetz, Donna McGuire & Crispen Chinguno: Warum sich Gewerkschaften um Mega- Sportevents kümmern sollten. Gewerkschaftliche Organisierung im Umfeld der Fußballweltmeisterschaften 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika, S. 45

Christina Peters: Umkämpfter Raum: Die Popularisierung des Fußballsports in Brasilien von 1890 bis 1930, S. 69

Robert Meyer, Janosch Prinz & Conrad Schetter: Ein Spiel im Container? Zum Zusammenhang von Raum und Fußball, S. 82

Wolfgang Hein & Reinhart Kößler: PERIPHERIE-Stichwort: peripher, S. 101

Diskussion:

Rita Schäfer: Prostitution während der Fußballweltmeisterschaft 2010 – Legalisierung, Entkriminalisierung oder Verbot? S. 104

Rezensionen, S. 116

Eingegangene Bücher, S. 151

Summaries, S. 153

Zu den Autorinnen und Autoren, S. 155

Zitation
Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt 30. Jg. (2010), 1. in: H-Soz-Kult, 27.04.2010, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-5517>.
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