Das kurze „1968“ zwischen Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur: Neuere Forschungen zur Protestgeschichte der 1960er-Jahre

Auch rund 40 Jahre nach den Ereignissen dauern die Deutungskämpfe um „1968“ an. Doch die Flut an Publikationen, die im Kontext des jüngsten Jubiläums 2007-2009 in Deutschland, den USA und Europa erschienen ist, hat einen weiteren Historisierungsschub erbracht.

Erstens wird die außerparlamentarische Revolte nun durchgängig in den Kontext der profunden sozialen und kulturellen Umbrüche der 1960er- und 1970er-Jahre gestellt. Zweitens hat sich die Forschung zum internationalen, transnationalen und globalen Charakter von „1968“ intensiviert. Drittens finden Wechselwirkungen mit etablierten Akteuren in Politik, Medien, Verwaltung usw. mehr Beachtung. Viertens gibt es eine wachsende Zahl von Lokal- und Regionalstudien zu „1968“, die multiperspektivische Zugänge zu den Ereignissen eröffnen. Fünftens schoben sich im Kontext des jüngsten Jubiläums kulturgeschichtliche Fragestellungen nach vorne.

Abschließend wird sechstens als Desiderat angemahnt, dem erinnerungskulturellen making of ’68 künftig mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die Erinnerung an „1968“ zu historisieren. Über „1968“ lässt sich nicht mehr forschen, ohne dessen erinnerungskulturelle Überformung in die Bewertung und Gewichtung der Ereignisse zu integrieren. Dabei wären künftig auch Strategien der Visualisierung von „1968“ stärker zu untersuchen.

Aufbau:
1. „1968“ im Kontext der Nachkriegsjahrzehnte
2. „1968 – global und international
3. „Establishment“ und Außerparlamentarische Opposition (APO)
4. „1968“ – lokal und regional
5. Kulturgeschichtliche Ansätze
6. 1968 in der Erinnerung

Abstract

Forty years later, “1968” – the preferred shorthand for the social and cultural upheaval of the “Sixties” in most of continental Europe – continues to stir up raw and powerful emotions. Yet as this review of recently published books on “1968” argues, the extra-parliamentarian revolts of the late 1960s have become thoroughly historicized.

This article sees five broad avenues of historical research in recent years: First, the movements of the Sixties are now universally studied as part and parcel of the great postwar transformations and the changes that took place during the “long 1960s.” Second, increasing attention is being paid to the international, transnational, and global networks of “1968.” Third, historians devote more attention to the interaction between movement and established actors such as politicians and the main stream media. Fourth, regional approaches are proliferating. They are a sensible tool for understanding how protest impacted the social and cultural fabric of societies. Fifth, the cultural turn has entered movement historiography. Works on symbolic forms, rituals, performative staging, and the representations of protest abound.

The article concludes with a plea for bringing the “making of ‘68” in historical memory into research on “1968.” Historians have started to look at how and why “1968” became such a powerful myth since the late 1970s, why it acquired such usefulness as a stand-in for contemporary conflicts. Thus, the “working through 1968” should be seen as an integral part of historical research on the late 1960s. This should include the study of strategies of the visualization of “1968.”

Structure:
1. “1968“ in Postwar Context
2. Global and International “1968“
3. Bringing the Establishment In
4. Local and Regional “1968“
5. “1968“ as Cultural History
6. The Memory of „1968“

Von
Philipp Gassert, Philologisch-Historische Fakultät, Universität Augsburg

Ein resümierender Blick auf die jüngst erschienene Literatur zu „1968“ konfrontiert den Beobachter mit einem (scheinbaren) Paradox[1]: Einerseits hat sich die historische Erforschung der politischen, kulturellen und sozialen Umbrüche der (langen) 1960er-Jahre deutlich intensiviert. Seit vor gut zehn Jahren die „Revolte“ programmatisch zum „Gegenstand der Geschichtswissenschaft“ erhoben wurde[2], sind beachtliche Ergebnisse vorgelegt worden. Unter der Oberfläche, abseits des Medienrummels, ist „1968“ historisiert worden.[3]

Andererseits sind trotz des Abstandes die Deutungskämpfe um „1968“ keineswegs abgeflaut. Im Gegenteil: Vergleichbar mit dem „Historikerstreit“ und anderen zeithistorischen Großkontroversen gewinnt mit einer (schon aus biologischen Gründen) unvermeidbaren Historisierung der Streit um geschichtliche Ereignisse an Schärfe, bevor sich Erinnerung konsensual zu fundierenden Mythen verfestigen kann.[4] „Historisierung“ und „Mythisierung“ sind nicht a priori Gegensatzpaare, wie immer wieder behauptet wird.[5]

Daher überraschen weder die andauernden Aufregungen um „1968“ noch die jeweiligen Rollen, welche Geschichtswissenschaft und „Zeitzeugen“ dabei spielen. Auch bei der jüngsten Runde 2007/08 ging es einmal mehr um das Bild, das sich Deutsche, Europäer, Amerikaner usw. von ihren Gesellschaften machen, welche „Lehren“ sie aus den historischen Ereignissen für Gegenwart und Zukunft ziehen. „1968“, das zeigt die rekordverdächtige Publikationsflut der vergangenen Jahre, lebt als Projektionsfläche aktueller politischer und sozialer Kontroversen munter weiter.[6] Ja, über „1968“ lässt sich wohl nicht mehr forschen, ohne Prozesse erinnerungskultureller Überformung in Bewertung und Gewichtung der Ereignisse zu integrieren.

Auch die Geschichtswissenschaft ist Teil dieser allmählichen Einwurzelung von „1968“ ins kulturelle Gedächtnis. Sie wird ihre Rolle kritisch hinterfragen müssen. Denn der normative Horizont von „1968“ lässt sich analytisch nicht so ohne weiteres brechen. Da aber Historie seit jeher Geschichtsbilder konstruiert, kann und will sie sich oft auch nicht dem Sog aktueller Deutungskämpfe entziehen. Das gilt verschärft für zeithistorische Fragestellungen, die immer „ein wenig mehr Gegenwart“ sind. Hier verschmelzen analytischer Anspruch und individueller Erfahrungshorizont, weil Zeitgeschichte noch im Dialog von Zeitzeugen und Historikern entsteht (wobei letztere häufig selbst „Zeugen“ sind). So läuft der auf „1968“ gern gemünzte „Gegensatz von Zeitzeuge und Historiker“ eigentlich leer.[7]

Das, was man früher die „Rezeptionsgeschichte“ nannte einschließlich der Rezeption in der Forschung, gehört zu den in Deutschland noch brachliegenden Feldern. Warum gewann „1968“ in der bundesdeutschen Erinnerungskultur Bedeutung?[8] Wie kam es zur diskursiven Verfestigung der Ereignisse um 1968 zu einem zentralen „Erinnerungsort“? Welche Rolle spielte dabei das (Streit-)Gespräch zwischen Protagonisten, Politik, Publizistik, gesellschaftlichen Kräften und historischer Wissenschaft? Was davon war in den Ereignissen selbst angelegt? Was ist spätere Zuschreibung und Anverwandlung? Wie haben sich in den gut 40 Jahren seit 1968 die sprachlichen und visuellen Repräsentationen verändert? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten weisen sie in den jeweiligen nationalen, regionalen Erinnerungen usw. auf?

In dem anregenden und für die Zeitgeschichte charakteristischen Spannungsverhältnis von Forschung und erinnerndem Rückblick liegt erhebliches Frustrationspotenzial. In massenmedial geprägten Erinnerungskulturen besitzen (lebende und überwiegend männliche) Zeitzeugen gegenüber (toten) aus der Zeit selbst stammenden Quellen sowie mühsam recherchierten, abwägend kontextualisierenden Studien einen scheinbar uneinholbaren Authentizitätsvorsprung. Das Problem stellt sich in puncto „1968“ verschärft, weil viele der „Alt-68er“ lange Zeit kommunikative Schlüsselpositionen innehatten. 2007/08 jedenfalls schien das deutsche „1968“ noch einmal fest in der Hand „Ehemaliger“ zu sein. Mit kontrovers auf die Spitze getriebenen, ostentativ „selbstkritischen“ Thesen erzielte mancher erneut öffentliche Wirkung, während weniger sensationell daherkommende, behutsam „historisierende“ Forschung keine vergleichbare Resonanz erwarten kann.

Mustert man die auch nicht mehr annähernd referierbare Literatur zu „1968“ durch[9], so lässt sich im Vergleich zum vorhergegangenen Jubiläum Ende der 1990er-Jahre die Erweiterung bzw. Intensivierung der Erforschung auf insgesamt fünf Feldern konstatieren:

Erstens gilt den gesellschaftlichen Kontexten der Unruhe „um 1968“ seit der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre verstärkte Aufmerksamkeit. Wie steht das „kurze 1968“ (damit ist der Ereignisgipfel der außerparlamentarischen Revolte 1967-1969 gemeint) zu seinem weiteren Umfeld, den profunden sozialen und kulturellen Umbrüchen der mittleren Jahrzehnte der Epoche des Kalten Krieges, das heißt für die Bundesrepublik den „langen“ 1960er-Jahren vom Ende der Ära Adenauer bis in die Ära Schmidt? Diese Forschung vermeidet die Chiffre „1968“ bewusst[10], weil deren normative Aufladung zu Missverständnissen geradezu herausfordert.

Zweitens hat sich die Forschung zum internationalen, transnationalen und globalen Charakter von „1968“ breit aufgefächert. Parallel zum allgemein wachsenden Interesse an grenzüberschreitenden und „globalen“ Phänomenen in der Geschichtswissenschaft[11] ist diese Perspektive seit einigen Jahren in den Vordergrund gerückt. Zum globalen oder europäischen „1968“ erschien ein halbes Dutzend Bücher, überwiegend Sammelbände.[12] Erstmals wird das einst kommunistisch beherrschte Osteuropa systematisch in die Weltgeschichte von „1968“ integriert.[13]

Drittens finden Wechselwirkungen mit etablierten Akteuren stärkere Berücksichtigung. Auch in dieser Hinsicht wird der Gegenstand weniger isoliert von der „allgemeinen Geschichte“ gesehen. Die Dynamik von Außerparlamentarischer Opposition (APO) und dem viel gescholtenen „Establishment“ trägt zur Kontextualisierung und Historisierung bei und dürfte künftig weiter wachsende Aufmerksamkeit beanspruchen.[14]

Viertens gibt es nun vermehrt Regionalstudien zu „1968“ – und zwar sowohl in den USA als auch in Deutschland, wo erstmals so etwas wie lokale Historie von „1968“ jenseits der Protesthochburgen Frankfurt und Berlin entsteht. Diese regional- oder lokalgeschichtlichen Ansätze erlauben die Untersuchung der erwähnten Wechselwirkungen auf der Basis neuer Quellen.[15]

Fünftens schoben sich im Kontext des jüngsten Jubiläums kulturgeschichtliche Fragen nach vorne.[16] Das Interesse an symbolischen Formen, „Ritualkritik“, dem „performativen Charakter“ der Revolte und (massen)medialen Repräsentationen von Protest ist „in“. Dies schafft wenigstens implizit Voraussetzungen einer Erinnerungsgeschichte von „1968“.

Sechstens sei als Desiderat angemahnt, dem erinnerungskulturellen making of ’68 künftig mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei wären insbesondere auch Strategien der Visualisierung von „1968“ zu untersuchen. Was dazu manche Bildbände bieten, fällt hinter den Stand der Forschung zurück. Die Frage, wer, was, wann, wie an „1968“ erinnerte und was er oder sie vergessen hat, dürfte ungeachtet einer gewissen Erlahmung des erinnerungsgeschichtlichen Impulses in der Historie insgesamt noch auf Jahre ein zentrales Forschungsfeld für Untersuchungen zu „1968“ bieten.

Auffällig ist, dass sich in der jüngeren Forschung neue Ansätze und Perspektiven ergeben haben, dass 2007/08 aber kein gutes Jahr für Synthesen war. Einige der auf den Markt geworfenen Überblicke sind schon veraltet. Denn sie integrieren noch nicht die neueren kulturgeschichtlichen Fragestellungen und die Forschungen zum „transnationalen 1968“, zu den gesellschaftlichen Folgen und zur Interaktion von „APO und Establishment“.

1. „1968“ im Kontext der Nachkriegsjahrzehnte
Der seit zehn bis fünfzehn Jahren deutlich vernehmbare Ruf nach „Historisierung“[17], das heißt nach einer Bestimmung des gesellschaftsgeschichtlichen Orts der überwiegend studentischen, jedenfalls außerparlamentarischen Oppositions- und Protestbewegungen der 1960er-Jahre im weiteren Umfeld der Nachkriegszeit, hat Resonanz gefunden.[18] Viele der um das Jahr 2000 in Sammelbänden präsentierten Forschungsprojekte, in der Regel Dissertationen oder Habilitationsschriften, wurden inzwischen abgeschlossen und veröffentlicht.[19] Sie fächern die Protestgeschichte der späten 1960er-Jahre auf. Von einem „Durchbruch“ zu sprechen erscheint nicht übertrieben.

Hinter uns liegt ein Jahrzehnt der Detailstudien. Arthur Marwicks 1998 erschienenes Mammutwerk „The Sixties. Cultural Revolution in Britain, France, Italy, and the United States, c. 1958-c. 1974“ fand um 2008 keinen Nachfolger. Marwicks Vier-Länder-Vergleich der „langen 1960er-Jahre“ (der „Sixties“ der anglo-amerikanischen Terminologie) setzte Standards, weil er drei Ebenen plausibel verknüpfte: Erstens entwirrte er den sozialen Wandel der mittleren Jahrzehnte des Kalten Krieges – nicht im Stil einer (trockenen) sozialwissenschaftlichen Strukturanalyse, sondern als aperçureiche Erfahrungsgeschichte „einfacher Menschen“. Zweitens gab er intellektuellen Phänomenen und Entwicklungen in der Hochkultur Raum. Drittens fanden darin auch die Protestereignisse um „1968“ Platz, ohne dass der zentrale Begriff der „Kulturrevolution“ nun auf die „Gegenkultur“ der kulturellen und studentischen Avantgarden verkürzt worden wäre. Mit dem Terminus „Kulturrevolution“ suchte Marwick den Wandel der Mentalitäten auf den Punkt zu bringen. Er holte „1968“ (und 1969) in die Sozialgeschichte zurück.[20]

Zweierlei fällt bei einem Vergleich von Marwicks zehn Jahre alter Synthese mit neueren deutsch- und englischsprachigen Publikationen auf: Einerseits wird von den „Synthetikern“ immer noch viel nach dem Verhältnis von „Struktur und Ereignis“ gefragt, oft unter der Fragestellung „Was bleibt?“[21] Andererseits ist die Skepsis gegenüber umfassenden Deutungen und Meistererzählungen so groß geworden, dass 2007/08 eine synthetisierende Gesamtdarstellung à la Marwick kaum möglich zu sein schien, zumal, wie gesagt, die Ergebnisse der jüngeren Forschung noch gar nicht rezipiert werden konnten. Zwei der drei wichtigeren Überblicke zum globalen „1968“, die Bücher von Gerard DeGroot und Ingrid Gilcher-Holtey, gehen daher gleich einen anderen Weg: Sie sind bewusst als „Collagen“ angelegt. Nur Norbert Frei folgt einem konventionellen narrativen Format.[22]

DeGroot zufolge sind Versuche, „1968“ auf eine kohärente Logik zu reduzieren, anfällig für ideologische Vereinnahmungen. In einer durch „Gegenkultur“ und „Protest“ bestimmten Wahrnehmung der „Sixties“ falle zu viel unter den Tisch, was für die Dekade – also nicht die „Bewegung“ – charakteristisch gewesen sei. Den New Left-fixierten „Klassikern“[23] stellt DeGroot einen „impressionistischen Rundgang“ durch die 1960er-Jahre entgegen: 67 eindrucksvoll erzählte Vignetten, vom Handschlag amerikanischer und sowjetischer Soldaten in Torgau an der Elbe 1945 bis zur „Endstation“ im terroristischen Untergrund der Weathermen. Das Kaleidoskop bevölkern die üblichen Verdächtigen: „Howl“ und Port Huron, die US-Bürgerrechtsmärsche, Malcom X, Che, die „Provos“ und „Rudi the Red“ usw. „Internationalität“ signalisieren Lumumba („Democracy Murdered“), der Sechs-Tage-Krieg, Biafra, Tet, die Kannibalen der chinesischen Kulturrevolution, das Massaker von Tlatelolco. Weil die „Sixties“ auch für gesellschaftlichen Wandel stehen, werden der Pille, dem Obszönitätsverfahren gegen „Lady Chatterley’s Lover“ und der Störung der „Miss America“-Wahl 1968 kurze Kapitel gewidmet.

Zum Kaleidoskop werden DeGroots „Sixties“, weil er weniger offensichtliche, allgemein unterschätzte Kandidaten auf die Bühne holt. Dazu gehört, dass die softeren Töne der made for TV-Band der Monkees der „Rock Revolution“ der Beatles und der Rolling Stones kommerziell den Rang abliefen (während in der Bundesrepublik der unvergessene Heintje 1968 die Charts toppte). Auch machten sich der Vater des amerikanischen Neokonservatismus, William F. Buckley, und die von ihm gehätschelten Young Americans for Freedom zu ihrem Marsch durch die Institutionen auf. In Indonesien putschte sich Suharto an die Macht. In China bereitete die Volksbefreiungsarmee der Kulturrevolution ein (unvermeidliches) Ende. Auf Anarchie folgten Bürokratisierung und Mao-Kult. 1968 drehte sich das Rad der Geschichte nicht allein um Cohn-Bendit, Dutschke und (den bereits gefallenen) Che. Es war zugleich das Jahr von de Gaulle, Nixon, Reagan, Lin Piao, Suharto und Breschnew.[24] DeGroots Darstellung ist hier repräsentativ für die neuere Forschung, die die „Gegenseite“ systematisch mit einbezieht (siehe unten, Abschnitt 3).

„1968“ ist daher zunehmend auch eine Geschichte der Gegenbewegungen: De Gaulle, der erstaunlicherweise keinen Platz in DeGroots „Sixties“ findet (ja es nicht einmal zum Registereintrag bringt), verschaffte Anfang Mai 1968 seiner Empörung über den „Saustall“ und das „Chaos“ rhetorisch Erleichterung („chienlit“, wörtlich „Scheiße im Bett“). Die atavistische, von Rabelais geborgte Vokabel machte den Präsidenten zum Gespött der Karikaturisten („Le chienlit, c’est lui“).[25] Dieses Zauberwort verhalf (metaphorisch) zum Wahlsieg über den „Pariser Mai“. Die politische Hegemonie der Konservativen in Frankreich sollte ein weiteres Jahrzehnt halten. In Kalifornien fand Reagan als Gouverneur die Formel, mit der sich die Frustrationen der (dann von Nixon so beschworenen) „schweigenden Mehrheit“ angesichts der „Unordnung“ auf den Straßen in konservative Gegenstöße überführen ließen. Der „Aufstand der rechten Populisten“, so stellt DeGroot „1968“ auf den Kopf, sei die erfolgreichste politische Revolte der 1960er-Jahre gewesen (S. 406). In der US-Historiographie ist dies praktisch Konsens, während in Kontinentaleuropa die Auffassung eines 1967/68 weit aufgestoßenen Tores zum „roten Jahrzehnt“ (Gerd Koenen) noch dominiert. Indes: Begann nicht auch hier der unaufhaltsame Aufstieg von Kohl, Thatcher und Chirac aus dem Geist der „Gegenrevolution“? Das müssten künftige Forschungen genauer untersuchen.[26]

Ingrid Gilcher-Holteys „Zeitreise“ repräsentiert diese kontinentaleuropäische Wahrnehmung eines im Vergleich zu den amerikanischen „Sixties“ chronologisch begrenzteren „kurzen 1968“. Die Phase reichte, so Wolfgang Kraushaars autoritative Definition[27], vom Ohnesorg-Mord im Juni 1967 bis zur Frankfurter Institutsbesetzung vom Sommer 1969 bzw. dem Zerfall des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) nach der „Schlacht am Tegeler Weg“ im November. In Frankreich kreist ohnehin alles um den „Mai“; nur in der italienischen Wahrnehmung kommt „1968“ später und dauert länger. Dieses sinnbildliche „1968“ macht Gilcher-Holtey zum Gegenstand ihrer durchkomponierten „Zeitreise“ durch die späten 1960er-Jahre, im Kern einer Intellectual History der Neuen Linken. Während Koenen, Kraushaar und andere „1968“ als soziale Bewegung sachlich enger führen, registriert Gilcher-Holtey ebenso die teilweise parallel verlaufenden, teilweise sich mit dem Protest überlappenden, teilweise ihn anstachelnden hochkulturellen Bewegungen. Ergänzt wird diese (hoch)kulturelle Dynamik um „globale Phänomene“ (S. 8) – eher punktuell beleuchtete Ereignisse und Personen: Tet, Biafra, Prag, Mao, Fidel Castro und Régis Debray. Wie global aber ist eine Geschichte, deren Stichworte einem europäischen Wahrnehmungshorizont entstammen?

Wie DeGroot macht auch Gilcher-Holtey aus der Not eine Tugend und hat ihre „Zeitreise“ als „Collage“ angelegt. Sie versagt sich totalisierende Erklärungen, rekonstruiert erzählend „Handlungskontexte“, macht „Interaktionen, Wechselwirkungen, Effekte und langfristige Wirkungen“ sichtbar. Wie DeGroot mixt sie die Ebenen, stellt politische oder militärische Entscheidungen und Konflikte neben längst ikonisierte Protestereignisse (Berliner Vietnam-Kongress, Columbia-Besetzung, Pariser Barrikadenkämpfe, die Belagerung von Chicago). Diesen Ereignissen wiederum werden philosophische oder literarische Reflexionsversuche an die Seite gestellt – das Ringen um Welt- und 68er-Verständnis von Hannah Arendt bis Peter Weiss.[28]

Gilcher-Holtey kombiniert Ereignisse und Episoden unterschiedlicher Qualität und Tragweite, um „1968“ als „Wahrnehmungsrevolution“ zu skizzieren. Die Pointe ist, dass dieser Wahrnehmungsrevolution innewohnende Abschiede von allumfassenden („modernen“) Erklärungsansätzen und totalitären Ansprüchen zunächst nicht die Ausgangsbasis der 68er-Bewegung gebildet hätten: Vielmehr hätten die Protagonisten mit robust „modernen“ Gegenentwürfen zur bestehenden Ordnung auf gesamtgesellschaftliche Transformation abgezielt (S. 198). Erst mit dem Scheitern des 68er-Projekts (Enzensbergers Allegorie vom „Untergang der Titanic“) habe sich die neue „postmoderne“ Sichtweise in der Gesellschaft eingenistet, dass Geschichte kontingent sei. Vorbereitet worden aber sei diese Sicht durch spezifische Aktionsformen, die auf neue kulturelle Muster zielten, auf neue Wege des Lebens und der Kommunikation. Geschichte sei erst danach als machbar verstanden worden. Nur hätten sich zuvörderst die kognitiven Orientierungen und damit die Vorstellungen von der Gesellschaft ändern müssen, dem eigentlichen revolutionären Anstoß von „1968“ (S. 8, S. 201ff.).[29]

Gilcher-Holteys Sicht auf „1968“ als Wahrnehmungsrevolution ist für neuere, kulturwissenschaftlich inspirierte Forschungen in hohem Maße anschlussfähig (dazu unten, Abschnitt 6). Sowohl den Ex-Protagonisten und Memoiren-Schreibern mit ihrer Glorifizierung liberalisierender Wirkungen als auch der Jeremiade über Autoritätsverlust und „Endstation Terror“ erteilt sie eine Absage. Einflüsse von „1968“ könnten nicht direkt zugeschrieben werden, da soziale Bewegungen „stets mit anderen Faktoren sozialen Wandels“ konkurrierten. Mit Enzensberger will sie weg von großen Theorien. Es geht ihr um wandelbare Ideen, die sich „im Prozess der Diffusion, Vermittlung und Institutionalisierung“ verändern (S. 206).

Welche analytische Perspektive ergibt sich daraus, was kann der komplexe methodische Apparat für die Forschung leisten? Nebenbei bemerkt, werden auch bei Gilcher-Holtey totalisierende Abstraktionen wieder in den Sattel gesetzt, wenn sie „1968 als Wahrnehmungsrevolution“ mit einem Übergang von der Moderne zu der Postmoderne identifiziert. Wie wird gesellschaftlicher Wandel über symbolische Akte hergestellt (dazu ebenfalls unten, Abschnitt 6)? Muss historische Forschung nicht nach der sozialen Ermöglichung von „1968“ fragen, nach den die Bewegungen rahmenden Kontexten, und umgekehrt auch thematisieren, was von diesem „1968“ wohin ausstrahlte, wie sich über veränderte Wahrnehmung Praxis änderte?

Wolfgang Kraushaar, der „Chronist der Revolte“ (Alfons Soellner), legt eine cum ira verfasste „Bilanz“ vor, in der er die Ergebnisse seiner vielen einschlägigen Publikationen neu summiert.[30] Über Akzentsetzungen lässt sich streiten, auch über seine weiterführenden Überlegungen zum Verhältnis von „1968“ und politischer Romantik, wo ihm, wie auch Götz Aly (dazu unten, Abschnitt 3), der in den späten 1960er- und 1970er-Jahren von den „68ern“ verfemte Richard Löwenthal als Stichwortgeber dient (S. 265). Immerhin führt Kraushaar nun die liberale und konservative Kritik der „Tendenzwende“ in die Historie zu „1968“ ein.[31] Weitere Forschung anregen könnten seine Überlegungen zu den „religiösen Wurzeln“ bzw. der Bedeutung einer „protestantischen“ Sozialisierung (S. 268). Hier greift Kraushaar auf Arbeiten von Helmuth Plessner und Martin Greiffenhagen (zum „evangelischen Pfarrhaus“) zurück. Diese Milieubedingungen und der religiöse bzw. kirchliche Kontext (im Falle der USA und Großbritanniens völlig offensichtliche Vorbedingungen) wären auf der Basis der Quellen noch zu untersuchen, auch mit Fluchtpunkt „Friedensbewegung“ der 1970er-/1980er-Jahre.[32] Durch Wiederholung nicht plausibler wird Kraushaars Behauptung, der „Machtwechsel“ von 1969 sei ein Erfolg der „68er“, hätten doch die Studenten den Einzug der NPD in den Bundestag verhindert (S. 286). Diesen Erfolg hatte die Republik wohl eher Kiesinger und Strauß zu verdanken, die mit harten Bandagen die NPD bekämpften. Auch dürfte die NPD von der Unruhe auf den Straßen mehr profitiert haben als umgekehrt.[33]

Die Frage bleibt also, welche Elemente der „Ideen von 1968“ in Kultur und Gesellschaft wo, wann und wie weiterlebten, was über konkrete Vermittlungsinstanzen institutionalisiert oder eingehegt wurde, wo Beschränkungen der Wahrnehmung lagen, ohne dass man nun „1968“ erneut totalisierenden Erklärungsmustern unterwirft, wie dies gelegentlich in der Figur des „romantischen Rückfalls“ oder derjenigen eines wiedergeborenen Totalitarismus geschah und geschieht.[34]

Kraushaar (wie auch Koenen in „Das rote Jahrzehnt“) geht seit Jahren der schwierigen Frage nach, wie sich „1968“ zur „Gewaltfrage“ verhält. Mit Untersuchungen zum Antisemitismus und „aggressiven Antizonismus“ (Norbert Frei) hat er das glatte Bild einer durch „1968“ ausgelösten „Fundamentalliberalisierung“ korrigiert. Ihm zufolge war die Gewalt „das insgeheime Magnetfeld“ der 68er-Bewegung (S. 82) – eine Aussage, die sich in dieser Verallgemeinerung aus den Quellen kaum belegen lässt. Dass der Terrorismus Teil der sektiererischen „Entmischung“ der 68er-Bewegung ist, steht fest. Frei sieht ihn als „Zerfallsprodukt“[35], wie auch andere die Rote Armee Fraktion (RAF) zwar als negative Folgeerscheinung von „1968“ in eine kritische Perspektive integrieren, sie in der Nachgeschichte der „Bewegung“ aber andererseits nicht für schlechthin repräsentativ halten.[36] Letztlich ist der Terrorismus weder in seiner zeitgenössischen Dynamik noch in seiner Wirkungsgeschichte zu verstehen, wenn man dieses „Phänomen“ nicht als Teil einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung untersucht, einschließlich seiner Interaktion mit den etablierten Medien.[37] Daher sind die öffentliche Repräsentation und die nachträgliche Wahrnehmung der RAF mindestens ebenso wichtig wie das Agieren von zwei Dutzend Terroristen.

Will die Geschichtswissenschaft „1968“ über kontextualisierendes Fragen entsorgen? An dieser Frage macht sich gegenwärtig ein Konflikt zwischen „Zeitzeugen“ und „Zunft“ fest. Kraushaar wirft der Historiographie vor, sie wolle „68 überflüssig […] machen“ (S. 296). Er sieht eine unheilvolle große Koalition „sozialdemokratischer“ Zeithistoriker und „wertkonservativer“ Politiker mit nichts anderem als der „Entwertung der damaligen Rebellion“ beschäftigt (S. 43). Jüngeren Studien zur politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung der „dynamischen Zeiten“ der 1960er-Jahre, welche die normativ überdeterminierte Chiffre „1968“ nicht mehr im Titel führen, geht es in der Tat nicht um eng geführte Bewegungshistorie. Doch resultiert aus dem facettenreichen Bild der 1960er-Jahre eine Geschichte der Ermöglichung von „1968“: Als Ereignis im Sinne der hochschlagenden Protestwelle der späten 1960er-Jahre war „1968“ auch an bestimmte gesellschaftliche Voraussetzungen gebunden – das zeigen etwa der deutsch-deutsche Vergleich oder die Niederschlagung des Prager Frühlings, wo der Aufbruch der jungen Intelligenz eben nicht in der gleichen Weise von der Gesellschaft absorbiert werden konnte.[38]

Zugespitzt gesagt, werden die Ereignisse von 1967 bis 1969 in dieser Forschung fast schon als Nachhutgefecht gezeichnet, weil die Protagonisten Barrikaden stürmten, die von ihren Verteidigern bereits verlassen worden waren. Das gilt ganz besonders für eines der lange Zeit am heftigsten umkämpften Kapitel, das Verhältnis von Neuer Linker, „1968“ und NS-„Vergangenheitsbewältigung“. Hier wurde der Mythos von „1968“ als Katalysator eines gewandelten Umgangs mit dem „Dritten Reich“ komplett destruiert. Auch wurden vielfach die Sackgassen herausgearbeitet, in die ein universalisierender, individuelle Verantwortung abstreichender, in der Forschung völlig unfruchtbarer Faschismusdiskurs führte.[39]

Die bundesdeutsche (ähnlich die amerikanische, französische, italienische usw.) Gesellschaft hatte sich Mitte der 1960er-Jahre so weit liberalisiert, dass sie die Schocks der Revolte absorbierte und dass der von „1968“ ausgehende kulturelle Wandel in den 1970er- und 1980er-Jahren produktiv verarbeitet werden konnte (was als These noch zu überprüfen ist).[40] Des Pudels Kern aber ist, dass sich die Mentalitäten erst mit einer gewissen Verzögerung in der Breite wandelten und auch Gilcher-Holteys „Wahrnehmungsrevolution“ sich erst allmählich ausbildete. Unter der Oberfläche war eine mit Fernsehern und Kühlschränken komplett ausgestattete Gesellschaft, die mit dem Auto zur Arbeit fuhr, bereits in eine neue soziale Konfiguration eingetreten.[41] „1968“ wäre in dieser Sicht Teil der sinnstiftenden Verarbeitung des Durchbruches zur Konsumgesellschaft. Das gilt auch für die Opposition zu „1968“, wenn grummelnd abseits stehende Konservative die Bundesrepublik als das beste Deutschland für sich entdeckten. Das macht „1968“ nicht überflüssig. Aber es wird relativiert.

2. „1968“ – global und international
Norbert Frei stellt seinen glänzend erzählenden Essay unter den Titel „1968. Jugendrevolte und globaler Protest“, das heißt er grenzt den Protest generationell ein und entgrenzt ihn räumlich. Er eröffnet mit dem Strohfeuer des (kurzen) Pariser Mai, holt dann aber auf der Suche nach den „Wurzeln“ geographisch weiter aus. Seinen Auftakt zu „1968“ bilden die Proteste „im Herzland des Kapitalismus“. Das meint nicht etwa England: „Am Anfang war Amerika“ (S. 31), konkret die als Vorläufer apostrophierte Bürgerrechtsbewegung, die indes alles andere als ein von „Jugendlichen“ getragenes Generationenprojekt war. Ohne bei den sozialen Hintergründen zu verweilen, eilt Frei von Greensboro über Berkeley nach Haight-Ashbury, ins kalifornische Epizentrum der sich formierenden Gegenkultur. Japan, Italien, den Niederlanden, Großbritannien, der CSSR, Polen und der DDR widmet er knappe Skizzen. Indes meidet er den für eine Global History unverzichtbaren Süden.[42] Begründet wird das nicht, wie überhaupt der schnörkellose Text Abstand zu den sich auftürmenden Theoriegebirgen um „1968“ hält. Ganz offensichtlich zielt Frei auf ein sich ein Lesevergnügen erhoffendes Publikum. Dieses wird auch nicht enttäuscht.

Was aber macht nach Frei den globalen Charakter der „Jugendrevolte“ aus? Als das gemeinsame Dritte der „Proteste im Westen“ identifiziert er das Streben nach demokratischer Partizipation (S. 134), nach neuen Lebensformen („Sex and Drugs and Rock’n’Roll“). Steine des Anstoßes seien die Situationen an den Hochschulen und der Vietnam-Krieg gewesen (S. 186), im kommunistischen Osten hingegen sei die Hoffnung auf politische Emanzipation Antriebskraft gewesen (S. 207). Eine westlich inspirierte counter-culture habe dort kaum Einfluss gewonnen. Das lässt sich angesichts der vielen Studien zum „Beat in der Grauzone“ bezweifeln.[43] Ost und West und die beiden Seiten des Atlantiks hätten übergreifende Forderungen und Hoffnungen verbunden: mehr „Demokratie, Partizipation, Transparenz“. Wie verhält sich die Trias des Historikers – der moderne Begriff der „Transparenz“ macht sich in den Quellen rar – zur zeitgenössischen, sehr viel weiter verbreiteten Begrifflichkeit von „Selbstbestimmung“ und „Autonomie“ (autogestion, autogestione, participatory democracy)?

Leider verfolgt Frei die Frage nicht weiter, ob sich ein „globales 1968“ über weltweit (?) zirkulierende Begriffe und Ideen konstruieren lässt. Wie war der Bedeutungshorizont von „Demokratie“ und „Partizipation“ in den jeweiligen nationalen, kulturellen, generationell, milieu- oder geschlechtsspezifisch geprägten Kontexten beschaffen? Willy Brandt rief 1969 seine Landsleute dazu auf, „mehr Demokratie“ zu wagen. Das löste im Bundestag bekanntlich Tumulte aus, war doch die Opposition der Meinung, die Bundesrepublik sei bereits eine Demokratie. Brandts Wort war als Angebot an die rebellierende Jugend gedacht, um diese auf etabliertere Bahnen politischen Engagements zurückzulenken. Damit grenzte er sich zugleich auch von den gegen- oder kulturrevolutionären Aspekten von „1968“ ab. „Demokratie“, „Partizipation“ usw. können somit schon in einem einzigen nationalen Kontext sowohl der Einhegung und Integration als auch der Exklusion von „1968“ dienen. Gibt es überhaupt eine globale Sprache der „Demokratie“, und wo stand hier „1968“?

Freis Geschichte des „globalen Protests“ ist charakteristisch für eine Fragerichtung, die externe Bezüge auf nationale Erfahrungen fokussiert. Alles läuft zielstrebig auf eine „bundesdeutsche Bilanz“ zu. Man kann diese Verengung des Fokus kritisieren, auch weil die von Frei verneinte Frage nach einem (west)deutschen „Sonderweg“ um 1968 den asymmetrischen Charakter seines Vergleichens unterstreicht (S. 219). Angesichts eines von den Verlagen geförderten (oder geforderten?), in der zeithistorischen Forschung ohnehin noch stark ausgeprägten Hangs zur nationalen Nabelschau (nicht nur in Deutschland!) ist es aber zu begrüßen, dass ein führender Vertreter der Zunft das westdeutsche „1968“ international kontextualisiert und zugleich die Grenzen einer stereotyp behaupteten Globalität von „1968“ betont. Den bundesdeutschen „68ern“ attestiert Frei „jenseits aller internationalistischen Emphase“ eine gewisse „Selbstbezogenheit“ (S. 146).

Wie viele Autorinnen und Autoren der jüngsten Zeit fragt Frei, warum sich weltweit so viel gleichzeitig bewegte und warum vor allem junge Menschen die Träger der Revolte waren. Dazu legt er in seinem Resümee („Was war, was bleibt?“) zwei Antworten nahe, die sich auf die Begriffe „Imagination“ und „Zirkulation“ bringen lassen: Mit Detlev Claussen sieht er „1968“ als „Assoziationsraum gesellschaftlicher Zuschreibungen und auktorialer Selbstdeutungen“, wonach sich die Akteure „im weltweiten Schein der Gleichzeitigkeit“ als Teil einer globalen Bewegung imaginierten (S. 211). Diese Deutung – leider klärt Frei das nicht genauer – war aber nicht arbiträr, sondern aufgrund ähnlicher demographischer und sozialer Lagen (mit Gilcher-Holtey müsste man sagen: ähnlich wahrgenommener Lagen) für die Zeitgenossen plausibel. Diese Wahrnehmung, so Frei, sei mittels intellektueller Netzwerke und Beziehungen des Austauschs bis hin zum „Revolutionstourismus“ auch gestützt worden (S. 213). Hier spricht Frei (leider erst abschließend) einen die jüngere Forschung zentral interessierenden Komplex kurz an, widmet aber der Zirkulation der Ideen und Artefakte nur wenige, zu knapp bemessene Abschnitte.

Die Prozesse des transnationalen Austauschs sind in verschiedenen Arbeiten nun erstmals empirisch dicht untersucht worden. Wie und warum sich Formen des Protests von Kontext zu Kontext fortpflanzen, war zentrales Thema der sozialen Bewegungsforschung der 1990er-Jahre, der es um Erfolgschancen von Protestbewegungen ging.[44] Der Vergleich mit 1848/49 und anderen revolutionären Ereignissen in Europa legte es nahe, der internationalen Ebene als Revolutionskatalysator Aufmerksamkeit zu schenken.[45] Auch die älteren Arbeiten von Gilcher-Holtey über den Pariser Mai und das weltweite 1968 gingen explizit auf die transnationalen Kontexte der Neuen Linken ein. Die „Situationistische Internationale“ und andere europaweit und atlantisch agierende künstlerische Avantgarden standen immer wieder im Fokus.[46] Auch gibt es inzwischen Untersuchungen zum „Vorläuferphänomen“ der transnationalen Friedensbewegung[47], zum europäischen und transatlantischen Nexus Jugendkultur – Musik – Protest[48], zur transnationalen Interaktion von Terroristen usw.[49] Zunehmend Bedeutung erhalten auch Untersuchungen zur Ideendiffusion über die Ost-West-Blockgrenze hinweg.[50]

Die Beziehungen auf „Arbeitsebene“ (das heißt die Kooperation jenseits der weit verbreiteten „internationalistischen“ kognitiven Orientierung) zwischen studentischen Bewegungen in der Bundesrepublik und den USA empirisch, auf breiter archivalischer Quellenbasis (und Zeitzeugengesprächen) herausgearbeitet zu haben ist das Verdienst der großen Studie von Martin Klimke. Ihm geht es einerseits um wechselseitige Einflüsse zwischen Bewegungen. Zugleich zeigt er auf, dass auch die etablierten Kräfte, in erster Linie die Regierung in Washington (die deutsche Seite bleibt enttäuschend unterbelichtet), von der Globalität der Proteste ausgingen und diese in ihr außenpolitisches Kalkül einbezogen.[51]

Dass ein solcher transatlantischer Nexus von SDS zu SDS existiert, ist in den Umrissen seit langem bekannt.[52] Es wurde auch in der wichtigen vergleichenden Studie von Michael Schmidtke tangiert, der aber auf die kognitive Orientierung der Bewegung abzielte und nicht auf die Interaktionsmechanismen.[53] Klimke untersucht nun detailliert, welche Rolle beispielsweise Michael Vester in Port Huron spielte und wie die Strategie des „zivilen Ungehorsams“ aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt wurde. Er folgt dem Hin und Her der Akteure über den Atlantik und auch den Donquichotterien, aus wechselseitiger Wahrnehmung durch Vietnam-Krieg und Entkolonisierung eine „zweite Front“ (Dutschke) zu konstruieren. Zentral ist die „postkoloniale“ Anverwandlung der Bürgerrechtsbewegung in ihrer radikalisierten Variante der Black Panther durch den deutschen SDS (mit KD Wolff als wichtigem Akteur).[54] Bei Klimke geht es also nicht mehr allein um Transfers, sondern darum, wie transnationale Orientierungen sich konkret auf Handlungen auswirkten. Insofern stellt diese quellengesättigte Studie einen Quantensprung in der Erforschung des „globalen 1968“ dar.

Wie Verbindungen „jenseits der Nation“ die Praxis beeinflussten, ist auch die Leitfrage des von Belinda Davis, Wilfried Mausbach, Martin Klimke und Carla MacDougall vorzüglich edierten Sammelbandes „Changing the World, Changing Oneself“. Dieser fächert den deutsch-amerikanischen „68er“-Nexus in bisher nicht erreichter Breite und Tiefe auf. Wer sich einen kompetenten Überblick zum state of the art verschaffen will, das heißt zur enormen Ausdifferenzierung der Forschung und zur Vielfalt historiographischer Zugriffe auf das transnationale „1968“, dem sei dieser wegweisende Band wärmstens empfohlen. Der Bogen spannt sich von der Ideengeschichte der mehrfach den Atlantik überquerenden Frankfurter Schule und die Genese einer transatlantischen Gegenkultur bis hin zu den etablierten Mächten der Diplomatie. Im Sinne moderner „Interkulturalität“ lehnen die HerausgeberInnen die Trennung von „Fremdem“ und „Eigenem“ ab; sie betonen den zirkulären Charakter von Transfers; sie brechen eine Lanze für kulturelle Praxis, die sie im transnationalen Umfeld höher bewerten als die Arkana politischer Ideengeschichte.[55]

Wolfgang Kraushaars großes Wort, „1968“ sei „die erste globale Revolution“ gewesen, werde, so die Herausgeber Jens Kastner und David Mayer in ihrem Sammelband, „gerne als selbstevidenter Gemeinplatz akzeptiert, ohne dass es systematisch für Forschungsfragen und Darlegungen herangezogen würde“.[56] Das schießt über das Ziel hinaus, denn Forschungs fragen hat das „globale ‘68“ nun wahrlich inspiriert.[57] Zutreffend ist die Beobachtung, dass neuere Synthesen wie Kraushaars „Bilanz“ oder eben Freis „Jugendrevolte und globaler Protest“ mit globalen oder transnationalen Perspektiven spielen, aber dann konkret nur das bundesdeutsche, französische usw. „1968“ bilanzieren.[58]

An sich sind die Voraussetzungen für bilanzierende, den globalen Nexus von „1968“ integrierende Arbeiten so günstig wie nie, günstiger jedenfalls als vor zehn Jahren, als die archivgestützte Forschung zum „globalen 1968“ erst begann. Erstens gibt es zahlreiche Länderstudien in deutscher und englischer Sprache. Diese Forschung ist vielfältig und zum Teil vergleichend angelegt; sie kann hier gar nicht referiert werden: Darunter zu zählen sind die Arbeiten von Thomas Etzemüller über Westdeutschland und Schweden im Vergleich[59], von Thomas Ekman Jørgensen über Schweden und Dänemark[60], Boris Kanzleiter zu Jugoslawien[61], Simon Prince zu Nordirland – eine aufschlussreiche Studie, auch weil die dortige Bürgerrechtsbewegung wie der bundesdeutsche SDS Anleihen in Amerika nahm bzw. umgekehrt der irische Freiheitskampf schon zuvor nach Amerika und Südamerika ausgestrahlt hatte.[62] Zu Italien und Frankreich sind die Publikationen Legion.[63] Die erwähnten neuen Sammelbände von Davis u.a., Ebbinghaus u.a., Gehrke / Horn, Kastner / Mayer, Klimke / Scharloth (letzterer mit knappen Übersichten zum Forschungsstand in vielen Ländern) sowie die Publikationen der 1990er-Jahre fächern das internationale Spektrum weit auf.

Zu den wichtigsten Neuakzentuierungen des jüngsten Publikationsschubs gehört der Take-off der mittelost- und osteuropäischen Forschung. Ende der 1990er-Jahre gab es erst sehr wenige empirische Untersuchungen zu „1968“ in den sozialistischen Ländern. Das hat sich geändert. Einen guten Einstieg erlaubt ein von Angelika Ebbinghaus edierter Sammelband.[64] Dort wie auch in anderen Osteuropa integrierenden Bänden werden nicht nur Gemeinsamkeiten (junge Menschen als hauptsächliche Träger der Revolte; uneingelöste Hoffnungen und Enttäuschungen über steckengebliebene Reformen; strukturelle Umbrüche in der Wirtschaft; eine temporäre Auflösung der binären Oppositionen des Kalten Krieges) und Unterschiede aufgezeigt („Freiheit“ als zentrale Kategorie im Osten, Anti-Imperialismus und Anti-Kapitalismus im Westen). Vielmehr wird auch hier viel über transnationale Vernetzungen geforscht, die Bedeutung etwa des Prager Frühlings für die Reformbewegungen in Ungarn und der DDR (unter anderem Árpád von Klimó über katholische Jugendgruppen), die Bedeutung westlicher Populärmusik und Gegenkultur (etwa in der ostdeutschen Frauenbewegung, der Ost-Berliner Kommune 1, so Ute Kätzel; oder in Boris Kanzleiters zahlreichen Arbeiten zu Jugoslawien).

Sind wir einer Antwort auf die Frage nach dem „Rätsel der Gleichzeitigkeit“ also näher? Angelika Ebbinghaus, Max Henninger und Marcel van der Linden unternehmen in „1968. Ein Blick auf die Protestbewegungen 40 Jahre danach aus globaler Perspektive“ systematisierende Versuche, stellen die Kräfte der Phantasie aber hinten an. Sie heben auf strukturelle Gemeinsamkeiten ab (Wirtschaftsboom, Bildungsexpansion, erste Anzeichen ökonomischer Krisen, Rolle junger Erwachsener), betonen die Bedeutung der Kontakte und transnationalen Netzwerke zur Erklärung der simultanen Proteste. David Mayer fragt in „Weltwende 1968“ nach der Aneignung europäischen revolutionären Gedankenguts in Lateinamerika und dessen Re-Import nach Europa; Susanne Weigelin-Schwiedrzik verfolgt in „40 Jahre danach“ die internationale Ausstrahlung der chinesischen Kulturrevolution. Dieter Segerts Notizen zu „globalgeschichtlichen Verflechtungen“ des Prager Frühlings (in „Weltwende 1968“) machen deutlich, dass die noch ungeschriebene Weltgeschichte von „Prag 1968“ das Potenzial hätte, um konkrete Interaktionsmechanismen aufzuzeigen, gleichzeitig Prozesse der wechselseitigen Wahrnehmung in vergleichende Perspektiven zu rücken sowie die Rolle bestimmter „Schlüsselereignisse“ in der Erinnerung aufzuarbeiten.[65]

Der globalen Imaginationskraft (oder der „internationalistischen kognitiven Orientierung“, in kulturwissenschaftlicher Neusprache) kommt gehörige Bedeutung zu für eine Geschichte von „1968“ als globalem Ereignis.[66] Es ist ganz überwiegend ein Aspekt, der nicht allein die zeitgenössische Wahrnehmung bestimmt, sondern ebenso die Erinnerung an „1968“. Obwohl in der Literatur immer wieder auf die nationalen Besonderheiten der Ereignisse um 1968 aufmerksam gemacht wird, scheint die Jugendrevolte der späten 1960er-Jahre im Ansatz so etwas wie ein gesamteuropäischer oder vielleicht sogar globaler „Erinnerungsort“ geworden zu sein.[67] Zu dieser weiteren Rezeptionsgeschichte von „1968“ dürfte entscheidend beigetragen haben, dass nicht nur die Mitglieder der Protestbewegungen, sondern auch viele Mitglieder des „Establishments“ diese Einschätzung grundsätzlich teilten.

3. „Establishment“ und Außerparlamentarische Opposition (APO)
Die seit den 1990er-Jahren gewachsene Aufmerksamkeit für Austausch und wechselseitige Beobachtung von etablierter und nicht-etablierter, außerparlamentarischer Politik zeigt, dass hier keinesfalls Taubstumme interagierten. Ein doch unterschätzter, letztlich integrierender Faktor waren die Kirchen. Die nicht erst seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) sichtbar vom Wandel erfasste katholische Kirche war einer jener Global Players, die zwischen Nord und Süd sowie Ost und West, aber auch zwischen Protestbewegungen und etablierten Kreisen Kommunikationskanäle eröffneten. Weniger in Zentral- und Südeuropa als in Lateinamerika war die katholische Kirche ein übernationales Forum für kritische Perspektiven. Martina Kaller-Dietrich zufolge stand „Medellín 1968“, das Treffen des lateinamerikanischen Bischofsrats in der kolumbianischen Stadt im Sommer 1968, am Anfang einer raschen Ausbreitung der Theologie der Befreiung und wurde so zum Katalysator einer entscheidenden Entwicklung der 1970er- und 1980er-Jahre.[68]

Dass die Kirchen zu den Vermittlungsinstanzen zwischen APO und Gesellschaft gehörten, wurde bisher zu selten thematisiert – jenseits holzschnittartiger Versuche jedenfalls, den RAF-Terrorismus als protestantisch milieubedingt zu erklären.[69] Der Skandal um Rudi Dutschkes „Weihnachtspredigt“ in der West-Berliner Gedächtniskirche wird angeführt, um die „Verständnislosigkeit“ des bürgerlichen Kirchenvolkes gegenüber studentischen „Rädelsführern“ zu illustrieren. Das konventionelle Bild korrigiert der von den Kirchenhistorikern Bernd Hey und Volkmar Wittmütz edierte Sammelband „1968 und die Kirchen“, auch wenn er monographische Forschungen zu einzelnen Landeskirchen oder Gemeinden natürlich nicht ersetzen kann. In einem übergreifenden Beitrag unterstreicht Ursula Krey, dass führende protestantische Theologen „für einen kritischen Dialog mit der aufbegehrenden studentischen Jugend plädierten“.[70] Sie spricht umgekehrt, den Erlanger Theologen Manfred Seitz zitierend, treffend vom „Bruch mit der Gehorsamstradition“. Indes sei in den Kirchen anno 1968 nicht nur über das Verhältnis von „Christentum und Sozialismus“ diskutiert worden. Es hätten sich größere Freiräume eben auch für bisher marginalisierte konservative Gruppierungen eröffnet, für Evangelikale und christliche Fundamentalisten. Somit wäre es voreilig, die Dynamik der 1960er-Jahre allein in „roten“ Studentengemeinden zu suchen.

Das Beispiel der Kirchen lässt etwas von den Folgen der Aufbrüche um 1968 innerhalb der Institutionen erahnen. Wolf-Dieter Hauschild konstatiert eine „zunehmende Politisierung der kirchlichen Arbeit“, mit anhaltender, auch kontroverser Wirkung vor allem in der Positionierung gegenüber Ökologie- und Friedensbewegung. Er warnt davor, trotz „mancher öffentlichkeitswirksamer Konflikte“ das Problem der „linken“ Theologiestudenten, Vikare und Pastoren zu überschätzen. Diese seien für die evangelische Kirche „ein Randproblem“ geblieben. Die Frage des politischen Engagements kirchlicher Würdenträger habe zu den Dauerbrennern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gehört, zumal sich anfängliche Kritik an einer Politisierung gegen konservative Gegner der Ost-Denkschrift richtete. „1968“ sei weniger Katalysator „neuen Denkens“ gewesen als ein den bestehenden Tendenzen zu breiter Einwurzelung verhelfender Faktor. Davon hätten nicht zuletzt etablierte Kräfte etwas gehabt – Anfang der 1970er-Jahre vor allem die sozialliberale Koalition, deren Ostpolitik prominente „Kirchenführer“ ostentativ stützten.[71]

Auch Gewerkschaften und Arbeiterbewegungen können, je nach Situation und Perspektive, zur etablierten, das heißt „institutionalisierten“ Ebene oder zur außerparlamentarischen Opposition gerechnet werden. Das metonymische 1968 war, das unterstreicht Gerd-Rainer Horn erneut[72], zugleich ein Jahr der Arbeiter und nicht allein der studentischen Protestbewegungen. Dieses Defizit der Wahrnehmung sucht ein von ihm und Bernd Gehrke herausgegebener Sammelband auszugleichen.[73] Wilde Streiks (so Peter Birke im selben Band) nahmen in der Bundesrepublik zu.[74] Das forderte den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) heraus. Während die IG Bau wilde Streiks bekämpfte, versuchten die „roten“ Gewerkschaften IG Metall und IG Chemie „aus der Erfahrung zu lernen“. Von einem „proletarischen Mai“ spricht Horn in Bezug auf die Bundesrepublik ausdrücklich nicht. Ungeachtet der ansteigenden Arbeitermobilisierung hätten die Arbeiterkämpfe das nationale politische Klima nicht bestimmt. „Maßgeblichen Einfluss“ hätten die Bewegungen nur in Belgien, Frankreich, Italien, Portugal und Spanien gehabt.[75]

Wie ist „maßgeblicher Einfluss“ definiert? Peter Birke und Karl Lauschke führen Beispiele an, wie sich der „gesellschaftspolitische Frühling“ auf die Gewerkschaften auswirkte.[76] Der Organisationsgrad und die Mitgliederentwicklung erreichten zu Beginn der 1970er-Jahre historische Höchststände, auch vor dem Hintergrund rekordverdächtiger Tarifabschlüsse. Das heißt, „1968“ stärkte etablierte Institutionen und Verbände, aber es veränderte sie auch von innen heraus, wobei die Motive und Ziele der Gewerkschaftsführungen noch im Einzelnen herauszuarbeiten wären. Den Gipfel erreichte der Arbeiteraktivismus mit Ausnahme von Frankreich und der CSSR übrigens nicht 1968, sondern in dem halben Jahrzehnt danach. Der europäische Querschnitt (mit Fallstudien außer zu Bundesrepublik und DDR auch zur CSSR, zu Polen, Belgien, Frankreich, Italien und Spanien) unterstreicht, dass „1968“ chronologisch generell weiter gefasst werden kann als in der üblichen Beschränkung auf die studentische Bewegung 1967–1969. Zudem existieren in der Forschung zu den sozialen Umbrüchen der späten 1960er-Jahren noch erhebliche Leerstellen – nicht zuletzt auch, wie Horn bedauernd hervorhebt, zu den transnationalen Aspekten des „proletarischen Mai“.[77]

Das Kapitel zu „‚Establishment’ und APO“ kommt an der meinungsstarken Philippika von Götz Aly nicht vorbei.[78] Es ist mehrfach angemerkt worden, dass Aly mit seiner auf publizistische Knalleffekte abzielenden Parallelisierung von Hitlers „Mein Kampf“ und studentischem Protest (1968 als gescheitertes 1933) mehr auf Selbstkasteiung als historische Analyse zielt und en passant persönliche Rechnungen begleicht – das alles in unangemessener Form.[79] Als Kiesinger-Biograph freut es mich indes, dass Aly den Kanzler als „besonnen“ charakterisiert und auch sonst für den Reformeifer der ersten Großen Koalition eine Lanze bricht. Aly erschließt neue Quellen, zitiert fleißig aus den Akten des Kanzleramtes, wo man die Studierenden als Ressource für die Zukunft betrachtete – habe doch die Mehrheit der Bevölkerung „von Demokratie und ihren Spielregeln wenig inhaltliche Vorstellungen“ (S. 88), wie es in einer Aufzeichnung für den Bundeskanzler hieß.[80]

Aly lässt unter anderem Richard Löwenthal und Ernst Fraenkel[81], dem Remigranten und Gründer des Berliner Kennedy-Instituts, Gerechtigkeit widerfahren. Von Fraenkel und Löwenthal stammen die historischen Vergleiche zwischen SDS und nationalsozialistischem Studentenbund. Ihre Argumentationsmuster setzt Aly ins Recht, aber er tut dies gröblich und ohne Kontextualisierung, altmodisch gesprochen: „unhistorisch“. Fraenkel war, wie Aly erwähnt, ein „Professor der alten Schule“. Er habe sich Vorlesungskritik verbeten und verständnislos auf die Diskussionsbereitschaft jüngerer Wissenschaftler reagiert (S. 133). Fraenkel war der Autor eines Buches zum amerikanischen politischen System, dem ersten seriösen in deutscher Sprache überhaupt. Darin wollte er den Deutschen zeigen, wie eine Demokratie funktioniere.[82] Nur hatte Fraenkel aus den USA anscheinend keine demokratische Streit- und Diskussionskultur mitgebracht. An diesem Defizit arbeiteten sich seit 1968 historisch naive Studierende ab.

Wäre Aly als abwägender Historiker aufgetreten, hätte er gelassener noch etwas länger in den Archiven gebohrt, vielleicht hätte er das große Buch des Jahres 2008 zu „1968“ verfasst. So aber gehen seine nützlichen Anregungen in Empörung unter. Denn streicht man die peinlichen Entgleisungen ab, dann führen Alys Überlegungen zu „1968“ durchaus weiter. „1968“ wurde von vielen Seiten gemacht: Es war eine Koproduktion studentischer Akteure, der Medien, der etablierten Politik, wobei letztere (siehe Kiesinger und Dahrendorf) auf „1968“ nicht einfach mit komplettem Unverstand reagierte, sondern den Protest zu gern auf ihre Reform-Mühlen leitete. Lag die „Tragik“ von „1968“ darin, dass das Bündnis von liberalen und konservativen Reformern und Protestbewegung nicht zustande kam bzw. zerbrach? Hatten Verhärtungen in der politischen Kultur westlicher Länder ihre Ursprünge im Zerbrechen der reformerischen Bündnisse und „Reformstau“ und übergroßes Konsensstreben zur Folge, bei gleichzeitiger Aufladung künstlich hochgespielter, ideologischer Gegensätze und Kulturkriege um „1968“?

Die Frage nach den „Folgen“ ruft Assoziationen auf wie Wertewandel, Liberalisierung, Wandel der Geschlechterverhältnisse, das Aufkommen gegenkultureller Milieus (zentriert um Kommunen, Kinderläden, selbstverwaltete Betriebe), terroristischer Untergrund, die Auffächerung der APO nicht nur in K-Gruppen, sondern auch in zahllose soziale Bewegungen (Feminismus, Hausbesetzer, Ökologie). Wie sich diese Impulse im „etablierten“ institutionellen Kern der Bundesrepublik bemerkbar machten (oder auch nicht), in den Parteien (nicht nur bei den Grünen!) ist erst in Umrissen bekannt.[83] Die staatstragende Rede von der „glücklich gescheiterten Revolte“[84] oder allgemeine Überlegungen zum Wertewandel helfen hier nicht weiter. Die Veränderung wird konkret an Fallbeispielen untersucht werden müssen.[85] Zu wenig wissen wir bisher über die Folgen für Universitäten und Bildungspolitik, obwohl sich die Studenten bewegung doch anfänglich an Konflikten innerhalb der Hochschule entzündet hatte und der Hörsaal zu den primären Schauplätzen von „1968“ gehörte.[86]

Warum lockt das Thema „1968 und die Hochschulpolitik“ so wenige HistorikerInnen hinter dem Ofen hervor? Keine(r) der HerausgeberInnen der hier vorgestellten Sammelbände und Synthesen akquirierte einen entsprechenden Einzelbeitrag. Hat dies mit einer allgemeinen Ermüdung und Erschöpfung der bildungsgeschichtlichen Forschung im Zeitalter von Bologna zu tun? Bisher wird dieses Feld weit überwiegend von den „Ehemaligen“ beackert.[87] Wolfgang Lefèvre, einst SDS-Vorsitzender in Berlin und Mit-Autor der SDS-Hochschuldenkschrift 1961, widmet im als Zeitzeugenforum konzipierten Themenheft von „Ästhetik und Kommunikation“ der Bildungspolitik einen enttäuschten Rückblick, wenn er eine „vollständige Niederlage der Hochschulpolitik der 68er-Bewegung“ konstatiert.[88] Man mag dies bezweifeln. Doch die Jeremiade eines Alt-68ers zeigt den Reiz des Themas auf, weil in der Hochschulpolitik studentischer, auf radikale Veränderung abzielender Protest und nachhaltige staatliche Reformimpulse miteinander in direkter Konkurrenz standen. Wo sonst ließe sich der „Beitrag“ von „1968“ besser studieren? Hier gab es „ungleiche“ und „unzeitgemäße“ Bündnisse neu-linker, linksliberaler und konservativer Reformer (wie zum Beispiel die südwestdeutsche hochschulpolitische „Achse“ Kiesinger – Dahrendorf). In solchen Konstellationen liegt ein Potenzial, um das gewohnte Bild von „1968“ zu irritieren.

Eine Geschichte der Bildungsreform von den Wirtschaftsverbänden bis zum SDS wäre zentral für jede Folgenabschätzung und historische Ortsbestimmung von „1968“ im Kontext der 1960er-Jahre. Sie würde die binäre, tausendmal visualisierte und tief ins kulturelle Gedächtnis gebrannte Gegenüberstellung von APO versus „Establishment“, Studenten versus Professoren, Schülern versus Lehrern, Demonstranten versus Politikern nicht komplett aufheben (weil diese konfrontativen Situationen historisch erlebt wurden), aber doch in Proportionen rücken. Am Ende gab es in den 1970er-Jahren lachende Dritte: die Verwaltungen und die Landesregierungen. Sie verschafften sich neue Eingriffsmöglichkeiten, zerbrachen die universitäre Autonomie. Anstelle von (vielfach überschätzter) Ordinarienherrlichkeit waltete nun (vielfach unterschätzte) Kultusbürokratie.[89] Wie stehen also Liberalisierung, das heißt Zuwachs an individueller Freiheit und Selbstbestimmung, und um sich greifende Bürokratisierung und Reglementierung zueinander? Existiert ein Zusammenhang? Und wenn ja, warum ist dies nicht Teil der nachträglichen Bilder von „1968“?

Ein letztes Wort zum Verhältnis etablierter („parlamentarischer“) und nicht-etablierter, außerparlamentarischer Politik: Eine Neubewertung dieses Verhältnisses liegt auch aus Bewegungsperspektive nahe, weil die Haltung „systemkonformer“ Akteure über die Erfolgsbedingungen revoltierender, das „System“ hinterfragender Akteure mitentschied. Das zeigen die neueren Untersuchungen des Politikwissenschaftlers Roger Karapin zu den sozialen Bewegungen der 1970er- und 1980er-Jahre.[90] Er vergleicht den Erfolg der Proteste gegen das geplante Atomkraftwerk in Wyhl (Baden) mit dem Misserfolg in Brokdorf (Schleswig-Holstein). Im ersteren Fall sei es gelungen, etablierte Kräfte auf die Seite der Atomkraftgegner zu ziehen. Hierzu passt eine Anekdote aus dem US-Wahlkampf 2008, als Hillary Clinton bemerkte, es habe für den Erfolg der Bürgerrechtsbewegung nicht nur eines Martin Luther King bedurft, der die Menschen zu Protesten anspornte, sondern eben auch eines Lyndon B. Johnson, der unter Einsatz von erheblichem politischem Kapital die Gleichstellungsgesetze durch den Kongress peitschte, was die verfassungsrechtlich sanktionierte Rassendiskriminierung beendete.

4. „1968“ – lokal und regional
Eröffnet die Forschung zu „1968“ einerseits globalgeschichtliche Perspektiven, so hat sie sich gleichzeitig zu lokalisieren und zu regionalisieren begonnen. Dies gilt insbesondere für den „alten Westen“, während die osteuropäische Geschichte noch damit beschäftigt ist, „1968“ auf nationaler Ebene aufzuarbeiten. Seit dem 30. Jubiläum von „1968“ jedenfalls wächst in Deutschland und den USA die Aufmerksamkeit für Fragen nach den Auswirkungen der Proteste in lokalen und regionalen Kontexten[91], also danach, wie die „Provinz in Bewegung“ geriet (so der schöne Titel einer Untersuchung zu Heidelberg). Zwar war die Geschichte von „1968“ stets auch Lokalgeschichte. Die frühen Studien fokussierten auf die Epizentren der Revolte in Berlin und Frankfurt am Main bzw. in den USA auf San Francisco, Berkeley und New York sowie in Frankreich auf Paris. Doch die „Kleine Geschichte des SDS“ von Fichter / Lönnendonker oder Kraushaars Chronik „Von der Flaschenpost zum Molotowcocktail“ interessierten sich nicht für diese Orte, um lokale Geschichte zu schreiben.[92] Vielmehr waren ihre Schauplätze zentral und standen für die Geschichte der Bewegung überhaupt.

Lokalstudien sind eine gute Möglichkeit, der Vielfalt der „68er“-Bewegung gerecht zu werden, gesellschaftliche Interaktionsmuster zu identifizieren und die sozialen und kulturellen Folgen von „1968“ abzuschätzen. So hatten es einerseits die Bewegungen an verschiedenen Orten mit vergleichbaren Herausforderungen und vergleichbaren Reaktionen des „Establishments“ zu tun. Andererseits gab es spezifische Umstände, die einer Mobilisierung förderlich waren oder nicht. Obwohl auch der lokale Protest oft globale Probleme zum Gegenstand hatte – wie den Vietnam-Krieg oder die postkolonialen Befreiungskämpfe in Afrika und Lateinamerika –, ergaben sich bestimmte mobilisierende Problematiken aus der Situation vor Ort. Paul Lyons’ Studie zu Philadelphia zeigt etwa, wie die New Left mit dem religiösen Erbe der Stadt, der Tradition der Friedensbewegung und der Quäker, zurechtkommen musste. Deutlich wird zudem, wie die parallelen Proteste der (weißen) Studierenden und der (schwarzen) afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in einer nicht immer symbiotischen, zum Teil sogar recht konfliktträchtigen Beziehung zueinander standen.[93]

Erprobt wird der lokalgeschichtliche Ansatz für die Bundesrepublik in Katja Nagels Untersuchung zu Heidelberg.[94] Die Autorin zeigt, dass die dortige Bewegung erst sehr langsam in Fahrt kam – mehrere Monate, nachdem die Ereignisse in Berlin bereits erste Höhepunkte überschritten hatten. Als sich jedoch ein mobilisierbares Potenzial gebildet hatte, sorgten die US-Militärpräsenz in der Stadt und die harte Haltung der Heidelberger Stadtverwaltung dafür, dass die Proteste sich jahrelang hinzogen und Heidelberg zu einem späten Zentrum der Revolte wurde. Es war nicht zuletzt die Interaktion mit etablierten Akteuren (Universität, Justiz, Polizei, Stadtverwaltung), welche die Heidelberger Protestgeschichte prägte. Hier zeigt sich, wie auch in einer parallelen amerikanischen Studie von Mary Ann Wynkoop über die University of Indiana[95], dass sich lokal abweichende Chronologien ergaben und dass die obige Aussage, Ende 1968 habe die „Bewegung“ ihren Höhepunkt überschritten, sich für Heidelberg oder Bloomington gerade nicht erhärten lässt.

Die lokale Perspektive eröffnet besondere Chancen, die Geschichte von „1968“ zu einer Gesellschaftsgeschichte der langen 1960er-Jahre zu verbreitern und die Fokussierung auf die engere Bewegungshistorie des „kurzen 1968“ zu verlassen, die für viele der frühen Studien charakteristisch war. Vor allem in den USA richtete sich der Blick schon früh auf die Auswirkungen jenseits der Campus-Revolte. Die Arbeit von Rusty Monhollon zu Lawrence in Kansas wird nicht nur von den üblichen Verdächtigen bevölkert, nämlich Anti-Vietnam-Demonstranten, intellektuellen Kritikern des „Establishments“ und radikalen Protestgruppen wie den Black Panthers. Vielmehr integriert Monhollon die konservative Gegenbewegung, die aber nicht mehr viel gemeinsam hatte mit den alten Eisenhower-Republikanern. Diese neuen Konservativen übernahmen nicht nur einige Protest-Taktiken der neuen Linken; sie lehnten sich auch in ihrem Erscheinungsbild und in ihrer Philosophie, der wachsenden Hochschätzung individueller Bedürfnisbefriedigung gegenüber (bürgerlichen) „Pflichtwerten“, an die Haltungen der 68er-Kohorte an. Hier zeigte sich, dass der vielfach konstatierte Wertewandel alle Seiten ergriff.[96]

Schließlich ist seit den 1990er-Jahren deutlich geworden, dass auch die Erinnerung an 1968 zunehmend lokal kodiert ist. Ein Sammelband der Zürcher Germanisten Angelika Linke und Joachim Scharloth über den „Zürcher Sommer 1968“ arbeitet nicht nur die Protestgeschichte der späten 1960er-Jahre auf, sondern geht ganz bewusst den lokalen Spuren der Juni-Ereignisse 1968 nach, die sich als „Globus-Krawall“ über die Stadt hinaus ins kollektive Gedächtnis der Schweiz eingegraben haben. Dabei machen die Herausgeber darauf aufmerksam, dass auch in der Schweiz bzw. in Zürich „1968“ lange Zeit keine lokalen Assoziationen aufrief; dass man lange Zeit „nicht an Jugendliche in Zürich [dachte], sondern an protestierende Studenten in Berlin und Frankfurt“. Die Kommune I oder der Vietnam-Kongress bestimmten das Bild von „1968“ in der Schweiz, die Hippies von San Francisco, die Barrikaden im Quartier Latin, die Panzer auf dem Prager Wenzelsplatz. Hier geht es also darum, die Spannung von „globaler Phantasie und lokaler Wirklichkeit“ auch in der Erinnerung wieder zurückzugewinnen.[97]

5. Kulturgeschichtliche Ansätze
Wer Fragen nach den gesellschaftlichen Wurzeln oder nach dem „Was bleibt?“ von „1968“ stellen möchte, der wird künftig das Verhältnis von APO und „Establishment“, von Politik innerhalb und außerhalb des Parlaments, von gesellschaftlichen Organisationen und Protestbewegungen genauer abklopfen müssen. In diese Richtung deuten auch kultur- und medienwissenschaftlich inspirierte Ansätze. Die kommunikativen Strategien von „1968“ und ihre symbolischen (und manchmal auch nicht so symbolischen) Bilderstürme zielten nicht zuletzt auf etablierte Akteure einschließlich etablierter (Massen-)Medien ab. Das von Klimke und Scharloth herausgegebene „Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung“ unterstreicht diesen Zusammenhang plastisch in der einleitenden Anekdote, wie sich der Berliner „Abend“ unter dem Titel „Mit Mao für die Freie Liebe“ über die Sprengung einer Veranstaltung an der Freien Universität durch „Rotgardisten“ empörte. Studentische Aktivitäten wurden hier auf bestimmte Weise repräsentiert, und zwar zunächst einmal gar nicht durch die Studierenden selbst, sondern von einem etablierten Medium.[98]

Eine Geschichte massenmedialer Repräsentationen von „1968“ im Sinne der guten alten Perception Studies verleiht der neueren Kulturgeschichte natürlich noch nicht den richtigen Kick. Dazu wird „1968“ erst, wie es die Herausgeber des „Handbuchs“ etwas umständlich formulieren, indem man die Protestpraxis anhand ihrer konkreten Ausdrucksformen und der damit beabsichtigten Generierung „alternativer Symbolsysteme mit langfristiger Breitenwirkung“ untersucht und hierbei vor allem die intentionale Ebene mit einbezieht. Die Forschung verwendet für einen solchen Ansatz den prätentiösen, auf jeden Fall aber theoretisch und methodisch anspruchsvollen Begriff des „Performativen“. Etwas schlichter: Wie werden soziale Ordnungen und „Identitäten“ über öffentliche und öffentlichkeitswirksame Handlungen in Frage gestellt – durch Märsche, Demonstrationen, Happenings, Straßentheater, Tribunale, Podiumsdiskussionen oder individuelle Akte der Ritualkritik, die zum Teil nicht mehr allein symbolische Herausforderung waren, wie die Kritik des „Systems“ vor Gericht, wo strafrechtliche Sanktionen drohten? Ideologische Debatten interessieren hier allenfalls, um zu zeigen, wie über „gemeinschaftsstiftende Praktiken“ (zu denen auch Diskussionen gehörten) Freiräume im Hier und Jetzt geschaffen wurden.[99]

Dazu lässt sich mit medienwissenschaftlichen Instrumenten auch konkret etwas sagen, obwohl historische Forschung hier noch am Anfang steht. Kathrin Fahlenbrach und Dorothee Liehr machen in Beiträgen zu Protestinszenierungen deutlich, dass die Bewegungen der 1960er-Jahre ihre Dynamik und ihren Erfolg nicht zuletzt einer neuen Medienumwelt verdankten und ihr „performativer“ Durchbruch Teil einer „medienhistorischen Schwellensituation“ war. An diesem Punkt kommt der generelle Wandel wieder stärker in den Blick, weil ja auch aufgrund bestimmter technischer Prozesse die Regeln des medialen Spiels sich änderten. Hier müssten deutlich stärker noch die Querverbindungen von der kulturwissenschaftlichen Performanz zu „traditionellen“ Arbeiten über Politik und Mediengeschichte hergestellt werden.[100] So wären dem methodisch fein ziselierten Gewölbe des Performativen ein paar dicke sozialgeschichtliche Bretter einzuziehen. Leider sind viele der Essays (auch die Einleitung der beiden Herausgeber) stark auf die späten 1960er-Jahre bezogen, und die neuen Formen der Kommunikation werden in ihrer Breitenwirkung noch nicht untersucht – ein generelles Manko der jüngeren, auf kulturelle Phänomene bezogenen 68er-Forschung.[101]

Das von Gedenktagen oberflächlich vorangetriebene Fragen nach „1968“ eröffnet zudem einzelnen Teildisziplinen neue Perspektiven, wie der rasante Aufschwung musikwissenschaftlicher Forschung zu „1968“ zeigt. Der „rebellischen Musik“ sind im deutschsprachigen Raum gleich zwei sich ergänzende Sammelbände gewidmet.[102] Darin werden sowohl Texte zu musikalischen Avantgarden publiziert (von Maurizio Kagel bis Hans Werner Henze) als auch zur Protestmusik im engeren Sinne (linke Blaskapellen, Liedermacher, Festivals) sowie zur Populärmusik und den Wechselwirkungen zwischen Protest und Rock. Beate Kutschke resümiert in ihrer dem musikhistorischen Laien als Einstiegspunkt zu empfehlenden Einleitung, dass „1968“ die westliche Musikkulturlandschaft „spartenübergreifend geprägt“ habe, aber umgekehrt „1968“ auch neue Wahrnehmungsmuster mittels musikalischer Mittel erzeugt worden seien.[103]

Ist der Eindruck gerechtfertigt, dass die Aufmerksamkeit für die Protestinszenierungen um 1968, für den medialen und performativen Charakter der „Bewegung“ etwas von der im Rückblick oft unverständlichen, geradezu exotisch wirkenden emotionalen Hochspannung zurückbringen kann, weil trotz des prätentiösen Vokabulars die Forschung hier wieder stärker an die Quellen heranrückt und weniger spekulativ verallgemeinernd über nachfolgende Kulturrevolutionen usw. spricht? Auch dürfte der genaue Blick auf die mediale „Konstruktion“ und Inszenierung der „Revolte“ Untersuchungen zum „Mythos 1968“ befruchten. Die Frage, welche erinnerungskulturellen Muster von „1968“ sich festsetzen, folgt der Frage nach der Inszenierung des Protests auf dem Fuß. Was hat unser Bild von „1968“ mit der von Kathrin Fahlenbrach beschriebenen „medienhistorischen Schwellensituation“ zu tun (Stichworte: Fernsehen und dynamisiertes Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatsphäre)? Warum setzten sich bestimmte Inszenierungen des Protests dauerhaft fest, während andere (wie die „Freiheitsglocken“-Gegendemonstrationen nach dem Vietnam-Kongress) sang- und klanglos aus dem deutschen Bilderhaushalt verschwanden? Wie wirk(t)en die Eigenlogik der Medien, konkrete Entscheidungsmomente und das diskursive Handeln der Akteure zusammen?

Was man im „Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung“ noch vermisst, ist eine Systematik der „Schauplatzgeschichte“. Performatives Handeln ist ja von den räumlichen Bedingungen sozialen Handelns geprägt. Der Performative Turn wäre noch expliziter mit dem Spatial Turn zu verknüpfen. Protest, ob als Ritualkritik oder nicht, spielt sich im Hörsaal oder im Konservatorium anders ab als auf der Straße, vor Gericht oder im Fernsehstudio. Hier kollidierten jeweils andere Kommunikationsstile mit ihren sehr eigenen Traditionen und Codes und physischen Bedingungen. Das müsste sich auch in den performativ verfestigten Ritualkritiken niedergeschlagen haben. Nicht zuletzt würden sich über die Schauplätze international vergleichende Perspektiven eröffnen. Dem Ruf Dutschkes, die „Justiz lahmzulegen“, entsprach die Strategie des „Clogging the Courts“ in Berkeley. Und die Reaktionen auf die Rechtsprechung, die man als „politische Justiz“ zu entlarven suchte, waren auf beiden Seiten des Atlantiks ebenfalls sehr ähnlich.[104]

Wie lassen sich Überlegungen zur „performativen Konstruktion von Wirklichkeit“ zurückbinden an gesellschaftlichen Wandel, zum Beispiel an Statistiken des Bruttoeinkommens, der verfügbaren Freizeit, des Konsums von Gütern, der sozialen Ungleichheit? Kulturhistorie ist hier ja dem Einwand ausgesetzt, über „harte soziale Fakten“, die unter Umständen das Glück und Unglück von Menschen vorbestimmen, leichtfertig hinwegzuhoppeln.[105] Was also bedeuten diese Subversionsstrategien für die realen Bildungschancen? Wie spielte ihre spezifische Rolle in die Verarbeitung der Aufbrüche der 1960er-Jahre hinein? Folgt man Gilcher-Holtey, dann entzieht sich der Einfluss von „1968“ auf den Wandel von Politik und Kultur direkter Zuschreibung. Indes müssen wir wohl noch mehr darüber erfahren, wie sich ein alternativer Habitus oder die Wechselwirkungen zwischen Medien und Protest zu „grundlegenden Veränderungen sozialer Werte“ (wobei dies natürlich auch nur ein Angebot zur Deutung wäre) hochaggregieren lassen. Zweifellos ist soziale Wirklichkeit nicht objektiv vorgegeben, worauf Scharloth unermüdlich verweist. Nur: Welche neuen Weltsichten ergaben sich aufgrund der Interaktion zwischen Protestbewegungen und anderen Bereichen der Gesellschaft, wie pflanzte sich die Ritualkritik zivilgesellschaftlich weiter fort, welche performativen Muster endeten in einer Sackgasse? Hier stehen wir wohl erst am Anfang einer Kulturgeschichte von „1968“.

6. „1968“ in der Erinnerung
Endlich müssen auch die Erinnerungen an „1968“ historisiert werden, weil sonst weiter mit Ausschließlichkeitsanspruch vorgetragene Deutungen à la Kraushaar, Aly, aber auch Kai Diekmann und Eva Herman das öffentliche Bild von „1968“ bestimmen. Dichte Beschreibungen wie Gerd Koenens „Das rote Jahrzehnt“ oder Peter Schneiders vielfach gelobter Band „Rebellion und Wahn“ vermitteln eine Ahnung von der Atmosphäre der späten 1960er-Jahre. Sie sind, wie auch Stefan Wolles autobiographisch unterfütterte Darstellung zu 1968 in der DDR, unverzichtbare Quellen für die zeitgeschichtliche Forschung.[106] Mit dem Trügerischen der Erinnerung setzt sich Schneider systematisch auseinander: „Wer seinen Erinnerungen traut, ist ein Tölpel.“ (S. 172) Er führt markante Beispiele dafür an, wie ihm das Gedächtnis Streiche spielt, etwa im Hinblick auf eine nachträgliche Visualisierung der zeitgenössischen Empörung über den Krieg in Vietnam: Die meisten Bilder, an die er sich erinnere, stammten aus den 1970er-Jahren (etwa das Foto der fliehenden Kinder nach dem Napalm-Bombenabwurf).[107] An Schneider lässt sich auch studieren, wie der Fortschritt der Historiographie etwa die Globalität der Ereignisse mit dem Zeitzeugengedächtnis nachträglich mischt. Schließlich ist Schneider fast so ratlos wie die Historiker, was die Gleichzeitigkeit des weltweiten Aufbruchs angeht. Diese ist vermutlich auch erst im Rückblick als Gleichzeitigkeit entdeckt (oder wiederentdeckt?) worden – aber das bleibt zu untersuchen.

Es ist offenkundig und wurde seit den 1980er-Jahren tausendfach konstatiert, dass „1968“ zur Projektion gesellschaftlicher Konflikte diente und dient. Aber was sind die Gründe dafür? Was davon ist in der ursprünglichen Qualität der Ereignisse angelegt, die „1968“ zum politisch, kulturell und emotional überfrachteten Stachel werden ließen? Was sind die späteren Zutaten? Man wird nicht umhin kommen, dieses erinnerungskulturelle „1968“ künftig als eigenes Feld der zu „1968“ zählenden „Ereignisse“ zu analysieren. Denn diese Erinnerung wurde von den Protagonisten, den Zeitzeugen, den Medien, der Wissenschaft auf ganz bestimmte Art und Weise in die Gegenwart getragen. Wie „1968“ sich diskursiv verfestigte, zum Beispiel die erwähnte kontinental-europäische Engführung auf das „kurze 1968“ der Studentenbewegung, während man in den USA weiter von den „Sixties“ spricht und damit im Grundsatz auch etwas anderes meint – dazu gibt es bisher kaum weiterführende Überlegungen im deutschsprachigen Raum.[108]

Albrecht von Lucke, Redaktionsmitglied der „Blätter für deutsche und internationale Politik“, unternimmt auf nicht einmal 100 Seiten einen ersten, von Grundsympathie für „1968“ getragenen Versuch in diese Richtung.[109] Er folgt dabei einem Stichwort von Klaus Hartung, der 1977, noch vor Mogadischu, „1968“ als Generationenprojekt definierte und damit dem Topos der Jugendrevolte eine neue Stoßrichtung gab.[110] Zentral war vor dem Hintergrund der terroristischen Zuspitzung das Verhältnis zur NS-„Vergangenheitsbewältigung“. Sicher unterschätzt Lucke in der von ihm gewählten Fokussierung auf wenige Autoren die Breite dieser neuen Selbstbezeichnung, aber er macht deutlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Terrorismus der RAF doch ein zentraler Stein des Anstoßes war: „1968“ eben von dieser Gewalt abzugrenzen und zugleich die Notwendigkeit der Proteste um 1967/68 affirmativ zu begründen, darum sei es gegangen. Lucke zeigt weiter, wie „1968“ im Jahr 1988, das heißt am scheinbaren Ende der Ära Kohl, breite Akzeptanz besaß („alle lieben 1968“), aber wie sehr der Kurswert von „1968“ mit dem Auf und Ab der politischen Aktien der Linken schwankte, und zwar auch in ihrer etablierten SPD-Variante und bei den Grünen, vor dem Hintergrund der Krisen um die Wiedervereinigung und die Kohl’sche politische Hegemonie. Natürlich muss sich von Lucke auf ausgewählte Akteure und ein eher kleines Quellensample beschränken. Sein mutiger Versuch verdeutlicht aber das Potenzial einer Erinnerungsgeschichte von „1968“.

Der amerikanische Journalist Paul Hockenos greift hier einerseits weiter, indem er „1968“ in angelsächsischer Manier in den gesamten Kontext der Nachkriegsgeschichte seit 1945 zurückverfolgt.[111] Andererseits verfährt er enger, weil er die Geschichte der westdeutschen Neuen Linken am Leitfaden der Biographie von Joschka Fischer entwirrt, der aufgrund seiner Sozialisation und seiner Ausbildung anfangs eher epigonal zur Studentenbewegung stand, aber viele kulturelle Prägungen (mit kritischen Einflüssen aus der Populärkultur) mit ihr teilte, und dessen „große Zeit“ erst in den 1970er-Jahren im Kontext der Etablierung der Grünen kam. Hockenos zielt vor allem auf das „Making of the Berlin Republic“ ab, das heißt auf die rot-grüne Koalition. Ihn interessiert Fischers Wende (und diejenige anderer) zu Verantwortungsethikern, die, gestützt durch geschichtspolitische, den Holocaust universalisierende Argumente, nun das Ziel einer Verhinderung von Völkermord durch militärische Mittel erfolgreich kommunizierten. Zugleich erklärt Hockenos einem amerikanischen Publikum, warum Fischer den Irak-Krieg ablehnte, nachdem er zuvor die Kosovo-Mission unterstützt hatte. Eine ähnliche Volte schlägt übrigens auch Gilcher-Holtey mit ihrem Kapitel „Krieg der 68er“, die indes deutlicher herausarbeitet, dass es unter den „Alt-68ern“ einige gab, die Fischers robustem Peace Keeping nicht folgten.[112]

Die gestiegene medienwissenschaftliche Aufmerksamkeit für „1968“ legt es nahe, für eine Historisierung der visuellen Kanonisierungen von „1968“ zu plädieren, wie sie Ausstellungen, Kataloge, Bildbände und Fernsehsendungen fast tagtäglich herstellen. Die Verfestigung von „1968“ zum bundesdeutschen (französischen, italienischen usw.) Erinnerungsort erfolgte ja nicht allein aufgrund der Debatten Ehemaliger in obskuren Szene-Journalen. Es werden dringend Studien zur Bildgeschichte von „1968“ benötigt. Solche gibt es bisher nur für einzelne Images wie etwa dasjenige des erschossenen Ohnesorg.[113] Niemand hat bisher vergleichend über längere Zeiträume hinweg den Aufstieg und Fall von 68er-Bildikonen untersucht. Ähnlich wie der Germanist Thomas Hecken aus „Schlüsseltexten“ der Revolte einen Kanon herauszudestillieren versucht, so müsste, methodisch gründlicher abgestützt als bei dem sich auf seine Intuition verlassenden, die Auswahl nicht näher begründenden Hecken, in puncto „Bilder der Revolte“ verfahren werden.[114] Unter Einbeziehung rezeptionsanalytischer und quantitativer Methoden könnte ein genauerer Befund zum Wandel des veröffentlichten Bildkorpus zu „1968“ entstehen. Diese auch archivalische Knochenarbeit wäre eine große Aufgabe für eine interdisziplinäre historische Bildwissenschaft.

Die zahlreichen, zum Teil nur in Neuauflage wieder auf den Markt geworfenen Bildbände, Ausstellungen und Ausstellungskataloge der Jahre 2007/08 zielen primär auf einen Wiedererkennungseffekt ab; sie geben kaum mehr als erste Anhaltspunkte für eine Geschichte des nachträglichen visuellen making of ‘68. Was hier vom Sammlerstück bis zum Magnum Shot ohne viel Federlesens illustrierend versammelt wird, zeigt, bestenfalls, das zeitgenössische Verhältnis der Bilder zueinander. Aber wann sich im Zeitverlauf welche Bildikonen nach vorne schoben, wer welche Abbildungen wann prominent verwendete und warum manches dieser Bilder nach dem 10. oder 20. Jahrestag wieder in den Schubladen verschwand, wissen wir nicht. So sind die Fotos und Exponate im Katalog zur Ausstellung im Frankfurter Historischen Museum („Die 68er. Kurzer Sommer – lange Wirkung“) dementsprechend nur dem kurzen „1968“ entnommen und zeigen, anders als die breiter angelegten Katalog-Texte es versuchen und anders als der Titel des Bandes es suggeriert, nun gerade nicht die langfristigen Wirkungen auf, sondern ihren unmittelbaren Gebrauch im damaligen Hier und Jetzt.[115]

Auch der von Gerd Koenen und Andres Veiel konzipierte Band „1968. Bildspur eines Jahres“ geht nicht im wörtlichen Sinne den visuellen Spuren von „1968“ nach.[116] Immerhin werden demonstrierenden Studenten und jagenden Polizisten ein paar Perspektiven der Gegenseite entgegengestellt, mit Abbildungen von Heintje, Kiesinger (der sich tief vor Generalissimo Franco verbeugt) und Strauß bei der Gamsjagd. Solche Bilder wirken aber ebenso stereotyp wie die endlos wiederholten Prügelszenen. Waren dies die 1968/69 visuell dominierenden Repräsentationen des „Establishments“? Ein kurzer Blick in den „Spiegel“ legt das nicht unbedingt nahe. Dort gab es Aufnahmen, die andere Formen der Interaktion zeigten – warum wurden diese später nicht aufgriffen? Globalität und Multiperspektivität zeichnen einen exquisiten Bildband von Michael Ruetz aus. Immerhin findet der Hoffotograf der Rebellion unter den vielen 68er-Kongressen und Vollversammlungen, das heißt „typischen“ 68er-Images, noch etwas Platz, um den einen oder anderen Arbeiteraufmarsch, ein paar südamerikanische Guerilleros und Milieustudien aus der Industrie in seinem „1968“ unterzubringen.[117]

Während die Frage nach der Erinnerung in Deutschland erst langsam an Intensität gewinnt, gibt es in den USA, aber gerade auch in Frankreich und Italien, bereits entwickelte Ansätze zur Historisierung der Erinnerungen an „1968“. Diese könnten als Vorbild für ähnliche Untersuchungen in der Bundesrepublik dienen. David Farber hat früh auf die Manipulation kultureller Codes durch Richard Nixon hingewiesen.[118] Wie es diesem und seinen Nachfolgern Reagan sowie Bush I und II gelang, die „Sixties“ für die Mobilisierung politischer Unterstützung zum Feindbild zu stilisieren, wäre indes einer genaueren Untersuchung noch wert. Mit Blick auf Italien hat Luca Sinibaldi drei Linien herausgearbeitet, wonach die Erinnerung an das Sessantotto an zeitgenössische Interpretationen anknüpfte (wie zum Beispiel die Thesen von Alain Touraine), deren Gewichtungen sich im Laufe der Jahrzehnte aber markant verschoben. Vor allem in den 1990er-Jahren, „als die Kinder der Achtundsechziger das Feld betraten“, stellte sich ein Abstand zu universalen Erklärungsansätzen ein. Die Geschichte von „1968“ wurde zunehmend als Teil partikularer Entwicklungsstränge gesehen, die sich nur vorübergehend im „kurzen 1968“ überlappten und überkreuzten.[119] Für Frankreich wiederum gibt es mit der Arbeit von Kristin Ross eine monographische Untersuchung, die die Rezeptionsgeschichte bis in die 1990er-Jahre aufarbeitet und sehr klar zeigt, wie das „kurze 1968“ von seinen nachfolgenden Repräsentationen „übernommen“ wurde, wie die Erinnerung quasi die Ereignisse kolonisiert hat.[120]

Das letzte Wort über „1968“ ist noch lange nicht gesprochen, auch wenn der Elan nach dem Jubiläumsrummel etwas abflauen dürfte (bis zum 50. Jahrestag). Es wird einige Jahre dauern, bis die aus dem Jubiläum um 2008 hervorgegangenen Forschungsarbeiten (darunter nicht wenige der kulturgeschichtlichen Richtung) auf den Markt kommen werden. Manche Fragen (wie etwa die Hochschulreform) kehren jetzt langsam ins Zentrum der Forschung zurück; andere, die früher große Aufregung verursachten (wie das Verhältnis von „1968“ und NS-Vergangenheit oder das Verhältnis zu Terror und Gewalt), eignen sich nur noch wenig zur Skandalisierung. Die Frage nach dem Erbe („Was bleibt?“) sowie das Verhältnis des kurzen, als Chiffre verfestigten „1968“ zu den kulturellen und sozialen Umbrüchen der langen 1960er-Jahre, ob nun konventionell mit den Methoden der Sozial- oder einer modernen Politikgeschichte erarbeitet oder aber mit diskurstheoretisch geschärftem kulturwissenschaftlichem Instrumentarium, dürften die zeithistorische Forschung noch geraume Zeit beschäftigen.

Anmerkungen:
[1] Für kritische Anmerkungen und Feedback zu diesem Forschungsbericht danke ich Jan-Holger Kirsch (Potsdam), Martin Klimke (Washington), Reinhild Kreis (Augsburg) und dem/der anonymen GutachterIn von H-Soz-u-Kult.
[2] Ingrid Gilcher-Holtey (Hrsg.), 1968. Vom Ereignis zum Gegenstand der Geschichtswissenschaft, Göttingen 1998 (2008 ärgerlicherweise ohne jede Änderung oder Erläuterung bei Suhrkamp neu aufgelegt); Franz-Werner Kersting, Entzauberung des Mythos? Ausgangsbedingungen und Tendenzen einer gesellschaftsgeschichtlichen Standortbestimmung der westdeutschen ‚68er’-Bewegung, in: Westfälische Forschungen 48 (1998), S. 1-19; David Farber (Hrsg.), The Sixties. From Memory to History, Chapel Hill 1994.
[3] Vgl. die Forschungsüberblicke von Michael Th. Greven, Jubiläumsliteratur – „1968“ und die „68er“ als Erinnerungsort und aktuelle Projektionsfläche, in: Neue Politische Literatur 53 (2008), S. 195-204; Detlef Siegfried, Furor und Wissenschaft. Vierzig Jahre nach „1968“, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 5 (2008), S. 130-141, auch online verfügbar unter <http://www.zeithistorische-forschungen.de/16126041-Siegfried-1-2008> (19.04.2010); Alfons Söllner, „1968“ – Eine Nachlese, in: Mittelweg 36 17 (2008) H. 6, S. 33-59; Petra Haustein, Von der Jahrestagsprosa zur Analyse. Das Jahr 1968 im Spiegel der Forschung, in: Neue Politische Literatur 53 (2008), S. 401-429; Sven Steinacker, Es bewegt sich was – Die sechziger und siebziger Jahre als Wendezeit in Westdeutschland, in: Sozialwissenschaftliche Literatur Rundschau 31,2 (2008), S. 5-21; Manfred Lauermann, Vierzig Jahre 1968: Ein Literaturüberblick, in: Berliner Debatte Initial 20 (2009), S. 111-149, auch online verfügbar unter <http://www.zeithistorische-forschungen.de/zol/Portals/_zf/documents/pdf/Lauermann_Literaturbericht_1968.pdf> (19.04.2010); Felix Dirsch, „1968“: Von der erlebten Zeitzeugenschaft zum Gegenstand der Historiographie? Eine Literaturauswahl in der Rückschau auf das Jubiläumsjahr 2008, in: Zeitschrift für Politik 56 (2009), S. 89-97; Hartmut Rübner, Zähmende Historisierung oder fundamentale Destruktion. Was um 2008 zu „1968“ erschien, in: Peter Birke / Bernd Hüttner / Gottfried Oy (Hrsg.), Alte Linke – Neue Linke? Die sozialen Kämpfe der 1968er Jahre in der Diskussion, Berlin 2009, S. 207-218.
[4] Jan Assmann, Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 1992, S. 76.
[5] Dagegen Felix Dirsch, Kulturrevolution oder Studentenbewegung? Ansätze zur Historisierung der Ereignisse von „1968“, in: Zeitschrift für Politik 55 (2008), S. 5-32, hier S. 8, nach dessen Ansicht historische Ereignisse „durch eine konsequente Einordnung in die Geschichte jedweden mythologischen oder dämonischen Hintergrund verlieren“. Siehe auch Jens Kastner / David Mayer, Weltwende 1968? Ein Jahr aus globalgeschichtlicher Perspektive. Zur Einführung, in: dies. (Hrsg.), Weltwende 1968? Ein Jahr aus globalgeschichtlicher Perspektive, Wien 2008, S. 7-22, hier S. 9; Claus Leggewie, 1968 – Ein transatlantisches Ereignis und seine Folgen, in: Detlef Junker u.a. (Hrsg.), Die USA und Deutschland im Zeitalter des Kalten Krieges. Ein Handbuch, Bd. 2: 1968-1990, S. 632-643, hier S. 642, spricht von „Historisierung statt Mystifizierung“.
[6] Hierzu Martin Klimke, Revisiting the Revolution: The Sixties in Transnational Cultural Memory, in: Ingo Cornils / Sarah Hudspith (Hrsg.), Memories of 1968. International Perspectives (erscheint 2010). Aufschlussreich ist die journalistische „Außenperspektive“ von Paul Hockenos, The 1968 Debate in Germany, in: OpenDemocracy, 2.5.2008, online unter <http://www.opendemocracy.net/article/the_1968_debate_in_germany> (19.04.2010); Angelika Ebbinghaus, „1968“ und seine Hypotheken, in: Deutschland Archiv 41 (2008), S. 719ff.
[7] Darüber besteht in der Forschung weitgehend Konsens. Siehe z.B. Wolfgang Kraushaar, Der Zeitzeuge als Feind des Historikers? Ein Literaturüberblick zur 68er-Bewegung, in: ders., 1968 als Mythos, Chiffre und Zäsur, Hamburg 2000, S. 253-347, hier S. 324; jüngst Siegfried, Furor und Wissenschaft, S. 130.
[8] Siehe dazu unten, Abschnitt 6. Ein erster Versuch stammt von Lucke, Albrecht von, 68 oder neues Biedermeier. Der Kampf um die Deutungsmacht, Berlin 2008; für Frankreich Kristin Ross, May ‘68 and its Afterlives, Chicago 2002; sowie Eddy Fougier, Mai 68 in Frankreich: 40 Jahre danach. Mythos und gegenwärtige Debatte, in: Auslandsinformationen 24 (2008), S. 58-80.
[9] Die kommentierte Bibliographie von Lauermann, Vierzig Jahre 1968, verzeichnet gut 200 Titel der jüngeren Zeit überwiegend zu Deutschland. Insgesamt dürften sich in den letzten zehn Jahren mehrere tausend Publikationen zu „1968“ in den verschiedenen Ländern angesammelt haben.
[10] Dezidiert das Vorwort von Axel Schildt / Detlef Siegfried / Karl Christian Lammers (Hrsg.), Dynamische Zeiten. Die 60er Jahre in beiden deutschen Gesellschaften, Hamburg 2000.
[11] Jürgen Osterhammel / Niels P. Petersson, Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen, München 2003.
[12] Gerd-Rainer Horn, The Spirit of ’68. Rebellion in Western Europe and North America, 1956-1976, Oxford 2007; Martin Klimke / Joachim Scharloth (Hrsg.), 1968 in Europe. A History of Protest and Activism, 1956-1977, New York 2008; Karen Dubinsky u.a. (Hrsg.), New World Coming. The Sixties and the Shaping of Global Consciousness, Toronto 2009. Siehe auch die Beiträge des Forums „The International 1968, Part I & Part II“, in: American Historical Review 114 (2009), S. 42-135, S. 329-404; Bernd Gehrke / Gerd-Rainer Horn (Hrsg.), 1968 und die Arbeiter. Studien zum „proletarischen Mai“ in Europa, Hamburg 2007; Kastner / Mayer, Weltwende 1968?; Angelika Ebbinghaus / Max Henninger / Marcel van der Linden (Hrsg.), 1968. Ein Blick auf die Protestbewegungen 40 Jahre danach aus globaler Perspektive, Wien 2009; Philipp Gassert / Martin Klimke (Hrsg.), 1968. Memories and Legacies of a Global Revolt, Washington, D.C.: Bulletin of the German Historical Institute, Supplement 6 (2009), auch online verfügbar unter <http://www.ghi-dc.org/index.php?option=com_content&view=article&id=1041&ItemId=932&Itemid=1612&Itemid=161> (19.04.2010).
[13] Angelika Ebbinghaus (Hrsg.), Die letzte Chance? 1968 in Osteuropa. Analysen und Berichte über ein Schlüsseljahr, Hamburg 2009.
[14] Siehe Jeremi Suri, Power and Protest. Global Revolution and the Rise of Détente, Cambridge 2003; Kathrin Fahlenbrach u.a. (Hrsg.), The Establishment Responds. Power, Politics, and Protest During and After the Cold War (erscheint 2011), sowie meine früheren Plädoyers zur Integration „etablierter“ Perspektiven in der Einleitung zu Philipp Gassert / Pavel A. Richter, 1968 in West Germany. A Guide to Sources and Literature of the Extra-Parliamentarian Opposition, GHI Reference Guide No. 9, hrsg. vom German Historical Institute, Washington, D.C. 1998, S. 15; Philipp Gassert, Ein Wendepunkt der Nachkriegszeit? „1968“ in der Jubiläumsliteratur zum Dreißigsten, in: Historische Mitteilungen 15 (2002), S. 286-296; ders., Kurt Georg Kiesinger, 1904-1988. Kanzler zwischen den Zeiten, München 2006, S. 615ff.
[15] Zur Bedeutung des „Regionalen“ schon Kersting, Entzauberung des Mythos?
[16] In diesem Sinne auch Soellner, „1968“; Martin Klimke / Joachim Scharloth (Hrsg.), 1968. Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung, Stuttgart 2007.
[17] Etwa Wolfgang Weber, Die „Kulturrevolution“ 1968, in: Volker Dotterweich (Hrsg.), Kontroversen der Zeitgeschichte. Historisch-politische Themen im Meinungsstreit, München 1998, S. 207-228.
[18] Siehe auch die einleitenden Bemerkungen von Detlef Siegfried, Sound der Revolte. Studien zur Kulturrevolution um 1968, Weinheim 2008, S. 13.
[19] Z.B. Michael Schmidtke, Der Aufbruch der jungen Intelligenz. Die 68er Jahre in der Bundesrepublik und den USA, Frankfurt am Main 2003; Kristina Schulz, Der lange Atem der Provokation. Die Frauenbewegung in der Bundesrepublik und Frankreich 1968-1976, Frankfurt am Main 2002.
[20] In diesem Sinne in Deutschland Axel Schildt, Vor der Revolte: Die sechziger Jahre, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 51,22-23 (2001), S. 7-13; auch online verfügbar unter <http://www.bpb.de/publikationen/ZEOQKO,0,Vor_der_Revolte%3A_Die_sechziger_Jahre.html> (19.04.2010).
[21] Inwiefern genau diese Fragestellung Teil einer „Mythifizierung“ von „1968“ ist, wäre eigens zu untersuchen.
[22] Gerard De Groot, The 60s Unplugged. A Kaleidoscopic History of a Disorderly Decade, London 2008; Ingrid Gilcher-Holtey, 1968. Eine Zeitreise, Frankfurt am Main 2008; Norbert Frei, 1968. Jugendrevolte und globaler Protest, München 2008.
[23] Z.B. Todd Gitlin, The Sixties. Years of Hope, Days of Rage, New York 1987 (u.ö.); vergleichbar für die Bundesrepublik Tilman Fichter / Siegward Lönnendonker, Kleine Geschichte des SDS. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund von 1946 bis zur Selbstauflösung, Berlin 1977 (2008 in überarbeiteter, 4. Neuaufl. unter dem personalisierenden Titel: Kleine Geschichte des SDS. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund von Helmut Schmidt bis Rudi Dutschke).
[24] Siehe auch Philipp Gassert, Narratives of Democratization. 1968 in Postwar Europe, in: Klimke / Scharloth, 1968 in Europe, S. 307-324.
[25] Reproduziert bei Volkhard Brandes, Paris, Mai ’68. Plakate, Karikaturen und Fotos der Revolte, Frankfurt am Main 2008, S. 37; dort auch die Aufschlüsselung der Vokabel.
[26] Erste Ansätze bei Axel Schildt, „Die Kräfte der Gegenrevolution sind auf breiter Front angetreten“. Zur konservativen Tendenzwende in den Siebzigerjahren, in: Archiv für Sozialgeschichte 44 (2004), S. 449-478; Riccardo Bavaj, Turning „Liberal Critics“ into „Liberal-Conservatives“. Kurt Sontheimer and the Re-Coding of the Political Culture in the Wake of the Student Revolt of „1968“, in: German Politics and Society 27 (2009), S. 39-59.
[27] Wolfgang Kraushaar, Achtundsechzig. Eine Bilanz, Berlin 2008, S. 57.
[28] Eine ähnliche, wenn auch kulturphilosophisch stark überhöhte, assoziative Vorgehensweise findet sich bei Martin Burckhardt, 68. Die Geschichte einer Kulturrevolution, Berlin 2009. Die Ereignisse um 1968 dienen dort aber allenfalls als „Aufhänger“ zur Erklärung des Übergangs zur Postmoderne.
[29] Diesen Ansatz hat Gilcher-Holtey schon früher vertreten; siehe dies., „Die Phantasie an die Macht“. Mai 68 in Frankreich, Frankfurt am Main 1995, S. 22ff., S. 44ff.
[30] Kraushaar, Achtundsechzig.
[31] Siehe auch Riccardo Bavaj, Das Trauma von „1968“. Liberale Hochschullehrer in Westdeutschland und Frankreich, in: Totalitarismus und Demokratie 6 (2009), S. 101-114.
[32] Für die Friedensbewegung ist die Protestantismusthese im Wesentlichen widerlegt worden; vgl. Alice Holmes Cooper, Paradoxes of Peace. German Peace Movements since 1945, Ann Arbor 1996, S. 163-174.
[33] Gassert, Kiesinger, S. 704.
[34] Dazu insbesondere Götz Aly, Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück, Frankfurt am Main 2008.
[35] Frei, 1968, S. 223.
[36] Diesen relativ breiten Konsens der Forschung repräsentiert etwa Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, München 2009, S. 355ff.
[37] Hierzu Martin Steinseifer, Zwischen Bombenterror und Baader-Story. Terrorismus als Medienereignis, in: Klimke / Scharloth, Handbuch, S. 289-301; Klaus Weinhauer / Jörg Requate / Heinz-Gerhard Haupt (Hrsg.), Terrorismus in der Bundesrepublik. Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren, Frankfurt am Main 2006.
[38] Dazu schon die Überlegungen von Eric Hobsbawm, 1968 – A Retrospect, in: Marxism Today 22 (Mai 1978), S. 130-136, hier S. 136; sowie jetzt die Einleitung von Angelika Ebbinghaus, in: dies., Die letzte Chance?, S. 10.
[39] Als beste Zusammenfassung siehe Wilfried Mausbach, Wende um 360 Grad? Nationalsozialismus und Judenvernichtung in der „zweiten Gründungsphase“ der Bundesrepublik, in: Christina von Hodenberg / Detlef Siegfried (Hrsg.), Wo „1968“ liegt. Reform und Revolte in der Geschichte der Bundesrepublik, Göttingen 2006, S. 15-47. Siehe auch die Beiträge in Philipp Gassert / Alan Steinweis (Hrsg.), Coping with the Nazi Past. West German Debates on Nazism and Generational Conflict, 1955-1975, New York 2006.
[40] Die wichtigen Arbeiten von Detlef Siegfried, Time Is on My Side. Konsum und Politik in der westdeutschen Jugendkultur der 60er Jahre, Göttingen 2006, und Christina von Hodenberg, Konsens und Krise. Eine Geschichte der westdeutschen Medienöffentlichkeit, 1945-1973, Göttingen 2006, ermöglichen die Kontextualisierung der Entstehungszusammenhänge, brechen jedoch Anfang der 1970er-Jahre ab und bringen daher noch wenig für die „Verarbeitung“ und Folgenabschätzung von „1968“.
[41] Vgl. Stephan Malinowski / Alexander Sedlmaier, „1968“ als Katalysator der Konsumgesellschaft. Performative Regelverstöße, kommerzielle Adaptionen und ihre gegenseitige Durchdringung, in: Geschichte und Gesellschaft 32 (2006), S. 238-267; Axel Schildt / Detlef Siegfried (Hrsg.), Between Marx and Coca-Cola. Youth Cultures in Changing European Societies, 1960-1980, New York 2006.
[42] Vgl. dazu Van Gosse, Where the Boys Are. Cuba, Cold War America and the Making of a New Left, New York 1993; Cynthia Young, Soul Power. Culture, Radicalism and the Making of a U.S. Third World Left, Durham 2006; Quinn Slobodian, Radical Empathy. The Third World and the New Left in 1960s West Germany, phil. Diss. New York University 2008.
[43] Vgl. Uta Poiger, Jazz, Rock, and Rebels. Cold War Politics and American Culture in Divided Germany, Berkeley 2000; Michael Rauhut, Beat in der Grauzone. DDR-Rock 1964-1972, Berlin 1993; Stefan Wolle, Der Traum von der Revolte. Die DDR 1968, Berlin 2008, S. 55ff.; Árpád von Klimó, Zwischen Beat und Kommunismus. Katholische Jugendgruppen in Ungarn 1968, in: Ebbinghaus, Die letzte Chance?, S. 108-120; Richard Wagner, Als Ceausescu und ich 68er waren, in: ebd., S. 164-167.
[44] Doug McAdam / Dieter Rucht, The Cross-National Diffusion of Movement Ideas, in: Annals of the American Association of Political and Social Science 528 (1993), S. 56-74; Charles Chatfield / Ron Pagnucco / Jackie Smith (Hrsg.), Transnational Social Movements and Global Politics. Solidarity Beyond the State, Syracuse 1997.
[45] Sidney Tarrow, Power in Movement. Social Movements, Collective Action, and Politics, Cambridge 1994, S. 153-169; Charles Tilly, European Revolutions, 1492-1992, Oxford 1993; Etienne François, Annäherungsversuche an ein außergewöhnliches Jahr, in: ders. u.a. (Hrsg.), 1968 – ein europäisches Jahr?, Leipzig 1997, S. 11-17, hier S. 13; Hartmut Kaelble, Wege zur Demokratie. Von der Französischen Revolution zur Europäischen Union, Stuttgart 2001.
[46] Thomas Hecken, Gegenkultur und Avantgarde 1950-1970. Situationisten, Beatniks, 68er, Tübingen 2006; Geoff Eley, Forging Democracy. The History of the Left in Europe, 1850-2000, New York 2002.
[47] Vor allem die Trilogie von Lawrence Wittner, The Struggle against the Bomb, 3 Bde., Stanford 1997-2003; Michael Frey, The International Peace Movement, in: Klimke / Scharloth, 1968 in Europe, S. 33-44; Holger Nehring, The Politics of Security. The British and West German Protests Against Nuclear Weapons, phil. Diss. Oxford 2006; Benjamin Ziemann (Hrsg.), Peace Movements in Western Europe, Japan and the USA during the Cold War, Essen 2008.
[48] Neben Poiger, Jazz, Rock, and Rebels, vor allem Siegfried, Time Is on My Side, und die Beiträge in Schildt / Siegfried, Between Marx and Coca-Cola.
[49] Dorothea Hauser, Terrorism, in: Klimke / Scharloth, 1968 in Europe, S. 269-280.
[50] Dazu vor allem die Beiträge in Ebbinghaus, Die letzte Chance?
[51] Martin Klimke, The Other Alliance. Global Protest and Student Unrest in West Germany and the U.S., 1962-1972, Princeton 2010.
[52] Ingo Juchler, Die Studentenbewegungen in den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland der sechziger Jahre. Eine Untersuchung hinsichtlich ihrer Beeinflussung durch Befreiungsbewegungen und -theorien aus der Dritten Welt, Berlin 1996; Wolfgang Kraushaar, Die transatlantische Protestkultur. Der zivile Ungehorsam als amerikanisches Exempel und bundesdeutsche Adaption, in: Heinz Bude / Bernd Greiner (Hrsg.), Westbindungen. Amerika in der Bundesrepublik, Hamburg 1999, S. 257-284; Leggewie, 1968.
[53] Schmidtke, Aufbruch.
[54] Vgl. zum größeren internationalen Kontext Jennifer B. Smith, An International History of the Black Panther Party, New York 1999; Maria Hoehn / Martin Klimke, A Breath of Freedom. The Civil Rights Struggle, African-American GIs, and Germany (erscheint 2010).
[55] Belinda Davis u.a. (Hrsg.), Changing the World, Changing Oneself. Political Protest and Collective Identities in West Germany and the U.S. in the 1960s and 1970s, New York 2010, S. ixf.
[56] Kastner / Mayer, Weltwende 1968?, S. 9.
[57] Als ältere Monographien und Sammelbände, die nach „1968“ in globaler, internationaler oder europäischer Perspektive fragen, siehe u.a. George Katsiaficas, The Imagination of the New Left. A Global Analysis of 1968, Boston 1987; David Caute, The Year of the Barricades. A Journey through 1968, New York 1988; Ronald Fraser, 1968: A Student Generation in Revolt, New York 1988; François u.a., 1968; Gerard DeGroot (Hrsg.), Student Protest. The Sixties and After, London 1998; Carole Fink / Philipp Gassert / Detlef Junker (Hrsg.), 1968. The World Transformed, New York 1998; Geneviève Dreyfus-Armand u.a. (Hrsg.), Les années 68. Le temps de la contestation, Brüssel 2001; Suri, Power and Protest.
[58] Auf den Schutzumschlag von Kraushaars „Bilanz“ schaffte es nicht einmal Gaston Salvatore, sondern nur Fritz Teufel, Rudi Dutschke und Rainer Langhans. Die Untersuchungen von Kraushaar und Frei weisen viele Gemeinsamkeiten auf. Wie Frei stellt Kraushaar ein amerikanisches „Vorspiel“ voran. Als Menetekel für das deutsche „1968“ schildert er Aufstieg und Fall der amerikanischen Gegenkultur von Alan Ginsberg hinauf zum kragenden Gipfel von Woodstock, bevor der Absturz zum Ritualmord der „Manson Family“ und nach Altamont führt. Auf diesem Glacis attestiert er den Deutschen Aufgeregtheit im Umgang mit „1968“, während man in den USA „sehr viel mehr Gelassenheit“ zeige (S. 42) – eine etwas voreilige Behauptung angesichts der Deutungskämpfe 2008 um Obamas angebliche Weathermen connection. Amerika und die „Dritte Welt“ werden unter die deutschen „Ursprungsmythen“ subsumiert, bevor Kraushaar nach diesen internationalistischen Pflichtübungen sein robust nationalgeschichtliches Fazit zieht, in dem über die „große weite Welt“ kein einziges Wort fällt.
[59] Thomas Etzemüller, 1968 – Ein Riss in der Geschichte? Gesellschaftlicher Umbruch und 68er-Bewegungen in Westdeutschland und Schweden, Konstanz 2005.
[60] Thomas Ekman Jørgensen, Transformation and Crises. The Left and the Nation in Denmark and Sweden, 1956-1980, New York 2008.
[61] Boris Kanzleiter / Krunoslav Stojakovic (Hrsg.), „1968“ in Jugoslawien. Studentenproteste und kulturelle Avantgarde zwischen 1960 und 1975. Gespräche und Dokumente, Bonn 2008.
[62] Simon Prince, Northern Ireland’s ’68. Civil Rights, Global Revolt and the Origins of the Troubles, Dublin 2007.
[63] Zu Frankreich siehe den Literaturbericht von Fougier, Mai 68; für Italien Jan Kurz, Die Universität auf der Piazza. Entstehung und Zerfall der Studentenbewegung in Italien 1966-1968, Köln 2001; Marica Tolomelli, „Repressiv getrennt“ oder „organisch verbündet“. Studenten und Arbeiter 1968 in der Bundesrepublik und Italien, Opladen 2001; Stuart Hilwig, Italy and 1968. Youthful Unrest and Democratic Culture, Basingstoke 2009.
[64] Ebbinghaus, Die letzte Chance?
[65] Der wichtige Band von Stefan Karner u.a. (Hrsg.), Prager Frühling. Das internationale Krisenjahr 1968, 2 Bde., Köln 2008, widmet sich stark außenpolitischen Aspekten und thematisiert Prag ’68 als globalen „Erinnerungsort“ nicht.
[66] Dazu schon Arif Dirlik, The Third World, in: Fink / Gassert / Junker, 1968, S. 295-317.
[67] Hierzu auch die Überlegungen in Gassert / Klimke, 1968, S. 18; sowie im selben Band die Ausführungen des ehemaligen amerikanischen SDS-Aktivisten Tom Hayden.
[68] Martina Kaller-Dietrich, Theologie der Befreiung: Medellín 1968, in: Kastner / Mayer, Weltwende 1968?, S. 68-82; David Mayer, Vor den bleiernen Jahren der Diktaturen: 1968 in und aus Lateinamerika, in: ebd., S. 153-158.
[69] So Kraushaar, Bilanz, S. 283.
[70] Krey, Ursula, „Der Bruch mit der Gehorsamstradition“. Die 68er Bewegung und der gesellschaftliche Wertewandel, in: Bernd Hey / Volkmar Wittmütz (Hrsg.), 1968 und die Kirchen, Bielefeld 2008, S. 13-34.
[71] Wolf-Dieter Hauschild, Kontinuität im Wandel. Die Evangelische Kirche in Deutschland und die sog. 68er Bewegung, in: Hey / Wittmütz, 1968 und die Kirchen, S. 35-54, hier v.a. S. 43, S. 46, S. 54.
[72] Vgl. bereits Gerd-Rainer Horn, The Changing Nature of the European Working Class. The Rise and Fall of the „New Working Class“ (France, Italy, Spain, Czechoslovakia), in: Fink / Gassert / Junker, 1968, S. 351-371.
[73] Gehrke / Horn, 1968 und die Arbeiter.
[74] Peter Birke, Der Eigen-Sinn der Arbeitskämpfe. Wilde Streiks und Gewerkschaften in der Bundesrepublik vor und nach 1969, in: Gehrke / Horn, 1968 und die Arbeiter, S. 53-75.
[75] Gerd-Rainer Horn, Arbeiter und „1968“ in Europa: Ein Überblick, in: Gehrke / Horn, 1968 und die Arbeiter, S. 27-52, hier S. 40.
[76] Karl Lauschke, Der Wandel der betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretung nach den westdeutschen Septemberstreiks, in: Gehrke / Horn, 1968 und die Arbeiter, S. 76-91.
[77] Dazu auch Gerd-Rainer Horn / Padraic Kenney (Hrsg.), Transnational Moments of Change. Europe 1945, 1968, 1989, Lanham 2004.
[78] Aly, Unser Kampf.
[79] Greven, Jubiläumsliteratur, S. 201.
[80] Kiesinger hatte solche Aufzeichnungen angefordert, weil er seit Jahr und Tag „Demokratie“ predigte; dazu Gassert, Kiesinger, S. 226ff., S. 393ff., S. 615ff.
[81] Siehe jetzt die Biographie von Simone Ladwig-Winters, Ernst Fraenkel. Ein politisches Leben, Frankfurt am Main 2009.
[82] Ernst Fraenkel, Das amerikanische Regierungssystem [1960], in: ders., Gesammelte Schriften, Bd. 4, hrsg. von Hubertus Buchstein und Rainer Kuhn, Baden-Baden 2000, S. 441-834.
[83] Vgl. Frank Bösch, Macht und Machtverlust. Die Geschichte der CDU, Stuttgart 2001, S. 94ff.; Klaus Schönhoven, Wendejahre. Die Sozialdemokratie in der Zeit der Großen Koalition 1966-1969, Bonn 2004, S. 267ff., S. 534ff.; Konrad H. Jarausch (Hrsg.), Das Ende der Zuversicht? Die siebziger Jahre als Geschichte, Göttingen 2008.
[84] Edgar Wolfrum, „1968“ in der gegenwärtigen deutschen Geschichtspolitik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 51,22-23 (2001), S. 28-36, auch online verfügbar unter <http://www.bpb.de/publikationen/27NG0I,0,1968_in_der_gegenw%E4rtigen_deutschen_Geschichtspolitik.html> (19.04.2010); Claus Leggewie, Der Mythos des Neuanfangs. Gründungsetappen der Bundesrepublik: 1949 – 1968 – 1989, in: Helmut Berding (Hrsg.), Mythos und Nation. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewusstseins in der Neuzeit, Frankfurt am Main 1996, S. 275-302; Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 5: Bundesrepublik und DDR, 1949-1990, München 2008, S. 310-321.
[85] Vgl. Anselm Doering-Manteuffel / Lutz Raphael, Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, Göttingen 2008; Andreas Rödder / Wolfgang Elz (Hrsg.), Alte Werte – neue Werte? Schlaglichter des Wertewandels, Göttingen 2008.
[86] Eine erste Schneise schlägt die quellengesättigte Studie von Boris Spix, Abschied vom Elfenbeinturm? Politisches Verhalten Studierender 1957-1967. Berlin und Nordrhein-Westfalen im Vergleich, Essen 2008. Leider endet der Untersuchungszeitraum vor dem Beginn des „kurzen 1968“.
[87] Vgl. jetzt jedoch Anne Rohstock, Von der „Ordinarienuniversität“ zur „Revolutionszentrale“? Hochschulreform und Hochschulrevolte in Bayern und Hessen 1957-1976, München 2010; Stefan Paulus, Vorbild USA? Amerikanisierung von Universität und Wissenschaft in Westdeutschland 1945-1976, München 2010. Beide Arbeiten konnten hier noch keine
Berücksichtigung finden.
[88] Wolfgang Lefèvre, Eine hochschulpolitische Reminiszenz, in: Ästhetik und Kommunikation 39,140/141 (2008), S. 57-64, einer der wenigen Beiträge zum Thema Hochschulpolitik 2007/08; siehe auch Wolf-Dieter Narr, ‚68’: Protestierender Abglanz der Ordinarienuniversität – Konkrete Utopie demokratischer Universität. Bleibende Ambivalenzen, in: Forschungsjournal Neue soziale Bewegungen 21,3 (2008), S. 57-66.
[89] Vgl. Volker Sellin, Auftakt zur permanenten Reform. Die Grundordnung der Universität Heidelberg vom 31. März 1969, in: Armin Kohnle / Frank Engehausen (Hrsg.), Zwischen Wissenschaft und Politik. Studien zur deutschen Universitätsgeschichte. Festschrift für Eike Wolgast zum 65. Geburtstag, Stuttgart 2001, S. 563-583.
[90] Roger Karapin, Protest Politics in Germany Movements on the Left and Right Since the 1960s, University Park 2007.
[91] Vgl. etwa Stefan Hemler, Von Kurt Faltlhauser zu Rolf Pohle. Die Entwicklung der studentischen Unruhe an der Ludwig-Maximilians-Universität München in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre, in: Venanz Schubert (Hrsg.), 1968: 30 Jahre danach, St. Ottilien 1999, S. 209-242.
[92] Wolfgang Kraushaar (Hrsg.), Frankfurter Schule und Studentenbewegung. Von der Flaschenpost zum Molotowcocktail, 3 Bde., Hamburg 1998.
[93] Paul Lyons, The People of this Generation. The Rise and Fall of the New Left in Philadelphia, Philadelphia 2003.
[94] Katja Nagel, Die Provinz in Bewegung. Studentenunruhen in Heidelberg, 1967-1973, Heidelberg 2009. Da der Rezensent Zweitbetreuer der Arbeit war, werden deren wichtigste Ergebnisse hier nur referiert und keiner kritischen Evaluation unterzogen.
[95] Mary Ann Wynkoop, Dissent in the Heartland. The Sixties at Indiana University, Bloomington 2002.
[96] Rusty Monhollon, This is America? The Sixties in Lawrence, Kansas, New York 2002.
[97] Angelika Linke / Jakob Tanner, Der Stadt als Protestraum, in: Angelika Linke / Joachim Scharloth (Hrsg.), Der Zürcher Sommer 1968. Zwischen Krawall, Utopie und Bürgersinn, Zürich 2008, S. 11-21.
[98] Dieser Sachverhalt war schon Grundlage der klassischen Untersuchung von Todd Gitlin, The Whole World is Watching. Mass Media in the Making and Unmaking of the New Left, Berkeley 1980.
[99] Klimke / Scharloth, Handbuch, S. 2.
[100] Wie beispielsweise Hodenberg, Konsens und Krise.
[101] Enttäuschend Burckhardt, 68, der die „Kulturrevolution“ als Zäsur versteht, ohne konkrete Anhaltspunkte für die Einwurzelung der um 1968 beginnenden Prozesse.
[102] Arnold Jacobshagen / Markus Leniger (Hrsg.), Rebellische Musik. Gesellschaftlicher Protest und kultureller Wandel um 1968, Köln 2007; Beate Kutschke (Hrsg.), Musikkulturen in der Revolte. Studien zu Rock, Avantgarde und Klassik im Umfeld von ‚1968‘, Stuttgart 2008.
[103] Beate Kutschke, Zur Relevanz der Thematik, in: dies., Musikkulturen, S. 5-24.
[104] Zur Bedeutung der Schauplätze vgl. Sandra Kraft, Vom Autoritätskonflikt zur Machtprobe. Die Studentenproteste der 60er Jahre als Herausforderung für das Establishment in Deutschland und den USA, phil. Diss. Heidelberg 2008; Nagel, Provinz in Bewegung, S. 101ff.
[105] Dazu der Beitrag von Hans Günter Hockerts, Deutung der Deutung von Deutung. Chancen und Risiken der Kulturgeschichte, in: Norbert Frei (Hrsg.), Was heißt und zu welchem Ende studiert man Geschichte des 20. Jahrhunderts?, Göttingen 2006, S. 92-98.
[106] Gerd Koenen, Das rote Jahrzehnt. Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967-1977, Köln 2001; Peter Schneider, Rebellion und Wahn. Mein ’68, Köln 2008; Wolle, Traum.
[107] Schneider, Rebellion, S. 108; zu dieser Bildikone vgl. Gerhard Paul, Die Geschichte hinter dem Foto. Authentizität, Ikonisierung und Überschreibung eines Bildes aus dem Vietnamkrieg, in: Zeithistorische Forschungen / Studies in Contemporary History 2 (2005), S. 224-245, auch online verfügbar unter <http://www.zeithistorische-forschungen.de/16126041-Paul-2-2005> (19.04.2010).
[108] Die Frage wird allenthalben gestellt, aber kaum beantwortet; dies gilt z.B. auch für die vorzügliche Sammlung von Linke / Scharloth, Der Zürcher Sommer 1968: Die Beiträge konstatieren die Problematik, kritisieren die Vereinnahmung, kommen aber dann ohne Genealogie der Einschreibung der Ereignisse um 1968 in die Erinnerung aus.
[109] Lucke, 68 oder neues Biedermeier.
[110] Dazu auch der Rückblick von Klaus Hartung, Selbstkritische Überlegungen und Überlegungen zur Selbstkritik nach 40 Jahren, in: Ästhetik und Kommunikation 39,140/141 (2008), S. 95-112, auch online verfügbar unter <http://www.aesthetikundkommunikation.de/?artikel=359> (19.04.2010); sowie Kursbuch 48 (Juni 1977): Zehn Jahre danach.
[111] Paul Hockenos, Joschka Fischer and the Making of the Berlin Republic. An Alternative History of Postwar Germany, Oxford 2008; zur Rolle des „Nie wieder Auschwitz“ für die rot-grüne Koalition ab 1998 jetzt Hans Kundnani, Utopia or Auschwitz. Germany’s 1968 Generation and the Holocaust, London 2009.
[112] Gilcher-Holtey, Zeitreise, S. 207ff.
[113] Vgl. Marion G. Müller, Der Tod des Benno Ohnesorg. Ein Foto als Initialzündung einer politischen Bewegung, in: Gerhard Paul (Hrsg.), Das Jahrhundert der Bilder. Bildatlas Bd. II: 1949 bis heute, Göttingen 2008, S. 338-345.
[114] Vgl. Thomas Hecken, 1968. Von Texten und Theorien aus einer Zeit euphorischer Kritik, Bielefeld 2008.
[115] Andreas Schwab / Beate Schappach / Manuel Gogos (Hrsg.), Die 68er. Kurzer Sommer – lange Wirkung, Frankfurt am Main 2008; siehe auch die Ausstellungsrezension von Claus Kröger, 2.8.2008, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezausstellungen&id=65d=65> (19.04.2010).
[116] Gerd Koenen / Andres Veiel, 1968. Bildspur eines Jahres, Köln 2008.
[117] Michael Ruetz, Die unbequeme Zeit. Das Jahrzehnt um 1968, Göttingen 2008.
[118] David Farber, The Silent Majority and the Talk about Revolution, in: ders., Sixties, S. 291-316.
[119] Sinibaldi, Luca, Il Sessantotto come luogo della memoria, in: Benedetto Coccia (Hrsg.), 40 anni dopo. Il Sessantotto in Italia fra storia, società e cultura, Rom 2008, S. 253-290.
[120] Ross, May ’68, S. 1.

Bibliografie

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1 Monographien
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Franz-Werner Kersting, Entzauberung des Mythos? Ausgangsbedingungen und Tendenzen einer gesellschaftsgeschichtlichen Standortbestimmung der westdeutschen ‚68er‘-Bewegung, in: Westfälische Forschungen 48 (1998), S. 1-19.

Wolfgang Kraushaar, Die transatlantische Protestkultur. Der zivile Ungehorsam als amerikanisches Exempel und bundesdeutsche Adaption, in: Heinz Bude / Bernd Greiner (Hrsg.), Westbindungen. Amerika in der Bundesrepublik, Hamburg 1999, S. 257-284.

Claus Leggewie, 1968 – Ein transatlantisches Ereignis und seine Folgen, in: Detlef Junker u.a. (Hrsg.), Die USA und Deutschland im Zeitalter des Kalten Krieges. Ein Handbuch, Bd. 2: 1968–1990, Stuttgart 2001, S. 632-643.

Claus Leggewie, Der Mythos des Neuanfangs. Gründungsetappen der Bundesrepublik: 1949 – 1968 – 1989, in: Helmut Berding (Hrsg.), Mythos und Nation. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewußtseins in der Neuzeit, Frankfurt am Main 1996, S. 275-302.

Stephan Malinowski / Alexander Sedlmaier, „1968“ als Katalysator der Konsumgesellschaft. Performative Regelverstöße, kommerzielle Adaptionen und ihre gegenseitige Durchdringung, in: Geschichte und Gesellschaft 32 (2006), S. 238-267.

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Volker Sellin, Auftakt zur permanenten Reform. Die Grundordnung der Universität Heidelberg vom 31. März 1969, in: Armin Kohnle / Frank Engehausen (Hrsg.), Zwischen Wissenschaft und Politik. Studien zur deutschen Universitätsgeschichte. Festschrift für Eike Wolgast zum 65. Geburtstag, Stuttgart 2001, S. 563-583.

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4 Internet-Dokumente

Dossier „Die 68er-Bewegung“
<http://www.bpb.de/themen/UEZYL5,0,0,Die_68erBewegung.html> (27.04.2010)

1968 in Europe: Online Teaching and Research Guide
<http://www.1968ineurope.com/> (27.04.2010)

1968 Revisited: New York University Archives <http://www.nyu.edu/library/bobst/collections/exhibits/arch/Homepg/Index.html> (27.04.2010)

Archiv APO und soziale Bewegungen, Freie Universität Berlin
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The May Events Archive, San Francisco State University <http://edocs.lib.sfu.ca/projects/mai68/> (27.04.2010)

The Sixties Project, University of Virginia <http://www2.iath.virginia.edu/sixties/HTML_docs/Sixties.html> (27.04.2010)

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SDS/WUO Document Archive
<http://www.antiauthoritarian.net/sds_wuo/> (27.04.2010)

Neue Bücher zum Themenkomplex „1968“ im Spiegel der Kritik
(Auswahlbibliographie mit Rezensionsnachweisen)
<http://www.zeithistorische-forschungen.de/zol/Portals/_zf/documents/pdf/Rezensionen_68er%20PDF.pdf> (27.04.2010)

5 Literaturberichte

Felix Dirsch, Kulturrevolution oder Studentenbewegung? Ansätze zur Historisierung der Ereignisse von „1968“, in: Zeitschrift für Politik 55 (2008), S. 5-32.

Felix Dirsch, „1968“: Von der erlebten Zeitzeugenschaft zum Gegenstand der Historiographie? Eine Literaturauswahl in der Rückschau auf das Jubiläumsjahr 2008, in: Zeitschrift für Politik 56 (2009), S. 89-97.

Philipp Gassert, Ein Wendepunkt der Nachkriegszeit? „1968“ in der Jubiläumsliteratur zum Dreißigsten, in: Historische Mitteilungen 15 (2002), S. 286-296.

Philipp Gassert, Sammelrezension „1968 in der Bundesrepublik“, in: H-Soz-u-Kult, 25.6.2007, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2007-2-183> (27.04.2010).

Michael Th. Greven, Jubiläumsliteratur – „1968“ und die „68er“ als Erinnerungsort und aktuelle Projektionsfläche, in: Neue Politische Literatur 53 (2008), S. 195-204.

Petra Haustein, Von der Jahrestagsprosa zur Analyse. Das Jahr 1968 im Spiegel der Forschung, in: Neue Politische Literatur 53 (2008), S. 401-429.

Wolfgang Kraushaar, Der Zeitzeuge als Feind des Historikers? Ein Literaturüberblick zur 68er-Bewegung, in: ders., 1968 als Mythos, Chiffre und Zäsur, Hamburg 2000, S. 253-347.

Manfred Lauermann, Vierzig Jahre 1968: Ein Literaturüberblick, in: Berliner Debatte Initial 20 (2009), S. 111-149; auch online verfügbar unter <http://www.zeithistorische-forschungen.de/zol/Portals/_zf/documents/pdf/Lauermann_Literaturbericht_1968.pdf> (27.04.2010).

Hartmut Rübner, Zähmende Historisierung oder fundamentale Destruktion. Was um 2008 zu „1968“ erschien, in: Peter Birke / Bernd Hüttner / Gottfried Oy (Hrsg.), Alte Linke – Neue Linke? Die sozialen Kämpfe der 1968er Jahre in der Diskussion, Berlin 2009, S. 207-218.

Detlef Siegfried, Forschungsbericht 1968, in: H-Soz-u-Kult, 12.12.2002, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=2327> (27.04.2010).

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Zitation
Philipp Gassert: Das kurze „1968“ zwischen Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur: Neuere Forschungen zur Protestgeschichte der 1960er-Jahre, in: H-Soz-Kult, 30.04.2010, <http://www.hsozkult.de/literaturereview/id/forschungsberichte-1131>.