Deutschland Archiv Online (2012), 4

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Deutschland Archiv Online (2012), 4.
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Nachkrieg


Hrsg. v.
W. Bertelsmann Verlag Bielefeld im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn
Heft(e)
04
Erschienen
Bielefeld 2012: W. Bertelsmann Verlag
Herausgeber d. Zeitschrift
W. Bertelsmann Verlag Bielefeld im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn
Erscheinungsweise
Monatlich
Kontakt
]init[ Redaktion Köpenicker Straße 9 10997 Berlin

Am 8. Mai jährt sich zum 67. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges und damit die Befreiung Deutschlands und Europas vom Nationalsozialismus. In Deutschland mussten nun das politische Leben und der Alltag völlig neu gestaltet werden. In der sowjetischen Besatzungszone diente die NS-Vergangenheit allerdings vielfach als Vorwand, politische Gegner aus dem Weg zu räumen, während zugleich auch hier Mitläufer und Täter des NS-Regimes durchaus Karriere machen konnten. Sechs Jahrzehnte später und gut 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums wirken die Folgen der NS-Diktatur noch nach, kollidieren aber vielerorts mit den Erinnerungen an den Kommunismus.

INHALT

Claudia Simone Dorchain, Jüdischer Humor in Deutschland,
<http://www.bpb.de/132866>
„Ich bin Jude, ich darf das“ – in seiner Comedy-Show feiert Oliver Polak mit Witzen über seine Kindheit als Jude in Deutschland und über die deutsche NS-Vergangenheit große Erfolge. Woher kommt das plötzliche Interesse des deutschen Publikums an jüdischem Humor, und welche Erscheinungsformen kennzeichnen diese Unterhaltungsform?

Alexander Muschik, Die SED und die Juden 1985–1990. Eine außenpolitische Charmeoffensive zur Rettung der DDR,
<http://www.bpb.de/132869>
Mitte der 1980er-Jahre begann die SED sich darum zu bemühen, die Beziehungen zum Judentum und zu Israel zu verbessern, um seine internationale Anerkennung aufzuwerten, wirtschaftliche Hilfe aus den USA zu erhalten und schließlich auch jüdische Unterstützung für den Erhalt der deutschen Zweistaatlichkeit zu mobilisieren.

Fabian Riedel, „Braun“ und „Rot“ – Akteur in zwei deutschen Welten. Der Jurist Dr. Walter Neye (1901–1989). Eine Fallstudie,
<http://www.bpb.de/132929>
Das facettenreiche Leben des Juristen Walter Neye ist ein eindrückliches Beispiel für personelle Kontinuitäten vom NS-Regime zum Unrechtsstaat der DDR. Neyes Leben führte von einer NSDAP-Mitgliedschaft und Tätigkeit als Rechtsanwalt, bei der er sich auch der nationalsozialistischen Rassenpolitik bediente, zu einer bemerkenswerten Wissenschaftskarriere in der DDR, die in der Berufung zum Rektor der Berliner Humboldt-Universität gipfelte.

Tobias Haberkorn, Kriegsverbrecherverfolgung in der SBZ und frühen DDR 1945–1950. Legenden, Konflikte und Mängel,
<http://www.bpb.de/132873>
Die Geschichtsschreibung widmet der Kriegsverbrecherverfolgung in der SBZ und frühen DDR wenig Beachtung. Gingen in der Vergangenheit in Ost und West die Auffassungen darüber völlig auseinander, so ergeben neuere Forschungen in diesem Bereich ein vielschichtiges Bild, das eine homogene Betrachtungsweise nicht mehr zulässt.

Lutz Sartor, Die „Hungerdemonstration“ in Olbernhau am 18. Juli 1946,
<http://www.bpb.de/132942>
Die „Hungerdemonstration“ von Olbernhau verweist nicht nur auf die angespannte Versorgungslage in Nachkriegsdeutschland, insbesondere in der SBZ; die Reaktionen auf die „Hungerdemonstration“ zeigen vielmehr, wie die sowjetische Besatzungsmacht und die Kommunisten mit Unmutsbekundungen und politischen Gegnern umgingen.

Jürgen Koller, Eklat beim Ersten (gesamt-)Deutschen Schriftstellerkongress in Ost-Berlin. Der US-amerikanische Journalist Melvin J. Lasky und der kulturelle Kalte Krieg,
<http://www.bpb.de/132953>
Ein harmonisches „Parlament des Geistes“ war geplant, der Erste Deutsche Schriftstellerkongress sollte den politischen Spannungen zwischen Ost und West entgegenarbeiten. Kommunistische Autoren dominierte. Als jedoch der US-Amerikaner Melvin J. Lasky auf fehlende Meinungs- und Kunstfreiheit in der Sowjetunion verwies, kam es zum Eklat, der Kongress kippte.

Wilhelm K.H. Schmidt, Workuta – die „zweite Universität“. Zum 85. Geburtstag des Althistorikers Peter Musiolek,
<http://www.bpb.de/132955>
Schuldlos wurde der 23-jährige Peter Musiolek 1950 in das Straflagergebiet Workuta deportiert. Die dort und zuvor in der Untersuchungshaft durchlittene Unmenschlichkeit hinderte den später zum hochgeschätzten und politisch integren Hochschullehrer und Wissenschaftler avancierten Musiolek rückblickend nicht, seine dort gewonnene Lebenserfahrung und Charakterstärke zu bewahren.

Peter Löhnert/Emmy Attinger-Goldacker, Dokumentation: Späte Genugtuung. Die Rehabilitierung der Emma Goldacker,
<http://www.bpb.de/132963>
64 Jahre nach ihrer Verurteilung durch ein NKWD-Gericht erfährt Emma Goldacker, dass die Russische Generalstaatsanwaltschaft sie rehabilitiert hat. 1945 war sie 10 Jahren Besserungslager verurteilt worden. Eine Dokumentation der Rehabilitierungsbescheinigung und verschiedener Prozessdokumente.

Gerhard Barkleit, Kaliningrader Identitäten oder die Schizophrenie der Geschichtslosigkeit,
<ttp://www.bpb.de/132976>
„Wer sind wir, deutsch geprägte Russen oder russisch geprägte Deutsche?“ Für den Schriftsteller Aleksander Popadin ist der Kaliningrader geradezu ein „Vorbild für Unbestimmtheit“. Am Beispiel eines Oral-History-Projekts der Kaliningrader Universität aus den 1990er-Jahren wird gezeigt, wie historische Forschung durch einen Wechsel der Perspektive zur Versachlichung der bisweilen bizarre Züge annehmenden Debatte um die Bedeutung der deutschen Vorgeschichte dieser Region beitragen könnte.

Stefan Troebst, „Osten sind immer die Anderen!“ Mitteleuropa als exklusionistisches Konzept,
<http://www.bpb.de/132980>
Im Zuge des Epochenjahrs 1989 hat „Europa“ den „Osten“ immer weiter nach Osten abgedrängt, während der Westrand des „früheren“ Osteuropa in die „Mitte“ gerutscht ist. Die Rede von der Mitte bedingt zwangsläufig die Ausgrenzung dessen, was nicht mittig ist. Dies trifft auch und gerade für den Mitteleuropa-Diskurs der 1980er-Jahre und seine Nach-„Wende“-Fortsetzung zu – wobei nun zunehmend „Europa“ die „Mitte“ ersetzt.

Karsten D. Voigt, Freiheit und Sicherheit. Die Entwicklung ihres Verhältnisses von Siebzigerjahren bis heute – eine Retrospektive aus politischer Sicht,
<http://www.bpb.de/132978>
Die Bundesrepublik Deutschland definierte sich seit ihrer Gründung als rechtsstaatliche und demokratische Alternative zum Nationalsozialismus. In Politik, Verwaltung und Wirtschaft aber wirkten die personellen Kontinuitäten zu der Zeit vor 1945 noch jahrzehntelang nach. Die Entlarvung dieser Kontinuitäten zum Nationalsozialismus und die Forderung nach einem Bruch mit ihnen war ein wichtiger Grund für die Protestbewegungen Ende der 1960er-Jahre. Deren überwiegende Mehrheit setzte sich für eine reformerische und gewaltfreie Demokratisierung von Staat und Gesellschaft ein. Aus den heftigen jahrzehntelangen Auseinandersetzungen ist die heutige stabile demokratische Kultur der Bundesrepublik Deutschland entstanden.

LITERATURJOURNAL

Felicitas Söhner, Vertreibungsdiskurs und Erinnerungskultur,
<http://www.bpb.de/132983>
Sammelrezension zu:
Eva Hahn, Hans Henning Hahn: Die Vertreibung im deutschen Erinnern, ISBN: 9783506770448.
Wolfgang Fischer: Heimat-Politiker?, ISBN: 9783770053001.
Henning Burk, Erika Fehse, Marita Krauss, Susanne Spröer, Gudrun Wolter: Fremde Heimat, ISBN: 9783871347146.
Elena Agazzi, Erhard Schütz (Hg.): Heimkehr, ISBN: 9783428133796.
Karlheinz Lau: Deutschlands historischer Osten, ISBN: 9783000349621.
Philipp Ther: Die dunkle Seite der Nationalstaaten, ISBN: 9783525368060.
Ray M. Douglas: "Ordnungsgemäße Überführung, ISBN: 9783406622946.

Wolfgang Schlott, Positionen einer europäischen Erinnerungspolitik,
<http://www.bpb.de/132984>
Sammelrezension zu:
Hans-Henning Hahn, Robert Traba (Hg.): Deutsch-polnische Erinnerungsorte, Bd. 3: Parallelen, ISBN: 9783506776418.
Anna Zofia Musioł: Erinnern und Vergessen, ISBN: 97833531183312.
Stefan Troebst, Johanna Wolf (Hg.): Erinnern an den Zweiten Weltkrieg, ISBN: 9753865835482.
Gerhard Besier, Katarzyna Stokłosa (Hg.): Geschichtsbilder in den postdiktatorischen Ländern Europas, ISBN: 9783643102300.
Zsuzsa Breier, Adolf Muschg (Hg.): Freiheit, ach Freiheit …, ISBN: 9783835309555.

Thomas Widera, Militär (in) der DDR,
<http://www.bpb.de/132986>
Sammelrezension zu:
Winfried Heinemann: Die DDR und ihr Militär, ISBN: 9783486704433.
Heiner Bröckermann: Landesverteidigung und Militarisierung, ISBN: 9783861536390.
Rüdiger Wenzke: Ab nach Schwedt!, ISBN: 9783861536383.
Bernd Eisenfeld, Peter Schicketanz: Bausoldaten in der DDR, ISBN: 9783861536376.

Zitation
Deutschland Archiv Online (2012), 4. in: H-Soz-Kult, 10.05.2012, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-6823>.
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