Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt 32 (2012), 3

Titel
Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt 32 (2012), 3.
Weitere Titelangaben
Fair Trade – Eine bessere Welt ist käuflich


Hrsg. v.
Wissenschaftliche Vereinigung für Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik e.V.
Heft(e)
03
Erschienen
Münster (Westf.) 2012: Westfälisches Dampfboot
Umfang
160 S.
Preis
Einzelheft 12,00 EUR, Doppelheft 24,00 EUR, Abo 32,00 EUR, Abo für Institutionen 58,00 EUR
Herausgeber d. Zeitschrift
Wissenschaftliche Vereinigung für Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik e.V.
Erscheinungsweise
4 Nummern in 3 Ausgaben
Kontakt
PERIPHERIE Redaktionsbüro c/o Michael Korbmacher Stephanweg 24 48155 Münster Telefon: +49-(0)251/38349643

Fair-Trade-Produkte füllen heute zunehmend als Massenware die Regale der Supermärkte. Der Idee nach sollte Fair Trade den unmittelbaren Produzent_innen „faire“ oder „gerechte“ Preise garantieren, die ihnen Produktionskosten der Produkte ersetzen und ein menschliches Überleben für sie und ihre Familien ermöglichen. Nach dem allgemeinen Verständnis sollen faire Preise ein sozial und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften sichern, die Lebensbedingungen der Bauern verbessern und die lokalen und regionalen Gemeinwesen stärken. Der organisierte Faire Handel ersetzt dabei – dem Anspruch nach – fehlende Marktmacht von kleinen Produzent_innen gegenüber den zu Weltmarktbedingungen agierenden, profitorientierten Aufkäufern, Weiterverarbeitern und Handelsunternehmen.

Der Band enthält Beiträge zur Zertifizierung von Fair-Trade-Produkten, zu Fair Trade als Strategie für nachhaltige ländliche Entwicklung, zum Mythos vom sozialverantwortlichen Unternehmen, zu Konzepten von Fairness und Gerechtigkeit in den durch Fair Trade hergestellten Tauschbeziehungen, zu neuen Strukturen der Abhängigkeit zwischen Globalem Süden und Globalem Norden sowie ein Stichwort zu „Komparativen Kostenvorteilen“.

EDITORIAL

Fairer Handel war und ist ein zentrales Anliegen der Eine-Welt-Bewegung. Dahinter steht eine Kritik an den weltweiten Handelsbeziehungen. Diese werden seit Beginn der Dritte-Welt-Bewegung fundamental für ungleichen Tausch, strukturell ungleiche Machtverhältnisse und Ausbeutung kritisiert. Dagegen setzt Fair Trade die Hoffnung auf direkte Beziehungen zwischen Kooperativen im Globalen Süden und im Globalen Norden. Fotos und oft sogar Reisen sollen ein Gefühl der Nähe zwischen Produzentinnen und Produzenten einerseits und Konsumentinnen und Konsumenten andererseits schaffen. Selektiv in der Produktpalette wurden in der Linken immerhin Kaffee und Bananen zum Inbegriff unfair gehandelter Waren, von denen die Bäuerinnen und Bauern im Globalen Süden nur Hungerlöhne erhielten. Dem wird das Angebot von Eine-Welt-Läden und Fair-Trade-Labels gegenübergestellt. Sie versprechen, dass Produzentinnen und Produzenten einen angemessenen Lohn für ihre Arbeit erhalten, der ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.

Sebastian Nessel untersucht am Beispiel einer der ältesten, größten und erfolgreichsten Kaffee-Kooperativen Mexikos, UCIRI, die Bedeutung der Bildung von Kooperativen für das Überleben und Gedeihen kleinbäuerlicher Betriebe. In der Initiierung und Förderung von Zusammenschlüssen der Kleinproduzentinnen und -produzenten zu Kooperativen, die Voraussetzung für die Zertifizierung durch Fairtrade International sind, sieht er letztendlich den gewichtigeren Beitrag von Fair Trade zur Stabilisierung bäuerlichen Wirtschaftens, während die Auswirkungen auf die Haushaltseinkommen insgesamt eher unsicher sind. Seiner Auffassung nach kann Fair Trade einen Beitrag zu einer nachhaltigen ländlichen Entwicklung leisten, welche die durch die massive Abwanderung von Arbeitskräften und Haushalten aus der Kaffeeproduktion ausgelöste soziale Erosion aufzuhalten vermag.

(Zertifizierter) Fair Trade und ein gesteigertes Einkommen für Produzentinnen und Produzenten können unter günstigen Bedingungen einen gewichtigen Unterschied machen. Damit scheint der Fair-Trade-Bewegung die Übertragung einer Kritik der Verhältnisse in den Alltag, in persönliche Beziehungen und in individuelles Handeln zu gelingen. Doch auch auf diesem lichten Bild gibt es Schatten. Das Konzept des Fair Trade vereinfacht in fragwürdiger Weise, was nicht nur theoretisch, sondern gerade auch politisch ein komplexes Problem ist. Damit befassen sich Beiträge in unserem Heft, und dieses Problem artikulierte sich auch im Zuge der Heftgestaltung überaus deutlich, wie wir kurz darlegen möchten.

Die Gruppe der kleinbäuerlichen Produzentinnen und Produzenten im Globalen Süden, mit denen sich die Konsumentinnen und Konsumenten im Globalen Norden qua Kauf fair gehandelter Produkte solidarisieren sollen, ist genauso wenig homogen wie die Eine-Welt-Bewegung. Maria Tech untersucht die Produktion von fair gehandeltem, biologisch angebautem Rooibos-Tee in der südafrikanischen Kap-Region. Dieser Tee gilt als weltweite Erfolgsgeschichte des fairen Handels. Tech schaut hinter die Kulissen dieser Erfolgsgeschichte. Sie beschreibt ein komplexes Gefüge aus asymmetrischen Marktstrukturen, globalen Handels- und Güterketten, lokalen Geschlechterstrukturen, aus Kolonialzeit und Apartheid herrührenden rassistischen Farbenlehren und Machtverhältnissen sowie Produktion zwischen Lohnarbeit, Subsistenz und kleinbäuerlicher Selbständigkeit. Dabei zeigt sie die grundlegend unterschiedlichen Bedingungen von kleinbäuerlicher Produktion und Plantagenwirtschaft mit der sehr ungleichen Verteilung der Erträge auf. Zugleich wird auch die Problematik von global einheitlichen Standards für alle Produzentinnen und Produzenten deutlich. Mit wem genau verhalten sich also Konsumentinnen und Konsumenten im Globalen Norden solidarisch?

Auf Werbebildern und Verpackungen der breitenwirksam vermarkteten Fair-Trade-Produkte sind vielfach vereinheitlichende Bilder freundlich in die Kamera schauender Produzentinnen und Produzenten im Globalen Süden zu sehen, die vorgeblich ohne die ihnen durch Fair Trade zukommende Hilfe nicht auskommen können. Dieses Bild wird zu Recht von postkolonial engagierten Menschen kritisiert. Eine Mischung aus Exotismus und Mitleid gehört allzu oft zur Vermarktungsstrategie dazu und bedient die alten Hierarchien in den Köpfen Weißer Konsumentinnen und Konsumenten. Immer noch besser als leere Reisschalen oder – in den 1970ern – ausgestreckte Hungerhände, entkommen die Hochglanzabbildungen dennoch nicht vorgefassten Mustern von Rassismus und kolonialem Denken.

Wir haben keinen Beitrag im Heft, der sich mit diesen Bilderwelten befasst, weil uns die gerade referierte Kritik oft als zu wenig differenziert erscheint. Im Grunde findet hier ein problematischer Zirkelschluss statt: Weiße kritisieren das rassistische Denken von Weißen, das durch entsprechende Bilder unterstützt wird. Aber wo ist der Anfang des Zirkels? Sind es nicht die weltweiten, rassistisch und kolonial geformten Strukturen, die das rassistische Denken begründen, das seinerseits die Bilder überhaupt erst rassistisch interpretiert?! Teepflückerinnen auf zertifizierten Plantagen in Sri Lanka oder Indien tragen genau die bunten Tücher und Saris, auf Bildern werbewirksam in Szene gesetzt, die den Exotismus hierzulande reproduzieren. In den Fällen, wo sie – in der Regel genossenschaftlich organisiert – tatsächlich durch auf Fair Trade beruhende Vertriebswege deutlich höhere Einkommen erwirtschaften, gibt es auch Grund zu lächeln. Es gibt außerdem gute Gründe, erfolgreiches Marketing und an die Konsumentinnen und Konsumenten angepasste Werbung zu wünschen.

In einer rein unter Weißen im Globalen Norden bleibenden Auseinandersetzung um die kolonialen Bilder der Fair-Trade-Warenwelt bleiben auf beiden Seiten, auch auf Seiten der Kritik, die Produzentinnen und Produzenten im Globalen Süden außen vor: unbeteiligte Objekte auf der Folie der Kritik. Einer auf die Vermarktung ihrer Kaffeebohnen angewiesenen Guatemaltekin zu sagen: „Sorry, wir finden die Kaffeewerbung zu sexistisch und rassistisch“, entbehrt nicht einer gehörigen Portion von Zynismus. Wie schon Marx wusste, ist es unter den Bedingungen eines ausbeuterischen Systems, in dem Produktionsmittel und Marktzugänge monopolisiert sind, schlimmer, nicht ausgebeutet als ausgebeutet zu werden. Gerade die relative Stärke des Fair-Trade-Ansatzes, hierzulande etwas im Alltag zu verbessern, wird mit einer kompromisslos daherkommenden, letztlich aber abstrakten Kritik konterkariert. Der Wunsch, partnerschaftliche und hierarchiefreie (nicht-koloniale und nicht-rassistische) Beziehungen herzustellen, ist der Bewegung eingeschrieben. Genau deshalb müssen die Bilder und Projektionen kritisiert werden. Das kann aber nur Anfang, nicht Ende einer emanzipatorischen Kritik sein.

Dies verweist auf den Kernwiderspruch, der auch für Fair Trade insgesamt seine Gültigkeit hat: Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Kann gerechter Handel aufwiegen, was durch globale Handelsbeziehungen, ungleiche Produktions- und Tauschbestimmungen, die überwältigende Macht einzelner Konzerne und der US- und EU-Agrarsubventionen auf höchstem Maßstab angerichtet wird? Ist also, wie der Titel dieses Heftes bewusst ironisierend behauptet, eine bessere Welt käuflich?

Inwiefern die Macht kritischer Konsumentinnen und Konsumenten das Handeln multinationaler Konzerne beeinflussen kann, analysiert der Beitrag von Christian Ulbricht am Beispiel von Nike. Der Autor zeigt die Wechselwirkungen zwischen den öffentlichen Skandalisierungen der Arbeitsverhältnisse in Betrieben, die von Nike unter Vertrag genommen waren, z.B. das Nähen von Fußbällen in Sialkot (Pakistan), und den öffentlichen Reaktionen des Unternehmens, die zur schrittweisen Ausarbeitung eines internen Regelwerkes mit sozialen Standards führten. Seine These lautet, dass die öffentliche Kritik letztlich zum Mythos des sozialverantwortlichen Unternehmens beigetragen hat, mit dem Nike seine Existenz als weltweit nach Profiten strebendes Unternehmen rechtfertigen kann. Vor dem Hintergrund der „Theorie der Konventionen“ fragt Ulbricht nach den Rechtfertigungszwängen, die von Vorwürfen wie „Ausbeutung“ oder „Kinderarbeit“ ausgelöst werden. Wie Fair Trade kann auch das Sozialverantwortliche Unternehmen als (mythische) Form der Anrufung einer Konsumentinnen- und Konsumentenmacht verstanden werden, der eine Zügelung, wenn nicht die Außerkraftsetzung von Marktkräften zugetraut wird.

In der Idee des kritischen Konsums steckt die Vorstellung individualisierter Marktmonaden, die, sich ihrer relativen Macht bewusst, durch Einzelentscheidungen zu einer größeren Macht zusammentun, ohne sich zu organisieren. Ein solches Programm scheint eins zu eins zum neoliberalen Paradigma zu passen. So stellt sich die Frage, inwieweit der faire Handel bereits Teil des globalen, liberalisierten Marktgeschehens geworden ist, wo er eine besondere Nische erzeugt und bedient, und kaum noch etwas mit den Eine-Welt-Läden zu tun hat, von denen es in Europa nach wie vor immerhin ca. 2.700 gibt.

Ist es möglich, Idee und Praxis von Fair Trade auf die Milliarden kleinbäuerlicher Produzentinnen und Produzenten im Globalen Süden auszudehnen? Inwieweit spotten die weltweiten Agrarstrukturen nicht jeder Vorstellung von Gerechtigkeit oder Fairness? Hanns Wienold stellt in seinem Diskussionsbeitrag die Fragen nach der Fairness, der Gerechtigkeit oder dem moralischen Element in den von Fair Trade hergestellten Tauschbeziehungen zwischen den Kleinproduzenten und -produzentinnen des Globalen Südens und den Konsumenten und Konsumentinnen in den Cities des Globalen Nordens Überlegungen zu den weltweiten Überlebensbedingungen kleinbäuerlichen Wirtschaftens gegenüber. Fair Trade erscheint in dieser Perspektive als ein Versuch neben anderen, die strukturell prekäre Situation kleinbäuerlicher Existenz auf dem Niveau eines „Auskommens“ zu stabilisieren und damit zugleich ihre marginale Position in der globalen Arbeitsteilung zu verfestigen.

Nach der ökonomischen Theorie der Klassik und Neo-Klassik kann die internationale Arbeitsteilung das Wohl aller beteiligten Nationen steigern. Detlev Haude stellt im Stichwort das von David Ricardo in die Theoriebildung eingeführte Theorem der „komparativen Kosten“ in den historischen Kontext der Auseinandersetzungen um die corn laws in England in der ersten Hälfte 19. Jahrhunderts, in der die Vertreter des Freihandels die Öffnung Englands für den Import von Getreide forderten, um die Nahrungsmittelausgaben der Industriearbeiterschaft zu senken. Haude zeigt, dass das Theorem wie auch seine Weiterführung bei Heckscher und Ohlin hundert Jahre später als Kernstück der Außenhandelstheorie der Neo-Klassik den gegenwärtigen Verhältnissen der Globalisierung des Kapitals, der Waren- und Arbeitskräfteströme nicht gerecht werden kann. Es ist damit auch fraglich, ob es einen makro-theoretischen Rahmen für Fair Trade liefern kann, wie oftmals behauptet wird.

Im Hintergrund der Fair-Trade-Bewegung stehen – wenn auch kaum mehr sichtbar – Ansätze der Dependenztheorie, denen zufolge die „Unterentwicklung“ der Peripherien und die „Entwicklung“ der industriellen Zentren zwei Seiten derselben Medaille sind. Diese Ansätze nimmt Anna Dobelmann als Ausgangspunkte für ihren Beitrag. Sie zeigt, wie die flächendeckende Einführung von gentechnisch verändertem Sojasaatgut die argentinischen Agrarstrukturen tiefgreifend verändert und zu neuen Formen der Subsumtion der Landwirtschaft unter das Kapital führt, die auch von hohem theoretischem Interesse sind. Dieses Saatgut, auf das Monsanto in Argentinien entscheidende Rechte durchsetzen konnte, ist gegen das vom selben Konzern angebotene Breitbandherbizid Glyphosat resistent, wodurch bei entsprechender Mechanisierung Flächen- und Arbeitsproduktivitäten erheblich gesteigert und kleine Produzentinnen und Produzenten verdrängt wurden. Neu ist das Eindringen von volatilem Finanzkapital, das sich zwischen Grundeigentum und Vertragslandwirtschaft (contratistas) als kurzzeitiger Pächter von Ackerland schiebt. Hierdurch wird insgesamt die Kontrolle von Agro-Industrie und Agro-Business über die Produktion erhöht, ohne dass das Kapital sich unmittelbar in der Produktion engagiert, die mit ihren Risiken den contratistas überlassen bleibt. Wie die Analysen zum Fair-Trade-zertifizierten Kaffee bzw. Rooibos-Tee kann auch dieser Aufsatz als Beitrag zur Erforschung der globalen „Wertschöpfungsketten“ gelesen werden, die in verschiedener Form die Zentren mit den organischen Produkten der Peripherien versorgen.

Mit der vorliegenden Ausgabe schließen wir den 32. Jahrgang ab. Den 33. eröffnen wir mit einem Heft zum Thema „Leben im Widerstand“ (Heft 129). Weiterhin planen wir Hefte zu den Themenfeldern „Peripherer Kapitalismus“, „Konfliktfeld Bergbau“ und „Religion“. Die Calls for Papers für diese Hefte finden sich wie immer auf unserer Homepage. Zu diesen und anderen Themen sind Beiträge sehr willkommen.

Für unsere weitgehend ehrenamtliche Arbeit sind wir auch weiterhin auf die Beiträge der Mitglieder der Wissenschaftlichen Vereinigung für Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik (WVEE) e.V., der Herausgeberin der PERIPHERIE, und auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns daher über neue Vereinsmitglieder ebenso wie über einmalige Spenden.

Summaries

Maria Tech: The Mainstreaming and Market Orientation of Fair Trade and its Impacts on Producers. The Case of Rooibos Tea. Since the 1990s Fair Trade has been expanding into “mainstream” markets, working together with commercially oriented players. This process, also referred to as mainstreaming, commercialization or market orientation, is much debated within the Fair Trade movement. This article analyses the consequences of increasing market orientation on the beneficiaries of Fair Trade – small-scale farmers and hired plantation workers – using the example of the Rooibos tea sector. Four Fair Trade certified producer organizations served as case studies. The interviews conducted disclose that the entry of market-driven players has introduced the logic of the conventional market into the Fair Trade Rooibos tea sector. One example is the introduction of competition between the two producer types, in which the small-scale farmers are disadvantaged and squeezed out of the market in the absence of an adequate minimum price. Moreover, interviewees deem the extent of worker empowerment insufficient; they report negative consequences as a result of standardization and consider the existing participation structures of Fairtrade International (formerly Fairtrade Labelling Organizations International – FLO) as inadequate to effectively include producer interests. The example of Rooibos tea shows that the increasing market orientation of Fair Trade involves consequences which are incompatible with its core principle of social justice and, thereby, can undermine the legitimacy and effectiveness of Fair Trade.

Sebastian Nessel: Fair Trade in Mexico as a tool for rural development? Taking Mexico as an example, this paper examines the potential of Fair Trade as a rural development strategy. It is argued that Fair Trade’s impact on rural development needs to be analyzed in the context of other income strategies that the rural poor pursue. I discuss migration and participation in Fair Trade as different possibilities to generate income in rural areas and assess their abilities to stimulate rural development. My findings suggest that participation in Fair Trade results in some positive effects on the livelihoods of the rural population. These effects stem from strengthening Fair Trade Cooperatives and the existence of broader Mexican Fair Trade Institutions. Whereas Fair Trade includes some possibilities for rural development, I argue that, nevertheless, Fair Trade has to be combined with broader and multiple development strategies to substantially improve rural livelihoods.

Christian Ulbricht: Disenchantment with the corporate social responsibility myth? Criticism and justification using the example of Nike. This paper deals, on the one hand, with the criticism of Nike’s exploitative labour practices that has emanated from western industrial societies and, on the other hand, with the firm’s subsequent attempts to secure legitimacy through adaptation and justification. By drawing upon Luc Boltanski and Laurent Thévenot’s sociological theory of justification it becomes possible to see the complex interrelationships between corporate responsibility, social responsibility, Fair Trade demands and the like. This perspective suggests that criticism is able to categorize and that this categorization is then incorporated as rules in legally formalized tests. This function has two consequences: First, it plays a role in setting morally induced profit maximization limits; and, second, it enables Nike to measure expectations and respond to them, thereby allowing Nike to promote an image of a socially responsible enterprise; an image that, in the end, generates value. The question therefore arises: For whom is this actually a story of success?

Anna Dobelmann: New Structures of Dependency: The Global Production Network of GMO Soy in Argentina. A Contribution to Development Theory. This article analyses the multiple transformations of Argentinean soy production caused by the introduction of genetically modified organisms (GMO). The most important developments are the restructuring of the seed and pesticide industry, the increase of contract farming, the amplified access of financial capital to agriculture as well as the concentration processes within production and the transnationalization of the processing industry and export. Working with the analytical framework of Global Production Networks (GPN), the analysis focuses on power relations within the production network and concludes that the Argentinean “soy-boom” creates transnational corporation dominance. This is especially seen through their ability to apropriate most of the production surplus by occupying key positions in the network, for example in the seed and pesticide industry, processing industry, and in export. Based on this analysis, the author observes the formation of new structures of dependency and proposes the actualization of Dependency Theory to overcome their state-centred view by including power relations between different actors on the national level.

INHALT

Editorial, S. 396

Maria Tech: Kommerzialisierung des Fairen Handels Auswirkungen auf Produzenten am Beispiel des südafrikanischen Rooibos-Tee-Sektors, S. 401

Sebastian Nessel: Fairer Handel als nachhaltige Entwicklungsstrategie. Eine kritische Bestandsaufnahme am Beispiel Mexikos, S. 426

Christian Ulbricht: Entzauberung eines Mythos? Kritik und Rechtfertigung am Beispiel von Nike, S. 445

Detlev Haude: PERIPHERIE-Stichwort: Komparative Kostenvorteile, S. 471

Anna Dobelmann: Neue Strukturen der Abhängigkeit: Das globale Produktionsnetzwerk der Gensojaproduktion in Argentinien. Ein Beitrag zur entwicklungstheoretischen Debatte, S. 475

Diskussion

Hanns Wienold: Fair Trade: Moralische Ökonomie oder Äquivalententausch?, S. 500

Rezensionen, S. 509

Eingegangene Bücher, S. 541

Summaries, S. 542

Zu den Autorinnen und Autoren, S. 544

Jahresregister, S. 549

Zitation
Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt 32 (2012), 3. in: H-Soz-Kult, 06.12.2012, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-7312>.
Weitere Hefte ⇓