Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt 30 (2010), 2

Titel
Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt 30 (2010), 2.
Weitere Titelangaben
Geschlechterpolitiken


Hrsg. v.
Wissenschaftliche Vereinigung für Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik e.V.
Heft(e)
2
Erschienen
Münster (Westf.) 2010: Westfälisches Dampfboot
Umfang
240 S.
Preis
€ 21,00
Herausgeber d. Zeitschrift
Wissenschaftliche Vereinigung für Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik e.V.
Erscheinungsweise
4 Nummern in 3 Ausgaben
Kontakt
PERIPHERIE Redaktionsbüro c/o Michael Korbmacher Stephanweg 24 48155 Münster Telefon: +49-(0)251/38349643

Geschlechterverhältnisse stehen seit einiger Zeit explizit im Mittelpunkt gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse. Dabei dienen sie zum einen als Symbol für einen bestimmten Standpunkt in der Debatte um Entwicklung und Modernisierung von Gesellschaften des Südens; zum anderen sind sie selbst Gegenstand dieser Aushandlungsprozesse. Darüber hinaus adressieren Geschlechterpolitiken oftmals auch andere Formen gesellschaftlicher Unterdrückung und sind in spezifischen Machtfeldern verortet. Vor diesem Hintergrund geht es im Heft unter anderem um die Rekonfiguration von Geschlechterarrangements unter Globalisierungs- und Krisendruck, Lokalisierung globaler und nationaler Geschlechterpolitiken, Neuaushandlung von Geschlechterarrangements in Demokratisierungsprozessen, Gender und Identitätspolitiken, Neuordnung von Geschlechterverhältnissen durch und nach gewaltförmigen Konflikten, Ethnisierung von Geschlechterpolitiken

Editorial

Geschlechterpolitiken

Geschlechterpolitiken stehen immer wieder im Mittelpunkt gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse. Sie sind vielfach verwoben und überschneiden sich mit anderen Formen der Ungleichheit. Nicht selten dienen sie als Symbol für ganz andere gesellschaftliche Aushandlungsprozesse. Die Debatten um die Gleichstellung der Geschlechter, die Emanzipation von Frauen und Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit sind einerseits verknüpft mit Diskursen um nationale Identitäten, Kultur und Religion, andererseits aber auch Teil einer globalen Auseinandersetzung um „Entwicklung“, neoliberale Globalisierung und Demokratisierung.

Geschlechterverhältnisse dienen als Marker für einen bestimmten Standpunkt in der Debatte um Entwicklung und Modernisierung. Als modern werden vor allem die Gleichstellung im Recht und eine gleichberechtigte Integration in einen Erwerbsarbeitsmarkt verstanden. Gegenbilder zu einem solchen am westlichen Modell orientierten Entwicklungsbegriff werden mit vermeintlich traditionellen Geschlechterbildern belegt. In anderen Diskursen wiederum erscheinen Geschlechterverhältnisse als modern, in denen Frauen als „Hausfrauen“ von Erwerbsarbeit befreit sind. Spätestens hier wird deutlich, dass Geschlechterpolitiken und die Diskurse um Geschlechterverhältnisse nicht verstanden werden können, wenn Klasse und Ethnizität unberücksichtigt bleiben. Über bestimmte Rollenbilder der Geschlechter wird die Distinktion zwischen verschiedenen ethnischen und Klassenzugehörigkeiten hergestellt. Geschlechterverhältnisse stehen sowohl im Mittelpunkt konkurrierender Modernisierungsmodelle als auch der (Re )Konstruktion von Tradition und lokaler Zugehörigkeit. Sie spielen eine zentrale Rolle in unterschiedlichen, häufig miteinander in Konflikt stehenden Diskursen der Alterität, der Abgrenzung, der Inklusion und Exklusion sowie bei der Auseinandersetzung um nationale und kulturelle Zugehörigkeit.

Aber nicht nur nationale und regionale Konflikte und Themen werden über Geschlechterverhältnisse ausgehandelt. Die postkoloniale Kritik am westlichen Feminismus hat deutlich gemacht, dass Geschlechterverhältnisse häufig herangezogen werden, um die angebliche Überlegenheit westlicher Gesellschaftsformen herauszustellen. Im Zuge dessen gelten im „Westen“ als „rückständig“ qualifizierte Geschlechterverhältnisse auch als Rechtfertigung externer Beeinflussung, Unterdrückung und Okkupation, wie z.B. bei der Besetzung Afghanistans. Die westliche Moderne konkurriert hier als Orientierungsmaßstab mit anderen Modellen. In dieser Konkurrenz erscheinen Geschlechterverhältnisse und vor allem Sexualität als Bruchlinie zwischen dem Westen und einem Islam, der eine alternative Moderne für sich beansprucht. Geschlecht und Religion symbolisieren sich wechselseitig. Denn Religion reagiert auf neue Handlungsspielräume von Frauen durch Modernisierungsprozesse und interpretiert Krisen auf die Frage von Geschlechterverhältnissen hin. Religiös oder moralisch legitimierte Freiheitsbeschränkungen für Frauen treffen so nicht selten auf als bedrohlich erlebte Veränderungen und existentielle Krisen. In den Aushandlungsprozessen um Geschlechterpolitik gibt es so zahlreiche Pole, zwischen denen Identitäten und Zuschreibungen konstruiert werden.

Nicht zuletzt bildet die widersprüchliche geschlechtsspezifische Einbindung von Männern und Frauen in die neoliberal globalisierte Wirtschaft den materiellen Hintergrund für Geschlechterdiskurse. Denn weder die vielfach nur prekäre Integration in den globalisierten Erwerbsarbeitsmarkt noch die in informellen und subsidiären Zusammenhängen erwirtschafteten Güter garantieren für Männer und Frauen eine gesicherte Existenz. Die Diskurse rund um die Frage der Integration von Frauen in die Erwerbsarbeit verengen insofern das Blickfeld. Hier stehen tatsächliche und vermeintliche Globalisierungsgewinne und die weltweiten Fortschritte der Frauen bzgl. Bildung und Ausbildung einer Feminisierung der Verantwortung gegenüber, von der gerade ärmere Frauen betroffen sind. Denn die Sorgearbeit bleibt – und das unter Bedingungen fehlender bzw. sinkender staatlicher Fürsorge – bei den Frauen, selbst wenn die Chancen auf formale Einbindung in den Arbeitsmarkt mittlerweile auch für Männer fehlen.

Diesen Zusammenhang stellt Christa Wichterich sehr deutlich dar. Sie gibt einen Überblick über die Verschiebungen der geschlechtsspezifischen Integration von Frauen und Männern in die globalisierte Wirtschaft in der Zeit der Krise. Gleichzeitig analysiert sie den Diskurs, der über die geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Krise geführt wird. Unabhängig von der vielfach den Männern angelasteten Schuld konstatiert sie, dass Geschlechtergleichheit im aktuellen Neoliberalismus vor allem die Prekarisierung beider Geschlechter bedeutet, wobei vor allem die Frauen letztendlich die Verantwortung für die Aufrechterhaltung sozialer Dienstleistungen behalten.

Es zeigt sich, dass ein weiterer Spannungsbogen in der Intersektionalität der Geschlechterverhältnisse auch das Selbstverständnis sich als modern gebärdender Staaten und lokaler Gemeinschaften ist. Renate Kreile stellt den anhaltenden Konflikt zwischen Staat und Gesellschaft vor dem Hintergrund der externen Besatzungsmächte aus einer historischen Perspektive dar. Geschlechterpolitik, so argumentiert sie, spielte in Afghanistan schon seit langem die Schlüsselrolle in den machtpolitischen Auseinandersetzungen zwischen dem Staat auf der einen und den familiären religiösen Gemeinschaften auf der anderen Seite.

Modern und traditionell – so wird in allen Beiträgen dieser Ausgabe sehr deutlich – sind keine feststehenden Kategorien, sondern jeweils in Relation zu bestimmten Praktiken und Verhältnissen interpretierbar. Das führt im Sudan dazu, dass ein sich als islamisch verstehender Staat bereits im 19. Jahrhundert eine islamische Moderne als Gegenbild zu lokalen Traditionen propagierte. Geschlechteridentitäten werden hier im Spannungsfeld zwischen Islam und westlicher Moderne sowie zwischen unterschiedlichen ethnischen und religiösen Zugehörigkeiten verhandelt. Anhand von Interviews stellt Ulrike Schultz dar, wie Frauen selbst ihre Identität zwischen Hausarbeit und Erwerbsarbeit auch entlang ihrer eigenen Interessen konstruieren.

Vor dem Hintergrund der Vielfalt widersprüchlicher und sich überschneidender Diskurse und Aushandlungsprozesse gewinnt das Thema der sozialen Konstruktion von männlichen und weiblichen Identitäten und Geschlechterrollen an Bedeutung. Frauen und Männer nutzen so jeweils geltende oder auch konkurrierende Geschlechternormen, um sich Handlungsspielräume zu erschließen. Sie handeln für sich lebbare Geschlechterrollen und identitäten aus und nutzen dabei durchaus Argumente unterschiedlicher Diskurse.

Marian Burchardt beschreibt mit eindrucksvollen empirischen Belegen, wie sich von HIV/AIDS betroffene Frauen in Südafrika mit einer durch die Krankheit eher rigider werdenden kirchlichen Sexualmoral arrangieren – nicht zuletzt, weil Kirchengemeinden ihnen gleichzeitig Räume für geschlechterbezogene Solidarität öffnen. Frauen entwickeln hier in religiösen Selbsthilfegruppen neue Perspektiven und eine Geschlechteridentität, die ihnen ein Leben mit der Krankheit erlaubt. Zugleich zeigt er die Widersprüchlichkeit dieser Selbsthilfegruppen auf, die darin besteht, dass einerseits Frauen im Kontext männlicher Herrschaft neue Handlungsfähigkeit gewinnen, andererseits die bestehende Trennung vergeschlechtlichter kultureller Sphären eher verstärken als unterlaufen.

Unter Bezug auf Pierre Bourdieu und geschlechtertheoretische Überlegungen zu Männlichkeit und Gewalt rekonstruiert Ruth Streicher den Habitus von Gang-Mitgliedern in Osttimor. Die Aneignung des Geschlechtshabitus basiert erstens auf Denkmustern, die Männer als Verteidiger der Gemeinschaften sehen, zweitens auf der Erfahrung von männlicher Gewalt im Widerstandskampf und drittens auf Strukturen, die über gewalttätige Konkurrenzkämpfe der Männer untereinander entstehen. Allerdings werden diese Faktoren durch den sozialen Wandel mit der seiner zunehmend dominierenden Bedeutung von Erwerbsarbeit verändert und überholt. Damit macht Streicher deutlich, dass das vielfach bemühte Argument, Männergewalt habe ihre Ursache in fehlenden Erwerbsarbeitsmöglichkeiten, den tatsächlichen Zusammenhängen kaum gerecht wird.

Stefanie Kron untersucht die lokalen Auswirkungen internationaler Migration von Männern auf die Geschlechterbeziehungen im ländlichen Guatemala. Aus einer mikrosoziologischen Perspektive zeigt sie, dass transnationale Räume der Migration von Machtbeziehungen zwischen den Geschlechtern durchzogen sind, aber auch, dass die Migration die Geschlechterrollen, die geschlechtsspezifischen Arbeitsteilungen, Subjektivitäten und Formen der Partizipation verändert. So wird klar, dass Veränderungsprozesse sich sehr widersprüchlich auf die Geschlechterbeziehungen auswirken. Einerseits bleiben neu entstehende soziale Öffentlichkeiten und Machtressourcen meist männlich konnotiert, andererseits entstehen jedoch für die zurückbleibenden Frauen – die „weißen Witwen“ – neue Einflussmöglichkeiten, beispielsweise durch die Politisierung der Mutterschaft oder durch ihre Rolle als Hüterin der „Tradition“ im Prozess der Mayanisierung.

Zwei Stichworte geben einen Einblick in die Geschlechterforschung. Unter dem Titel „Männlichkeiten“ führen Ilse Lenz und Hildegard Scheu in den Kernbegriff der kritischen Männerforschung ein. Die vielfältige Bedingtheit und Überschneidung von Geschlecht als Strukturkategorie und geschlechterpolitischen Konflikten mit anderen gesellschaftlichen Strukturkategorien und Konflikten stellt Ina Kerner im Beitrag „Intersektionalität“ vor.

Außerhalb des Schwerpunkts widmet sich Claudia Prinz der deutschen Kolonialgeschichte, indem sie dem Wirken des maßgeblich für die gewaltsame Eroberung Ostafrikas verantwortlichen Offiziers und Gouverneurs Hermann von Wissmann nachgeht. Militärisches Handeln war für ihn, der auch mit dem Aufbau von Verwaltungsstrukturen betraut war, prima ratio, und das Massaker gehörte zu den elementaren Bestandteilen seiner Eroberungs- und Herrschaftsstrategie. Während Wissmann sich im Sinne eines „Kolonalpioniers“ autonom gerierte und dabei ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein an den Tag legte, war sein Handeln gleichwohl in hohem Maße abhängig von der machtpolitischen Konstellation sowohl innerhalb der kolonisierten Gesellschaft als auch im kolonialstaatlichen Feld. Dass er sich nicht in die kolonialen Pläne der Regierung einbinden ließ, führte schließlich zum vorzeitigen Ende seiner Karriere.

Die letzte Ausgabe dieses Jahrgangs wird sich dem Thema „Postkoloniale Perspektiven auf ‘Entwicklung’“ widmen. Für den 31. Jahrgang sind bisher Hefte zu „Entwicklungspolitik und Eigensinn“, „Sicherheit und Entwicklungspolitik“ sowie zur Bedeutung der aktuellen ökonomischen Krise für die Peripherie geplant. Die Calls for Papers für diese Ausgaben finden sich auf unserer Homepage. Zu diesen und anderen Themen sind Beiträge wie immer sehr willkommen.

Für unsere weitgehend ehrenamtliche Arbeit sind wir auch weiterhin auf die Beiträge der Mitglieder der Wissenschaftlichen Vereinigung für Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik (WVEE) e.V., die die PERIPHERIE herausgibt, und auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns daher über neue Vereinsmitglieder ebenso wie über einmalige Spenden. Um die Resonanz der so wichtigen Kritik aktueller Tendenzen in der internationalen Politik zu verbessern, sind wir auch für neue Abonnentinnen und Abonnenten sehr dankbar. Alle WVEE-Mitglieder und PERIPHERIE-Leserinnen und Leser sind daher herzlich eingeladen, unsere Zeitschrift noch bekannter zu machen.

Summaries

Christa Wichterich: Gender Relations and Gender Discourses in the Economic Crisis. The integration of women into markets, in particular the feminisation of employment and financialisation, has caused the male breadwinner model to erode, while gender inequalities remain. During the economic crisis of 2008/09 this conflicting tendency was reflected in a mixture of conservative, essentialist and neoliberal gender discourses on the root causes and impacts of the crisis. Going beyond the earlier pattern of research, which has highlighted how women have been adversely affected by the crisis, this article explores the empirical and discursive transformation of gender norms and roles during this period. Apart from its sector , region and gender-specific effects, the crisis has accelerated long standing tendencies regarding the flexibilisation of labour and precarisation of employment. The article agues that these developments have contributed to the emergence of a neoliberal form of gender equity; one which works to further topple breadwinner masculinity as well as stress the individual responsibility of women as market agents.

Renate Kreile: Between Purdah, Bollywood and Politics – Gender and Transformation in Afghanistan. In Afghanistan the „women’s question“ has always been of great significance for state-building and anti-state resistance. By using gender policies and regulating family laws, the state has attempted to intervene into familial, tribal and religious communities and to impose state control and hegemony over the society. Local communities have, however, defended their autonomy from the state, as well as their control over „their women“. In modified forms, the structural contradictions of the past are affecting and shaping gender politics in the „new Afghanistan“. The externally dependent and internally fractioned Afghani state, which lacks legitimacy and capacity, is being confronted by strong social and political forces that use the „women’s question“ as a powerful symbol for upholding and legitimising resistance to central government. Consequently, today’s Afghan women are striving for empowerment in a complex legal setting, which sees the interaction of formal and informal, global and local, gender norms.

Marian Burchardt: Living a Better Life without Men? Tactical Religion, Gender and HIV/AIDS in South Africa. Social science scholarship has pointed to the renewed presence of religion in public discourses and institutional networks of development politics and humanitarianism but has largely ignored questions regarding the gender politics resulting from this renewed presence. Building on research that has explored the role of religion in development, this article explores how gendered arrangements of domination are addressed and reconfigured in Christian responses to the AIDS epidemic in urban South Africa. Based on 10 months of ethnographic research in Cape Town, the findings suggest that responses to HIV/AIDS originating from the religious domain reinforce the construction of separate gender spheres. While the construction of separate spheres provides benefits to women dealing with the consequences of HIV/AIDS, it also replicates the existing gender division of labour, leading to ambivalent outcomes.

Ulrike Schultz: „This is not work for a woman like me“: The Discourse on Female Employment in Sudan. Since the establishment of the Islamic regime of Omer El Beshir in Sudan, female income has been highly contested and is a topic at the centre of the Islamisation and modernisation project of the Sudanese state. This article argues that modernity and tradition are negotiated and constructed through discourses surrounding female income and female employment. While in the mainstream discourse, Western and Islamic modernity and tradition are often perceived as antagonistic in everyday life, they are also frequently interpreted in new ways and put together to from a modernity characterized by hybridisation. Female income is, on the one side, perceived as a symbol for the radical transformation of Sudanese society and is, therefore, considered to be part of modernity. However, on the other side, being a ‘modern’ mother and wife is often conceptualised as not being compatible with employment and working outside the home. This is in contrast to the life stories of elder women, which reveal that female income is part of local „traditions“. That is, „modern Islamic tradition“ is often constructed in a way that contradicts local „traditions“ and the biographies of older women. The text argues, therefore, that discourses surrounding modernity and „tradition“ can only be understood if connected to ethnic and class specific ascriptions and forms of belonging. Whereas poor women draw on traditions which exist in their local surroundings, middle class women position themselves as part of modernity and try to distinguish themselves from local traditions. Moreover, education and female employment play an increasing role in ascribing family status and class position. The article is based on qualitative interviews conducted between 2001 and 2003 in the Three Towns (= Khartoum, Omdurman and Bahri) and a village south of Omdurman.

Ruth Streicher: Of Traditional Protectors and Modern Men – Engendering a Youth Gang in East Timor. „Youth gangs“ have emerged as the main actors being held responsible for the bulk of the violence which occurred during the East Timor crisis of 2006. In this explorative article I contest homogenising accounts of gang violence in Dili by offering an empirically based and theoretically grounded gender analysis of one of these „youth gangs“. On the theoretical level, I argue that since Bourdieu’s notion of habitus helps to integrate different theoretical gender perspectives that emphasise either agency or structure, it is useful for conceptualising the interlinkages between the construction of masculinities and the practice of violence. In applying this theoretical approach, I analyse empirical data collected from interviews with members of civil society and members of one youth gang in Dili. By critically discussing my first tentative results, I come to suggest avenues for future research which would help to deepen gendered analysis of gang violence in East Timor.

Stefanie Kron: Coyotes, Norteños Transeúntes and Viudas Blancas: Transmigration and Gender in Rural Areas of Guatemala. Since pacification and formal democratisation in Central America during the mid-1990s, the accelerated and asymmetrical integration of the region into the global economy has led to various widespread social consequences, among them the increased migration of, mainly, impoverished peasants, artisans and traders to the United States. As a result, the formation of a new border regime in southern Mexico can be observed. In this essay, I take a micro-sociological perspective of these transformation processes in the Central American region and examine gender relations in the context of transnational migration. Using data from field work in 2006, ethnographic methods and concepts such as transmigration and social remittances, I analyse the social and cultural changes in a rural and indigenous Guatemalan town (municipio) located in the Guatemalan-Mexican border region. Here, like in many other towns of the region, male (trans )migration to the USA has become a social and biographical norm. I stress (transborder) interactions and the relationships of migrants and residents of the municipio, new forms of social and political participation, as well as the emergence of new engendered and transcultural subjects like the „coyote“, the „norteño transeunte“ („passer-by“) and the „viuda blanca“ („white widow“). I argue that these subjects and various their forms of participation have developed and are performed at the margins of the institutions of the nation-state and are, likewise, beyond identification with the nation-state. Existing instead in communal spaces and transnational social fields, transcultural subjects are redefining local power relations along the lines of gender and ethnicity.

Claudia Prinz: Hermann von Wissmann: a Colonial „Pioneer“ in German East Africa. Relations between the metropole and colonies and the implications of colonial rule remain important research topics of European colonial history. This article argues that the biographies of actors in the process of colonization can reveal important aspects of colonial rule. Looking specifically at Hermann von Wissmann in German East Africa, the text highlights his individual contributions to the process of colonization in Central and Eastern Africa. Going further, the text also asks which of von Wissmann’s traits are representative of a certain type, or group, of colonizing agents at the end of the nineteenth century – the colonial pioneers. This entails analysing his relations and position vis-à-vis the metropole as well as the concrete practices of occupation in East Africa. The article deals with the external conditions surrounding his actions and examines which avenues and patterns of behaviour were feasible for Wissmann as a German military officer, and adventurer, enrolled in providing colonial services.

INHALT

Editorial, S. 159

Christa Wichterich: Geschlechteranalysen und -diskurse in der Krise, S. 164

Renate Kreile: Zwischen Purdah, Bollywood und Politik – Geschlechterverhältnisse und Transformationsprozesse in Afghanistan, S. 188

Marian Burchardt: Besser leben ohne Männer? Taktische Religion, Geschlechterordnung und HIV/AIDS in Südafrika, S. 211

Ulrike Schultz: „Dies ist keine Arbeit für eine Frau wie mich“ – Der Diskurs um Frauen(erwerbs)arbeit im Sudan, S. 237

Ruth Streicher: Hegemoniale Deutungsmuster und ernste Spiele. Zur Konstruktion von Männlichkeit und Gewalt am Beispiel einer Gang in Osttimor, S. 264

Stefanie Kron: „Coyotes“, „Passanten aus dem Norden“ und „weiße Witwen“. Transmigration und Geschlecht im ländlichen Raum Guatemalas, S. 283

Ilse Lenz & Hildegard Scheu: PERIPHERIE-Stichwort Männlichkeiten, S. 309

Ina Kerner: PERIPHERIE-Stichwort Intersektionalität, S. 312

Claudia Prinz: Hermann von Wissmann als „Kolonialpionier“, S. 315

Rezensionen, S. 337
Eingegangene Bücher, S. 386
Summaries, S. 388
Zu den Autorinnen und Autoren, S. 391

Zitation
Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt 30 (2010), 2. in: H-Soz-Kult, 24.08.2010, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-5714>.
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